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  • Paris Paloma wird lauter: Die Frage nach „The Fatal Flaw“

    Paris Paloma wird lauter: Die Frage nach „The Fatal Flaw“

    Paris Paloma schlägt mit The Fatal Flaw kräftiger, roher und lauter als zuvor zurück. Mit dem am 04.09. veröffentlichen Album wagt sich die gebürtige Engländerin dabei musikalisch wie thematisch weiter vor als auf ihrem Debüt und beschreibt die neuen Songs als ehrlicher und chaotischer als ihr bisheriges Material. Und tatsächlich fühlt sich The Fatal Flaw nicht wie eine einzige sauber erzählte Geschichte an, sondern wie eine Sammlung von Erinnerungen, Verletzungen, Beobachtungen und Gedanken, die irgendwie alle zusammenfinden. 

    Liebe und Herzschmerz stehen dabei so sehr im Mittelpunkt wie wohl noch nie in Palomas Musik. Für die Songs rund um dieses Thema hatte sie sich eine besondere Ästhetik vorgenommen: Sie sollten sich anfühlen wie „epic poems“ oder wie Wandteppiche, die jahrhundertealte Geschichten erzählen. Sie verbindet persönliches Erleben, Mythologie und Kunst noch mehr als je zuvor und nimmt uns mit auf eine Reise durch verschiedene Welten.

    Ein Plädoyer für die Kunst

    Diese Reise beginnt sofort mit einem Song über Kunst: „Miyazaki“. Der Titel bezieht sich auf den japanischen Filmemacher Hayao Miyazaki, der unter anderem für seine kritische Haltung gegenüber künstlicher Intelligenz in der Kunst bekannt ist. Für Paloma ist das Thema Kunst ohnehin nichts Fremdes, denn sie hat selbst Kunst studiert und schon auf ihren bisherigen Veröffentlichungen stark darauf zurückgegriffen. Musikalisch macht der Song direkt klar, dass Paloma sich auf The Fatal Flaw einiges vorgenommen hat. Treibende Drums verleihen dem Song von Beginn an eine gewisse Dringlichkeit. „Please don’t ever take it from me“ bzw. „I won’t let you take it from me“. Der Refrain wandelt sich von einer Bitte zu Warnung und Widerstand. Es klingt nach dem Versuch, etwas zu bewahren, das für Paloma nicht einfach nur Dekoration, sondern ein elementarer Bestandteil des Menschseins und ein Baustein ihrer Musik ist.

    Nach diesem kraftvollen Auftakt wird es mit „Rothko“ zunächst deutlich ruhiger. Sanfte Gitarren und beinahe gehauchte Vocals lassen den Song verletzlicher wirken, bevor er sich gegen Ende wieder öffnet und vom Sound in Richtung Filmmusik driftet. Nicht umsonst lässt sich Paloma irgendwo zwischen Cinematic und Art Pop verorten, wobei „Rothko“ dabei etwas stärker musikalisch an die Paris Paloma erinnert, die man bereits von früheren Songs kennt. Inhaltlich sieht es anders aus. Dort beschäftigt sie sich mit sehr persönlichen Fragen wie: Habe ich Liebe gefunden? Und habe ich sie überhaupt schon erfahren? Die Liebe ist ein eher neueres Motiv in ihren Songs, was auf diesem Album erstmals richtig Platz findet.

    Liebe, Schmerz und Selbstschutz

    Besonders eindringlich wird das Album bei „Stem The Flow“. Der bereits vorab veröffentlichte Song gehört zu den verletzlichsten Momenten des Albums und beschreibt einen Kreislauf aus Verletzung, Vergebung und immer neuen Chancen. Was anfangs kurz wie ein Liebeslied klingt, entpuppt sich schnell als Beschreibung einer Beziehung, in der Liebe längst einseitig, ja sogar toxisch geworden ist. Der Song beschreibt diese Entwicklung, die vielleicht mehr von uns schon einmal selbst erfahren haben, als uns lieb ist, zuzugeben. Zu Beginn heißt es noch: „It’s not in my nature to forgive bad behaviour except when it’s yours.“ Am Ende steht dagegen: „It’s not in my nature to forgive bad behaviour, especially yours.“ Aus dem Versuch, die andere Person zu verstehen, wird die Erkenntnis, dass man sich selbst schützen muss. „Stem The Flow“ ist im Großen und Ganzen eine musikalisch erzählte Realisation: Manchmal besteht der einzige Weg, den Kreislauf aus Schmerz und Enttäuschung zu beenden, darin, tatsächlich zu gehen.

    Stem The Flow Press Photo

    Mit dem nächsten Song – „The Bleeding Part of Me“ – bleibt Paloma anschließend in dieser verletzlichen Stimmung. Besonders auffällig ist die musikalische Dynamik des Songs: Der vorletzte Refrain wird beinahe geflüstert, bevor der letzte Refrain wieder deutlich größer wird und hinten raus sozusagen noch einmal einen kräftigen Abschluss bildet. Der Song gehört für mich persönlich zwar nicht zu den stärksten des Albums, fügt sich aber gut in den emotionalen Verlauf ein.

    Folglich nimmt „get her the fucking flowers“ wieder etwas Tempo heraus. Der Song ist zurückgenommen und lebt vor allem von leisen Gitarren, sparsamen Drums und Palomas hoher, fast zerbrechlicher Stimme, wobei er mit den lauteren und wütenderen Momenten des Albums gut funktioniert. Paris Paloma muss nicht immer laut sein, um Schmerz spürbar zu machen. Mir persönlich ist der Song allerdings etwas zu ruhig, um zu meinen Favoriten des Albums zu gehören.

    Weiblichkeit als Patchwork

    Mit „Pre-Raphaelite“ wird es wieder ein wenig größer und gleichzeitig düsterer. Der Sound vom Song hat beinahe etwas Spukhaftes und erinnert mich musikalisch stellenweise an die 2000er. Inhaltlich geht es um weibliche Schönheit, aber allerdings nicht aus der Perspektive romantischer oder sexueller Anziehung. Paloma beschreibt sich selbst als eine Art Patchwork aus all den Frauen, denen sie begegnet ist und deren Schönheit sie bewundert hat. Frauen, die sie auf ein Podest gestellt hat, werden zu einzelnen Teilen ihrer eigenen Vorstellung von Weiblichkeit. Dabei dreht sie diese Perspektive auch um: Vielleicht ist jede von uns für eine andere Person genau eine solche Frau. Der Titel verweist dabei auf die Präraffaeliten, eine Künstlergruppe des 19. Jahrhunderts, die sich gegen die damals vorherrschenden idealisierten Darstellungen wandte. Ihre Gemälde zeigten Frauen nicht nur als perfekte Schönheiten, sondern ließen unterschiedliche Facetten von Weiblichkeit zu. Paris Paloma übernimmt dieses Bild und bewundert Schönheit, ohne sie automatisch mit Begehren gleichzusetzen.

    Auch „Good Girl“ beschäftigt sich mit Vorstellungen davon, wie Frauen sein sollen. Der Song beginnt ungewöhnlicherweise mit gesprochenen Worten von ihr selbst. Paloma spricht über Körperbild und Selbstwert, bevor die Musik langsam einsetzt. Im Hintergrund liegt leises Summen, während der Song sich schließlich zu einem ihrer für mich persönlich stärksten Momente auf diesem Album entwickelt.

    Besonders interessant ist auch die Verbindung zu ihrem anderen Song „Good Boy“, der später im Album folgt und den ich unten noch einmal aufgreife. Wo dieser die gesellschaftlichen Erwartungen an Männer thematisiert, stellt „Good Girl“ die weibliche Perspektive daneben. Was darf eine Frau sagen? Wie laut darf sie sein? Wie viel Wut ist erlaubt?

    Mythologie, Männer und Gewalt

    Mit „Pyrrhus (You Go Where I Cannot)“ folgt der mit knapp fünfeinhalb Minuten längste Song des Albums. Wieder beginnt Paloma zurückhaltend mit sanften Gitarren, bevor sich langsam eine größere, fast epische Geschichte entfaltet, die der griechischen Mythologie nachgeht. Im Zentrum steht Deidamia, die Mutter des griechischen Helden Pyrrhus, die hilflos mitansehen muss, wie ihr Sohn in den Krieg zieht und für vermeintliche Werte wie Ruhm und Ehre Gewalt ausübt. Der Song ist aus ihrer Perspektive geschrieben: „Do you hear the screams, Pyrrhus?“ bringt die Verzweiflung auf den Punkt: Wie kann ein Mensch, den man selbst großgezogen hat, zu jemandem werden, dessen Handlungen man nicht mehr versteht? Sie vermisse ihren Sohn und erkenne ihn nicht wieder. Auch hier greift Paloma auf eine alte Geschichte zurück, um etwas sehr Gegenwärtiges zu erzählen. Wieder taucht die Frage auf, wie Gewalt entsteht und wie man mit Menschen umgeht, die sich von den Werten entfernen, die man ihnen mitgeben wollte. 

    Der Song ist für mich besonders stark und geht mir thematisch auch sehr nahe. Die Frage, wie ein Mensch zu dem wird, der er ist, obwohl ihm vielleicht ganz andere Werte vorgelebt wurden, ist eine, die mich selbst schon öfter beschäftigt hat und sie lässt sich heute eben auf weit mehr übertragen als nur auf Gewalt: auf politische Überzeugungen, Ideologien, gesellschaftliche Entwicklungen oder den Umgang miteinander. Obwohl Paloma eine Geschichte aus der griechischen Mythologie erzählt, stellt sie letztlich Fragen, die zeitlos sind und die wir uns angesichts der Welt um uns herum immer wieder stellen müssen. Wie wird aus einem Menschen jemand, den wir irgendwann nicht mehr wiedererkennen? Antwortlos bleiben wir an dieser Stelle zurück und ziehen weiter zum nächsten Song. 

    Silhouette on the Hill Press Photo

    Silhouette on the Hill“ ist der neunte Song des Albums und einer, den Paloma selbst besonders schätzt. Sie beschreibt darin den Wunsch, für bestimmte Menschen einfach verschwinden zu können. Obwohl sie sich von Personen gelöst hat, die ihr nicht gutgetan haben, fühlt sie sich ihnen gegenüber weiterhin sichtbar. Das Bild der Silhouette auf dem Hügel passt also perfekt dazu, denn sie ist nicht mehr Teil dieser Beziehungen, aber auch noch nicht vollständig aus deren Blickfeld verschwunden. Sie selbst sagt auch, dass sie sich mit diesem Song fühlt wie in einem Western, wo sich eine einsame Figur in der Ferne langsam von etwas entfernt.

    Mythologie, Männer und Gewalt

    Wenn „Good Girl“ die weibliche Perspektive auf Erwartungen und Selbstbild eröffnet, bildet „Good Boy“ dazu das passende Gegenstück. Der Song beginnt mit einem gesprochenen Intro von Emma Thompson (einer britischen Drehbuchautorin, Schauspielerin und Filmproduzentin): „I knew that one day I’d have to watch powerful men burn the world down. I just didn’t expect them to be such losers.“ Darauf folgt Palomas eigenes Lachen, wodurch der Song sofort eine gewisse Prise Spott bekommt. Außerdem befinden sich gegen Ende des Songs bellende Hunde, wodurch auch der Titel des Songs zweideutig wird. Im Song beschreibt sie politische und gesellschaftliche Beobachtungen und das Lied richtet sich gegen Männer, die sich selbst als unabhängige Denker verstehen, tatsächlich aber blind Ideologien und anderen Dingen folgen, ohne zu hinterfragen. So wie ein Hund, eben ein „good boy”. Gerade eine solche Verbindung zwischen vermeintlicher Unabhängigkeit und blindem Folgen finde ich relevanter denn je und teile den Gedanken des Songs sehr.

