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  • Nostalgische 80s Synths in Dayglow’s „Harmony House“

    Nostalgische 80s Synths in Dayglow’s „Harmony House“

    Retro Klänge und Synthies aus den 80ern feiern nicht erst seit gestern ein großes Comeback! Dass die Popkultur gerne Sounds und Styles vergangener Jahrzehnte ausgräbt ist auch kein Geheimnis. Das konnte man im letzten Jahr beispielsweise schon am Album Future Nostalgia von Dua Lipa sehen, aber auch auf dem neuen Dayglow-Album Harmony House finden sich vieeele viele 80er Jahre Synths-Sounds mit einem modernen Anstich. Und was soll ich sagen: it’s a vibe!

    Mit seinem Debüt Album Fuzzybrain hat Sloan Strube, der hinter dem Namen Dayglow steckt, es sich zum Ziel gemacht gute Laune und Glücksgefühle mit seiner Musik zu verbreiten. Und genau da knüpft er auch mit Harmony House an. Mit warmen Synths, super catchigen Melodien und groovigen Bässen kann man nur schwer stillhalten oder Trübsal blasen.


    The 80s called, they want their synths back
    Dayglow Harmony House Cover

    Ja dieser Joke musste kommen, verzeiht. Vor allem die erste Hälfte des Albums ist gespickt mit 80s Vibes. Mit dem Eröffnungstrack Something lädt uns Dayglow in sein Harmony House ein und versprüht damit eine erste kurze Ladung gute Laune. Hört ihr die Melodie ab 00:45 min., die so ein bisschen gepfiffen aber auch ein bisschen flötenartig klingt? Prägt euch die mal lieber ein!

    Thematisch besingt Dayglow Themen rund um die Anziehung zwischen zwei Menschen. Nicht in chronologischer Reihenfolge und auch nicht auf jedem Song des Albums, aber dennoch lassen sich von den ersten Blicken bis zum Ende einer Beziehung einige Stadien einer Beziehung in verschiedenen Songs wiederfinden. In Close To You geht es um die elektrische Spannung zwischen zwei Menschen, die sich auf einer Party sehen, aber niemals richtig Hallo sagen. Man malt sich Szenarien in seiner eigenen Fantasie aus, die so aber nie stattfinden.

    In Crying on the Dancefloor habe ich sofort diese Abschlussball Szene eines Coming Of Age Films im Kopf. In diesem Song geht es um das Ende einer Beziehung.


    „I thought that I could keep myself together,
    but I fall apart when you walk through the door.
    And now my eyes are looking like the weather,
    now I’m crying on the dancefloor.“


    Ich glaube diesen Moment hat auch jeder schonmal durchgemacht. Wenn man denkt man hat das schlimmste überstanden, aber nur ein kurzer Augenblick, in dem man die andere Person sieht, lässt alles wieder hochsprudeln.

    Harmony House‚ is about dealing with change and realizing that change is ok, that everything changes and it doesn’t have to be overwhelming“, wie Sloan selbst zum Album sagt. Besonders in dem Track Woah Man geht es um das Loslassen, damit man selbst wachsen kann. Anfangs sollte der Song für einen Freund von Sloan sein, der eine schwere Phase durchmachte. Im Nachhinein merkte er, dass der Song sehr viel mehr um ihn selbst geht, als er das anfangs intendiert hatte.


    Bedroom Pop at its finest

    Auf seinem Instagram Kanal hat Dayglow ein Snipped von den ersten Instrumentals des Songs Close To You geteilt. Das hat er angefangen zu schreiben, als er im Sommer 2019 Zuhause war – in dem selben Zimmer wo auch Fuzzybrain entstanden ist. Damit wird einiges klar: Dayglow ist wohl König des Bedroom Pops. Nicht nur, dass er sich selbst beigebracht hat Gitarre, Bass, Drums und Keyboard zu spielen, sondern auch wie man Songs produziert und mixt. Kleiner Content-Tipp für Menschen, die sich für Musikproduktion interessieren: Auf seinem YouTube-Kanal hat er einige Videos, in denen er erklärt wie einige seiner Songs entstanden sind. Unter anderem auch eines zu seiner ersten Single Auskopplung Close To You.

