Schlagwort: singer songwriter

  • Eine EP wie ein Poesie Album: Jakob Longfields „Of Daydreams And Letting Go“

    Eine EP wie ein Poesie Album: Jakob Longfields „Of Daydreams And Letting Go“

    Kennt ihr diese Songs, die euch immer wieder an den einem Moment erinnern? Vor allem im Sommer gewinnen solche Songs oft an Bedeutung. Der Sonnenuntergang am Strand oder der beste Party-Abend seit langem – und bei dem einen Song erinnert ihr euch immer wieder dran. Das funktioniert genauso gut wie ein Poesie Album voller schöner Momente, die dadurch auf ewig festgehalten werden.

    Ein Poesie Album voller schöner Erinnerungen – so klingt „Of Daydreams And Letting Go“ von Jakob Longfield. Alle Indie Folk Liebhaber*innen aufgepasst: Vielleicht liefert diese EP ja genau den Soundtrack für euren nächsten Roadtrip? Wir sehen da auf jeden Fall großes Potenzial!

    Die Musik von Jakob Longfield reiht sich ganz unbemerkt in eine Playlist zwischen Größen wie Of Mosnsters And Men, Bon Iver und Mumford & Sons ein. Nostalgisch, verträumt und trotzdem mit einer Menge Ohrwurm-Potenzial. Jakob Longfield steht für die Höhen und Tiefen des Lebens, die sich in seiner Musik widerspiegeln. Seine Lieder vereinen introspektive Texte mit rhythmischen Gitarrenklängen und werden vom Gesang getragen. So auch auf der EP „Of Daydreams And Letting Go„, die wir für euch unter die Lupe genommen haben.

    Für Fans von Of Monsters And Men, Bon Iver und Mumford & Sons

    Der erste Song auf der EP ist quasi Programm „Daydreams (with M)“ start verträumt, bleibt verträumt und hinterlässt uns verträumt. Organische Indie-Folk-Elemente ziehen sich durch den Song, der in einer Berliner Wohnung als Duett entstanden ist. Und genau diese Intimität schafft es, die Spannung von der ersten bis zur letzten Sekunde aufrecht zu erhalten. Jakob Longfield erzählt von Tagträumereien und dem inneren Konflikt zwischen eigenen Vorstellungen und der Realität. Mit seinem warmen Gefühl eignet sich der Song perfekt für lange Sommerabende.

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    Not Sure Anymore„, die zweite Single, macht genau da weiter, wo der EP-Einstieg mit angefangen hat: Er verbindet ebenfalls organische Indie-Folk-Elemente mit einem treibenden und komplexen Sound. Der Song thematisiert das Erwachsenwerden, geplatzte Träume und eine Abwärtsspirale, die einer Depression gleicht. Damit werden wir aber nicht alleine gelassen. Trotz der schweren Themen vermittelt die warme Produktion eine hoffnungsvolle Botschaft, dass letztlich alles gut wird.

    „we let go, if you want to“

    Morning Light“ entstand, so erzählt Jakob Longfield, inspiriert von einer spirituellen Erfahrung während einer Alpenüberquerung im Sommer 2023, die Jakob als eine der intensivsten und glücklichsten Zeiten seines Lebens beschreibt. Der Song fängt die Magie eines Wandertages ein, bei dem Jakob vor Sonnenaufgang aufbrach, um innere Ruhe zu finden – und dabei nimmt er uns mit. Durch den Song hindurch sind Geräusche von Vögeln, Schritten, Regen und Wasserfällen zu hören, die der Songwriter selbst auf seiner Wanderung aufgenommen hat.

    Good Enough“ schließt die EP mit einer klaren und ermutigenden Botschaft ab: Ich bin gut genug/“I’m good enough“. Der Song erzählt von den Herausforderungen und Unsicherheiten des Lebens, aber auch von der Erkenntnis und Akzeptanz der eigenen Stärken. Der Song hinterlässt ein Gefühl des Loslassens und der Zufriedenheit. Dieses Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch die EP und bringt eine magische Leichtigkeit mit sich.


    Inspiration: Alpenüberquerung und viel Zeit mit sich selbst

    Die Entstehung und Inspiration der EP „Of Daydreams And Letting Go“ sind eng mit Jakob Longfields persönlicher Reise und seiner Alpenüberquerung verknüpft. Diese 11-tägige Wanderung im Sommer 2023 war prägend für die EP und findet sich nicht nur in den Texten und der Bildwelt, sondern auch in der Musik und Produktion wieder. „Of Daydreams And Letting Go“ ist für Jakob eine musikalische Einladung, die eigenen Träume und Ängste zu erkunden und letztlich loszulassen, um Platz für neue Erfahrungen zu schaffen.

    Egal, ob ihr euch in endlosen Tagträumen verliert oder Mut schöpft, euch Ängsten zu stellen – die EP „Of Daydreams And Letting Go“ von Jakob Longfield könnte dafür euer Begleiter werden. Von uns gibt es auf jeden Fall eine fette Empfehlung:

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    Fotocredit: Yannick Beringer

  • Mine im Interview: »Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist«

    Mine im Interview: »Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist«


    Die BAUM TOUR 2024 zum gleichnamigen Album von Sängerin Mine ist vor etwas mehr als einer Woche zu Ende gegangen. Untoldency hat diese Tour mitpräsentiert und Redakteur Leif hatte die Gelegenheit das Konzert in Hannover im Capitol zu besuchen und vorab ein Gespräch mit Mine zu führen.

    Triggerwarnung/Content Note: Drogen, Drogenkonsum und Sucht
    In der letzten Frage dieses Interviews geht es um die Thematisierung von Drogen und Drogenkonsum. Bitte achtet auf euch selbst und eure Gesundheit.

    Mine im Interview mit untoldency zu ihrem Album BAUM

    Leif: Hallo Mine! Schön, dass du dir Zeit nimmst, ich freu mich richtig. Zum Warmwerden beginne ich mit einer Frage zu deiner Musik. Du hast deine eigene Musik schonmal als „Deutschsprachigen Folk mit Hip Hop-, Jazz- und elektronischen Elementen“ beschrieben. Würdest du das noch so unterschreiben?

    Mine: Deutschsprachiger Folk? Ne, eigentlich nicht. Habe ich das mal gesagt? (lacht) Wenn man mich fragt, sage ich immer ganz grob Deutscher Indiepop mit verschiedenen Genreeinflüssen. Ich finde es voll schwierig mich da festzulegen, weil ich voll gerne mit verschieden Genres arbeite. Manchmal fühle ich mich mehr in die Richtung Dance, andermal eher in Richtung Chanson, manchmal wiederum Klassik. Deswegen überlasse ich das lieber anderen Menschen, meine Musik einzuordnen. Jeder hört es anders und nimmt es anders wahr.

    Leif: Auf die Klassikeinflüsse kommen wir später noch zu sprechen, sie ist ja auch eine Charakteristik deines neuen Albums. Wobei das ja auch schon seit Februar draußen ist.

    Mine: Das gilt noch als neu!

    Leif: Und deshalb: Gratulation zu deinem Album BAUM! Bald ist es zehn Jahre her seit der Veröffentlichung deines Debütalbums Mine, ein Jubiläum also! Seitdem hat sich viel getan. Bist du rückblickend zufrieden und gibt es etwas, das dich bei mehr als zehn Jahren Musikmachen immer begleitet?

    Mine: Es hat sich viel getan, aber hallo! Und ich bin mehr als zufrieden – zufrieden ist gar kein Ausdruck. Ehrlicherweise läuft alles viel viel besser, als ich es mir jemals erträumt habe. Ich hatte ja gar nicht vor, das beruflich zu machen und dachte, dass sich das gar nicht vereinen lässt. Also diese freie künstlerische Arbeit mit künstlerischer Musik als Beruf. Deswegen fühle ich mich gerade sehr privilegiert und dankbar dafür, dass ich das machen darf. Und was mich bis jetzt in den letzten zehn Jahren begleitet hat, ist auf jeden Fall meine Crew. Wir sind schon so lange unterwegs. Das ist ein sehr familiäres Gefühl.

    Leif: Das ist ja richtig toll! Cool, dass ihr euch auch nach zehn Jahren dann noch „treu geblieben“ seid.

    Mine: Voll, wir sind halt auch Freunde und arbeiten sehr gern zusammen. Es ist alles immer sehr harmonisch.

    Über die freie Kunst und die Frage nach dem Besonderen

    Leif: Du hast eben schon das Künstlerische in deinem Schaffen angesprochen. Deine Leidenschaft erstreckt sich auch auf Videodreh von zum Beispiel Musikvideos. Und auf Social Media hast du ein kleines Reel-Format namens SWEETE INSTRUMENTE, was ich persönlich ganz cool finde. Wie kam es denn dazu?

    Mine: Ich weiß auch nicht, ich hatte einfach Bock. Ich bin so eine Instrumentensammlerin und interessiere mich für neue Klänge, die ich noch nicht kenne und wollte selbst ein wenig mehr über die Instrumente, die ich bereits habe, herausfinden. Da lag es nahe als Format kurze Instrumentenkunde zu machen. Aber wo genau das herkam, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich hatte einfach Bock drauf.

    Leif: Es passt ja bei deiner Musik auch total ins Bild – und damit kommen wir auch schon zu deiner Musik und zum Album BAUM. Auf den ersten Blick fällt auf, dass es viele Intros und Reprisen gibt. Hört man rein, vernimmt man zum einen Pop, Hip Hop, Electro, Funk, viele außergewöhnliche Instrumente und starke Arrangements. Zum anderen sind viele Elemente aus der Klassik verbaut. Hast du als studierte Musikerin hohe Erwartungen an „das Besondere“ in deinen Songs?

    Mine: Ne. (lacht) Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist.

    Leif: Das ist eine sehr tolle Antwort!

