Autor: Jori

  • Der ultimative Sziget-Guide 2026: Unsere Tipps für die Insel

    Der ultimative Sziget-Guide 2026: Unsere Tipps für die Insel

    Das Sziget heißt am 10.08.2026 wieder alle Szitizens in Budapest Willkommen. Beim letzten Mal hatten wir ausführlich über das diesjährige Lineup berichtet, aber das Sziget hat neben der Musik noch allerhand zu bieten, das natürlich nicht zu kurz kommen soll. Wer also noch ein paar coole To-Do’s abseits der Crowds sucht: We’ve got you covered – hier kommt der ultimative Sziget-Guide!  

    Das Festival ist nicht nur künstlerisch sehr international aufgestellt, sondern auch die Besucher:innen kommen aus der ganzen Welt. Dadurch entsteht eine super tolle Atmosphäre, in der man mit vielen verschiedenen Menschen aus den spannendsten Kulturen in Kontakt tritt. Daher, dass das Festival mitten in der Stadt beherbergt ist und Budapest als europäische Hauptstadt einen Flughafen besitzt, ist es recht einfach, am Sziget teilzunehmen.

    Anreise

    Für viele europäische Länder gibts neben dem Fliegen allerdings noch die Optionen, den Bus oder Zug zu nehmen. Ich bin die letzten Jahre immer mit dem Direktzug aus Berlin gefahren und muss sagen, dass ich die Fahrt ziemlich entspannt finde und für ca. 50 Euro pro Strecke absolut nichts auszusetzen habe. Für alle aus den Niederlanden bietet das Festival außerdem jedes Jahr den Sziget-Express an, der einen DJ und weiteres Entertainment an Board bietet. Also, wer noch nicht genug Party gemacht hat und aus den Niederlanden kommt oder nach dem Festival dorthin reisen will, der kann hier auf seine Kosten kommen. 

    Green Sziget

    Das Sziget unterstützt klimafreundlichere Anreisen generell und bietet außerdem für alle Fahrradfahrenden ein kostenloses Camping an, wenn man vorweisen kann, dass man mindestens 250 km gefahren ist. Das ist Teil der Green-Sziget-Initiative, die rund um das Festival existiert. Andere Maßnahmen vor Ort sind z.B., dass man sein Zelt nach dem Festival spenden oder auf dem Gelände Müll sammeln kann und im Gegenzug Festivalmerch von den Vorjahren bekommt.

    Apropos Merch

    Vorort gibt es ein großes Merchzelt, wo man jede Menge Festival- und Artistmerch abgreifen kann, so wie bei jedem anderen Festival auch. Wer allerdings ein special Souvenir vom Festival haben möchte, sollte sich ein Basic-Teil seiner/ihrer Wahl (Shirt, Top, Beutel) mit aufs Gelände nehmen und Richtung Aldi hoch ins Delta-District laufen. Dort hat sich eine italienische Festivalcrew angesiedelt und eine Siebdruckstation aufgebaut. Ihr müsst zwar schnell sein, aber dafür ists komplett for free (Spenden Willkommen) und sie haben die letzten Jahre ziemlich coole Motive zur Auswahl gehabt!

    Creative as always

    Daneben ist die Kreativszene auf dem Festivalgelände sehr ausgeprägt und bietet wirklich einiges. Das Sziget ist ein sehr buntes Festival, was sofort auffällt, wenn man die K-Brücke betritt. Als Haupteingang ist sie jedes Jahr mit Fähnchen dekoriert und leuchtet nachts in den verschiedensten Farben. Wenn man aufs Festivalgelände kommt, begegnen einem außerdem einige Walking-Acts, die manchmal spontan auch eine kleine Show parat haben. Weitere schöne bunte Kostüme kann man neben tollen schauspielerischen Leistungen im Magic Mirror bestaunen. Dort werden hauptsächlich Drag-Shows veranstaltet und ich empfehle allen, die gute Unterhaltung suchen, dort einmal vorbei zu gehen. Eine andere Unterhaltungsmöglichkeit ist Stand-up Comedy um 18 Uhr im Joker. Weitere coole Shows gibts im Cirque du Sziget anzuschauen. Auf dem Gelände steht ein Zelt, in dem jeden Tag fünf verschiedene Zirkusshows laufen, die die letzten Jahre wirklich sehr schön waren. Und ein Bonus für alle, die zum Zirkus gehen: im Zelt ist’s klimatisiert! Zu guter Letzt sorgt für kreative Unterhaltung am Abend eine Dronenshow, die nach den Mainacts am Nachthimmel veranstaltet wird.

    Zirkus auf dem Sziget

    Hands on!

    Aber man kann sich nicht nur coole Sachen anschauen, sondern auch selbst kreativ werden. Auf dem Festival gibt es viele Möglichkeiten, um neue Sachen auszuprobieren, zu connecten und etwas über verschiedene Projekte zu erfahren. Das erste, was man machen kann, wenn man die Insel betritt, ist eine Stempeljagd. Alle bekommen am Eingang einen Reisepass, in dem man Stempel von verschiedenen Stationen sammeln muss. Für die Stempel muss man an kleinen Spielen oder Challenges teilnehmen oder ein paar Fragen beantworten. Die Stationen sind auf dem ganzen Gelände verteilt und das ist vor allem für First-time Szitizens schon mal eine super Gelegenheit, die Insel kennenzulernen. Daneben gibt es einen Sziget Fun-Fair, wo man verschiedene Spiele spielen kann, es gibt Diabolos, man kann Jonglieren, “Riesenrad” fahren (es ist wirklich klein, aber sehr niedlich), etc. Außerdem gibt es auch eine Art Zone und verschiedene Workshops auf dem Gelände.

    Los gehts mit dem Programm um 11 Uhr. Bis 15 Uhr bietet euch die Insel Möglichkeiten für Morning Dance, Breaking, Yoga und HipHop. Für alle, die am Zelten sind also super Gelegenheiten in den Tag zu starten und das Festival voll auszukosten! Vor allem, wenn man immer mal eines davon ausprobieren wollte, aber nie die Möglichkeit hatte oder nicht weiß, ob es Spaß macht – ich finde es persönlich sehr cool, dass es diese Angebote auf dem Gelände gibt. Worin man sich auch ausprobieren kann: im Karaoke! Im Norden der Insel hinter dem Delta District kann man sich selbst auf der Bühne beweisen. In den letzten Jahren habe ich hier wirklich schon alles von Metal bis hin zu Weihnachtsliedern gehört – eurer Fantasie und Stimme sind also keine Grenzen gesetzt.


    Wer lieber an etwas stilleren Aktivitäten teilnehmen möchte, kann sich z.B. zum Magic Runway begeben, wo man täglich um 15 Uhr malen, zeichnen und künstlerisch aktiv werden kann, wobei man seine Kunst von einem Drag-Model inspirieren lässt.  

    Eine kurze Verschnaufpause?

    Wer eine Pause braucht, der kann sich in ein paar gemütlichen Ecken des Geländes entspannen. Beliebte Spots sind die Aperol-Lounge neben der The Buzz Stage, wo man in Liegestühlen und Sitzsäcken die Seele baumeln lassen kann, oder die Hängematten auf dem Gelände. Abseits davon kann man natürlich auch in seinem Zelt entspannen. Das Basic Camping hat zwar einen eigenen Bereich auf der Insel, aber das beste im Vergleich zu anderen Festivals ist, dass man theoretisch überall auf der Insel campen kann. Man braucht also keine halbe Stunde Fußweg vom Campingplatz zum ersten Act, wenn man ein paar hundert Meter abseits der Mainstage sein Lager aufgestellt hat. Und wer nie genug von Techno bekommt, der kann auch direkt neben dem Colosseum campen und mit Bass einschlafen und aufwachen! 

    Hat da jemand Sponsoren gesagt?

    Die Acts im Collosseum spielen bis um 5 oder 6 Uhr. Für alle, die nicht dann erst schlafen gehen, sondern lieber etwas früher aufstehen, gibt es natürlich auch schon Programm auf kleineren Stages, und zwar auf denen der Sponsoren. Ohne Sponsis wäre das Festival sicher nicht möglich, also haben diese natürlich Sichtbarkeit vor Ort und bringen die unterschiedlichsten Sachen mit. Einige davon haben eben ihre eigenen Bühnen. Mein Favorit ist dabei definitiv Lipton (not sponsored)! Die Lipton Lounge ist sehr gemütlich, auch da stehen Sitzsäcke und man hat ausreichend Schatten. Dort ist meist am Vormittag schon Betrieb und wenn man Glück hat, kann man sogar ein paar Goodies oder Eistee for free abgreifen. Weitere Stages, auf denen aber eher am Abend etwas los ist, sind die Coca Cola Stage (gutes DJ-Programm) oder die von Don Julio. Bei anderen Sponsoren wiederum kann man an Challenges teilnehmen, am Glücksrad drehen oder Spiele spielen und auch ein paar Sachen abstauben. Zu guter Letzt darf aber der in meinen Augen essentiellste Sponsor des Festivals nicht fehlen: Aldi.

    Wir haben Hunger.

    Ich weiß, dass es auf den meisten Festivals einen Supermarkt gibt, vor allem auf den größeren. Allerdings ist hier besonders, dass der Aldi auch immer gleich die Aldi-Grillzone mitbringt. Kurzer Disclaimer: Ich war noch nie auf anderen internationalen Festivals, daher weiß ich nicht, ob das vielleicht nicht sogar der Standard ist?! Für alle, die aber auch keine Ahnung haben – was ist die Aldi-Grillzone? Dass Festivals oft teuer sind, ist kein Geheimnis. Vor allem natürlich auch Essen auf dem Gelände. Klar gibt es eine sehr große Essensvielfalt und mitunter sehr leckere Dinge, das steht außer Frage. Aber falls man sich nicht jeden Tag etwas gönnen möchte, ist man beim Aldi mehr als gut bedient. Man kann sich im Supermarkt einfach etwas Grillzeug aussuchen (Fleisch, Fisch, Käse, Veggie Optionen auch vorhanden) und draußen wird es dann im Anschluss auf einem Kontaktgrill frisch für dich zubereitet. Soßen gibt’s kostenlos dazu. Ich bin jedenfalls jedes Jahr aufs neue von diesem mega Angebot fasziniert. Und falls es dieses Jahr noch zum Nachtisch wieder Eis im Aldi geben sollte: wow! 

