Schlagwort: singer songwriter

  • Eine EP wie ein Poesie Album: Jakob Longfields โ€žOf Daydreams And Letting Go“

    Eine EP wie ein Poesie Album: Jakob Longfields โ€žOf Daydreams And Letting Go“

    Kennt ihr diese Songs, die euch immer wieder an den einem Moment erinnern? Vor allem im Sommer gewinnen solche Songs oft an Bedeutung. Der Sonnenuntergang am Strand oder der beste Party-Abend seit langem – und bei dem einen Song erinnert ihr euch immer wieder dran. Das funktioniert genauso gut wie ein Poesie Album voller schรถner Momente, die dadurch auf ewig festgehalten werden.

    Ein Poesie Album voller schรถner Erinnerungen – so klingt „Of Daydreams And Letting Go“ von Jakob Longfield. Alle Indie Folk Liebhaber*innen aufgepasst: Vielleicht liefert diese EP ja genau den Soundtrack fรผr euren nรคchsten Roadtrip? Wir sehen da auf jeden Fall groรŸes Potenzial!

    Die Musik von Jakob Longfield reiht sich ganz unbemerkt in eine Playlist zwischen GrรถรŸen wie Of Mosnsters And Men, Bon Iver und Mumford & Sons ein. Nostalgisch, vertrรคumt und trotzdem mit einer Menge Ohrwurm-Potenzial. Jakob Longfield steht fรผr die Hรถhen und Tiefen des Lebens, die sich in seiner Musik widerspiegeln. Seine Lieder vereinen introspektive Texte mit rhythmischen Gitarrenklรคngen und werden vom Gesang getragen. So auch auf der EP „Of Daydreams And Letting Go„, die wir fรผr euch unter die Lupe genommen haben.

    Fรผr Fans von Of Monsters And Men, Bon Iver und Mumford & Sons

    Der erste Song auf der EP ist quasi Programm „Daydreams (with M)“ start vertrรคumt, bleibt vertrรคumt und hinterlรคsst uns vertrรคumt. Organische Indie-Folk-Elemente ziehen sich durch den Song, der in einer Berliner Wohnung als Duett entstanden ist. Und genau diese Intimitรคt schafft es, die Spannung von der ersten bis zur letzten Sekunde aufrecht zu erhalten. Jakob Longfield erzรคhlt von Tagtrรคumereien und dem inneren Konflikt zwischen eigenen Vorstellungen und der Realitรคt. Mit seinem warmen Gefรผhl eignet sich der Song perfekt fรผr lange Sommerabende.

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    Not Sure Anymore„, die zweite Single, macht genau da weiter, wo der EP-Einstieg mit angefangen hat: Er verbindet ebenfalls organische Indie-Folk-Elemente mit einem treibenden und komplexen Sound. Der Song thematisiert das Erwachsenwerden, geplatzte Trรคume und eine Abwรคrtsspirale, die einer Depression gleicht. Damit werden wir aber nicht alleine gelassen. Trotz der schweren Themen vermittelt die warme Produktion eine hoffnungsvolle Botschaft, dass letztlich alles gut wird.

    „we let go, if you want to“

    Morning Light“ entstand, so erzรคhlt Jakob Longfield, inspiriert von einer spirituellen Erfahrung wรคhrend einer Alpenรผberquerung im Sommer 2023, die Jakob als eine der intensivsten und glรผcklichsten Zeiten seines Lebens beschreibt. Der Song fรคngt die Magie eines Wandertages ein, bei dem Jakob vor Sonnenaufgang aufbrach, um innere Ruhe zu finden – und dabei nimmt er uns mit. Durch den Song hindurch sind Gerรคusche von Vรถgeln, Schritten, Regen und Wasserfรคllen zu hรถren, die der Songwriter selbst auf seiner Wanderung aufgenommen hat.

    Good Enough“ schlieรŸt die EP mit einer klaren und ermutigenden Botschaft ab: Ich bin gut genug/“I’m good enough“. Der Song erzรคhlt von den Herausforderungen und Unsicherheiten des Lebens, aber auch von der Erkenntnis und Akzeptanz der eigenen Stรคrken. Der Song hinterlรคsst ein Gefรผhl des Loslassens und der Zufriedenheit. Dieses Gefรผhl zieht sich wie ein roter Faden durch die EP und bringt eine magische Leichtigkeit mit sich.


    Inspiration: Alpenรผberquerung und viel Zeit mit sich selbst

    Die Entstehung und Inspiration der EP „Of Daydreams And Letting Go“ sind eng mit Jakob Longfields persรถnlicher Reise und seiner Alpenรผberquerung verknรผpft. Diese 11-tรคgige Wanderung im Sommer 2023 war prรคgend fรผr die EP und findet sich nicht nur in den Texten und der Bildwelt, sondern auch in der Musik und Produktion wieder. „Of Daydreams And Letting Go“ ist fรผr Jakob eine musikalische Einladung, die eigenen Trรคume und ร„ngste zu erkunden und letztlich loszulassen, um Platz fรผr neue Erfahrungen zu schaffen.

    Egal, ob ihr euch in endlosen Tagtrรคumen verliert oder Mut schรถpft, euch ร„ngsten zu stellen – die EP „Of Daydreams And Letting Go“ von Jakob Longfield kรถnnte dafรผr euer Begleiter werden. Von uns gibt es auf jeden Fall eine fette Empfehlung:

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    Fotocredit: Yannick Beringer

  • Mine im Interview: ยปIch mache immer, wonach mir die Nase gewachsen istยซ

    Mine im Interview: ยปIch mache immer, wonach mir die Nase gewachsen istยซ


    Die BAUM TOUR 2024 zum gleichnamigen Album von Sรคngerin Mine ist vor etwas mehr als einer Woche zu Ende gegangen. Untoldency hat diese Tour mitprรคsentiert und Redakteur Leif hatte die Gelegenheit das Konzert in Hannover im Capitol zu besuchen und vorab ein Gesprรคch mit Mine zu fรผhren.

    Triggerwarnung/Content Note: Drogen, Drogenkonsum und Sucht
    In der letzten Frage dieses Interviews geht es um die Thematisierung von Drogen und Drogenkonsum. Bitte achtet auf euch selbst und eure Gesundheit.

    Mine im Interview mit untoldency zu ihrem Album BAUM

    Leif: Hallo Mine! Schรถn, dass du dir Zeit nimmst, ich freu mich richtig. Zum Warmwerden beginne ich mit einer Frage zu deiner Musik. Du hast deine eigene Musik schonmal als โ€žDeutschsprachigen Folk mit Hip Hop-, Jazz- und elektronischen Elementenโ€œ beschrieben. Wรผrdest du das noch so unterschreiben?

    Mine: Deutschsprachiger Folk? Ne, eigentlich nicht. Habe ich das mal gesagt? (lacht) Wenn man mich fragt, sage ich immer ganz grob Deutscher Indiepop mit verschiedenen Genreeinflรผssen. Ich finde es voll schwierig mich da festzulegen, weil ich voll gerne mit verschieden Genres arbeite. Manchmal fรผhle ich mich mehr in die Richtung Dance, andermal eher in Richtung Chanson, manchmal wiederum Klassik. Deswegen รผberlasse ich das lieber anderen Menschen, meine Musik einzuordnen. Jeder hรถrt es anders und nimmt es anders wahr.

    Leif: Auf die Klassikeinflรผsse kommen wir spรคter noch zu sprechen, sie ist ja auch eine Charakteristik deines neuen Albums. Wobei das ja auch schon seit Februar drauรŸen ist.

    Mine: Das gilt noch als neu!

    Leif: Und deshalb: Gratulation zu deinem Album BAUM! Bald ist es zehn Jahre her seit der Verรถffentlichung deines Debรผtalbums Mine, ein Jubilรคum also! Seitdem hat sich viel getan. Bist du rรผckblickend zufrieden und gibt es etwas, das dich bei mehr als zehn Jahren Musikmachen immer begleitet?

    Mine: Es hat sich viel getan, aber hallo! Und ich bin mehr als zufrieden โ€“ zufrieden ist gar kein Ausdruck. Ehrlicherweise lรคuft alles viel viel besser, als ich es mir jemals ertrรคumt habe. Ich hatte ja gar nicht vor, das beruflich zu machen und dachte, dass sich das gar nicht vereinen lรคsst. Also diese freie kรผnstlerische Arbeit mit kรผnstlerischer Musik als Beruf. Deswegen fรผhle ich mich gerade sehr privilegiert und dankbar dafรผr, dass ich das machen darf. Und was mich bis jetzt in den letzten zehn Jahren begleitet hat, ist auf jeden Fall meine Crew. Wir sind schon so lange unterwegs. Das ist ein sehr familiรคres Gefรผhl.

    Leif: Das ist ja richtig toll! Cool, dass ihr euch auch nach zehn Jahren dann noch โ€žtreu gebliebenโ€œ seid.

    Mine: Voll, wir sind halt auch Freunde und arbeiten sehr gern zusammen. Es ist alles immer sehr harmonisch.

    รœber die freie Kunst und die Frage nach dem Besonderen

    Leif: Du hast eben schon das Kรผnstlerische in deinem Schaffen angesprochen. Deine Leidenschaft erstreckt sich auch auf Videodreh von zum Beispiel Musikvideos. Und auf Social Media hast du ein kleines Reel-Format namens SWEETE INSTRUMENTE, was ich persรถnlich ganz cool finde. Wie kam es denn dazu?

    Mine: Ich weiรŸ auch nicht, ich hatte einfach Bock. Ich bin so eine Instrumentensammlerin und interessiere mich fรผr neue Klรคnge, die ich noch nicht kenne und wollte selbst ein wenig mehr รผber die Instrumente, die ich bereits habe, herausfinden. Da lag es nahe als Format kurze Instrumentenkunde zu machen. Aber wo genau das herkam, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich hatte einfach Bock drauf.

    Leif: Es passt ja bei deiner Musik auch total ins Bild โ€“ und damit kommen wir auch schon zu deiner Musik und zum Album BAUM. Auf den ersten Blick fรคllt auf, dass es viele Intros und Reprisen gibt. Hรถrt man rein, vernimmt man zum einen Pop, Hip Hop, Electro, Funk, viele auรŸergewรถhnliche Instrumente und starke Arrangements. Zum anderen sind viele Elemente aus der Klassik verbaut. Hast du als studierte Musikerin hohe Erwartungen an โ€ždas Besondereโ€œ in deinen Songs?

    Mine: Ne. (lacht) Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist.

    Leif: Das ist eine sehr tolle Antwort!

