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  • Musik für fast jede Situation

    Musik für fast jede Situation

    Wer spielt die Musik?

    Für Artist wäre die Frage: „Macht die Musik dich, oder du die Musik?“ – Und ja, das klingt nach spirituellem Shit. Aber hier eine kurze Erklärung, warum es das nicht ist: Mir ist aufgefallen, dass besonders zum Ende des Jahres die Zeit kommt, in der sich allerlei Leute Gedanken machen (auch ich), wie dieses Jahr so war, wer sie sind, was sie (für’s nächste Jahr) wollen und so weiter. Deshalb ist es gut, sich nochmal daran zu erinnern, dass wir nicht nur anhand unserer Umwelt erkennen, wer wir (vermeintlich) sind, sondern dass unsere Umwelt auch immer Einfluss auf uns nimmt.

    Was hört man wann?

    Ich könnte hoffen, dass die Musik selbst eine Geschichte über mein Jahr erzählt, so wie man es sich irgendwie beim Wrapped erhofft. Eher hab ich das Gefühl, dass die Musik mich beeinflusst hat, als dass ich mich bewusst entschieden hätte einen passenden Song zu meiner Situation zu hören. Es gab nur einmal den Fall (an den ich mich erinnern kann) und das war als ich aus Weimar weggezogen und dann natürlich „End of Beginning“ von Djo gehört habe.

    Also sicherlich hören manche Leute bestimmte Songs nur in bestimmten Situationen, sonst gebe es ja auch nicht sowas wie Sportplaylisten, aber ich will hier eher darauf eingehen, welche Songs dieses Jahr mich beeinflusst haben. PS: Für Sportplaylisten empfehle ich „WHOS THAT“ von Ikkimel.

    Musik, durch die sich mein November wie ein Kinofilm angefühlt hat

    Durch „Eyes without A Face“ von Billy Idol fühlt man sich, als wäre man die letzte auf irgendeinem amerikanischen Prom und die Diskokugel dreht sich noch so langsam und es wandern so Lichtqudrate die Wand entlang. „Rebell Yell“ animiert zum Tanzen und das mit Pulp Fiction ähnliche Tanzmoves. Das variiert aber von Person zu Person. Wenn man „Berghain“ von ROSALíA anhört, dann fühlt man sich als wäre man in einem richtig spannenden Film, auch wennn man nur auf einer Parkbank sitzt und eine Taube vorbeifliegt.

    Musik zum fühlen als wäre man krass verliebt auf wienerisch

    „Du bist wie“ von Laurenz Nikolaus und „Marie“ von BIBIZA. Mehr muss man nicht sagen.

    Musik durch die ich mich lebendig gefühlt habe

    Für ein hohes Energielevel und zahlreiche Ideen solltet ihr „Born to Run“ von Spruce Springsteen hören. Selbes passiert bei „Backseat „von Balu Brigada.

    Musik, die meine Montagmorgende auf dem Weg zur Arbeit versüßt haben

    Für einen guten Start in den Arbeitstag und um die Ernsthaftigkeit zu nehmen, die beim Gang zur Arbeit manchmal aufkommt, empfehle ich:“WHOS THAT“ von IKKIMEL und „Manic Monday“ von The Bangles.

    Musik durch die ich Geschichten erlebt habe

    Wer gern sich gern in Geschichten verliert, der MUSS „We three“ von Patti Smith hören. Das funktioniert auch mit einem weiterer Banger von Patti Smith: „Redondo Beach“. Auch „Farewell Angelina“ gesungen von Joan Baez erzählt auf eine schöne und ruhige Art und Weise von…ja muss man selber hören :). Für eine melancholische Heartbreakgeschichte eignet sich (bei Bedarf) Bob Dylan The Girl from the North Country Fare“ und „It Ain’t Me Baby„. Bisschen unangenehm zuzugeben, aber vor allem die Songs von dem „A Complete Unknown“ – Soundtrack sind cool und deshalb war Timothée Chalamet mein Top-Artist in diesem Jahr. Und für Hip-Hop- und Geschichten-Mögende: „Like him“ von Tyler, the Creator ft. Lola Young.

