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  • Mavi Phoenix im Interview: „»Marlon« ist frech, erfinderisch aber trotzdem irgendwie klassisch“

    Mavi Phoenix im Interview: „»Marlon« ist frech, erfinderisch aber trotzdem irgendwie klassisch“

    Marlon ist nicht nur Mavi Phoenix‘ bürgerlicher Name, sondern nun auch der Titel seines zweiten Studioalbums. Passend zum Release, durfte ich (Lara) mit Marlon, über Marlon sprechen, was am 25.02.2022 erschienen ist.

    Musikalisch bewegt sich Mavi Phoenix zwischen Lo-Fi-Pop, Trap und modernem R&B. Ausserdem finden sich auf seinem neuesten Release Gitarrensounds wieder. Nach dem Coming Out als Transmann und der Veröffentlichung seines Debütalbums „Boys Toys“ verabschiedete sich Marlon Nader 2020 von Social Media, nahm eine Auszeit und widmete sich seiner persönlichen sowie musikalischen Transition.

    In wie fern Mavi Phoenix seinen neuen Gitarrensound seinem Vater zu verdanken hat, wie der Albumprozess bei Marlon ablief und was seine persönlichen Lieblinge der Platte sind, könnt ihr jetzt hier im Interview lesen.


    Interview mit Mavi Phoenix

    Lara: Hallo Marlon, schön dass das geklappt hat. Du steckst ja aktuell mitten in der Promophase. Zum Einstieg frage ich dich erstmal, was du heute schon so gemacht hast.

    Mavi Phoenix: Ich war heute tatsächlich schon bei einem Interview, mal wieder Face to Face, in einem Cafe, für ein österreichisches Magazin. 

    Lara: Face to Face ist ja auch mal wieder ganz nice. Wie geht es dir? In 2 Wochen ist es soweit, dann kommt dein zweites Album Marlon raus. Wie geht es dir, so kurz vor dem Release? 

    Mavi Phoenix: Ja eigentlich ganz gut! Ich freue mich echt mega auf’s Album und ich realisiere auch gerade eigentlich erst, dass es bald wirklich rauskommt. Ich freue mich einfach wirklich sehr und auch, dass es danach dann auch endlich weitergehen kann.

    Lara: Das kann ich gut nachvollziehen. Unterscheidet sich der Release von Marlon zu dem von Boystoys

    Mavi Phoenix: Ich glaube, ich bin tatsächlich ein bisschen entspannter. Wahrscheinlich auch, weil ich voll an das Album glaube. Ich habe das Gefühl, dass es ein gutes Album geworden ist und freue mich einfach. Natürlich ist mir auch voll wichtig, was die Leute dann damit machen und wie sie es finden, aber ich bin da ziemlich gefestigt und denke schon, dass es den Leuten gefallen wird. Hoffentlich.(lacht)

    Lara: Also ich hab natürlich schon mal etwas reingehört und ich bin mir ziemlich sicher, dass es den Leuten gefallen wird. Weisst du schon, wie du den Release feiern wirst? 

    Mavi Phoenix: Jaa, ich werde in Berlin tatsächlich meine erste Releaseparty überhaupt machen! Beim letzten Album war da ja der erste Lockdown und da kam dann leider nichts zu Stande. Jetzt ist es natürlich auch irgendwie blöd mit Corona, aber wir werden dann hoffentlich mit 2G+ vielleicht auch mal ein Bisschen den Release feiern können.

    Lara: Nice, muss ja auch mal wieder sein. Jetzt back zum Album; wie lief der Albumprozess ab und wann hast du angefangen, die ersten Songs für Marlon zu schreiben?

    Mavi Phoenix: Bei mir ist es eigentlich so, dass ich ständig schreibe. Es ist nicht so, dass ich mir denke „jetzt habe ich das eine Album fertig und jetzt mache ich eine Pause“ sondern ich mache das natürlich voll gerne und es hat für mich auch irgendwie etwas therapierendes dabei. Ich brauche das Musik machen auch einfach irgendwie und deshalb mache ich echt ständig Musik. Nach Boystoys gab es dann ein paar Monate in denen ich auch Musik gemacht habe, aber davon ist dann zum Beispiel auch nichts auf dem Album gelandet. Da war ich dann auch kind of in einer Findungsphase um zu schauen, was mir überhaupt gefällt, zu schauen was ich in Zukunft machen möchte und um mich auszuprobieren.

