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  • Ami Warning im Interview: »Meine Eltern dachten auch ganz lange nicht, dass ich überhaupt auf irgendeine Bühne gehe«

    Ami Warning im Interview: »Meine Eltern dachten auch ganz lange nicht, dass ich überhaupt auf irgendeine Bühne gehe«

    Ami Warning lebt rent-free im Herzen unser Redaktion und das ist okay so. Denn ihre unaufgeregt ehrlichen Texte und die unvergleichlichen Stimmungen verdienen noch viel mehr als das! Im Rahmen der Acoustics Concerts 2023 in Berlin können wir die Sängerin endlich wieder live erleben und wünschen uns, dass wir diese Erfahrung mit ganz vielen Ami Warning Stans teilen werden. Um eure hibbeligen Beinchen ein wenig zu entlasten, bekommt ihr hier bereits einen Vorgeschmack in Form eines Interviews. Von aktuellen Ohrwürmern, über erste musikalische Erfahrungen bis zu kommenden Projekten erfahrt ihr so einiges über die Münchenerin. Also, let’s fetz!

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    Ami Warning im Interview

    Lucas (untoldency): Hast du einen aktuellen Lieblingssong oder ein Lieblingsalbum, irgendwas, was dir aktuell im Kopf rumschwirrt?

    Ami: Was ich ganz cool finde, wo ich aber noch nicht das ganze Album gehört habe, ich weiß auch gar nicht, ob das neu ist. Ich habe von Little Simz so einen Song entdeckt. â€žPoint and Kill“, heißt der. Den finde ich richtig cool und den hör‘ ich zurzeit oft. Ansonsten hat auch ein Freund von uns ein Album gerade rausgebracht, der heißt Jon Kenzie, macht so bluesige Musik, ist aus Manchester, und da hab ich mir das Album angehört, und das finde ich auch zum Beispiel richtig cool. Das ist jetzt gerade ganz frisch rausgekommen.

    Lucas (untoldency): Würdest du sagen, du verfolgst viel aktuelle Musik oder bist du eher Fan von den Klassikern?

    Ami: Ich verfolge schon auch aktuelle Musik, aber man kriegt halt dann so die Singles mit und so einzelne Songs. Also ja, da mach ich‘s leider viel zu selten, dass ich dann wirklich so die ganzen Alben mir auch anhör‘. Das ist dann eher so stichprobenmäßig. Bei Alben kenne ich wahrscheinlich dann wirklich eher die Sachen, die schon älter sind, so richtig gut.

    Lucas (untoldency): Gibt es ein Genre, was du selber gerne hörst, wovon aber andere Menschen, die dich gut kennen, wahrscheinlich verwundert wären?

    Ami: Also ich mag voll gerne Afrobeats. Aber ich weiß nicht, ob das jetzt so eine große Überraschung ist. Hmm, was wäre eine Überraschung? Wahrscheinlich entspreche ich voll den Klischees, keine Ahnung. Ich mag ganz gern‘ Dubstep. Das fällt vielleicht so ein bisschen aus dem Schema.

    Lucas (untoldency): Musik machen ist ja super komplex und vielfältig. Wenn es einen Teil davon gäbe, den du für den Rest des Lebens machen müsstest, welcher wäre es am Ehesten?

    Ami: Wahrscheinlich wäre es das Live Spielen, denke ich, also, darauf könnte ich, glaube ich, nicht verzichten. Genau im Studio finde ich schon auch cool, aber da bin ich dann auch irgendwie immer froh, wenn es irgendwann abgeschlossen ist und man die Songs dann eben nach draußen tragen kann. Also ich glaube, auf diesen Moment, wenn dann vor echten Leuten die Songs singt, könnte ich schlecht verzichten.

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    Lucas (untoldency): Kannst du dich an deinen ersten Auftritt erinnern?

    Ami: Ich glaube, wahrscheinlich war das mit meinem Papa zusammen, also als ich so angefangen habe, Musik zu machen waren so die ersten Momente bei ihm auf der Bühne, dass ich da mal einen Song ausprobiert habe oder ihn begleitet habe. Also in München weiß ich, da gibt’s noch so eine Aufnahme, wo ich irgendwie so Bass spiele und mit ihm auf der Bühne bin.

    Lucas (untoldency): Es gibt oft von Stars Aufnahmen, wie sie bei irgendwelchen Events oder Schulfesten auftreten. Gibt es solche Aufnahmen abgesehen von der eben genannten auch von dir?