    Mine: Ich bin einfach ein sehr neugieriger Mensch und bin auch sehr schnell gelangweilt und hungrig. Aber das bezieht sich auf alles im Leben. Ich google alles, ich will alles wissen und ich lese mir alles durch. Wenn ich eine Künstlerin geil finde, schaue ich mir alle Videos und Interviews an. Und so geht’s mir eben auch bei der Musik, die ich selbst mache. Ich höre super viel Musik und wenn mich etwas catcht, überlege ich: Was ist da so drin und wieso klingt es so, wie es klingt? Dann versuche ich mich weiterzubilden, weil es mir Spaß macht Dinge zu machen, die ich vorher noch nie gemacht habe. Diese Euphorie im Musikmachen will ich dann nie verlieren. Das würde passieren, wenn ich immer das gleiche machen würde.

    Leif: Also nicht stehen bleiben, sondern immer weiter. BAUM ist bisher dein chartmäßig größter Erfolg. Wie fühlt sich das an?

    Mine: Stimmt, da habe ich gar nicht so viel Ahnung von. Ich wüsste auch gar nicht auf welchem Platz es war. (lacht)

    Leif: Das kann ich dir sagen: Platz 7.

    Mine: Ahh, sieben. Ich bin da gar nicht so interessiert, mein Management schon eher. (lacht) Für mich ist das immer so gewesen, dass ich von dem Job nicht abhängig bin. Ich wollte eigentlich als Musiklehrerin arbeiten, damit ich freie Kunst machen kann, ohne über des Geldverdienen nachzudenken. Mir ist es wichtig, dass ich nicht so einen Druck habe und meine Kunst frei bleibt. Deshalb können mir Zahlen auch egal sein. Diese Unabhängigkeit genieße ich sehr.

    Leif: Dieses Privileg befreit deine Kunst bestimmt sehr.

    Mine: Total. Für mich ist es auch die einzig richtige Herangehensweise. Unter Druck könnte ich gar keine freie Kunst machen. Das Musikmachen an sich ist ja das Schöne an dem Job. Und wenn das verloren geht, dann hätte ich gar keinen Bock mehr das zu machen.

    Leif: Das verstehe ich sehr. Du kannst das am besten beurteilen: BAUM ist voll mit persönlich und biografisch wirkenden Songs. Wie viel Mine steckt in den Texten?

    Mine: Es ist schon sehr persönlich, ich denke mir da nichts aus. Für mich ist das Musikschreiben immer Safe Space und Dinge aussprechen, die ich mir vor anderen Menschen so nicht traue. Deshalb ist das alles eigentlich privat. (lacht) Bei jedem Song geht es um eine gewisse Situation, die ich empfunden habe. Und den Dampf lasse ich dann in der Musik raus.

    Leif: Es gibt ja auch Storytelling im Songwriting, aber du musst da schon einen persönlichen Bezug zur Handlung haben?

    Mine: Ich finde es fühlt sich dann so an, als würde man sich selbst covern. Es ist dann eher die Schauspielerei. Und ich finde das auch voll geil, wenn das Leute können. Die haben dann auch ein Alter Ego und schreiben dann Sachen, zu denen sie gar keine Gemeinsamkeiten haben. Aber so ist es bei mir nicht. Ich bin genau die gleiche Person wie hinter der Bühne. Zumindest fühle ich mich nicht anders.

    Der BAUM zieht sich bei Mine als optisches und rhetorisches Mittel wie ein roter Faden durch Album und Bühnenbild.


    Leif: „Werde geboren und werde dann groß, lerne zu leben und dann bin ich tot“ – Hören wir da Kritik an einem kapitalistischen Mittelmaß im Titelsong BAUM?

    Mine: Ich liebe diese Interpretation, auch wenn sie nicht die Gedanken waren, als ich den Song geschrieben habe. (lacht) Aber ich kann sehr zu ihr relaten. Weil ich auch richtig abgef*ckt bin vom Kapitalismus. (lacht lauter) Ich finde es ganz schlimm, wie das Schulsystem kleine Arbeitssoldat*innen zusammenschustert, die, sobald sie außerhalb dieser Leistungsgesellschaft keinen Platz finden, durch das System fallen. Deshalb finde ich diese Interpretation super.
    Aber eigentlich hatte ich beim Schreiben eher an den Zyklus gedacht, den zwar jeder Mensch individuell durchlebt, der sich aber auch ganz unemotional ständig wiederholt. Das soll gar nicht so emotional aufgeladen sein. Es ist einfach Fakt, dass unsere Großeltern, Eltern und Kinder das Gleiche machen. Du wirst da reingeworfen, dann versuchst du klarzukommen, denn gehst du wieder und nach zwei Generationen kann sich keiner mehr an dich erinnern. Ich glaube, dass Menschen sich selbst prinzipiell ein bisschen zu wichtig nehmen. Manchmal ist es gut sich bewusst zu machen, dass das Allerwichtigste ist, dass man Menschen gut behandelt. Alles andere, wie „Ich hinterlasse Fußspuren“ finde ich etwas lächerlich.

    Die BAUM TOUR 2024

    Leif: Die nächsten Fragen zielen auf deine BAUM TOUR 2024 ab. Tourst du gern?

    Mine: Ja, ich lieb‘s! Für mich ist das total Quality Time. Ich bin Mutter von Zwillingen und arbeite sehr viel. Daher habe ich nie so viel Zeit für mich selbst wie jetzt auf Tour. Das genieße ich sehr. Und auch, dass ich mein Team um mich herumhabe. Das sind alles meine Freunde und mit denen unterwegs zu sein fühlt sich an wie eine Klassenfahrt. Ich liebe es mit ihnen Musik zu machen. Aber die Tour ist generell so krass! Es läuft alles so gut und es ist sehr erfüllend.

    Leif: Die ausverkauften Veranstaltungen und die hochgebuchten Konzerte machen es doch sicher noch besser, oder?

    Mine: Ich habe ab dieser Größe hier nach unten alles gespielt. Jede Größe von 30 Leuten bis zu dem, was ich momentan spiele. Ich fand’s auch vorher cool. Was es natürlich mit sich bringt, wenn man mehr Zuschauer*innen hat, ist, dass man alle aus dem Team gut bezahlen kann. Für mich ist das sehr entspannend, wenn ich weiß, alle können davon leben. Denn man investiert super viel Zeit. Aber vom Publikum her ist es ganz egal, es ist immer ein geiles Gefühl. Diesbezüglich ist es bei uns auch nie schlechter geworden. Es kamen immer etwas mehr Leute dazu als vorher. Es gab da nie einen Sprung, sondern ging konstant weiter nach oben. Total angenehm, aber crazy, dass wir jetzt so groß unterwegs sind. Und total entspannt.

    Leif: Entspannt?

    Mine: Ja! Ey, früher sind wir noch hunderte Kilometer selbst auf der Autobahn gefahren mit einem Sprinter. Danach ist man anders müde.

    Leif: Und dann muss noch performt werden!

    Mine: Genau. Das war zwar auch cool, aber jetzt haben wir natürlich Luxus.

    Leif: Was machst du denn beim Touring zwischen den Auftritten am liebsten?

    Mine: Sport! Ich mache jeden Tag Sport. Und heute habe ich noch einen Beat produziert. Sonst geht der Tag ziemlich schnell rum. Wir fangen schon um 14 Uhr an, so viel Zeit ist dann gar nicht mehr. Sport, Duschen, Bühne vorbereiten, Einsingen, Essen und Interviews geben. (lacht und klopft mir auf die Schulter)

    Leif: Du hast eben deine Zwillinge angesprochen. Was fehlt dir am meisten, wenn du unterwegs bist?

    Mine: Auf jeden Fall meine Kinder. Meine Kinder, das Studio und das Alleinesein. Man hat immer Menschen um sich rum und Zurückziehen ist da eher rar. Und meine Freunde in Berlin fehlen mir auch sehr. Aber sonst vermisse ich ehrlich gesagt gar nicht so viel.

    Leif: Das reicht ja auch! Selbst eine Sache zum Vermissen kann ja schon schwer wiegen.

    Mine: Im Großen und Ganzen sind es auch eigentlich nur meine Kids. Alles andere ist nicht der Rede wert. Die sind so süß. (lacht)

    An dieser Stelle sei erneut auf die anfängliche Triggerwarnung hingewiesen:
    Sollte euch die Auseinandersetzung mit den Themen Drogen und Drogenkonsum schwerfallen, lest diesen Artikel ab dieser Stelle bitte nicht weiter.

    Leif: Bei uns endet ein Interview immer mit einer Anekdote oder etwas, was du noch nie über dich erzählt hast. Was ist deine untold story?

    Mine: Eine Sache kann ich dir verraten. Was ich noch nie gesagt habe, weil ich das eigentlich nicht verherrlichen will, ist, dass es bei einem Song von mir um LSD geht. Ich habe das noch nie erzählt, denn ich bin nicht so ein Fan davon, über Drogen in der Öffentlichkeit zu reden. Ich denke, das Thema muss mit sehr großer Vorsicht betrachtet werden. Und ich rate Leuten prinzipiell erstmal davon ab, weil es sehr gefährlich ist für Leute mit psychischen Vorerkrankungen und man sehr aufpassen muss.

    Leif: Der Titel des Songs bleibt daher an dieser Stelle lieber unerwähnt. Und damit endet unser Interview! Ich danke dir für deine Zeit, für das schöne Gespräch und freue mich auf’s Konzert!

    Mine: Mich hat es auch gefreut! Wir geben heute alles!


    Dass zum Beinahe-Tourende alles gegeben wurde, verspürte man in jeder Sekunde des Konzertes. Die kraftvolle und energiegeladene Performance zeichnete sich durch einen abwechslungsreichen Mix aus Mine-Klassikern und neuen Songs des Albums aus. Auch die Support Acts Shelly Phillips und ffortissibros heizten dem Saal ordentlich ein.

    Am Ende wird hier die klare Empfehlung ausgesprochen, ein Mine-Konzert zu besuchen. Auch, wenn die Tour nun vorbei ist, stehe weitere Daten in der bald startenden Festivalsaison an.


    22.06.2024 – Duisburg, Traumzeit Festival
    24.07.2024 – Freiburg, Zelt-Musik-Festival
    25.07.2024 – Marburg, KFZ
    16.08.2024 – Leipzig, Parkbühne Geyserhaus
    17.08.2024 – Hamburg, MS Dockville
    07.09.2024 – Berlin, Lollapalooza
    08.09.2024 – Berlin, Lollapalooza


    Wer sich das Album BAUM bisher noch nicht angehört hat, sollte es schleunigst tun. Die Möglichkeit zum Reinhören gibt es hier.