    Irgendwann hat es klick gemacht

    Dann ist es aber auch eigentlich ganz schnell gegangen! Ich habe meine Gitarre gepackt, neu herumexperimentiert und auch wieder selbst produziert. Dazu hat sich auch noch meine Stimme verändert und dann hat einfach alles voll schön zusammengepasst! Richtig entstanden ist das ganze Album dann also zwischen Sommer 2020 bis Sommer 2021.

    Irgendwann hat es dann wie klick gemacht. Ich muss dazu sagen, dass ich zu der Zeit auch von den Demos her einen echt krassen Output hatte. Wir haben auch sicher die Hälfte der Songs weggehauen, die dann nicht aufs Album gepasst haben. Es war dann auf jeden Fall genug Output dabei, dass es für ein Album gereicht hat (lacht).

    Lara: Ja, verstehe ich auf jeden Fall voll. Next Question: Du hast einige unterschiedliche Sounds auf Marlon, unter anderem die Gitarre. Gitarren waren ja vorher nicht so typical Mavi Phoenix. Wie kam es dazu?

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    Albumcover Boys Toys

    Mavi Phoenix: Ja true! Auf Boys Toys gibt es den Song Family, da habe ich das erste mal Gitarren etwas in meine Musik einfliessen lassen. Also da gab es schon so erste Anzeichen dafür, dass, es mich reizen würde, aber dann bei dem Album Marlon habe ich es dann tatsächlich so als mein neues Instrument entdeckt.

    Lara: Ich finde auch, dass es auf jeden Fall stimmig ist und total gut zu allem passt. Was hat dich denn letztendlich zur Gitarre gebracht?

    Mavi Phoenix: Es war so, dass mein Papa mir die Gitarre geschenkt hat, als ich 15 war. Die steht auch tatsächlich gerade neben mir! Die ist eigentlich wirklich Jahrelang in Linz in meinem Elternhaus verstaubt. Irgendwann habe ich die dann einfach mal hergeholt. Durch die Hormontherapie habe ich dann auch gemerkt, dass sich die Stimme verändert und ich die Töne die ich vorher erreicht habe, jetzt nicht mehr erreichen kann. Und irgendwie hat die Gitarre für mich dann so etwas neues aufgetan, auch beim Musik schreiben.
    Ich schreibe ja wirklich schon lange Musik, aber irgendwie hatte ich dann durch die Gitarre plötzlich auch einen ganz anderen Blickwinkel gesehen, weil du mit der Gitarre eben auf ganz andere Melodien kommst. Das hat mir was das Album betrifft echt einige Türen geöffnet und das Album zeigt glaube ich, auch einfach voll dieser Moment, als ich die Gitarre und dadurch auch mich neu entdeckt habe.
    Deswegen klingt es glaube ich auch glaube ich so fresh, im Sinne von innocent und neu an.

    Lara: Was für eine schöne Story dahinter! 

    Mavi Phoenix: Jaa, vor allem wollte ich früher auch die in den Gitarrenunterricht gehen! (lacht)

    Lara: Das fühle ich.  Jetzt zur nächsten Frage: Hast du einen Lieblingstrack auf dem Album?

    Mavi Phoenix: Boah, schwer zu sagen. Natürlich mag ich eh alle Tracks, aber meine aktuellen Favoriten sind aber glaube ich trotzdem gerade Nothing good und So Happy I’m Useless.

    Lara: Und wie kommt’s?

    Mavie Phoenix: Bei Nothing good ist es glaube ich so, dass ich das auch mega feiern würde, wenn den jemand anderes gemacht hätte. Ich hab mir bei dem Track halt auch nicht so viel bei gedacht und ich finde das merkt man auch. Ich finde ihn frech und es kommt einfach so natürlich heraus. Da hatte ich auch einen Moment, wo ich dann mit der Gitarre ein Riff entdeckt habe und rumexperimentiert habe. Und es war auch einer der ersten Tracks, den ich überhaupt ganz mit Gitarre geschrieben habe.

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    Lara: Jetzt zu einem leider unvermeidbaren Thema: Die Pandemie. Welche Einflüsse hatte diese auf den Albumprozess?