    Musik, die mich vermissen lässt, aber auch hoffnungsvoll macht

    Auf jeden Fall „True Love Way“ von Kings of Leon und ein ganz anderer Sound, aber das gleiche Gefühl strahlt „White Winter Hymnal“ von Fleet Foxes aus.

    Musik, bei der ich denke, ich wäre die krasseste und in der Mensa nach extra Soße frage

    Mein momentaner Lieblings-Songs (also ihr wisst wie ich drauf bin) ist „Les““ von Childish Gambino. Damit hat man vor nichts mehr Angst sag ich.

    Musik, bei politischen Weltschmerz:

    Klassiker Bob Dylan zu nennen, aber ich muss: „The Times Are A-Changing“ und „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“

    Musik, mit der ich mich verstanden gefühlt habe, aber die mich auch krass traurig gemacht hat

    Ich hab diesen Dezember einen neuen Artist entdeckt und ich HOFFE so, ihn nächstes Jahr live sehen zu können. Cameron Winter hat sein Album „Heavy Metal“ im Dezember 2024 herausgebracht und die Lyrics sind sehr relateable und seine Stimme macht die Songs einzigartig . Meine Lieblingssongs sind: „Love Takes Miles“, „The Rolling Stones“ und „Cancer of the Skull“

    Oh, cancer of the fingers/ And the hands of a beginner/ These songs are made for bad singers“

    Musik, die man hört, wenn man durchs Weltall schwimmt

    Planet Caravan“ von Black Sabbath und definitiv Satta Massagna“ von The Abyssinians. Das wären so gute Songs für ein paar Bahnen durch die Milchstraße oder für Galaxien, wo es nicht so kalt ist.

    Musik für (Herz-)Schmerz

    Heartbeat“ von Childish Gambino, wenn bisschen Wut dabei ist und, wenn man einfach nur traurig ist „Images of Love“ von Hether ft. Dominic Fike

    Mega spaßige Musik, die meinen Oberkörper tanzen lässt

    „Boy – Live Session“ von doro (mit einem ultra schönen Musikvideo), „Sugar on my tongue“ von Tyler, the Creator

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    Gebt gerne bescheid, ob die Musik sich für euch gähnlich- oder ganz anders anfühlt. Ich wünsch euch eine richtig schöne Zeit und verabschiede mich für dieses Jahr. 🙂

    Ps: Wer sich ins warme wegträumen mag, dem empfehl ich (Eigenwerbung) diesen Song.

  • Blair Davie erinnert uns, wie schön die Liebe klingt

    Blair Davie erinnert uns, wie schön die Liebe klingt

    Newcomer*in Blair Davie kehrt im Herbst 2025 mit First And Last zurück – einer gefühlvollen EP über die Liebe in all ihren Phasen. Am 8. Oktober erschienen, reiht sich ein herzerwärmender Song an den nächsten. In sechs wunderschönen Tracks erzählt Blair eine Story vom ersten Herzklopfen bis zum Für-immer-Gefühl. Mit First And Last hat das schottische Ausnahmetalent eine Sammlung geschaffen, die berührt und uns daran erinnert, wie Liebe sich anfühlt und wie sie klingt, wenn man sie wirklich zulässt.


    Wenn du vergessen hast, wie sich Liebe anfühlt – First And Last erinnert dich daran. 

    Blair Davie ist eines der wenigen Talente, bei dem man beim Hören der Songs direkt gute Laune bekommt. Man hört förmlich die Freude am Songwriting und Singen in jedem Wort, und diese positive Energie überträgt sich von der ersten Note an. So wirkt auch diese EP absolut authentisch. Der Opener setzt den Ton für die gesamte EP: verletzlich und ehrlich, träumerisch und sanft. Ganz ohne Filter. Bei â€žComing Back Babe“ ist die rohe Power von Blairs Stimme sofort spürbar. Als kraftvollstes Instrument entsteht zwischen Sounds ähnlich Adele und Bruce Springsteen (wie Blair selbst sagt) ein intensiver Sound, gefüllt mit verliebten Textzeilen. 

    impulsiv, unvernünftig, wunderschön

    Blair singt vom Davonlaufen, von Freiheit und der Sehnsucht nach einem Für immer zu zweit.