    Man merkt gleich wie viel Freude es Sloan macht über Musik zu sprechen, denn wie er selbst im Video sagt: „This is all i ever think about“. Er erklärt Stück für Stück wie er welchen Teil des Songs gebastelt hat. Damit der Song (und wahrscheinlich auch der Rest des Albums) so authentisch wie möglich nach 80er Jahren klingt, benutzt er zum Beispiel wirklich Synthesizer, die aus den 80er Jahren stammen. Denn ihm zufolge sind die Synths-Sounds der Ort, wo die Magie des Songs wirklich sitzt. Der Part der mich ein bisschen zum Schmunzeln gebracht hat ist, als er erzählt, dass der Song eigentlich als Duett gedacht war, aber er eine introvertierte Person ist und deshalb der Song ein Duett mit ihm selbst wurde – wobei ich jetzt wirklich gerne eine Version als „richtiges“ Duett hören würde.

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    In meinem Kopf war wieder diese Melodie, nanana

    Ihr wisst noch, die Melodie vom ersten Song Something? Wenn ihr das Album komplett durchhört, werdet ihr dieser Melodie noch ein paar Mal begegnen. In Into Blue taucht sie gegen Ende des Tracks ab 02:40 min. wieder auf, diesmal etwas langsamer und mit der E-Gitarre. Gleich im nächsten Song Moving Out findet ihr sie wiederum mit einem pfeifenden Synthie-Sound (ab 02:16 min.), aber auf eine andere Art als beim ersten Song des Albums. Und zu guter Letzt kommen wir zum vierten Song, in dem diese Melodie wieder zu finden ist. Als wunderschön runder Abschluss muss sie natürlich auf dem letzten Track der Platte sein. Auf Like Ivy wird die Melodie nicht nur durch Instrumente, sondern diesmal auch durch die Stimme interpretiert (ab 01:10 min.).

    Habt ihr die Melodie noch an anderen Stellen auf dem Album entdeckt? Ich persönlich liebe es ja, wenn so kleine Easter Eggs versteckt sind und wenn sich Muster, Melodien oder andere Dinge wiederholen, weil es die Songs auf einem Album auf eine Art mit einander verbindet. Und eins ist klar: Wenn euch das einmal aufgefallen ist, könnt ihr das gar nicht mehr überhören und habt nebenbei auch einen Ohrwurm für den Rest der Woche.

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    Fotocredit: Pooneh Ghana

  • 80s-Revival plus Sozialkritik: Fly von Flyde

    80s-Revival plus Sozialkritik: Fly von Flyde

    „Ein Cyberfurby, arrogante Himmelsdudes, viel pink und ein wenig Schminke.“ – so beschreibt das Gesicht von Flyde (Lukas Przybilla) den Inhalt des entzückenden Videos zur neuen Single Fly, erschienen Ende November 2020.

    Und hinter der Schminke? – Abgründe der menschlichen Seele

    In einem kurzen Interview über den neuen Song und das Musikvideo berichtete Lukas, dass es um die Schwierigkeiten des Loslassens, z.B. von einem guten Freund, geht:

    „Wer wirklich gut für wen ist zeigt sich manchmal erst nach Jahren, aber dann ist man oft schon so dicke miteinander, dass unter Umständen, eine emotionale Trennung extrem schwierig werden kann.“

    Vielleicht ist ein genereller Grund dieses Problems die schwach ausgeprägte Fehlerkultur hier zu Lande, oder dass der Begriff der Freundschaft mehr und mehr inflationiert wird. Eins ist jedoch ganz sicher: der Song Fly ruft unmissverständlich dazu auf Fehler zu machen um daraus zu lernen, mutig zu sein und sich gegebenenfalls helfen zu lassen.

