Tag: 6. Februar 2026

  • Zwischen Stroboskop, Energie und Dopamin pur: So war Wet Leg am 09.11.2025 in Berlin

    Zwischen Stroboskop, Energie und Dopamin pur: So war Wet Leg am 09.11.2025 in Berlin

    Nika und Noée, Schülerinnen der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, waren am 09.11.2025 auf dem Konzert von Wet Leg in der Columbiahalle in Berlin und berichten von ihrem Erlebnis.

    Columbia Halle ausverkauft

    Am 09. November 25 spielt Wet Leg im Rahmen ihrer fast vollständig ausverkauften Europa Tour nun auch in Berlin. Das britische Indie Rock Duo, bestehend aus Rhian Teasdale (Gitarre, Gesang) und Hester Chambers (Gitarre und backing Vocals), hat im Juli das zweite Studioalbum “moisturizer” veröffentlicht und bringt dies nun gemeinsam mit ihrer Band auf die Bühne. Mit beeindruckender Power und mitreißender Stagepresence schaffen die beiden es, ihr Publikum zu begeistern und ziehen die volle Columbiahalle in ihren Bann. Damit zeigen sie, dass Wet Leg deutlich mehr Wert sind als der anfängliche Socialmedia-Hype, den sie 2021 mit ihren ersten zwei Singles “Chaise Longue” und “Wet Dream” erzielten.

    Power Posing und Action von Sekunde 1

    Die Show startet gegen 21 Uhr nach der Vorband faux real, einem französisch amerikanischen Art Pop Duo, das theatrical Performance mit Hyper Pop kombiniert, und einer kurzen Pause gleich richtig durch. Die Spannung im Publikum ist deutlich zu spüren, die Erwartungen sind groß. Und wir werden nicht enttäuscht. Als Teasdale, begleitet von Stroboskop-Licht aus einer dichten Nebelwand an den Bühnenrand tritt und zu flexen beginnt, schreit die Menge vor Begeisterung. Als Opener werden wir mit “catch these fists”, der zweiten Single des aktuellen Albums, direkt gefesselt. Die fetzigen Gitarrenriffs und harten Schlagzeugbeats zusammen mit der rohen Energie bringen die Crowd sofort in Stimmung und setten den Tone für den restlichen Abend.

    Kompaktes Set – auch für kurze Aufmerksamkeitsspanne

    Die Setlist ist ein ausgewogener Mix aus Staples des ersten Albums, Fan-Favorites und neuen Hits. Nachdem das Konzert mit “catch these fists” und “wet dream” mit zwei der bekanntesten Songs beginnt, nimmt die Stimmung auch im Laufe des Abends nicht ab. Es folgt ein kompaktes Set mit kaum Unterbrechungen. Die Songs gehen nahtlos ineinander über, so wird die unglaublich ansteckende Energie sowohl auf der Bühne als auch im Publikum durch die ganze Show aufrechterhalten. Fast zum Ende des Sets kommt mit “Chaise Longue” wieder ein absoluter Banger. Der Song, mit dem alles begonnen hatte, hittet nochmal anders. Die Power im Raum scheint geradezu greifbar, als Fans Wort für Wort lauthals mitsingen.

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    Super Vibes und Community Feeling

    Die Atmosphäre schwebt irgendwo zwischen Power, Enthusiasmus und andächtiger Hingabe. Das Publikum, das sowohl in Alter als auch in Gender überraschend durchmischt ist, singt bei allen Songs laut und voller Begeisterung mit. Alle scheinen voll im Moment zu sein. Es wird mehr getanzt als gefilmt. Eine faszinierende Mischung aus Energie und Intimität entsteht durch eine Art von Gemeinschaftsgefühl, angetrieben durch eine geteilte Passion für Musik. Auffällt, dass es kaum Interaktionen zwischen Wet Leg und der Crowd gibt. Es werden kaum Ansagen gemacht, kein Kontext, nur Musik. Trotzdem herrscht eine vertraute Stimmung – auch ohne langes Reden.