    „you and me runnin‘, never coming back, babe“ 
    „two hearts in a black car and we drive away“ 

    Im Zentrum steht die Flucht ins Glück, weit weg von allem, fokussiert auf eine gemeinsame Zukunft, immer mit dem beflügelten Gefühl vom Verliebtsein, das mitschwingt. 

    Dass das größte aller Abenteuer in der Liebe liegt, wird auch im nächsten Song hörbar.  â€žCrashing The Car“ ist ein Track darüber, jemanden so intensiv zu lieben, dass alles andere nebensächlich wird – sogar das Leben selbst:

    „if we end up crashing the car, I’m happy we made it this far“
    „darling, I know in my heart, it’s a beautiful way to go into the dark if I die wherever you are“  

    Der Song erzählt von Hingabe und der Bereitschaft, intensive Liebe zuzulassen, sodass sie dem Tod entgegensteht. Trotz der etwas düsteren Metapher ist dieser Song eine weitere poetische Liebeserklärung, wobei außerdem auch ein Gefühl von Hoffnung durch den optimistischen Gedanken auf ein Wiedersehen im nächsten Leben mitschwingt: „If you asked me, I’d leave the whole world behind. If we meet in another life, then it’s alright“.  

    Im Kontrast dazu folgt im nächsten Song die Freude über das Leben zusammen. „What a Life“ erzählt vom Gefühl, jemanden zum ersten Mal in die eigene Welt mitzunehmen – ins Zuhause, in Erinnerungen, in das, was man liebt und wo man herkommt. 

    „there ain’t no taste of home down the telephone, so welcome to my little slice of something called paradise“

    Zwischen den Zeilen klingt Blair Davies Herkunft aus Perth, Schottland an und es scheint fast so, als würde die Liebe die Heimat in neuem Licht erscheinen lassen.

    „all the streets sound like they’re singing now that I‘ve got you in it  â€“ what a life“

    Die Zeilen erwecken den Eindruck, als würde Blair die Welt durch eine rosarote Brille sehen – aber eine, die ganz ehrlich getragen wird, ohne Kitsch, einfach aus purer Freude.  

    Mit Freude geht es auch in den nächsten Track. „Wouldn’t Be Right“ ist ein weiterer Feel-Good-Song über Zufriedenheit mit dem, was man hat, auch wenn nicht immer alles einfach ist. Es braucht nicht die neuesten und teuersten Sachen, solange man eins hat: die Liebe.

    „I know that it’s worth it all the days that you’re mine“
    „it might not be perfect all of the time, but with any other human, no it wouldn’t be right“

    Trompeten- und Gitarrenklänge ziehen sich durch den Song und geben dem Ganzen einen sehr glücklichen Folk-Vibe. Euphorisch und ehrlich singt Blair darüber, dass es am Ende nur darauf ankommt, jemanden zu haben, mit dem sich alles richtig anfühlt, egal, wie chaotisch das Leben gerade ist.

    Der Titeltrack verdichtet das zentrale Motiv der EP: ewige Liebe, die bleibt. Als Herzstück des Projekts fasst „First And Last“ vieles alles aus den vorangegangenen Songs zusammen. Blair macht deutlich, was es heißt, jemanden so sehr zu lieben, dass diese Person zur Hauptfigur im eigenen Leben wird. Nicht aus Selbstaufgabe, sondern aus Vertrauen und Nähe:

    „you’re the protagonist in my little life“

    Es geht um das Gefühl, jemanden gefunden zu haben, bei dem man ankommen darf. Für immer. 

    „from hellos to goodbyes, every morning, every good night – I’m all yours, you’re all mine, till the end of time“

    Der Song fühlt sich an wie eine musikalische Umarmung und transportiert Wärme, Hingabe und ein Versprechen für immer. Ã„hnlich weiter geht es im letzten Song, wobei es zum Abschluss nochmal kraftvoll wird: „Butterflies“ ist eine Ballade über Liebe, die nicht vergeht, über Schmetterlinge, die nicht wegfliegen. 