    Mavi Phoenix: Wäre die Pandemie nicht dazwischen gekommen, wäre ich eigentlich auf Boys Toys Tour gegangen, was sicher auch mega nice gewesen wäre. Durch die Pandemie war das Musikmachen meine Prio. Das war dann in sofern nice, dass ich dann wirklich die Zeit hatte, mich neu zu erfinden und halt neue Sachen auszuprobieren. Aber to be honest, jetzt wäre es auch mal nice, wenn die Pandemie ein Ende findet. (Lacht)

    Lara: Mit welchen Worten würdest du dein Album Marlon beschreiben?

    Mavi Phoenix: Hm, ich würde auf jeden Fall sagen, irgendwo frech, erfinderisch, aber trotzdem irgendwie auch klassisch. Einfach, weil ich einen Mix aus all dem drauf habe.

    Lara: Und passend zur vorherigen Frage; mit welchen Worten würdest du dich, Marlon beschreiben?

    Mavi Phoenix: Ich würde sage, ich bin kreativ, aber auch nervös (lacht) und ich glaub ich hab einfach Lust aufs Leben? Lebenslustig? Wenn man das so sagen kann.

    Lara: Bevor wir zum Ende kommen, interessiert es mich, wie es in naher Zukunft bei dir ausschaut. Bist du froh, dass jetzt erstmal alles done ist, oder magst du dich am liebsten gleich ins nächste Projekt stürzen?

    Mavi Phoenix: Ich bin froh, dass es jetzt done ist, aber vor allem auch, weil das jetzt abgeschlossen ist und jetzt wieder neu starten kann. Bei jedem Album fängt man halt bei Null an. Also zumindest ist es bei mir so, dass ich dann nicht nochmal Sachen aufgreife, die ich gemacht habe, sondern ich versuche immer etwas neues machen. Aber nicht mit dem Gedanken, „uh, das muss jetzt neu sein!“ Sondern eigentlich entsteht das voll natürlich. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Song machen würde, der klingt, als würde er auf das Marlon Album passen, fände ich das wahrscheinlich sehr fade.
    Aber ich bin wie gesagt schon froh, dass es done ist, ich werde mir bald auch mal etwas Urlaub gönnen und dann kann es weitergehen (lacht).

    Lara: Alright!  Damit sind wir auch schon am Ende. Unsere Schlussfrage richtet sich ein bisschen nach unserem Konzept bei Untoldency und fragt nach einer untold story. Kannst du uns da was erzählen, was du so vorher noch nie in einem Interview erzählt hast? Das kann eine kleine Anekdote sein, gerne irgendetwas witziges oder einfach irgendetwas, was dir auf dem Herzen brennt und du unbedingt in die Welt hinaustragen möchtest.

    Mavi Phoenix: Jaa, da gibt es einen random fact! Während meiner Transition habe ich auf dem Laptop mit dem ich jetzt hier mit dir rede, auf Fotobooth Videos über meine Transition aufgenommen, die ich aber höchstwahrscheinlich doch nicht posten werde (lacht). Jetzt in der Retrospektive waren die wohl doch eher nur so für mich. 

    Lara: Ah nice! Ich habe mir mal dein This is my Voice… Video angesehen.

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    Mavi Phoenix: Jaa, das habe ich mich dann auch getraut zu posten. Aber die anderen Videos finde ich jetzt irgendwie fast etwas cringe und werde sie wahrscheinlich nicht veröffentlichen.

    Mavi Phoenix‘ zweites Studioalbum Marlon ist am 25. Februar 2022 bei LLT Records erschienen. Hier könnt ihr nun herausfinden, wie dieses klingt

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    Fotos: Tereza Mundilova

  • Mavi Phoenix gibt mit „Leaving“ einen Vorgeschmack auf seinen neuen Sound

    Mavi Phoenix gibt mit „Leaving“ einen Vorgeschmack auf seinen neuen Sound

    Mavi Phoenix dürfte den aufmerksamen untoldency-Leser:innen bereits ein bekannter Name sein. Der österreichische Sänger hat im Frühjahr letzten Jahres sein Debütalbum „Boys Toys“ veröffentlicht. Anna’s Review zum Album findet ihr hier. Mit „Boys Toys“ eröffnete Mavi einen exklusiven Einblick in seine Gefühlswelt rund um die Gender-Identitätsfindung. Während das Album sehr geprägt ist von Trap-Beats, Cloud-Rap und R&B, kommt Mavi dieses Jahr mit einem neuen Sound daher. Die neueste Single „Leaving“ habe ich einmal genauer unter die Lupe genommen und versucht zu verstehen, was hinter dem neuen Sound steckt.