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    Fotocredit: Bastian Bochinski

  • untoldency proudly presents: Almost Twins Tour 2024

    untoldency proudly presents: Almost Twins Tour 2024

    Genau wir ihr, sind wir immer auf der Suche nach neuer Musik, nach den Künstler*innen da draußen, die auch wenn sie gerade am Anfang ihrer Karriere stehen, es schaffen, uns mit ihrer Musik zu verzaubern. Und weil genau das der Grund ist, warum wir dieses Magazin vor drei bescheidenen Jahren ins Leben gerufen haben, machen wir damit einfach immer weiter. Die nächste Band, die sich direkt auf unser Radar gespielt hat, ist Almost Twins. Dabei ist ihr Rezept so leicht: melancholischer Indie trifft gefühlvollen Jazz und wir fließen dahin. Mit ihrem erscheinenden Debütalbum gehen sie Anfang Mai auf Tour und wir dürfen eine riesengroße Empfehlung aussprechen.

    Ein fast-zwillingshaftes Verständnis

    Kennt ihr das, wenn Musik so kurz kribbelt, wenn ihr sie hört? Bei Almost Twins kribbelt es. Mit dem ersten angespielten Gitarrenton schon, und wenn dann die Klarinette oder das Saxophon einsetzt ist fast ganz vorbei. Bei ihren Songs kehrt eine instant Ruhe ein. Das Chaos in der Welt da draußen wird kurz ein wenig leiser, das Chaos im eigenen Kopf auch. Wenn Almost Twins alle ihre warmen und verträumten Instrumente vereinen, werden Erinnerungen an José Gonzales oder Kings Of Convenience wach. Die Band, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht, ist schon mit den drei bisher veröffentlichten Songs Hands/Trees, Mosaics und Puppeteer bereits Geheimtipp der Leipziger und Berliner Indie-Szene. Ihr Debütalbum Hands / Trees erscheint am 03. Mai und damit perfekt zum Frühling. Denn die wärmende Frühlingssonne ist eigentlich alles, was es braucht, um diesen Soundtrack perfekt zu machen.   

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    Umso perfekter, dass sie das Album im Release-Anschluss direkt mit auf ihre erste Headline-Tour nehmen! Wer also mal wieder Lust hat, eine Band komplett live zu entdecken, lasst uns alle hier treffen:

    08.05.2024 – Bielefeld, Bunker Ulmenwall
    09.05.2024 – Hannover, Lampe

    10.05.2024 – Berlin, Monarch
    15.05.2024 – Nürnberg, MUZ
    16.05.2024 – München, Glockenbachwerkstatt
    17.05.2024 – Marburg, q
    18.05.2024 – Stuttgart, Wizemann
    19.05.2024 – Offenbach, Hafen2
    21.05.2024 – Mainz, schonschön
    24.05.2024 – Leipzig, NaTo
    25.05.2024 – Bamberg, Live-Club

    Wenn eure Stadt hier dabei ist, kauft euch Tickets! Und dann werden Almost Twins euch für ein paar Stunden aus der Realität ziehen und das Chaos im Kopf beruhigen.  

    Natürlich verlosen wir auch 1×2 Tickets für alle Städte der Tour, schaut doch einfach mal hier vorbei.

    Bis dahin habt ihr noch ein paar Tage, um euch in diese drei Songs hier zu verlieben, bevor das Debütalbum das Licht der Welt erblickt:

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  • Tusks im Interview: »You will be OK – even if it seems impossible.«

    Tusks im Interview: »You will be OK – even if it seems impossible.«

    Wenn die Melancholie zuschlägt und auch der Synth genau diese Frequenz trifft, die direkt für Gänsehaut sorgt – dann hört ihr vielleicht einen Song von Tusks. Die Sängerin, Produzentin und Multiinstrumentalistin aus London hat atmosphärische Synths mit dunklen Pop-Melodien zu ihrem unverwechselbaren Sound gemacht und verpackt in ihnen Verletzlichkeit, Ehrlichkeit und Intimität. Die Vergleiche schwanken zwischen Daughter, Sigur Ros und Art School Girlfriend, und auch wir haben ihr neues Album Gold erstmal ein wenig sacken lassen müssen. Dann haben wir jedoch die Möglichkeit ergriffen, um Tusks selbst was zu ihrer Musik erzählen zu lassen.

    Tusks im Interview

    Anna: You’ve been making music for some time now. How would you describe your new record in comparison to the last two?

    Tusks: I think it definitely feels more refined and mature than my previous two. I fully feel like I’m In my 30s writing it now. Like I was way younger making the first two. I think it’s richer, I think the songs are more developed and I think it sounds maybe more like the music I listen to a lot.

    Anna: Gold is an album full of contradictions that you also pulled from your personal experiences. Is there one that fascinated you the most, or one that made you struggle the most?

    Tusks: I think Strangers is the one that I struggle with most. The idea that you can be so close to someone for so long and then the relationship can end and you can just become strangers… Something about that just always feels so sad and gutting to me – even if its right to break up the relationship. Every time I sing it live it makes me sad in a different way to the other tracks.

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    „You will be OK.“

    Anna: What’s a learning you pulled from these experiences? Maybe we can learn something from them, too.

    Tusks: I think that you can always get through the things that felt like they would be too much to handle. I feel like experiences just come around again and again in life disguised as different things and you will be OK – even if it seems impossible.

    Anna: Your music is very ethereal, and it’s really easy to let myself just fall into it. How was the process behind the music for you?

    Tusks: I love losing myself in the process of writing and producing music. Normally, I’d take myself away to a secluded place, not talking to anyone for days. It all kinda flows out of me. Then I take it back to the studio and start producing it properly. This one was really fun to produce. We ran it through loads of tape machines and analog delays and got really creative with the recording side of things. That brought so much fun and energy to the process.

    Anna: Can you share songs (or artists) that recently made you feel like falling into them?

    Tusks: I really love Mk.gee’s new album ‘Two Star & The Dream Police’ – that feels really immersive.

    „Kinda like a daydream.“

    Anna: Your song The Way is addressed to anxiety and trying to accept the things you cannot change. Did writing the song and addressing it so clearly change something for you?

    Tusks: Yeah it did actually. The song is about realising that this is the way it was always going to be. Something about having that element of control or choice taken away from me really calms my anxiety. You just have to accept that this is how things are and this is what’s happened and move on. There’s no other choice really.

    Anna: Read The Room also feels like a very personal song. What is it about?

    Tusks: Yeah it is. Its another break up song – kinda more reflective and defeatist than the others on the album. It was all recorded in one take in this studio in Wales. Then I did a take of synths over the top through a Copicat Tape Echo which I think makes it feel way more lonely than the other tracks. Its meant to be a bit of an interlude. Kinda like a daydream.

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    „It would have been a completely different album

    Anna: In parts, the album was written amidst exceptional circumstances of 2020/2021. Do you feel like you would have written a different album if it wasn’t for Covid?

    Tusks: Yeah for sure – it would’ve just been a completely different album I think because there was such a pause on everything that I just wrote and re-wrote all the songs. I think maybe only two of the songs that made it onto Gold were in the original ten songs – Wake and Cold Storm (weirdly the first and last).

    Anna: What is the weirdest (or coolest) habit you picked up during the lockdown years?

    Tusks: Haha err I made a lot of pasta at home. But I feel like that’s something you can only really do when you have the time you have in a lockdown.

    Anna: For our last question we always ask for an untold story – something you’ve never shared in an interview before. Is there something you want to get off your chest now?

    Tusks: The middle 8 of strangers came about because I got covid just before we went in to record the album. I was living in this warehouse of 11 people at the time. The rule was if you got covid, you couldn’t leave your room. I tested positive for ten days so was in this room for ten days and it was literally like 2m x 3m. It was so bizarre. Luckily it had a huge window which looked out across London and we were on the top floor so there was an amazing view – one day I just watched this crane build a house for hours. But yeah – I wrote the middle 8 of strangers at that time too which I think is why its so full of angst and tension.

    „Full of angst and tension“, aber trotzdem wunderschön – wir können euch allen Tusks Album sehr ans Herz legen. Hört hier in Golden rein!

    Tusks, Gold, London, Singer Songwriter, Producer, Emily
     

    Fotocredit: Emily White

  • Declan McKenna mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    Declan McKenna mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    Drei Jahre nach Release seines Sophmore-Albums „Zeros“ ist Declan McKenna zurück mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    2015 gewann der gerade mal 16-jährige Brite den „Emerging Talents“-Wettbewerb des Glastonbury-Festivals und ist seither nicht mehr von den UK-Festivalbühnen wegzudenken. Mit der Kombination aus Upbeat-Sound und rockigen Elementen wird seine Musik oftmals mit Britpop verglichen. Aufrichtig, locker und ganz und gar nicht nullachtfünfzehn — Gerade für das Schreiben seiner politischen Texte (z.B. „British Bombs“ (2019), „Brazil“ (2015)) wird McKenna gelobt. Dabei richtet sich viel an seine eigene Generation.

    Nun veröffentlichte er sein drittes Studioalbum mit sechzehn Tracks, die mich in vielerlei Hinsicht überzeugt haben. Der Sound von „What Happened to the Beach?“ ist ein wenig anders als der seiner Vorgänger — experimenteller, aufregender und dennoch vertraut. Zwischen Beatles-Klängen („I Write The News“), 2000er-Indie-Rock Songs („The Phantom Buzz (Kick In)“) und typischen McKenna-Ohrwürmern („Nothing Works“, „Sympathy“) bietet das Album sehr viel Abwechslung. Von einer Platte, auf der sich jeder Song gleich anhört, fehlt hier jede Spur. Auf dem neuen Album herrscht ein entspannterer Vibe, als auf seinen Vorgängern. Die Songs sind langsamer und fühlen sich durchdachter an.



    “Opening up and embracing the simple things in life has helped me make something that is more authentically me than ever before.”