    „these butterflies don’t ever fly away“

    Blair singt von einer Liebe, bei der das Kribbeln im Bauch nicht verschwindet, sondern zu etwas Beständigem wird. Eine Liebe, die wächst, die reifer, tiefer, echter wird. Außerdem singt Blair von einer Liebe, die bedingungslos ist – davon, dass man sich für jemanden nicht verändern muss, weil man genau so geliebt wird, wie man ist. Diese Zeilen feiern Akzeptanz, Vertrauen und ermutigen zur Selbstannahme: â€žYou can change but you don’t have to for me: I love you now matter what“. Butterflies bildet ein sanftes, aber kraftvolles Ende einer EP, wobei eine Mischung aus Klavier- und Gitarrenklängen Blairs unverwechselbare Stimme tragen. 


    Eine Ode an die Liebe

    First And Last ist kraftvoll, mutig und herzerwärmend. Zwischen Intimität und Euphorie zeigt Blair Davie eine beeindruckende Entwicklung, sowohl erzählerisch als auch emotional: â€žIt’s a love story from first moment you meet that person, falling head over heels for them and then how that love grows and grows with everything you go through together“, so Blair selbst über das Projekt.
    Die EP lässt einen das Leben kurz vergessen und erinnert gleichzeitig daran, warum es so schön ist, zu fühlen, zu vertrauen, zu lieben. Sowohl musikalisch als auch persönlich hat Blair Davie bereits einen großen Entwicklungsprozess hinter sich und wir sind gespannt, wohin die Reise weitergeht.

    Fotos: MOTHER ARTISTS

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  • Nahbar, ehrlich, leise stark: philine über das Leben im Hier und Jetzt

    Nahbar, ehrlich, leise stark: philine über das Leben im Hier und Jetzt

    Mit der am 05. September 2025 erschienenen EP The Truth of Living in Reality gelingt philine eine Kollektion, die nicht nur ihre persönliche Geschichte erzählt, sondern die Gefühle einer ganzen Generation einfängt. Sie zeigt, dass man nicht immer alle Antworten braucht. Manchmal reicht es, ehrlich hinzuschauen, zu fühlen und im Moment zu sein. In sechs Songs widmet sie sich den großen und kleinen Fragen des Lebens in den 20ern: Beziehungen, Selbstfindung, Veränderung, Verletzlichkeit und der Akzeptanz des Hier und Jetzt. Mit rohen Emotionen, sanften Gitarrenklängen und kleinen Chören hier und da schafft sie ein Soundbild zwischen Melancholie und eindringlicher Intimität. Ihre Lyrics sind nahbar und ehrlich.


    The truth of living in reality â€“ Fazit: It’s not always easy. 

    Selbst habe ich mich oft in den Songtexten wiedergefunden, weshalb mich die EP schon beim ersten Hören abgeholt hat. Die 20er sind die Zeit des Lebens, wo die meisten von uns viel Veränderung erfahren, sich (neu) entdecken, hinterfragen: Wer bin ich eigentlich und was will ich vom Leben? Philine verarbeitet diese Ambivalenz, das Schwanken zwischen Sicherheit und Unsicherheit, Wissen und Nichtwissen.

    Die EP überbringt die Botschaft, sich nicht mehr im Traum verlieren zu wollen, keine Scheu vor der Wahrheit, vor dem Leben im Moment zu haben. Manchmal muss man über seinen Schatten springen und der Realität ins Auge sehen, denn auch schwierige Momente lassen uns wachsen. 

    Den Anfang macht â€žwaste a life“, in dem philine singt, wie sehr sie sich danach sehnt, nicht länger vor dem Moment davonzulaufen, sondern das Leben im Hier und Jetzt genießen zu wollen, statt es aus Angst vor der Zukunft zu verpassen.