    Mine: Ich bin einfach ein sehr neugieriger Mensch und bin auch sehr schnell gelangweilt und hungrig. Aber das bezieht sich auf alles im Leben. Ich google alles, ich will alles wissen und ich lese mir alles durch. Wenn ich eine Kรผnstlerin geil finde, schaue ich mir alle Videos und Interviews an. Und so gehtโ€™s mir eben auch bei der Musik, die ich selbst mache. Ich hรถre super viel Musik und wenn mich etwas catcht, รผberlege ich: Was ist da so drin und wieso klingt es so, wie es klingt? Dann versuche ich mich weiterzubilden, weil es mir SpaรŸ macht Dinge zu machen, die ich vorher noch nie gemacht habe. Diese Euphorie im Musikmachen will ich dann nie verlieren. Das wรผrde passieren, wenn ich immer das gleiche machen wรผrde.

    Leif: Also nicht stehen bleiben, sondern immer weiter. BAUM ist bisher dein chartmรครŸig grรถรŸter Erfolg. Wie fรผhlt sich das an?

    Mine: Stimmt, da habe ich gar nicht so viel Ahnung von. Ich wรผsste auch gar nicht auf welchem Platz es war. (lacht)

    Leif: Das kann ich dir sagen: Platz 7.

    Mine: Ahh, sieben. Ich bin da gar nicht so interessiert, mein Management schon eher. (lacht) Fรผr mich ist das immer so gewesen, dass ich von dem Job nicht abhรคngig bin. Ich wollte eigentlich als Musiklehrerin arbeiten, damit ich freie Kunst machen kann, ohne รผber des Geldverdienen nachzudenken. Mir ist es wichtig, dass ich nicht so einen Druck habe und meine Kunst frei bleibt. Deshalb kรถnnen mir Zahlen auch egal sein. Diese Unabhรคngigkeit genieรŸe ich sehr.

    Leif: Dieses Privileg befreit deine Kunst bestimmt sehr.

    Mine: Total. Fรผr mich ist es auch die einzig richtige Herangehensweise. Unter Druck kรถnnte ich gar keine freie Kunst machen. Das Musikmachen an sich ist ja das Schรถne an dem Job. Und wenn das verloren geht, dann hรคtte ich gar keinen Bock mehr das zu machen.

    Leif: Das verstehe ich sehr. Du kannst das am besten beurteilen: BAUM ist voll mit persรถnlich und biografisch wirkenden Songs. Wie viel Mine steckt in den Texten?

    Mine: Es ist schon sehr persรถnlich, ich denke mir da nichts aus. Fรผr mich ist das Musikschreiben immer Safe Space und Dinge aussprechen, die ich mir vor anderen Menschen so nicht traue. Deshalb ist das alles eigentlich privat. (lacht) Bei jedem Song geht es um eine gewisse Situation, die ich empfunden habe. Und den Dampf lasse ich dann in der Musik raus.

    Leif: Es gibt ja auch Storytelling im Songwriting, aber du musst da schon einen persรถnlichen Bezug zur Handlung haben?

    Mine: Ich finde es fรผhlt sich dann so an, als wรผrde man sich selbst covern. Es ist dann eher die Schauspielerei. Und ich finde das auch voll geil, wenn das Leute kรถnnen. Die haben dann auch ein Alter Ego und schreiben dann Sachen, zu denen sie gar keine Gemeinsamkeiten haben. Aber so ist es bei mir nicht. Ich bin genau die gleiche Person wie hinter der Bรผhne. Zumindest fรผhle ich mich nicht anders.

    Der BAUM zieht sich bei Mine als optisches und rhetorisches Mittel wie ein roter Faden durch Album und Bรผhnenbild.


    Leif: โ€žWerde geboren und werde dann groรŸ, lerne zu leben und dann bin ich totโ€œ โ€“ Hรถren wir da Kritik an einem kapitalistischen MittelmaรŸ im Titelsong BAUM?

    Mine: Ich liebe diese Interpretation, auch wenn sie nicht die Gedanken waren, als ich den Song geschrieben habe. (lacht) Aber ich kann sehr zu ihr relaten. Weil ich auch richtig abgef*ckt bin vom Kapitalismus. (lacht lauter) Ich finde es ganz schlimm, wie das Schulsystem kleine Arbeitssoldat*innen zusammenschustert, die, sobald sie auรŸerhalb dieser Leistungsgesellschaft keinen Platz finden, durch das System fallen. Deshalb finde ich diese Interpretation super.
    Aber eigentlich hatte ich beim Schreiben eher an den Zyklus gedacht, den zwar jeder Mensch individuell durchlebt, der sich aber auch ganz unemotional stรคndig wiederholt. Das soll gar nicht so emotional aufgeladen sein. Es ist einfach Fakt, dass unsere GroรŸeltern, Eltern und Kinder das Gleiche machen. Du wirst da reingeworfen, dann versuchst du klarzukommen, denn gehst du wieder und nach zwei Generationen kann sich keiner mehr an dich erinnern. Ich glaube, dass Menschen sich selbst prinzipiell ein bisschen zu wichtig nehmen. Manchmal ist es gut sich bewusst zu machen, dass das Allerwichtigste ist, dass man Menschen gut behandelt. Alles andere, wie โ€žIch hinterlasse FuรŸspurenโ€œ finde ich etwas lรคcherlich.

    Die BAUM TOUR 2024

    Leif: Die nรคchsten Fragen zielen auf deine BAUM TOUR 2024 ab. Tourst du gern?

    Mine: Ja, ich liebโ€˜s! Fรผr mich ist das total Quality Time. Ich bin Mutter von Zwillingen und arbeite sehr viel. Daher habe ich nie so viel Zeit fรผr mich selbst wie jetzt auf Tour. Das genieรŸe ich sehr. Und auch, dass ich mein Team um mich herumhabe. Das sind alles meine Freunde und mit denen unterwegs zu sein fรผhlt sich an wie eine Klassenfahrt. Ich liebe es mit ihnen Musik zu machen. Aber die Tour ist generell so krass! Es lรคuft alles so gut und es ist sehr erfรผllend.

    Leif: Die ausverkauften Veranstaltungen und die hochgebuchten Konzerte machen es doch sicher noch besser, oder?

    Mine: Ich habe ab dieser GrรถรŸe hier nach unten alles gespielt. Jede GrรถรŸe von 30 Leuten bis zu dem, was ich momentan spiele. Ich fandโ€™s auch vorher cool. Was es natรผrlich mit sich bringt, wenn man mehr Zuschauer*innen hat, ist, dass man alle aus dem Team gut bezahlen kann. Fรผr mich ist das sehr entspannend, wenn ich weiรŸ, alle kรถnnen davon leben. Denn man investiert super viel Zeit. Aber vom Publikum her ist es ganz egal, es ist immer ein geiles Gefรผhl. Diesbezรผglich ist es bei uns auch nie schlechter geworden. Es kamen immer etwas mehr Leute dazu als vorher. Es gab da nie einen Sprung, sondern ging konstant weiter nach oben. Total angenehm, aber crazy, dass wir jetzt so groรŸ unterwegs sind. Und total entspannt.

    Leif: Entspannt?

    Mine: Ja! Ey, frรผher sind wir noch hunderte Kilometer selbst auf der Autobahn gefahren mit einem Sprinter. Danach ist man anders mรผde.

    Leif: Und dann muss noch performt werden!

    Mine: Genau. Das war zwar auch cool, aber jetzt haben wir natรผrlich Luxus.

    Leif: Was machst du denn beim Touring zwischen den Auftritten am liebsten?

    Mine: Sport! Ich mache jeden Tag Sport. Und heute habe ich noch einen Beat produziert. Sonst geht der Tag ziemlich schnell rum. Wir fangen schon um 14 Uhr an, so viel Zeit ist dann gar nicht mehr. Sport, Duschen, Bรผhne vorbereiten, Einsingen, Essen und Interviews geben. (lacht und klopft mir auf die Schulter)

    Leif: Du hast eben deine Zwillinge angesprochen. Was fehlt dir am meisten, wenn du unterwegs bist?

    Mine: Auf jeden Fall meine Kinder. Meine Kinder, das Studio und das Alleinesein. Man hat immer Menschen um sich rum und Zurรผckziehen ist da eher rar. Und meine Freunde in Berlin fehlen mir auch sehr. Aber sonst vermisse ich ehrlich gesagt gar nicht so viel.

    Leif: Das reicht ja auch! Selbst eine Sache zum Vermissen kann ja schon schwer wiegen.

    Mine: Im GroรŸen und Ganzen sind es auch eigentlich nur meine Kids. Alles andere ist nicht der Rede wert. Die sind so sรผรŸ. (lacht)

    An dieser Stelle sei erneut auf die anfรคngliche Triggerwarnung hingewiesen:
    Sollte euch die Auseinandersetzung mit den Themen Drogen und Drogenkonsum schwerfallen, lest diesen Artikel ab dieser Stelle bitte nicht weiter.

    Leif: Bei uns endet ein Interview immer mit einer Anekdote oder etwas, was du noch nie รผber dich erzรคhlt hast. Was ist deine untold story?

    Mine: Eine Sache kann ich dir verraten. Was ich noch nie gesagt habe, weil ich das eigentlich nicht verherrlichen will, ist, dass es bei einem Song von mir um LSD geht. Ich habe das noch nie erzรคhlt, denn ich bin nicht so ein Fan davon, รผber Drogen in der ร–ffentlichkeit zu reden. Ich denke, das Thema muss mit sehr groรŸer Vorsicht betrachtet werden. Und ich rate Leuten prinzipiell erstmal davon ab, weil es sehr gefรคhrlich ist fรผr Leute mit psychischen Vorerkrankungen und man sehr aufpassen muss.

    Leif: Der Titel des Songs bleibt daher an dieser Stelle lieber unerwรคhnt. Und damit endet unser Interview! Ich danke dir fรผr deine Zeit, fรผr das schรถne Gesprรคch und freue mich aufโ€™s Konzert!

    Mine: Mich hat es auch gefreut! Wir geben heute alles!


    Dass zum Beinahe-Tourende alles gegeben wurde, verspรผrte man in jeder Sekunde des Konzertes. Die kraftvolle und energiegeladene Performance zeichnete sich durch einen abwechslungsreichen Mix aus Mine-Klassikern und neuen Songs des Albums aus. Auch die Support Acts Shelly Phillips und ffortissibros heizten dem Saal ordentlich ein.

    Am Ende wird hier die klare Empfehlung ausgesprochen, ein Mine-Konzert zu besuchen. Auch, wenn die Tour nun vorbei ist, stehe weitere Daten in der bald startenden Festivalsaison an.


    22.06.2024 – Duisburg, Traumzeit Festival
    24.07.2024 – Freiburg, Zelt-Musik-Festival
    25.07.2024ย – Marburg, KFZ
    16.08.2024 – Leipzig, Parkbรผhne Geyserhaus
    17.08.2024 – Hamburg, MS Dockville
    07.09.2024 – Berlin, Lollapalooza
    08.09.2024 – Berlin, Lollapalooza


    Wer sich das Album BAUM bisher noch nicht angehรถrt hat, sollte es schleunigst tun. Die Mรถglichkeit zum Reinhรถren gibt es hier.