    „What Happened to the Beach?“ ist ein sehr persönliches Album, das nun mehr die Freuden als Katastrophen der Welt in den Fokus stellt. Für Declan scheint eine neue Zeit angebrochen zu sein, jene, die ihn befreiter Songs schreiben lässt. Er ist angekommen und selbstbewusster in dem, was er tut. Das Album beschreibt gleichermaßen die letzten Jahre, die nicht nur gobal sondern auch in persönlicher Hinsicht von Dunkelheit geprägt waren. In der Ballade „It‘s An Act“ zeigt sich diese emotionale und verletzliche Seite der Platte. 



    „If every song features a lyrical statement then it loses some of its impact, too. I haven’t let go of that aspect of myself but I don’t want to live out that style forever.”

    Das Album ist insbesondere von dem Ort geprägt, an dem es produziert wurde: dem sonnigen Los Angeles. Gefühle von Leichtigkeit und Sonnenschein, die Declan dort aufgesogen hat, lassen sich unter anderem auf dem Artwork wiederfinden, das übrigens ABBA-inspired ist. Musikalisch werden diese positiven Gefühle von den poppigen Tracks wie „Sympathy“, „Wobble“ oder „Elevator Hum“ eingefangen. 

    Mit „Mystery Planet“ folgen drei zusammenhängende Interludes, die nur auf der physischen Platte zu hören sind. Part I beginnt mit einem kurzen von Declan eingesprochenem Intro, dass später in den Song übergeht. Nach Track sieben folgt „Mystery Planet Pt. 2“, der sich eher nach kurzen abgehackten Ausschnitten anhört, um am Ende erneut den Song anzuteasern. Neben „I Write The News“ hört man auch hier die Beatles heraus. „Mystery Planet Pt. 3“ schließt das Album mit lauten, rockigen Drums ab. Als einer meiner Favoriten macht „The Phantom Buzz (Kick In)“ seinem Titel alle Ehre und ist mit seinen verzerrten Gitarren einer der rockigsten und energievollsten Songs auf dem Album. 

    „What Happened to the Beach“ ist trotz seines neuen Sounds ein klassisches Declan McKenna Album. Obwohl es im Gegensatz zu den vorhergingen Alben eher eine entspanntere Atmosphäre hat, wirkt die Platte durch seine experimentellen Einflüsse und psychedelischen Elemente viel aufregender und abwechslungsreicher. Ein Album, das von Anfang bis Ende durchdacht und vollendet wirkt, aber vor allem Spaß macht zu hören. 

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  • Leifs Jahresrückblick: Der Soundtrack, der jedes meiner Weihnachten bestimmt

    Leifs Jahresrückblick: Der Soundtrack, der jedes meiner Weihnachten bestimmt


    Alle Jahre wieder kehrt im Dezember die unvermeidbare Weihnachtsstimmung ein. Zwar hat sich über die Jahre hinweg eine Menge verändert und ein Weihnachten ist nie, wie das andere, trotzdem bleibt eine Sache bei mir immer gleich: Der Soundtrack. Deshalb möchte ich an dieser Stelle gar nicht in das turbulente Jahr 2023 zurückblicken, sondern über ganz besondere Weihnachtsongs schreiben. Von einigen habt ihr definitiv noch nicht gehört.


    Ein festgeschriebenes Ritual

    Vermutlich liegt es an Nostalgiegefühlen aus der Kindheit, warum gerade dieses eine Kompilationsalbum bei mir jedes Jahr aufs Neue rauf und runterläuft. Mit dem weihnachtlichen Schmücken des ganzen Hauses spätestens (!) gegen Ende November läutet meine Mutter traditionell die Weihnachtszeit ein. Das ist ein festgeschriebenes Ritual. Aber schon kurz vorher wusste ich als Kind, dass der besinnliche Zauber innerhalb der Folgeminuten erweckt werden müsste. Denn ich sah es. Das auf dem Phonoschränkchen drapierte, dunkelblaue, mit Sternen versehene CD-Hardcover. In der Mitte ein großer, nach Coca-Cola aussehender Weihnachtsmannkopf mit Sonnenbrille und oben der knallige Schriftzug: BRAVO Rock Christmas. Von diesem Augenblick wussten alle im Haus, dass bis zum Ende des Jahres kein Radio mehr gehört, sondern die Einstellung der Stereoanlage auf CD bleiben würde.


    Bares für Rares

    Spätestens in der ersten Weihnachtszeit nachdem ich von zuhause auszog, war ich mir um den Verlust dieses wertvollen Stücks Musik bewusst. Dieses Album brauchte ich also unbedingt selbst. Problem nur, dass ich keinen CD-Player, sondern lediglich einen Plattenspieler hatte. Denn der Gebrauchtmarkt war voller CDs, niemand aber schien eine Vinyl des Albums zu besitzen, geschweige denn loswerden zu wollen. Durch ein Angebot „eines der größten Online-Bestelldienste“ aber die Gewissheit: Dieses Album gibt es in Plattenform. Allerdings unheimlich teuer, weil selten (120€ während der Wintersaison – bekloppt!). Knauserig wie ich bin, habe ich mich von dem Preis so lange abschrecken lassen, bis auch das einzig verfügbare Exemplar aus den Anzeigen verschwunden war.

    Es dauerte einige Monate – ich gab die Hoffnung längst auf – da erblickte ich ein weiteres Exemplar im Internet. Dieses Mal wesentlich günstiger als das letzte. Das war meine Chance. Ich schlug zu und hatte somit Mitten im Hochsommer eine Weihnachtsplatte gekauft. Ein wenig hat es sich angefühlt, wie die Nadel im Heuhaufen gefunden zu haben. Das nächste Weihnachten konnte kommen.


    Eine Mischung aus Klassikern und purem Gold

    Wer bis hierhin gelesen hat, ist sicherlich an dem Soundtrack interessiert. Tatsächlich finden sich sehr viele Klassiker, wie Last Christmas, Driving Home for Christmas, White Christmas oder Do They Know It’s Christmas? auf dem Album. Zwar sind sie auf gar keinen Fall aus einer guten Weihnachtsplaylist wegzudenken, hier lassen sich die Juwelen aber einmal mehr zwischen den bekannten Hits finden.

    Viele traditionelle Lieder zeigen sich im Gewand der 80er. Schöne Beispiele sind da Little Drummer Boy von New Kids On The Block, Have Yourself A Merry Little Christmas von den Pretenders und Mike Oldfields rockige Fassung von In Dulci Jubilo. Hier trumpft aber vor allem Silent Night von Bros mit einer unfassbar guten Gesangseinlage auf. Bei 2:38 geht einem selbst beim Zuhören die Luft aus.

    Das Herzstück von BRAVO Rock Christmas ist meiner Meinung nach Another Lonely Christmas von Prince. Richtig gelesen. Prince, der aus den 80ern nicht wegzudenken ist, hat einen Weihnachtssong geschrieben. Nach Weihnachten hört sich der Song aber nun wirklich nicht an und auch der Text erzählt eher eine tragische Geschichte, als dass er von Schnee, Santa und Geschenken handelt. Die fast beängstigende Virtuosität von Musik-Genie Prince, der alles an dieser Produktion selbst gemacht hat, verleiht dem Song seine ganz eigene Besinnlichkeit. Nur ein einziges Mal live aufgeführt, ist dieser Song in meinen Augen also ein wirkliches Goldstück.


    Wo Rock draufsteht, ist auch Rock drin

    Dafür Gary Glitters Another Rock and Roll Christmas und Joys of Christmas von Chris Rea Paradebeispiele. Letzterer Künstler ist somit übrigens als einziger doppelt auf dem Album vertreten. Jeder kennt erwähntes Driving Home for Christmas, Joys of Christmas jedoch ist relativ unbekannt. Als gitarrenlastiger Blues-Rock Song bildet er den krönenden Abschluss des Soundtracks und ist als Rausschmeißer perfekt platziert. Der Song hört sich meines Erachtens nach genau dem Moment an, in dem man sich befindet, wenn man den Heiligen Abend gerade hinter sich gebracht hat. Leicht bis stark angetrunken, vollgegessen und allein draußen spazierend ein letztes Mal in die klare Sternennacht schauen und die Nachwirkungen des Weihnachtsstresses spüren, ehe es in den sich taub anfühlenden Zeitraum zwischen den Jahren geht.

    Da leider nicht alle dieses Album auf CD besitzen – auf Platte sowieso nicht – und es das Album nicht zum Streamen gibt, habe ich eine Playlist erstellt damit jede*r die Reise durch den besten Weihnachtssoundtrack aller Zeiten antreten kann. Für Fans von Klassikern, Rockmusik und 80er ist BRAVO Rock Christmas definitiv ein Tipp zum Reinhören.


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  • Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP „You Look Like You Can’t Swim“

    Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP „You Look Like You Can’t Swim“

    Warme, träumerische Melodien und sanfte Gitarrenklänge – Indie-Folk Singer- und Songwriterin Matilda Mann veröffentlichte im Juli ihre vierte EP „You Look Like You Can‘t Swim”. Eine sehr intime 5-Track-EP mit Songs, die aufrichtige Zuneigung, Verlust und den Weg den eigenen Platz in der Welt zu finden, thematisieren. 

    Die Newcomerin aus London macht Musik, die neben einer vertrauten Atmosphäre vor allem Geborgenheit schafft. Ihre sanfte und helle Stimme verleiht den Songs eine Leichtigkeit, die ziemlich gut zum Rest passt. Ihr ehrliches Songwriting und die damit verbundene Fähigkeit jegliche Emotionen in innige Texte zu verwandeln, lässt sie insbesondere als Songwriterin herausstechen.


    The Day That I Met You

    Der erste Song The Day That I Met You” ist mein persönlicher Favorit auf der EP. Im Song wird das Gefühl beschrieben sich viel zu oft allein zu fühlen. Der Gedanke, dass die ganze Welt gegen einen ist, wird durchbrochen durch das Begegnen dieser einen Person, die dich alle negativen Gefühle vergessen lässt. 


    I forgave the world the day that I met you.”