    „I’ve already spent a few years crying over what I wanted, missing out on all the parts that were in front of me“

    Sie reflektiert den Gedanken, zu lernen, dass die Freude über Gutes größer sein kann als die Angst, es wieder zu verlieren. Sie erkennt: „I‘m always scared of losing“ und „I don’t wanna waste a life like this“. Im Song singt sie über ihre Vergangenheit, dass sie schon immer so war, sich vieles nicht getraut und Spaß verpasst hat, immer mit der Angst, zu versagen. 

    „If you think it’s gonna happen, then it’s what you get“

    Sie erkennt, sich und ihren Blick auf die Dinge ändern und nicht mehr auf Negatives fokussiert sein zu wollen, denn eine positive Einstellung bringt auch positive Dinge mit sich. Der Song vermittelt die Botschaft, nicht mehr allem hinterherrennen zu wollen, sondern im Moment zu leben und sich über das zu freuen, was da ist. Mit sanften Gitarrenklängen entfaltet der Song eine Wärme, die sich direkt überträgt.

    Auch ihr zweiter Song â€žten years time“ vermittelt die Message: lebe im Moment. Sie singt zuerst über die Hin- und Hergerissenheit zwischen dem aktuellen Leben und zukünftigen Fragen, diesmal aus der Perspektive einer Beziehung. Der Song handelt von partnerschaftlicher Zukunft, Fragen nach Schwangerschaft, Liebe selbst. Philine findet keine Antworten auf diese Fragen im Song, denn auch hier ist das Fazit: Heute ist wichtiger als die Zukunft, wobei der Refrain als Plädoyer fürs Hier und Jetzt gilt: „right here in the moment’s where the magic is (…) forget about ten years time“.  


    Ein Storytelling, das im Stillen trifft

    Der dritte Song ist mein persönlicher Favorit und bildet meiner Meinung nach den Kern der EP, da er zwei Perspektiven gegenüberstellt und philines inneren Konflikt widerspiegelt. „The devil’s advocate“ erzählt auf der Suche nach Orientierung von einem Kampf zweier Seiten: „There’s one believing in a purpose, the other one is nihilistic“. Sie fragt im Song nach dem Sinn im Leben, nach der richtigen Perspektive und so trifft Reflexion auf innerliche Zerrissenheit: „to all that we know there’s an opposite“

    „I can’t pick a side and just go with it“

    Die Unsicherheit bleibt, beide Stimmen haben ihre Daseinsberechtigung. Wie weiß man, ob das Leben einen höheren Sinn hat oder unser Dasein zum reinen Zeitabsitzen dient? „I just can’t figure out what’s the narrative“ Die Frage nach Bedeutung vs. Sinnlosigkeit bleibt, immer mit der Rücksicht, dass jede:r die Welt auf eine eigene Weise sieht: „cause my reality is just what I perceive, so who am I to judge the things that you believe?“.

    Der nächste Song greift ebenfalls eine Zerrissenheit auf. „Heavy“ beschreibt die eigene Desorientierung in einer schwierigen Phase, nicht zu wissen, wohin mit sich und das Gefühl zu haben, für andere „zu viel“ zu sein. „Every word feels like rejection and I don’t wanna lie so I bore you with silence but believe me, I try to make sense of the sadness“. Philine äußert, selbst zu leiden und singt über innere Schwere und das Ringen um Leichtigkeit: „When did it get so heavy, and how do I get it light?“. Sie singt über ihre Gefühle in einer schweren Zeit und zeigt sich von einer sehr verletzlichen Seite. 

    Auch im folgenden Lied der EP, â€žjosie“, spürt man pure Emotionen und eine Spur Verletzlichkeit. Sie reflektiert ihre letzte Beziehung und nutzt den Song, um Klarheit zu bekommen – etwas, das sie von ihrer Partnerin nie bekam: „I’d love to get closure but you’re not gonna give it, I know that“. Sie singt darüber, dass die Beziehung sie verändert hat und arbeitet die Fehler auf. Zusätzlich beschreibt sie den Wunsch, mehr gewollt zu haben, aber nicht viel entgegen gebracht bekommen zu haben. „When I told you, you were my first real love, then you asked for space and you broke that trust“. Sie zeigt sich sichtlich verletzt und versucht, ihre Wunden im Song zu verarbeiten. Sanfte Klänge treffen hier erneut auf unverblümte Ehrlichkeit.