    Ami: Es gibt tatsächlich eine ganz witzige Aufnahme. Also das ist in der Grundschule, da bin ich im Chor und bin so krass, also man sieht, dass ich mich voll rein fühle. Ich bin so in der ersten Reihe und singe so richtig inbrünstig. Also, das gibt’s und ja, später in der Schule habe ich auch Songs nachgesungen mit der Big Band.

    Lucas (untoldency): Wenn du so zurückschaust auf deine eigene musikalische Biografie, fallen dir da Künstler:innen Genres ein, von denen du sagen würdest, die haben dich in einer bestimmten Lebensphase stark geprägt?

    Ami: Ja! Also schon auch wieder mein Papa, weil seine Musik war irgendwie einfach immer da, ich war immer dabei auf den Konzerten. Bob Marley habe ich irgendwann entdeckt, auch über meine Eltern eigentlich und fand das irgendwie auf Anhieb einfach gut. Es gab dann noch Songs auf Gitarre. Ich weiß, dass es einen Ed Sheeran Song gab, den ich dann nachgespielt habe. Also, es gab schon immer wieder so Momente, die mich inspiriert haben, wo ich dachte, ich hab‘ jetzt auch Bock, die Gitarre zu nehmen. Aber irgendwie habe ich nie so auf die Texte gehört. Also, es gab jetzt nicht so den Moment, dass ich einen Song mitgesungen habe, der mich in meiner Einstellung oder so krass beeinflusst hat.

    Lucas (untoldency): Gab es in deiner musikalischen Biografie auch mal eine Pause, als du das Gefühl hattest, du hast gar keine Lust auf Musik und du brauchst mal Abstand?

    Ami: Ich habe tatsächlich, als es mit Corona und so losging, relativ viel gemacht und eben auch selber aufgenommen und Songs geschrieben und habe dann aber gemerkt, dass ich eine Person bin, die immer auch ganz gerne noch andere Sachen macht. Als ich dann auf einmal jeden Tag morgens bis abends Zeit hatte, nur Musik zu machen, habe ich gemerkt, dass ich das gar nicht unbedingt brauche, sondern dass ich am besten auch neue Ideen finde, wenn ich dazwischen andere Sachen mache. Ich hatte nie diesen Gedanken, ganz aufzuhören. Aber ich habe einfach gemerkt, dass es für mich so am besten funktioniert, wenn ich nicht jeden Tag morgens bis abends nur Musik mache. Mein Papa zum Beispiel ist ganz anders, der geht echt jeden Tag ins Studio und kann nicht genug davon kriegen. Aber mir tut irgendwie diese Abwechslung ganz gut.

    Lucas (untoldency): Kommen dir oft, wenn du andere Sachen machst, musikalische Ideen in den Kopf, von denen du denkst, die muss ich schnell aufnehmen oder in irgendeiner Form festhalten?

    Ami: Manchmal schon, aber eher selten. Also es ist tatsächlich so, dass ich schon die Gitarre nehmen muss und anfangen muss, irgendwie nach was zu suchen und zu gucken, dann formen sich Songs oder kommen Ideen. Also es ist eher selten, dass ich so eine Eingebung habe, ohne dass ich die Gitarre in der Hand hab.

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    Lucas (untoldency): Wie sehr machst du dir darüber Gedanken, wie du als Künstlerpersönlichkeit in Musikvideos und generell visuell auftreten möchtest?

    Ami: Im Rahmen von einem Album mache ich mir schon Gedanken, was die Bildsprache zu diesem ganzen Projekt sein könnte. Aber es ist immer irgendwie auch ein Stück weit meine Persönlichkeit. Also jetzt so wirklich einen Charakter zu entwerfen oder so was für ein Projekt, ich glaube, das passt bei meiner Musik nicht so gut, weil es eigentlich schon immer ziemlich nahe dran ist an mir.

    Ich würde auch sagen, dass es funktioniert! Gerade bei â€žkurz vorm Ende der Welt“ habe ich den Eindruck, dass diese orangen Farbtöne der Bilder und Musikvideos die Wärme deiner Lieder widerspiegeln.

    Lucas (untoldency): Als du beim Wohnzimmerkonzert von TV Noir zu Gast warst, solltest du spontan einen fremden Song performen. Wie fühlst du dich in diesen Momenten, in denen dir spontan gesagt wird: „Hier spiel mal irgendwas“?