    Für mich ist der Song ein Paradebeispiel für ihr unglaublich gutes Songwriting: „It’s like lavender came and never left”. Muss ich da mehr sagen?

    Ihr Debut feierte Matilda Mann 2020 mit ihren EPs „If That Makes Sense“ und „Because I Wanted You to Know“. Ein Jahr später folgte die EP Sonder”. Seither war sie unter anderem mit Arlo ParksTom Grennan und dodie auf Tour und spielte bereits einige Headline UK-Shows. In der UK ist Matilda also längst als Newcomerin angekommen. Im August spielt sie auf der renommierten BBC Introducing Stage beim Reading & Leeds Festival, die schon einigen britischen Künstler*innen zum Erfolg verholfen hat. Auf den Streaming-Plattformen sieht es mit mehreren Millionen-Streams auch nicht schlecht aus. 


    In Plain Sight

    Stellt euch vor, ihr lauft an einem Spätsommerabend an einem Sonnenblumenfeld vorbei, während die Sonne schon tief am Himmel steht. Und durch eure Kopfhörer dröhnt dieser eine Song, der euch an eure Lieblingsperson erinnert. Jawoll, super kitschig, aber „In Plain Sight“ fühlt sich genau danach an  – mit seiner unfassbar positiven Energie wird der Track zu einer indie-folk Hymne über die eine große Liebe.


    Margaux & If Only

    Mit „Margaux“ beschreibt Matilda die Abwesenheit eines wichtigen Menschen und die Gefühle, die mit dem Verlust einhergehen: „Margaux left and nothing felt the same.“ Während ihre fast flüsternde Stimme im Fokus steht, ist der musikalische Track mit sanften Akustikgitarrenklängen eher simpel gehalten. Trotz der Thematik klingt der Song aber alles andere als traurig.

    Den melancholischen Part auf der EP übernimmt der vorletzte Track If Only“. Eine schmerzvolle Ballade, die vor allem durch die Streicher ihre epische, träumerische Atmosphäre bekommt.

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    You Look Like You Can’t Swim

    Der Titelsong der EP ist laut der Newcomerin eine Metapher, um zu sagen, dass jemand nicht danach aussieht etwas schaffen zu können. Während es so scheint, als hätten alle anderen ihren Platz in der Welt bereits gefunden, ist man selbst ein Fisch im Meer, der nicht schwimmen kann. Neben Selbstzweifeln äußert sie im Song die Angst, nie genug zu sein. „You Look Like You Can’t Swim“ steckt voller Ehrlichkeit und Mut.


    It seems an awful waste to give me so much space

    I never seem to know exactly what’s my place.“


    Für das Musikvideo hat Matilda selbst Regie geführt und es geschafft, die Entschlossenheit und Zweifel im Song visuell darzustellen. Die Protagonistin, die von Matilda selbst gespielt wird, versucht sich immer wieder in Wasser zu wagen. Der Weg dahin kostet sie Überwindung und zeigt wie sie scheitert, aber dennoch niemals aufgibt. In den letzten Sequenzen des Videos sieht man Matilda, wie sie es letztendlich schafft zu schwimmen. 

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    Foto Credits: Caity Krone

  • Lena&Linus im Interview: »Es ist fast therapeutisch, schwere Gefühle in Songs festzuhalten«

    Lena&Linus im Interview: »Es ist fast therapeutisch, schwere Gefühle in Songs festzuhalten«

    Zarte Stimmen, ehrliche Texte und leichte Gitarrensounds – wer da keine Gänsehaut bekommt, dem weiß ich auch nicht mehr zu helfen. Die Musik von Lena&Linus löst bei mir auf jeden Fall immer wieder aufs neue Gänsehaut-Momente aus. Das Duo aus Würzburg hat im Oktober letzten Jahres ihre erste Single „Emilie“ veröffentlicht und erobert seitdem mit jeder neuen Single die Herzen der deutschen Indie-Pop-Liebhaber*innen. Ich habe Lena&Linus vor ihrem Auftritt beim Pop Salon in Osnabrück getroffen und mit ihnen über ihre EP „Fühlst du dich allein?“ geredet.

    Lena&Linus im Interview

    Anna: Hi ihr beiden! Schön, dass ihr euch vor eurer Show beim Pop Salon hier in Osnabrück die Zeit genommen habt. Ihr kommt ja beide aus Würzburg. Kennt ihr Osnabrück? Wart ihr schon mal hier oder habt ihr eine Verbindung zu der Stadt?

    Lena: Also, ich war einmal in Osnabrück, aber es ist bestimmt zehn Jahre her. Und unsere Connection ist unser lieber Schlagzeuger Jan, der hier in Osnabrück studiert.

    Linus: Ich bin das erste Mal in Osnabrück und find’s bisher ganz entspannt hier.

    Glücklicher Zufall oder Schicksal?

    Anna: Mögt ihr vielleicht die Geschichte erzählen, wie aus euren beiden Soloprojekten jetzt das Duo Lena&Linus geworden ist.

    Linus: Also ich habe so während des Lockdowns 2020 angefangen Musik zu machen. Ich habe dann im April meine erste Single rausgebracht und darauf hat mich Lena angeschrieben und gefragt: „hey, wollen wir nicht zusammen einen Song machen?“ Und da haben wir uns dann mal getroffen, haben Musik gemacht, hatten dann auch eine Band, aber dieser Gedanke vom Duo war irgendwie noch nicht so präsent. Der entscheidende Punkt war dann eigentlich erst, als wir Tim getroffen haben, unseren Produzenten. Da habe ich Lena ein bisschen begleitet, als sie vorgesungen hat. Das war total spontan. Und dann war Tim so: Das ist super sweet, das müssen wir als Duo machen! So ist es von meiner Seite zum Projekt gekommen. Also eigentlich war es ein Geistesblitz von Tim.

    Anna: Ein glücklicher Zufall also.

    Linus: Ja, ich war eigentlich ungeplant.

    Lena: Ungeplant, aber trotzdem erwünscht.

    Anna: Ich hab mich natürlich vorher durch eure EP „Fühlst du dich allein?“ durchgehört und das erste, was ich gedacht habe war, dass es super viel um Herzschmerz geht. Vermissen, Trauern und Fragen, die man sich dann so stellt, sind die Themen, die man dort sehr stark wiederfindet. Da hab ich mich gefragt, ob das bei euch so ein bisschen wie Tagebuchschreiben ist. Könnt ihr mit dem Gefühl abschließen, wenn ihr einen Song fertig geschrieben habt? Oder kommt das immer wieder hoch, wenn man den Song live singt?

    Linus: Es ist irgendwie schön, Worte über so schwierige Situationen einfach mal niederzuschreiben, finde ich. Es hilft mir sehr viel, auch so schwere Konzepte und schwere Gefühle einfach mal zu binden – in dem Sinne, dass es ist für mich fast schon therapeutisch ist, das einfach mal so festzuhalten. Aber wenn man dann die Songs öfter spielt, geht es viel weniger irgendwie darum, das Gefühl jetzt nochmal aufzumachen oder so, sondern es ist für mich schon gebunden. Mir geht es viel mehr darum, dass es irgendwie cool wirkt oder dass man denkt eher an die Performance als an den Text.

    Lena: Ja genau. Man hat so eine Verknüpfung an den Song. Also man fühlt ihn schon, aber es ist jetzt nicht wie eine Wunde, die nochmal aufgemacht wird.

    Linus: Das Pflaster ist schon da und wir reißen es live quasi nicht ab, sondern versuchen es möglichst fehlerfrei rüberzubringen.

    „Ich bin ein introvertierter, extrovertierter Mensch“

    Anna: Zurück zum Titel der EP: Könnt ihr gut alleine sein?

    Linus: Ja und nein, würde ich sagen. Kannst du gut alleine sein, Lena? Ich glaube, du kannst echt gut alleine sein.

    Lena: Ja, komm drauf an… Also, manchmal habe ich keine guten Tage. Da bin ich nicht gerne allein, aber auch nicht gerne unter Menschen. Aber sonst bin ich schon gerne alleine, ja.

    Linus: Da kann ich mich anschließen. Ich genieße meine me-time sehr. Aber ich liebe es auch mit Leuten zu sein. Und es gibt mir auch immer super viel. Also ich bin ein introvertierter, extrovertierter Mensch.

    Lena: Das ist auch so, die Abwechslung ist gut. Wir sind super viel unterwegs gerade. Und wenn wir dann daheim sind, ist es mega geil. Ist man dann aber zwei Wochen am Stück alleine und hat nichts, ist es nicht mehr so geil.

    Das ultimative Mittel gegen Einsamkeit

    Anna: Habt ihr denn ein bestimmtes Mittel, was euch hilft gegen das Einsamkeitsgefühl?

    Lena: Schlafen – also jetzt for real. Das hilft.

    Linus: Ja, aber ich habe in dem Sinn auch zwei Mittel fast meinen Freundeskreis, weil diese Freunde wohnen direkt bei mir in der Nähe. In meiner Straße sogar. Liebe Grüße an Nico an dieser Stelle. Der klopft halt einfach mal an meinem Fenster und ist dann sogar ein paar Mal zufällig da gewesen, wenn es mir echt mies ging. Aus’m Fenster raus ruft er auch einfach mal: „Ey, lass nen Kaffee trinken, lets go.“ Und das hat mich dann oft einfach rausgebracht. Also meine Freunde sind da eine große Hilfe.

    Anna: Das ist doch schön! Ich möchte jetzt auch weg von den traurigen Themen. Der letzte Song auf eurer EP „Irgendwie auch schön“ bringt ja totale Frühlingsgefühle hervor. Könnte das ein Vorbote auf die kommenden Songs sein?

    Lena: Das ist eine interessante Frage. Von den Gefühlen, die es auslöst, würde ich sagen: Ja. Musikalisch machen wir gerade noch ein bisschen anderes Fass auf.

    Linus: Also vom Sinn, dass es ein bisschen schneller wird und ein bisschen Uplifting ist und so eine Grundstimmung da ist. Da werden die nächsten Songs auf jeden Fall anknüpfen.

    Lena: Ein paar davon bleiben auch traurig natürlich.