    So, jetzt seid ihr satt, habt gedanced, ein paar Workshops besucht und vielleicht die ein oder anderen Goodies mitgenommen. Das nenne ich doch einen erfolgreichen Festivaltag!

    Was, das klingt alles super cool, aber ihr habt noch kein Ticket? Na dann mal los: 

    Mehr Infos zum Programm und weitere Highlights gibt es auch auf dem offiziellen Sziget-Instagramkanal @szigetoffical. https://www.instagram.com/szigetofficial

  • Die Island of Freedom ruft: Das Sziget-Lineup 2026

    Die Island of Freedom ruft: Das Sziget-Lineup 2026

    Der Sommer kommt und damit auch die Festivalsaison! Einige sind sogar schon vorbei und bei besten Temperaturen über die Bühne gegangen. Mein persönliches Highlight steht dieses Jahr allerdings noch vor der Tür: das Sziget! Vom 10.-15. August kehren einige Weltstars und die sogenannten Szitizens wieder auf die Island of Freedom im Herzen Budapests zurück.  

    Das Sziget geht dieses Jahr in die 34. Runde und hält ein krasses Lineup parat. Mit Main-Acts wie Twenty One Pilots, Florence and The Machine, Lewis Capaldi oder Nothing But Thieves bleiben keine Wünsche übrig. Aber auch auf den anderen Stages erwartet einen eine musikalische Vielfalt. Der Timetable ist endlich da und wir werfen nun einen Blick auf die diesjährigen Acts und Bühnen.

    Blick zur MainStage
    Mainstage

    Abriss auf der Mainstage

    Der erste Headliner der Woche ist Sombr am Dienstag und ich freue mich schon auf entspannte Indie-Vibes zur Eröffnung! Der amerikanische Sänger ist 2022 recht viral gegangen und nun hat es ihn auch auf die Hauptbühne vom Sziget verschlagen und ich bin sehr gespannt, ihn bald live zu erleben. Zara Larsson wird das Abendprogramm auf der Hauptbühne eröffnen und den Slot vor Sombr bespielen. Ihre Shows sind erfahrungsgemäß sehr energiegeladen und verbinden starke Vocals mit Pop-Ästhetik – ich hoffe, dass sie neben ihrer tollen Stimme und einem krassen Outfit auch eine coole Bühnenshow mitbringen wird! 

    Weiter auf der Mainstage gehts am Mittwoch mit Twenty One Pilots, am Donnerstag mit Lewis Capaldi und Florence and The Machine, am Freitag mit Bring Me The Horizon und zu guter letzt schließt das Festival mit Jorja Smith und einem ehrenvollen Closing von Skrillex. Er war vorletztes Jahr bereits auf dem Sziget und hat eine super Show hingelegt und ich freue mich, dass er erneut dabei ist. Dieses Jahr verfolgt das Lineup der Mainstage wieder einen sehr guten musikalischen Mix aus Künstler:innen, die von Rock, Pop, Indie und Electronic alles abdecken. 

    Wie eine kleine Stadt auf der Insel

    Dazu muss man sagen, dass das Festival vor allem abseits der Mainstage besonders vielfältig ist und das Sziget dafür bekannt ist, etwas für jeden Geschmack parat zu haben. Ich finde das Festival persönlich auch jedes Jahr musikalisch sehr gut strukturiert und es erweckt den Eindruck einer kleinen Stadt mit verschiedenen musikalischen Zonen. Direkt hinter der Mainstage gibt es eine große überdachte Bühne (die Revolut Stage), die neben vorrangig großen englischsprachigen Künstler:innen in den späten Abendstunden auch oft Platz für DJs bietet. Dieses Jahr spielen Dort u.a. Dijon am Dienstag, Natasha Bedingfield am Mittwoch, Parcels am Donnerstag, BUNT. am Freitag und Charlotte Cardin am Samstag. Eröffnen darf die Bühne in diesem Jahr am Dienstagnachmittag die schottische Indie-Newcomerin Brooke Combe.

    Aber zurück zu den DJs: Der elektronische Schwerpunkt des Festivals liegt im Delta District. Das besteht aus mehreren Bühnen, darunter das Yettel Colloseum und die Bolt Night Stage. Im Colloseum findet man sich inmitten von Holzbalken und Paletten und kann vorrangig Techno genießen. Namenhafte Künster:innen hier sind z.B. Oskar Med K am Dienstag um 20 Uhr, Swimming Paul am Mittwoch und Dixon am Donnerstag, jeweils um 22:30 Uhr.
    Im Colloseum ist von 16 bis 5 bzw. 6 Uhr morgens etwas los. Auf der Bolt Night Stage gehts (wie der Name vermuten lässt) erst abends ab 22 Uhr los. Die Stage ist ebenfalls überdacht und bietet neben einer guten Akustik auch sehr viel Platz für Party, ähnlich einer Club-Atmosphäre, dieses Jahr mit Sets von Boys Noize am Freitagmorgen um 4 Uhr, Dom Dolla davor im Slot ab 2:30 Uhr, Peggy Gou am Freitagabend, Sub Focus am Samstagabend und Flux Pavillion Sonntagfrüh um 4 Uhr.  Also Wachbleiben ist angesagt!

    Wer weniger auf elektronische Musik setzt, findet auf der The Buzz Stage ein alternatives Programm mit internationalen Indie-, Alternative- und Pop-Acts. Daneben kann man sich gut in der Aperol-Lounge ausruhen, die mit Sitzsäcken und Liegestühlen zum Verweilen einlädt. Internationale Stimmen sind dieses Jahr u.a. Baby Lasagna, Soft Loft, Max Baby, Calle Mambo und KOIKOI, die als erste Band die Stage am Dienstag einnehmen – ich glaube, das schreit nach einer guten Abendbrotspause vor Ort im Sitzsack!

    Ungarn gibt Vollgas und wir sind auch dabei!

    Da das Festival in Budapest heimisch ist, wird natürlich auch die ungarische Musikszene eingebunden. Acts wie Analog Balaton, Beton.Hofi, Elefánt, Ivan & The Parazol oder Makrohang zeigen die lokale musikalische Vielfalt und sind feste Bestandteile des diesjährigen Festivals. Ein prägendes Element des Sziget ist also vor allem die internationale Zusammensetzung des Line-ups. Neben großen globalen Namen legt das Festival traditionell Wert auf eine breite geografische Streuung und auf Artists, die in ihren Heimatländern bereits etabliert sind, international aber eher noch weniger bekannt sind. Das Sziget gibt somit ebenfalls einigen deutschsprachigen Künstler:innen eine Bühe, was ich an sich ziemlich cool finde. Ich meine, Ikkimel in Budapest? Das ist doch wild! Mit dabei sind dieses Jahr außerdem die Giant Rooks, die schon mehrmals auf dem Festival waren und nun endlich die Mainstage bespielen. Außerdem dabei sind u.a. Zimmer90 und Ski Aggu.   

    Das Sziget setzt also nicht nur auf internationale Headliner, sondern integriert gezielt regionale Szenen und gibt ihnen eine große Bühne, was das ganze Programm sehr stark und vielfältig macht. Für mich wird es das vierte Mal auf der Insel sein und ich freue mich wirklich schon wahnsinnig. 

    Wenn ihr nun also auch auf den Geschmack gekommen seid, es gibt noch Festivalpässe:



    Das bisherige Lineup 2026:


    BRING ME THE HORIZON – FLORENCE + THE MACHINE – JORJA SMITH – LEWIS CAPALDI – SKEPTA – SOMBR – TWENTY ONE PILOTS – ZARA LARSSON

    +++

    LOYLE CARNER – ARGY – ASHNIKKO – BBNO$ – BIFFY CLYRO – BOYS NOIZE – BUNT. – CHARLOTTE CARDIN – CHET FAKER – DIJON – DIMENSION – DIXON

    DOM DOLLA – FUNK TRIBU – INDIRA PAGANOTTO – JORIS VOORN – LOYLE CARNER – NATASHA BEDINGFIELD – NIA ARCHIVES – PARCELS

    PEGGY GOU – RICHIE HAWTIN – SARA LANDRY – SIGRID – SOULWAX – SUB FOCUS – TASH SULTANA – TOMORA – TRYM

    UNDERWORLD – VINTAGE CULTURE – WHO MADE WHO (HYBRID SET) – WOLF ALICE – ¥ØU$UK€ ¥UK1MAT$U

    +++

    ALT BLK ERA – 2MANYDJS (DJ SET) – ALT BLK ERA – ALTIN GÜN – ANA FRANGO ELÉTRICO – ANALOG BALATON – ANETHA – ANNA – ANNISOKAY – ANTONY SZMIEREK

    AVRALIZE – BABY LASAGNA – BAD NERVES – BETON.HOFI – BIIA – BLACK COUNTRY, NEW ROAD – BONGOR – BROOKE COMBE – BYEALEX ÉS A SLEPP

    CASSIA – CHADIA – COCO & BREEZY – CURTISY – DEKI ALEM – DE’WAYNE – ELEFÁNT – EVENING ELEPHANTS – FCUKERS

    GIANT ROOKS – GOLDEN HOURS – HAAI – HEALTH – IKKIMEL – IVAN & THE PARAZOL – JAZZY – JOHN COFFEY – KAREN DIÓ

    KIM DRACULA – KISPÁL ÉS A BORZ – KOLIBRI – LAMBRINI GIRLS – LEAP – MAKROHANG – MAJKA – MANUEL – MAX BABY

    MEHRINGER – MISSIO – NAÏKA – NATASCHA POLKÉ – NATION OF LANGUAGE – NIGHT TAPES – OLYMPE – OSKAR MED K

    PAN-POT – PARIS PALOMA – PERTURBATOR – POGÁNY INDULÓ – QUIMBY – ROSE GRAY – ROSSI. – SEF – SIM0NE

    SISI – SKI AGGU – SYLVIE KREUSCH – SWIMMING PAUL – SYREETA – TANKSAPDA – TEEN MORTGAGE – TRIPOLISM – YT – ZEP – ZIMMER90

  • Noah Kahan bringt uns mit „The Great Divide“ vertrauten Folk aus Nordamerika

    Noah Kahan bringt uns mit „The Great Divide“ vertrauten Folk aus Nordamerika

    Nach dem Erfolg von „Stick Season“ ist Noah Kahan zurück mit einem neuen Album und bleibt seinem Folk-Sound bemerkenswert treu. Mit „The Great Divide“ liefert er einen Wiedererkennungswert, statt größer oder lauter zu werden und verarbeitet darin den Bruch zwischen Herkunft, Erfolg und Beziehungen – so ehrlich wie immer. 

