Und schon wieder ist ein weiteres Jahr vorüber. Ich will jetzt nicht zu sehr in die Melancholie verfallen, aber etwas anderes geht mit diesem Artikel auch zu Ende: Meine Zeit bei untoldency. Schweren Herzens muss ich unserem Magazin zum Abschied winken. Denn schon seit einiger Zeit finde ich einfach keinen Platz mehr, um mich dem Schreiben in dem Maße zu widmen, wie ich mir und das Team es sich wünschen würde. Aber so ist es nun mal, der Alltag wird immer stressiger und man kommt seinen eigenen Hobbys gar nicht mehr hinterher. Hiermit also… meine letzten Worte (vorerst):
So chaotisch wie das letzte Jahr und das zuvor, so geht es auch weiter. Viele neue Erfahrungen, aber auch viele unerwartete Veränderungen. Dieses Jahr ist so schnell an mir vorbeigezogen, dass es mir richtig schwergefallen ist, alles, was passiert ist, zu rekonstruieren. Auch mein musikalisches Jahr war von vielem Neuen gezeichnet. Jeden Freitag pack’ ich mir alle erdenklichen Releases in meine Playlist und haste mich diese bis zum folgenden Release Friday durchzuarbeiten. Aber trotzdem haben sich so einige Stammgäste in mein Spotify Wrapped eingeschlichen…
Back to the dark side
Ich hatte ja schon angeteasert, dass das Jahr von vielen Veränderungen geprägt war. Die einen positiv, die anderen eher weniger. Und weil mich Veränderungen extrem überfordern, verliere ich mich lieber in Erinnerungen an so wie es mal war. Auch musikalisch hat es mich somit in die Vergangenheit katapultiert. Hier spielten alle meine geliebten Hardcore Bands von vor 10 Jahren (wow ich klinge hier wirklich alt) die Hauptrolle. Jetzt wo alle um einen herum heiraten und Kinder kriegen, spiel’ ich dann lieber wieder 16 sein und höre Bands wie Movements, Bring Me The Horizon, Seahaven und Citizen. Mein absolutes Highlight dieses Jahr: Meine allerliebste Band in dem Genre Balance and Composure hat nach 6 Jahren wieder eine Single veröffentlicht. Andere honorable mentions wären hier cleopatrick und Sperling.
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Neben den alten Bekannten aus meiner Hardcore-Zeit hab ich dieses Jahr eine Riesen-Neuentdeckung gemacht. Dank geht raus an Josy. Sehr late to the party, aber veliebt hab ich mich 2023 in Sleep Token. Beschreiben kann ich die Musik sehr schlecht, denn die Band, die völlig anonym auftritt, kombiniert gefühlt jedes erdenkliche Genre so gekonnt miteinander, dass jeder einzelne Song für unendliche Überraschungen sorgt. Man nehme bloß „The Summoning“…mein absoluter Favourite.
Ich weiß noch genau, wie ich reagiert hab, als ich den Song zum ersten Mal gehört hab. Auf Empfehlung einer Freundin hab ich frühs auf dem Weg zur Arbeit im Zug auf Play gedrückt und mich erstmal richtig erschrocken. Auf den Metal-achtigen Start hab ich mich überhaupt nicht vorbereitet. Ich muss sagen, dass ich von den ersten Sekunden etwas abgetan war, den aus der Zeit, wo ich das gehört hab, bin ich schon lange raus. Doch in den 6:35 Minuten wird man auf eine völlig verrückte Reise mitgenommen. Von Metal, zu leisen Klängen, über Rap bis hin zu Erotik – es ist alles dabei. Hört selbst rein!
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Obwohl mein Leben hier in Belgien sich beinahe ausschließlich in Englisch abspielt, bleib’ ich meinem Heimatland musikalisch treu. Meine Lieblingsentdeckung hier war TYM – ein Mix aus Elektro, New Wave, Pop und ordentlich Experimentierfreude. Neben TYM brachten mich auch SERPENTIN, Saiya Tiaw, NILSKEPPEL, SKUPPIN, TEMMIS und GAST an regnerischen Tagen zum Nachdenken (Weiterer Gedanke: Wieso schreiben sich eigentlich so viele New Wave Artists mit Großbuchstaben?)
International konnten distraction4ever, Death Bells, King Krule und The Drums mein New Wave-Herz erobern.
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Aber es war nicht alles so schwer verdaulich… Auch ein paar leichte Klänge haben sich in meiner Listening History zurückgefunden. Ein Wiederholungstäter hat sich dieses Jahr natürlich wieder einen Platz unter meinen Lieblingskünstler:innen gesichert: The amazing GusDapperton. Kleine Empfehlung hier: Wenn ihr die Chance habt ihn und seine Band live zu sehen, kauft euch ein Ticket. Es war eine der most wholesome Shows, die ich dieses Jahr besuchen durfte 🙂
Und eine weitere Neuentdeckung darf hier natürlich auch nicht fehlen: die Girls von TheBeaches. Ich hatte das Glück die Power-Ladies live zu sehen und bei der Souveränität und Coolness prompt den Wunsch gehabt, selbst eine Girlband zu gründen.
Ich bin raus
Und das war’s auch schon! Mit diesem Artikel, mit diesem Jahr und leider auch mit meiner Zeit bei untoldency. Ich möchte mich bei Jule und Anna für die schöne Zeit bedanken und die Möglichkeit, meine chaotischen Gedanken halbwegs verständlich runterzuschreiben und das Wort „melancholisch“ viel zu oft zu tippen. Aber auch für den Mut, dieses Magazin auf die Beine zu stellen und es gemeinsam mit dem tollen Team zu dem gemacht zu haben, was es jetzt ist: ein Safespace für alle Musikliebhaber:innen.
Danke für die schöne Zeit und auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen!
Jetzt bleibt mir noch ein wenig Eigenwerbung für die dazugehörige Playlist zu machen: Hört rein!
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Musik, voller Leichtigkeit, Hoffnung und träumerischer Nostalgie, die dir hilft loszulassen und ein Gefühl von Wärme schenkt: So klingen die Songs von Willow Parlo. Die Band aus Hamburg veröffentlichte mit „Silver Screens“ im vergangenen Jahr ihren ersten Song und landete damit direkt auf dem Radar aller Indie-Newcomer*innen-Liebhaber*innen. Jetzt legen die vier Musiker nach und veröffentlichen am 8. Dezember ihre nächste EP „See U Whenever„. Warum diese so anders klingt als die erste EP, was die Band inspiriert hat und warum „My Fathers Eyes“ der persönlichste Song – der Lieblingssong der Band – ist, verraten sie im Interview.
Willow Parlo im Interview
Anna: Hi,schön, dass ihr die Zeit gefunden habt, euch mit mir zu treffen. Möchtet ihr euch zu Beginn einfach alle einmal vorstellen?
Noemi: Ich bin Noemi. Ich spiele Gitarre und singe.
Jan: ich bin Jan und ich spiele Schlagzeug.
Björn: Ich bin Björn und ich spiele Bass.
Marco: Ich bin Marco und ich spiele die Ukulele. Nein, Quatsch, die Gitarre.
Anna: Perfekt, danke! Wie geht es euch?
Noemi: Also mir geht es, uns geht es gut. Wir sind gerade in den Vorbereitungen für unsere Veröffentlichung. Deswegen gibt es viel zu tun und wir haben auch noch ein paar Konzerte vor uns. Deswegen geht alles gerade ein bisschen drunter und rüber, aber es ist auch irgendwie aufregend und wir freuen uns auch noch darauf, was kommt bis Ende des Jahres.
Wie aus ein paar Demos eine Band wurde
Anna: Jetzt würde ich gerne nochmal ganz vorne anfangen, weil es euch als Band in dieser Konstellation erst seit anderthalb Jahren gibt. Wie kam es – wie ist Willow Parlo entstanden?
Jan: Gute Frage. Eigentlich hat es ja mit euch beiden, also mit Noemi und Marco angefangen, die so zusammen irgendwie so Demos geschrieben haben. Erstmal eigentlich ohne so ganz konkretes Ziel oder auch so ein Band-Konstrukt im Hinterkopf. Und dann sind Björn und ich dazu gekommen und dann hat sich das irgendwie immer mehr so verfestigt. Gerade in der Zeit der Pandemie haben wir dann einfach viel Zeit gehabt, uns irgendwie so mit der Musik auseinanderzusetzen und da irgendwie konkretere Songs zu schreiben. Dann hat sich einfach ein konkreteres Bild entwickelt. Und da sind auch die Songs der ersten EP entstanden, die wir dann auch in der Corona Zeit aufgenommen haben.
Anna: Die nächste Frage stelle ich nur noch super selten und ihr könnt gerne sagen, wenn ihr sie nicht beantworten wollt.
Marco: Ich weiß, welche Frage kommt: Wie wir auf unseren Namen gekommen sind – richtig?
Anna: Genau! Ich stelle die Frage eigentlich nur noch selten, aber heute dachte ich mir zur Abwechslung mal: Warum eigentlich nicht!
Noemi: Ja, in letzter Zeit wurde ich das witzigerweise öfter mal gefragt und dann hat mir irgendjemand danach mal gesagt, dass die Story eigentlich total langweilig ist. Also sollte ich es vielleicht doch nicht erzählen.
Anna: Ach Quatsch, das ist ja alles Ansichtssache.
Noemi: Also wir haben ja eine ganz romantische Geschichte: unsere romantische Version ist, dass wir uns in der Corona-Zeit, weil man sich nicht drinnen privat treffen durfte, draußen im Park unter einer Weide getroffen haben und „geparled“ haben. (lacht) Also von dem italienischen Wort parlo – das heißt sprechen … und Willow Parlo dadurch entstanden ist. Auf der anderen Seite ist es aber auch irgendwie einfach ein Eigenname, was so ein bisschen das Ziel war in der Namensfindung. Ich persönlich fand es schön, wenn er aus zwei Teilen besteht und dass man mehr hineininterpretieren kann. Es könnte eine Person sein oder auch eine Band – man weiß es nicht.
Jan: Ganz genau. Ich kann mich auch noch erinnern, dass wir noch was gesucht haben, wo man noch nicht so direkte Assoziationen mit hat. Irgendwie ein Wort, wo man merkt, das könnte vielleicht in die und die Richtung gehen, sondern dass man halt irgendwas findet, wo man sich seine eigenen Assoziationen zu herstellen kann. Es ist auch ein gewolltes Spiel damit, ob nicht Noemi als Sängerin vielleicht auch Willow Parlo sein könnte – also Willow Parlo als Person.
Björn: Bei Autovermietungen sind wir auch schon bekannt als Herr Parlo, Herr Willow Parlo. (lacht)
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Anna: Ich finde das jetzt gar nicht so langweilig! Wenn wir jetzt mal zurückblicken auf euren ersten Release zu „Silver Screens“ – wie fühlt ihr euch jetzt damit? Wie blickt ihr jetzt auf die Zeit zurück?
Jan: Ich fand es wahnsinnig spannend, weil das ja das erste Mal war, dass wir mit der Musik, die wir gemacht haben, an die Öffentlichkeit gegangen sind. Das war eigentlich wie eine Geburt, weil vorher haben wir zwar für uns diese Musik gemacht, aber es kannte keiner, es wusste keiner davon. Und das war dann halt so dieses, dieses Heraustreten an die Welt da draußen. Und ich weiß, dass es irgendwie wahnsinnig spannend war und aufregend. Wir wussten halt irgendwie nicht, was zurückkommt, ob die Leute es gut finden, ob sie es schlecht finden.