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    Fotocredit: Bastian Bochinski

  • untoldency proudly presents: Almost Twins Tour 2024

    untoldency proudly presents: Almost Twins Tour 2024

    Genau wir ihr, sind wir immer auf der Suche nach neuer Musik, nach den Kรผnstler*innen da drauรŸen, die auch wenn sie gerade am Anfang ihrer Karriere stehen, es schaffen, uns mit ihrer Musik zu verzaubern. Und weil genau das der Grund ist, warum wir dieses Magazin vor drei bescheidenen Jahren ins Leben gerufen haben, machen wir damit einfach immer weiter. Die nรคchste Band, die sich direkt auf unser Radar gespielt hat, ist Almost Twins. Dabei ist ihr Rezept so leicht: melancholischer Indie trifft gefรผhlvollen Jazz und wir flieรŸen dahin. Mit ihrem erscheinenden Debรผtalbum gehen sie Anfang Mai auf Tour und wir dรผrfen eine riesengroรŸe Empfehlung aussprechen.

    Ein fast-zwillingshaftes Verstรคndnis

    Kennt ihr das, wenn Musik so kurz kribbelt, wenn ihr sie hรถrt? Bei Almost Twins kribbelt es. Mit dem ersten angespielten Gitarrenton schon, und wenn dann die Klarinette oder das Saxophon einsetzt ist fast ganz vorbei. Bei ihren Songs kehrt eine instant Ruhe ein. Das Chaos in der Welt da drauรŸen wird kurz ein wenig leiser, das Chaos im eigenen Kopf auch. Wenn Almost Twins alle ihre warmen und vertrรคumten Instrumente vereinen, werden Erinnerungen an Josรฉ Gonzales oder Kings Of Convenience wach. Die Band, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht, ist schon mit den drei bisher verรถffentlichten Songs Hands/Trees, Mosaics und Puppeteer bereits Geheimtipp der Leipziger und Berliner Indie-Szene. Ihr Debรผtalbum Hands / Trees erscheint am 03. Mai und damit perfekt zum Frรผhling. Denn die wรคrmende Frรผhlingssonne ist eigentlich alles, was es braucht, um diesen Soundtrack perfekt zu machen. ย ย 

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    Umso perfekter, dass sie das Album im Release-Anschluss direkt mit auf ihre erste Headline-Tour nehmen! Wer also mal wieder Lust hat, eine Band komplett live zu entdecken, lasst uns alle hier treffen:

    08.05.2024 – Bielefeld, Bunker Ulmenwall
    09.05.2024 – Hannover, Lampe

    10.05.2024 – Berlin, Monarch
    15.05.2024 – Nรผrnberg, MUZ
    16.05.2024 – Mรผnchen, Glockenbachwerkstatt
    17.05.2024 – Marburg, q
    18.05.2024 – Stuttgart, Wizemann
    19.05.2024 – Offenbach, Hafen2
    21.05.2024 – Mainz, schonschรถn
    24.05.2024 – Leipzig, NaTo
    25.05.2024 – Bamberg, Live-Club

    Wenn eure Stadt hier dabei ist, kauft euch Tickets! Und dann werden Almost Twins euch fรผr ein paar Stunden aus der Realitรคt ziehen und das Chaos im Kopf beruhigen. ย 

    Natรผrlich verlosen wir auch 1×2 Tickets fรผr alle Stรคdte der Tour, schaut doch einfach mal hier vorbei.

    Bis dahin habt ihr noch ein paar Tage, um euch in diese drei Songs hier zu verlieben, bevor das Debรผtalbum das Licht der Welt erblickt:

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  • Tusks im Interview: ยปYou will be OK – even if it seems impossible.ยซ

    Tusks im Interview: ยปYou will be OK – even if it seems impossible.ยซ

    Wenn die Melancholie zuschlรคgt und auch der Synth genau diese Frequenz trifft, die direkt fรผr Gรคnsehaut sorgt – dann hรถrt ihr vielleicht einen Song von Tusks. Die Sรคngerin, Produzentin und Multiinstrumentalistin aus London hat atmosphรคrische Synths mit dunklen Pop-Melodien zu ihrem unverwechselbaren Sound gemacht und verpackt in ihnen Verletzlichkeit, Ehrlichkeit und Intimitรคt. Die Vergleiche schwanken zwischen Daughter, Sigur Ros und Art School Girlfriend, und auch wir haben ihr neues Album Gold erstmal ein wenig sacken lassen mรผssen. Dann haben wir jedoch die Mรถglichkeit ergriffen, um Tusks selbst was zu ihrer Musik erzรคhlen zu lassen.

    Tusks im Interview

    Anna: Youโ€™ve been making music for some time now. How would you describe your new record in comparison to the last two?

    Tusks: I think it definitely feels more refined and mature than my previous two. I fully feel like Iโ€™m In my 30s writing it now. Like I was way younger making the first two. I think itโ€™s richer, I think the songs are more developed and I think it sounds maybe more like the music I listen to a lot.

    Anna: Gold is an album full of contradictions that you also pulled from your personal experiences. Is there one that fascinated you the most, or one that made you struggle the most?

    Tusks: I think Strangers is the one that I struggle with most. The idea that you can be so close to someone for so long and then the relationship can end and you can just become strangers… Something about that just always feels so sad and gutting to me – even if its right to break up the relationship. Every time I sing it live it makes me sad in a di๏ฌ€erent way to the other tracks.

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    „You will be OK.“

    Anna: Whatโ€™s a learning you pulled from these experiences? Maybe we can learn something from them, too.

    Tusks: I think that you can always get through the things that felt like they would be too much to handle. I feel like experiences just come around again and again in life disguised as di๏ฌ€erent things and you will be OK – even if it seems impossible.

    Anna: Your music is very ethereal, and itโ€™s really easy to let myself just fall into it. How was the process behind the music for you?

    Tusks: I love losing myself in the process of writing and producing music. Normally, I’d take myself away to a secluded place, not talking to anyone for days. It all kinda ๏ฌ‚ows out of me. Then I take it back to the studio and start producing it properly. This one was really fun to produce. We ran it through loads of tape machines and analog delays and got really creative with the recording side of things. That brought so much fun and energy to the process.

    Anna: Can you share songs (or artists) that recently made you feel like falling into them?

    Tusks: I really love Mk.gee’s new album โ€˜Two Star & The Dream Policeโ€™ – that feels really immersive.

    โ€žKinda like a daydream.“

    Anna: Your song The Way is addressed to anxiety and trying to accept the things you cannot change. Did writing the song and addressing it so clearly change something for you?

    Tusks: Yeah it did actually. The song is about realising that this is the way it was always going to be. Something about having that element of control or choice taken away from me really calms my anxiety. You just have to accept that this is how things are and this is whatโ€™s happened and move on. Thereโ€™s no other choice really.

    Anna: Read The Room also feels like a very personal song. What is it about?

    Tusks: Yeah it is. Its another break up song – kinda more re๏ฌ‚ective and defeatist than the others on the album. It was all recorded in one take in this studio in Wales. Then I did a take of synths over the top through a Copicat Tape Echo which I think makes it feel way more lonely than the other tracks. Its meant to be a bit of an interlude. Kinda like a daydream.

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    โ€žIt would have been a completely different albumโ€œ

    Anna: In parts, the album was written amidst exceptional circumstances of 2020/2021. Do you feel like you would have written a di๏ฌ€erent album if it wasnโ€™t for Covid?

    Tusks: Yeah for sure – it wouldโ€™ve just been a completely di๏ฌ€erent album I think because there was such a pause on everything that I just wrote and re-wrote all the songs. I think maybe only two of the songs that made it onto Gold were in the original ten songs – Wake and Cold Storm (weirdly the first and last).

    Anna: What is the weirdest (or coolest) habit you picked up during the lockdown years?

    Tusks: Haha err I made a lot of pasta at home. But I feel like thatโ€™s something you can only really do when you have the time you have in a lockdown.

    Anna: For our last question we always ask for an untold story โ€“ something youโ€™ve never shared in an interview before. Is there something you want to get o๏ฌ€ your chest now?

    Tusks: The middle 8 of strangers came about because I got covid just before we went in to record the album. I was living in this warehouse of 11 people at the time. The rule was if you got covid, you couldnโ€™t leave your room. I tested positive for ten days so was in this room for ten days and it was literally like 2m x 3m. It was so bizarre. Luckily it had a huge window which looked out across London and we were on the top ๏ฌ‚oor so there was an amazing view – one day I just watched this crane build a house for hours. But yeah – I wrote the middle 8 of strangers at that time too which I think is why its so full of angst and tension.

    „Full of angst and tension“, aber trotzdem wunderschรถn – wir kรถnnen euch allen Tusks Album sehr ans Herz legen. Hรถrt hier in Golden rein!

    Tusks, Gold, London, Singer Songwriter, Producer, Emily
    ย 

    Fotocredit: Emily White

  • Declan McKenna mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    Declan McKenna mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    Drei Jahre nach Release seines Sophmore-Albums โ€žZerosโ€œ ist Declan McKenna zurรผck mit seinem neuen Album โ€žWhat Happened to the Beach?โ€œ

    2015 gewann der gerade mal 16-jรคhrige Brite den โ€žEmerging Talentsโ€œ-Wettbewerb des Glastonbury-Festivals und ist seither nicht mehr von den UK-Festivalbรผhnen wegzudenken. Mit der Kombination aus Upbeat-Sound und rockigen Elementen wird seine Musik oftmals mit Britpop verglichen. Aufrichtig, locker und ganz und gar nicht nullachtfรผnfzehn โ€” Gerade fรผr das Schreiben seiner politischen Texte (z.B. โ€žBritish Bombsโ€œ (2019), โ€žBrazilโ€œ (2015)) wird McKenna gelobt. Dabei richtet sich viel an seine eigene Generation.

    Nun verรถffentlichte er sein drittes Studioalbum mit sechzehn Tracks, die mich in vielerlei Hinsicht รผberzeugt haben. Der Sound von โ€žWhat Happened to the Beach?โ€œ ist ein wenig anders als der seiner Vorgรคnger โ€” experimenteller, aufregender und dennoch vertraut. Zwischen Beatles-Klรคngen (โ€žI Write The Newsโ€œ), 2000er-Indie-Rock Songs (โ€žThe Phantom Buzz (Kick In)โ€œ) und typischen McKenna-Ohrwรผrmern (โ€žNothing Worksโ€œ, โ€žSympathyโ€œ) bietet das Album sehr viel Abwechslung. Von einer Platte, auf der sich jeder Song gleich anhรถrt, fehlt hier jede Spur. Auf dem neuen Album herrscht ein entspannterer Vibe, als auf seinen Vorgรคngern. Die Songs sind langsamer und fรผhlen sich durchdachter an.