    The Great Divide – in der erweiterten Version The Last of the Bugs inklusive der vier Bonustracks „Lighthouse“, „Orbiter“, „Staying Still“ und „A Few Of Your Own“ – fühlt sich weniger wie ein Neustart an, sondern eher wie eine Weiterentwicklung dessen, was Noah Kahan ohnehin schon außergewöhnlich gut kann: Geschichten erzählen, die sich einerseits sehr spezifisch und persönlich, andererseits aber auch universell und sehr relatable anfühlen. Die Mischung scheint genau richtig zu sein und hat seit dem Release unfassbar viele Menschen erreicht.

    In der Ruhe liegt die Kraft

    Was direkt auffällt: Dieses Album nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Gerade einmal vier der insgesamt 21 Songs bleiben unter vier Minuten und die Tracks wirken durch ihre Länge wie Gespräche, Erinnerungen oder Gedanken, die sich langsam entfalten dürfen, statt schnell vorbeizuziehen, wodurch das Album etwas Tagebuchartiges mitführt.

    Klanglich bleibt Noah Kahan klar in seiner Komfortzone (die ebenfalls auch meine ist, aka Folk) und das ist natürlich keineswegs negativ gemeint! Eine gute Mischung aus Singer-Songwriter-Melancholie und folkigen Gitarrenklängen machen das Album sofort als typisch Noah Kahan erkennbar. Wer Stick Season mochte, wird sich hier direkt zuhause fühlen. Gleichzeitig hört man aber, dass The Great Divide größer gedacht ist. Produziert von Gabe Simon und Aaron Dessner wirken manche Songs cineastischer, weiter und emotional aufgeladener, wobei der Sound reduziert genug bleibt, um Kahans Storytelling den Raum zu geben, den es verdient hat.

    Home Sweet Home

    Auch thematisch bleibt Noah Kahan dort, wo er am stärksten ist: zu Hause. Oder genauer gesagt: bei der komplizierten Beziehung zu dem Ort, aus dem man kommt. Vermont ist auch auf The Great Divide allgegenwärtig – nicht nur geografisch, sondern emotional. Wetter, Jahreszeiten und Natur werden wie auch auf dem vergangenen Album hier erneut zu Metaphern für mentale Zustände, Beziehungen und Veränderung und gerade diese Bildsprache macht Kahans Musik so besonders. Der Übergang vom Sommer in den Herbst (oder auch in die Stick Season) wird bei ihm nie nur meteorologisch erzählt, sondern steht fast immer für emotionale Verschiebungen, die auf dem Album erzählt werden.

    When The Seasons Change

    Besonders eindrücklich gelingt das direkt im Opener „End of August“. Der Titel sagt schon alles. Der Song fühlt sich an wie die letzten warmen Tage vor einem emotionalen Absturz und beschreibt eine seltsame Mischung aus Nostalgie, Lebendigkeit und unterschwelliger Angst vor dem, was kommt. Die Zeile „The minute that September hits, I’m goin’ off my medicine“ knüpft dabei direkt an Kahans wiederkehrende Auseinandersetzung mit mentaler Gesundheit an. Wie schon auf Stick Season wird der Wechsel der Jahreszeiten zu etwas Beängstigendem und der Übergang in die dunklen Monate wird zum Sinnbild für Isolation, Depression und das Gefühl, sich selbst zu verlieren.

    Relatable Stories To Tell

    Das emotionale Zentrum des Albums bleibt jedoch der Titeltrack „The Great Divide“. Hier verarbeitet Kahan die Distanz zu einem ehemaligen Freund und reflektiert darüber, wie sich Beziehungen über Jahre verändern können, bis irgendwann kaum mehr übrig bleibt als gemeinsame Erinnerungen, die einen verbinden. Besonders schmerzhaft wirkt dabei die Erkenntnis, dass Verbindungen manchmal nicht an einem großen Streit zerbrechen, sondern an kleinen Verschiebungen, Schweigen und Entfremdung. Der Song greift das Gefühl auf, dass man eigentlich nie so richtig weiß, wann Freundschaften vorbei sind, wann ein letztes Mal ein letztes Mal ist und man sich langsam voneinander entfernt und entfremdet. Es ist genau diese Art von emotionaler Ehrlichkeit, die Kahan so stark macht: Er schreibt nie über Schmerz, als hätte er Antworten darauf, sondern lässt seinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf.

    Auch „Downfall“ gehört zu den sehr starken Momenten des Albums. Der Song beschreibt die widersprüchliche Erfahrung, jemanden gehen zu lassen, gleichzeitig aber insgeheim zu hoffen, dass diese Person scheitert und zurückkommt. Dieses unangenehme Gefühl von Liebe, Besitzanspruch und Unsicherheit formuliert Kahan unangenehm ehrlich. Statt romantischer Selbstlosigkeit zeigt er vor allem die weniger schönen Seiten emotionaler Bindung.

    Through Other Peoples‘ Eyes

    The Great Divide lebt von Perspektivwechseln. „Porch Light“, geschrieben aus der Perspektive seiner Mutter, gehört zu den emotionalsten Songs der Platte, wobei er hier reflektiert, wie sich Ruhm und Distanz auf die Familie auswirken. Das Porch Light symbolisiert hier den Hoffnungsschimmer, dass Noah zurückkehrt – seine Mutter ist für ihn da und signalisiert, er hat immer einen Platz zuhause.

    „Oh, when my weight left the room, did you take a deep breath?

    Mit Songs wie „23“ oder „Willing and Able“ bewegt sich Kahan erneut zwischen Nähe und Distanz, Sucht, emotionaler Abhängigkeit und Selbstzweifeln. Immer wieder kreist das Album um dieselbe Kernfrage: Wie hält man Beziehungen aufrecht, wenn sich Menschen verändern oder wenn man selbst nicht mehr genau weiß, wer man geworden ist?

    4/21

    Die vier Bonustracks von The Last of the Bugs fühlen sich dabei keineswegs wie Resteverwertung an. Besonders „Lighthouse“ fügt sich thematisch nahtlos in Kahans Blick auf Heimat und Veränderung ein, während „Orbiter“ eine Liebeserklärungen auf dem Album liefert. „Staying Still“ bringt dagegen eine fast ironische Leichtigkeit hinein, obwohl auch hier Verlustangst und Distanz mitschwingen.

    Noah Kahan Halbportrait

    Das Album ist unterm Strich emotional vielseitig, einige Themen (Heimat, Weggehen, emotionale Entfremdung) wiederholen sich jedoch, stehen aber auch für das Markenzeichen Kahans. Wer also auf eine komplette Neuerfindung nach Stick Season gehofft hat, wird hier nicht auf seine Kosten kommen.

    Aber vielleicht ist genau das der Punkt: The Great Divide will keine musikalische Revolution sein. Stattdessen ist es ein Album über Zwischenräume: zwischen Zuhause und Aufbruch, Vergangenheit und Gegenwart, Nähe und Distanz. Noah Kahan bleibt der Erzähler kleiner, zutiefst menschlicher Gefühle und beweist erneut, dass gerade das Persönliche oft am universellsten wirkt. The Great Divide klingt wie eine lange Autofahrt zurück in eine Heimat, die sich verändert hat – oder vielleicht nur man selbst.


    Fotos: Patrick McCormack

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    Weitere Informationen

  • Luca Fogale im Interview: »We’re all nudging this world in a direction«

    Luca Fogale im Interview: »We’re all nudging this world in a direction«

    Nachdem wir uns bereits im Januar intensiv mit der Welt vom Album Challenger beschäftigt haben, ist Luca Fogale mit seinem neuen Material nun auch live in Europa zu erleben. Während seiner aktuellen Tour hat er sich Zeit genommen, um über die Reise hinter dem Album zu sprechen und darüber, wie sich seine Songs auf der Bühne zu einem großen Ganzen zusammensetzen.

    Im Gespräch wird deutlich, wie eng Kunst und Identität bei ihm miteinander verwoben sind und dass Musik für ihn vor allem eines bleibt: ein Ausdruck von Dankbarkeit und ehrlicher Auseinandersetzung mit sich selbst.

    Luca Fogale im Interview

    Thank you so much for coming.

    My pleasure.

    First of all, how are you? How has Europe treated you so far?

    It’s been great, always great. It was my first time in Scandinavia. We had three shows in Scandinavia, and I’ve always wanted to go there. But to be back here in Germany feels really familiar, so I’m having a great time.

    That’s great to hear! So, who have you been listening to a lot lately on the road?

    The record I’ve been listening to the most lately is, it’s an old record, Donny Hathaway Live At The Bitter End. It’s a live set from the early 70s. And the other album I’ve been listening to is Rosalía’s album Lux. It’s creative beyond belief.

    Do you feel inspired by these albums? Or is there anything else you’re currently inspired by, musically or beyond?

    I’m mostly in awe of these albums. When I listen to music, I’m usually just a fan. So I don’t listen to a lot of music in my genre. The music I make sort of just feels like it – it doesn’t really get influenced by anything, it’s sort of just my music in a strange way, if that makes sense.

