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  • Berge, Sonne, gute Laune satt: So war das Zermatt Unplugged Festival 2026

    Berge, Sonne, gute Laune satt: So war das Zermatt Unplugged Festival 2026

    Die Hälfte vom April ist bereits vorbei und damit auch das diesjährige Zermatt Unplugged Festival. Die Schweizer Idylle am Fuße des Matterhorns beherbergte dieses Jahr wieder zahlreiche Künstler:innen aus Pop, Folk und elektronischer Musik, die auf 17 Bühnen rund 120 Konzerte spielten.  

    Das Festival ging dieses Jahr in die 17. Runde, wobei eine meiner liebsten Bühnen aus den Vorjahren durch fehlendes Sponsoring gestrichen wurde, leider. Dafür ist ein anderer Liebling von mir noch da gewesen: der Riffelberg. Was schreit mehr Konzert als ein Skigebiet auf über 2500m überm Meeresspiegel?
    In knapp 30 Minuten ist man mit der Gornergratbahn von Zermatt auf den Riffelberg gefahren und kann Openair-Konzerte in der Sonne auf einem Liegestuhl mit Blick aufs Matterhorn genießen. Dort habe ich mir Tors und Vincent Lima anschauen dürfen und das waren auf jeden Fall zwei meiner Highlights der Woche.

    Riffelberg
    Riffelberg

    85 Franken well spent

    Abgesehen davon ist unten in Zermatt natürlich jedes Jahr auch wahnsinnig viel los. Zutritt zu den meisten Bühnen gibt es mit dem Unplugged-Pass, der für die ganze Festivalwoche gültig ist. Den gibts für 85 Schweizer Franken, was ich mehr als gerechtfertigt finde für fünf Tage Konzerte! Daneben gibt es jeden Abend jeweils drei Konzerte von bekannteren Künstler:innen, die mit separaten Tickets zugänglich sind. Dieses Jahr waren das u.a. Tom Odell, Emilie Sandé, Herbert Grönemeyer, Rea Garvey, Mighty Oaks und Placebo. Hier waren die Mighty Oaks definitiv meine Favoriten der Woche.

    Außerdem bietet das Festival noch zwei weitere Locations, die ebenfalls separate Tickets erfordern, dort zusätzlich aber noch ein Abendessen inkludiert ist. Ich selbst war nicht da, finde das jedoch ganz schöne Angebote, die auch immer sehr gut ankommen bei den Besucher:innen. Während die einen also beim Konzert dinieren, gibts für die anderen jede Menge kulinarischer Möglichkeiten im Taste Village, dem Herzstück des Festivals. Dort befindet sich ebenfalls eine Open-Air Bühne, die vor allem am Nachmittag und in den frühen Abendstunden bespielt wird. Hier habe ich mir z.B. Rhys Lewis, MUPANI, Matthew Mole, Sarah Julia und The Great Stoyan Duo angeschaut. Alle waren wirklich top und haben super Stimmung verbreitet. Das Lineup bestand (wie jedes Jahr) aus Künstler:innen, die neben Englisch und Deutsch auch Songs auf Französisch und Schweizerdeutsch zu präsentieren hatten, wodurch sich eine super spannende Mischung ergibt.

    Taste Village
    Bühne im Taste Village

    Früh da sein lohnt sich

    Im Taste Village gibts ein Konzert zum Mittag, was meist überschaubar besucht ist, da viele in der Mittagshitze auch noch anderswo verweilen. (Ja, 12 Grad auf über 1000m Höhe sind auf jeden Fall krass warm.) Zum nächsten Konzert um 16:45 Uhr ist dort jedoch schon wahnsinnig viel los. Wenn man also einen Sitzplatz haben möchte, sollte man nicht allzu spät erscheinen. Auch bei den anderen Unplugged-Locations lohnt sich ein früher Gang zum Konzert. Viele Venues bieten meist nur Platz für rund 100 Gäste und man sollte sich im Vorfeld gut überlegen, wo man hin möchte. Spontanität ist hier ein bisschen unangebracht, vor allem zum Wochenende hin. Zwei Locations bieten außerdem einen Restaurantbetrieb, wo man höchstens noch einen Tisch reservieren kann, um einen garantierten Platz fürs Konzert zu bekommen.

    All That Jazz

    Wo man auch noch einen Tisch reservieren kann: im Jazz Club! Ronnie Scott’s in Anlehnung an den echten Londoner Kult Jazz Club wird extra zum Festival hergerichtet und befindet sich in einem der ältesten Hotels in Zermatt. Besonders gut besucht sind dort jedes Jahr die Jam Sessions am Mittwoch und Freitag, für die sich Künstler:innen des Festivals selbst anmelden können und dann einen Song covern, entweder mit dem Jazz Ensemble, alleine oder mit anderen Künstler:innen zusammen. Niemand weiß also, wer kommt oder was einen erwartet. Dieses Jahr war ich am Mittwoch dort, da man (anders als am Freitag) noch reelle Chancen hat, reinzukommen, da das Festival wie erwähnt zum Wochenende hin stärker besucht ist. Das Jazz Ensemble selbst war sehr cool, muss ich sagen, und sie haben sehr gute Stimmung verbreitet. Gejammt haben in der Mittwochsession Sorvina, Matthew Mole, Mnerva und die Künstler:innen der Mountain Academy. 