    Im nächsten Song bleiben wir thematisch bei den Männern. „Beautiful Birds“ ist musikalisch einer meiner persönlichen Favoriten und wirkt deutlich leichter als viele der vorherigen Songs, man könnte sagen, beinahe so schwerelos wie eine Vogelfeder im Wind. Paloma nimmt darin das Paarungsverhalten männlicher Vögel zum Anlass, einen ziemlich einfachen Wunsch an die Männerwelt zu formulieren: Vielleicht könnten sie sich ein Beispiel daran nehmen. Schließlich scheinen Vögel deutlich besser darin zu sein, eine Partnerin für sich zu gewinnen: „And they won’t die alone, they know something that you don’t“ wirkt vielleicht auch etwas amüsant, aber damit hat sie sicherlich recht. Allerdings glaube ich auch, dass in dem Song eine gewisse Traurigkeit und Enttäuschung mitschwingt, denn Paloma belässt es nicht bei einem Vergleich zwischen Mensch und Vogel. „I’ve seen that distant land, that boundless cemetery, the buried hearts of men who died suppressing every need“. Sie singt von Männern, die ihre eigenen Bedürfnisse unterdrückt haben und daran letztlich zugrunde gegangen sind. Für mich richtet sie darin also auch eine Kritik an gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit: Vögel müssen sich nicht an ein bestimmtes Bild davon halten, wie sie sich zu verhalten haben, welche Gefühle sie zeigen dürfen oder wie sie mit ihren Bedürfnissen umgehen sollen. Hinter der ach so musikalischen Leichtigkeit vom Song steckt deshalb auch irgendwie eine Enttäuschung. Eine Enttäuschung über eine Gesellschaft, die Männern beibringt, ihre eigenen Bedürfnisse zu begraben, anstatt ihnen zu zeigen, wie sie Nähe und Liebe zulassen können. Für Kritik am Patriarchat und einen Kampf dagegen ist Paloma schließlich ebenfalls textlich bekannt.

    Weinen vor Kunst – A Full Circle Moment

    Der letzte Song des Albums ist „I Cry In Front Of Paintings“, der ebenfalls die letzte Single vor der Veröffentlichung des Albums war. Paloma selbst bezeichnet den Song als emotionalen Höhepunkt des Albums. Nach all der Wut, Verletzlichkeit, Enttäuschung und den Fragen danach, was man eigentlich verdient, kommt hier etwas anderes: Ruhe. Der Song ist textlich der kürzeste und hat damit die längste instrumentale Strecke, die auch sehr melancholisch, friedlich und irgendwie auch hoffnungsvoll klingt. Das Lied handelt davon, Liebe und Sicherheit schließlich dort zu finden, wo man es vielleicht nicht erwartet hätte. Damit schließt sich auch in gewissem Maße der Kreis zu „Rothko“ und der Frage, ob Paloma Liebe überhaupt finden wird.

    I Cry in Front of Paintings Press Photo
    Fazit: nicht viele Antworten, aber die richtigen Fragen 

    Paris Paloma erzählt keine lineare Geschichte, sondern setzt viele kleine nebeneinander und schafft verschiedene Bilder und Perspektiven. Mal bedient sie sich der Mythologie, mal der Kunstgeschichte, mal der Natur und mal sehr persönlicher Erfahrungen, sodass am Ende aber alles Sinn macht. Das Album beginnt mit einem Plädoyer dafür, Kunst zu bewahren, führt durch Schmerz, Wut, Enttäuschung und Selbstzweifel und endet schließlich wieder im Raum der Kunst. Auch am Ende dieser Reise ist der namensgebende „Fatal Flaw“ nicht gefunden, genauso wenig wie Antworten auf all die anderen Fragen, die Paloma aufwirft. Ich glaube allerdings, dass das auch gar nicht der Anspruch des Albums ist. The Fatal Flaw fühlt sich vielmehr wie eine Erkundungstour an und oft liegt der Wert bereits darin, solche Fragen überhaupt zu stellen. Dabei verbindet Paloma ihre Fragen mit großen und teilweise Jahrhunderte alten Geschichten und schafft es gleichzeitig, ihnen eine erstaunliche Gegenwärtigkeit zu verleihen: Wie entstehen Gewalt und gesellschaftliche Rollenbilder? Was passiert, wenn wir Menschen nicht mehr wiedererkennen, die uns einmal nahestanden? Und was sind wir uns selbst eigentlich schuldig?

    Ich selbst finde The Fatal Flaw vor allem textlich, aber auch musikalisch sehr stark und bemerkenswert zeitgemäß.

    Und wenn euch das Album gefällt, könntet ihr Paris Paloma dieses Jahr noch live erleben. Im Winter geht sie auf Europa-Tour und macht im Dezember Halt in München, Frankfurt, Berlin und Hamburg. 

    Fotos: Phoebe Fox

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    Weitere Informationen

  • Sziget 2026: So war eine Woche auf der Island Of Freedom

    Sziget 2026: So war eine Woche auf der Island Of Freedom

    Eine Woche mit über 300 000 Besucher:innen auf der Island of Freedom liegt hinter uns – das Sziget Festival ist offiziell vorbei und wir haben vor, euch noch einmal unsere Highlights zu präsentieren, also kommt hier ein kurzer Wrap-up von einer Woche Budapest! 

    Am Dienstag ging’s los mit dem Programm und die ersten Acts standen bereits am Vormittag an. Die größeren Stages haben jedoch immer erst ab 16 Uhr mit dem Programm begonnen, wodurch wir den Vormittag auf der Insel eher selten erlebt haben. Dort ist es generell noch sehr ruhig, da viele Party-People noch am Schlafen sind.

    Die Ruhe vor dem Sturm am Vormittag

    Ankommen

    Zuerst ging es aber los mit der alljährlichen Stempeljagd. Zu Beginn des Festivals bekommt man einen Reisepass als kleinen Festivalguide, in dem man ebenfalls Stempel an verschiedenen Stationen der Insel sammeln kann. Dadurch bekommt man einen guten Überblick über das Gelände und muss kleinere Challenges machen. Für eine vollständig absolvierte Stempeljagd bekommen die ersten 5000 Menschen ein Goodie und dieses Jahr gab es Socken oder einen Beutel.

    Tag 1

    Die Highlights waren definitiv Zara Larsson und Sombr als Headliner des ersten Abends. Beide haben eine sehr coole Show abgeliefert und sich definitiv die Slots auf der Mainstage verdient. Abends ging es dann auf der Revolut Stage weiter mit Dijon, einem meiner liebsten Künstler. Auch seine Show war sehr gut besucht und es war mir ein Fest, ihn wieder live sehen zu dürfen. Zum Abschluss gab es noch eine positive Überraschung: Soft Loft. Die Schweizer Band war live wirklich richtig gut und sie hat mich mit ihrer verträumten Musik ein wenig in ihren Bann gezogen. Um 2 Uhr war dann erstmal Schicht im Schacht! 

    Sombr auf der Mainstage

    Tag 2

    Am Mittwoch startete der Nachmittag mit den Giant Rooks, die ich zum zweiten Mal auf dem Sziget erleben durfte und die sich (verdient) von der Revolut Stage auf die Mainstage katapultiert hatten. Dann ging’s weiter mit Natasha Bedingfield, die tatsächlich nicht auf der Mainstage gespielt hat, was ehrlicherweise ein bisschen fehlbesetzt war. Der Andrang bei so einer Legende mit Songs zum Mitsingen war riesig und ich glaube, ich habe die Revolut Stage noch nie so voll erlebt; trotz der Völle hatten alle aber eine gute Zeit. Ich habe auch noch nie so viele Menschen dort im Publikum mitsingen gehört. Natasha hat wirklich abgeliefert! 

    Die Giant Rooks auf der Mainstage am Nachmittag
    Versammlung vor der Revolut Stage bei Natasha Bedingfield

    Weiter im Programm ging es mit den Twenty One Pilots, Chet Faker und Ashnikko. Es war dieses Jahr alles etwas eng getaktet, hatte ich das Gefühl, sodass wir uns nicht alles anschauen konnten. Normalerweise lief immer ein Act auf der Revolut Stage, nachdem der Headliner auf der Mainstage vorbei war, sodass die Massen immer dorthin geströmt sind. Ich kann mir vorstellen, dass sie, um den Strom etwas zu kontrollieren, dieses Jahr die Acts auf diesen zwei Stages lieber zeitgleich laufen lassen haben, was ich jedoch ein wenig schade fand. 

    Zum späten Abend hin folgte dann ein wenig Heimatfeeling auf der DHL Stage: Ikkimel. Ich würde wahrscheinlich in Berlin niemals zu einem Konzert gehen, weil ich mir die Crowd recht anstrengend vorstelle, aber auf dem Festival hat es schon sehr Bock gemacht, da sich alles gut verteilt hat. Live macht Mama Ikki definitiv sehr gute Stimmung! 

    Da es an Tag 3 früh raus ging, haben wir uns danach vom Gelände begeben, obwohl ich mir den ein oder anderen Act gern noch angeschaut hätte, aber es war einfach viel zu spät. Da wir nicht gecampt haben, darf man auch den Weg zurück in die Stadt nicht unterschätzen, der gern mal eine Stunde dauert.

    Tag 3

    Der frühe Vogel fängt den Wurm – oder besser gesagt einen Interview-Slot. Mehr dazu lest ihr allerdings im Dezember!

    Donnerstag war somit der einzige Tag, an dem wir die Insel schon am frühen Vormittag betreten haben und es war noch sehr leer und ruhig. Wir hatten dann ein wenig Zeit, die Sponsoren auszukundschaften. Zuerst ging es zu Aperol. Dort konnte man ein paar Säckchen werfen und sich bei einem Treffer ein Goodie abholen. Mitgenommen haben wir einen Regenponcho (den wir Gott sei Dank nicht gebraucht haben) und einen Beutel. Weiter ging’s zu Revolut. Neben der Stage gab es einen Stand, wo man sich am System einen Code generieren lassen konnte und mit den Zahlen per Zufall etwas gewinnen konnte. Revolut verlost jedes Jahr sowohl kleine Goodies wie Mini-Ventilatoren oder Handyketten, aber auch VIP-Upgrades, Backstage-Touren oder Sziget-Tickets für 2027.

    Nebenan war zudem ein Stand von Notino (die waren sehr präsent dieses Jahr), wo man sich zwischendurch noch einmal etwas frisch machen konnte. Es gab alles über Haaröl, Sonnencreme, Gesichtswasser etc. und mit dem Dyson Airwrap konnte man sich noch einmal die Frise aufhübschen. Notino hatte noch ein kleines Häuschen auf der Insel, wo man unterschiedliche Challenges absolvieren konnte und am Ende ebenfalls ein kleines Goodie erhalten hat. Dafür hatten wir aber keine Zeit mehr, weil wir viel zu lange für die DHL-Fotobox angestanden haben. An sich eine sehr süße Idee, aber leider war die Kameraqualität wirklich nicht die beste. Als Andenken aber völlig ausreichend.