    Dass das Video es schafft diese ernsten Themen auf humoristische, augenzwinkernde Art und Weise darzustellen, macht die sozialkritische Kost leichter verdaulich und süßer als das bittere, schwermütige Wehklagen, welches man schon zu genüge bei anderen Produktionen schluckt. Stichwort: Liebeskummer in Songs.

    Tanzbare 80er Jahre Klänge vereint mit ernster Botschaft

    Auch die dufte Soundästhetik der neuen Single ironisiert und verballhornt die zum überwiegenden Teil traurige Wahrheit, die hinter vielen schnelllebigen Beziehungen steckt. Durch die Einflüsse von David Bowie, Peter Gabriel, Phil Collins, Joy Devision, Fleetwood Mac und Tears For Fears und viele, viele mehr, hat sich Flyde eine Klangwelt erschaffen, die besagte 80er Jahre Größen zwar als referenzielles Fundament nutzt, dabei aber seine ganz eigenen Regeln folgt:

    „Mir ist es sehr Wichtig dass es Abwechslung gibt. Ich stehe zwar voll auf Pop, aber ich mag so ’ne A, B, C, D Struktur. In fast keinem Song (des kommenden Albums) sind zwei identische Strophen, was die Melodie betrifft. Mir ist’s wichtig dass das nicht allzu repetitiv ist. Es ist nicht einfach 80er Sound und Text sondern eine Symbiose aus allem was ich bisher so gehört und gemacht hab.“


    Und so stellt die erste Single des im nächsten Jahr erscheinenden Albums eine Symbiose aus 80er Jahre Pop, Psychedelic – und Progressive Rock und dem ein oder anderen Dreampopeinfluss dar, welche den Schulterschluss mit einfühlsamen und persönlichen Themen übt und meiner Meinung nach auch wunderbar vollzieht.

    An dieser Stelle sollte noch gesagt sein dass die Lyrics recht allgemein gehalten sind und Raum für Interpretationen offen halten, was durchaus gewünscht ist und jeden zum Denken anregen kann, aber nicht muss. Man kann die Musik von Flyde auf verschiedenen Ebenen genießen: Entweder man hört ganz genau hin und arbeitet sich rein, oder man lässt sich von den tollen Arrangements und Sounds davontragen und hört auf seine eigene innere Stimme, welche in Fly ganz besonders angesprochen wird.

    Das Multitalent

    Mich hat besonders interessiert wie der Prozess des Songwritings bei Lukas aussieht, da er vom Arrangement, über die Aufnahmen der verschiedensten Spuren/Instrumente, bis hin zum Abmischen alles im Alleingang macht. Auf die Frage wie die Arbeit an einem Song aussähe antwortete er:

    „(…)Ich schick ’ne Gitarre durch fünf bis sechs Pedals und verfremde das und dadurch entstehen dann wieder ganz neue Dinge. Darüber jamme ich dann mit meinem Gesang. Die Texte hole ich aus meinem kleinen Textbuch.“

    Obgleich hier die Arbeit mit Synths und Drums aussen vor gelassen wird; dieses kurze Exzerpt bringt’s für mich auf den Punkt: Wenn man Talent und seinen eigenen Workflow gefunden hat, entstehen die Tracks wie von selbst. Das ganze äußert sich dann in einem homogenen Sound der kompromisslos und einzigartig ist. Lukas – das Gehirn von Flyde – hat diese Eigenschaften. Man sollte auf jeden Fall ein Auge auf den aufstrebenden Newcomer, welcher ohne Label und großem Studio tolle Musik macht, werfen. Von dem und seiner kleinen Entourage an Livemusikern wird in Zukunft noch zu hören sein! Bis dahin vertröstet die neue Single Fly und natürlich das bereits 2018 erschienene Debütalbum (Flyde) alle die bock auf 80er – PsyProgDreamPop haben!

    https://www.youtube.com/watch?v=-tM5wwlc-WQ