    Yes, it does.

    People are always surprised by what music I listen to because I don’t listen to, you know, I get called indie-folk or contemporary, and I don’t listen to that kind of music (laughs).

    Any particular reason why you don’t listen to this kind of music?

    I don’t think so (laughs).

    Luca Fogale. Foto: Brandon Artis.

    Speaking of music, you released some new music at the beginning of this year. Congratulations, first of all, it’s a very beautiful collection of songs. The title track Challenger had been with you for about five years – what made it take so long to release? And at what point did you feel the song was finally finished and that this album was the right place for it?

    The older I get, the closer I got to what the idea represented for me, which was someone who is deconstructing themself, sort of taking a step back from who they are and wondering what it was that made them that way, you know, wondering what shapes us into the people that we are. And thinking about what we want to leave behind and what we want to carry forward.

    And so, the older I get, the more I think about how I show up in this world, what I contribute to it, and how much influence I can have over that, how much care I can have over that. I feel like we’re all nudging this world in a direction, every one of us has their own little tiny influence on it and so I am thinking a lot about my place in this world. I think it’s just a symptom of getting older and wanting not to get caught in patterns that aren’t serving myself or anyone else.

    So with getting older, this realization came and you felt like the track found its place?

    Yeah, absolutely.

    „It feels purposeful“

    Talking about finding your place, finding who you are – you seem like a very calm and grounded person in conversation. Do you think that translates into your songs? Or would you say your artistic expression is different from how you come across as a person?

    Well, I think that music occupies a large part of my life and also a large part of my identity. Obviously, I am a person outside of my music, but I’ve noticed the longer I spend in this career, the more fused my identity is with my music.

    So, when I think of myself – what do I think of when I think of myself? I think about music, mostly. But of course I have my bad days. I think I am becoming more one thing with this project in an interesting way. I’ve heard it recommended a few times that being a professional in the arts – you want to separate yourself from your art so that no matter how another person feels about what you do, it doesn’t have to represent everything that you are, it doesn’t have to impact your identity.

    Not on purpose, but I’ve gone the other direction, and I’ve gotten so close to who I am in a song, who I am on stage. And getting closer to that, it does feel a little bit vulnerable. There is less room for error, I think.

    So I think that the way I am in life and the way I am in music are quite close in that sense. It’s a product of spending so much time thinking about all these songs and about these shows. And also recognizing the gift I am given by having people’s attention, which is so special and so sacred. So I am wanting to honor that by paying really close attention. There is a lot to think about, obviously, but it feels good, it feels purposeful.

    I can see how it’s difficult to keep these two apart, but I think it’s important that you’re not one hundred percent the same because that is impossible.

    Your whole life would be a performance, yes.

    Besides the calmness – are there other states or emotions that you bring into your songs or that you find yourself returning to in your songwriting?

    I think I am trying to reflect gratitude and hope more lately. It also feels real and honest to represent anger and hurt and frustration, kind of the full spectrum of who we are as people. I am trying to lean further into – and I talk about this in the show – sort of the brighter emotions in life. I don’t see myself ever making an album of songs that feel purely positive because I don’t expect, but I also don’t want my life to be that way. I feel like the spectrum is getting a bit more dynamic.

    „It’s so beautiful to share something with people“

    That is sort of where my next question comes in…

    These are excellent questions, by the way!

    Thank you so much. So, comparing Challenger and Run Where The Light Calls, what would you say has changed or evolved in your sound or perspective? Does that have to do with what you just said – the spectrum getting broader?

    Yeah, I think so. RWTLC felt or feels a bit more lost, a bit more desperate.

    I feel like I am slowly becoming more confident in expressing the ideas that I have. I’ve spent a lot of my writing expressing questions. There are a lot of open-ended questions in my music that I don’t think ever conclude, but I am finding more answers in songs now, which in some ways are answers to the questions I used to have, too.

    Challenger feels more of a complete thought, a bit of a closed loop. When I finished writing it, I had the lyrics in my notebook, and when I looked at all of them, it felt like it made sense as a story. And that was really special. So I think that’s where they’re different. RWTLC feels a lot more open-ended. Challenger is a loop that’s closed, it’s circular.

    That’s what it felt like to me too when I listened to it. So now you’re performing the album live for the first time, and yesterday was the first show with a band. Is there a reason why you’re bringing a band now? How does touring and being on stage with a band differ from performing solo for you?

    They are very, very different. So I’ve fallen in love with touring with these guys and the band. It’s so much more restorative and energizing to be able to share everything with other people, in the same way as friendships, family, and relationships. It’s so beautiful to share something with people. And that’s what we do here, too. 

    There is always gonna be a part of me that wants to tour solo because it’s such a different experience. Being one with an audience – that’s all that the show is. It’s sort of one dialogue. Having these shows in Scandinavia solo reminded me of that. We did some small album listening shows in Vancouver, and it was really cool, really emotional, and very special.

    In the most simple way, it feels like a one-on-one conversation with an audience. Everyone is an individual in the audience. For me, here with the band show, it feels like we are all in the same room together. It feels like a collective experience versus the individual experience. This I could do forever with the band. I could go all year. There is a certain amount of solo touring that I can do before I get a bit too far into myself, I sort of start to collapse. Because I am not just alone on the stage, I’ll be alone in the hotel, on the drives. So it’s a big shift to have company – the best company – here.

    So in the most simple sense, it’s an individual experience versus a collective experience, which is why this can feel so sustainable.I love traveling the world with these guys, it’s so amazing.

    Luca Fogale. Foto: Raunie Baker

    Also, when you’re on stage with a band, your songs are closer to what they are on the album than when you perform solo. So far, we heard an alternate version of “Horizon” – can we expect more alternate or acoustic versions of your songs from Challenger in the future?

    Yes. Thanks for asking.

    Do you think your relationship to performing live has changed over time with the albums or in general?

    It must have. That is a great question.

    I think so. I feel like singer-songwriter music is inherently honest because it’s just one person singing. Nothing to hide behind. I think the music is the music, and that’s one thing. I play the songs that I’ve written, and I feel more and more comfortable playing them.

    But I think the dialogue has changed a lot – what I say in between songs. I think about that just as much as I think about the songs because I want it to feel like a holistic experience.

    Like I really love film, I love theater. And mostly what I love about that is that there is typically an unbroken line of a story. I think what I used to do at shows was try to lighten things up in between songs, lighten the mood and take the tension off if I thought I was falling too deep into the melancholy of the songs.

    Whereas now, because of my catalogue changing a bit, I don’t ever want someone to be pulled out of the experience of the music. So when I think about the show now, I think about how far can we go together? I think it’s important to be expressing oneself to an audience in between the songs, I think it’s a very important part. But my fear is that I don’t want to lose anybody.

    Let’s say someone drops a bottle, the audience gets pulled out of the show. What I want is – well, you have to be in the film. Like you’re really watching it and you never feel as though the line gets broken. So in a perfect world, there’d be staging and more lighting; sort of what we do in North America with bigger shows. Obviously, we have to take a smaller version here. But to give the audience that unbroken experience of one story. That is what I am trying to build. I am trying to take care of the songs and the dialogue in a way that it feels as though they are one piece.

    Because musicians are always storytellers, right?

    For sure.

    Where would you want to tell your story then? Is there a venue or festival you would particularly love to play at one day?

    I don’t think so. I am happy about everything. I love it all.

    And the last question – if you weren’t making music today, what do you think you would be doing instead?

    I think about that a lot. First of all, if I wasn’t playing music, I would find another way to express the same ideas. I always thought of writing as very pure. Any kind of authorship, writing a novel or something. But if I wasn’t working in music, I think I would want a job that was outside. I fantasize about being an arborist. Yes, something outdoors. I think I am understanding how special it is to be outside a lot. So I am trying to do that more regularly, but I spend a lot of time indoors with music. In the studios, writing at home, touring – you’re in a van, you’re in a hotel, or in a theater. Always inside. And I think the opposite is attractive to me.

    Well, thank you so much for taking the time.

    These were wonderful questions.

    Thank you again. Very kind. I am super excited for the show, and it was lovely to meet you.

    Hier könnt ihr „Challenger“ von Luca Fogale hören:

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    Fotos: Raunie Baker, Brandon Artis

  • Berge, Sonne, gute Laune satt: So war das Zermatt Unplugged Festival 2026

    Berge, Sonne, gute Laune satt: So war das Zermatt Unplugged Festival 2026

    Die Hälfte vom April ist bereits vorbei und damit auch das diesjährige Zermatt Unplugged Festival. Die Schweizer Idylle am Fuße des Matterhorns beherbergte dieses Jahr wieder zahlreiche Künstler:innen aus Pop, Folk und elektronischer Musik, die auf 17 Bühnen rund 120 Konzerte spielten.  

    Das Festival ging dieses Jahr in die 17. Runde, wobei eine meiner liebsten Bühnen aus den Vorjahren durch fehlendes Sponsoring gestrichen wurde, leider. Dafür ist ein anderer Liebling von mir noch da gewesen: der Riffelberg. Was schreit mehr Konzert als ein Skigebiet auf über 2500m überm Meeresspiegel?
    In knapp 30 Minuten ist man mit der Gornergratbahn von Zermatt auf den Riffelberg gefahren und kann Openair-Konzerte in der Sonne auf einem Liegestuhl mit Blick aufs Matterhorn genießen. Dort habe ich mir Tors und Vincent Lima anschauen dürfen und das waren auf jeden Fall zwei meiner Highlights der Woche.

    Riffelberg
    Riffelberg

    85 Franken well spent

    Abgesehen davon ist unten in Zermatt natürlich jedes Jahr auch wahnsinnig viel los. Zutritt zu den meisten Bühnen gibt es mit dem Unplugged-Pass, der für die ganze Festivalwoche gültig ist. Den gibts für 85 Schweizer Franken, was ich mehr als gerechtfertigt finde für fünf Tage Konzerte! Daneben gibt es jeden Abend jeweils drei Konzerte von bekannteren Künstler:innen, die mit separaten Tickets zugänglich sind. Dieses Jahr waren das u.a. Tom Odell, Emilie Sandé, Herbert Grönemeyer, Rea Garvey, Mighty Oaks und Placebo. Hier waren die Mighty Oaks definitiv meine Favoriten der Woche.