    Ronnie Scott's Jazz Club zum Mittwochsjam
    Ronnie Scott’s Jazz Club zum Mittwochsjam

    Setzt euch ans Lagerfeuer…

    Die Mountain Academy ist ein Newcomerprogramm, genauer eine Art Coaching & Songwriting-Camp im Rahmen des Festivals. Das ist eigentlich ziemlich cool, weil man die Chance bekommt, unbekannte Musiker:innen zu erleben und diese die Möglichkeit haben, vor Publikum zu spielen. Am Campfire im Taste Village hat man jeden Tag die Möglichkeit, sich die Newcomer:innen anzuschauen. Meine Favoritin war Keza – eine Schweizerin mit afrikanischen Wurzeln, der es ganz viel Spaß gemacht hat, zuzuschauen, weil sie einfach so viel Leichtigkeit in ihrer Stimme hatte.

    Manchmal gibt es am Campfire auch Pop-up Konzerte. Ich habe leider nichts gefilmt, aber dieses Jahr hat dort auch jemand ein Konzert gegeben, der nur selbstgebaute Instrumente benutzt hat. Er hat z.B. auf einem Skateboard gespielt oder auf einem Messerblock und gesungen hat er in einen Telefonhörer. Das war ziemlich witzig und beeindruckend zugleich. Also definitiv ein Wochenhighlight.

    Tanzen ohne Ende

    Dass das Festival sehr viel Abwechslung bietet, ist kein Geheimnis. Wer tagsüber lieber in den Bergen Skifahren möchte, kann in den späten Abendstunden noch auf seine Kosten kommen. Neben dem Unplugged-Pass gibt es für 30 Franken außerdem einen Nightpass, mit dem man das Zermatter Nachtleben unsicher kann. Das Festival bietet nach den Hauptkonzerten ab 22 Uhr mehrere Spots zum Tanzen an. Gut besucht waren die Vernissage und (das erste Mal dabei dieses Jahr) das Streetside, wo es auch noch bis morgens etwas warmes zu Essen gibt, für alle, die sich mal eine Pause vom Dancefloor gönnen möchten. Besonders empfehlen kann ich die Hotdogs in der Vernissage.

    Daneben gibt es außerdem noch das Manud und meinen liebsten Hotspot: das Unique Hotel Post aka das Pöstli. Neben einer eigenen Hotelbar bot das Pöstli auf drei Floors allerlei Musik: Ob 90er/2000er oder der DJ von nebenan unten im Gewölbekeller – hier war für alle etwas dabei. Die Location hat jedenfalls einen besonderen Platz bei mir erlangt in den letzten Jahren. Ich muss zugeben, so ganz weiß ich auch nicht warum, aber das Pöstli hab ich ziemlich ins Herz geschlossen. Dazu ist auch das Hotelpersonal mega lieb und ich bin einfach sehr gern dort. Einen Besuch im Pöstli, sei es zu den Unplugged Konzerten oder zum Tanzen bis in die Nacht, kann ich allen empfehlen.

    Zermatt = Herzig

    Was ich an diesem Festival außerdem besonders liebe, ist die Atmosphäre. Das Zermatt Unplugged ist schwer vergleichbar mit anderen Festivals. Zum einen natürlich, weil es im April in der Schweiz stattfindet – logisch, da fällt Zelten schon mal aus. Zum anderen aber auch, weil das Publikum nicht die typischen Festivalgänger:innen sind. Vielleicht sind Ort und Zeit auch hier dieselben Gründe, weshalb das so ist. Es fällt jedenfalls auf, dass so gut wie alle Altersklassen dabei sind und das Publikum auch dieses Jahr sehr bunt gemischt war. Allgemein ist es sehr entspannt und man befindet sich durchaus in einer recht gelassenen Atmosphäre. Niemand drängelt, niemand pöbelt, niemand muss bei irgendwem in der ersten Reihe stehen.

    Apropos Menschen – ich möchte außerdem erwähnen, dass das Festivalteam aus so lieben Seelen besteht, die auch in stressigen Situationen nicht den Überblick verlieren. Ebenfalls die Securities sind super nett. Dazu möchte ich auch den Auf- und Abbau und die Liebe zum Detail hervorheben, da sich alle neben den Bühnen auch viel Mühe mit der Deko im Ort geben und alles immer sehr (wie die Schweizer:innen sagen würden) herzig ausschaut. Beim Festival wird viel mit Holzoptik gearbeitet und diese gibt dem ganzen eine gewisse heimelige und gemütliche Atmosphäre, die ich ganz, ganz toll finde. 

    Eingang/Ausgang Taste Village
    Eingang/Ausgang Taste Village

    Ich war dieses Jahr zum dritten Mal dort und es wird definitiv nicht mein letztes Mal gewesen sein. Wer auch dabei sein möchte, kann es sich gern schon Mal für nächstes Jahr in den Kalender schreiben – es lohnt sich!