    Ami: Das finde ich schwierig (lacht). Ich bin relativ unspontan, auch so Jam Sessions mag ich eigentlich gar nicht. Auch einfach, weil ich auch auf dem Instrument nicht so frei spiele. Ich kann halt Akkorde und schreibe damit meine Songs, aber improvisieren finde ich schwer und auch bei Texten find ich es voll schwer, so drauf loszumachen. Das war übrigens, glaube ich, wir sind Helden. Bitte gib mir nur ein Wort (singt den Song an).

    Lucas (untoldency): Ist dein Vater da ähnlich oder ist eher anders rum? Ich würde jetzt vermuten, dass dein Vater so ein Vollblut Musiker ist, der irgendwie sofort anfängt zu spielen, wenn die Stimmung passt.

    Ami: Ja, also der Papa tut sich auf jeden Fall einfacher, auch gleich auf etwas einzusteigen und eben so zu improvisieren. Wir sind eigentlich beide eher schüchtern. Er wäre jetzt auch nicht der Erste, der auf die Bühne rennt bei einer Jam Session. Aber wenn er dann was dazu spielt oder so, ist er auf jeden Fall ein bisschen freier als ich.

    Lucas (untoldency): Ich fand den Moment ehrlich gesagt ganz sympathisch, weil ich bereit vermutet hatte, dass dir das in der Situation etwas unangenehm war. Wenn dann noch Kameras auf einen Zeigen, ist der Druck ja dreimal so hoch spontan zu performen. Gab es im Freundes- oder Familienkontext auch Momente, in denen du aufgefordert wurdest, etwas vorzuspielen?

    Ami: Ich glaube, meine Eltern dachten auch ganz lange nicht, dass ich überhaupt auf irgendeine Bühne gehe, weil ich sehr schüchtern war. Und ne, zum Glück haben die das gecheckt und waren eigentlich sehr zurückhaltend. Mein Papa hat auch generell die Einstellung, dass man überhaupt nicht mit Druck vorgehen sollte. Also, nee, zum Glück konnte ich alles in meinem eigenen Tempo machen und mich step by step der Bühne annähern.

    Lucas (untoldency): Ich fand außerdem spannend, dass du mit deiner Familie da warst, also mit deinem Vater, deiner Schwester und deiner Mutter. Wie ist so die Dynamik auf so einer Reise ist? Und wie kommt es dann dazu, dass alle sagen, okay, wir kommen mit? 

    Ami: Ich hab‘ ja auch öfter Auftritte mit meinem Dad, und irgendwie war es da schon immer so, dass meine Mama alle Daten ausmacht und weiß, wann wir wo sein müssen. Der Papa und ich steigen irgendwie so blind ins Auto und konzentrieren uns eigentlich nur auf die Musik, genau, und sie macht alles Organisatorische, verkauft dann auch CDs. Das war eigentlich schon immer so, dass meine Mama sich früher nur bei meinem Papa um alles gekümmert hat und seit wir zusammen Musik machen, da halt auch immer dabei ist. Und das funktioniert eigentlich voll gut so. Und meine kleine Schwester, das war eher eine Ausnahme. Also, die findet‘s auch oft eher langweilig und will nicht mit. Und es ist nochmal anders, wenn ich mit meiner Band unterwegs bin, dann fällt das eh weg, dann bin ich einfach mit meiner Band und dann mache ich den CD Verkauf und so.

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    Lucas (untoldency): Was ist die nächste Single oder das nächste Projekt, das ich und die Welt von dir erwarten können?

    Ami: Ich mache, glaube ich, gerade das Album, was so am Tanzbarsten wird, und freue mich auch schon voll, das dann irgendwann live spielen zu können. Es fehlen noch ein paar Songs und ich muss noch mal ins Studio, aber ich sammle auch schon Live Sessions und Videos dazu. Ich bin gerade an so einem Punkt, wo ich eigentlich kein Label habe und gar keine Partner. Also ist noch einer der größten Schritte, gerade ein bisschen rauszufinden, wie ich das rausbringen kann. Aber eigentlich habe ich schon ein bisschen gesammelt und würde am liebsten im Sommer anfangen mit einer ersten Single, um dann im nächsten Jahr irgendwann dieses Album rausbringen.

    Lucas (untoldency): Die letzte Single von dir, „Weg“, würdest du dann nicht in das nächste Album reinzählen?