    Außerdem bietet das Festival noch zwei weitere Locations, die ebenfalls separate Tickets erfordern, dort zusätzlich aber noch ein Abendessen inkludiert ist. Ich selbst war nicht da, finde das jedoch ganz schöne Angebote, die auch immer sehr gut ankommen bei den Besucher:innen. Während die einen also beim Konzert dinieren, gibts für die anderen jede Menge kulinarischer Möglichkeiten im Taste Village, dem Herzstück des Festivals. Dort befindet sich ebenfalls eine Open-Air Bühne, die vor allem am Nachmittag und in den frühen Abendstunden bespielt wird. Hier habe ich mir z.B. Rhys Lewis, MUPANI, Matthew Mole, Sarah Julia und The Great Stoyan Duo angeschaut. Alle waren wirklich top und haben super Stimmung verbreitet. Das Lineup bestand (wie jedes Jahr) aus Künstler:innen, die neben Englisch und Deutsch auch Songs auf Französisch und Schweizerdeutsch zu präsentieren hatten, wodurch sich eine super spannende Mischung ergibt.

    Taste Village
    Bühne im Taste Village

    Früh da sein lohnt sich

    Im Taste Village gibts ein Konzert zum Mittag, was meist überschaubar besucht ist, da viele in der Mittagshitze auch noch anderswo verweilen. (Ja, 12 Grad auf über 1000m Höhe sind auf jeden Fall krass warm.) Zum nächsten Konzert um 16:45 Uhr ist dort jedoch schon wahnsinnig viel los. Wenn man also einen Sitzplatz haben möchte, sollte man nicht allzu spät erscheinen. Auch bei den anderen Unplugged-Locations lohnt sich ein früher Gang zum Konzert. Viele Venues bieten meist nur Platz für rund 100 Gäste und man sollte sich im Vorfeld gut überlegen, wo man hin möchte. Spontanität ist hier ein bisschen unangebracht, vor allem zum Wochenende hin. Zwei Locations bieten außerdem einen Restaurantbetrieb, wo man höchstens noch einen Tisch reservieren kann, um einen garantierten Platz fürs Konzert zu bekommen.

    All That Jazz

    Wo man auch noch einen Tisch reservieren kann: im Jazz Club! Ronnie Scott’s in Anlehnung an den echten Londoner Kult Jazz Club wird extra zum Festival hergerichtet und befindet sich in einem der ältesten Hotels in Zermatt. Besonders gut besucht sind dort jedes Jahr die Jam Sessions am Mittwoch und Freitag, für die sich Künstler:innen des Festivals selbst anmelden können und dann einen Song covern, entweder mit dem Jazz Ensemble, alleine oder mit anderen Künstler:innen zusammen. Niemand weiß also, wer kommt oder was einen erwartet. Dieses Jahr war ich am Mittwoch dort, da man (anders als am Freitag) noch reelle Chancen hat, reinzukommen, da das Festival wie erwähnt zum Wochenende hin stärker besucht ist. Das Jazz Ensemble selbst war sehr cool, muss ich sagen, und sie haben sehr gute Stimmung verbreitet. Gejammt haben in der Mittwochsession Sorvina, Matthew Mole, Mnerva und die Künstler:innen der Mountain Academy. 

    Ronnie Scott's Jazz Club zum Mittwochsjam
    Ronnie Scott’s Jazz Club zum Mittwochsjam

    Setzt euch ans Lagerfeuer…

    Die Mountain Academy ist ein Newcomerprogramm, genauer eine Art Coaching & Songwriting-Camp im Rahmen des Festivals. Das ist eigentlich ziemlich cool, weil man die Chance bekommt, unbekannte Musiker:innen zu erleben und diese die Möglichkeit haben, vor Publikum zu spielen. Am Campfire im Taste Village hat man jeden Tag die Möglichkeit, sich die Newcomer:innen anzuschauen. Meine Favoritin war Keza – eine Schweizerin mit afrikanischen Wurzeln, der es ganz viel Spaß gemacht hat, zuzuschauen, weil sie einfach so viel Leichtigkeit in ihrer Stimme hatte.

    Manchmal gibt es am Campfire auch Pop-up Konzerte. Ich habe leider nichts gefilmt, aber dieses Jahr hat dort auch jemand ein Konzert gegeben, der nur selbstgebaute Instrumente benutzt hat. Er hat z.B. auf einem Skateboard gespielt oder auf einem Messerblock und gesungen hat er in einen Telefonhörer. Das war ziemlich witzig und beeindruckend zugleich. Also definitiv ein Wochenhighlight.

    Tanzen ohne Ende

    Dass das Festival sehr viel Abwechslung bietet, ist kein Geheimnis. Wer tagsüber lieber in den Bergen Skifahren möchte, kann in den späten Abendstunden noch auf seine Kosten kommen. Neben dem Unplugged-Pass gibt es für 30 Franken außerdem einen Nightpass, mit dem man das Zermatter Nachtleben unsicher kann. Das Festival bietet nach den Hauptkonzerten ab 22 Uhr mehrere Spots zum Tanzen an. Gut besucht waren die Vernissage und (das erste Mal dabei dieses Jahr) das Streetside, wo es auch noch bis morgens etwas warmes zu Essen gibt, für alle, die sich mal eine Pause vom Dancefloor gönnen möchten. Besonders empfehlen kann ich die Hotdogs in der Vernissage.

    Daneben gibt es außerdem noch das Manud und meinen liebsten Hotspot: das Unique Hotel Post aka das Pöstli. Neben einer eigenen Hotelbar bot das Pöstli auf drei Floors allerlei Musik: Ob 90er/2000er oder der DJ von nebenan unten im Gewölbekeller – hier war für alle etwas dabei. Die Location hat jedenfalls einen besonderen Platz bei mir erlangt in den letzten Jahren. Ich muss zugeben, so ganz weiß ich auch nicht warum, aber das Pöstli hab ich ziemlich ins Herz geschlossen. Dazu ist auch das Hotelpersonal mega lieb und ich bin einfach sehr gern dort. Einen Besuch im Pöstli, sei es zu den Unplugged Konzerten oder zum Tanzen bis in die Nacht, kann ich allen empfehlen.

    Zermatt = Herzig

    Was ich an diesem Festival außerdem besonders liebe, ist die Atmosphäre. Das Zermatt Unplugged ist schwer vergleichbar mit anderen Festivals. Zum einen natürlich, weil es im April in der Schweiz stattfindet – logisch, da fällt Zelten schon mal aus. Zum anderen aber auch, weil das Publikum nicht die typischen Festivalgänger:innen sind. Vielleicht sind Ort und Zeit auch hier dieselben Gründe, weshalb das so ist. Es fällt jedenfalls auf, dass so gut wie alle Altersklassen dabei sind und das Publikum auch dieses Jahr sehr bunt gemischt war. Allgemein ist es sehr entspannt und man befindet sich durchaus in einer recht gelassenen Atmosphäre. Niemand drängelt, niemand pöbelt, niemand muss bei irgendwem in der ersten Reihe stehen.

    Apropos Menschen – ich möchte außerdem erwähnen, dass das Festivalteam aus so lieben Seelen besteht, die auch in stressigen Situationen nicht den Überblick verlieren. Ebenfalls die Securities sind super nett. Dazu möchte ich auch den Auf- und Abbau und die Liebe zum Detail hervorheben, da sich alle neben den Bühnen auch viel Mühe mit der Deko im Ort geben und alles immer sehr (wie die Schweizer:innen sagen würden) herzig ausschaut. Beim Festival wird viel mit Holzoptik gearbeitet und diese gibt dem ganzen eine gewisse heimelige und gemütliche Atmosphäre, die ich ganz, ganz toll finde. 

    Eingang/Ausgang Taste Village
    Eingang/Ausgang Taste Village

    Ich war dieses Jahr zum dritten Mal dort und es wird definitiv nicht mein letztes Mal gewesen sein. Wer auch dabei sein möchte, kann es sich gern schon Mal für nächstes Jahr in den Kalender schreiben – es lohnt sich!

    Die Wartezeit bis April 2027 könnt ihr euch so lange mit der offiziellen Playlist der diesjährigen Unplugged Acts vertreiben:

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  • „Be the Challenger“ – Luca Fogale fordert im vierten Studioalbum sein eigenes Selbst heraus

    „Be the Challenger“ – Luca Fogale fordert im vierten Studioalbum sein eigenes Selbst heraus

    Neues Jahr, neuer Folk aus Kanada: Luca Fogale legt mit Challenger einen eindrucksvollen Start in 2026 hin und liefert eine intime Kollektion von Songs, die berühren und uns ein Stück weit Einblicke in die Persönlichkeit des Singer-Songwriters gewähren. Ganz nach seinem Prinzip „every word matters to me” wirkt jede Zeile bewusst geschrieben, jede Pause bedacht gesetzt. Fogale veröffentlicht Songs nur dann, wenn sie für ihn einen Mehrwert für die Welt haben – und dies merkt man dem Album an. 

    Nach dem Motto „in der Ruhe liegt die Kraft” ist Challenger eher leise als laut gestaltet und Fogale bleibt somit seinem bisherigen Sound treu. Er schrieb die Songs in ruhigen Zwischenmomenten des Tourlebens, oft zurückgezogen in einer kleinen Hütte in British Columbia. Diese Abgeschiedenheit hört man der Platte an: Sie wirkt wie ein emotionaler Rückzugsort. Neben sanften Worten findet sich auf dem Album gleichzeitig ein Drang zur Konfrontation und Selbstreflexion. Challenger ist eine Sammlung, deren Funktion es nicht ist, ein Statement zu setzen, sondern Raum für Fragen und Auseinandersetzungen zu bieten. Es geht um Gedanken zur eigenen Vergangenheit, erlernte Muster und die Frage, wer man eigentlich werden möchte.

