LOKI ist eine Band, von der wir uns fragen, ob ihr sie eigentlich auch alle schon kennt – und wenn nicht, warum nicht? Das achtköpfige Projekt rund um Marc Grünhäuser macht Indie-Neo-Folk fürs Herz und hat mit Cyan nun endlich (!) ihr Debütalbum released. Dazu sprechen wir nicht nur unsere Glückwünsche aus, sondern haben sie direkt auch für ein paar Fragen im Interview.
Cyan ist ein Album, das die Reise selbst feiert. Es geht nicht um das Ankommen, sondern um die kleinen Umwege – und um das gemeinsame Erleben und Erschaffen dieser Erinnerungen. So wholesome wie sich das anhört, so klingt und ist es auch. Eine große Empfehlung von uns an euch.
LOKI im Interview
Anna: Hi! Wie geht’s euch? Es ist viel los bei euch, aber auch in der Welt. Wie navigiert ihr euch gerade durch die Zeit?
Marc: Hey! Ganz gut. Danke für die Nachfrage. Es ist tatsächlich auf allen Ebenen viel los. Navigieren klingt da schon fast zu kontrolliert. Es fühlt sich eher an, als wäre man in einen Bus gestiegen, ohne wirklich zu wissen wo’s hingeht, samt all der Schönheit und all der Überforderungen die eine solche Fahrt mit sich bringen kann.
Wenn ich mich richtig erinner, ist LOKI als ein Uni-Projekt gestartet. Was sind die Dinge, an die ihr euch jetzt noch am liebsten von der Anfangszeit erinnert? Was waren die Hürden, die ihr seitdem überkommen habt (oder noch überkommt)?
Marc: Nicht ganz. LOKI war kein klassisches Uni-Projekt, die heutige Konstellation hat sich allerdings an einer Uni kennengelernt. Ich erinnere mich an den Anfang so gerne, weil es einfacher war äußere Umstände, wie Streaming-Zahlen, Ticketverkäufe etc., auszublenden. Mit der Zeit wird ein Projekt meist professioneller, was sehr viele Vorteile mit sich bringt, aber eben auch mit mehr Verantwortung daherkommt.
Ich glaube die große Hürde, aber auch die große Stärke von LOKI ist die Größe und Vielseitigkeit der Gruppe. Wir sind insgesamt 8 Leute mit verschiedenen Geschmäckern, Ideen & Visionen. Das alles in einem Projekt zu vereinen kann schonmal aufreibend sein, lohnt sich jedoch jedes Mal. Heute denke ich etwas anders darüber nach – ich bin dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit hatte, alle diese Orte zu sehen. Ich glaube tatsächlich sogar, dass all das genau richtig war, sonst hätte ich die Songs, die ich schreibe, nie so schreiben können, ohne all diese Einflüsse.
„In jedem Raum findet sich ein neuer Song.“
Wann habt ihr gemerkt, jetzt ist der Zeitpunkt, um an einem Album zu arbeiten?
Marc: Wir haben einfach irgendwann gespürt, dass es nach all den EPs die wir schon veröffentlicht, hatten nun an der Zeit ist ein Album anzugehen – dieses Bauchgefühl hat vermutlich vor ca. 1 1/2 Jahren eingesetzt. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon einige Demos angesammelt hatten und sobald der Prozess erstmal ins Laufen kam, waren die Unterschiede zu vorherigen Produktionen gar nicht mehr so groß.
Eurer Album lebt (laut Pressetext) “irgendwo zwischen Blau und Grün” – wo genau ist das? In welcher Szenerie würdet ihr Cyan sehen?
Marc: Cyan fühlt sich wie ein altes Holzhaus an, das irgendwo auf dem Land steht, aber durch einen modernen Anbau samt Tanzfläche ergänzt wird. In jedem Raum findet sich ein neuer Song, der mal die musikalische Reise von LOKI über die Jahre portraitiert, aber auch neue Einflüsse und Ideen hervorhebt.
Wie ist es, zu acht Musik zu machen? Habt ihr euch da mittlerweile gut eingespielt oder gibt es noch ab und zu kreative Differenzen?