Marco: Ich finde jetzt auch retrospektiv betrachtet, haben wir ganz schön lange an den Sachen rumgeschraubt, bis sie dann so geworden sind, wie sie jetzt sind. Und es hat uns schon recht lange auch begleitet. Wie du sagst, das war wie so eine Geburt. Deshalb war es für mich persönlich einfach total erleichternd. Wir können da jetzt nicht mehr noch neue Gitarren aufnehmen, können da nicht mehr neue Spuren aufnehmen, können am Mix nichts mehr ändern. Das steht jetzt einfach so.
Warum es zwei Versionen von „Silver Screens“ gibt
Anna: Aber ihr habt ja auch zwei Versionen von dem Song, also die Single Version und die EP Version. Was steckt dahinter? Wart ihr euch nicht einig?
Jan: Das war einfach nur so ein Zeit Ding, weil das Label dann meinte, dass gerade über Streaming Services besser läuft und sogar im Radio, wo der Song halt irgendwie auch erstaunlich gut gespielt wurde. Ich glaube die EP Version ist vier Minuten fünfzig oder so, also geht fast an die fünf Minuten – und das ist blöd gesagt einfach zu lang.
Noemi: Aber wir hängen halt so daran.
Björn: Also der Tipp von uns ist: Die lange Version ist der Song!
Noemi: Für mich fehlt auch textlich irgendwie bei der verkürzten Version ein wichtiger Teil der Aussage.
Björn: Würden wir das nochmal machen? Zwei Versionen von einem Song?
Noemi: Nee, ich glaube irgendwie nicht.
Marco: Nee. Entweder man sagt so „Scheiß drauf“, dann ist der halt so lange wie er lang wird oder man lässt es.
Noemi: Und wir hatten auch einfach wenig Ahnung, wie man es jetzt richtig macht. Da nimmt man natürlich auch Tipps an und versucht es überhaupt erstmal hinzubekommen. Und es bestimmt auch ganz gut in dem Fall als erstes so eine Version, die leichter verdaulich ist, rauszuhauen als erstes Hallo.
Anna: Wenn ihr eurer Musik ein Genre-Label aufsetzen müsstet, welches wäre das?
Noemi: Ich finde es hat sich ein bisschen verändert. Am Anfang wurden wir voll in den Dream Pop eingeordert. Bei dem was jetzt kommt ist es aber nicht mehr ganz so richtig. Ich finde Dream Pop ist schon wirklich sehr speziell. Den hört man raus und wenn der wegfällt, dann kann man sich eigentlich auch nicht mehr als Dream Pop Band bezeichnen. Und ich finde mittlerweile ist es eher: Dreamy melodic indie Pop mit so amerikanischer Rockmusik – also Einflüssen davon. Aber ich finde, dass es eigentlich keine so super spezielle Genre Bezeichnungen braucht dafür, sondern ein Mischmasch ist.
Anna: Eure erste EP kommt sehr verträumt und eher langsam daher. Im Gegensatz dazu steht für mich ein bisschen die zweite, kommende EP. Die Songs sind eher uplifting und irgendwie lauter. Welche Entwicklung steckt bei euch dahinter, dass das jetzt so ein Unterschied war?
Jan: Ich glaube, der große Unterschied war, dass die erste EP ein bisschen jammiger entstanden ist. Da haben wir einfach viel Zeit im Proberaum verbracht und haben diese Songs gemeinsam gespielt und entwickelt. Und jetzt bei dieser neuen EP ist es irgendwie ein bisschen konzeptioneller. Zumindest wollten wir etwas schaffen, dass den Kern des Ganzen trifft und halt nicht mehr so rumschweifen und das einfach so ein bisschen konkreter gestalten. Also sowohl die Texte als auch die Musik ist alles ein Hauch konkreter.
Noemi: Aber in erster Linie hängt es ja auch damit zusammen, dass man in der Anfangszeit einfach wirklich seinen Sound finden musste – es klingt klischeehaft, aber so ist es. Und ich glaube, dass mit der Zeit auch einfach mehr Selbstbewusstsein dazu kommt. Ich persönlich habe in diesem Prozess eine viel genauere Vorstellung bekommen von dem, was mir auch liegt und wo ich mich eigentlich auch schon immer zu Hause gefühlt habe.
Jede EP spiegelt eine Lebensphase der Bandmitglieder wieder
Anna: Spiegelt sich das auch thematisch in den Lyrics wieder?
Noemi: Irgendwo schon. Auf der ersten EP ging es deutlich um eine Art Hilflosigkeit. Und ich glaube, das hat sich auch im Gesamtpaket bemerkbar gemacht. Und bei den neuen Sachen glaube ich nicht, dass es jetzt alles nur happy und straight forward Texte sind. Aber es ist schon, wie du schon meintest, mehr uplifting und auch irgendwie ein bisschen mehr zuversichtlich. Aber ich würde wirklich sagen, auch da selbstbewusster. Wir haben uns weiterentwickelt und jede EP spiegelt da auf eine Weise eine Lebensphase wieder.
Anna: Habt ihr auf der neuen EP einen Lieblingssong? Wahrscheinlich werden es unterschiedliche sein, aber wenn ja – warum?
Jan: Bei mir wechselt das witzigerweise immer. Zu Beginn war es auf jeden Fall „Can’t Get Enough„, als der gerade frisch war, weil er von der Art her sehr frisch ist und wir auch so in den Aufnahmeprozess gegangen sind. Aber ja, das wechselt immer wieder.
Noemi: Das ist aber auch einfach unsere Pop-Single! Ich habe tatsächlich einen ganz klaren Lieblingssong und das ist auch der Wichtigste und der Persönlichste: „My Father’s Eyes“.
Björn: Da schließe ich mich an!
Marco: Ich auch!
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Noemi: Ich glaube einen so persönlichen Song habe ich textlich noch nie geschrieben und haben wir so auch bisher nicht veröffentlicht. Es hängt damit zusammen, dass Jan’s Vater vor knapp zwei Jahren plötzlich verstorben. Irgendwie ist dieser Song so ein Teil von dieser ganzen Zeit. Aber ich finde ihn einfach wirklich warm und schön gewandt. Ich merke auch, dass er mir auch persönlich gut tut.
Jan: Es ist auch eine Widmung an den Menschen, was es auch musikalisch zum Beispiel sehr inspiriert hat. ich habe damals das Instrumental, kurz nachdem das passiert ist, selber gebaut. Das war für mich auch neu, weil ich Schlagzeuger bin und normalerweise keine Gitarre in der Hand habe. Aber da hatte ich irgendwie dieses Bedürfnis, das in Musik zu verpacken. Inspiriert ist es durch die Band The War On Drugs, weil mein Papa und ich waren beide riesengroße Fans. Dann war mein Ziel, ihm einen Song zu widmen, den er, glaube ich, selber total gerne gemocht hätte. Und dann habe ich probiert, diesen Vibe von der Band aufzufassen, aber dann trotzdem gemeinsam mit den anderen etwas eigenes draus schaffen. Genau dadurch ist halt irgendwie auch so ein bisschen das Herzstück der EP geworden – tatsächlich auch Namensgeber der EP. Da ist ja die Textzeile „See You Whenever your face is changed but I see it in mine“ – danach ist die EP „See U Whenever“ benannt.
Anna: Wie hat deine Familie darauf reagiert, als du gesagt hast, du hast einen Song über deinen Vater geschrieben?
Jan: Die wissen das noch gar nicht so richtig. Das wird noch eine große Überraschung. Ich glaube, ich habe das schon mal irgendwann angesprochen.
Noemi: Die haben den schon mal live gehört.
Jan: Ja, man hört ja live meistens jetzt nicht so genau auf die Texte. Und ich glaube ich, ich hab meiner Mama das auch schon mal erzählt. Sie hat mich sowieso was das Musik machen angeht, immer total unterstützt und für sie ist es einfach schön, dass das auch so festgehalten wird. Meinem Papa war es immer total wichtig und er fand es toll Musik zu machen und dass ich Musik mache.
Noemi: Der war auch immer bei allen Konzerten. Deswegen ist das irgendwie auch echt ein Tribut.
„Wir hatten für jeden Song einen Tag Zeit“
Anna: Das ist eine schöne Geschichte. Ich glaube das ist jetzt auch mein Lieblingssong. Ich möchte noch ein bisschen auf den Entstehungsprozess der EP eingehen. Gab es irgendwelche Schwierigkeiten beim Aufnehmen oder Schreiben oder sich einig werden?
Noemi: (lacht und schaut Björn an) Anscheinend waren da verschiedene Wahrnehmungen. Ne, aber ich muss aber sagen, ich finde, beim Recording hatten wir gar keine Struggles. Aber es war eigentlich auch so eine Kamikaze Aktion, weil wir innerhalb von fünf Tagen fünf Songs aufgenommen haben und das auch noch in einem Studio, was eigentlich gar kein Studio war, sondern eine alte Schule in Niebüll. Also es ist schon das Watt’n Sound Studio, aber es ist jetzt nicht ein ausgestattetes professionelles Tonstudio. Wir haben eigentlich für jeden Song einen Tag Zeit gehabt.
Jan: Genau, dazu muss ich aber auch sagen, dass wir jetzt nicht mit fertigen Songs ins Studio gegangen sind und sie aufgenommen haben, sondern auch an den Tagen selbst immer noch viel passiert ist, was das Arrangement angeht. Teilweise wurden komplette Parts entweder rausgeschmissen oder neu arrangiert. Aber das ist auch eigentlich sehr organisch entstanden.
Marco: Generell finde ich das aber auch wichtig, dass man sich selbst auf die Probe stellt. Wenn man zum Beispiel etwas rauskürzt und dann am nächsten Tag merkt, dass man den Teil vermisst und er einfach reingehört – dann kann man das auch wieder ändern. Dann hat man es wenigstens einmal auf dem Prüfstand gehabt.
Nostalgie-Gefühle garantiert bei diesem 90er-Coversong
Anna: Ich habe euch dieses Jahr zwei Mal live auf Festivals gesehen und war ihr habt in beiden Shows eine Cover- Version von „I Love You Always Forever“ von Donna Lewis gespielt. Ich liebe die Version sehr. Aber wie kommt es dazu? Warum gerade der Song?
Noemi: Ich finde den Song geil. Ich fand den schon immer geil. Das ist einer der Songs, die irgendwie so einen wahnsinnigen Nostalgie Charakter der 90er haben, aber gleichzeitig noch nicht so überhört ist. Es ist keiner dieser typische Partyhits.
Jan: Aber trotzdem finde ich es immer krass, wie den jeder wieder erkennt. Immer wenn man den Song anderen Leuten gezeigt hat, waren alle so: „Ach ja, stimmt, geil, den gibt’s ja auch noch!“ Irgendwie so ein vergessenes Stück Musik gewesen, was halt so super präsent in einer ganz bestimmten Zeit war, dann aber auch irgendwie wieder nicht. Aber bei allen passiert irgendwas, wenn sie den hören.
Noemi: Wir hatten halt Bock, ein Cover zu machen. Es ist ja auch gerade reizvoll und auch der Sinn, dass es bei den Leuten, die dir zuhören, was aufbricht. Ich freue mich auch persönlich selber immer darüber, wenn jemand ein Cover geil spielt. Auch als eher noch unbekannte Band macht es was mit dem Publikum, wenn das spielt nachdem man vorher nur seine eigenen Songs gespielt hat. Da ist das irgendwie manchmal auch so ein Türöffner.