    Danach hieß es erstmal Päuschen und Ausruhen, bis der erste Act gespielt hat. Ich muss zugeben, wir haben dieses Jahr sehr wenig von den anderen Programmpunkten wahrgenommen, weil wir in den Jahren davor schon viel gemacht haben. Ich würde trotzdem jeder und jedem empfehlen, sich mal eine Dragshow oder eine Zirkusperformance anzuschauen oder sich in der Art Zone kreativ auszuleben und einen Magneten oder eine Postkarte zu gestalten. Es gibt wirklich sehr viele coole Dinge abseits des Programms auf den Bühnen, die einfach auch zum Festival dazugehören.

    Oskar Haag

    Die ersten Acts des Tages am Donnerstag waren dann Oskar Haag auf der Light Stage sowie Paris Paloma und Loyle Carner auf der Mainstage. Loyle kannte ich vorher nicht, aber ich fand ihn sehr, sehr gut und wirklich sympathisch. Alle Artists haben sehr schöne Performances hingelegt. Die Paris Paloma-Fans hatten sich außerdem bereits vorne versammelt für den Headliner: Florence + The Machine. Alle waren sehr süß gekleidet und hatten lange Kleider an und Blumenkronen auf den Köpfen.

    Die Florence + The Machine Fans an der Barrikade

    Vor Florence bescherte uns allerdings Lewis Capaldi noch ein intimes Set an sad Songs. Ich hatte mich sehr auf ihn gefreut, da ich seine Musik liebe und ihn selbst auch sehr unterhaltsam finde. Wer Lewis noch nie live gesehen hat, sollte dies dringend nachholen, denn er ist wirklich ein geborener Entertainer. Außerdem hat er angekündigt, dass er an einem neuen Album arbeitet, und ich bin schon echt gespannt! Summa summarum: Wir haben uns an dem Tag also fast nicht von der Mainstage bewegt mit so einem Banger-Lineup. Eine Performance gab es dann aber doch noch auf der Revolut Stage: Parcels. Die australische Indie-/Elektropop-Band übernahm unser Abendclosing. Ich hätte nicht gedacht, dass sie mich live so abholen würden, aber ich war wirklich begeistert!

    Tag 4

    Dieser Tag startete mit Vorfreude auf den Headliner: Bring Me The Horizon. Ich wusste nicht ganz, was mich erwarten würde, aber ich wusste: Es wird krass. Und das war es auch. Ich bin kein riesiger Rock-Fan, aber ich finde, so eine Kult-Band muss man mal gesehen haben. Sie haben mit Pyrotechnik die Mainstage zerlegt und eine wirklich krasse Show abgeliefert.

    Gut eingeheizt hatte Ski Aggu im Vorfeld, von dem wir jedoch auch nicht das ganze Set durch eine Überschneidung mit BMTH sehen konnten. Weitere deutsche Power erhielt die Revolut Stage dann um 1:30 Uhr dank BUNT. Auf das Set hatte ich mich auch sehr gefreut, war dann aber etwas ernüchtert, da er mehr Techno als alles andere gespielt hat. Ich hatte ehrlicherweise mehr House erwartet. Stimmung war natürlich trotzdem da und die Hütte war voll, aber ich war nicht ganz auf so viel Techno vorbereitet.

    Ski Aggu

    Tag 5

    Last but not least: Tag 5! Ich war zuerst etwas enttäuscht beim Tagesbeginn, weil meine Lieblingskünstlerin abgesagt hatte. Charlotte Cardin hatte sich wohl eine Stimmbandentzündung eingefangen und konnte dadurch nicht performen. Ich glaube, das wäre ein richtig schönes Set geworden, und ich hoffe, dass ich die Chance habe, sie irgendwann anders mal live zu sehen.

    Frauenpower war trotzdem noch im Lineup: Jorja Smith! Auch da muss ich sagen, dass ich kurz enttäuscht war, da sie ihren Auftritt um 20 Minuten verkürzt hatte. Nichtsdestotrotz hat sie eine starke Performance abgeliefert. Die Verkürzung hat dann ausnahmsweise den Überschneidungen geholfen und so konnten wir uns noch ein wenig mehr von Zimmer90 anschauen. Nicht umsonst haben sie in der Vergangenheit bereits ausverkaufte Touren gespielt. Ein sehr cooles Set, muss ich wirklich sagen!

    Und dann war’s auch schon Zeit für den letzten Headliner: The one and only Skrillex. Für mich als EDM-Fan durch und durch natürlich ein krasses Highlight. Wir hatten ihn bereits vorletztes Jahr dort gesehen, allerdings nicht als Headliner, und dieses Jahr hat er wirklich nochmal eins draufgelegt.

    Mainstage Closing

    Nach seiner Show gab es ein fettes Feuerwerk und der Tag endete mit noch mehr EDM für mich, da ich als letztes zur Bolt Stage gegangen bin, um mir noch ein bisschen was von Sub Focus anzuschauen. Zum Abschluss waren wir noch einmal ein wenig auf der Coca-Cola Stage tanzen, wo meist ein buntes Potpourri aus Klassikern gespielt wird, was das ganze Festival abgerundet hat. 

    Fazit

    Ja, und das war’s auch schon. Alles in allem war es wieder ein buntes Festival, wie immer. Ich hatte das Gefühl, dass es dieses Jahr viel entspannter war als die letzten Male. Die Insel war weniger voll und dreckig und die Leute waren um einiges angenehmer als in den Vorjahren. Ich bin gespannt auf das nächste Lineup und würde weiterhin allen einen Besuch auf dem Sziget empfehlen.

    Wer diese Erfahrung mal machen möchte: Es gibt bereits Super-Early-Bird-Tickets für das nächste Jahr, für die man sich auf der Website vom Sziget bis zum 23.08. registrieren kann. Diese werden knapp 300 Euro kosten, was ich für ein 5-Tages-Festival wirklich überaus fair finde. Sziget 2027 wird vom 10. bis 14.08. stattfinden und vielleicht sehen wir uns ja dort!


  • Der ultimative Sziget-Guide 2026: Unsere Tipps für die Insel

    Der ultimative Sziget-Guide 2026: Unsere Tipps für die Insel

    Das Sziget heißt am 10.08.2026 wieder alle Szitizens in Budapest Willkommen. Beim letzten Mal hatten wir ausführlich über das diesjährige Lineup berichtet, aber das Sziget hat neben der Musik noch allerhand zu bieten, das natürlich nicht zu kurz kommen soll. Wer also noch ein paar coole To-Do’s abseits der Crowds sucht: We’ve got you covered – hier kommt der ultimative Sziget-Guide!  

    Das Festival ist nicht nur künstlerisch sehr international aufgestellt, sondern auch die Besucher:innen kommen aus der ganzen Welt. Dadurch entsteht eine super tolle Atmosphäre, in der man mit vielen verschiedenen Menschen aus den spannendsten Kulturen in Kontakt tritt. Daher, dass das Festival mitten in der Stadt beherbergt ist und Budapest als europäische Hauptstadt einen Flughafen besitzt, ist es recht einfach, am Sziget teilzunehmen.

    Anreise

    Für viele europäische Länder gibts neben dem Fliegen allerdings noch die Optionen, den Bus oder Zug zu nehmen. Ich bin die letzten Jahre immer mit dem Direktzug aus Berlin gefahren und muss sagen, dass ich die Fahrt ziemlich entspannt finde und für ca. 50 Euro pro Strecke absolut nichts auszusetzen habe. Für alle aus den Niederlanden bietet das Festival außerdem jedes Jahr den Sziget-Express an, der einen DJ und weiteres Entertainment an Board bietet. Also, wer noch nicht genug Party gemacht hat und aus den Niederlanden kommt oder nach dem Festival dorthin reisen will, der kann hier auf seine Kosten kommen. 

    Green Sziget

    Das Sziget unterstützt klimafreundlichere Anreisen generell und bietet außerdem für alle Fahrradfahrenden ein kostenloses Camping an, wenn man vorweisen kann, dass man mindestens 250 km gefahren ist. Das ist Teil der Green-Sziget-Initiative, die rund um das Festival existiert. Andere Maßnahmen vor Ort sind z.B., dass man sein Zelt nach dem Festival spenden oder auf dem Gelände Müll sammeln kann und im Gegenzug Festivalmerch von den Vorjahren bekommt.

    Apropos Merch

    Vorort gibt es ein großes Merchzelt, wo man jede Menge Festival- und Artistmerch abgreifen kann, so wie bei jedem anderen Festival auch. Wer allerdings ein special Souvenir vom Festival haben möchte, sollte sich ein Basic-Teil seiner/ihrer Wahl (Shirt, Top, Beutel) mit aufs Gelände nehmen und Richtung Aldi hoch ins Delta-District laufen. Dort hat sich eine italienische Festivalcrew angesiedelt und eine Siebdruckstation aufgebaut. Ihr müsst zwar schnell sein, aber dafür ists komplett for free (Spenden Willkommen) und sie haben die letzten Jahre ziemlich coole Motive zur Auswahl gehabt!

    Creative as always

    Daneben ist die Kreativszene auf dem Festivalgelände sehr ausgeprägt und bietet wirklich einiges. Das Sziget ist ein sehr buntes Festival, was sofort auffällt, wenn man die K-Brücke betritt. Als Haupteingang ist sie jedes Jahr mit Fähnchen dekoriert und leuchtet nachts in den verschiedensten Farben. Wenn man aufs Festivalgelände kommt, begegnen einem außerdem einige Walking-Acts, die manchmal spontan auch eine kleine Show parat haben. Weitere schöne bunte Kostüme kann man neben tollen schauspielerischen Leistungen im Magic Mirror bestaunen. Dort werden hauptsächlich Drag-Shows veranstaltet und ich empfehle allen, die gute Unterhaltung suchen, dort einmal vorbei zu gehen. Eine andere Unterhaltungsmöglichkeit ist Stand-up Comedy um 18 Uhr im Joker. Weitere coole Shows gibts im Cirque du Sziget anzuschauen. Auf dem Gelände steht ein Zelt, in dem jeden Tag fünf verschiedene Zirkusshows laufen, die die letzten Jahre wirklich sehr schön waren. Und ein Bonus für alle, die zum Zirkus gehen: im Zelt ist’s klimatisiert! Zu guter Letzt sorgt für kreative Unterhaltung am Abend eine Dronenshow, die nach den Mainacts am Nachthimmel veranstaltet wird.

    Zirkus auf dem Sziget

    Hands on!

    Aber man kann sich nicht nur coole Sachen anschauen, sondern auch selbst kreativ werden. Auf dem Festival gibt es viele Möglichkeiten, um neue Sachen auszuprobieren, zu connecten und etwas über verschiedene Projekte zu erfahren. Das erste, was man machen kann, wenn man die Insel betritt, ist eine Stempeljagd. Alle bekommen am Eingang einen Reisepass, in dem man Stempel von verschiedenen Stationen sammeln muss. Für die Stempel muss man an kleinen Spielen oder Challenges teilnehmen oder ein paar Fragen beantworten. Die Stationen sind auf dem ganzen Gelände verteilt und das ist vor allem für First-time Szitizens schon mal eine super Gelegenheit, die Insel kennenzulernen. Daneben gibt es einen Sziget Fun-Fair, wo man verschiedene Spiele spielen kann, es gibt Diabolos, man kann Jonglieren, “Riesenrad” fahren (es ist wirklich klein, aber sehr niedlich), etc. Außerdem gibt es auch eine Art Zone und verschiedene Workshops auf dem Gelände.