     „I will not give up, I do not fear death”

    Im Opener „Everything“ spricht sich Fogale selbst Mut und eine gewisse Verpflichtung zum Wachsen zu. Mit Zeilen wie „all of the light that you never could see, it flows in your veins” und „I know what it’s like, feeling everything, feeling nothing” wird der Reflexionsprozess, dem das Album folgt, eröffnet.

    „Could I begin? / Could we begin?”

    Los geht es mit der Frage des Neuanfangs. Wie kann man sich neu entfalten, sich neu entwerfen und was passiert, wenn alles Bekannte einen verlässt? Als erste Single vom Album findet sich „Begin„– ein Song, der sich diesen Gedanken aussetzt. Sanfte Gitarren tragen eine existenzielle Selbstbefragung, die im Refrain von einem „I“ zu einem kollektiven „We“ kippt und seine Nächsten miteinbezieht. Im Zentrum stehen der Wunsch nach Erneuerung und die sehnsüchtige Flucht aus Gleichgültigkeit. 

    „hold on for all that lasts”

    Auch im nächsten Song schwanken zwei Perspektiven hin und her: der Drang, alles bewahren zu wollen und die Erkenntnis, dass nichts bleibt. „For“ ist gleichzeitig eine Reflexion über Zeit und Vergänglichkeit als auch eine Erinnerung an Dinge, die wichtig sind und an denen man festhalten sollte. Kleine Chöre im Hintergrund verleihen dem Song etwas Hymnisches übers Menschsein, während sich die Lyrics zwischen Ehrgeiz und Demut bewegen.

    „cause too often these days, I can’t see the use, I lose track of the road, I lose sight of the truth, oh I’d be lost, I’d be lost without you”

    Was jedoch immer währt, ist Liebe. Der nächste Track, „Lost Without You”, ist ein zarter, klaviergetragener Liebessong über das Angenommenensein, und darüber, wie schwer es ist, Liebe zu akzeptieren, wenn man sich selbst noch nicht vollständig annehmen kann. Liebe, die ihm entgegengebracht wird, bietet Luca hier Schutz und Spiegel zugleich. Der Song beinhaltet die Zeilen „But you see me for all I am“  und „I’m trying to do my part, oh I’m trying with all my heart” und spendet somit Hoffnung, sich durch Augen anderer selbst klarer sehen zu können, auch wenn man es im Moment vielleicht noch nicht schafft. 

    „can you forget all that you know and find some truth and release control to reconcile all that we are”

    Von Akzeptanz handelt auch der nächste Song. „Hymn” ist ein Track über das Loslassen. Was passiert, wenn man Kontrolle abgibt? Bei diesem fast schwebenden Song steht Fogales Stimme im Vordergrund, begleitet von spärlichen Gitarrenklängen. Die Lyrics kreisen um die Schönheit der Stille und das Finden von Sinn im Kontrollverlust und bieten eine meditative Pause innerhalb des Albums. 

    „Some things can change without warning, others get taken away. It’s hard to feel strong in these moments, it’s hard to know what we can take. Some times you carry on hoping, others your spirit can break.”

    Loslassen ist auch Thema des sechsten Songs. „Ashes” thematisiert die Erlaubnis, loszulassen und zu fühlen. Luca Fogale zeigt sich verletzlich und bricht mit den Texten starre Männlichkeitsbilder auf. „Love carries all of us home” sind die Backgroundvocals, die sich zwischen den Strophen und in der Bridge befinden und zentral für diesen Song. „Ashes” handelt von Verlust und Trauer, wobei Liebe das ist, was zusammenhält und Zeit alle Wunden heilt. Es ist einer dieser Tracks, die mitten im Album stehen und sich als emotionaler Mittelpunkt herauskristallisieren.

    „leave the past in the past, it doesn’t have to be your truth, it doesn’t define you”

    Der nächste Song zieht das Tempo leicht an. „Define You“ ist ein empowerndes Stück über Identität und Selbstdefinition. Es dient als Erinnerung, dass Schmerz und Vergangenheit nicht definieren müssen, wer man ist. Der Song ist eine Hymne für einen Freund, dem man eine Orientierung mit auf den Weg gibt, die er einst verloren hat. „I know that you see yourself in the way I see you now, I have always known deep in your heart, there is a light that won’t ever burn out”. Der Song dient als Ermutigung, nach vorn zu schauen und sich nicht von den Sachen definieren zu lassen, die man sich nicht im Leben ausgesucht hat.

    „when everything is cold and I cannot find my way and the light is dying, oh, you are my horizon”

    Das Tempo wird auch im Song „Horizon” gehalten. Schlagzeug und Gitarre treiben den Track voran und der Refrain öffnet sich in helle Klangflächen. „Wherever I am, a vision of you makes the darkness fall away in all the times I’ve reached toward a hiding place, you never let me go, no and through your eyes I watch myself become who I’m supposed to be” – Fogale beschreibt Liebe hier als Orientierungspunkt, wobei der Song eine Liebeserklärung an seine:n Partner:in und an das Leben, das diese Liebe ermöglicht hat, darstellt.

    „you are right where you’re meant to be”

    Nach dem instrumentalen „Relief“ folgt „Daniel’s Theme“, der kürzeste Track des Albums. Der Song ist ein Porträt eines archetypischen Mannes, der trotz Narben mit Güte und Stärke durchs Leben geht, und gleichzeitig eine Erinnerung daran, dass unser eigener Schmerz nicht bestimmen muss, wie wir anderen begegnen.

    „you are not what came before, you are an unending form”

    Der Titeltrack „Challenger“ startet mit einem Gitarrenintro und ist ein ganz besonderer Song, da der Sänger ihn seit fast fünf Jahren mit sich trägt. Fogale ruft im Track dazu auf, transgenerationalen Schmerz abzulegen und erlernte Zyklen zu durchbrechen, um sein Potenzial auszuschöpfen und vollständig in sich hinein oder sogar über sich hinaus zu wachsen: „Hold them close and break the chain, kill the rage and kill the shame”. Identität wird als etwas Veränderbares beschrieben, das man herausfordern kann und der Song fasst das Album thematisch in sich zusammen.

    „may you find what you’re looking for, may this world be an open door and may your love lead you on, now and evermore”

    Der finale Song des Albums ist „Yours.“ Der Track schließt das Kapitel als Ehrung unserer Anstrengungen und mit der Schönheit, menschlich zu sein. Er reduziert sich zum Ende auf ein leises Klavier mit den Lyrics: „This life is yours. So for all your worth, be the challenger”. Ein Kreis schließt sich – vom inneren Zweifel des Openers zur Selbstermächtigung am Ende.

    Luca Fogale. Foto: Brandon Artis

    Insgesamt dient Challenger als Auseinandersetzung mit dem, was nicht mehr dient, und mit dem Mut, loszulassen. Das Album wirkt wie ein zusammenhängender Gedankengang, in dem sich Selbstreflexion, Wachstum und ein leiser Kampf gegen das Stagnieren gegenseitig ergänzen. Luca Fogale hat eine Kollektion geschaffen, die sich anfühlt wie ein stiller Dialog mit sich selbst, und in dem sich viele Menschen wiederfinden können.

    Im April geht Luca Fogale mit Band auf Tour und macht auch in Berlin, Hamburg, München und Köln Halt. Für unter 30 Euro bekommt man nicht nur neue Songs, sondern einen Querschnitt durch vier Alben voller feinfühliger Lyrics. Kurz gesagt: unbedingt hingehen!


    Fotos: Brandon Artis / Nettwerk Music Group

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  • Folk first, Party later

    Folk first, Party later

    Zwischen meinen (laut Spotify) rund 3000 gehörten Künstler:innen in diesem Jahr gab es doch einige, die besonders herausgestochen sind und darunter auch ein paar richtig starke Alben und EPs, die bei mir rauf und runter liefen. Auch 2025 habe ich mich größtenteils in meiner Comfort-Zone namens Folk bewegt. Wie ihr am Titel allerdings erkennen könnt, hat sich auch etwas mit ein bisschen mehr bpm in mein musikalisches Jahr geschlichen. 

    Ich weiß noch genau, wie ich mir für meinen untoldency-Steckbrief ein Album für eine einsame Insel aussuchen musste. Keine fünf Sekunden später war klar: Hoax. Kevin Garretts Debütalbum begleitet mich nun schon seit sechs Jahren und auch 2025 ist es nicht verschwunden. Zurecht. Dieser Mann hat eine unglaubliche stimmliche Range und ist meiner Meinung nach immer noch ziemlich underrated.

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    Weitere vertraute Stimmen, die mich dieses Jahr konstant begleitet haben, sind Luca Fogale, Hazlett, Amble und Bon Iver. Bevor ich zu ihnen komme, kurz eine kleine Einordnung: Ich nenne diese Alben hier wirklich nur ganz knapp. Wenn ich anfangen würde, über meine Lieblingssongs zu schreiben und darüber, was an diesen Platten jeweils so besonders ist, wäre dieser Artikel vermutlich tausend Zeilen lang.

    Hazlett hat mit „last night you said you missed me“ ein wunderschönes Album veröffentlicht, und über Bon IversSABLE, fABLE“ müssen wir, glaube ich, auch gar nicht groß reden. Ich war wirklich sehr happy, dass diese Legenden mal wieder neue Musik gedroppt haben, und tja, was soll ich sagen: genauso fantastisch wie eh und je! Apropos fantastisch -das war ebenfalls Ambles Album „Reverie”.

    Luca Fogale wiederum hat ein neues Album („Challenger”) in Aussicht, das im Januar erscheinen wird. Ich durfte bereits reinhören und kann sagen: Auch das ist wieder wahnsinnig gut gelungen. Deshalb gehört es für mich irgendwie schon jetzt in diesen Jahresrückblick, aber mehr dazu dann im neuen Jahr. Über das Jahr verteilt hat er außerdem vorweg einzelne Songs des kommenden Albums released, mein Favorit davon ist „Ashes“, ein Song über „rest, love, and moving through loss, even if just for a moment“, wie Luca selbst schreibt.