    โ€œOpening up and embracing the simple things in life has helped me make something that is more authentically me than ever before.โ€


    โ€žWhat Happened to the Beach?โ€œ ist ein sehr persรถnliches Album, das nun mehr die Freuden als Katastrophen der Welt in den Fokus stellt. Fรผr Declan scheint eine neue Zeit angebrochen zu sein, jene, die ihn befreiter Songs schreiben lรคsst. Er ist angekommen und selbstbewusster in dem, was er tut. Das Album beschreibt gleichermaรŸen die letzten Jahre, die nicht nur gobal sondern auch in persรถnlicher Hinsicht von Dunkelheit geprรคgt waren. In der Ballade โ€žItโ€˜s An Actโ€œ zeigt sich diese emotionale und verletzliche Seite der Platte. 



    โ€žIf every song features a lyrical statement then it loses some of its impact, too. I havenโ€™t let go of that aspect of myself but I don’t want to live out that style forever.โ€

    Das Album ist insbesondere von dem Ort geprรคgt, an dem es produziert wurde: dem sonnigen Los Angeles. Gefรผhle von Leichtigkeit und Sonnenschein, die Declan dort aufgesogen hat, lassen sich unter anderem auf dem Artwork wiederfinden, das รผbrigens ABBA-inspired ist. Musikalisch werden diese positiven Gefรผhle von den poppigen Tracks wie โ€žSympathyโ€œ, โ€žWobbleโ€œ oder โ€žElevator Humโ€œ eingefangen. 

    Mit โ€žMystery Planetโ€œ folgen drei zusammenhรคngende Interludes, die nur auf der physischen Platte zu hรถren sind. Part I beginnt mit einem kurzen von Declan eingesprochenem Intro, dass spรคter in den Song รผbergeht. Nach Track sieben folgt โ€žMystery Planet Pt. 2โ€œ, der sich eher nach kurzen abgehackten Ausschnitten anhรถrt, um am Ende erneut den Song anzuteasern. Neben โ€žI Write The Newsโ€œ hรถrt man auch hier die Beatles heraus. โ€žMystery Planet Pt. 3โ€œ schlieรŸt das Album mit lauten, rockigen Drums ab. Als einer meiner Favoriten macht โ€žThe Phantom Buzz (Kick In)โ€œ seinem Titel alle Ehre und ist mit seinen verzerrten Gitarren einer der rockigsten und energievollsten Songs auf dem Album. 

    โ€žWhat Happened to the Beachโ€œ ist trotz seines neuen Sounds ein klassisches Declan McKenna Album. Obwohl es im Gegensatz zu den vorhergingen Alben eher eine entspanntere Atmosphรคre hat, wirkt die Platte durch seine experimentellen Einflรผsse und psychedelischen Elemente viel aufregender und abwechslungsreicher. Ein Album, das von Anfang bis Ende durchdacht und vollendet wirkt, aber vor allem SpaรŸ macht zu hรถren. 

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  • Leifs Jahresrรผckblick: Der Soundtrack, der jedes meiner Weihnachten bestimmt

    Leifs Jahresrรผckblick: Der Soundtrack, der jedes meiner Weihnachten bestimmt


    Alle Jahre wieder kehrt im Dezember die unvermeidbare Weihnachtsstimmung ein. Zwar hat sich รผber die Jahre hinweg eine Menge verรคndert und ein Weihnachten ist nie, wie das andere, trotzdem bleibt eine Sache bei mir immer gleich: Der Soundtrack. Deshalb mรถchte ich an dieser Stelle gar nicht in das turbulente Jahr 2023 zurรผckblicken, sondern รผber ganz besondere Weihnachtsongs schreiben. Von einigen habt ihr definitiv noch nicht gehรถrt.


    Ein festgeschriebenes Ritual

    Vermutlich liegt es an Nostalgiegefรผhlen aus der Kindheit, warum gerade dieses eine Kompilationsalbum bei mir jedes Jahr aufs Neue rauf und runterlรคuft. Mit dem weihnachtlichen Schmรผcken des ganzen Hauses spรคtestens (!) gegen Ende November lรคutet meine Mutter traditionell die Weihnachtszeit ein. Das ist ein festgeschriebenes Ritual. Aber schon kurz vorher wusste ich als Kind, dass der besinnliche Zauber innerhalb der Folgeminuten erweckt werden mรผsste. Denn ich sah es. Das auf dem Phonoschrรคnkchen drapierte, dunkelblaue, mit Sternen versehene CD-Hardcover. In der Mitte ein groรŸer, nach Coca-Cola aussehender Weihnachtsmannkopf mit Sonnenbrille und oben der knallige Schriftzug: BRAVO Rock Christmas. Von diesem Augenblick wussten alle im Haus, dass bis zum Ende des Jahres kein Radio mehr gehรถrt, sondern die Einstellung der Stereoanlage auf CD bleiben wรผrde.


    Bares fรผr Rares

    Spรคtestens in der ersten Weihnachtszeit nachdem ich von zuhause auszog, war ich mir um den Verlust dieses wertvollen Stรผcks Musik bewusst. Dieses Album brauchte ich also unbedingt selbst. Problem nur, dass ich keinen CD-Player, sondern lediglich einen Plattenspieler hatte. Denn der Gebrauchtmarkt war voller CDs, niemand aber schien eine Vinyl des Albums zu besitzen, geschweige denn loswerden zu wollen. Durch ein Angebot โ€žeines der grรถรŸten Online-Bestelldiensteโ€œ aber die Gewissheit: Dieses Album gibt es in Plattenform. Allerdings unheimlich teuer, weil selten (120โ‚ฌ wรคhrend der Wintersaison โ€“ bekloppt!). Knauserig wie ich bin, habe ich mich von dem Preis so lange abschrecken lassen, bis auch das einzig verfรผgbare Exemplar aus den Anzeigen verschwunden war.

    Es dauerte einige Monate โ€“ ich gab die Hoffnung lรคngst auf โ€“ da erblickte ich ein weiteres Exemplar im Internet. Dieses Mal wesentlich gรผnstiger als das letzte. Das war meine Chance. Ich schlug zu und hatte somit Mitten im Hochsommer eine Weihnachtsplatte gekauft. Ein wenig hat es sich angefรผhlt, wie die Nadel im Heuhaufen gefunden zu haben. Das nรคchste Weihnachten konnte kommen.


    Eine Mischung aus Klassikern und purem Gold

    Wer bis hierhin gelesen hat, ist sicherlich an dem Soundtrack interessiert. Tatsรคchlich finden sich sehr viele Klassiker, wie Last Christmas, Driving Home for Christmas, White Christmas oder Do They Know Itโ€™s Christmas? auf dem Album. Zwar sind sie auf gar keinen Fall aus einer guten Weihnachtsplaylist wegzudenken, hier lassen sich die Juwelen aber einmal mehr zwischen den bekannten Hits finden.

    Viele traditionelle Lieder zeigen sich im Gewand der 80er. Schรถne Beispiele sind da Little Drummer Boy von New Kids On The Block, Have Yourself A Merry Little Christmas von den Pretenders und Mike Oldfields rockige Fassung von In Dulci Jubilo. Hier trumpft aber vor allem Silent Night von Bros mit einer unfassbar guten Gesangseinlage auf. Bei 2:38 geht einem selbst beim Zuhรถren die Luft aus.

    Das Herzstรผck von BRAVO Rock Christmas ist meiner Meinung nach Another Lonely Christmas von Prince. Richtig gelesen. Prince, der aus den 80ern nicht wegzudenken ist, hat einen Weihnachtssong geschrieben. Nach Weihnachten hรถrt sich der Song aber nun wirklich nicht an und auch der Text erzรคhlt eher eine tragische Geschichte, als dass er von Schnee, Santa und Geschenken handelt. Die fast beรคngstigende Virtuositรคt von Musik-Genie Prince, der alles an dieser Produktion selbst gemacht hat, verleiht dem Song seine ganz eigene Besinnlichkeit. Nur ein einziges Mal live aufgefรผhrt, ist dieser Song in meinen Augen also ein wirkliches Goldstรผck.


    Wo Rock draufsteht, ist auch Rock drin

    Dafรผr Gary Glitters Another Rock and Roll Christmas und Joys of Christmas von Chris Rea Paradebeispiele. Letzterer Kรผnstler ist somit รผbrigens als einziger doppelt auf dem Album vertreten. Jeder kennt erwรคhntes Driving Home for Christmas, Joys of Christmas jedoch ist relativ unbekannt. Als gitarrenlastiger Blues-Rock Song bildet er den krรถnenden Abschluss des Soundtracks und ist als RausschmeiรŸer perfekt platziert. Der Song hรถrt sich meines Erachtens nach genau dem Moment an, in dem man sich befindet, wenn man den Heiligen Abend gerade hinter sich gebracht hat. Leicht bis stark angetrunken, vollgegessen und allein drauรŸen spazierend ein letztes Mal in die klare Sternennacht schauen und die Nachwirkungen des Weihnachtsstresses spรผren, ehe es in den sich taub anfรผhlenden Zeitraum zwischen den Jahren geht.

    Da leider nicht alle dieses Album auf CD besitzen โ€“ auf Platte sowieso nicht โ€“ und es das Album nicht zum Streamen gibt, habe ich eine Playlist erstellt damit jede*r die Reise durch den besten Weihnachtssoundtrack aller Zeiten antreten kann. Fรผr Fans von Klassikern, Rockmusik und 80er ist BRAVO Rock Christmas definitiv ein Tipp zum Reinhรถren.


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  • Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP โ€žYou Look Like You Canโ€™t Swimโ€œ

    Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP โ€žYou Look Like You Canโ€™t Swimโ€œ

    Warme, trรคumerische Melodien und sanfte Gitarrenklรคnge โ€“ Indie-Folk Singer- und Songwriterin Matilda Mann verรถffentlichte im Juli ihre vierte EP โ€žYou Look Like You Canโ€˜t Swimโ€. Eine sehr intime 5-Track-EP mit Songs, die aufrichtige Zuneigung, Verlust und den Weg den eigenen Platz in der Welt zu finden, thematisieren. 

    Die Newcomerin aus London macht Musik, die neben einer vertrauten Atmosphรคre vor allem Geborgenheit schafft. Ihre sanfte und helle Stimme verleiht den Songs eine Leichtigkeit, die ziemlich gut zum Rest passt. Ihr ehrliches Songwriting und die damit verbundene Fรคhigkeit jegliche Emotionen in innige Texte zu verwandeln, lรคsst sie insbesondere als Songwriterin herausstechen.