    Als im April – gut einem Jahr nach „Boys Toys“ – die Single „Grass And The Sun“ rauskam war mir direkt klar: Das ist ein neuer Mavi Phoenix Sound. Dieser neue Sound klingt nach Indiepop, Lo-Fi, Spuren von Folk und Rock. Also ein ziemlicher Kontrast zu den alten Songs von Mavi. Das kommt allerdings nicht von ungefähr. Der 26-jährige Österreicher möchte mit „Leaving“ eine neue Richtung vorgeben und macht deutlich: So will er ab jetzt klingen.

    the new main indie pop boy

    Passenderweise kommentiert er dazu in einer Insta-Story: „On my way to become a main indie pop boy“. Als Marlon, wie Mavi mit bürgerlichem Namen heißt, Anfang September den Amadeus Austria Music Award in der Kategorie Urban/Hip-Hop gewinnt, freut er sich natürlich total, betont aber im gleichen Atemzug, dass er sich dem Alternative/Indie-Genre zugehörig fühlt. Wem das immer noch nicht deutlich genug war: Mavi Phoenix macht jetzt Indie Pop Musik.

    Kommen wir jetzt aber mal zu „Leaving“. Beim ersten Hören musste ich direkt erstmal stutzen: Kommt mir der Anfang nicht bekannt vor? Für mich klingen die ersten paar Akkorde wie eine Akustikgitarrenversion von „Nothing Good“, der zweiten Single von Mavi in 2021. Da ich den Song aber auch schon ziemlich gefeiert habe, stört mich das nicht weiter. Ansonsten klingt Mavi in „Leaving“ ungewohnt ruhig. Der Song baut sich langsam auf und die Gitarre wird immer mehr unterstützt.  

    „Ich wusste gleich, dass dieser Song etwas Besonderes ist. Das könnte der beste Song sein, den ich je geschrieben habe.“

    Leaving“ ist letztes Jahr entstanden – also mitten in einer Zeit, die geprägt von Ungewissheit, Abwarten und einer Menge Selbstreflexion war. Mavi sieht den Song daher als eine Art Neuerfindung seiner Musik. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich mich über die Veröffentlichung des Songs freue, denn er hat mich nach einer schwierigen Phase wieder an mich, als Künstler glauben lassen“,erklärt Mavi.

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    Das Musikvideo zu „Leaving“ kommt in minimalistischer schwarz-weiß Ästhetik daher. Die Aufmerksamkeit soll auf der Musik liegen. Mavi selbst ist immer eher klein zu sehen und wirkt etwas verloren in der „großen“ Welt – meiner Meinung nach sehr passend zu den Lyrics.

    It’s the same old story for us all. When you love someone and they just don’t.“ 

    Diese Zeile aus dem Song fasst den Kern des Songs ganz gut zusammen und lässt wahrscheinlich auch ziemlich viele ganz gut mit ihm identifizieren. Den Rückschlag einer nichterwiderten Liebe zu verkraften ist nicht einfach, aber in „Leaving“ verarbeitet Mavi dieses Gefühl und findet den Weg zurück in ein ausgeglichenes Selbstwertgefühl. „Ich bin zu der befreienden Erkenntnis gekommen, dass man die Kontrolle über sein Leben und seine Gefühlswelt wiedererlangen kann, indem man Situationen, Menschen und/oder andere Dinge die schlecht für einen sind einfach verlässt,“ sagt Mavi.

    Ende Juli hat der österreichische Künstler ein Video auf YouTube gepostet, wo er die Entwicklung seiner Stimme festgehalten hat nachdem er ein Jahr lang Testosteron nimmt und man merkt einfach total, wie er im Laufe deutlich glücklicher wirkt und sich wohler fühlt mit seiner Stimme und auch in seinem Körper. Zusammen mit der Message hinter „Leaving“ macht es mich ebenfalls sehr glücklich zu sehen, wie Mavi zu sich selbst findet.

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    Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, was von Mavi Phoenix als nächstes kommt und bin ziemlich gehyped auf den neuen Indie Pop Sound. Für mich bleibt Mavi trotz veränderten Klang weiterhin ein super interessanter Künstler, der einfach mehr Aufmerksamkeit verdient. Wenn ihr also den neuen Song „Leaving“ noch nicht gehört habt, dann könnt ihr das jetzt hier mal ganz schnell nachholen:

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    Fotocredit: Randy Kambodscha