    Zwischen Schmerz und Stärke

    Ein emotionaler Schmerz zieht sich ebenfalls durch die Lyrics des letzten Songs. â€žNew year’s eve“ ist ein Track über den schmalen Grat zwischen Liebe und Verrat. „I used to trust you more than me, but everything changed since new year’s eve“. Philine singt von Veränderung, von einem Bruch von Nähe und Vertrautheit. Dabei hinterfragt sie auch ihr eigenes Verhalten. Hätte sie etwas vermeiden oder retten können? Hätte sie sich schützen können? „Maybe I should’ve been much clearer, I should’ve set more boundaries.“ Selbstzweifel machen den Song nahbar und ihre Offenheit berührt. 

    Musikalisch setzt philine auf fragile Klänge, die Raum für ihre Texte lassen. Passend zum Cover, das sie verschwommen im Sonnenuntergang zeigt, entfaltet sich zwischen melancholischer Sanftheit und catchy Indie-Melodien eine EP, die wie eine Momentaufnahme wirkt.

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  • Alehlokapi bricht mit alten Gewohnheiten auf „Erase Replace“

    Alehlokapi bricht mit alten Gewohnheiten auf „Erase Replace“

    Leider kennen wir fast alle das Gefühl sich verfangen zu haben: in alten Denkmustern und in ungewollten Routinen. Das hat für mich häufig bedeutet, dass ich in Beziehungen und Freundschaften meine eigenen Bedürfnisse hintenangestellt habe – bewusst oder unbewusst. Das zu überwinden kostet Kraft und erfordert zunächst ersteinmal sich dieser alten Gewohnheiten bewusst werden. Alehlokapis Debütalbum Erase Replace beschäftigt sich mit genau all dem, holt uns aus dem rauschenden Alltag und bricht mit alten Mustern.

    Das am 29.08.2025 erschienene Album hat mich direkt angesprochen. Alehokapis Stimme in „MMB„, die „call me out on my bullshit“ singt, war der Köder und ich der Fisch, also wurde ich voll in dieses Album gezogen. Danach bin ich tief in die Lyrics getaucht. Dabei ist mir aufgefallen, dass der Song ein mir sehr bekanntes Gefühl widerspiegelt: ich merke nicht, dass ich mich im Kreis drehe und hoffe, dass mir jemand sagt, wenn ich mich gerade wieder in schlechte Denkmuster begebe.

    Das Debütalbum besteht aus acht Songs und einem Bonustrack. Alehlokapis Stimme zeigt ihre Wandelbarkeit zwischen verletzlich und kraftvoll und mit Rap- und Gesangsparts. Im Outro erinnert ihre Stimme beispielsweise an die von Ariana Grande und Alehlokapi beweißt, dass ihre Stimme genauso wandelbar ist.

    Ihren Musikstil würde Alehlokapi zwischen FKA Twigs, Jorja Smith und James Blake verordnen. Ihren Soundbeschreibt sie selbst mit Neo-Soul, Contemporary R&B und Alternative Pop. Dabei kann man jedoch innerhalb der Songsbemerken, wie sich Alehlokapi von Genre-Grenzen löst. Produziert hat die Künstlerin das Album mit Timm Weber und das Mastering des Albums übernahm Friedrich Störmer.


    In 8 Tracks mit der Angst brechen und die eigene Stimme finden
    . Credits Yonas Tegegne

    Startend mit „Silence“ wird uns die Angst vor Ablehnung lyrisch beschrieben und musikalisch untermalt. Sie führt dazu die eigenen Bedürfnisse zurück zustellen.