    The Day That I Met You

    Der erste Song โ€žThe Day That I Met Youโ€ ist mein persรถnlicher Favorit auf der EP. Im Song wird das Gefรผhl beschrieben sich viel zu oft allein zu fรผhlen. Der Gedanke, dass die ganze Welt gegen einen ist, wird durchbrochen durch das Begegnen dieser einen Person, die dich alle negativen Gefรผhle vergessen lรคsst. 


    โ€žI forgave the world the day that I met you.โ€


    Fรผr mich ist der Song ein Paradebeispiel fรผr ihr unglaublich gutes Songwriting: โ€žIt’s like lavender came and never leftโ€. Muss ich da mehr sagen?

    Ihr Debut feierte Matilda Mann 2020 mit ihren EPs โ€žIf That Makes Senseโ€œ und โ€žBecause I Wanted You to Knowโ€œ. Ein Jahr spรคter folgte die EP โ€žSonderโ€. Seither war sie unter anderem mit Arlo ParksTom Grennan und dodie auf Tour und spielte bereits einige Headline UK-Shows. In der UK ist Matilda also lรคngst als Newcomerin angekommen. Im August spielt sie auf der renommierten BBC Introducing Stage beim Reading & Leeds Festival, die schon einigen britischen Kรผnstler*innen zum Erfolg verholfen hat. Auf den Streaming-Plattformen sieht es mit mehreren Millionen-Streams auch nicht schlecht aus. 


    In Plain Sight

    Stellt euch vor, ihr lauft an einem Spรคtsommerabend an einem Sonnenblumenfeld vorbei, wรคhrend die Sonne schon tief am Himmel steht. Und durch eure Kopfhรถrer drรถhnt dieser eine Song, der euch an eure Lieblingsperson erinnert. Jawoll, super kitschig, aber โ€žIn Plain Sightโ€œ fรผhlt sich genau danach an  โ€“ mit seiner unfassbar positiven Energie wird der Track zu einer indie-folk Hymne รผber die eine groรŸe Liebe.


    Margaux & If Only

    Mit โ€žMargauxโ€œ beschreibt Matilda die Abwesenheit eines wichtigen Menschen und die Gefรผhle, die mit dem Verlust einhergehen: โ€žMargaux left and nothing felt the same.โ€œ Wรคhrend ihre fast flรผsternde Stimme im Fokus steht, ist der musikalische Track mit sanften Akustikgitarrenklรคngen eher simpel gehalten. Trotz der Thematik klingt der Song aber alles andere als traurig.

    Den melancholischen Part auf der EP รผbernimmt der vorletzte Track โ€žIf Only“. Eine schmerzvolle Ballade, die vor allem durch die Streicher ihre epische, trรคumerische Atmosphรคre bekommt.

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    You Look Like You Canโ€™t Swim

    Der Titelsong der EP ist laut der Newcomerin eine Metapher, um zu sagen, dass jemand nicht danach aussieht etwas schaffen zu kรถnnen. Wรคhrend es so scheint, als hรคtten alle anderen ihren Platz in der Welt bereits gefunden, ist man selbst ein Fisch im Meer, der nicht schwimmen kann. Neben Selbstzweifeln รคuรŸert sie im Song die Angst, nie genug zu sein. โ€žYou Look Like You Canโ€™t Swimโ€œ steckt voller Ehrlichkeit und Mut.


    โ€žIt seems an awful waste to give me so much space

    I never seem to know exactly what’s my place.โ€œ


    Fรผr das Musikvideo hat Matilda selbst Regie gefรผhrt und es geschafft, die Entschlossenheit und Zweifel im Song visuell darzustellen. Die Protagonistin, die von Matilda selbst gespielt wird, versucht sich immer wieder in Wasser zu wagen. Der Weg dahin kostet sie รœberwindung und zeigt wie sie scheitert, aber dennoch niemals aufgibt. In den letzten Sequenzen des Videos sieht man Matilda, wie sie es letztendlich schafft zu schwimmen. 

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    Foto Credits: Caity Krone

  • Lena&Linus im Interview: ยปEs ist fast therapeutisch, schwere Gefรผhle in Songs festzuhaltenยซ

    Lena&Linus im Interview: ยปEs ist fast therapeutisch, schwere Gefรผhle in Songs festzuhaltenยซ

    Zarte Stimmen, ehrliche Texte und leichte Gitarrensounds – wer da keine Gรคnsehaut bekommt, dem weiรŸ ich auch nicht mehr zu helfen. Die Musik von Lena&Linus lรถst bei mir auf jeden Fall immer wieder aufs neue Gรคnsehaut-Momente aus. Das Duo aus Wรผrzburg hat im Oktober letzten Jahres ihre erste Single „Emilie“ verรถffentlicht und erobert seitdem mit jeder neuen Single die Herzen der deutschen Indie-Pop-Liebhaber*innen. Ich habe Lena&Linus vor ihrem Auftritt beim Pop Salon in Osnabrรผck getroffen und mit ihnen รผber ihre EP „Fรผhlst du dich allein?“ geredet.

    Lena&Linus im Interview

    Anna: Hi ihr beiden! Schรถn, dass ihr euch vor eurer Show beim Pop Salon hier in Osnabrรผck die Zeit genommen habt. Ihr kommt ja beide aus Wรผrzburg. Kennt ihr Osnabrรผck? Wart ihr schon mal hier oder habt ihr eine Verbindung zu der Stadt?

    Lena: Also, ich war einmal in Osnabrรผck, aber es ist bestimmt zehn Jahre her. Und unsere Connection ist unser lieber Schlagzeuger Jan, der hier in Osnabrรผck studiert.

    Linus: Ich bin das erste Mal in Osnabrรผck und find’s bisher ganz entspannt hier.

    Glรผcklicher Zufall oder Schicksal?

    Anna: Mรถgt ihr vielleicht die Geschichte erzรคhlen, wie aus euren beiden Soloprojekten jetzt das Duo Lena&Linus geworden ist.

    Linus: Also ich habe so wรคhrend des Lockdowns 2020 angefangen Musik zu machen. Ich habe dann im April meine erste Single rausgebracht und darauf hat mich Lena angeschrieben und gefragt: „hey, wollen wir nicht zusammen einen Song machen?“ Und da haben wir uns dann mal getroffen, haben Musik gemacht, hatten dann auch eine Band, aber dieser Gedanke vom Duo war irgendwie noch nicht so prรคsent. Der entscheidende Punkt war dann eigentlich erst, als wir Tim getroffen haben, unseren Produzenten. Da habe ich Lena ein bisschen begleitet, als sie vorgesungen hat. Das war total spontan. Und dann war Tim so: Das ist super sweet, das mรผssen wir als Duo machen! So ist es von meiner Seite zum Projekt gekommen. Also eigentlich war es ein Geistesblitz von Tim.

    Anna: Ein glรผcklicher Zufall also.

    Linus: Ja, ich war eigentlich ungeplant.

    Lena: Ungeplant, aber trotzdem erwรผnscht.

    Anna: Ich hab mich natรผrlich vorher durch eure EP „Fรผhlst du dich allein?“ durchgehรถrt und das erste, was ich gedacht habe war, dass es super viel um Herzschmerz geht. Vermissen, Trauern und Fragen, die man sich dann so stellt, sind die Themen, die man dort sehr stark wiederfindet. Da hab ich mich gefragt, ob das bei euch so ein bisschen wie Tagebuchschreiben ist. Kรถnnt ihr mit dem Gefรผhl abschlieรŸen, wenn ihr einen Song fertig geschrieben habt? Oder kommt das immer wieder hoch, wenn man den Song live singt?

    Linus: Es ist irgendwie schรถn, Worte รผber so schwierige Situationen einfach mal niederzuschreiben, finde ich. Es hilft mir sehr viel, auch so schwere Konzepte und schwere Gefรผhle einfach mal zu binden – in dem Sinne, dass es ist fรผr mich fast schon therapeutisch ist, das einfach mal so festzuhalten. Aber wenn man dann die Songs รถfter spielt, geht es viel weniger irgendwie darum, das Gefรผhl jetzt nochmal aufzumachen oder so, sondern es ist fรผr mich schon gebunden. Mir geht es viel mehr darum, dass es irgendwie cool wirkt oder dass man denkt eher an die Performance als an den Text.

    Lena: Ja genau. Man hat so eine Verknรผpfung an den Song. Also man fรผhlt ihn schon, aber es ist jetzt nicht wie eine Wunde, die nochmal aufgemacht wird.

    Linus: Das Pflaster ist schon da und wir reiรŸen es live quasi nicht ab, sondern versuchen es mรถglichst fehlerfrei rรผberzubringen.

    „Ich bin ein introvertierter, extrovertierter Mensch“

    Anna: Zurรผck zum Titel der EP: Kรถnnt ihr gut alleine sein?

    Linus: Ja und nein, wรผrde ich sagen. Kannst du gut alleine sein, Lena? Ich glaube, du kannst echt gut alleine sein.

    Lena: Ja, komm drauf an… Also, manchmal habe ich keine guten Tage. Da bin ich nicht gerne allein, aber auch nicht gerne unter Menschen. Aber sonst bin ich schon gerne alleine, ja.

    Linus: Da kann ich mich anschlieรŸen. Ich genieรŸe meine me-time sehr. Aber ich liebe es auch mit Leuten zu sein. Und es gibt mir auch immer super viel. Also ich bin ein introvertierter, extrovertierter Mensch.

    Lena: Das ist auch so, die Abwechslung ist gut. Wir sind super viel unterwegs gerade. Und wenn wir dann daheim sind, ist es mega geil. Ist man dann aber zwei Wochen am Stรผck alleine und hat nichts, ist es nicht mehr so geil.

    Das ultimative Mittel gegen Einsamkeit

    Anna: Habt ihr denn ein bestimmtes Mittel, was euch hilft gegen das Einsamkeitsgefรผhl?

    Lena: Schlafen – also jetzt for real. Das hilft.

    Linus: Ja, aber ich habe in dem Sinn auch zwei Mittel fast meinen Freundeskreis, weil diese Freunde wohnen direkt bei mir in der Nรคhe. In meiner StraรŸe sogar. Liebe GrรผรŸe an Nico an dieser Stelle. Der klopft halt einfach mal an meinem Fenster und ist dann sogar ein paar Mal zufรคllig da gewesen, wenn es mir echt mies ging. Aus’m Fenster raus ruft er auch einfach mal: „Ey, lass nen Kaffee trinken, lets go.“ Und das hat mich dann oft einfach rausgebracht. Also meine Freunde sind da eine groรŸe Hilfe.

    Anna: Das ist doch schรถn! Ich mรถchte jetzt auch weg von den traurigen Themen. Der letzte Song auf eurer EP „Irgendwie auch schรถn“ bringt ja totale Frรผhlingsgefรผhle hervor. Kรถnnte das ein Vorbote auf die kommenden Songs sein?