    Los gehts mit dem Programm um 11 Uhr. Bis 15 Uhr bietet euch die Insel Möglichkeiten für Morning Dance, Breaking, Yoga und HipHop. Für alle, die am Zelten sind also super Gelegenheiten in den Tag zu starten und das Festival voll auszukosten! Vor allem, wenn man immer mal eines davon ausprobieren wollte, aber nie die Möglichkeit hatte oder nicht weiß, ob es Spaß macht – ich finde es persönlich sehr cool, dass es diese Angebote auf dem Gelände gibt. Worin man sich auch ausprobieren kann: im Karaoke! Im Norden der Insel hinter dem Delta District kann man sich selbst auf der Bühne beweisen. In den letzten Jahren habe ich hier wirklich schon alles von Metal bis hin zu Weihnachtsliedern gehört – eurer Fantasie und Stimme sind also keine Grenzen gesetzt.


    Wer lieber an etwas stilleren Aktivitäten teilnehmen möchte, kann sich z.B. zum Magic Runway begeben, wo man täglich um 15 Uhr malen, zeichnen und künstlerisch aktiv werden kann, wobei man seine Kunst von einem Drag-Model inspirieren lässt.  

    Eine kurze Verschnaufpause?

    Wer eine Pause braucht, der kann sich in ein paar gemütlichen Ecken des Geländes entspannen. Beliebte Spots sind die Aperol-Lounge neben der The Buzz Stage, wo man in Liegestühlen und Sitzsäcken die Seele baumeln lassen kann, oder die Hängematten auf dem Gelände. Abseits davon kann man natürlich auch in seinem Zelt entspannen. Das Basic Camping hat zwar einen eigenen Bereich auf der Insel, aber das beste im Vergleich zu anderen Festivals ist, dass man theoretisch überall auf der Insel campen kann. Man braucht also keine halbe Stunde Fußweg vom Campingplatz zum ersten Act, wenn man ein paar hundert Meter abseits der Mainstage sein Lager aufgestellt hat. Und wer nie genug von Techno bekommt, der kann auch direkt neben dem Colosseum campen und mit Bass einschlafen und aufwachen! 

    Hat da jemand Sponsoren gesagt?

    Die Acts im Collosseum spielen bis um 5 oder 6 Uhr. Für alle, die nicht dann erst schlafen gehen, sondern lieber etwas früher aufstehen, gibt es natürlich auch schon Programm auf kleineren Stages, und zwar auf denen der Sponsoren. Ohne Sponsis wäre das Festival sicher nicht möglich, also haben diese natürlich Sichtbarkeit vor Ort und bringen die unterschiedlichsten Sachen mit. Einige davon haben eben ihre eigenen Bühnen. Mein Favorit ist dabei definitiv Lipton (not sponsored)! Die Lipton Lounge ist sehr gemütlich, auch da stehen Sitzsäcke und man hat ausreichend Schatten. Dort ist meist am Vormittag schon Betrieb und wenn man Glück hat, kann man sogar ein paar Goodies oder Eistee for free abgreifen. Weitere Stages, auf denen aber eher am Abend etwas los ist, sind die Coca Cola Stage (gutes DJ-Programm) oder die von Don Julio. Bei anderen Sponsoren wiederum kann man an Challenges teilnehmen, am Glücksrad drehen oder Spiele spielen und auch ein paar Sachen abstauben. Zu guter Letzt darf aber der in meinen Augen essentiellste Sponsor des Festivals nicht fehlen: Aldi.

    Wir haben Hunger.

    Ich weiß, dass es auf den meisten Festivals einen Supermarkt gibt, vor allem auf den größeren. Allerdings ist hier besonders, dass der Aldi auch immer gleich die Aldi-Grillzone mitbringt. Kurzer Disclaimer: Ich war noch nie auf anderen internationalen Festivals, daher weiß ich nicht, ob das vielleicht nicht sogar der Standard ist?! Für alle, die aber auch keine Ahnung haben – was ist die Aldi-Grillzone? Dass Festivals oft teuer sind, ist kein Geheimnis. Vor allem natürlich auch Essen auf dem Gelände. Klar gibt es eine sehr große Essensvielfalt und mitunter sehr leckere Dinge, das steht außer Frage. Aber falls man sich nicht jeden Tag etwas gönnen möchte, ist man beim Aldi mehr als gut bedient. Man kann sich im Supermarkt einfach etwas Grillzeug aussuchen (Fleisch, Fisch, Käse, Veggie Optionen auch vorhanden) und draußen wird es dann im Anschluss auf einem Kontaktgrill frisch für dich zubereitet. Soßen gibt’s kostenlos dazu. Ich bin jedenfalls jedes Jahr aufs neue von diesem mega Angebot fasziniert. Und falls es dieses Jahr noch zum Nachtisch wieder Eis im Aldi geben sollte: wow! 

    So, jetzt seid ihr satt, habt gedanced, ein paar Workshops besucht und vielleicht die ein oder anderen Goodies mitgenommen. Das nenne ich doch einen erfolgreichen Festivaltag!

    Was, das klingt alles super cool, aber ihr habt noch kein Ticket? Na dann mal los: 

    Mehr Infos zum Programm und weitere Highlights gibt es auch auf dem offiziellen Sziget-Instagramkanal @szigetoffical. https://www.instagram.com/szigetofficial

  • Die Island of Freedom ruft: Das Sziget-Lineup 2026

    Die Island of Freedom ruft: Das Sziget-Lineup 2026

    Der Sommer kommt und damit auch die Festivalsaison! Einige sind sogar schon vorbei und bei besten Temperaturen über die Bühne gegangen. Mein persönliches Highlight steht dieses Jahr allerdings noch vor der Tür: das Sziget! Vom 10.-15. August kehren einige Weltstars und die sogenannten Szitizens wieder auf die Island of Freedom im Herzen Budapests zurück.  

    Das Sziget geht dieses Jahr in die 34. Runde und hält ein krasses Lineup parat. Mit Main-Acts wie Twenty One Pilots, Florence and The Machine, Lewis Capaldi oder Nothing But Thieves bleiben keine Wünsche übrig. Aber auch auf den anderen Stages erwartet einen eine musikalische Vielfalt. Der Timetable ist endlich da und wir werfen nun einen Blick auf die diesjährigen Acts und Bühnen.

    Blick zur MainStage
    Mainstage

    Abriss auf der Mainstage

    Der erste Headliner der Woche ist Sombr am Dienstag und ich freue mich schon auf entspannte Indie-Vibes zur Eröffnung! Der amerikanische Sänger ist 2022 recht viral gegangen und nun hat es ihn auch auf die Hauptbühne vom Sziget verschlagen und ich bin sehr gespannt, ihn bald live zu erleben. Zara Larsson wird das Abendprogramm auf der Hauptbühne eröffnen und den Slot vor Sombr bespielen. Ihre Shows sind erfahrungsgemäß sehr energiegeladen und verbinden starke Vocals mit Pop-Ästhetik – ich hoffe, dass sie neben ihrer tollen Stimme und einem krassen Outfit auch eine coole Bühnenshow mitbringen wird! 

    Weiter auf der Mainstage gehts am Mittwoch mit Twenty One Pilots, am Donnerstag mit Lewis Capaldi und Florence and The Machine, am Freitag mit Bring Me The Horizon und zu guter letzt schließt das Festival mit Jorja Smith und einem ehrenvollen Closing von Skrillex. Er war vorletztes Jahr bereits auf dem Sziget und hat eine super Show hingelegt und ich freue mich, dass er erneut dabei ist. Dieses Jahr verfolgt das Lineup der Mainstage wieder einen sehr guten musikalischen Mix aus Künstler:innen, die von Rock, Pop, Indie und Electronic alles abdecken. 

    Wie eine kleine Stadt auf der Insel

    Dazu muss man sagen, dass das Festival vor allem abseits der Mainstage besonders vielfältig ist und das Sziget dafür bekannt ist, etwas für jeden Geschmack parat zu haben. Ich finde das Festival persönlich auch jedes Jahr musikalisch sehr gut strukturiert und es erweckt den Eindruck einer kleinen Stadt mit verschiedenen musikalischen Zonen. Direkt hinter der Mainstage gibt es eine große überdachte Bühne (die Revolut Stage), die neben vorrangig großen englischsprachigen Künstler:innen in den späten Abendstunden auch oft Platz für DJs bietet. Dieses Jahr spielen Dort u.a. Dijon am Dienstag, Natasha Bedingfield am Mittwoch, Parcels am Donnerstag, BUNT. am Freitag und Charlotte Cardin am Samstag. Eröffnen darf die Bühne in diesem Jahr am Dienstagnachmittag die schottische Indie-Newcomerin Brooke Combe.

    Aber zurück zu den DJs: Der elektronische Schwerpunkt des Festivals liegt im Delta District. Das besteht aus mehreren Bühnen, darunter das Yettel Colloseum und die Bolt Night Stage. Im Colloseum findet man sich inmitten von Holzbalken und Paletten und kann vorrangig Techno genießen. Namenhafte Künster:innen hier sind z.B. Oskar Med K am Dienstag um 20 Uhr, Swimming Paul am Mittwoch und Dixon am Donnerstag, jeweils um 22:30 Uhr.
    Im Colloseum ist von 16 bis 5 bzw. 6 Uhr morgens etwas los. Auf der Bolt Night Stage gehts (wie der Name vermuten lässt) erst abends ab 22 Uhr los. Die Stage ist ebenfalls überdacht und bietet neben einer guten Akustik auch sehr viel Platz für Party, ähnlich einer Club-Atmosphäre, dieses Jahr mit Sets von Boys Noize am Freitagmorgen um 4 Uhr, Dom Dolla davor im Slot ab 2:30 Uhr, Peggy Gou am Freitagabend, Sub Focus am Samstagabend und Flux Pavillion Sonntagfrüh um 4 Uhr.  Also Wachbleiben ist angesagt!

    Wer weniger auf elektronische Musik setzt, findet auf der The Buzz Stage ein alternatives Programm mit internationalen Indie-, Alternative- und Pop-Acts. Daneben kann man sich gut in der Aperol-Lounge ausruhen, die mit Sitzsäcken und Liegestühlen zum Verweilen einlädt. Internationale Stimmen sind dieses Jahr u.a. Baby Lasagna, Soft Loft, Max Baby, Calle Mambo und KOIKOI, die als erste Band die Stage am Dienstag einnehmen – ich glaube, das schreit nach einer guten Abendbrotspause vor Ort im Sitzsack!

    Ungarn gibt Vollgas und wir sind auch dabei!

    Da das Festival in Budapest heimisch ist, wird natürlich auch die ungarische Musikszene eingebunden. Acts wie Analog Balaton, Beton.Hofi, Elefánt, Ivan & The Parazol oder Makrohang zeigen die lokale musikalische Vielfalt und sind feste Bestandteile des diesjährigen Festivals. Ein prägendes Element des Sziget ist also vor allem die internationale Zusammensetzung des Line-ups. Neben großen globalen Namen legt das Festival traditionell Wert auf eine breite geografische Streuung und auf Artists, die in ihren Heimatländern bereits etabliert sind, international aber eher noch weniger bekannt sind. Das Sziget gibt somit ebenfalls einigen deutschsprachigen Künstler:innen eine Bühe, was ich an sich ziemlich cool finde. Ich meine, Ikkimel in Budapest? Das ist doch wild! Mit dabei sind dieses Jahr außerdem die Giant Rooks, die schon mehrmals auf dem Festival waren und nun endlich die Mainstage bespielen. Außerdem dabei sind u.a. Zimmer90 und Ski Aggu.   