Marc: Ich denke, wir haben uns schon sehr gut eingespielt und trotzdem muss man in Bezug auf kreative Entscheidungen durchgehend Kompromisse eingehen, da es schlichtweg unmöglich ist acht Visionen, die vielleicht zu sogar konträr zueinander sind, in jedem Song zu vereinen. Wir versuchen möglichst viel zu kommunizieren, demokratisch zu handeln und haben ein Veto Recht, das jede:r ziehen kann sobald er oder sie sich mit einer Entscheidung unwohl fühlt. Natürlich benötigen solche Prozesse viel Zeit und können anstrengend sein. Die Erfahrung mit acht Freund:innen auf einer Bühne zu stehen und Musik zu machen, ist es aber auf jeden Fall wert.
„Wenn man sich die Mühe macht, genau hinzuhören, lernt man uns ein bisschen besser kennen.“
Was ist euer jeweilige Lieblingssong vom Album, und warum?
Was sind die Momente eurer letzten Jahre, die ihr auf Cyan verarbeitet habt?
Marc: Cyan verarbeitet ein breites Spektrum an Themen. Manche Texte sind beispielsweise schon ein paar Jahre alt und unterscheiden sich daher auf vielen Ebenen von den neueren. Letztlich schreiben wir immer über unser Leben bzw. unser Erfahrungen – wenn man sich die Mühe macht genau hinzuhören, lernt man uns also ein bisschen besser kennen.
Gab es einen Song, der besonders lange gebraucht hat, bis er fertig war, bzw. einen, über den ihr gar nicht lange nachdenken musstet, und er hat gepasst?
Kai: Viele Cyan Songs waren schon vor den Recordings relativ weit, sodass wir die Zeit im Studio zum Experimentieren nutzen konnten, um unsere Vorproduktionen aufsnächste Level zu bringen. „Greedy“ war vermutlich der Song, der am längsten gebraucht hat. Es gab viele Ideen, Parts und Richtungen, die sich erst ganz knapp vor Deadline zusammenführen ließen. Das Outro hingegen ist komplett in einer Livesession entstanden und war innerhalb von drei Takes im Kasten.

Ein Rezept á la LOKI
Wie unterstützt ihr euch gegenseitig im miteinander Musik machen? Und denkt ihr, ihr hättet auch in einer anderen Realität zueinander gefunden?
Kai: Unser Zusammenfinden ist von derartig vielen Zufällen geprägt, dass wir uns kaum vorstellen können, auf irgendeinem anderen Weg davonzukommen, wo wir jetzt sind. Das macht unsere gemeinsame Zeit so einzigartig und wertvoll. Die Dankbarkeit dafür zeigt sich vor allem, wenn wir zusammen Musikmachen, wo wir voller Respekt und Spielfreude aufeinander hören und uns gegenseitig begeistern.
Im Oktober geht ihr auf Tour! Falls hier jemand mitliest und noch kein Ticket gekauft hat – was erwartet uns auf Tour und warum sollten wir alle kommen?
Kai: Auf der Cyan Tour erwarten euch acht Leute, die sich nicht nur aufeinander freuen, sondern auch seit einem Jahr kaum erwarten können, die neuen Songs live zu präsentieren. Wir wollen auf der Tour aber auch eine kleine Reise in die Geschichte der Band wagen und auf die Bühne bringen, inwiefern wir als Gruppe in den vergangenen Jahren zusammengewachsen sind.
Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was ihr bisher in keinem Interview erzählt habt. Das kann alles Mögliche sein, ein Fun-Fact über eine Songentstehung, euer Lieblingsrezept aus diesem Jahr oder was ihr sonst noch gerne loswollen möchtet.
Anna: Es gibt tatsächlich ein Rezept, was wir jedes Mal, wenn wir zusammenkommen, gemeinsam kochen: nudeln mit vegetarischer Bolognese-sauce, darauf Apfelmus und ein Spiegelei nach Rezept von Marcs Oma. klingt erstmal weird aber schmeckt richtig lecker.
Hier gibt es mehr Infos & Tickets zur Cyan-Tour 2025! Kommt alle vorbei, es wird wunderschön.
Foto: Caren Detje