    Ami: Tatsächlich würde ich es gerne dazu tun, weil es von der Thematik her ganz gut passt. Die ganzen Songs, die dann kommen, gehen so ein bisschen darum, wie viel Freizeit man auch braucht und dass es auch voll okay ist, sich Pausen zu gönnen und dieses ganze, dass man sich selbst oft auch viel Druck macht und immer denkt, man muss noch mehr schaffen, dabei ist das manchmal vielleicht auch gar nicht notwendig. Obwohl die Sound Welt sich gerade so ein bisschen von dem Song wegbewegt, glaube ich, dass ich ihn dazu tun will, weil es vom Thema her passt, ja!

    Lucas (untoldency): Dann fällt mir noch das Feature mit KLAN ein. Kannst du mir sagen, wie das zustande gekommen ist?

    Ami: Eigentlich total unkompliziert. Die haben mir auf Instagram einfach geschrieben, ob ich Bock hätte. Dann gab es, glaube ich, zwei Songs zur Auswahl. Dann habe ich eingenommen, habe das bei mir daheim eingesungen, den zurückgeschickt und fertig. Ich würde die auch gerne noch mal so richtig kennenlernen, weil dazu kam es jetzt noch gar nicht so richtig, obwohl wir jetzt diesen Song zusammen haben.

    Lucas (untoldency): Noch zwei leicht verdauliche Fragen zum Schluss: Welches Instrument würdest du gerne spielen, das du noch nicht spielen kannst?

    Ami: Wahrscheinlich würde ich irgendwas mit Tasten nehmen. Klavier! Ja, ich hätte schon Bock, noch mehr auf dem Klavier zu können. Ich hab ja bei diesem Mixtape schon auch immer irgendwie Akkorde und gespielt, aber da brauche ich sehr lang, um die Töne zu finden und kann es eigentlich nicht. Ich glaube, das wäre was, was ich eigentlich schön fände, auch um Songs zu schreiben, mal weg von der Gitarre und vielleicht am Klavier, fände ich das eigentlich ein schönes Instrument.

    Lucas (untoldency): Hast du ein guilty pleasure, vielleicht ein musikalisches, vielleicht Trash TV, etwas dass du eigentlich keinem erzählen darfst?

    Ami: Ja! Bei Trash TV bin ich auf jeden Fall dabei. Da gäbe es richtig viele Sachen, die ich jetzt sagen könnte, die die Leute vermutlich schlimm fänden. Irgendwie kann ich voll gut abschalten, wenn ich mir sowas reinziehe. Da habe ich schon fast alles durch, von GNTM über irgendwelche Sachen auf Netflix.

    Lucas (untoldency): Cool, ich danke dir für das Interview und Ich warne dich schon ein wenig vor. Ich komme auf jeden Fall zu den Acoustics und ich bringe ein paar Groupies mit! Falls du eine Fangruppe siehst, die laut deinen Namen schreit, weißt du, Lucas ist da.

    Ami: Dir auch danke für das Interview!

    Hier geht’s zu den kommenden Tourdaten von Ami Warning und Hier lest ihr die Review zu Ami’s letzter EP „kurz vorm Ende der Welt“

  • Lord.SYE im Interview: »Ich bin in das Image reingewachsen.«

    Lord.SYE im Interview: »Ich bin in das Image reingewachsen.«

    Die modernen, tanzbaren Instrumentals und der positive Vibe des Gesangs sind für mich die beiden markantesten Merkmale der Musik von Lord.SYE aka Simon Klar. Mit seiner letzten Veröffentlichung „…Is Not Gold“ vervollständigte der 24-jährige seine Dance-Pop-Doppel-EP zusammen mit dem ebenfalls 2020 erschienenen „All That Glitters…“. Ich hatte das große Glück, mit ihm über die EPs reden zu dürfen und bekam weitere Einblicke in bisher unveröffentlichtes Material und in die Gefühlswelt des jungen Songwriters.


    Lord.SYE im Interview

    Vince: Hi Simon! Ich freue mich, dass du hier bist und natürlich, dass du deine Doppel-EP rausgehauen hast, über die wir später noch reden werden. Vielleicht magst du dich erstmal kurz selbst vorstellen? Mich persönlich würde ja unheimlich interessieren, was genau hinter deinem Pseudonym steckt! Wer ist Lord.SYE?