    Lena: Das ist eine interessante Frage. Von den Gefรผhlen, die es auslรถst, wรผrde ich sagen: Ja. Musikalisch machen wir gerade noch ein bisschen anderes Fass auf.

    Linus: Also vom Sinn, dass es ein bisschen schneller wird und ein bisschen Uplifting ist und so eine Grundstimmung da ist. Da werden die nรคchsten Songs auf jeden Fall anknรผpfen.

    Lena: Ein paar davon bleiben auch traurig natรผrlich.

    Linus: Aber musikalisch wird das Ganze ein bisschen grรถรŸer alles und ein bisschen mehr und wir sind ganz gespannt, was die Leute so denken.

    Lena: Ich bin schon etwas aufgeregt.

    Anna: Im Herbst geht ihr ja dann auch auf Tour. Kommt bis dahin noch eine EP raus?

    Linus: Das dรผrfen wir zum Glรผck schon sagen: Ja!

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    Anna: Habt ihr einen Guilty Pleasure Song?

    Linus: Also ich find viele Udo Jรผrgens Songs einfach mega geil. Ich find es auch mega geil, dass er bei seiner Zugabe immer im Bademantel auf die Bรผhne gekommen ist. Also vielleicht Udo Jรผrgens. Aber das ist auch, weil meine Mama viel Udo Jรผrgens gehรถrt hat.

    Lena: Also ich hรถr halt einfach unglaublich gerne so richtige Pop-Musik, wo vielleicht viele Musiker*innen eher sehr skeptisch gebenรผber sind. Aber ich find es ganz cool, einen Popsong zu schreiben.

    Diese Newcomer*innen solltet ihr euch merken

    Anna: Habt ihr passend dazu auch noch eine aktuelle „gute“ Musik Empfehlung parat?

    Linus: Oh ja! Man kann es nicht oft genug sagen, weil er ein guter Freund von uns ist und ein ganz interessanter Newcomer. Zwei sogar, um genau zu sein: Otto Luft. Das ist der eben genannte Freund, der mich aus meinen schlechten Phasen herausbringt. Sein Track „Secco Mate“ ist gute Laune pur. Und der zweite ist Udo West. Er macht so NNDW-Musik und beide kommen aus Wรผrzburg.

    Lena: Er ist wirklich der grรถรŸte Star auf der Welt und auch wie er sich auf der Bรผhne bewegt. Wir teilen uns auch den Schlagzeuger.

    Linus: Er ist der beste Frontmann und das ist einfach Musik, die noch nicht so viele Leute kennen, aber die viele Leute kennen sollten.

    Lena: Und noch ein Geheimtipp von mir: marita hat letztens ihren ersten Song rausgebracht, ist auch bei uns im Label und ich glaube, da kommt noch groรŸes.

    Anna: Die kenne ich alle noch nicht und werde sie mir auf meine Liste schreiben. Seid ihr bereit fรผr eine Entweder-Oder-Fragerunde?

    Linus: Auf jeden Fall!

    Anna: Nike oder Adidas Sneaker?

    Lena: Nike – auch wenn ich gerade Adidas trage.

    Linus: Ich sage Adidas.

    Anna: Mio Mate oder Club Mate?

    Linus: Club Mate.

    Lena: Mio!

    Anna: Ja, das ist nicht einfach. Hamburg oder Paris?

    Linus: Ich war noch nie in Paris.

    Lena: Ich war auch noch nie in Paris, aber safe Paris!

    Linus: Ja, fair (lacht).

    Lena: No front, aber ja … (lacht)

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    Anna: Call me by your name oder Little Woman?

    Lena: Little Woman.

    Linus: Call me by your name, einfach weil ich den รถfter gesehen habe. Ich hab den schon zwรถlf Mal gesehen.

    Lena: Hmm ja, stimmt … Gleichstand, wenn es geht.

    Anna: Naa, das lasse ich gerade mal so durchgehen. Instagram oder TikTok?

    Linus: Also zum Verblรถden TikTok, weil es einfach unendlich weitergeht.

    Lena: Aber ich hรคtte auch gesagt, deshalb Instagram. TikTok ist einfach so: Du machst es auf und es schreit dich an und dann schreit es dich auch drei Stunden lang an … also ja, Instagram.

    Linus: Instagram ist halt auch cooler, um mit Freunden zu connecten und so. Aber wenn ich einfach nur dumm rumliegen will und Videos schauen, dann TikTok.

    Anna: Akustik- oder E-Gitarre?

    Linus: Puh, schwieriges Thema.

    Lena: Fรผr mich auch.

    Linus: Akustikgitarre ist halt einfach. Klingt immer irgendwie ganz geil. Ist charmant, aber mit E-Gitarre kann man so viel mehr machen. Aber weil ich momentan mehr Akustikgitarre spiele, sage ich Akustikgitarre.

    Lena: Ich nehm die E-Gitarre.

    Auf einen Kaffee mit Jeremias

    Anna: Die letzte Frage: Habt ihr noch eine untold story parat?

    Linus: Ich glaube, eine Geschichte, die wir noch nie erzรคhlt haben, ist unser erstes Treffen mit Jeremias. Das ist schon witzig eigentlich. Wir hatten das erste Treffen mit unserem Produzenten, wo eigentlich ja nur Lena eingeladen war und ich war so dabei. Dann habe ich einen Kaffee getrunken mit Tim und davor waren wir halt auch super aufgeregt. Und Tim produziert auch fรผr Jeremias. Da dachten wir schon so: Vielleicht treffen wir irgendwann dann mal Jeremias.

    Lena: Also wir waren so krasse Fans von Jeremias. Also sind wir natรผrlich irgendwie immer noch.

    Linus: Aber an dem Tag haben wir noch drรผber geredet, wie cool das wรคre, mal Jeremias kennen zu lernen und so. Dann sitzen wir da so drauรŸen. Es war September in Berlin und trinken Kaffee und dann fรคhrt ein Auto vorbei und Tim winkt. Wir fragen so: Wer war denn das? Und Tim nur: Ach, das war Jeremias.

    Lena: Und wir waren innerlich so richtig aufgeregt und รคuรŸerlich nur so: Ah cool (lacht).

    Linus: Und dann stand der gute Jeremias Heimbach einfach bei uns am Tisch und meinte zu Tim: hey, ich wollte meinen Synthie abholen. Ich bin ein bisschen frรผh. Und dann haben wir zusammen Kaffee getrunken – am ersten Tag direkt. Ich sollte gar nicht dabei sein.

    Lena: Und er hat sich eine Zigarette von meinem Tabak gedreht. Es war cool.

    Linus: Das war so die erste Berรผhrung mit der Musikindustrie. Und das war dann irgendwie schon ganz krass. Wir verstehen uns aber richtig gut. Ganz liebe GrรผรŸe.

    Anna: Ja, also demnรคchst mal ein Feature?

    Linus: Also das kรถnnen wir jetzt natรผrlich nicht sagen, aber vielleicht. Jeremias hat uns gestern in sein Studio eingeladen.

    Anna: Oha, ich bin gespannt! Das war es von meiner Seite aber auch schon. Wollt ihr noch was loswerden?

    Linus: Leute, wir spielen im September unsere erste eigene Tour. Es wird ganz intim. Kleine Lรคden mit Band, nicht nur zu zweit. Und wir wรผrden uns richtig freuen, falls ihr unsere Musik mรถgt, dass ihr vorbeikommt.

    Anna: Ja, dann bedanke ich mich bei euch fรผr das Interview und freu mich auf den Auftritt!

    Linus: Danke dir, Anna. Wir sehen uns!

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    Fotocredit: Paula Tauber & Anna Niere

  • untoldency proudly presents: Shygirl am 06.12.2022 in Berlin

    untoldency proudly presents: Shygirl am 06.12.2022 in Berlin

    Wie spannend kann Female Rap sein? Seeeeeeeeehr!! Das beweist uns unsere heutige Konzertprรคsentation. Denn wir laden euch ein zum Konzert von Shygirl am kommenden Dienstag, den 06. Dezember 2022 im Astra Kulturhaus. Die britische Kรผnstlerin hรคlt auf ihrer World Tour in nur 5 europรคischen Stรคdten und Berlin gehรถrt glรผcklicherweise dazu! Bevor also der Hype um die unglaubliche versatile Kรผnstler*in zu groรŸ wird, um Tickets zu bekommen, schlagt noch schnell zu รผber unsere Ticketverlinkung!


    Britische Extravaganz!

    Es ist irgendwie immer das Gleiche: Das Essen ist scheiรŸe, aber die Musik unglaublich gut. Wรคhrend die USA immer besser darin wird, massenweise weichgespรผlten Hip Hop durch die Radios zu schleusen, bringt GroรŸbritannien, insbesondere London, immer wieder spannende musikalische Projekte hervor (Ed Sheeran ausgenommen). Shygirls erste Singles umspielten ganz intuitiv dem sich allmรคhlich etablierenden Hyperpop. Doch auf dem zuletzt erschienenen Album „Nymph“ zeigt die Sรคngerin und Rapperin ihre Vielfรคltigkeit. Alles ist mรถglich und nichts klingt erzwungen! Die Leichtigkeit mit der Shygirl ihre Stimme butterweich รผber die genre-bending Instrumentals legt, macht unglaublich viel SpaรŸ! Zudem umgibt die Britin eine unglaublich spannende Kรผnstlerpersรถnlichkeit, die sekundenweise mit veralteten Stereotypen bricht.
    Ach, es ist eigentlich ganz leicht: Holt euch Tickets und genieรŸt mir euren eigenen Ohren und Augen!

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    Tourdates

    Verfolgt Shygirl auf all ihren Socials wie zum Beispiel Instagram oder Spotify und denkt daran euch Tickets fรผr das Konzert am 06.12.22 zu holen. Noch ist der Hype รผberschaubar und die Ticketpreise moderat.

    Nicht lang schnacken, kauft Shygirl Karten!

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  • Ottolien im Interview: ยปWir bauen gerne Easter Eggs ein, die die Songs fรผr uns noch persรถnlicher machenยซ

    Ottolien im Interview: ยปWir bauen gerne Easter Eggs ein, die die Songs fรผr uns noch persรถnlicher machenยซ

    Die Brรผder Leo und Jonas machen seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik und seit Ende 2018 auch ganz offiziell als Duo Ottolien โ€“ das ist รผbrigens der Nachname. Ehrliche Texte mit fast poetischen Anmutungen sind das Fachgebiet der beiden. Besonders interessant wird es durch den Mix aus Leos weicher Singer/Songwriter-Stimme und Jonasโ€™ Rap-Parts โ€” eine Energie, die man sonst eher selten findet.