Anna: Hattet ihr dieses Jahr eine Lieblingsshow? Wenn ja, welche war das?
Marco: Meine Lieblingsshow war in der Kirche, beim Reeperbahn Festival. Das war richtig, richtig schön. Das war einer, fand ich, unserer coolsten Gigs. Das Ambiente war richtig schön und besonders irgendwie.
Björn: Voll. Und ich fand das Kiez Kultur Festival in Hannover auch richtig schön. Einfach weil es so ein tolles Festival ist. Und weil wir kurz dachten, es kommt niemand und dann auf einmal war es voll.Zur
Noemi: Zur Kirche nochmal – das ist mir gerade noch eingefallen: Da haben wir ja auch „Godless“ gespielt und ich habe halt hoch geguckt und genau an dieser Empore hing ja dieser gigantische Jesus an der Decke und ich musste fast lachen. Es war strange. Man spielt den Song „Godless“ und schaut dabei auf Jesus – schon weird.
Anna: Habt ihr einen Flinta-Artist, den ihr momentan besonders feiert?
Noemi: Ja, sehr viele.
Anna: Okay, dann deine Top Drei!
Noemi: Also einmal so low-key und friends-mäßig auf jeden Fall Brockhoff, Blush Always und gerade stehe ich auch auf Girl in Red und Japanese House.
Marco: Für mich auf jeden Fall Little Simz.
„The books we never read“
Anna: Ok, jetzt habe ich noch eine etwas philosophische Frage. Die habe ich bisher nur den Ottolien gestellt, aber ich dachte es ist mal wieder Zeit: Wenn eure Band-Story oder ihr als Gruppe ein Buch wäret, welchen Titel hätte es?
Noemi: Boah, krasse Frage. Da müssen wir kurz drüber nachdenken. Ich glaube, unser Buch hat einen sehr langen Satz, wahrscheinlich eher auf Englisch.
Jan: Oder wäre es ein Gedichtband? Das wäre dann wieder was anderes, aber sowas wie: Gesammelte Werke von Willow Parlo.
Noemi: Ich finde es schwer zu sagen. Ich könnte mir wirklich vorstellen, bei der Musik, die wir machen, dass es kein klassischer Buchtitel wäre, sondern irgendwie ein lyrischer Satz oder so was.
Jan: „The books we never read“ – das ist eine Textzeile aus „Silver Screens“. Das finde ich nice.
Anna: Ich würde es kaufen! Ok, ich komme zu meiner letzten Frage. Das ist bei uns immer die Kategorie der untold story. Was ist eure untold story
Jan: Hm, also die Geschichte zu „My Fasters Eyes“ ist tatsächlich noch nie irgendwo aufgetaucht. Das ist eine untold story.
Noemi: Ja, stimmt. Tatsächlich ist mir das auch als allererstes eingefallen.
Noemi: Also ich könnte natürlich über meine Fähigkeit, Metal-Mikrofone zu zerstören sprechen. Also Metal-Mikrofone sind eigentlich unzerstörbar. Ich weiß auch nicht, wie ich das immer schaffe. Ich singe nur hinein mit meiner zarten Stimme und dann macht das Puff und irgendwie geht’s kaputt.
Marco: Ja, generell hat Nono so eine Angewohnheit, dass sie immer kaputtes Equipment kauft oder dass es dann irgendwie kaputt geht, meistens glücklicherweise in der Garantie-Zeit.
Noemi: Ich habe halt zweimal ein Neues bekommen und beide hatten den gleichen Fehler und ich bin zurück in den Laden gegangen, habe es denen gegeben, die haben es da ausprobiert, es funktionierte einwandfrei. Und dann habe ich trotzdem Neues mitbekommen und das Gleiche ist wieder passiert. Ich habe schon sehr viel kaputt gemacht. Aber genau verstehe ich es auch nicht.
Anna: Ja, das ist tatsächlich mysteriös. Vielleicht einfach schlechtes Mikrofon-Karma? Danke für’s Teilen der Geschichte und danke euch für das Interview!
Jan: Danke dir!
Noemi: Danke für das schöne Interview. Wir sehen uns!
Die EP „See U Whenever“ kommt zwar erst am 8.12. raus, aber hier könnt ihr euch schonmal mit den ersten drei Songs der EP einstimmen. Außerdem spielt Willow Parlo am 15. Dezember eine Release-Show zur EP in der Molotow Sky Bar in Hamburg, also alle hin da!
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Seit geraumer Zeit hat es mich weg aus Deutschland ins Nachbarland Belgien verschlagen. Das soll jetzt aber kein Ratgeber fürs Leben als Expat werden. Nein, es geht natürlich um Musik. Belgien hat neben den Niederlanden und Luxemburg musikalisch viel Spannendes zu bieten. Wer sich ein Bild machen möchte, dem empfehle ich unsere „indie export – the sound of benelux“ Playlist (die hat übrigens kürzlich ein frisches Update erhalten).
In den kunterbunten Mix leitet einer ein: The Haunted Youth. Seit der Single„Teen Rebel“ und dem im November letzten Jahres erschienen Debütalbum „Dawn Of The Freak“ haben sich Sänger Joachim Liebens zusammen mit seiner Live-Band zu den Indie-Lieblingen schlechthin gemausert. Mit einem Mix aus Shoegaze und Dream Pop schaffen die verträumten Gitarren einen Sound für eine ganze Generation, gezeichnet von tiefer Traurigkeit und unendlicher Freiheit zugleich.
Ich habe mit dem Sänger hinter der gequälten Jugend gesprochen.
The Haunted Youth im Interview
Evelin: Hey Joachim, thanks for joining! First thing’s first: I myself have been living in Belgium for a few years now and heard a lot about you already. But for the people who might not know you: Who are you and how would you describe your music?
Hey! Well I would describe my music as coming from a place that’s internal. It’s very introspective, makes you think but also forget. And I made it in a way to exorcise my own demons, and with that sometimes I exorcise someone else’s demons, at least while the song is playing. That’s how i would love it to be (laughs).
Evelin: In what creative mindset do we find you at the moment?
It’s kind of a trip, sometimes I feel like my life or my music is going nowhere in the studio, and the next day I feel inspired and focused. When it comes to playing shows, that’s always nice, I think it’s being on the road for a while now that makes me face new ways of going about creating music. And sometimes that’s hard, but I love going through it, it always ends up somewhere exciting!
Evelin: Your artist name is very carefully chosen. How much does your youth still affect you to this day? Does it still haunt you?
Well, our youth kinda shapes us in ways, and as we grow older we unconsciously try to make up for things, when this childhood was missing something. In ways, I feel like pursuing this dream was a way for me to be able to unconditionally live as a child, and free something that was imprisoned in me because of my past. While also growing up in other ways, like making a living and sharing a house with my girlfriend.
„There’s always traces that follow you around“
Evelin: Your debut album „Dawn of The Freak“looks back on a very specific time in your life and in previous interviews you almost sound a bit bitter about your past. Can you explain what the album means to you and what state you were in mentally while writing the album?
Well, growing up where I did, in the social environment that I did, I just felt isolated. Like I was different, and something was missing. I found something in skateboarding, I found something in punk rock, and when I really started to discover my own world, it was censored and controlled and judged by the people who should be there for me.
After the divorce of my parents and years of depressing vibes between them, lies they would tell us about each other, to extreme levels, I decided to not see them anymore as soon as I had the chance. So I tried to fight things I felt about it in songs and that became the album. Because even though I left and my worst days seem to be behind me, there’s always traces that follow you around, and haunt you.
I was sick of feeling like shit because of this and decided music was always my best way to fight it, besides skateboarding, or smoking weed, doing drugs, etc. I wanted to also give back this message to the community like: „Hey this music has been there for me. I made something in return, which I hope will do the same for someone out there.“
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Evelin: The main messages in your album revolve around the struggle of finding your place in life. Do you think you found that now? If so, what does that look like for you?
I feel like I found at least a big picture of it (laughs). I’m pretty happy with my life now. I seem to have it pretty much under control, it just seems to flow, you know. A lot of old passions came back on me, like I just started skating again, and that feeling combined with being on the road with the band.
They’re my carefully chosen family of freaks and my queen freak, Ammu. She’s my girl and I’m so in love with her. We really come from the same place traumatically speaking, even though she has her own story, but we bond on that deeply. We both make music together, like really hardcore punk shit, you know.
And I don’t know, things just feel like they fell into place by making this album and everything that came along with it. And there’s been a lot of struggles to get here, but it makes me enjoy it more as it’s happening.
Evelin: Your upbringing is characterized with contrasts, and it shows in your music. Whereas the melodies are often quite soft and dreamy, the lyrics can get rather dark. What do you hope to evoke in people with that?
I’m not trying to evoke anything in anyone. I follow what evokes something in me, and weirdly, that’s how I end up making other people feel things with music. By first chasing that feeling for myself, and have me be the judge. Because I am the hardest to please, other people might like something I might not feel. So why do that. I think great music first needs to be therapy for the writer in order to become therapy for anybody else in such a profound way. Not always though, but mostly.
„Just go until the gas runs out“
Evelin: You write and produce your music basically all on your own and sort of thrive in isolation. Now you released a song together with one of your bandmate’s projects King Victor. How did that more collaborative process work out for you?
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Well, Tommy (Tom, Teil von King Victor und Gitarrist bei The Haunted Youth) is the only one I share a certain musical connection with. The therapy part, and the way this therapy sounds to us, is something very particular. I think this kind of connection is really rare, but that’s why he got in the band in the first place.
And one day he had this song, and sent me the demo, and I hated his vocals on it, but loved the song and proposed to sing on it. I still did it alone, 4 am, high as fuck, and a little depressed. I did a few takes, and sent it to him. He loved it and we decided to go with it.
Our label manager later decided to make it a collaboration thing with the feature, so his song would get the attention it deserved. We later ended up putting it in this year’s live set.
Evelin: You released your debut album last year in November, after touring and the upcoming festival summer. What is next for The Haunted Youth?
Just feeling the vibe, riding the waves and rocking in the free world, making lots more music, just go until the gas runs out, and we run out!
Evelin: At the end of each interview, we always ask for an untold story. This could be a random fact about you, an anecdote, something funny that happened during recording, touring etc. Anything that you haven’t shared with the world yet, but want to now. 😊
Well, me and my girl have a dog, a Tervuren shepherd. She’s called Kensy, and she’s our little wolf. Every so often we sit with her and we howl together, as a wolfpack. It’s said to strengthen the bond between you and the dog. It’s as if we’re singing a song together! (laughs)
The Haunted Youth auf Tour
Wer sich genauso wie Joachim von Traumata und Sorgen mithilfe der Musik loslösen möchte, dem spreche ich eine warme Empfehlung für das Debütalbum „Dawn Of The Freak“ aus.
Nach bereits vergangenen Shows und Festivals um und in Deutschland gehen The Haunted Youth außerdem im November wieder auf Tour. Unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Heißt, ihr könnt euch auch noch von euren Dämonen frei tanzen. Holt euch hier eure Tickets!
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Im Rahmen der Acoustics Concerts 2023 haben wir uns mit Max von M. Byrd zum Interview getroffen und unter anderem über die Entstehung und Produktion seines Debütalbums „The Seed“ gesprochen, das letzten Freitag erschienen ist. Der Sound des Albums erinnert an warme nostalgische Sommertage, die Sehnsucht nach einem Roadtrip schaffen. Es thematisiert das Leben mit all seinen Herausforderungen, Träumen und Ängsten, aber vor allem geht es bei „The Seed“ um Wachstum.