    Lord.SYE: Hi, ja ich freu mich auch! Also, Lord.SYE bin auf jeden Fall ich. Ich heiße eigentlich Simon Klar, ich bin Songwriter und Sänger und studiere Popularmusik an der HdpK und bin damit auch fast fertig. Ich hatte mich eine Weile lang nur SYE genannt und Anfang des Jahres kam das Lord dazu. Die Geschichte dazu war, dass eine Bekannte, die in einem Restaurant arbeitet, sagte: „Wie krass wäre es denn wenn man einen Titel hätte, durch den man immer den besten Tisch bekommen würde“. Sie sagte das so und meine beste Freundin und ich haben uns direkt angeguckt und irgendwie war das dann einer dieser schrägen Telepathie-Momente. Wir haben dann beide gleichzeitig ausgedrückt, wie witzig das als Zusatz für meinen Namen wäre. Dann habe ich einfach impulsiv gesagt: „Ja, gut, dann nenne ich mich jetzt Lord.SYE. Klingt auch gut und umso mehr ich darüber nachgedacht habe, desto vielschichtigere Bedeutungen bekam der Name für mich. Am Anfang wirkt er ja ein bisschen komisch zusammengesetzt, aber weil ich viel mit Maskulin und Feminin spiele und Gegensätze gut finde, fand ich das irgendwie cool vertreten durch das Lord.

    © Sebastian Madej


    Vince: OK und das SYE? Wofür steht das?

    Lord.SYE: Das S ist einfach eine Abkürzung für meinen Namen: „S“ wie Simon. Das Y und E war das Ergebnis einer anderen Session, von vor zwei Jahren. Da haben wir uns nach ner Probe ins Neue Ufer gesetzt und gesagt: „So, wir brauchen einen Künstlernamen“. Das kann so nicht weitergehen. Dann haben wir ein Blatt genommen, unsere Namen aufgeschrieben, die Buchstaben auseinander gezogen und dann anders wieder zusammengesetzt, so dass das einen möglichst interessanten Künstlernamen ergibt. Da kam dann irgendwann S.Y.E. dabei raus! Genau so kam der Lord.SYE zustande. Ich bin da sehr reingewachsen in diesen Namen und das Image. Wie man das manchmal bei diesen Drag-Künstlern hat; die erstellen sich eine Persona und damit eine gewisse Symbiose zwischen dieser und dem Menschen dahinter. Ich glaube nicht, dass ich da etwas erschaffen habe, was ich nicht bin. Ich würde nicht sagen, dass ich eine Kunstfigur bin oder eine erschaffen hätte. Sondern… das bin schon ich! Man kann da total viel Selbstbewusstsein draus ziehen, was ziemlich cool ist.

    Vince: Ist eine Kanalisierung von gewissen Teilen von dir, oder?

    Lord.SYE: Ja genau! Absolut! Macht einfach Spaß sich seine liebsten Merkmale zu nehmen und die auf die Spitze zu treiben. 

    Vince: (lächelt) Wie geht’s dir heute?

    Lord.SYE: Heute geht’s mir ganz gut! Ich bin jetzt nach der Arbeit tatsächlich ein bisschen erfüllter als vor der Arbeit, weil ein Kollege heute so nett war. Mit dem habe ich schon lange nicht zusammen gearbeitet. Vorm Arbeiten wusste ich nicht so ganz wie ich mich fühlen soll. Diese Lockdown-Zeit hat mich natürlich auch ein wenig mitgenommen. Ich war beruflich zwar viel unterwegs zwischen Hamburg und Berlin, aber ich habe total das Bedürfnis, mal da oder dort hinzufahren, selbst nur für ein- oder zwei Tage. Gestern ist mir etwas sehr aufgefallen: Ich kann nicht so lange an einem Ort bleiben, sonst komme ich wieder in dieses Tief. Kommt mir ein wenig so vor, als wäre das ein Weglaufen von der Pandemie. Dann habe ich noch erfahren, dass mein Ex-Freund einen neuen Partner hat. Es stört mich nicht, aber es ist ein komisches Gefühl. Und da war ich heute Morgen noch ein wenig nachdenklich und lag viel im Bett. Aber jetzt nach der Arbeit, wenn man den Kopf wieder frei hat, weil man mal nicht die ganze Zeit aufs Handy schaut, ist es schon wieder besser. Gestern war ich viel am Handy und mit jeder Minute habe ich gemerkt, es ist richtig anstrengend und macht rastlos, aber wenn man mal was zu tun hatte, dann geht’s einem danach viel besser!

    © Sebastian Madej


    Vince: Mit diesen Einschränkungen meinst du bestimmt, dass man nichts mehr so recht unternehmen kann und dass man gewissermaßen nur noch funktioniert zur Zeit? 

    Lord.SYE: Ja auf jeden Fall, genau!