    Das Sziget setzt also nicht nur auf internationale Headliner, sondern integriert gezielt regionale Szenen und gibt ihnen eine große Bühne, was das ganze Programm sehr stark und vielfältig macht. Für mich wird es das vierte Mal auf der Insel sein und ich freue mich wirklich schon wahnsinnig. 

    Wenn ihr nun also auch auf den Geschmack gekommen seid, es gibt noch Festivalpässe:



    Das bisherige Lineup 2026:


    BRING ME THE HORIZON – FLORENCE + THE MACHINE – JORJA SMITH – LEWIS CAPALDI – SKEPTA – SOMBR – TWENTY ONE PILOTS – ZARA LARSSON

    +++

    LOYLE CARNER – ARGY – ASHNIKKO – BBNO$ – BIFFY CLYRO – BOYS NOIZE – BUNT. – CHARLOTTE CARDIN – CHET FAKER – DIJON – DIMENSION – DIXON

    DOM DOLLA – FUNK TRIBU – INDIRA PAGANOTTO – JORIS VOORN – LOYLE CARNER – NATASHA BEDINGFIELD – NIA ARCHIVES – PARCELS

    PEGGY GOU – RICHIE HAWTIN – SARA LANDRY – SIGRID – SOULWAX – SUB FOCUS – TASH SULTANA – TOMORA – TRYM

    UNDERWORLD – VINTAGE CULTURE – WHO MADE WHO (HYBRID SET) – WOLF ALICE – ¥ØU$UK€ ¥UK1MAT$U

    +++

    ALT BLK ERA – 2MANYDJS (DJ SET) – ALT BLK ERA – ALTIN GÜN – ANA FRANGO ELÉTRICO – ANALOG BALATON – ANETHA – ANNA – ANNISOKAY – ANTONY SZMIEREK

    AVRALIZE – BABY LASAGNA – BAD NERVES – BETON.HOFI – BIIA – BLACK COUNTRY, NEW ROAD – BONGOR – BROOKE COMBE – BYEALEX ÉS A SLEPP

    CASSIA – CHADIA – COCO & BREEZY – CURTISY – DEKI ALEM – DE’WAYNE – ELEFÁNT – EVENING ELEPHANTS – FCUKERS

    GIANT ROOKS – GOLDEN HOURS – HAAI – HEALTH – IKKIMEL – IVAN & THE PARAZOL – JAZZY – JOHN COFFEY – KAREN DIÓ

    KIM DRACULA – KISPÁL ÉS A BORZ – KOLIBRI – LAMBRINI GIRLS – LEAP – MAKROHANG – MAJKA – MANUEL – MAX BABY

    MEHRINGER – MISSIO – NAÏKA – NATASCHA POLKÉ – NATION OF LANGUAGE – NIGHT TAPES – OLYMPE – OSKAR MED K

    PAN-POT – PARIS PALOMA – PERTURBATOR – POGÁNY INDULÓ – QUIMBY – ROSE GRAY – ROSSI. – SEF – SIM0NE

    SISI – SKI AGGU – SYLVIE KREUSCH – SWIMMING PAUL – SYREETA – TANKSAPDA – TEEN MORTGAGE – TRIPOLISM – YT – ZEP – ZIMMER90

  • untoldency proudly presents: Temmis im Schanzenzelt am 24.6.2026 in Hamburg

    untoldency proudly presents: Temmis im Schanzenzelt am 24.6.2026 in Hamburg

    Deutscher Post-Punk im hamburger Schanzenpark! Am 24.6.2026 bringen Temmis alte und neue Musik auf die Bühne im Schanzenzelt.

    Als Edwin Rosen 2020 den Song “leichter//kälter” veröffentlicht, tritt er mit seinem melancholischen Synth-Pop-Sound mehr oder weniger eigenhändig eine neue Welle in der deutschsprachigen Indie-Musik los. Bands und Künstler, die vom New Wave und Post-Punk der 80er inspiriert sind, die als ihre musikalischen Vorbilder The Smiths, The Cure aber auch DAF und Ideal angeben, sprießen wie Pilze aus dem Boden. Seither sind die Vertreter der sogenannten Neuen Neuen Deutschen Welle von keinem Indie-Festival-Lineup mehr wegzudenken.

    Temmis sind seit ihrer ersten Single “Wenn du da bist” und der gleichnamigen EP beim NDW-Revival ganz vorne mit dabei. Die Newcomer aus Tübingen kreuzen den tanzbaren Clubsound von damals mit modernen DIY-Produktionsmöglichkeiten, addieren düstere Vocals sowie technoide Arrangements, die unmittelbar in die Beine gehen und runden das Ganze mit cleverer Selbstironie ab. Ein Spaßprojekt, das sich anschickt, der Generation Z einen Coming-Of-Age-Soundtrack zu schenken.

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    Nach anderthalb Jahren Pause sind Temmis jetzt mit ihrer neuesten Single “Eulenspiegel” zurück und die verspricht trotz altbekannter Elemente ein neues Kapitel für die Band zu sein. Über analoge Synths und Drumcomputer singt Sänger Roman darauf fast schon theatralisch von unerwiderter Liebe:

    “Ich fürchte mich im Dunkeln und ich fürchte mich vor dir
    Ich fürchte ich befürchte, dass aus uns nie mehr was wird.”

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    Es bleibt die Hoffnung auf mehr wenn Temmis am 24.6.2026 im Hamburger Schanzenpark spielen!

  • Noah Kahan bringt uns mit „The Great Divide“ vertrauten Folk aus Nordamerika

    Noah Kahan bringt uns mit „The Great Divide“ vertrauten Folk aus Nordamerika

    Nach dem Erfolg von „Stick Season“ ist Noah Kahan zurück mit einem neuen Album und bleibt seinem Folk-Sound bemerkenswert treu. Mit „The Great Divide“ liefert er einen Wiedererkennungswert, statt größer oder lauter zu werden und verarbeitet darin den Bruch zwischen Herkunft, Erfolg und Beziehungen – so ehrlich wie immer. 

    The Great Divide – in der erweiterten Version The Last of the Bugs inklusive der vier Bonustracks „Lighthouse“, „Orbiter“, „Staying Still“ und „A Few Of Your Own“ – fühlt sich weniger wie ein Neustart an, sondern eher wie eine Weiterentwicklung dessen, was Noah Kahan ohnehin schon außergewöhnlich gut kann: Geschichten erzählen, die sich einerseits sehr spezifisch und persönlich, andererseits aber auch universell und sehr relatable anfühlen. Die Mischung scheint genau richtig zu sein und hat seit dem Release unfassbar viele Menschen erreicht.

    In der Ruhe liegt die Kraft

    Was direkt auffällt: Dieses Album nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Gerade einmal vier der insgesamt 21 Songs bleiben unter vier Minuten und die Tracks wirken durch ihre Länge wie Gespräche, Erinnerungen oder Gedanken, die sich langsam entfalten dürfen, statt schnell vorbeizuziehen, wodurch das Album etwas Tagebuchartiges mitführt.

    Klanglich bleibt Noah Kahan klar in seiner Komfortzone (die ebenfalls auch meine ist, aka Folk) und das ist natürlich keineswegs negativ gemeint! Eine gute Mischung aus Singer-Songwriter-Melancholie und folkigen Gitarrenklängen machen das Album sofort als typisch Noah Kahan erkennbar. Wer Stick Season mochte, wird sich hier direkt zuhause fühlen. Gleichzeitig hört man aber, dass The Great Divide größer gedacht ist. Produziert von Gabe Simon und Aaron Dessner wirken manche Songs cineastischer, weiter und emotional aufgeladener, wobei der Sound reduziert genug bleibt, um Kahans Storytelling den Raum zu geben, den es verdient hat.

    Home Sweet Home

    Auch thematisch bleibt Noah Kahan dort, wo er am stärksten ist: zu Hause. Oder genauer gesagt: bei der komplizierten Beziehung zu dem Ort, aus dem man kommt. Vermont ist auch auf The Great Divide allgegenwärtig – nicht nur geografisch, sondern emotional. Wetter, Jahreszeiten und Natur werden wie auch auf dem vergangenen Album hier erneut zu Metaphern für mentale Zustände, Beziehungen und Veränderung und gerade diese Bildsprache macht Kahans Musik so besonders. Der Übergang vom Sommer in den Herbst (oder auch in die Stick Season) wird bei ihm nie nur meteorologisch erzählt, sondern steht fast immer für emotionale Verschiebungen, die auf dem Album erzählt werden.

    When The Seasons Change

    Besonders eindrücklich gelingt das direkt im Opener „End of August“. Der Titel sagt schon alles. Der Song fühlt sich an wie die letzten warmen Tage vor einem emotionalen Absturz und beschreibt eine seltsame Mischung aus Nostalgie, Lebendigkeit und unterschwelliger Angst vor dem, was kommt. Die Zeile „The minute that September hits, I’m goin’ off my medicine“ knüpft dabei direkt an Kahans wiederkehrende Auseinandersetzung mit mentaler Gesundheit an. Wie schon auf Stick Season wird der Wechsel der Jahreszeiten zu etwas Beängstigendem und der Übergang in die dunklen Monate wird zum Sinnbild für Isolation, Depression und das Gefühl, sich selbst zu verlieren.

    Relatable Stories To Tell

    Das emotionale Zentrum des Albums bleibt jedoch der Titeltrack „The Great Divide“. Hier verarbeitet Kahan die Distanz zu einem ehemaligen Freund und reflektiert darüber, wie sich Beziehungen über Jahre verändern können, bis irgendwann kaum mehr übrig bleibt als gemeinsame Erinnerungen, die einen verbinden. Besonders schmerzhaft wirkt dabei die Erkenntnis, dass Verbindungen manchmal nicht an einem großen Streit zerbrechen, sondern an kleinen Verschiebungen, Schweigen und Entfremdung. Der Song greift das Gefühl auf, dass man eigentlich nie so richtig weiß, wann Freundschaften vorbei sind, wann ein letztes Mal ein letztes Mal ist und man sich langsam voneinander entfernt und entfremdet. Es ist genau diese Art von emotionaler Ehrlichkeit, die Kahan so stark macht: Er schreibt nie über Schmerz, als hätte er Antworten darauf, sondern lässt seinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf.

    Auch „Downfall“ gehört zu den sehr starken Momenten des Albums. Der Song beschreibt die widersprüchliche Erfahrung, jemanden gehen zu lassen, gleichzeitig aber insgeheim zu hoffen, dass diese Person scheitert und zurückkommt. Dieses unangenehme Gefühl von Liebe, Besitzanspruch und Unsicherheit formuliert Kahan unangenehm ehrlich. Statt romantischer Selbstlosigkeit zeigt er vor allem die weniger schönen Seiten emotionaler Bindung.

    Through Other Peoples‘ Eyes

    The Great Divide lebt von Perspektivwechseln. „Porch Light“, geschrieben aus der Perspektive seiner Mutter, gehört zu den emotionalsten Songs der Platte, wobei er hier reflektiert, wie sich Ruhm und Distanz auf die Familie auswirken. Das Porch Light symbolisiert hier den Hoffnungsschimmer, dass Noah zurückkehrt – seine Mutter ist für ihn da und signalisiert, er hat immer einen Platz zuhause.