In Hamburg (21.06.) und Essen (22.06.) könnt ihr M. Byrd diese Woche noch mit einem Akustikset bei den Acoustics Concerts live erleben.
M. Byrd im Interview
Julia: Hi Max, erstmal schön dich kennenzulernen! Ich freue mich sehr, dass wir heute miteinander quatschen. Wie geht’s dir?
Max: Mir geht’s gut. Ich war gerade zehn Tage in Prag, Berlin und Leipzig unterwegs und habe drei Tage gebraucht, um wieder in meiner derzeitigen Heimatstadt Kopenhagen anzukommen. Ich bin noch ein wenig fertig von der Reise, aber es war sehr schön!
Max: Das passt schon sehr gut! Wenn man die Drums, den Gesang und das ganze Große rausnimmt, hat es für mich wie ein Ambient Projekt begonnen. Das war am Anfang eher ein Experiment. Deswegen würde ich es vielleicht Ambient Rock nennen – so in die Richtung.
Julia: Bei M. Byrd geht es gar nicht unbedingt nur um dich als Solokünstler, sondern viel mehr um ein Kollektiv. Wer seid ihr denn?
Max: Wir sind viele Leute, die sich über die Jahre kennengelernt haben und mit denen ich in verschiedenen Projekten Musik gemacht habe. Den Kern bilden mein guter Freund Andre, der auf den Aufnahmen Schlagzeug spielt und Eugen Koop aus Detmold, der sein Studio zur Verfügung gestellt hat, um die Aufnahmen zu machen. Wir sind ein Kollektiv aus Menschen, die ich mit der Zeit auf meinem musikalischen Weg zusammengesucht habe und indem jede*r seine Stimme dazu gibt. In der Livebesetzung haben wir gerade zwei neue Leute dabei. Doreen, die Sängerin, die auch die Chöre auf der Aufnahme gesungen hat, ist im Mutterschutz, weil sie im Juni zusammen mit unserem Drummer ein Kind bekommt. Ich finde es schön, dass diese Familie, die sich um dieses Projekt bindet, mit der Zeit einfach immer größer wird. Das ist ein gutes Gefühl.
Julia: Das glaube ich gern!
Max: Dann bleibt es auch spannend. Ich bin nicht jemand, der allein im Studio sitzen kann. Klar, tue ich das auch mal, wenn vorher schon was zusammengekommen ist. Ich finde die Magie passiert immer dann, wenn Menschen etwas gemeinsam machen. Das ist ein unbekannter Faktor, den man versucht zu steuern.
Julia: Im Februar kam dein Song „Outside Of Town” raus und du hast bei Instagram geschrieben, dass der Song für einen Freund ist, der dein Leben verändert hat. Man kann es zwar am Text ein wenig erahnen, aber möchtest du die Geschichte dazu erzählen?
Max: Die ganze Idee des Songs war die Geschichte von einer Person zu erzählen, die flüchten muss, aber es so offen zu lassen, dass es quasi jeder sein könnte, dem dieses Schicksal widerfährt. Deswegen kann ich die Geschichte nicht genau erzählen. Es ist ein Bild im Song entstanden, in dem sich jemand in einer „safe zone“ befindet – wie auf einer Insel oder in einer Stadt.
Drumherum herrscht überall Krieg. Und dann hat jemand trotzdem das Gefühl über den Horizont herausschauen zu wollen, obwohl es gefährlich ist. Trotzdem möchte man einen anderen Zustand oder ein anderes Leben haben. Das kann man nicht nur auf Krieg beziehen, sondern auch auf klimatische Bedingungen. Ich finde Menschen faszinierend, die hinter diesen Horizont blicken wollen, egal was von außen gesagt wird und von dem man denkt, was möglich ist. Das erfordert einfach sehr viel Mut. – Und ich habe damals in Hamburg jemanden kennengelernt, der mich inspiriert hat diesen Song zu schreiben.
Julia: Der Song setzt das auf jeden Fall sehr gut um.Deine Texte sind sehr träumerisch und lassen viel Spielraum für Interpretationen. Ich bin selbst sehr großer Fan davon, wenn Songs mich aus der Realität wegholen. Findest du, dass da ein gewisser Reiz hinter steckt, wenn man Lyrics nicht eindeutig interpretieren kann?
Max: Manchmal kann ich das selbst gar nicht. Es gibt Leute, die mir nachher sagen, was sie alles aus den Texten rausgelesen haben. Songwriting war für mich immer eine unterbewusste Sache und etwas, bei dem ich das Gefühl habe, dass es sich für mich besser anfühlt, wenn ich in diesen Zustand selbst reinkomme. So öfter ich die Songs spiele und die Räume in den Songs kennenlerne, umso mehr bemerke ich auch Sachen über mich selbst. Manchmal schreibe ich meine eigene Zukunft in Songs auf und deswegen sind diese vielleicht auch dreamy.
Der Sänger Jacob Collier hat mal gesagt, dass die besten Songs für ihn diejenigen sind, in denen Leute ihren eigenen Raum haben können. Ich gebe dir einen Song von mir und dieser wird zu deinem Raum und gehört nicht mehr mir. Ich bin kein Fan davon, jemandem genau zu sagen, was meine Songs bedeuten. It’s art – die Leute finden das meistens selbst raus oder vielleicht auch nicht.
Entstehung des Debütalbums
Julia: Da stimme ich dir zu! Ich finde es auch schön, wenn Menschen unterschiedliche Sachen in Songs interpretieren. Am 16 Juni veröffentlichst du dein Debütalbum „The Seed“. An dieser Stelle schon mal Glückwunsch! Obwohl, dafür ist es wahrscheinlich noch zu früh, was?
Max: Ich finde es schon okay, *lacht*, in meinem Kopf ist das Album schon lange draußen.
Julia:Na dann!Kannst du uns etwas über die Entstehung erzählen und worüber das Album thematisch handelt?
Max:Das ganze Album hat einen Prozess durchlaufen, wie ich ihn eben schon beschrieben habe. Wir haben dieses Projekt begonnen und meistens während der Durchreise einen Stopp gemacht und einen Tag aufgenommen. Dabei ist zum Beispiel ein Song wie „Mountain“ entstanden. Irgendwann haben wir die EP gehabt und veröffentlicht – und das war schon während Corona. Wir haben das aber gar nicht so wahrgenommen, sondern wollten in der Zeit einfach Musik releasen. In Detmold haben wir dann begonnen das Album aufzunehmen. Das Studio war quasi ein sechs Meter hoher Raum, eine Squashhalle entstanden aus einem alten Bunker, wo wir uns zu dritt einsperrt haben, als man niemanden treffen konnte.
Gerade in den letzten Tagen, an denen wir die Aufnahmen gemacht haben, haben wir uns gefragt, warum wir das eigentlich machen. Da hat auch der Ukrainekrieg begonnen. Wir haben einen Freund in Detmold, der ist an die Grenze und wieder zurückgefahren, um Freunde einzusammeln. Es war absurd in dieser Zeit ein Album zu machen und sich auf sich selbst zu konzentrieren. Als wir dann den letzten Song „Seed“ aufgenommen haben, war schnell klar, dass wir das mit der Musik einfach machen müssen. Wir werden uns niemals von der Welt abkoppeln können und haben gemerkt, dass das Album genau diese Gemeinschaft festhält, die wir in dieser Zeit geschaffen haben. Es hat jedem von uns Comfort gegeben, in einer Zeit, in der man eigentlich kein Geborgenheitsgefühl finden konnte.
Julia: Hat der Titel des Albums auch inhaltlich eine Bedeutung? Geht es um Wachstum?
Max: Ja, voll! Gerade in so einer dunklen Zeit wollten wir etwas pflanzen, das uns und vielleicht auch anderen Menschen Comfort bringt. Es ist das erste Album, das wir aufgenommen haben. Ich habe vorher noch nie ein ganzes Album aufgenommen und wusste nicht, wie es wird. Wir wollten damit einen Raum pflanzen, der Menschen Geborgenheit gibt.
Julia: Gibt es einen Unterschied im Entstehungsprozess der Orion-EP und dem kommenden Album?
Max: Vom reinen Schaffungsprozess her haben wir auf dem Album viel in einem Raum zusammen live eingespielt. Bei der Orion-EP haben wir eher mal Drums aufgenommen und hier und da ein bisschen gemacht. Aber auf dem Album haben wir fast alle Songs mit Bass, Gitarre und Schlagzeug gemeinsam in einem Raum aufgenommen. Heutzutage ist das ein besonderer Prozess für Musiker*innen, weil es nicht mehr wirklich aktuell ist. Das war der grundlegende Unterschied für mich. Es ist alles sehr organisch entstanden, würde ich sagen.
Julia: Du gehst im September und Oktober auf eigene Tour und das nicht nur durch Deutschland. Was ist das Schönste für dich am unterwegs sein?
Max: Ich habe besonders in den letzten Tagen gemerkt, dass das Schönste die Leute sind, die man auf seinem Weg trifft. Man merkt einfach, dass man drei Stunden irgendwo hinfahren kann und immer einen Platz hat, wo man sein kann. Mich empfängt immer jemand oder hat einen Platz auf der Couch frei. Das sind grundlegende Dinge, die man zu schätzen weiß. Das ist das Schönste für mich – die anderen Menschen, die ich dabei treffe.
Julia: Du hast ja auch Erfolg in anderen Ländern und spielst Konzerte außerhalb von Deutschland. Wie hast du das wahrgenommen?
Max: Ich freue mich natürlich total, wenn mir zum Beispiel Leute aus Chile schreiben. Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Musik das kann. Ich habe das aber noch nicht als einen Erfolg wahrgenommen. Heutzutage hast du als Künstler*in einen sehr klaren Überblick über Zahlen und Statistiken deiner Musik und erfährst, wo die Leute deine Musik hören und so weiter. Für mich ist es ungreifbar, wenn 4000 Leute monatlich in der Türkei meine Musik hören. Ich verstehe das erst, wenn wir eine eigene Tour spielen, die wir jetzt auch angekündigt haben. An diesem Punkt verstehe ich dann, dass Leute meine Musik hören und sich damit verbinden. In der echten Welt bedeuten diese ganzen Zahlen für mich nichts. Es ist natürlich ein großer Erfolg, dass ich in Prag ein Konzert spielen kann und sehe, wie viele Menschen meine Musik kennen. Das ist etwas, was ich richtig wahrnehme.
Julia: Dann frage ich dich nochmal nach der Tour!
Max: Ja! Ich bin wirklich sehr gespannt.
Julia: Jetzt mal eine ganz andere Frage: Die Musikbranche ist sehr schnelllebig und verlangt viel. Wie gehst du als Künstler damit um, gerade auch in Hinblick auf die eigene, mentale Gesundheit? Fühlst du dich manchmal unter Druck gesetzt?
Max: Das ist eine gute Frage! Ich habe an einem Punkt begonnen, an dem ich schon viele Erfahrungen und Umgang mit dem Musikbusiness sammeln konnte. Deswegen habe ich bereits ein gewisses Bullshit-Radar aufgebaut, dass mir sagt, mit wem ich zusammenarbeiten möchte und mit wem nicht. Den größten Druck mache ich mir selbst. Ich habe einen großen Qualitätsanspruch an das, was ich mache und möchte manchmal auch alles tun.