    Vince: Oh ja.. Das stört mich auch ziemlich. Ich versuche mich mit verschiedenen Arbeiten abzulenken. Es ist hilfreich, wenn man mehrere Leidenschaften oder Hobbys hat.

    Lord.SYE: Ja die Musik hilft mir in so Momenten wie jetzt unheimlich! 

    Vince: Du hast ja inzwischen, die zweite Hälfte von deiner Doppel-EP „All That Glitters…“ „…Is Not Gold“ rausgebracht. Ich finde übrigens, dass dein Sound unheimlich catchy ist! Wie fühlst du dich jetzt mit der letzten EP-Hälfte: „…Is Not Gold“?

    Lord.SYE: „…Is Not Gold“ ist natürlich eine Fortsetzung zu „All That Glitters…“. Also wie der Spruch: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.. Das ist mir vor allem innerhalb meiner letzten Beziehung sehr klar geworden. Dass die Dinge selten so sind wie sie auf den ersten Blick scheinen und dass man oft erst durch verschiedene Zwiebelschichten durch muss, um zum eigentlichen Kern zu gelangen. Also die erste EP-Hälfte fängt etwas fröhlicher an, hat zwar auch seine ruhigeren, traurigen Parts, aber insgesamt ist es eher die fröhlichere EP. Die zweite EP-Hälfte entstand dann nach der Trennung von meinem Ex-Freund und thematisiert vor allem wie, ich mit der ganzen Situation umgegangen bin. Und wie meine Coping-Mechanismen, die nicht immer ganz gesund sind, funktionieren. Es geht ums Weglaufen, um lähmende Traurigkeit, aber auch um den Weg da wieder raus, später zum Ende der letzten EP mit „Paradise“. Ich wollte einen jeweiligen Spannungsbogen innerhalb jeder EP, aber auch, dass die beiden thematisch verbunden sind, weshalb die Idee mit der Doppel-EP ganz gut gepasst. Übrigens werden gerade CDs gemacht, durch Crowdfounding finanziert! Die wird ab April 2021 da sein und wer möchte, kann gerne bei mir eine, oder ein paar erwerben!

    Vince: Du hattest auch noch eine Single rausgebracht, zwischen den beiden EPs, richtig?

    Lord.SYE: Ja, dazwischen kam „Ritual“ raus! Das war eine Stand-Alone-Single, wie „Heartattack“, „Walk Me Home“ und „Liar“ auch. Bei „Rituals“ geht’s um die Suche nach Erfüllung in einer schwierigen Zeit. 

    © Sebastian Madej


    Vince: Ich find’s stark, wie du über diese schwierigen, persönlichen Themen so frei und offen reden kannst! Auch, weil man ganz klar merkt, dass Lord.SYE, nichts Gefälschtes ist, sondern einfach der Simon, so wie ich ihn auch kennenlernen durfte! Magst du noch ein wenig sagen, womit man bei dir in Zukunft noch rechnen kann?

    Lord.SYE: Ja, vielen Dank erstmal! Also gerade bin ich dabei meine Uni abzuschließen. Da muss ich noch ziemlich viel Arbeit reinstecken, die kommenden Monate. Deswegen kann ich leider nicht so viel Zeit in das Projekt stecken, wie ich es gerne wollen würde. Aber ich bin gerade dabei, eine Remix-EP zusammenzustellen, bestehend aus Songs von „All That Glitters Is Not Gold“. Die mache ich, weil mir in den letzten Monaten aufgefallen ist, dass die wenigen besonders schönen Momente meistens dann waren, wenn ich alleine Zuhause oder mit einer Freundin zusammen getanzt habe. Dieses Gefühl dabei möchte ich gerne weiter kultivieren und dafür habe ich ein paar befreundete DJs und Producer gefragt. Die wird wahrscheinlich Ende April, evtl. Ende Mai rauskommen. Damit hoffentlich im Sommer dazu ein bisschen getanzt werden kann! Es wird wahrscheinlich auch ein ganz neuer Track drauf sein, aber hauptsächlich Remixes. Ah, dazu noch eine kleine Sache: Ab April wird meine eigene Webseite online gehen! Da kann man dann meine CDs kaufen und Merch. Noch mehr Lord.SYE-Merch!!! (lächelt)

    Vince: Gerade auf die Remix-Sachen bin ich ziemlich gespannt! Danke für deine Zeit und den tollen Dance Pop, den du uns bescherst! 

    Lord.SYE: Sehr gerne! 

     

    Hört hier in die Doppel-EPs „All That Glitters…“ und „… Is Not Gold“ rein:

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