    Ich habe Leonard und Jonas Ottolien zum Interview getroffen. Nach einem wunderschรถn anstrengendem Festivalwochenende auf dem KiezKultur in Hannover sitzen wir am Sonntagnachmittag noch etwas verkatert und kรถrperlich mitgenommen bei einer Fritz Kola im Biergarten Gretchen. Wir reden รผber die musikalische Kindheit der beiden Brรผder, die Entstehung ihrer Songs, Fetzenfische und was diese Tiere mit den Ottolien zu tun haben.

    Ottolien im Interview

    Anna: Hallo ihr beiden! Schรถn, dass ihr euch heute die Zeit fรผr das Interview nehmt. Ich hoffe ihr seid nicht mehr zu mitgenommen vom Festivalwochenende. Ich bin auf jeden Fall noch recht รผberwรคltigt von den ganzen Eindrรผcken. Aber es soll ja jetzt um euch und eure Musik gehen. Wir kennen uns zwar schon, aber mรถgt ihr euch noch einmal vorstellen?

    Leo: Ja, klar, voll gerne! Wir sind die Ottolien – das ist unser Nachname. Wir sind Brรผder. Ich bin Leo.

    Jonas: Ich bin Jonas.

    Leo: Unsere Musik ist eine Mischung aus Indie, Pop und Rap, wo wir beide quasi als Lead, Jonas als Rapper und Sรคnger und ich als Sรคnger fungieren. Also, beide stehen vorne und singen in Parts. Wir kommen aus Hannover und haben gerade unsere zweite EP released.

    Das Buch zur Band: „Wir tun uns so gut (weh)“ – demnรคchst in der untold Buchhandlung eures Vertrauens

    Anna: Wenn eure Musik ein Buch wรคre, welchen Titel hรคtte das Buch?

    Leo: Oha, das ist ja direkt eine schwierige Frage am Anfang … (รผberlegt sehr lange) Vielleicht so in die Richtung „Wir tun uns so gut (weh)“.

    Jonas: Ja, irgendwie so dieses Brรผder-Ding auf jeden Fall.

    Leo: Ok, gehen wir erstmal vom Cover des Buches aus. Da haben wir eine genauere Vorstellung, weil wir in einem Video letztens eine Einstellung gefunden, wo wir dachten, dass es voll das gute Cover ist. Da stehen wir uns gegenรผber, aber eine Sรคule ist zwischen uns und wir nehmen uns in den Arm. Die Sรคule ist quasi zwischen unseren Gesichtern. Wir sehen uns nicht, haben uns aber trotzdem im Arm. Beim Titel wรผrde ich jetzt erstmal bei „Wir tun uns so gut (weh)“ bleiben. Es ist jetzt natรผrlich nicht die Musik selber, sondern eher auf uns als Brรผder bezogen.

    Jonas: Ich finde das passt schon sehr gut dazu, wie wir uns als Band fรผhlen. Aber jetzt nicht so direkt auf die Musik bezogen.

    Anna: Ihr kรถnnt ja auch zwei Bรผcher rausbringen.

    Leo: Auch eine Idee, aber ich habe als erstes gedacht, dass es ein Buch ist, dass von hinten und vorne gelesen werden kann. So ein Wendebuch quasi und dann auf den Aspekt eingehen, dass es zwei Seiten hat. Man neigt dazu es so plump auszudrรผcken. (damit wirkt er noch sichtlich unzufrieden und รผberlegt lange weiter) Jon, von dir kommt ja gar nichts!

    Jonas: Ja, ich habe irgendwie auch nicht so die Idee. Das ist schonmal ein top Ansatz, aber der Titel fehlt mir auch.

    Anna: Wenn euch im Laufe des Gesprรคchs noch ein anderer Titel einfรคllt, werft ihn einfach rein. Gehen wir jetzt erst einmal ein bisschen zurรผck in der Zeit, und zwar in eure Kindheit. Habt ihr auch schon als Kinder zusammen Musik gemacht? Liegt es bei euch in der Familie?

    Jonas: Wir haben tatsรคchlich schon als Kinder zusammen Musik gemacht. Wir haben ganz frรผh angefangen. Ich glaube, Leo war sieben und ich war fรผnf. Da haben wir angefangen mit Gitarre spielen. Wir hatten einen sehr coolen Gitarrenlehrer. Das war damals ein 19-jรคhriger Metal-Typ mit langen Haaren und Metallica Shirt, der uns nicht irgendwie die Noten vor die Augen gelegt hat und gesagt hat, dass wir die auswendig lernen sollen. Wir haben irgendwie direkt angefangen Songs zu schreiben und mit dem Wรผrfel Akkord-Reihenfolgen zu wรผrfeln. Dann hatten wir super schnell unseren ersten Song geschrieben. Wir haben dann auch zusammen fรผr Familie und Freunde was vorgespielt. Also irgendwie schon voll frรผh so kleine Mini Gigs gehabt.

    Leo: Und dann aber auch vor richtigen Publikum sehr schnell. Wir waren schon so als Singer Songwriter Duo unterwegs und haben da auch so Songwriting- und Kompositions-Wettbewerbe mitgemacht. Das war das „Treffen junge Musikszene“. Und das war so die groรŸe weite Welt fรผr uns mit zwรถlf und zehn Jahren. Genau und da waren wir. Aber in der Familie liegt es nicht. Also unsere Eltern machen keine Musik.

    „Ein Fetzenfisch ist eigentlich nur ein hรคssliches Seepferdchen“ – und was das Tier mit den Ottolien zu tun hat

    Anna: Hattet ihr damals auch schon einen Namen fรผr euer Duo? HieรŸt ihr auch schon die Ottolien?

    Jonas: Ne, wir hieรŸen „Phyllopteryx“ – der lateinische Begriff fรผr Fetzenfisch, weil wir gefetzt haben. Also fetzige Musik gemacht haben.

    Leo: Ein Fetzenfisch ist aber eigentlich nur ein hรคssliches Seepferdchen. Es sind quasi Seepferdchen. Die tarnen sich indem sie sich nicht bewegen. Also die sind quasi urzeitliche Seepferdchen und sehen aus wie im Meer treibende Algen. Damit haben wir uns dann irgendwie ein bisschen identifiziert. Wir haben halt irgendwie so Singer Songwriter Punk gemacht – also sind schon gut abgegangen, waren aber halt irgendwie noch diese kleinen Pimfe. Wir waren quasi die letzten Fische, die jemand fรผr kleine Mini Algen hรคlt. (lacht)

    Jonas: Es konnte einfach niemand aussprechen und es hat auch niemand verstanden, aber wir fanden es damals cool.

    Anna: Und deswegen heiรŸt ihr jetzt Ottolien.

    Leo: Ja, genau. Immer noch sperrig, aber weit aus mehr catchy.


    Kurzer redaktioneller Kommentar an dieser Stelle: Meine investigative Ader war getriggert nach der Band „Phyllopteryx“ zu googlen. Natรผrlich wurde ich direkt fรผndig und konnte alte Schรคtze ausgraben. Denn die beiden haben es sogar in den Spiegel geschafft unter dem Titel „Jonas und Leonard – die Punkrocker“. Den Artikel verlinke ich euch mal ganz unverbindlich hier. Schaut einfach mal selbst, wie Leo und Jonas so mit 11 und 13 aussahen. Mein Favorit ist allerdings der Name ihres damaligen Songs: „Kanzler von Deutschland“. Catchy, Jungs, catchy. Und Leo, wenn du immer noch Musikjournalist werden mรถchtest – unsere Tรผren stehen dir jederzeit offen. Ach und Fetzenfische finde ich eigentlich auch ganz sรผรŸ. Ich รผbergebe wieder an Interview-Anna.


    Anna: Kommen wir jetzt mal wieder in die Gegenwart zu eurer EP „Gezeitenland“. Wie muss ich mir den Prozess vom Songschreiben bei euch vorstellen: Wie lรคuft das ab? Einer schreibt die Texte und der andere sagt „ist gut, lass mal aufnehmen“?

    Leo: Zum Glรผck nicht mehr. Also das war manchmal so, oder? Obwohl …

    Jonas: Das ist eigentlich immer ein bisschen durchmischt. Also mal ist so der erste Grundstein gelegt, wenn Leonard mal ein paar Textschnipsel hat oder wenn ich einen Beat habe oder wenn ich mal ein paar Texte oder Leonard Akkorde auf der Gitarre. Es geht quasi immer von einer Seite irgendwie los.

    Leo: Also frรผher haben wir gedacht, jetzt mรผssen wir immer genau alles auf uns beide aufteilen in den Songs, dass ich da einen Part haben muss und dann muss Jonas noch mal was rappen. Aber so ist das nicht mehr. Wir haben uns davon auch komplett gelรถst. Fรผr uns steht jetzt der Song im Vordergrund und nicht die Aufteilung der Parts. Es ist zwar schon meistens so, dass ich ein bisschen mehr Texte schreibe. Aber das kommt auch einfach, was Jonas produziert und ich sehr old school mit Stift und Block texte. Das heiรŸt aber auch nicht, dass Jon gar nicht textet.

    Zwischen verschachtelten Texten und klaren Botschaften

    Anna: Sind euch eure Texte nicht manchmal zu persรถnlich?

    Leo: Woah (รผberlegt) … bisher noch nicht. Also, ich weiรŸ nicht, wie das so nach auรŸen wirkt, aber ich habe zumindest fรผr mich immer noch so eine Verschachtelung drin. Da versteht man, glaube ich, das Grundgefรผhl, ohne dass es zu persรถnlich wird. Aber ich glaube so persรถnlich, dass es andere Menschen betrifft und irgendwie eine Grenze รผberschreiten kรถnnte, wird es nicht. Also die Songs sind schon nah dran. Aber wir kriegen es, glaube ich, immer noch hin, dass man es nicht checkt. Ja, oder? Ich weiรŸ nicht, wie es bei dir ist, Jon.

    Jonas: Also ich finde zum Beispiel „Autoscooter“ ist jetzt gar nicht so verschachtelt. Das ist relativ obvious der Song fรผr meinen besten Kumpel. Ich bin eigentlich voll der Fan von richtig persรถnlichem Kram. Ich finde es irgendwie cool, das in einem Song dann noch weiter kommunizieren zu kรถnnen, was ich meinem besten Freund jetzt vielleicht nicht so direkt ins Gesicht gesagt hรคtte.

    Leo: Ich habe auch das Gefรผhl, dass wir in manchen Songs, die vielleicht gar nicht so persรถnlich wirken, immer so Easter Eggs fรผr uns selbst einbauen im Text. Die wirken dann vielleicht nach drauรŸen gar nicht so, sind aber fรผr uns voll nah dran, aber im Gesamtkontext werden sie gar nicht so klar beim Zuhรถren. Also wir haben glaube ich, da ganz viele Sachen, die nur wir wissen kรถnnen und die wir auch dann nicht groรŸ revealen, die im Gesamtkontext dann vielleicht ganz anders wirken. Aber dadurch wird es halt nicht fรผr mich, nicht irgendwie zu persรถnlich. Finde es trotzdem schรถn, dass die Songs so persรถnlich rรผberkommen.