    Linus: Aber musikalisch wird das Ganze ein bisschen größer alles und ein bisschen mehr und wir sind ganz gespannt, was die Leute so denken.

    Lena: Ich bin schon etwas aufgeregt.

    Anna: Im Herbst geht ihr ja dann auch auf Tour. Kommt bis dahin noch eine EP raus?

    Linus: Das dürfen wir zum Glück schon sagen: Ja!

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    Anna: Habt ihr einen Guilty Pleasure Song?

    Linus: Also ich find viele Udo Jürgens Songs einfach mega geil. Ich find es auch mega geil, dass er bei seiner Zugabe immer im Bademantel auf die Bühne gekommen ist. Also vielleicht Udo Jürgens. Aber das ist auch, weil meine Mama viel Udo Jürgens gehört hat.

    Lena: Also ich hör halt einfach unglaublich gerne so richtige Pop-Musik, wo vielleicht viele Musiker*innen eher sehr skeptisch gebenüber sind. Aber ich find es ganz cool, einen Popsong zu schreiben.

    Diese Newcomer*innen solltet ihr euch merken

    Anna: Habt ihr passend dazu auch noch eine aktuelle „gute“ Musik Empfehlung parat?

    Linus: Oh ja! Man kann es nicht oft genug sagen, weil er ein guter Freund von uns ist und ein ganz interessanter Newcomer. Zwei sogar, um genau zu sein: Otto Luft. Das ist der eben genannte Freund, der mich aus meinen schlechten Phasen herausbringt. Sein Track „Secco Mate“ ist gute Laune pur. Und der zweite ist Udo West. Er macht so NNDW-Musik und beide kommen aus Würzburg.

    Lena: Er ist wirklich der größte Star auf der Welt und auch wie er sich auf der Bühne bewegt. Wir teilen uns auch den Schlagzeuger.

    Linus: Er ist der beste Frontmann und das ist einfach Musik, die noch nicht so viele Leute kennen, aber die viele Leute kennen sollten.

    Lena: Und noch ein Geheimtipp von mir: marita hat letztens ihren ersten Song rausgebracht, ist auch bei uns im Label und ich glaube, da kommt noch großes.

    Anna: Die kenne ich alle noch nicht und werde sie mir auf meine Liste schreiben. Seid ihr bereit für eine Entweder-Oder-Fragerunde?

    Linus: Auf jeden Fall!

    Anna: Nike oder Adidas Sneaker?

    Lena: Nike – auch wenn ich gerade Adidas trage.

    Linus: Ich sage Adidas.

    Anna: Mio Mate oder Club Mate?

    Linus: Club Mate.

    Lena: Mio!

    Anna: Ja, das ist nicht einfach. Hamburg oder Paris?

    Linus: Ich war noch nie in Paris.

    Lena: Ich war auch noch nie in Paris, aber safe Paris!

    Linus: Ja, fair (lacht).

    Lena: No front, aber ja … (lacht)

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    Anna: Call me by your name oder Little Woman?

    Lena: Little Woman.

    Linus: Call me by your name, einfach weil ich den öfter gesehen habe. Ich hab den schon zwölf Mal gesehen.

    Lena: Hmm ja, stimmt … Gleichstand, wenn es geht.

    Anna: Naa, das lasse ich gerade mal so durchgehen. Instagram oder TikTok?

    Linus: Also zum Verblöden TikTok, weil es einfach unendlich weitergeht.

    Lena: Aber ich hätte auch gesagt, deshalb Instagram. TikTok ist einfach so: Du machst es auf und es schreit dich an und dann schreit es dich auch drei Stunden lang an … also ja, Instagram.

    Linus: Instagram ist halt auch cooler, um mit Freunden zu connecten und so. Aber wenn ich einfach nur dumm rumliegen will und Videos schauen, dann TikTok.

    Anna: Akustik- oder E-Gitarre?

    Linus: Puh, schwieriges Thema.

    Lena: Für mich auch.

    Linus: Akustikgitarre ist halt einfach. Klingt immer irgendwie ganz geil. Ist charmant, aber mit E-Gitarre kann man so viel mehr machen. Aber weil ich momentan mehr Akustikgitarre spiele, sage ich Akustikgitarre.

    Lena: Ich nehm die E-Gitarre.

    Auf einen Kaffee mit Jeremias

    Anna: Die letzte Frage: Habt ihr noch eine untold story parat?

    Linus: Ich glaube, eine Geschichte, die wir noch nie erzählt haben, ist unser erstes Treffen mit Jeremias. Das ist schon witzig eigentlich. Wir hatten das erste Treffen mit unserem Produzenten, wo eigentlich ja nur Lena eingeladen war und ich war so dabei. Dann habe ich einen Kaffee getrunken mit Tim und davor waren wir halt auch super aufgeregt. Und Tim produziert auch für Jeremias. Da dachten wir schon so: Vielleicht treffen wir irgendwann dann mal Jeremias.

    Lena: Also wir waren so krasse Fans von Jeremias. Also sind wir natürlich irgendwie immer noch.

    Linus: Aber an dem Tag haben wir noch drüber geredet, wie cool das wäre, mal Jeremias kennen zu lernen und so. Dann sitzen wir da so draußen. Es war September in Berlin und trinken Kaffee und dann fährt ein Auto vorbei und Tim winkt. Wir fragen so: Wer war denn das? Und Tim nur: Ach, das war Jeremias.

    Lena: Und wir waren innerlich so richtig aufgeregt und äußerlich nur so: Ah cool (lacht).

    Linus: Und dann stand der gute Jeremias Heimbach einfach bei uns am Tisch und meinte zu Tim: hey, ich wollte meinen Synthie abholen. Ich bin ein bisschen früh. Und dann haben wir zusammen Kaffee getrunken – am ersten Tag direkt. Ich sollte gar nicht dabei sein.

    Lena: Und er hat sich eine Zigarette von meinem Tabak gedreht. Es war cool.

    Linus: Das war so die erste Berührung mit der Musikindustrie. Und das war dann irgendwie schon ganz krass. Wir verstehen uns aber richtig gut. Ganz liebe Grüße.

    Anna: Ja, also demnächst mal ein Feature?

    Linus: Also das können wir jetzt natürlich nicht sagen, aber vielleicht. Jeremias hat uns gestern in sein Studio eingeladen.

    Anna: Oha, ich bin gespannt! Das war es von meiner Seite aber auch schon. Wollt ihr noch was loswerden?

    Linus: Leute, wir spielen im September unsere erste eigene Tour. Es wird ganz intim. Kleine Läden mit Band, nicht nur zu zweit. Und wir würden uns richtig freuen, falls ihr unsere Musik mögt, dass ihr vorbeikommt.

    Anna: Ja, dann bedanke ich mich bei euch für das Interview und freu mich auf den Auftritt!

    Linus: Danke dir, Anna. Wir sehen uns!

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    Fotocredit: Paula Tauber & Anna Niere

  • untoldency proudly presents: Shygirl am 06.12.2022 in Berlin

    untoldency proudly presents: Shygirl am 06.12.2022 in Berlin

    Wie spannend kann Female Rap sein? Seeeeeeeeehr!! Das beweist uns unsere heutige Konzertpräsentation. Denn wir laden euch ein zum Konzert von Shygirl am kommenden Dienstag, den 06. Dezember 2022 im Astra Kulturhaus. Die britische Künstlerin hält auf ihrer World Tour in nur 5 europäischen Städten und Berlin gehört glücklicherweise dazu! Bevor also der Hype um die unglaubliche versatile Künstler*in zu groß wird, um Tickets zu bekommen, schlagt noch schnell zu über unsere Ticketverlinkung!


    Britische Extravaganz!

    Es ist irgendwie immer das Gleiche: Das Essen ist scheiße, aber die Musik unglaublich gut. Während die USA immer besser darin wird, massenweise weichgespülten Hip Hop durch die Radios zu schleusen, bringt Großbritannien, insbesondere London, immer wieder spannende musikalische Projekte hervor (Ed Sheeran ausgenommen). Shygirls erste Singles umspielten ganz intuitiv dem sich allmählich etablierenden Hyperpop. Doch auf dem zuletzt erschienenen Album „Nymph“ zeigt die Sängerin und Rapperin ihre Vielfältigkeit. Alles ist möglich und nichts klingt erzwungen! Die Leichtigkeit mit der Shygirl ihre Stimme butterweich über die genre-bending Instrumentals legt, macht unglaublich viel Spaß! Zudem umgibt die Britin eine unglaublich spannende Künstlerpersönlichkeit, die sekundenweise mit veralteten Stereotypen bricht.
    Ach, es ist eigentlich ganz leicht: Holt euch Tickets und genießt mir euren eigenen Ohren und Augen!

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    Tourdates

    Verfolgt Shygirl auf all ihren Socials wie zum Beispiel Instagram oder Spotify und denkt daran euch Tickets für das Konzert am 06.12.22 zu holen. Noch ist der Hype überschaubar und die Ticketpreise moderat.

    Nicht lang schnacken, kauft Shygirl Karten!

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  • Ottolien im Interview: »Wir bauen gerne Easter Eggs ein, die die Songs für uns noch persönlicher machen«

    Ottolien im Interview: »Wir bauen gerne Easter Eggs ein, die die Songs für uns noch persönlicher machen«

    Die Brüder Leo und Jonas machen seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik und seit Ende 2018 auch ganz offiziell als Duo Ottolien – das ist übrigens der Nachname. Ehrliche Texte mit fast poetischen Anmutungen sind das Fachgebiet der beiden. Besonders interessant wird es durch den Mix aus Leos weicher Singer/Songwriter-Stimme und Jonas’ Rap-Parts — eine Energie, die man sonst eher selten findet.

    Ich habe Leonard und Jonas Ottolien zum Interview getroffen. Nach einem wunderschön anstrengendem Festivalwochenende auf dem KiezKultur in Hannover sitzen wir am Sonntagnachmittag noch etwas verkatert und körperlich mitgenommen bei einer Fritz Kola im Biergarten Gretchen. Wir reden über die musikalische Kindheit der beiden Brüder, die Entstehung ihrer Songs, Fetzenfische und was diese Tiere mit den Ottolien zu tun haben.