    Sichtweite: 5 Meter max.

    Die Bühne ist die ganze Show über in einen dichten Nebel gehüllt, zerrissen von harten Strobo-Effekten in Weiß und Orange. Da der hintere Teil der Bühne nur schemenhaft zu sehen ist, liegt der Fokus fast ausschließlich auf Rhian Teasdale, welche uns mit ihrer Präsenz und Power-Performance alle flashed. Die Outfits der Band sind farblich schlicht in schwarz-weiß gehalten, wodurch Teasdales neongrüne Gitarre und pinke Haare spannende Kontraste in das sonst relativ minimalistische Bühnenbild bringen.

    Perücken und Seifenblasen

    Für ein paar Songs kommt ein Special Guest auf die Bühne. Die Band stellt ihn nur kurz als “Tamburine Guy” vor. Da er im hinteren Teil der Bühne kaum zu sehen ist, fällt nur seine enorme, zottelige Perücke auf, die fragwürdig macht, inwiefern er überhaupt etwas sehen kann. Nichtsdestotrotz hindert dies den mysteriösen Unbekannten scheinbar nicht am Musizieren. Ein weiteres Highlight: Gegen Ende kommen plötzlich Seifenblasen von der Seite, die die Bühne und alles drum herum in nebelige Bubbles hüllen und eine mystische, düstere Atmosphäre über den Raum legen. Die Securities vorne an der Absperrung haben sichtlich Spaß dabei, die Blasen platzen zu lassen – wofür Teile des Publikums applaudieren und so für einen denkwürdigen Moment sorgen – eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Publikum und Sicherheitsdienst.

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    Wie in Trance

    Nach 75 sehr intensen Minuten endet das Konzert mit “mange tout” so plötzlich, wie es begonnen hat. Keine Verabschiedung, keine Zugabe. Die Band verschwindet wieder im Nebel und lässt das Publikum sprachlos und verschwitzt, aber glücklich zurück. Völlig außer Atem müssen wir erst einmal realisieren, was gerade passiert ist. Das grelle Raumlicht bringt uns unsanft zurück in die Realität, während wir uns von der Masse in Richtung Garderobe schieben lassen.

    Alles eine Frage der Einstellung

    Als wir uns nach dem Konzert zusammensetzen, merken wir ziemlich schnell, dass wir die ganze Experience sehr unterschiedlich wahrgenommen haben. Auf Nika wirkte die Show etwas oberflächlich. Da sie bisher vor bei allem Pop-Konzerten war, hat sie sich von der Band nicht wirklich abgeholt gefühlt und hätte sich mehr Connection und direktere Interaktionen mit dem Publikum gewünscht.

    Ich hingegen war begeistert von dem Konzert. Wirkliche Erwartungen hatte ich vor dem Abend nicht und so hat mich Teasdales krasse Ausstrahlung und die energetische Dynamik der Band sofort in ihren Bann gezogen. Mir hat das gezeigt, dass Musik nicht unbedingt viele Worte braucht, um in Perspektive gesetzt zu werden, um zu bewegen. Ich fand es überraschend befreiend, während der Show mit meinen Gedanken allein gelassen zu werden und konnte mich so ganz in den Songs verlieren.

    Insgesamt kann man sagen, dass es einfach sehr darauf ankommt, was man sich unter einem guten Konzert vorstellt. Wer also eine klassische Pop-Performance erwartet und von den Künstler*innen an die Hand genommen und durch einen Abend voller persönlicher Anekdoten geführt werden will, kommt bei der wet leg Tour nicht unbedingt auf seine/ihre/* Kosten. Wer aber eine einfach unglaublich powervolle Show erleben möchte, die einen komplett in ihren Bann ziehen kann und für einen unvergesslichen Abend sorgt, ist bei Wet Leg gerade richtig.

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