Aber ich glaube, ich habe meinen Weg gefunden mit diesen Sachen umzugehen. Ich habe ein Team und Menschen, denen ich hundertprozentig vertraue und die auch mich sehr gut kennen. Es gibt einfach Personen, die mir helfen und den Druck abfedern. Das sind die guten Leute, mit denen man zusammenarbeitet. Das Publikum, so viel ich es auch zu schätzen weiß, dass ich Leute habe, die meine Musik wirklich gerne mögen, sind immer die Leute, an die ich erst denke, wenn die Musik schon gemacht ist. Am Ende mache ich die Musik auch für mich selbst und habe sie ein bisschen als meine eigene Medizin.
Julia: Ich finde es auch wichtig nicht zu vergessen, dass man keine Erwartungen von außen erfüllen muss. Nun kommt die obligatorische „Wo siehst du dich in fünf Jahren“-Frage, aber ich formuliere sie anders. Was würdest du in musikalischer Hinsicht noch gerne in den nächsten Jahren machen?
Max: Da gibt es so viele Sachen. Gerade sammle ich schon wieder Ideen und Sounds und schaue nach Strukturen, die sich anbahnen oder mache mir Gedanken, wie es weitergehen könnte. Das ist nicht auf M. Byrd bezogen, sondern einfach mein Interesse Ideen zu sammeln. Ich hoffe, dass ich das mit der Musik so lange wie möglich machen kann und es mich weiterhin so thrilled, wie es das aktuell tut. Das klingt immer einfach, aber ich möchte Sachen machen, die ich genieße. Wenn ich irgendwann das Gefühl habe sollten, es nicht mehr zu genießen, dann mache ich es nicht mehr. Ich liebe Musik und mit meinen Leuten Musik zu machen und deswegen hoffe ich, dass das in fünf Jahren immer noch so sein wird und mir weiterhin so viel zurückgibt, wie es das gerade tut.
Julia: Das ist schön. Das wünsche ich dir natürlich auch! Unsere letzte Frage ist immer eine untold story – also eine Geschichte oder Anekdote, die du noch nie irgendwo erzählt hast. Was wäre deine untold story?
Max: Hmm. *überlegt* Ich habe mal aus Versehen mit dem Gitarristen von KISS gejammt und wusste es nicht.
Julia: Okay, das hört sich nach einer sehr guten Story an. *lacht*
Max: Ich komme ursprünglich aus dem Saarland und habe dort während der Schulzeit bei einem Verstärkerhersteller ein zwei-wöchiges Praktikum gemacht. An einem Tag sollte ich den Raum aufbauen, in dem die Verstärker gespielt werden, weil jemand vorbeikommen würde, um die zu testen. Irgendwann kam ein Typ mit zwei anderen Leuten rein und hat angefangen, die Verstärker auszuprobieren. Er hat sich dann zu mir gesetzt und wir haben ein bisschen gejammt. Ich habe gemerkt, dass er Amerikaner ist und ihn daraufhin gefragt, wo er herkommt und was er so macht. Er meinte dann, dass er in KISS spielt, während ich an irgendeine KISS-Coverband gedacht habe. Auf die Nachfrage hin, ob er wirklich eine KISS Tribute-Band meint, antwortete er nur: „Nein, die wirklichen, die echten KISS“. Joa und dann haben wir zehn Minuten zusammen Gitarre gespielt.
Julia: Ja, sehr nice Story auf jeden Fall. Das fand er bestimmt sympathisch.
Max: Ich hoffe! *lacht* Bei KISS erwartet man ja auch, dass sie geschminkt sind und auch geschminkt zu einem Termin kommen. Aber ich war auch erst sechzehn.
Julia: Ganz lieben Dank dir für das schöne Interview und deine Zeit! Ich hatte sehr viel Spaß!
Max: Ja, auf jeden Fall! Danke Dir! Ciao, Julia!
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Wir haben gute Nachrichten für alle Liebhaber*innen von handgemachter Indie-Musik: Donkey Kid geht auf seine erste Headline-Tour im April. Ja, ihr lest richtig: Diesen Monat! Gibt’s ne bessere Überraschung zu Ostern? Ich glaube nicht. Für alle, die eine kleine Gedächtnisstütze brauchen, das ist Donkey Kid:
Irgendwo zwischen 80er-Jahre-Synthpop, klassischen Beatles-Referenzen und Rock-Vibes à la Jimi Hendrix kreiert Sänger Jurek seinen ganz eigenen Sound. Und der klingt mit jedem Song irgendwie anders. Alles klingt irgendwie retro, kommt aber aus diesem Jahrzehnt. Bei Donkey Kid steht alles im Zeichen des DIY-Indie. Wie viele seiner Altersgenossen begann der zwanzigjährige Steglitzer damit, Musik im eigenen Schlafzimmer zu produzieren, seine Songs erregten auf Soundcloud schnell Aufmerksamkeit. Zu Recht, wie wir finden!
Hymnen des DIY-Indie unserer Generation
Songs wie „Deep Blue“ und zuletzt „nicht zurück“ bleiben im Gedächtnis und fehlen in keiner gut sortierten Indie-Playlist. Auch seine neueste Single “Being Square” glänzt mit schillerndem DIY-Charme.
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Wie sich die Musik von Donkey Kid wirklich anfühlt, bekommt man nur live so richtig mit. Aber kein Problem, wir haben da was für euch parat: Eine Tour und sie startet schon nächste Woche! Wann und wo? Na hier:
Die Tourdates
13.04.2023 | Nürnberg, Club Stereo 14.04.2023 | Mainz, Schon Schön 15.04.2023 | Stuttgart, Merlin 27.04.2023 | Dresden, Music Match Festival @Zentralwerk 28.04.2023 | Leipzig 29.04.2023 | Erfurt, Kulturkiez Festival @Engelsburg 04.05.2023 | Düsseldorf, R25 Kulturschlachthof 05.05.2023 | Hannover, Mephisto 06.05.2023 | Münster, Gleis 22
Wir können es jetzt schon kaum abwarten, euch in Scharen vor der Bühne zu treffen. Und vor allen Dingen gemeinsam eine tolle EP und natürlich Donkey Kid zu feiern. Hier könnt ihr schonmal fleißig üben, damit wir alle textsicher die Konzerte rocken können:
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In einer Welt, in der wir abgestumpft durch den Alltag trotten, vieles grau ist und uns wenig Positives überrascht … Ok, zugegeben, es ist Januar. Es ist kalt draußen und es regnet. Aber aus meiner Musikbox dröhnt „Die Sonne scheint nur für mich“ und ich teleportiere mich in eine andere Welt.
Der Song kommt von der Band STRAHLEMANN. Es ist die erste Single, die die Newcomer-Band im April 2022 veröffentlicht hat. Damals waren die vier Jungs ein unbeschriebenes Blatt Papier, das keiner so richtig auf dem Schirm hatte. Seither hat sich vieles getan. Die Debüt-EP unter dem gleichen Namen wie die Single „Die Sonne scheint nur für mich“ hat am 13. Januar das Licht der Welt erblickt. Ein perfekter Anlass, die Band hinter dem catchy Indie-Rock-Sound mit einprägsamen Punch-Lines einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Wer ist STRAHLEMANN?
Laut DUDEN bezeichnet der Begriff Strah|le|mann jemanden, „der gewohnheitsmäßig ein [übertrieben] strahlendes Lächeln zeigt [um sympathisch auf sein Publikum zu wirken]“. Laut STRAHLEMANN bezeichnet der Begriff Strah|le|mann:
jemanden, der*die immer gut drauf ist und allen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
jemanden, der*die immer so tut, als sei er*sie gut drauf und allen außer sich selbst ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.
jemanden kurz nach dem Kiffen.
So stellt Tino, Sänger der Band, STRAHLEMANN vor. Doch hinter diesem Namen steckt neben einer Menge Verkopftheit ganz viel Gefühl und Liebe zum Detail. Im Interview mit drei der vier Bandmitglieder von STRAHLEMANN erzählen die Jungs, wie es zur Bandgründung kam, warum sie stundenlang über jeden einzelnen Ton und jede Zeile diskutieren und welche Höhen und Tiefen das Leben als Newcomer-Band noch so mit sich bringt.
STRAHLEMANN im Interview
Anna: Hi Jungs, schön, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Mögt ihr euch zu Beginn einmal vorstellen?
Tino: Also ich bin Tino. Ich bin Sänger von der Band Strahlemann und ich freue mich, heute an diesem wunderbaren Interview teilnehmen zu dürfen.
Julius: Ich bin Julius. Ich spiele Gitarre bei Strahlemann. Ich bin einer von zwei Julius – der andere ist heute leider nicht da.
Marvin: Ich bin Marvin und ich spiele Schlagzeug bei Strahlemann.
Zwischen Bahnromantik und Friedrich-Merz-Wahlkreis
Anna: Ihr kommt ja alle irgendwie aus unterschiedlichen Städten. Wie ist denn eure Band entstanden? Wie habt ihr zusammengefunden?
Tino: Also die Bandgeschichte verliert sich in grauer Vorzeit – im September 2019. Da habe ich Julius, also der, der heute nicht da ist, und Marvin kennengelernt, im Artist Pool Band Camp. Ich habe da eines Abends mal Demos vorgeführt und dann fanden die das irgendwie cool und wir haben gesagt, dass wir Kontakt halten. Ziemlich genau ein Jahr später habe ich mich mit Julius in Münster getroffen. Da hat er Musik studiert, gemeinsam mit Jules, und so kam dann auch die Verbindung zustande. Dann haben wir uns da eine Woche getroffen, so ein paar Songideen, die ich da jahrelang mit mir rumgeschleppt habe, mal gemeinsam aufgenommen und auch ein oder zwei Songs gemeinsam geschrieben und es hat sofort gefunkt. Und dann haben wir uns wieder ein Jahr später im August offiziell in Elkeringhausen gegründet.
Julius: Ich verbinde das immer nur mit dem Friedrich-Merz-Wahlkreis.
Tino
Anna: Wie macht ihr das denn mit den Proben? Das ist ja wahrscheinlich auch ein bisschen schwieriger.
Tino: Ja, genau. Also letztes Jahr haben wir uns für Auftritte mindestens jede zweite Woche getroffen. Also wir sehen uns regelmäßig und machen dann so kompakte Proben- Wochenenden. Das funktioniert immer ganz gut.
Marvin: Wir mieten uns dann immer irgendwo ein – brauchen eigentlich nur ein Schlagzeug und Mischpult. Und kann man da irgendwo proben zwischen Tübingen und Münster. Irgendwo dazwischen treffen wir uns dann meistens in dem Proberaum von anderen Bands und dann geht es ganz gut.
Julius: Im Idealfall spielen wir auch mehr oder weniger regelmäßig Konzerte, was halt im Sommer 2022 zum Glück so war. Da machen wir dann vorher irgendwie mal so ein, zwei Proben-Wochenenden, gucken uns alle die Songs an und so, schreiben vielleicht ein bisschen daran und dann steht das aber erstmal. Es ist auch toll, dass das so funktioniert, also dass jeder für sich dann noch arbeitet von zu Hause. Also jeder guckt sich seine Parts an und überlegt sich auch ein bisschen was für die Performance. Also jeder macht quasi seine Hausaufgaben. (lacht)
„Tino schreibt recht geile Songs, die immer so einen Ticken zu verkopft sind. Wir passen die dann so an, dass sie alle Menschen verstehen können“
Anna:Wie ist die Aufteilung bei euch? Eher so klassisch, dass der Sänger die Texte schreibt und dann die anderen die musikalischen Part beisteuern?