    „Oh, when my weight left the room, did you take a deep breath?

    Mit Songs wie „23“ oder „Willing and Able“ bewegt sich Kahan erneut zwischen Nähe und Distanz, Sucht, emotionaler Abhängigkeit und Selbstzweifeln. Immer wieder kreist das Album um dieselbe Kernfrage: Wie hält man Beziehungen aufrecht, wenn sich Menschen verändern oder wenn man selbst nicht mehr genau weiß, wer man geworden ist?

    4/21

    Die vier Bonustracks von The Last of the Bugs fühlen sich dabei keineswegs wie Resteverwertung an. Besonders „Lighthouse“ fügt sich thematisch nahtlos in Kahans Blick auf Heimat und Veränderung ein, während „Orbiter“ eine Liebeserklärungen auf dem Album liefert. „Staying Still“ bringt dagegen eine fast ironische Leichtigkeit hinein, obwohl auch hier Verlustangst und Distanz mitschwingen.

    Noah Kahan Halbportrait

    Das Album ist unterm Strich emotional vielseitig, einige Themen (Heimat, Weggehen, emotionale Entfremdung) wiederholen sich jedoch, stehen aber auch für das Markenzeichen Kahans. Wer also auf eine komplette Neuerfindung nach Stick Season gehofft hat, wird hier nicht auf seine Kosten kommen.

    Aber vielleicht ist genau das der Punkt: The Great Divide will keine musikalische Revolution sein. Stattdessen ist es ein Album über Zwischenräume: zwischen Zuhause und Aufbruch, Vergangenheit und Gegenwart, Nähe und Distanz. Noah Kahan bleibt der Erzähler kleiner, zutiefst menschlicher Gefühle und beweist erneut, dass gerade das Persönliche oft am universellsten wirkt. The Great Divide klingt wie eine lange Autofahrt zurück in eine Heimat, die sich verändert hat – oder vielleicht nur man selbst.


    Fotos: Patrick McCormack

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  • Berge, Sonne, gute Laune satt: So war das Zermatt Unplugged Festival 2026

    Berge, Sonne, gute Laune satt: So war das Zermatt Unplugged Festival 2026

    Die Hälfte vom April ist bereits vorbei und damit auch das diesjährige Zermatt Unplugged Festival. Die Schweizer Idylle am Fuße des Matterhorns beherbergte dieses Jahr wieder zahlreiche Künstler:innen aus Pop, Folk und elektronischer Musik, die auf 17 Bühnen rund 120 Konzerte spielten.  

    Das Festival ging dieses Jahr in die 17. Runde, wobei eine meiner liebsten Bühnen aus den Vorjahren durch fehlendes Sponsoring gestrichen wurde, leider. Dafür ist ein anderer Liebling von mir noch da gewesen: der Riffelberg. Was schreit mehr Konzert als ein Skigebiet auf über 2500m überm Meeresspiegel?
    In knapp 30 Minuten ist man mit der Gornergratbahn von Zermatt auf den Riffelberg gefahren und kann Openair-Konzerte in der Sonne auf einem Liegestuhl mit Blick aufs Matterhorn genießen. Dort habe ich mir Tors und Vincent Lima anschauen dürfen und das waren auf jeden Fall zwei meiner Highlights der Woche.

    Riffelberg
    Riffelberg

    85 Franken well spent

    Abgesehen davon ist unten in Zermatt natürlich jedes Jahr auch wahnsinnig viel los. Zutritt zu den meisten Bühnen gibt es mit dem Unplugged-Pass, der für die ganze Festivalwoche gültig ist. Den gibts für 85 Schweizer Franken, was ich mehr als gerechtfertigt finde für fünf Tage Konzerte! Daneben gibt es jeden Abend jeweils drei Konzerte von bekannteren Künstler:innen, die mit separaten Tickets zugänglich sind. Dieses Jahr waren das u.a. Tom Odell, Emilie Sandé, Herbert Grönemeyer, Rea Garvey, Mighty Oaks und Placebo. Hier waren die Mighty Oaks definitiv meine Favoriten der Woche.

    Außerdem bietet das Festival noch zwei weitere Locations, die ebenfalls separate Tickets erfordern, dort zusätzlich aber noch ein Abendessen inkludiert ist. Ich selbst war nicht da, finde das jedoch ganz schöne Angebote, die auch immer sehr gut ankommen bei den Besucher:innen. Während die einen also beim Konzert dinieren, gibts für die anderen jede Menge kulinarischer Möglichkeiten im Taste Village, dem Herzstück des Festivals. Dort befindet sich ebenfalls eine Open-Air Bühne, die vor allem am Nachmittag und in den frühen Abendstunden bespielt wird. Hier habe ich mir z.B. Rhys Lewis, MUPANI, Matthew Mole, Sarah Julia und The Great Stoyan Duo angeschaut. Alle waren wirklich top und haben super Stimmung verbreitet. Das Lineup bestand (wie jedes Jahr) aus Künstler:innen, die neben Englisch und Deutsch auch Songs auf Französisch und Schweizerdeutsch zu präsentieren hatten, wodurch sich eine super spannende Mischung ergibt.

    Taste Village
    Bühne im Taste Village

    Früh da sein lohnt sich

    Im Taste Village gibts ein Konzert zum Mittag, was meist überschaubar besucht ist, da viele in der Mittagshitze auch noch anderswo verweilen. (Ja, 12 Grad auf über 1000m Höhe sind auf jeden Fall krass warm.) Zum nächsten Konzert um 16:45 Uhr ist dort jedoch schon wahnsinnig viel los. Wenn man also einen Sitzplatz haben möchte, sollte man nicht allzu spät erscheinen. Auch bei den anderen Unplugged-Locations lohnt sich ein früher Gang zum Konzert. Viele Venues bieten meist nur Platz für rund 100 Gäste und man sollte sich im Vorfeld gut überlegen, wo man hin möchte. Spontanität ist hier ein bisschen unangebracht, vor allem zum Wochenende hin. Zwei Locations bieten außerdem einen Restaurantbetrieb, wo man höchstens noch einen Tisch reservieren kann, um einen garantierten Platz fürs Konzert zu bekommen.

    All That Jazz

    Wo man auch noch einen Tisch reservieren kann: im Jazz Club! Ronnie Scott’s in Anlehnung an den echten Londoner Kult Jazz Club wird extra zum Festival hergerichtet und befindet sich in einem der ältesten Hotels in Zermatt. Besonders gut besucht sind dort jedes Jahr die Jam Sessions am Mittwoch und Freitag, für die sich Künstler:innen des Festivals selbst anmelden können und dann einen Song covern, entweder mit dem Jazz Ensemble, alleine oder mit anderen Künstler:innen zusammen. Niemand weiß also, wer kommt oder was einen erwartet. Dieses Jahr war ich am Mittwoch dort, da man (anders als am Freitag) noch reelle Chancen hat, reinzukommen, da das Festival wie erwähnt zum Wochenende hin stärker besucht ist. Das Jazz Ensemble selbst war sehr cool, muss ich sagen, und sie haben sehr gute Stimmung verbreitet. Gejammt haben in der Mittwochsession Sorvina, Matthew Mole, Mnerva und die Künstler:innen der Mountain Academy. 

    Ronnie Scott's Jazz Club zum Mittwochsjam
    Ronnie Scott’s Jazz Club zum Mittwochsjam

    Setzt euch ans Lagerfeuer…

    Die Mountain Academy ist ein Newcomerprogramm, genauer eine Art Coaching & Songwriting-Camp im Rahmen des Festivals. Das ist eigentlich ziemlich cool, weil man die Chance bekommt, unbekannte Musiker:innen zu erleben und diese die Möglichkeit haben, vor Publikum zu spielen. Am Campfire im Taste Village hat man jeden Tag die Möglichkeit, sich die Newcomer:innen anzuschauen. Meine Favoritin war Keza – eine Schweizerin mit afrikanischen Wurzeln, der es ganz viel Spaß gemacht hat, zuzuschauen, weil sie einfach so viel Leichtigkeit in ihrer Stimme hatte.

    Manchmal gibt es am Campfire auch Pop-up Konzerte. Ich habe leider nichts gefilmt, aber dieses Jahr hat dort auch jemand ein Konzert gegeben, der nur selbstgebaute Instrumente benutzt hat. Er hat z.B. auf einem Skateboard gespielt oder auf einem Messerblock und gesungen hat er in einen Telefonhörer. Das war ziemlich witzig und beeindruckend zugleich. Also definitiv ein Wochenhighlight.

    Tanzen ohne Ende

    Dass das Festival sehr viel Abwechslung bietet, ist kein Geheimnis. Wer tagsüber lieber in den Bergen Skifahren möchte, kann in den späten Abendstunden noch auf seine Kosten kommen. Neben dem Unplugged-Pass gibt es für 30 Franken außerdem einen Nightpass, mit dem man das Zermatter Nachtleben unsicher kann. Das Festival bietet nach den Hauptkonzerten ab 22 Uhr mehrere Spots zum Tanzen an. Gut besucht waren die Vernissage und (das erste Mal dabei dieses Jahr) das Streetside, wo es auch noch bis morgens etwas warmes zu Essen gibt, für alle, die sich mal eine Pause vom Dancefloor gönnen möchten. Besonders empfehlen kann ich die Hotdogs in der Vernissage.

    Daneben gibt es außerdem noch das Manud und meinen liebsten Hotspot: das Unique Hotel Post aka das Pöstli. Neben einer eigenen Hotelbar bot das Pöstli auf drei Floors allerlei Musik: Ob 90er/2000er oder der DJ von nebenan unten im Gewölbekeller – hier war für alle etwas dabei. Die Location hat jedenfalls einen besonderen Platz bei mir erlangt in den letzten Jahren. Ich muss zugeben, so ganz weiß ich auch nicht warum, aber das Pöstli hab ich ziemlich ins Herz geschlossen. Dazu ist auch das Hotelpersonal mega lieb und ich bin einfach sehr gern dort. Einen Besuch im Pöstli, sei es zu den Unplugged Konzerten oder zum Tanzen bis in die Nacht, kann ich allen empfehlen.

    Zermatt = Herzig

    Was ich an diesem Festival außerdem besonders liebe, ist die Atmosphäre. Das Zermatt Unplugged ist schwer vergleichbar mit anderen Festivals. Zum einen natürlich, weil es im April in der Schweiz stattfindet – logisch, da fällt Zelten schon mal aus. Zum anderen aber auch, weil das Publikum nicht die typischen Festivalgänger:innen sind. Vielleicht sind Ort und Zeit auch hier dieselben Gründe, weshalb das so ist. Es fällt jedenfalls auf, dass so gut wie alle Altersklassen dabei sind und das Publikum auch dieses Jahr sehr bunt gemischt war. Allgemein ist es sehr entspannt und man befindet sich durchaus in einer recht gelassenen Atmosphäre. Niemand drängelt, niemand pöbelt, niemand muss bei irgendwem in der ersten Reihe stehen.

    Apropos Menschen – ich möchte außerdem erwähnen, dass das Festivalteam aus so lieben Seelen besteht, die auch in stressigen Situationen nicht den Überblick verlieren. Ebenfalls die Securities sind super nett. Dazu möchte ich auch den Auf- und Abbau und die Liebe zum Detail hervorheben, da sich alle neben den Bühnen auch viel Mühe mit der Deko im Ort geben und alles immer sehr (wie die Schweizer:innen sagen würden) herzig ausschaut. Beim Festival wird viel mit Holzoptik gearbeitet und diese gibt dem ganzen eine gewisse heimelige und gemütliche Atmosphäre, die ich ganz, ganz toll finde. 