    Das findet sich auch in den Lyrics wieder: „Keeping my silence for being loved“. Ich mag besonders, dass die Musik einerseits so verletzlich klingt, durch das Piano, aber andererseits auch so selbstbewusst und mutig durch den Bass wirkt. Nach eineinhalb Minuten kommt ein Break, nachdem man kein Piano mehr hört und der Beat eher vorantreibenden und treibend klingt. Das Verletzliche (Klavier) tritt zur Seite, damit der Bass und die Drums mehr Raum haben, der Song wirkt dadurch auch lauter. Vielleicht, weil man nicht mehr „silent“ bleibt?

    Ich finds außerdem sehr cool, dass die Songs Bezug aufeinander nehmen: Der zweite Track „More“ ist verlangsamt, mit einem Loop wird die Songzeile „more“ in tieferer Stimme immer wieder wiederholt. Eventuell könnten das den Anfang der Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse sein.

    Der dritte Track „BoomBoomBooom“ nimmt die Soundwelt von „More“ auf. Er wandelt sich jedoch weiter und die tiefen langsamen verzerrten Vocals von „More“ werden leiser. Wenn bei 0:51 die Drums wegfallen, hören wir die Chorusmelodie, die danach nicht mehr so leicht zu vergessen ist- zumindest für mich. In den Lyrics schreibt Alehlokapi von dem Wunsch wahrgenommen zu werden und der Sehnsucht nach Nähe. Die Angst eigene Bedürfnisse zu äußern, die in Silence so präsent war, ist nicht mehr da. Stattdessen befreit sie sich von dieser Angst und lässt die Gefühle und Nähe nun zu:

    Well u crossed my mind boy a thousand time today /
    in my thoughts my fantasy what are u doing in my head anyway/ my muse, my constant reverie“


    Von unerfüllten Erwartungen und dem Mut einer Person alle Seiten von sich zu offenbaren

    DRIVE-BY“ ist durchzogen von ruhelosen, stolppernden Drums. Der Beat untermalt die innere Unruhe und Angetriebenheit, die man hier fast am eigenen Körper fühlen kann. Er ist eine Momentaufnahme von Stress, Geldnot und Trauer um eine verlorene Freundschaft.

    Darauf folgt „Your Name“ mit Regensounds, die zunächst einen starken Kontrast darstellen und fast eine mediative Wirkung nach der Ruhelosigkeit spenden. Es geht um Selbstschutz, Abgrenzung und einen möglichen Weg, mit der Enttäuschung unerfüllter Erwartungen umzugehen. Für mich spiegelt das Auf und Ab des Albums gut den Prozess wieder, den man durchelbt, wenn man alte Gewohnheiten brechen muss. Man zurück geworfen, man geht wieder nach vorne.

    MMB“ steht für „Make My Bed“. Er handelt von der Notwendigkeit von Verletzlichkeit, damit man sich selber wandeln kann.

    „call me out on my bullshit / call me out on my lies“ und „you see through my eyes“

    zeigt eine Beziehung, in der ehrlich mit Fehlern umgegangen wird. Eine Liebe in der Nähe möglich ist, weil nicht versucht wird eine vermeintlich perfekte Fassade aufrecht zu erhalten.


    Erase Replace und so Selbstbestimmung gewinnen

    Der Titeltrack „Erase Replace“ startet mit sanften Klängen: einem mellow Klavier und mellow Drums. Er steht für den Wandlungsprozess, der im Album beschrieben wird. Alte Denk- und Verhaltensmuster werden überschrieben, das Motto ist sprichwörtlich „Erase Replace„. Man fühlt sich als würde man aus dem Schlaf eines passiven Lebens aufwachen und die eigene Selbstbestimmung wiedererlangen.

    Das „Outro“ klingt durch die Streicher wie ein Moment der Erleuchtung, der Klarheit. Angst und Euphorie treffen aufeinander und Alehlokapi findet ihre Stimme.


    Anstehende Konzerte

    Wer Alehlokapis Debütalbum live erleben möchte, ist herzlich eingeladen zur Releaseparty am 06. September nach Leipzig ins noch besser Leben zu kommen. Tickets findet ihr hier.

    Und hier könnt ihr das Album streamen!

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    Fotocredit: Karine Bravo und Yonas Tegegne