Tino: Ja, das ist schon sehr klassisch bei uns. Ich schreibe die Texte und meistens auch die Musik dazu. Bisher ist es zumindest so. Dann bringe ich das mit in die Probe und wir hören gemeinsam. Dann wird noch verfeinert. Hin und wieder kommt da noch was dazu oder es wird weggeworfen. Aber eigentlich hat man immer schon einen sehr guten Blick auf das Grundgerüst.
Julius: Wir sagen immer: Tino schreibt recht geile Songs, die immer so einen Ticken zu verkopft sind. Unsere Aufgabe ist es dann, die an die Popstruktur anzupassen, sodass das alle Menschen verstehen können.
Anna: Okay, dann gehe ich auch mal davon aus, dass Tino den Pressetext geschrieben hat.
Tino: (lacht) Ja, da habe ich mich ein bisschen verausgabt.
Anna: Aber ich find den echt gut!
Tino: Danke!
Anna: Wer von euch ist der Strahlemann der Band?
Julius: Das sind wir alle.
Tino: Jeder auf seine Weise.
Julius: Vor allem wenn wir uns sehen, dann sind wir alle nur am Strahlen.
Das Problem mit dem Gefühle zeigen im Indie
Anna: In eurer Spotify Bio stand sehr lange einfach nur: Indie Rock. Gefühle zeigen. Da frage ich mich: Fehlen euch im deutschen Indie Rock manchmal die Gefühle in den Songs?
Julius: Boah, da machst du jetzt aber ein Fass auf! Also wir sind alle sehr beeinflusst und sehr angetan von ganz vielen tollen deutschen Indie Bands. Mir persönlich ist bei der ein oder anderen Band ein bisschen zu kalkulierbar. Vielleicht ist es auch so ein Trend, der dann mit gemacht wird – das weiß ich nicht. Ich will gar nicht gegen jemanden schießen, aber manchmal ist es mir auch ein bisschen zu oberflächlich. Aber das wollten wir damit auch gar nicht sagen, sondern einfach, dass es uns natürlich irgendwie um die Gefühle in den Songs geht.
Tino: Über Gefühle singen und Gefühle zeigen ist wichtig und dafür wollen wir stehen und zeigen, dass es auch ein schöner Trend ist. Dass es wichtig ist, dass Männer Gefühle zeigen, weil es ja offensichtlich nicht normal zu sein scheint. Da sind wir natürlich auch von Bilderbuch beeinflusst.
Anna: Das ist aber auch einfach eine verdammt gute Band! Bei wem würdet ihr auf einer Tour gerne mal Support spielen – abseits von Bilderbuch?
Tino: Wir kommen ja auch aus dem aus dem Post Hardcore. Wenn es Heißkalt noch geben würde, wäre das natürlich auch der Hammer. Oder so Bands wie Kind Kaputt, Blackout Problems. Aber wir bewegen uns gerade genremäßig eher in Richtung Bilderbuch, also Indie Rock. Verträumt sozusagen. Weniger Geballer. Obwohl Van Holzen auch noch eine gute Adresse wäre.
„Wir kommen alle aus dem Post Hardcore und sind softer geworden“
Julius
Anna: Gab es eigentlich im Prozess von der EP mal die Diskussion, ob ihr ein bisschen mehr in die rockigere Richtung geht oder ein bisschen mehr verträumt?
Julius: Ich glaube, das ist so ein Zeitding. Also es gibt Aufnahmen von 2020, als ich bei Julius und Tino war und wo wir dann den Song geschrieben haben. Und wir haben so ein bisschen verkopften C-Teil mit so einem Schlagzeugpart. Da mussten wir Marv dann knechten, dass er den spielt. Und das ist, glaube ich, etwas, das würden wir heute nicht mehr machen. Aber jetzt hat es sich ganz natürlicher Weise bei uns in eine andere Richtung entwickelt. Alles so ein bisschen vibender einfach und nicht so das ganz große Tamtam. Irgendwie habe ich das Gefühl, das ist eine Entwicklung, die mehr oder weniger bei allen so parallel stattgefunden hat, weil wir natürlich auch älter geworden sind.
Marvin: Ja, ich glaube, wir sind einfach alle auch etwas offener gegenüber konventioneller Musik geworden über die Jahre. Wir kommen alle aus dem Post Hardcore Bereich und sind softer geworden. Als wir uns im Sauerland getroffen haben mit den Demos damals dachte ich, dass es sehr indiemäßig wird. Als wir dann zusammen dran geschrieben haben, ist es doch ein bisschen rockiger, eckiger geworden, als ich es mir am Anfang vorgestellt hatte. Einfach weil wir alle so ein bisschen aus dieser Hardcore Sozialisierung kamen.
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Anna: Okay, kommen wir zu eurer EP. Über dem Pressetext steht drüber: „eine relativ idealistische Anleitung zur Realitätsbewältigung in sechs Songs“. Was beinhaltet diese Anleitung?
Tino: Ja, wenn man so will, ist das Song für Songs eine Richtung von einem Zustand der starken Unzufriedenheit und des „sich allein Fühlens“ hin zum „sich aufgehoben fühlen in der Musik“ oder mit sich selber ins Reine zu kommen. Also „Gib mir einen Grund“ ist der Anfang. Das ist aus einer starken Frustration heraus entstanden. Text wie Musik. Bei „die Sonne scheint nur für mich“ ist es etwas schwieriger. Auch wenn der Song sehr positive Gefühle weckt bei verschiedenen Leuten ist es ja doch ein Song, der sehr schwer ist. Es geht darum: Hat es überhaupt einen Sinn, was wir hier tun? Und „magst du mich nicht mehr“ hat dann was mit damit zu tun, das man sich im sozialen Umfeld zurechtfinden muss – auch im digitalen sozialen Umfeld. „Wiedersehen“ hat diese Abschiedsstimmung, die man im Alter immer wieder um die Ohren gehauen bekommt. Und „Lichtgewand“ ist der Schlusspunkt, in dem dann das Strahlemännchen – das Ich – das am einfach so klein und unbedeutend war, einen Platz in der Welt gefunden hat. Das ist quasi die Idee der Anordnung der Songs.
Anna: Wenn eure EP ein Rezept wäre, welche Zutaten würden reinkommen?
Julius: Ein bisschen Romantik. Eine Prise Indie mit einer Grundlage aus Alternative und Post Hardcore und oben ein tanzbares Topping. Indie ist nicht die Prise. Indie ist der Teig, die Basis.
Marvin: Schokolade, viel Schokolade.
Anna: Die Schokolade steht dann für die Romantik da drin?
Marvin: Ja, genau. Oben ist so eine Kirsche drauf. Das sind die Fans, die Strahlemann Fans.
Anna: Gab es einen Song auf der EP, der es euch besonders schwer gemacht hat im Entstehungsprozess? Oder wo ihr euch vielleicht am wenigsten einig wart?
Marvin: Wir haben über einzelne Parts öfter mal länger gestritten, aber so einen spezifischen Song gab’s glaube ich nicht. Zumindest nicht von denen, die jetzt auf der EP gelandet sind. Und denen, die jetzt danach anstehen, haben wir schon ein paar komplett verworfen und dann wieder anders angefangen. Aber ich glaube, auf der EP waren es eher so einzelne Parts, wo wir dann irgendwie stundenlang drüber diskutiert haben.
Tino: Naja, also die Ideen sind ja schon ein, zwei Jahre alt und konnten dementsprechend auch gut reifen. Es war eher Feintuning, was wir da gemacht haben. Stundenlanges Feintuning … (lacht).
Julius: Wir sind auf jeden Fall eine basisdemokratische Band. Also Marvin spielt Schlagzeug, aber es bleibt kein Schlagzeug-Schlag aus, der nicht bis ins letzte Detail ausdiskutiert wird und bei den anderen Instrumenten genauso.
Anna: Kommt in diesem Jahr noch eine Tour von euch?
Julius:(atmet tief ein) Hoffentlich! Das ist die Antwort. Aber eigentlich ja. Es wird auf jeden Fall in der ein oder anderen Form eine Tour kommen. Wir hoffen für so Frühjahr, April oder so. Vielleicht wird es auch darauf hinauslaufen, dass wir es erst nach dem Festivalsommer machen. Aber wir spielen auf jeden Fall ein paar Festivals.
Anna: Welche Städte müssen auf der Tour dann dabei sein?
Julius: Also eigentlich immer so unsere Basis: Stuttgart, Tübingen, Wuppertal, Münster muss dabei sein. Köln würde ich auch voll gerne spielen. Hamburg ist immer geil. In Berlin und München habe ich jetzt bisher nicht so die besten Erfahrungen gemacht, muss ich sagen. Aber irgendwie wäre das auch cool.
Julius
Anna: Ihr habt ja vorhin schon andeuten lassen, dass es auf jeden Fall noch mehr als die EP-Songs gibt. Kommen die bald auch raus und was passiert bei Strahlemann 2023 noch so?
Julius: Wir wollen auf jeden Fall ein Album machen, aber das wird wahrscheinlich erst 2024 kommen. Aber ich glaube, dass der Plan ist, dass wir 2023 auch viel daran arbeiten werden, oder Marv?
Marvin: Ja, auf jeden Fall. Wir haben gesagt, dass wir uns viel Zeit nehmen wollen, um an einem Debütalbum zu feilen. Es gab viele Überlegungen, ob es noch Sinn ergibt, ein Album zu machen in diesem Jahr oder ob wir noch ne EP hinterher schieben. Aber da einfach so viel Songmaterial da ist und wir auch Bock haben auf ein Konzept, werden wir uns viel Zeit nehmen, um an neuen Songs zu arbeiten. Und das Ziel ist dann ein Album.
Everybody’s darling: „Die Sonne scheint nur für mich“
Anna: Habt ihr einen Lieblingssong auf der EP?
Tino: Ja, also unser aller Lieblingssong ist, glaube ich, die Nummer 2 „Die Sonne scheint nur für mich“, weil der am leichtesten von der Hand ging und auch am meisten Spaß macht live zu spielen. Und da sind auch immer die meisten Leute am Start. Wir haben den Song ja als erste Single der EP im April rausgebracht. Dann haben wir im Juni, Juli, August angefangen, Konzerte zu spielen. Und dann beim ersten Konzert haben die Leute den Song direkt mitgegrölt. Das war ein tolles Gefühl und deswegen bleibt mir der Song stark in Erinnerung.
Anna: Wo wir gerade schon bei Erinnerungen sind: Habt ihr eine untold story parat? Irgendetwas ungeahntes, das noch keiner über euch weiß?
Marvin:(alle überlegen sehr lange) Puh, das ist gar nicht so einfach. Es hat auf jeden Fall keiner von uns ein Arschgeweih! (alle lachen)
Bahnhofbegegnungen eurer liebsten neuen Öffi-Band
Anna: (lacht) Schade, das wären jetzt natürlich die Breaking News gewesen. Gibt es eine Geschichte von den Konzerten im Sommer?