    Eingang/Ausgang Taste Village
    Eingang/Ausgang Taste Village

    Ich war dieses Jahr zum dritten Mal dort und es wird definitiv nicht mein letztes Mal gewesen sein. Wer auch dabei sein möchte, kann es sich gern schon Mal für nächstes Jahr in den Kalender schreiben – es lohnt sich!

    Die Wartezeit bis April 2027 könnt ihr euch so lange mit der offiziellen Playlist der diesjährigen Unplugged Acts vertreiben:

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  • „Be the Challenger“ – Luca Fogale fordert im vierten Studioalbum sein eigenes Selbst heraus

    „Be the Challenger“ – Luca Fogale fordert im vierten Studioalbum sein eigenes Selbst heraus

    Neues Jahr, neuer Folk aus Kanada: Luca Fogale legt mit Challenger einen eindrucksvollen Start in 2026 hin und liefert eine intime Kollektion von Songs, die berühren und uns ein Stück weit Einblicke in die Persönlichkeit des Singer-Songwriters gewähren. Ganz nach seinem Prinzip „every word matters to me” wirkt jede Zeile bewusst geschrieben, jede Pause bedacht gesetzt. Fogale veröffentlicht Songs nur dann, wenn sie für ihn einen Mehrwert für die Welt haben – und dies merkt man dem Album an. 

    Nach dem Motto „in der Ruhe liegt die Kraft” ist Challenger eher leise als laut gestaltet und Fogale bleibt somit seinem bisherigen Sound treu. Er schrieb die Songs in ruhigen Zwischenmomenten des Tourlebens, oft zurückgezogen in einer kleinen Hütte in British Columbia. Diese Abgeschiedenheit hört man der Platte an: Sie wirkt wie ein emotionaler Rückzugsort. Neben sanften Worten findet sich auf dem Album gleichzeitig ein Drang zur Konfrontation und Selbstreflexion. Challenger ist eine Sammlung, deren Funktion es nicht ist, ein Statement zu setzen, sondern Raum für Fragen und Auseinandersetzungen zu bieten. Es geht um Gedanken zur eigenen Vergangenheit, erlernte Muster und die Frage, wer man eigentlich werden möchte.

     „I will not give up, I do not fear death”

    Im Opener „Everything“ spricht sich Fogale selbst Mut und eine gewisse Verpflichtung zum Wachsen zu. Mit Zeilen wie „all of the light that you never could see, it flows in your veins” und „I know what it’s like, feeling everything, feeling nothing” wird der Reflexionsprozess, dem das Album folgt, eröffnet.

    „Could I begin? / Could we begin?”

    Los geht es mit der Frage des Neuanfangs. Wie kann man sich neu entfalten, sich neu entwerfen und was passiert, wenn alles Bekannte einen verlässt? Als erste Single vom Album findet sich „Begin„– ein Song, der sich diesen Gedanken aussetzt. Sanfte Gitarren tragen eine existenzielle Selbstbefragung, die im Refrain von einem „I“ zu einem kollektiven „We“ kippt und seine Nächsten miteinbezieht. Im Zentrum stehen der Wunsch nach Erneuerung und die sehnsüchtige Flucht aus Gleichgültigkeit. 

    „hold on for all that lasts”

    Auch im nächsten Song schwanken zwei Perspektiven hin und her: der Drang, alles bewahren zu wollen und die Erkenntnis, dass nichts bleibt. „For“ ist gleichzeitig eine Reflexion über Zeit und Vergänglichkeit als auch eine Erinnerung an Dinge, die wichtig sind und an denen man festhalten sollte. Kleine Chöre im Hintergrund verleihen dem Song etwas Hymnisches übers Menschsein, während sich die Lyrics zwischen Ehrgeiz und Demut bewegen.

    „cause too often these days, I can’t see the use, I lose track of the road, I lose sight of the truth, oh I’d be lost, I’d be lost without you”

    Was jedoch immer währt, ist Liebe. Der nächste Track, „Lost Without You”, ist ein zarter, klaviergetragener Liebessong über das Angenommenensein, und darüber, wie schwer es ist, Liebe zu akzeptieren, wenn man sich selbst noch nicht vollständig annehmen kann. Liebe, die ihm entgegengebracht wird, bietet Luca hier Schutz und Spiegel zugleich. Der Song beinhaltet die Zeilen „But you see me for all I am“  und „I’m trying to do my part, oh I’m trying with all my heart” und spendet somit Hoffnung, sich durch Augen anderer selbst klarer sehen zu können, auch wenn man es im Moment vielleicht noch nicht schafft. 

    „can you forget all that you know and find some truth and release control to reconcile all that we are”

    Von Akzeptanz handelt auch der nächste Song. „Hymn” ist ein Track über das Loslassen. Was passiert, wenn man Kontrolle abgibt? Bei diesem fast schwebenden Song steht Fogales Stimme im Vordergrund, begleitet von spärlichen Gitarrenklängen. Die Lyrics kreisen um die Schönheit der Stille und das Finden von Sinn im Kontrollverlust und bieten eine meditative Pause innerhalb des Albums. 

    „Some things can change without warning, others get taken away. It’s hard to feel strong in these moments, it’s hard to know what we can take. Some times you carry on hoping, others your spirit can break.”

    Loslassen ist auch Thema des sechsten Songs. „Ashes” thematisiert die Erlaubnis, loszulassen und zu fühlen. Luca Fogale zeigt sich verletzlich und bricht mit den Texten starre Männlichkeitsbilder auf. „Love carries all of us home” sind die Backgroundvocals, die sich zwischen den Strophen und in der Bridge befinden und zentral für diesen Song. „Ashes” handelt von Verlust und Trauer, wobei Liebe das ist, was zusammenhält und Zeit alle Wunden heilt. Es ist einer dieser Tracks, die mitten im Album stehen und sich als emotionaler Mittelpunkt herauskristallisieren.

    „leave the past in the past, it doesn’t have to be your truth, it doesn’t define you”

    Der nächste Song zieht das Tempo leicht an. „Define You“ ist ein empowerndes Stück über Identität und Selbstdefinition. Es dient als Erinnerung, dass Schmerz und Vergangenheit nicht definieren müssen, wer man ist. Der Song ist eine Hymne für einen Freund, dem man eine Orientierung mit auf den Weg gibt, die er einst verloren hat. „I know that you see yourself in the way I see you now, I have always known deep in your heart, there is a light that won’t ever burn out”. Der Song dient als Ermutigung, nach vorn zu schauen und sich nicht von den Sachen definieren zu lassen, die man sich nicht im Leben ausgesucht hat.

    „when everything is cold and I cannot find my way and the light is dying, oh, you are my horizon”

    Das Tempo wird auch im Song „Horizon” gehalten. Schlagzeug und Gitarre treiben den Track voran und der Refrain öffnet sich in helle Klangflächen. „Wherever I am, a vision of you makes the darkness fall away in all the times I’ve reached toward a hiding place, you never let me go, no and through your eyes I watch myself become who I’m supposed to be” – Fogale beschreibt Liebe hier als Orientierungspunkt, wobei der Song eine Liebeserklärung an seine:n Partner:in und an das Leben, das diese Liebe ermöglicht hat, darstellt.

    „you are right where you’re meant to be”

    Nach dem instrumentalen „Relief“ folgt „Daniel’s Theme“, der kürzeste Track des Albums. Der Song ist ein Porträt eines archetypischen Mannes, der trotz Narben mit Güte und Stärke durchs Leben geht, und gleichzeitig eine Erinnerung daran, dass unser eigener Schmerz nicht bestimmen muss, wie wir anderen begegnen.

    „you are not what came before, you are an unending form”

    Der Titeltrack „Challenger“ startet mit einem Gitarrenintro und ist ein ganz besonderer Song, da der Sänger ihn seit fast fünf Jahren mit sich trägt. Fogale ruft im Track dazu auf, transgenerationalen Schmerz abzulegen und erlernte Zyklen zu durchbrechen, um sein Potenzial auszuschöpfen und vollständig in sich hinein oder sogar über sich hinaus zu wachsen: „Hold them close and break the chain, kill the rage and kill the shame”. Identität wird als etwas Veränderbares beschrieben, das man herausfordern kann und der Song fasst das Album thematisch in sich zusammen.

    „may you find what you’re looking for, may this world be an open door and may your love lead you on, now and evermore”

    Der finale Song des Albums ist „Yours.“ Der Track schließt das Kapitel als Ehrung unserer Anstrengungen und mit der Schönheit, menschlich zu sein. Er reduziert sich zum Ende auf ein leises Klavier mit den Lyrics: „This life is yours. So for all your worth, be the challenger”. Ein Kreis schließt sich – vom inneren Zweifel des Openers zur Selbstermächtigung am Ende.

    Luca Fogale. Foto: Brandon Artis

    Insgesamt dient Challenger als Auseinandersetzung mit dem, was nicht mehr dient, und mit dem Mut, loszulassen. Das Album wirkt wie ein zusammenhängender Gedankengang, in dem sich Selbstreflexion, Wachstum und ein leiser Kampf gegen das Stagnieren gegenseitig ergänzen. Luca Fogale hat eine Kollektion geschaffen, die sich anfühlt wie ein stiller Dialog mit sich selbst, und in dem sich viele Menschen wiederfinden können.

    Im April geht Luca Fogale mit Band auf Tour und macht auch in Berlin, Hamburg, München und Köln Halt. Für unter 30 Euro bekommt man nicht nur neue Songs, sondern einen Querschnitt durch vier Alben voller feinfühliger Lyrics. Kurz gesagt: unbedingt hingehen!


    Fotos: Brandon Artis / Nettwerk Music Group

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  • Fantasievoll und authentisch: so war orbit am 11.12.2025 in Berlin.

    Fantasievoll und authentisch: so war orbit am 11.12.2025 in Berlin.

    Zoe und Ricarda, Schülerinnen der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, waren am 11.12.2025 auf dem Konzert von orbit im Huxleys Neue Welt in Berlin und berichten von ihrem Erlebnis.

    Music & Friends

    Hinter orbit steckt der etwa 29 Jahre alte Produzent, Songwriter und Multi-Instrumentalist Marcel Heym mit seinen Freunden, welche aus Achim bei Bremen kommen.

    Marcel sammelte bereits mit 17 Jahren internationale Bühnenerfahrung, nachdem er mit seinem Bruder Patrick Heym die Schüler-Rockband Casting Luis gründete. 
    Mit 20, lebte Marcel in Berlin und arbeitete hier als Musikproduzent. 
    Als er in der Großstadt nicht glücklich wurde, zog er zurück in seine Heimatstadt und startete sein eigenes Musikprojekt. 

    orbit entwickelte sich zu einem Ort für Kreativität, einem Kollektiv für verschiedene Projekte. Das Debüt-Album von orbit war ihre EP „Perspectives“ aus dem Jahr 2020 und 2021 organisierte Marcel mithilfe seiner Internet-Community die erste Tour für orbit.