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    Anna: Jonas, du hast ja gerade schon „Autoscooter“ angesprochen. Wie kam es dazu, dass ihr diese Aufnahmen von euch als Kind oder Jugendliche mit drin hat? Und war das einfach zuverlรคssig oder wie habt ihr die wiedergefunden?

    Jonas: Ja, da geht erstmal ein ganz groรŸes Shoutout an Nicole, die mit uns frรผher in einer Dorf Clique war und ist. Sie ist auf jeden Fall eine lebende Festplatte, was das angeht. Ich habe ihr nur mal den Song geschickt und gefragt, ob sie zu Fabo, meinem besten Freund, noch ein paar O-Tรถne hat, die ich reinmixen kann. Und keine zwei Stunden spรคter hatte ich eine Dropbox mit tausenden Videos vom alten Sony Ericsson bis zum Samsung Galaxy S2. Und da war dann unter anderem ein Video dabei, wo wir eben im Riesenrad sitzen und genau da in die Ferne gucken und diese Industrie sehen. Wir philosophieren darรผber, was das denn sein kรถnnte. Genau. Da hat sich dann irgendwie so angeboten. Es passte einfach zu dieser Kirmes Thematik vom Song.

    Eine Ode an den besten Freund und die Naivitรคt der Kindheit

    Leo: Als Jonas das dann ausgewรคhlt hatte, hab ich da auch direkt was reininterpretiert. Ich glaube als neutrale Hรถrer*innen funktioniert das auch super gut. Das hat so was apokalyptisches am Ende. Ich stell mir immer so vor, dass so drei Kinder im Riesenrad sitzen und gucken, was รผbrig geblieben ist von der Welt. Das passt perfekt an das Ende. Und irgendwie finde ich, dass dann der Song ganz anders wirkt und gar nicht mehr so eine persรถnliche Mini Geschichte zwischen euch beiden ist. Das ist halt meine Sicht auf den Song, der ja fast komplett nur von Jonas kommt.

    Anna: Auf einen Song wollte ich noch eingehen: „Franka und Laurin„. Basiert das auf echten Personen? Also wer sind Franka und Laurin? Wenn ihr das teilen mรถchtet.

    Leo: Das lassen wir offen. Also es basiert auf wahren Personen. Dazu finden wir aber auch die Namen ziemlich nice.

    Wo ist das Ottolien Song-ABC hin?

    Anna: Ich hab’s mir schon fast gedacht. Aber der Song funktioniert durch die beiden auf jeden Fall sehr gut. Wovon ich aber lรคngere Zeit schon nichts mehr gehรถrt habe, ist euer Song-ABC. Gibt es das noch? Was ist daraus geworden?

    Leo: Das fragen wir uns auch immer wieder. Ich schรคtze mal, dass es eher was Saisonales ist, dass wir immer mal wieder auspacken. Wir haben es immer so ein bisschen gestรผckelt. Also immer, wenn wir eigene Songs rausbringen, pausiert das ABC. Wir sind auch noch gar nicht so weit im Alphabet vorangeschritten. Wir mรผssten bei F sein. Die Resonanzen waren immer richtig cool. Auch die Leute, deren Songs wir gecovert haben, aber auch immer irgendwie reagiert. Das war total nett. Das war echt cool, auch so Reaktionen von den Madsen hatten und von L-Goony. Also so ganz Verschiedene. Ich finde das Format immer noch cool und ich schรคtze mal, dass wir es jetzt im Winter wieder aufleben lassen.

    Anna: Da bin ich ja mal gespannt! Ich habe noch zwei Entweder-Oder-Fragen fรผr euch. Die erste lautet: Eure Songs lieber komplett durchproduziert oder lieber Akustik spielen?

    Jonas: Komplett durchproduziert!

    Leo: (zรถgert erst) Bei mir auch mittlerweile.

    Jonas: Es macht dann mehr SpaรŸ auf der Bรผhne, wenn man richtig tanzen und abgehen kann. Das fehlt mir bei dem Akustik Ding. Das ist eher ruhig und beseelt und schunkelnd. Aber ich finde es springend cool.

    Anna: Ok, das kann ich verstehen. Frage Nr. 2: GroรŸstadt oder Dorf?

    Leo: GroรŸstadt mit Option auf Dorf bei schlechter Laune. Zรคhlt das?

    Anna: Naja, eigentlich nicht …

    Leo: Ok, GroรŸstadt!

    Jonas: Dorf bei mir – ganz klar.

    Anna: Ich habe es mir ein bisschen gedacht.

    Leo: Das ist so unser Running Ding. Jonas kann sich nicht so richtig vorstellen zum Beispiel irgendwann mal nach Berlin zu gehen oder so. Mal gucken. Aber es ist ja genau die Mischung, die wir in uns tragen. Also ich finde es auch ganz cool, dass du so commited bist. Es hat ja auch Grรผnde. Du bist viel verwurzelter zu Hause noch.

    Jonas: Meine Kumpels und ich haben quasi eine Art mรผndlichen Pakt geschlossen, dass wir alle spรคtestens zum Lebensherbst oder zum Lebensabend wieder im Heimatdorf einkehren. Und ob das jetzt wirklich passiert, mal gucken. Aber ich habe halt einfach noch einen sehr aktiven, groรŸes Freundeskreis aus Schulzeiten und das finde ich ganz schรถn. Dann bin ich auch gerne da.

    Leo: Das ist bei mir nicht mehr so krass verwurzelt. Das ist bei mir viel mehr auseinander gesplittet, also auch geografisch. Aber ich habe einfach hier in Hannover meinen festen Kreis. Sowohl freundschaftlich als auch musikalisch ist es hier mein Hauptort mittlerweile.

    Die Ottolien und ihr klimapolitischer Song

    Anna: Ich habe auf eurem Spotify Account noch das Album „no music on a dead planet“ gefunden, was ja so Kollaboration mit mehreren Artists war. Wie kam es dazu und warum? Warum war es euch wichtig, da was beizusteuern?

    Leo: Dazu kam es einfach durch die Organisation Culture Declares. Daraus ist dann ein kompletter Hannover Sampler entstanden. Und dadurch, dass wir noch nie auf so einem Sampler dabei waren und wir das schon cool fanden, haben wir uns direkt gemeldet. Wir wollen auch fรผr eine klimagerechte Zukunft stehen als Band und zeigen, dass wir uns auch fรผr Klimapolitik interessieren. Da wollen wir einfach auch zu stehen. Und die zweite Sache war, dass wir eine Challenge hatten, da recht schnell dann einen Song dazu zu schreiben. Das war irgendwie cool, weil wir das erste Mal auch so ein bisschen den Inhalt vor die Produktionsraffinesse gestellt haben.

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    Anna: Und das Ergebnis kann sich auf jeden Fall zeigen lassen! Ich habe jetzt nur noch eine letzte Frage und das ist die Frage nach eurer untold story?

    Leo: Eine noch nicht erzรคhlte Geschichte.

    Anna: Genau!

    Leo: Also wir kรถnnten die erste Cover Geschichte erzรคhlen von unserem Gesprรคch oder oder vom Videodreh in der Rutsche.

    Jonas: Ohja, das ist ne coole Story, lass uns die nehmen!

    Leo: Ok, warte, ich leite die Geschichte ein und du erzรคhlst sie: Wir haben ja gerade unsere zweite EP „Gezeitenland“ rausgebracht und wir haben zum namensgebenden Song ein Video im namensgebenden Hallenbad Gezeitenland auf der Nordseeinsel Borkum gedreht. Und dabei ist folgende untold story passiert. Jonas, bitteschรถn.

    Jonas: Wir haben uns in die ausgeschaltete Wasserrutsche begeben. Wir sind also rein geklettert mit dem schรถnen Filmteam von Stabil und Grazil aus Hannover. Also die mit ihrer riesigen Kamera da rein. Niklas mit so einer Leuchtrรถhre und dann Leonard und ich. Das ist glaub ich etwas schwierig, sich vorzustellen. Das ist eine Tube Rutsche und wir haben uns so entgegeneinander da reingesetzt.

    Anna: Aber die Rutsche war ausgestellt oder ist da was passiert?

    Jonas: (muss schmunzeln) Nee, ich bin nur einmal ausgerutscht auf das SteiรŸbein, das tat weh. Aber das ist nicht die Geschichte. Also, wir sitzen gerade in dieser Rutsche und haben einen Performance Part gedreht. Das heiรŸt Niklas hat auch noch die Soundbox laufen mit dem Song. Wir singen dann so schmissig in die Kamera und auf einmal hรถren wir nur so ein Zischen und so ein Rumoren. Dann hรถrt man so ein konstantes, leichtes „Schhhhh“. Es waren nur noch so drei Sekunden Stille, in der wir uns nicht bewegt haben. Und ich habe dann einfach aus Reflex heraus gerufen „Wasser kommt“. Dann sind wir alle mit dem Equipment aus der Rutsche raus und in das Auffangbecken. Ich war der Letzte, weil ich auch als Erster drin war. Hab mich auf dem Weg natรผrlich auch noch abgepackt. Und keine Sekunde, nachdem ich drauรŸen war, kam das Wasser da rausgeschossen. Wir waren insgesamt aber zwei Tage zum Drehen da. Am nรคchsten Tag haben wir den Besitzer dann gefragt, ob die Rutsche irgendwie immer durchgespรผlt wird oder so. Und er nur so: „Achja, stimmt, aber ich weiรŸ gar nicht, wann genau und in welchen Intervallen.“ Dann haben wir am nรคchsten Tag also nochmal unser Glรผck versucht. Wir wollten unbedingt das schรถne Licht mit der Sonne auf der Rรถhre einfangen. Wir haben das dann so gemacht, dass Bardi, unser Fotograf, dann die Aufgabe hatte oben zu schauen, wann das Wasser angeht. Vorher hatten wir noch extra zwei so Kinder Walky Talkies besorgt, damit er uns Bescheid geben kann, wenn die Dรผsen anspringen.

    Leo: Natรผrlich hat er sich auch einmal den Gag gemacht, einfach „Wasser kommt“ zu rufen, obwohl nichts kam. Und ja: Das ist unsere untold story!

    Anna: Genial, vielen Dank euch fรผr’s Teilen der Geschichte und fรผr’s Interview. Macht’s gut und bis bald!

    So, ich hab mir jetzt auch den Mund fusselig geredet. Mir bleibt nur noch zu sagen: Streamt „Gezeitenland“ von den Ottolien:

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    Fotocredit: Christian Bardenhorst