Marvin: Ja, stimmt, wir waren super viel auf Reisen – vor allem in ICEs. Wir waren mal auf dem Weg nach Stuttgart und Julius, der Bassist, und ich haben verzweifelt unser Equipment gesucht, weil wir das in so einer Gepäckablage abgestellt hatten. Und als wir dann kurz vor Stuttgart waren, haben wir unsere Sachen nicht wiedergefunden und dachten, die sind einfach geklaut worden oder so. Weil wir uns auch ein paar Mal umsetzen mussten, weil keine Sitzplatzreservierung. Und dann haben wir irgendwann, als wir schon richtig panisch waren, bemerkt, dass wir einfach in die falsche Richtung gelaufen sind, weil der Zug zwischenzeitlich im Kopfbahnhof gewechselt hat, es muss dann doch nicht Stuttgart gewesen sein. Ich weiß nicht mehr, wo es war. Auf jeden Fall waren wir dann sehr erleichtert, als wir zurückgegangen sind in eine andere Richtung und da waren dann unsere Sachen. Wir haben schon alle Szenarien durchgespielt im Kopf bis hin zu „das Konzert muss abgesagt werden“.
Julius: Ihr Idioten! Ich dachte du erzählst jetzt, wie wir im Stuttgarter Hauptbahnhof Drangsal getroffen haben. wir sind ja sowieso auch eine Öffi-Band, also fahren immer mit Öffis überall hin, vollbepackt mit unseren Sachen. Und einmal haben wir Stuttgarter Hauptbahnhof Drangsal gesehen, der da auch einfach saß und der hat uns auch ganz interessiert angeguckt und sich wahrscheinlich so gedacht: „Oh, junge Leute, die Rockmusik machen“.
Tino: Das erzählt er bestimmt irgendwann in seiner Biografie später.
Julius: Genau, das erzählt er dann, wenn du ihm die Frage stellt: Ich hab mal Strahlemann im Stuttgarter Hauptbahnhof getroffen.
Marvin: Wir haben ihn doch dann in Berlin nochmal getroffen. Da hat er auch gesagt, er hat sich dran erinnert.
Anna: Da habt ihr euch wohl in sein Gedächtnis eingeprägt! Danke auf jeden Fall für’s Teilen dieser Geschichten der Öffi-Band Strahlemann und danke für’s Interview!
Tino: Thank you for the interview!
Anna: Wollt ihr noch was loswerden am Ende?
Julius: An dieser Stelle würde Tino bestimmt sagen: Ich grüße meine Tante aus Wuppertal. Was irgendwie witzig ist, weil ich gerade auch in Wuppertal bin. Aber nein, wir freuen uns auf jeden Fall totalenn, wenn Leute in unsere EP reinhören und wir glauben, die ist ganz gut geworden. Und wenn man sich den Minderwertigkeitskomplex anguckt, der sich durch die EP zieht, muss das auf jeden Fall was heißen, wenn wir das sagen. (alle lachen)
Genug geschnackt, jetzt hört euch endlich die EP „Die Sonne scheint nur für mich“ von STRAHLEMANN an, bis euch die Sonnenstrahlen aus den Ohren scheinen:
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Wer meinen Jahresrückblick gelesen hat, weiß wie sehr ich AB Syndrom in mein Herz geschlossen hab.
Polarisierend und gleichzeitig so nahbar machen sich die beiden auf ihrem neusten Album „Tut mir gut Tut mir leid“ buchstäblich nackig. So brutal selbstreflektierend katapultieren die beiden mich mit ihrer auf den Punkt gebrachten musikalischen Umsetzung direkt in ihre Gedankenwelt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden auch nächstes Jahr mein Spotify Wrapped anführen werden, denn der Bass dröhnt sowohl in meinen Kopfhörern als auch aus meinem Plattenspieler immer noch non-stop.
Es war mir eine riesen Freude mit den lieben Jungs über ihre anstehenden Konzerte diese Woche (hier gibts noch Tickets!), ihren Musikschaffensprozess, Süchte und zwischenmenschliche Beziehungen zu sprechen.
AB Syndrom im Interview
Anton: So jetzt müssen wir nur unser Video anmachen hier. Wo ist der Knopf? Höre ich schon was?
Anton und Bennet: Hallo, Evelin!
Evelin: Hallo!
Bennet: Wir haben übrigens Antons gute Tageslichtlampe hier hingestellt.
*Überspringen wir hier kleinen Schwenker über meine aktuell nicht vorhandenen Lichtquellen in meiner Wohnung*
Evelin: Jetzt erstmal herzlich willkommen. Wie war eure Woche so bisher? Wie geht es euch?
Bennet: Voll gut! Die Woche war eigentlich ziemlich cool, weil wir noch spontan einen Radioauftritt bei Radio 1 reingekriegt haben, den wir heute noch machen. Und wir sind am Vorbereiten auf die Nachholtermine. Das ist jetzt quasi unser Probekonzert bei Radio 1 (beide lachen).
Anton: Das Livekonzert im Radio ist unser Probekonzert für die eigene Show am nächsten Tag. Aber war ganz schön, weil als die Tour eigentlich im November stattfinden sollte, war alles relativ gedrängt. Weil wir noch unsere eigene Licht-Show aufgebaut haben, alles gemappt und so. Man kriegt alles gerade so fertig und jetzt war es ganz schön, weil wir jetzt noch mehr Zeit gehabt haben um an ein paar Sachen zu feilen.
Bennet: Eigentlich noch ein bisschen zu proben (lacht).
„Das war schon ein ziemliches Desaster“
Evelin: Ich war ja auch bei dem Tour-Start in Köln dabei und ich fand die Show total toll und war richtig begeistert. Und umso mehr leid tat es mir dann, dass Bennets Gesundheit für die Shows danach einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Wie war das Ganze so für euch, als ihr die Termine absagen und Nachholtermine finden musste?
Anton: Das war schon ein ziemliches Desaster. Im Nachhinein sind das so lustige psychologische Dinge, die da ablaufen. Ich weiß noch genau wie wir am Morgen nach Köln, wo wir dann eigentlich in Bochum am gleichen Tag spielen sollten, aufgestanden sind. Bennet hatte so offensichtlich überhaupt gar keine Stimme zum Sprechen. Aber wir waren trotzdem noch so: „Lass mal gucken, wie es so läuft“.
Bennet: Bis dahin ist sie bestimmt wieder da (beide lachen).
Anton: Irgendwann musste man sich der Realität beugen und sagen: „Okay, wir können das Konzert nicht spielen.“ Wenn du dann auf den Morgen zurückschaust und denkst: „In welchem Mindset warst du, wenn du glaubst, dass du morgens aufsteht und es ist keine Stimme zum Sprechen da?“. Die Sachen sind sehr schwierig zu singen, laut und hoch und pipapo. Wie man geglaubt hat, dass es eventuell noch funktionieren könnte. Wie man so Stück für Stück erst realisiert, dass es wirklich nicht gehen wird. Das fand ich irgendwie interessant.
Bennet: Voll und so hat es sich ja auch weitergezogen von Tag zu Tag. Wir haben immer gesagt: „Das passt und übermorgen ist sie wieder da, das geht, das können wir machen.“ Und dann haben wir immer am Tag des Gigs erst richtig abgesagt. War krass, dass alle das so mitgemacht haben, unsere Booking Agentur und die Clubs. Die sind irgendwie gerade sehr darauf ausgerichtet, flexibel Sachen rumzushiften.
Anton: Ja, und auch den Gig, den wir dann für die anderthalb Wochen später in München verschoben haben. Ich glaube, der war auch irgendwie vorher frei geworden von Leuten, die da was weggeschoben haben.
Bennet: Ja, ich glaube auch, die konnten Sachen einfach machen, weil andere Bands auch verschieben mussten. Bei dem Club in München, da sollten wir in der Woche spielen, Mele und Trille. Beides Leute, die wir persönlich kennen, die alle in dem gleichen Club spielen sollten innerhalb von diesem ganz kurzen Zeitraum und keiner hat da gespielt.
Anton: Alle mussten krankheitsbedingt absagen, alle wegen der gleichen Sachen.
Evelin: Aber mega gut, dass ihr das so schnell organisiert bekommen habt!
Anton: Ja, das war gut, dass wir so schnell neue Termine gefunden haben. Aber ich glaube, die Venues sind diese Konzertverschiebungen jetzt alle gewöhnt sind, und dass wir halt auch nur drei Leute sind. Bei uns ist es noch relativ leicht. Wenn du mit einer zehnköpfigen Crew unterwegs bist und alle müssen dabei sein. Na, dann funktioniert das nicht, irgendwelche Sachen auf vier Wochen später zu verschieben.
Bennet: Aber bei solchen Crews hast du dann eher die Möglichkeit, jemanden zu ersetzen. Und bei jedem, der bei uns ausfällt, ist das so ein Riesending.
Anton: Von den drei Leuten kann man jetzt nicht nur einen ersetzen. Das stimmt, das funktioniert nicht.
Bennet: Aber zum Beispiel Basti, unser Support, ist dann noch ein bisschen länger krank geblieben und konnte bei den zwei Shows, die wir dann noch gemacht haben auch nicht dabei sein. Das war auch natürlich schade.
Anton: Aber der ist ab jetzt ab wieder dabei!
„Wir müssen wirklich alles immer sehr verinnerlichen“
Evelin: Mega, in voller Besatzung also! Ich finde, man merkt richtig krass, – besonders weil ihr so eine kleine Besetzung habt – wie viel Arbeit ihr in die Shows steckt. Was sind Herausforderungen, auf die ihr live tretet?
Anton: Die größte Herausforderung ist, dass es ja elektronische Musik ist, die wir machen: sehr viele Synthesizer, elektronische Sounds und Samples usw. Und dass wir uns aber trotzdem den Anspruch gesetzt haben, das alles live zu spielen. Das heißt, alle Sounds, die man hört, die werden auch von uns abgefeuert und es gibt keinen Backing Track. Wenn man das zu zweit versucht umzusetzen, heißt das, damit wir neue Songs auf der Bühne spielen können, wir jedes Mal gucken müssen, wie wir das auf die verschiedenen Pads, die ich dort habe, legen können. Was können wir mit was zusammenspielen und wie können wir das runter kondensieren, dass wir das noch genauso live spielen können? Das ist, glaube ich, für mich die große Herausforderung.
Bennet: Ja stimmt, das ist auch vor allem bei dir natürlich. Ich schieb immer mehr Sachen zu Anton rüber, was eigentlich ganz gut ist für mich, damit ich mich mehr aufs Singen konzentrieren kann. Aber er hat wirklich viel zu tun. Also manchmal macht ein Pad ein Sample, es verstimmt aber auch noch gleichzeitig die Bassdrum, macht einen Hall an und jetzt auch noch das Licht dann hinten auf Rot. Das muss dann halt auch im richtigen Moment gehauen werden. Ja, es ist schon sehr ausgefummelt.
Anton: Ja, und das funktioniert bei mir eigentlich auch nur, weil die Sachen so richtig in mein Unterbewusstsein absinken müssen, damit ich dann zusätzlich noch Backing Vocals machen kann. Sonst funktioniert das nicht. Das heißt, neue Songs bei uns zu arrangieren ist meistens eine ziemlich langwierige Geschichte.
Bennet: Ja, und wir müssen es wirklich auch alles immer sehr verinnerlichen, wie du sagst. Es gibt, glaube ich, Leute, die Sachen ein bisschen mehr aus dem Ärmel schütteln können, weil es ähnliche Sachen sind. Aber bei uns sind die Beats immer was ganz anderes, da musst du ganz andere Abläufe reintun. Aber vor allem vielen Dank für die Frage. Das ist schön, dass du das so wahrgenommen hast.