    Das Zitat in orbits Spotify-Bio beschreibt sehr gut, womit sich Marcel in seiner Musik auseinandersetzt:

    „A heavenly place between the forest, vast fields and a beach by the river. Here I grew up wit my friends, a group of kids who met in school and decided to stay together. Here we live, create and dream.“ 

    „Ein himmlischer Ort zwischen Wald, weiten Feldern und einem Strand am Fluss. Hier bin ich mit meinen Freunden aufgewachsen, einer Gruppe von Kindern, die sich in der Schule kennengelernt haben und beschlossen haben, zusammenzubleiben. Hier leben, gestalten und träumen wir.“

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    Heute heißen ihre bekanntesten Songs „Friday Night“ , „Perspectives“ , „Time in the Afternoon, …“. Nach der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Countless Feelings But So Few Words“ sind sie jetzt, zusammen mit Cowboy LYF als Vorband, auf ihrer ersten großen Europatournee und spielen am 11.12.25 in Berlin ihre größte Headline Show bisher.

    Bühne und Atmosphäre 

    Die Show ist perfekt inszeniert. Das Bühnenbild vermittelt durch kleine, aufgebaute Getreidefelder, alte Windräder und von der Decke hängende Zugvögel ein verspieltes, ländliches Feeling inmitten der Großstadt. Die sich drehenden Windräder und die Zugvögel aus Spiegelglas verbreiteten das Licht in der Halle und sorgen für ein atemberaubend dynamisches Lichtspiel, welches regelrecht mit dem Beat und Rhythmus der Musik zu verschmelzen scheint.

    Unser absolutes Highlight ist ein auf der Bühne erschaffener funkelnder Sternenhimmel, welcher eine sehr verträumte und magische Atmosphäre ins Huxleys bringt.

    orbit verbindet in seinen Liedern einen Mix aus Indie, Dream Pop und elektronischer Musik und begeistert seine Fans immer wieder mit den vielen musikalischen Kontrasten. Sie arbeiten mit Synthesizer, Stimmverzerrungen und einem Piano, aber auch mit Akustik-Gitarre und einem live gespielten Bass.

    Ehrlich und Authentisch

    Sie stehen in Berlin nur zu zweit auf der Bühne, geplant war eigentlich zu dritt.  Da Luka Björk Küssner aber kurzfristig krank geworden ist, stehen nur Marcel Heym und Morlin Baginski vor dem relativ jungen Publikum, auf der Bühne. Mit Songs wie „Youth“, „Perspectives“, „Formula“, „Call Me at Midnight“, „Rewind“, „So Far Away“ und „Friday Night“ sorgen sie für eine lässige, schwerelose aber auch energievolle Atmosphäre im Huxleys.

    Marcel interagiert häufig mit dem Publikum. Er erzählt von seinem ersten Auftritt in Berlin, der vor maximal 30 Leuten stattfand und freut sich sehr, dass wir an dem Abend ungefähr 1500 Menschen sind. Er sagt uns, dass es sich für ihn wie ein Fiebertraum anfühlt vor so einem großen Publikum zu spielen und dass er versucht sich vorzustellen nur vor ein paar Menschen zu spielen, damit er entspannter ist. Es entsteht trotz seiner Aufregung ein sehr entspanntes familiäres Flair. 
    Zum Schluss bedankt er sich nicht nur bei seinen Fans, dass sie alle da sind, sondern auch bei seinen Freunden und der Crew, ohne die das alles gar nicht möglich gewesen wäre. Am Ende hört man einen Fan „Gracias!“ rufen und Marcel bekommt von noch einem Fan Blumen geschenkt.

    Unser Eindruck

    orbit hat uns eine energiereiche, phantasievolle und verträumte Show geliefert, die uns echt beeindruckt hat. Uns hat besonders der Song „Perspectives“ berührt, der einige überraschende Effekte mit sich bringt und doch einen entspannten Vibe hat. Wir haben uns auch richtig wohl gefühlt, da orbit sich für die Tour ein Awareness-Konzept überlegt hat, damit die Konzerte ein Safe Space für alle sind. Auch die Location fanden wir richtig gut. Sie war nicht zu groß, es gab mehrere kleine Zuschauertribünen an den Seiten und eine große Zuschauertribüne mit mehreren Ebenen hinten im Saal. Dadurch konnte man auch etwas sehen, wenn man nicht ganz vorne stand.

    Am 13.12.25 hat orbit vor der Tour Pause noch in ihrer Heimat Bremen gespielt. Nach ihrer Pause es geht im Februar 2026 für orbit nochmal in einige Städte, bevor die „Small Town Friends on Europe Tour 2025“ endet.

    „Countless Feelings But So Few Words“ 
    Weitere Konzerttermine:

    2026

    05.02. London
    06.02. Warschau
    07.02. Prag
    08.02. Budapest
    12.02. Oslo
    13.02. Stockholm
    14.02. Kopenhagen
    25.02. Berlin
    26.02. Hannover
    27.02. Leipzig
    28.02. Frankfurt

    Folgt orbit jetzt auf Instagram, Spotify und YouTube!

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  • Wenn Swing auf Techno trifft, tanzt jeder los: So war Parov Stelar am 14.11. 2025 in Berlin

    Wenn Swing auf Techno trifft, tanzt jeder los: So war Parov Stelar am 14.11. 2025 in Berlin

    Nora und Junia, Schüler*innen der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, berichten von einem Konzert und einer einmaligen Reise durch Jazz, Swing, House und elektronischer Musik

    Als wir am 14. November 2025 knapp um 20:00 in der Uber Eats Halle in Berlin ankommen, wissen wir nicht was uns erwartet. Die Konzerthalle ist bis zu den obersten Rängen voll.
    Wir haben Stehplätze, sind aber relativ weit hinten. Bevor Parov Stelar anfängt aufzulegen, startet El Siciliano, sein langjähriger Support DJ, mit einigen Techno Hits, um die Stimmung anzuheizen. Parov Stelar lässt auf sich warten und baut die Stimmung auf, indem er Schwarz-Weiß Clips und Fotos mit tiefer, mysteriöser Hintergrundmusik auf einer großen Leinwand abspielt. Die Clips erinnern an einen Film Noir. Es werden Babys mit strahlenden Augen gezeigt, ein Skelett, das Klavier spielt, viele Frauen mit Kopftüchern oder auch Maschinen, die menschenähnlich aussehen. Das Intro ist sehr dunkel. Umso überraschender ist der Übergang als Parov Stelar und seine Live Band schließlich anfangen zu spielen.

    Das neue Album sorgt für große Spannung

    Heute erscheint Parov Stelars neues Album: „Artifact“. Er beginnt sein Konzert auch mit einem der neuen Songs. Die Stimmung steigt sofort in die Höhe. Er spielt viele neue Songs, aber auch die meisten seiner bekannten, älteren. Ein paar Hits, die uns fehlen sind u.a. „The Sun“ und „Tango de Fuego“.

    Wir sind begeistert von der Live Band. Es gibt drei Bläser, Trompete, Saxophon und Posaune, ein Schlagzeuger, Synthesizer, ein Sänger und eine Sängerin, Gitarre, Bass und natürlich Parov Stelar, mit bürgerlichem Name Marcus Füreder, selbst, der alle Klänge und Sounds zusammen mischt.

    Parov Stelar, Swing, Electro, EDM, Music, Concert, Band

    Ein Rhythmus, der dich mitreißt

    Die Stimmung ist ein einziges Hoch. Es gibt keine Tiefen. Dafür sorgt Parov Stelar mit seiner musikalischen Abwechslung und ständigen experimentellen Stiländerungen von der Mischung aus Techno, Jazz, Swing und House.
    Er zaubert mit der perfekten Mischung aus Energie, Sound und Licht, die ideale Stimmung. Auf der riesigen Leinwand sieht man weiterhin von KI erzeugte Filme, aber auch abstrakte Formen und Farben – allerdings immer abgestimmt und passend zur Musik. Begleitet von der aufwändigen Lichtshow fühlen wir uns wie im Club. Nur eben mit Live Musik und hunderten Fans.

    Mal spielen sie ihre Songs, mal experimentieren sie Minuten lang mit verschiedenen Sounds und Melodien herum. Öfters wird mit den Schatten der Musiker gespielt, die durch Scheinwerfer, riesengroß an den Wänden erscheinen.

    Pure Energie

    Parov Stelar selbst bleibt im Hintergrund, während seine Band eine immense Show abliefert. Er steht auf einem kleinen Podest in der Mitte der Bühne und mixt von dort. Im Rampenlicht stehen die anderen Musiker und alle bekommen ein eigenes Solo.
    Ob abgefahrene Cypord Sounds oder klassische Swing Solos vom Saxophon, wir Zuhörer*innen werden mit einbezogen. In einem Moment klatschen wir den Beat für den Drummer, in einem anderen singen wir angeleitet vom Trompetenspieler mit lautem Jubeln das Intro zum nächsten Song.

    In einem besonderen Augenblick kommt der Trompeter mit einem Rotwein gefülltem Weinglas auf die Bühne. Nach dem er es in einem Zug ausgetrunken hat, setzt er es an seine Trompete und benutzt es als Resonator, um dem Klang der Trompete einen quatschigen Oldschool Sound zu geben – etwas, das wir noch nie vorher gehört oder gesehen haben.

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    Das Ende? Falsch gedacht

    Zum Ende hin bedankt sich Parov Stelar beim Publikum und erklärt kurz, wie besonders es für ihn ist, in Berlin aufzutreten. Er verkündet, dass man ab jetzt das gesamte neue Album “Artifact“ hören kann und dass wir noch einmal den Release mit den nächsten Songs feiern werden. Es folgt ein Techno Sound, begleitet von den Bläsern, bei dem wir alle in die Hocke gehen. Die Musik setzt aus, für einige Sekunden ist es komplett still. Der Beat geht wieder los. Wir springen alle gemeinsam auf und tanzen weiter.

    Die Farben der Leinwand pocht passend zum Beat. Die Stimmung ist erhitzt, niemand will schon aufhören zu tanzen.
    Nach einer Zugabe verlassen alle Musiker*innen die Bühne, aber das Publikum ist noch nicht zufrieden und lässt nicht locker. Die Band kommt zurück und die Sängerin ruft, dass eine Party an einem Freitagabend in Berlin nicht so früh Enden kann.

    Nachdem noch mehrere Songs gespielt werden, darunter ein Remix aus „Sweet Dreams“ und „SexyBack“, spielen sie noch die zwei bekanntesten Songs „All Night“ und „Catgroove“. Das ganze Publikum tanzt ausgelassen bis zur letzten Sekunde und so geht dann doch das Konzert und dieser wunderschöne Abend zu Ende.

    Der Abend, der uns zu Fans machte

    Uns hat dieses Konzert besonders gut gefallen. Wir waren mit wenig Erwartung angekommen und wurden positiv überrascht davon, dass alles Songs live und nicht vom Band gespielt wurden.
    Besonders beeindruckend fanden wir die Bühnenpräsenz der Band, das Experimentelle und die unerwarteten Stiländerungen. Wenn man nach einem Konzert direkt die Musik weiterhören will und Tickets für das nächste Mal kaufen möchte, ist das ein gutes Zeichen. Wir konnten die ganze Nacht nicht aufhören zu tanzen und wurden völlig von der energetischen Stimmung mitgerissen. Wir hatten das Gefühl bei einer Live Jam Session dabei zu sein, da jede Künstler*in das eigene Solo gelebt hat.

    Das Konzert ist schwer mit anderen Konzerten zu vergleichen, da auch Parov Stelars Musikstil so einzigartig ist. Die Art, wie er Jazz Rhythmen und Swing Klänge mit seinem eigenen Stil mixt, ist sehr besonders.

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