    Neben all den englischsprachigen Künstler:innen hat es dieses Jahr auch ein französischer Musiker in meinen Rückblick geschafft. Der Newcomer Heroe hat zwar bereits englische Songs veröffentlicht, sich 2025 aber vorrangig für Musik in seiner Muttersprache entschieden und dadurch mit der EP „failles“ etwas wirklich Wundervolles geschaffen.

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    Ist euch bis hierher schon etwas aufgefallen? Ich muss zugeben: Meine Frauenquote ist jedes Jahr leider erschreckend niedrig bis nicht existent (shame on me, I know). Dieses Jahr kann ich aber mit gutem Gewissen sagen, dass es definitiv eine Künstlerin gab, die herausgestochen ist. Und was für eine. „At the Beach, in Every Life“, das Debütalbum von Gigi Perez, hat mich über einen Großteil des Jahres begleitet. Auf die Newcomerin bin ich ca. im Februar aufmerksam geworden, weil sie im April beim Zermatt Unplugged Festival gespielt hat. Dort konnte ich sie mir zwar nicht live anschauen, aber war trotzdem neugierig geworden. Kurz darauf erschien ihr Debütalbum, und wow: Irgendwie haben mich alle Songs sofort gepackt. Umso stolzer bin ich auf mich selbst, dass mit Gigi dieses Jahr endlich etwas Frauenpower in meinem Rückblick vertreten ist!

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    Weiter geht’s mit der nächsten Überraschung: „Sunflowers and Leather“ von Jonah Kagen. Ein Album, von dem ich wirklich nicht erwartet hätte, dass es mich so überzeugt. Seine Musik tauchte zwar schon früher immer mal wieder in meinen Playlists auf, aber dieses Album hat mich sowohl textlich als auch musikalisch sehr abgeholt. Es erschien erst im September und ich vermute, bei einem früheren Release hätte es kaum noch Platz für viel anderes gegeben.

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    Wofür allerdings das ganze Jahr über Platz war, sind meine irischen Lieblinge Kingfishr. Ich durfte die Band 2025 ganze vier Mal live sehen, und jedes Konzert war besser als das vorherige. Mit „Halcyon“ haben sie dieses Jahr außerdem ihr Debütalbum veröffentlicht und auch das lief bei mir rauf und runter.

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    Zwischen all den Singer-Songwriter:innen und Folkstimmen durfte als Ausgleich natürlich auch etwas Upbeat-Mukke nicht fehlen. Aus den letzten Jahren halten konnte sich bei mir BAYNK. Als DJ und Sänger (und live absoluter Saxophon-Gott) hat es das australische Talent vollkommen zurecht wieder in meine Playlists geschafft. Seine Musik macht einfach gute Laune, und ich lege wirklich allen ans Herz, mal auf eines seiner Konzerte zu gehen. Neben BAYNK hab ich aber auch sonst wie auch schon in den Jahren zuvor einiges an EDM und Dance gehört. Das sind die Genres, die mein zwölfjähriges Ich entdeckt hat und die Gegenwarts-Jori bisher irgendwie nie wieder losgelassen hat. Said the Sky hat im November ein tolles neues Album veröffentlicht, und auch The Chainsmokers haben im Oktober eine EP namens „Breathe” gedroppt, die bei mir immer mal wieder lief. Allein der Opener-Track, (der leider nur eine Minute lang ist), hat mir sofort gute Laune gemacht und mich fühlen lassen, als stünde ich gleich im Publikum einer Show und The Chainsmokers würden jeden Moment auf die Bühne kommen. Im Sommer konnte ich sie live bei der N-Joy Starshow in Hannover sehen, und die Tracks versetzten mich direkt zurück in diese Stimmung. Insgesamt fand ich die EP auch musikalisch sehr abwechslungsreich, mit einer guten Mischung an Collabs und einigen echten Banger-Momenten.

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    Eine weitere starke EP war „TO YOU, BY US“ von Tobiahs. Er hatte zuvor bereits viele der Tracks in seinen DJ-Sets angeteasert und im Sommer schließlich alles gebündelt veröffentlicht. Und tja, zu guter Letzt, wie könnte es anders sein: Obwohl ich kein TikTok besitze, bin ich Disco Lines ein wenig verfallen. Neben „No Broke Boys“ haben es auch Tracks wie „shine“, „RWEOK?“ und „Another Chance“ in meine Playlists geschafft.

    Abgesehen davon habe ich übers Jahr verteilt immer wieder einzelne Songs verschiedenster Künstler:innen mit richtig guten Drops entdeckt, die sich dann ihren Platz in meiner Playlist erkämpft haben. Generell sind viele verschiedene Neuentdeckungen in meiner 2k25-Playlist gelandet (die hier auch wieder aus Platzgründen nicht alle einzeln genannt werden können), aber genau das mag ich daran eigentlich am liebsten!

    Zum Abschluss habe ich bei meinem musikalischen Rückblick festgestellt, dass dies eines der wenigen Jahre war, in denen ich nicht alle meine Top-Künstler:innen live gesehen habe. 2026 schreit also ganz klar nach noch mehr Konzerten und ich freue mich jetzt schon drauf.

  • Blair Davie erinnert uns, wie schön die Liebe klingt

    Blair Davie erinnert uns, wie schön die Liebe klingt

    Newcomer*in Blair Davie kehrt im Herbst 2025 mit First And Last zurück – einer gefühlvollen EP über die Liebe in all ihren Phasen. Am 8. Oktober erschienen, reiht sich ein herzerwärmender Song an den nächsten. In sechs wunderschönen Tracks erzählt Blair eine Story vom ersten Herzklopfen bis zum Für-immer-Gefühl. Mit First And Last hat das schottische Ausnahmetalent eine Sammlung geschaffen, die berührt und uns daran erinnert, wie Liebe sich anfühlt und wie sie klingt, wenn man sie wirklich zulässt.


    Wenn du vergessen hast, wie sich Liebe anfühlt – First And Last erinnert dich daran. 

    Blair Davie ist eines der wenigen Talente, bei dem man beim Hören der Songs direkt gute Laune bekommt. Man hört förmlich die Freude am Songwriting und Singen in jedem Wort, und diese positive Energie überträgt sich von der ersten Note an. So wirkt auch diese EP absolut authentisch. Der Opener setzt den Ton für die gesamte EP: verletzlich und ehrlich, träumerisch und sanft. Ganz ohne Filter. Bei „Coming Back Babe“ ist die rohe Power von Blairs Stimme sofort spürbar. Als kraftvollstes Instrument entsteht zwischen Sounds ähnlich Adele und Bruce Springsteen (wie Blair selbst sagt) ein intensiver Sound, gefüllt mit verliebten Textzeilen. 

    impulsiv, unvernünftig, wunderschön

    Blair singt vom Davonlaufen, von Freiheit und der Sehnsucht nach einem Für immer zu zweit.

    „you and me runnin‘, never coming back, babe“ 
    „two hearts in a black car and we drive away“ 

    Im Zentrum steht die Flucht ins Glück, weit weg von allem, fokussiert auf eine gemeinsame Zukunft, immer mit dem beflügelten Gefühl vom Verliebtsein, das mitschwingt. 

    Dass das größte aller Abenteuer in der Liebe liegt, wird auch im nächsten Song hörbar.  „Crashing The Car“ ist ein Track darüber, jemanden so intensiv zu lieben, dass alles andere nebensächlich wird – sogar das Leben selbst:

    „if we end up crashing the car, I’m happy we made it this far
    „darling, I know in my heart, it’s a beautiful way to go into the dark if I die wherever you are“  

    Der Song erzählt von Hingabe und der Bereitschaft, intensive Liebe zuzulassen, sodass sie dem Tod entgegensteht. Trotz der etwas düsteren Metapher ist dieser Song eine weitere poetische Liebeserklärung, wobei außerdem auch ein Gefühl von Hoffnung durch den optimistischen Gedanken auf ein Wiedersehen im nächsten Leben mitschwingt: „If you asked me, I’d leave the whole world behind. If we meet in another life, then it’s alright“.  

    Im Kontrast dazu folgt im nächsten Song die Freude über das Leben zusammen. „What a Life“ erzählt vom Gefühl, jemanden zum ersten Mal in die eigene Welt mitzunehmen – ins Zuhause, in Erinnerungen, in das, was man liebt und wo man herkommt. 

    there ain’t no taste of home down the telephone, so welcome to my little slice of something called paradise“

    Zwischen den Zeilen klingt Blair Davies Herkunft aus Perth, Schottland an und es scheint fast so, als würde die Liebe die Heimat in neuem Licht erscheinen lassen.

    „all the streets sound like they’re singing now that I‘ve got you in it  – what a life“

    Die Zeilen erwecken den Eindruck, als würde Blair die Welt durch eine rosarote Brille sehen – aber eine, die ganz ehrlich getragen wird, ohne Kitsch, einfach aus purer Freude.  

    Mit Freude geht es auch in den nächsten Track. „Wouldn’t Be Right“ ist ein weiterer Feel-Good-Song über Zufriedenheit mit dem, was man hat, auch wenn nicht immer alles einfach ist. Es braucht nicht die neuesten und teuersten Sachen, solange man eins hat: die Liebe.

    „I know that it’s worth it all the days that you’re mine“
    „it might not be perfect all of the time, but with any other human, no it wouldn’t be right“

    Trompeten- und Gitarrenklänge ziehen sich durch den Song und geben dem Ganzen einen sehr glücklichen Folk-Vibe. Euphorisch und ehrlich singt Blair darüber, dass es am Ende nur darauf ankommt, jemanden zu haben, mit dem sich alles richtig anfühlt, egal, wie chaotisch das Leben gerade ist.