    Ottolien im Interview

    Anna: Hallo ihr beiden! Schön, dass ihr euch heute die Zeit für das Interview nehmt. Ich hoffe ihr seid nicht mehr zu mitgenommen vom Festivalwochenende. Ich bin auf jeden Fall noch recht überwältigt von den ganzen Eindrücken. Aber es soll ja jetzt um euch und eure Musik gehen. Wir kennen uns zwar schon, aber mögt ihr euch noch einmal vorstellen?

    Leo: Ja, klar, voll gerne! Wir sind die Ottolien – das ist unser Nachname. Wir sind Brüder. Ich bin Leo.

    Jonas: Ich bin Jonas.

    Leo: Unsere Musik ist eine Mischung aus Indie, Pop und Rap, wo wir beide quasi als Lead, Jonas als Rapper und Sänger und ich als Sänger fungieren. Also, beide stehen vorne und singen in Parts. Wir kommen aus Hannover und haben gerade unsere zweite EP released.

    Das Buch zur Band: „Wir tun uns so gut (weh)“ – demnächst in der untold Buchhandlung eures Vertrauens

    Anna: Wenn eure Musik ein Buch wäre, welchen Titel hätte das Buch?

    Leo: Oha, das ist ja direkt eine schwierige Frage am Anfang … (überlegt sehr lange) Vielleicht so in die Richtung „Wir tun uns so gut (weh)“.

    Jonas: Ja, irgendwie so dieses Brüder-Ding auf jeden Fall.

    Leo: Ok, gehen wir erstmal vom Cover des Buches aus. Da haben wir eine genauere Vorstellung, weil wir in einem Video letztens eine Einstellung gefunden, wo wir dachten, dass es voll das gute Cover ist. Da stehen wir uns gegenüber, aber eine Säule ist zwischen uns und wir nehmen uns in den Arm. Die Säule ist quasi zwischen unseren Gesichtern. Wir sehen uns nicht, haben uns aber trotzdem im Arm. Beim Titel würde ich jetzt erstmal bei „Wir tun uns so gut (weh)“ bleiben. Es ist jetzt natürlich nicht die Musik selber, sondern eher auf uns als Brüder bezogen.

    Jonas: Ich finde das passt schon sehr gut dazu, wie wir uns als Band fühlen. Aber jetzt nicht so direkt auf die Musik bezogen.

    Anna: Ihr könnt ja auch zwei Bücher rausbringen.

    Leo: Auch eine Idee, aber ich habe als erstes gedacht, dass es ein Buch ist, dass von hinten und vorne gelesen werden kann. So ein Wendebuch quasi und dann auf den Aspekt eingehen, dass es zwei Seiten hat. Man neigt dazu es so plump auszudrücken. (damit wirkt er noch sichtlich unzufrieden und überlegt lange weiter) Jon, von dir kommt ja gar nichts!

    Jonas: Ja, ich habe irgendwie auch nicht so die Idee. Das ist schonmal ein top Ansatz, aber der Titel fehlt mir auch.

    Anna: Wenn euch im Laufe des Gesprächs noch ein anderer Titel einfällt, werft ihn einfach rein. Gehen wir jetzt erst einmal ein bisschen zurück in der Zeit, und zwar in eure Kindheit. Habt ihr auch schon als Kinder zusammen Musik gemacht? Liegt es bei euch in der Familie?

    Jonas: Wir haben tatsächlich schon als Kinder zusammen Musik gemacht. Wir haben ganz früh angefangen. Ich glaube, Leo war sieben und ich war fünf. Da haben wir angefangen mit Gitarre spielen. Wir hatten einen sehr coolen Gitarrenlehrer. Das war damals ein 19-jähriger Metal-Typ mit langen Haaren und Metallica Shirt, der uns nicht irgendwie die Noten vor die Augen gelegt hat und gesagt hat, dass wir die auswendig lernen sollen. Wir haben irgendwie direkt angefangen Songs zu schreiben und mit dem Würfel Akkord-Reihenfolgen zu würfeln. Dann hatten wir super schnell unseren ersten Song geschrieben. Wir haben dann auch zusammen für Familie und Freunde was vorgespielt. Also irgendwie schon voll früh so kleine Mini Gigs gehabt.

    Leo: Und dann aber auch vor richtigen Publikum sehr schnell. Wir waren schon so als Singer Songwriter Duo unterwegs und haben da auch so Songwriting- und Kompositions-Wettbewerbe mitgemacht. Das war das „Treffen junge Musikszene“. Und das war so die große weite Welt für uns mit zwölf und zehn Jahren. Genau und da waren wir. Aber in der Familie liegt es nicht. Also unsere Eltern machen keine Musik.

    „Ein Fetzenfisch ist eigentlich nur ein hässliches Seepferdchen“ – und was das Tier mit den Ottolien zu tun hat

    Anna: Hattet ihr damals auch schon einen Namen für euer Duo? Hießt ihr auch schon die Ottolien?

    Jonas: Ne, wir hießen „Phyllopteryx“ – der lateinische Begriff für Fetzenfisch, weil wir gefetzt haben. Also fetzige Musik gemacht haben.

    Leo: Ein Fetzenfisch ist aber eigentlich nur ein hässliches Seepferdchen. Es sind quasi Seepferdchen. Die tarnen sich indem sie sich nicht bewegen. Also die sind quasi urzeitliche Seepferdchen und sehen aus wie im Meer treibende Algen. Damit haben wir uns dann irgendwie ein bisschen identifiziert. Wir haben halt irgendwie so Singer Songwriter Punk gemacht – also sind schon gut abgegangen, waren aber halt irgendwie noch diese kleinen Pimfe. Wir waren quasi die letzten Fische, die jemand für kleine Mini Algen hält. (lacht)

    Jonas: Es konnte einfach niemand aussprechen und es hat auch niemand verstanden, aber wir fanden es damals cool.

    Anna: Und deswegen heißt ihr jetzt Ottolien.

    Leo: Ja, genau. Immer noch sperrig, aber weit aus mehr catchy.


    Kurzer redaktioneller Kommentar an dieser Stelle: Meine investigative Ader war getriggert nach der Band „Phyllopteryx“ zu googlen. Natürlich wurde ich direkt fündig und konnte alte Schätze ausgraben. Denn die beiden haben es sogar in den Spiegel geschafft unter dem Titel „Jonas und Leonard – die Punkrocker“. Den Artikel verlinke ich euch mal ganz unverbindlich hier. Schaut einfach mal selbst, wie Leo und Jonas so mit 11 und 13 aussahen. Mein Favorit ist allerdings der Name ihres damaligen Songs: „Kanzler von Deutschland“. Catchy, Jungs, catchy. Und Leo, wenn du immer noch Musikjournalist werden möchtest – unsere Türen stehen dir jederzeit offen. Ach und Fetzenfische finde ich eigentlich auch ganz süß. Ich übergebe wieder an Interview-Anna.


    Anna: Kommen wir jetzt mal wieder in die Gegenwart zu eurer EP „Gezeitenland“. Wie muss ich mir den Prozess vom Songschreiben bei euch vorstellen: Wie läuft das ab? Einer schreibt die Texte und der andere sagt „ist gut, lass mal aufnehmen“?

    Leo: Zum Glück nicht mehr. Also das war manchmal so, oder? Obwohl …

    Jonas: Das ist eigentlich immer ein bisschen durchmischt. Also mal ist so der erste Grundstein gelegt, wenn Leonard mal ein paar Textschnipsel hat oder wenn ich einen Beat habe oder wenn ich mal ein paar Texte oder Leonard Akkorde auf der Gitarre. Es geht quasi immer von einer Seite irgendwie los.

    Leo: Also früher haben wir gedacht, jetzt müssen wir immer genau alles auf uns beide aufteilen in den Songs, dass ich da einen Part haben muss und dann muss Jonas noch mal was rappen. Aber so ist das nicht mehr. Wir haben uns davon auch komplett gelöst. Für uns steht jetzt der Song im Vordergrund und nicht die Aufteilung der Parts. Es ist zwar schon meistens so, dass ich ein bisschen mehr Texte schreibe. Aber das kommt auch einfach, was Jonas produziert und ich sehr old school mit Stift und Block texte. Das heißt aber auch nicht, dass Jon gar nicht textet.

    Zwischen verschachtelten Texten und klaren Botschaften

    Anna: Sind euch eure Texte nicht manchmal zu persönlich?

    Leo: Woah (überlegt) … bisher noch nicht. Also, ich weiß nicht, wie das so nach außen wirkt, aber ich habe zumindest für mich immer noch so eine Verschachtelung drin. Da versteht man, glaube ich, das Grundgefühl, ohne dass es zu persönlich wird. Aber ich glaube so persönlich, dass es andere Menschen betrifft und irgendwie eine Grenze überschreiten könnte, wird es nicht. Also die Songs sind schon nah dran. Aber wir kriegen es, glaube ich, immer noch hin, dass man es nicht checkt. Ja, oder? Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, Jon.

    Jonas: Also ich finde zum Beispiel „Autoscooter“ ist jetzt gar nicht so verschachtelt. Das ist relativ obvious der Song für meinen besten Kumpel. Ich bin eigentlich voll der Fan von richtig persönlichem Kram. Ich finde es irgendwie cool, das in einem Song dann noch weiter kommunizieren zu können, was ich meinem besten Freund jetzt vielleicht nicht so direkt ins Gesicht gesagt hätte.

    Leo: Ich habe auch das Gefühl, dass wir in manchen Songs, die vielleicht gar nicht so persönlich wirken, immer so Easter Eggs für uns selbst einbauen im Text. Die wirken dann vielleicht nach draußen gar nicht so, sind aber für uns voll nah dran, aber im Gesamtkontext werden sie gar nicht so klar beim Zuhören. Also wir haben glaube ich, da ganz viele Sachen, die nur wir wissen können und die wir auch dann nicht groß revealen, die im Gesamtkontext dann vielleicht ganz anders wirken. Aber dadurch wird es halt nicht für mich, nicht irgendwie zu persönlich. Finde es trotzdem schön, dass die Songs so persönlich rüberkommen.