    Die Wartezeit bis April 2027 könnt ihr euch so lange mit der offiziellen Playlist der diesjährigen Unplugged Acts vertreiben:

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  • Exklusive Videopremiere: Dennis Kiss & The Sleepers und „Rome“

    Exklusive Videopremiere: Dennis Kiss & The Sleepers und „Rome“

    Heute präsentiere ich euch mal wieder eine Band, die relativ neu auf unserem Radar ist: Dennis Kiss & The Sleepers. Das sind Sänger Dennis Kiss, Bassist Andreas Meyer, Schlagzeuger Manuel Neuhaus und Gitarrist Nicolas Ruedin. Die Songs der Schweizer Band sind klassischer Indie-Rock-Sound, der an britische Bands wie The Kooks, Circa Waves und The Vaccines erinnert. Anfang Oktober haben Dennis Kiss & The Sleepers ihr Debüt-Album „Poco Bono“ veröffentlicht. Der Song „Rome“ und das Musikvideo, um das es sich heute dreht, ist Teil des Albums.

    “teenage angst hymns in a major key”

    Rome“ klingt nach einer verzechten Nacht und dem Morgen danach. Gebrochene Gedankenschnipsel der letzten Nacht und die Frage danach, wie man nochmal in dem Club gelandet ist und warum man auf dem Badezimmerboden aufwacht – wer kennt es nicht. Unterstützt wird dieses Gefühl durch entspannte Gitarrenriffs und ein eher zurückhaltendes Schlagzeug, die eine positiv bedrückende Stimmung aufrechterhalten. Gegen Ende des Songs steigert sich Dennis gesanglich stärker in den Text und erinnert daran, Gedanken manchmal einfach nicht loslassen zu können.

    mysteriöse Begegnungen

    Im Musikvideo zu „Rome“ träumt Sänger Dennis sich in eine fiktive Welt, fantasierend über die Ereignisse der letzten Nacht. Zu sehen sind ungewöhnliche Begegnungen, die Dennis und Zuschauer:innen in einen mysteriösen Bann ziehen. So wird er nicht nur sehr eindringlich von einer Person angestarrt auf dem Nachhauseweg, sondern begegnet unter anderem auch einem Tänzer und einer Feuerkünstlerin. Die Frage „Wie bin ich hier eigentlich hingekommen?“ bekommt durch diese seltsamen Aufeinandertreffen einen noch tieferen Nachklang.

    “if you love me take me back to the bar in Rome”

    Während die Kamera also einem durch die Nacht torkelnden Dennis durch die leergefegten Straßen der Stadt folgt, realisiere ich, dass „Rome“ hier eine Bar ist und praktischerweise in der ganzen Stadt ausgeschildert ist.

    Doch bevor ich die Bar von innen zu sehen bekomme und einen Rückblick auf die Geschehnisse dort drinnen, springt die Szenerie auf den Morgen danach. Dennis wacht auf, die Sonne blendet ihm ins Gesicht und die anderen Bandmitglieder sind um ihn herum versammelt. Alle sehen etwas mitgenommen aus. Dennis macht sich letztendlich doch noch auf den Weg nach „Rome“. Die Bar ist allerdings geschlossen und er setzt sich gefrustet auf einen Stuhl vor der Tür. Irgendwie passt diese Situation perfekt zur generellen Stimmung des Songs und dem Gefühl, nicht mit der letzten Nacht abschließen zu können.

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    Das Video zu „Rome“ bricht die bisherige Ästhetik der Musikvideos zum Debüt-Album. Denn die vier Vorab-Singles sind Stillleben. Sie halten genau dieses Moment des an einem vorbeiziehenden Lebens fest und spiegeln die grundsätzliche Stimmung auf „Poco Bono“ wider.

    Alles ist okay, aber irgendwie auch nicht mehr – poco bono eben

    Die Sehnsucht nach Ausbruch und Entschleunigung, die Bitterkeit über das Schwinden von Zeit und Halt, sowie die permanente, drückende Melancholie des bloßen Seins sind die zentralen Motive der Geschichten, welche das Album „Poco Bono“ erzählt. „Poco Bono“ ist die Stadt, in welche Du ziehst und Dich einsam fühlst. In „Rome“ ist es der Club, in welchem Du vor der Realität in die Ekstase fliehst. Dennis Kiss verarbeitet textlich all das, was ihn am Erwachsenwerden hindert und es ihm dabei zugleich ermöglicht. Eine Ode an die Jugend und das Leben, ein subjektives Weltbild, gefangen zwischen Hedonismus und Masochismus.

    robuster Indie-Rock in einer Welt, die von Flüchtigkeit geprägt ist

    Dennis Kiss & The Sleepers fangen textlich den Zeitgeist der Anfang Zwanziger ein und verpacken ihn in einen klassischen Indie-Rock-Sound, der schon seit Jahrzehnten funktioniert. Wenn ihr das Album von Dennis Kiss & The Sleepers noch nicht gehört hab, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt es nachzuholen. Ich verlinke es euch mal ganz unverbindlich:

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    Fotocredit: Tim Wettstein