    Der Titeltrack verdichtet das zentrale Motiv der EP: ewige Liebe, die bleibt. Als Herzstück des Projekts fasst „First And Last“ vieles alles aus den vorangegangenen Songs zusammen. Blair macht deutlich, was es heißt, jemanden so sehr zu lieben, dass diese Person zur Hauptfigur im eigenen Leben wird. Nicht aus Selbstaufgabe, sondern aus Vertrauen und Nähe:

    „you’re the protagonist in my little life“

    Es geht um das Gefühl, jemanden gefunden zu haben, bei dem man ankommen darf. Für immer. 

    „from hellos to goodbyes, every morning, every good night – I’m all yours, you’re all mine, till the end of time“

    Der Song fühlt sich an wie eine musikalische Umarmung und transportiert Wärme, Hingabe und ein Versprechen für immer. Ähnlich weiter geht es im letzten Song, wobei es zum Abschluss nochmal kraftvoll wird: „Butterflies“ ist eine Ballade über Liebe, die nicht vergeht, über Schmetterlinge, die nicht wegfliegen. 

    „these butterflies don’t ever fly away“

    Blair singt von einer Liebe, bei der das Kribbeln im Bauch nicht verschwindet, sondern zu etwas Beständigem wird. Eine Liebe, die wächst, die reifer, tiefer, echter wird. Außerdem singt Blair von einer Liebe, die bedingungslos ist – davon, dass man sich für jemanden nicht verändern muss, weil man genau so geliebt wird, wie man ist. Diese Zeilen feiern Akzeptanz, Vertrauen und ermutigen zur Selbstannahme: „You can change but you don’t have to for me: I love you now matter what“. Butterflies bildet ein sanftes, aber kraftvolles Ende einer EP, wobei eine Mischung aus Klavier- und Gitarrenklängen Blairs unverwechselbare Stimme tragen. 


    Eine Ode an die Liebe

    First And Last ist kraftvoll, mutig und herzerwärmend. Zwischen Intimität und Euphorie zeigt Blair Davie eine beeindruckende Entwicklung, sowohl erzählerisch als auch emotional: „It’s a love story from first moment you meet that person, falling head over heels for them and then how that love grows and grows with everything you go through together“, so Blair selbst über das Projekt.
    Die EP lässt einen das Leben kurz vergessen und erinnert gleichzeitig daran, warum es so schön ist, zu fühlen, zu vertrauen, zu lieben. Sowohl musikalisch als auch persönlich hat Blair Davie bereits einen großen Entwicklungsprozess hinter sich und wir sind gespannt, wohin die Reise weitergeht.

    Fotos: MOTHER ARTISTS

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  • Nahbar, ehrlich, leise stark: philine über das Leben im Hier und Jetzt

    Nahbar, ehrlich, leise stark: philine über das Leben im Hier und Jetzt

    Mit der am 05. September 2025 erschienenen EP The Truth of Living in Reality gelingt philine eine Kollektion, die nicht nur ihre persönliche Geschichte erzählt, sondern die Gefühle einer ganzen Generation einfängt. Sie zeigt, dass man nicht immer alle Antworten braucht. Manchmal reicht es, ehrlich hinzuschauen, zu fühlen und im Moment zu sein. In sechs Songs widmet sie sich den großen und kleinen Fragen des Lebens in den 20ern: Beziehungen, Selbstfindung, Veränderung, Verletzlichkeit und der Akzeptanz des Hier und Jetzt. Mit rohen Emotionen, sanften Gitarrenklängen und kleinen Chören hier und da schafft sie ein Soundbild zwischen Melancholie und eindringlicher Intimität. Ihre Lyrics sind nahbar und ehrlich.


    The truth of living in reality – Fazit: It’s not always easy. 

    Selbst habe ich mich oft in den Songtexten wiedergefunden, weshalb mich die EP schon beim ersten Hören abgeholt hat. Die 20er sind die Zeit des Lebens, wo die meisten von uns viel Veränderung erfahren, sich (neu) entdecken, hinterfragen: Wer bin ich eigentlich und was will ich vom Leben? Philine verarbeitet diese Ambivalenz, das Schwanken zwischen Sicherheit und Unsicherheit, Wissen und Nichtwissen.

    Die EP überbringt die Botschaft, sich nicht mehr im Traum verlieren zu wollen, keine Scheu vor der Wahrheit, vor dem Leben im Moment zu haben. Manchmal muss man über seinen Schatten springen und der Realität ins Auge sehen, denn auch schwierige Momente lassen uns wachsen. 

    Den Anfang macht „waste a life“, in dem philine singt, wie sehr sie sich danach sehnt, nicht länger vor dem Moment davonzulaufen, sondern das Leben im Hier und Jetzt genießen zu wollen, statt es aus Angst vor der Zukunft zu verpassen.

    „I’ve already spent a few years crying over what I wanted, missing out on all the parts that were in front of me“

    Sie reflektiert den Gedanken, zu lernen, dass die Freude über Gutes größer sein kann als die Angst, es wieder zu verlieren. Sie erkennt: „I‘m always scared of losing“ und „I don’t wanna waste a life like this“. Im Song singt sie über ihre Vergangenheit, dass sie schon immer so war, sich vieles nicht getraut und Spaß verpasst hat, immer mit der Angst, zu versagen. 

    „If you think it’s gonna happen, then it’s what you get“

    Sie erkennt, sich und ihren Blick auf die Dinge ändern und nicht mehr auf Negatives fokussiert sein zu wollen, denn eine positive Einstellung bringt auch positive Dinge mit sich. Der Song vermittelt die Botschaft, nicht mehr allem hinterherrennen zu wollen, sondern im Moment zu leben und sich über das zu freuen, was da ist. Mit sanften Gitarrenklängen entfaltet der Song eine Wärme, die sich direkt überträgt.

    Auch ihr zweiter Song „ten years time“ vermittelt die Message: lebe im Moment. Sie singt zuerst über die Hin- und Hergerissenheit zwischen dem aktuellen Leben und zukünftigen Fragen, diesmal aus der Perspektive einer Beziehung. Der Song handelt von partnerschaftlicher Zukunft, Fragen nach Schwangerschaft, Liebe selbst. Philine findet keine Antworten auf diese Fragen im Song, denn auch hier ist das Fazit: Heute ist wichtiger als die Zukunft, wobei der Refrain als Plädoyer fürs Hier und Jetzt gilt: „right here in the moment’s where the magic is (…) forget about ten years time“.  


    Ein Storytelling, das im Stillen trifft

    Der dritte Song ist mein persönlicher Favorit und bildet meiner Meinung nach den Kern der EP, da er zwei Perspektiven gegenüberstellt und philines inneren Konflikt widerspiegelt. „The devil’s advocate“ erzählt auf der Suche nach Orientierung von einem Kampf zweier Seiten: „There’s one believing in a purpose, the other one is nihilistic“. Sie fragt im Song nach dem Sinn im Leben, nach der richtigen Perspektive und so trifft Reflexion auf innerliche Zerrissenheit: „to all that we know there’s an opposite“

    I can’t pick a side and just go with it

    Die Unsicherheit bleibt, beide Stimmen haben ihre Daseinsberechtigung. Wie weiß man, ob das Leben einen höheren Sinn hat oder unser Dasein zum reinen Zeitabsitzen dient? „I just can’t figure out what’s the narrative“ Die Frage nach Bedeutung vs. Sinnlosigkeit bleibt, immer mit der Rücksicht, dass jede:r die Welt auf eine eigene Weise sieht: „cause my reality is just what I perceive, so who am I to judge the things that you believe?“.

    Der nächste Song greift ebenfalls eine Zerrissenheit auf. „Heavy“ beschreibt die eigene Desorientierung in einer schwierigen Phase, nicht zu wissen, wohin mit sich und das Gefühl zu haben, für andere „zu viel“ zu sein. „Every word feels like rejection and I don’t wanna lie so I bore you with silence but believe me, I try to make sense of the sadness“. Philine äußert, selbst zu leiden und singt über innere Schwere und das Ringen um Leichtigkeit: „When did it get so heavy, and how do I get it light?“. Sie singt über ihre Gefühle in einer schweren Zeit und zeigt sich von einer sehr verletzlichen Seite. 

    Auch im folgenden Lied der EP, „josie“, spürt man pure Emotionen und eine Spur Verletzlichkeit. Sie reflektiert ihre letzte Beziehung und nutzt den Song, um Klarheit zu bekommen – etwas, das sie von ihrer Partnerin nie bekam: „I’d love to get closure but you’re not gonna give it, I know that“. Sie singt darüber, dass die Beziehung sie verändert hat und arbeitet die Fehler auf. Zusätzlich beschreibt sie den Wunsch, mehr gewollt zu haben, aber nicht viel entgegen gebracht bekommen zu haben. „When I told you, you were my first real love, then you asked for space and you broke that trust“. Sie zeigt sich sichtlich verletzt und versucht, ihre Wunden im Song zu verarbeiten. Sanfte Klänge treffen hier erneut auf unverblümte Ehrlichkeit.



    Zwischen Schmerz und Stärke

    Ein emotionaler Schmerz zieht sich ebenfalls durch die Lyrics des letzten Songs. „New year’s eve“ ist ein Track über den schmalen Grat zwischen Liebe und Verrat. „I used to trust you more than me, but everything changed since new year’s eve“. Philine singt von Veränderung, von einem Bruch von Nähe und Vertrautheit. Dabei hinterfragt sie auch ihr eigenes Verhalten. Hätte sie etwas vermeiden oder retten können? Hätte sie sich schützen können? „Maybe I should’ve been much clearer, I should’ve set more boundaries.“ Selbstzweifel machen den Song nahbar und ihre Offenheit berührt. 

    Musikalisch setzt philine auf fragile Klänge, die Raum für ihre Texte lassen. Passend zum Cover, das sie verschwommen im Sonnenuntergang zeigt, entfaltet sich zwischen melancholischer Sanftheit und catchy Indie-Melodien eine EP, die wie eine Momentaufnahme wirkt.

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