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    Anna: Jonas, du hast ja gerade schon „Autoscooter“ angesprochen. Wie kam es dazu, dass ihr diese Aufnahmen von euch als Kind oder Jugendliche mit drin hat? Und war das einfach zuverlässig oder wie habt ihr die wiedergefunden?

    Jonas: Ja, da geht erstmal ein ganz großes Shoutout an Nicole, die mit uns früher in einer Dorf Clique war und ist. Sie ist auf jeden Fall eine lebende Festplatte, was das angeht. Ich habe ihr nur mal den Song geschickt und gefragt, ob sie zu Fabo, meinem besten Freund, noch ein paar O-Töne hat, die ich reinmixen kann. Und keine zwei Stunden später hatte ich eine Dropbox mit tausenden Videos vom alten Sony Ericsson bis zum Samsung Galaxy S2. Und da war dann unter anderem ein Video dabei, wo wir eben im Riesenrad sitzen und genau da in die Ferne gucken und diese Industrie sehen. Wir philosophieren darüber, was das denn sein könnte. Genau. Da hat sich dann irgendwie so angeboten. Es passte einfach zu dieser Kirmes Thematik vom Song.

    Eine Ode an den besten Freund und die Naivität der Kindheit

    Leo: Als Jonas das dann ausgewählt hatte, hab ich da auch direkt was reininterpretiert. Ich glaube als neutrale Hörer*innen funktioniert das auch super gut. Das hat so was apokalyptisches am Ende. Ich stell mir immer so vor, dass so drei Kinder im Riesenrad sitzen und gucken, was übrig geblieben ist von der Welt. Das passt perfekt an das Ende. Und irgendwie finde ich, dass dann der Song ganz anders wirkt und gar nicht mehr so eine persönliche Mini Geschichte zwischen euch beiden ist. Das ist halt meine Sicht auf den Song, der ja fast komplett nur von Jonas kommt.

    Anna: Auf einen Song wollte ich noch eingehen: „Franka und Laurin„. Basiert das auf echten Personen? Also wer sind Franka und Laurin? Wenn ihr das teilen möchtet.

    Leo: Das lassen wir offen. Also es basiert auf wahren Personen. Dazu finden wir aber auch die Namen ziemlich nice.

    Wo ist das Ottolien Song-ABC hin?

    Anna: Ich hab’s mir schon fast gedacht. Aber der Song funktioniert durch die beiden auf jeden Fall sehr gut. Wovon ich aber längere Zeit schon nichts mehr gehört habe, ist euer Song-ABC. Gibt es das noch? Was ist daraus geworden?

    Leo: Das fragen wir uns auch immer wieder. Ich schätze mal, dass es eher was Saisonales ist, dass wir immer mal wieder auspacken. Wir haben es immer so ein bisschen gestückelt. Also immer, wenn wir eigene Songs rausbringen, pausiert das ABC. Wir sind auch noch gar nicht so weit im Alphabet vorangeschritten. Wir müssten bei F sein. Die Resonanzen waren immer richtig cool. Auch die Leute, deren Songs wir gecovert haben, aber auch immer irgendwie reagiert. Das war total nett. Das war echt cool, auch so Reaktionen von den Madsen hatten und von L-Goony. Also so ganz Verschiedene. Ich finde das Format immer noch cool und ich schätze mal, dass wir es jetzt im Winter wieder aufleben lassen.

    Anna: Da bin ich ja mal gespannt! Ich habe noch zwei Entweder-Oder-Fragen für euch. Die erste lautet: Eure Songs lieber komplett durchproduziert oder lieber Akustik spielen?

    Jonas: Komplett durchproduziert!

    Leo: (zögert erst) Bei mir auch mittlerweile.

    Jonas: Es macht dann mehr Spaß auf der Bühne, wenn man richtig tanzen und abgehen kann. Das fehlt mir bei dem Akustik Ding. Das ist eher ruhig und beseelt und schunkelnd. Aber ich finde es springend cool.

    Anna: Ok, das kann ich verstehen. Frage Nr. 2: Großstadt oder Dorf?

    Leo: Großstadt mit Option auf Dorf bei schlechter Laune. Zählt das?

    Anna: Naja, eigentlich nicht …

    Leo: Ok, Großstadt!

    Jonas: Dorf bei mir – ganz klar.

    Anna: Ich habe es mir ein bisschen gedacht.

    Leo: Das ist so unser Running Ding. Jonas kann sich nicht so richtig vorstellen zum Beispiel irgendwann mal nach Berlin zu gehen oder so. Mal gucken. Aber es ist ja genau die Mischung, die wir in uns tragen. Also ich finde es auch ganz cool, dass du so commited bist. Es hat ja auch Gründe. Du bist viel verwurzelter zu Hause noch.

    Jonas: Meine Kumpels und ich haben quasi eine Art mündlichen Pakt geschlossen, dass wir alle spätestens zum Lebensherbst oder zum Lebensabend wieder im Heimatdorf einkehren. Und ob das jetzt wirklich passiert, mal gucken. Aber ich habe halt einfach noch einen sehr aktiven, großes Freundeskreis aus Schulzeiten und das finde ich ganz schön. Dann bin ich auch gerne da.

    Leo: Das ist bei mir nicht mehr so krass verwurzelt. Das ist bei mir viel mehr auseinander gesplittet, also auch geografisch. Aber ich habe einfach hier in Hannover meinen festen Kreis. Sowohl freundschaftlich als auch musikalisch ist es hier mein Hauptort mittlerweile.

    Die Ottolien und ihr klimapolitischer Song

    Anna: Ich habe auf eurem Spotify Account noch das Album „no music on a dead planet“ gefunden, was ja so Kollaboration mit mehreren Artists war. Wie kam es dazu und warum? Warum war es euch wichtig, da was beizusteuern?

    Leo: Dazu kam es einfach durch die Organisation Culture Declares. Daraus ist dann ein kompletter Hannover Sampler entstanden. Und dadurch, dass wir noch nie auf so einem Sampler dabei waren und wir das schon cool fanden, haben wir uns direkt gemeldet. Wir wollen auch für eine klimagerechte Zukunft stehen als Band und zeigen, dass wir uns auch für Klimapolitik interessieren. Da wollen wir einfach auch zu stehen. Und die zweite Sache war, dass wir eine Challenge hatten, da recht schnell dann einen Song dazu zu schreiben. Das war irgendwie cool, weil wir das erste Mal auch so ein bisschen den Inhalt vor die Produktionsraffinesse gestellt haben.

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    Anna: Und das Ergebnis kann sich auf jeden Fall zeigen lassen! Ich habe jetzt nur noch eine letzte Frage und das ist die Frage nach eurer untold story?

    Leo: Eine noch nicht erzählte Geschichte.

    Anna: Genau!

    Leo: Also wir könnten die erste Cover Geschichte erzählen von unserem Gespräch oder oder vom Videodreh in der Rutsche.

    Jonas: Ohja, das ist ne coole Story, lass uns die nehmen!

    Leo: Ok, warte, ich leite die Geschichte ein und du erzählst sie: Wir haben ja gerade unsere zweite EP „Gezeitenland“ rausgebracht und wir haben zum namensgebenden Song ein Video im namensgebenden Hallenbad Gezeitenland auf der Nordseeinsel Borkum gedreht. Und dabei ist folgende untold story passiert. Jonas, bitteschön.

    Jonas: Wir haben uns in die ausgeschaltete Wasserrutsche begeben. Wir sind also rein geklettert mit dem schönen Filmteam von Stabil und Grazil aus Hannover. Also die mit ihrer riesigen Kamera da rein. Niklas mit so einer Leuchtröhre und dann Leonard und ich. Das ist glaub ich etwas schwierig, sich vorzustellen. Das ist eine Tube Rutsche und wir haben uns so entgegeneinander da reingesetzt.

    Anna: Aber die Rutsche war ausgestellt oder ist da was passiert?

    Jonas: (muss schmunzeln) Nee, ich bin nur einmal ausgerutscht auf das Steißbein, das tat weh. Aber das ist nicht die Geschichte. Also, wir sitzen gerade in dieser Rutsche und haben einen Performance Part gedreht. Das heißt Niklas hat auch noch die Soundbox laufen mit dem Song. Wir singen dann so schmissig in die Kamera und auf einmal hören wir nur so ein Zischen und so ein Rumoren. Dann hört man so ein konstantes, leichtes „Schhhhh“. Es waren nur noch so drei Sekunden Stille, in der wir uns nicht bewegt haben. Und ich habe dann einfach aus Reflex heraus gerufen „Wasser kommt“. Dann sind wir alle mit dem Equipment aus der Rutsche raus und in das Auffangbecken. Ich war der Letzte, weil ich auch als Erster drin war. Hab mich auf dem Weg natürlich auch noch abgepackt. Und keine Sekunde, nachdem ich draußen war, kam das Wasser da rausgeschossen. Wir waren insgesamt aber zwei Tage zum Drehen da. Am nächsten Tag haben wir den Besitzer dann gefragt, ob die Rutsche irgendwie immer durchgespült wird oder so. Und er nur so: „Achja, stimmt, aber ich weiß gar nicht, wann genau und in welchen Intervallen.“ Dann haben wir am nächsten Tag also nochmal unser Glück versucht. Wir wollten unbedingt das schöne Licht mit der Sonne auf der Röhre einfangen. Wir haben das dann so gemacht, dass Bardi, unser Fotograf, dann die Aufgabe hatte oben zu schauen, wann das Wasser angeht. Vorher hatten wir noch extra zwei so Kinder Walky Talkies besorgt, damit er uns Bescheid geben kann, wenn die Düsen anspringen.

    Leo: Natürlich hat er sich auch einmal den Gag gemacht, einfach „Wasser kommt“ zu rufen, obwohl nichts kam. Und ja: Das ist unsere untold story!

    Anna: Genial, vielen Dank euch für’s Teilen der Geschichte und für’s Interview. Macht’s gut und bis bald!

    So, ich hab mir jetzt auch den Mund fusselig geredet. Mir bleibt nur noch zu sagen: Streamt „Gezeitenland“ von den Ottolien:

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    Fotocredit: Christian Bardenhorst