„Dass Leute für uns da sind, das kennen wir eigentlich noch gar nicht so richtig“
Evelin: Ich fand es auch total schockierend, als ihr meinte, dass es eure erste richtige Tour ist.
Anton: Naja, erste Tour ist auch relativ zu sehen.
Bennet: Bisschen misleading haha.
Anton: Unsere erste eigene Headliner-Tour in Deutschland, dann stimmt es 100 %.
Bennet: Support Touren haben wir quasi schon gemacht. Das ist wirklich was anderes finde ich. Und dann haben wir diese Tour in Südostasien gemacht. Die war auch wirklich was ganz anderes. Aber bei allen Sachen kriegt man stellenweise eine Routine rein.
Anton: Aber den Aspekt, den man nicht hat, den wir jetzt bei einer Solo-Tour natürlich haben, ist diese ganze Verantwortung, dass das unsere Konzerte sind. Dass wir dafür verantwortlich sind, dass genügend Leute kommen, dass es an dem Abend läuft, dass wir am Ende auch den Merch verkaufen (lacht). Das Einzige, was fehlt, ist eigentlich, dass wir den Leuten Getränke zu bereiten. Das ist die einzige Verantwortung, die wir an dem Abend (in Köln) nicht übernommen haben.
Bennet: Ey, ganz ehrlich, ich habe mich so gefreut, als wir in Köln waren und dann habe ich gesagt: „Oh geil, da ist ja jetzt jemand, der die Tickets abreißt. Voll gut, dass die daran gedacht haben.“
Evelin: Sonst hättet ihr das auch gemacht (alle lachen).
Bennet: Das war jetzt schon auch das erste Mal für uns, dass wir den Teil daran so komplett auskosten konnten, der so rewarding ist auch beim Konzert. Dass Leute für uns da sind, das kennen wir eigentlich noch gar nicht so richtig. Und das war teilweise wirklich echt überwältigend, dass die Leute die Sachen mitsingen konnten.
Anton: Ja, erstaunlich textsicher. Das war von mir auch nicht so erwartet. Aber krass.
„Ich mache das nie wieder“
Evelin: Voll schön! Ihr habt das vorhin schon angesprochen. Aber ihr macht ja irgendwie alles mehr oder weniger selbst. Von Videoschnitt, Grafik, Merch verkaufen, etc. Woher kommt das und was gibt euch das?
Anton: Es stimmt so, wir machen alles selber. Aber es ist nicht das gleiche, wie wir machen alles alleine. Es gibt natürlich Leute, mit denen wir viel zusammenarbeiten, zum Beispiel Anne, mit der wir ganz viel zusammenarbeiten für die ganzen Fotos. Oder auch bei den Videos, die wir gemacht haben, wirklich teilweise große Crews aus unserem Zirkel sind, die bei den Videos mithelfen. Wir drehen natürlich keines dieser Videos zu zweit, sondern es sind immer viele Leute aus dem Netzwerk, das wir aufgebaut haben, am Start.
Bennet: Also ich glaube, für uns ist es, wie das Songschreiben auch ein Teil der Kunst und so ein therapeutischer Prozess. Ich merke das auch bei den Videos, so: „Ah ja, eigentlich habe ich das auch noch ein bisschen gebraucht, um zu raffen, worum es im Song geht“. Trotzdem denke ich manchmal, das ist dann so viel, was man sich auferlegt und gerade in dieser ganzen Releasephase. Dann haben wir am Freitag den Release, es muss alles aber noch gegradet werden, der der Schnitt muss noch fertig gemacht werden, dann in After Effects die ganzen Seile rausretuschiert und dann spitzt sich das alles so zu, dass man irgendwann denkt: „Okay, ich mache das nie wieder. Das kann jemand anders machen.“ Aber ja, ist auch trotzdem irgendwie wichtig für uns oder dieses Videoding nochmal ein bisschen mehr wichtig für mich eigentlich.
Anton: Ich bin immer der, der versucht zu sagen: „Können wir nicht ein bisschen weniger aufwendiges Video machen?“ Und er sagt „Ach ja, das geht ganz schnell…“
Bennet: Es nervt ihn richtig (lacht).
Anton: „… wir müssen nur kurz die Seile hier rausretuschieren und am Ende sitzen da 10 Leute die ganzen Nächte, nicht 10, aber fünf Leute daran, diese Seile rauszuretuschieren.
Bennet: Zu acht waren wir glaub ich.
Anton: Na dann wars ja gar nicht übertrieben. Also ich reg mich auch deswegen auf, weil ich natürlich nicht geholfen habe, irgendwelche Seile rauszuretuschieren, weil ich kann mit After Effects nicht umgehen. Was soll ich machen? (lacht)
Bennet: Aber das ist natürlich auch so ein bisschen das Ding. Es geht, weil wir in diesem Raum hier irgendwie unterwegs sind, dass wir ein paar Leute kennengelernt haben, die Filme machen. Und es sind auch Freunde von uns. Sonst wird es auch nicht gehen.
Evelin: Sonst müsste Anton After Effects lernen.
Anton: Wo ichs gesagt habe, habe ich gerade drüber nachgedacht, dass ich natürlich schon mal für so ein Video von uns Sachen gemacht habe. Da hab ich was animiert.
„Es ist ein sehr unterbewusster Prozess“
Evelin: Um so ein bisschen mehr aufs Album zu sprechen zu kommen: Es ist ja jetzt seit gut drei Monaten draußen und bei mir auf jeden Fall noch immer in Dauerschleife. Was macht die Veröffentlichung von diesem Album so besonders?
Bennet: Das habe ich jetzt gemerkt bei dem Album. Ich finde, dass sich wirklich jedes Album immer anfühlt wie so ein ganz neues Ding. Ich habe nie das Gefühl: „Ah okay, jetzt passiert das, jetzt passiert das, …“ Und wir haben diese Abläufe und spulen die ab, sondern es ist immer anders. Und es ist mir jetzt erst klar geworden, dass das eigentlich auch ganz schön crazy ist und irgendwie auch Teil des Hustles ausmacht. Aber ja, was jetzt eigentlich gar nicht so interessant für euch ist, wahrscheinlich nur für mich (lacht).
Evelin: Passiert das unbewusst oder setzt ihr euch dahin: „Okay, mit diesem Album, machen wir was anderes“?
Anton: Das wollt ich auch gerade schon sagen. Ich glaube, dazu ist wichtig zu verstehen, wie bei uns überhaupt der Songschreib-Prozess funktioniert und wie sich die Themen zu den Songs überhaupt entwickeln. Es ist schon ein sehr unterbewusster Prozess. Wirklich interessant finde ich, dass wie die Songs entstehen und wenn Bennet dazu die Texte schreibt und sich Stück für Stück so ein Song herauskristallisiert, dass wir uns oftmals zusammen den Song anhören und man gemeinsam im Prinzip entdeckt, worum es in dem Song eigentlich geht.
„Man erkennt gemeinsam, worum es in dem Song eigentlich geht.“
Es gibt nie oder fast nie, einen Plan dazu, einen Song zu schreiben. Sondern ein Song entsteht irgendwie und man muss auch selber dechiffrieren, worum es in dem Song eigentlich geht und was das eigentliche Thema des Songs ist, welche unterbewussten Prozesse sich da an die Oberfläche geboxt haben. Und das Album ist quasi die Kollektion der unterbewussten Prozesse der letzten zwei Jahre. Dementsprechend ist das, was uns oder was die Texte angeht natürlich vor allem Bennet jetzt in dem Moment am nächsten ist, weil da sind die aktuellen Themen drauf. Über unseren Prozess, ist ein neues Album immer das, was am krassesten ist, weil es das ist, was an der jetzigen Version von dir selbst oder von uns am nächsten dran ist.
„Mit dem großen Plan der Außenwirkung sind die Songs nicht geschrieben“
Evelin: Weil das Album ja so persönlich ist, was erhofft ihr euch, was eure Hörer*innen daraus mitnehmen?
Bennet: Diese Gedanken gibt es immer beim Songschreiben nicht so richtig. Ich lass da Sachen raus und ich finds dann immer total verrückt zu sehen, dass Leute auch mit diesen Sachen, die quasi ganz persönliche, ganz private Geschichten von mir sind, bei denen ich manchmal das Gefühl habe, damit kann eigentlich kein Mensch außer mir was anfangen, connecten und daraus Sachen für sich ziehen. Dass das funktioniert, finde ich einfach schon total den Mind Fuck.
Anton: Ich finde es echt krass, was uns da für persönliche Geschichten von Leuten erreichen. Was diese Songs mit denen gemacht haben. Was war nochmal dieses Beispiel mit „Tut mir gut, tut mir leid“ und den Geschwistern? Ich versuche, mich zu erinnern.
Bennet: Achso ja, stimmt! Da hat sich die eine Person immer so ein bisschen im Zugzwang gefühlt, zu antworten. Dieses ganze Kommunikationsthema, das dann über den Song ziemlich auf den Punkt gebracht worden ist, anscheinend.
Anton: Und dann hat es da auch geholfen, das zu artikulieren und diesen Konflikt ein bisschen aufzulösen. Wenn ichs richtig in Erinnerung habe, ist schon ein bisschen her. Aber das zeigt, dass obwohl die Songs so ultra persönlich sind und eigentlich die ganz persönlichen Geschichten von Bennet, dass es offensichtlich genug Leute gibt, die damit connecten können. Entweder dadurch, dass sie vielleicht doch nicht so explizit sind und ein bisschen Interpretationsspielraum lassen. Oder einfach auch, weil natürlich viele Leute trotzdem selbst was Ähnliches erleben.
Bennet: Ja, voll! Ich denk dann da auch ja immer nicht so richtig dran. Aber es gibt natürlich immer viele Leute, die ähnliche Sachen erleben wie man selbst. Nur checkt man es halt nicht. Es gibt diesen einen Song, „33 Prozent“ über meine Kopfverletzung. Das war wirklich sehr, sehr knapp war und sehr so mit Leben und Tod, alles ziemlich haarscharf. Eigentlich haben so gut wie alle Menschen so eine Situation erlebt in ihrem nahen Umkreis. Und das habe ich echt einfach nicht auf dem Schirm. Da haben sich ganz viele Leute dazu gemeldet, dass es was mit denen gemacht hat und so was ist krass. Das haben wir uns aber nie erhofft vorher.
Anton: Genau mit dem großen Plan der Außenwirkung sind die Dinger nicht geschrieben, sondern halt immer irgendwie Sachen rauslassen.
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„Das ist alles mein Shit, den ich rauslasse und das tut mir gut“
Evelin: Aber ist ja schön, wenn man selbst in seiner Blase lebt. Aber dann doch sieht, dass wir alle ziemlich gleich sind. Ihr – oder Bennet eher spricht sehr selbst-reflektierende Themen an, die vielleicht etwas unkonventionell sind oder worüber viele sich nicht trauen, zu sprechen. Kostet sowas Überwindung? Oder ist das wirklich so eine Art Stream of Consciousness und denkst du gar nicht darüber nach, dass so viele Leute das zu hören?
Bennet: Ja, es ist so, wie du es sagst (lacht). Ich mache mir keine Gedanken darüber beim Schreiben. Und das ist auch dann das, was ein bisschen einholt beim Release-Prozess oder wenn ich die Sachen dann jemandem zeige. Dann merke ich irgendwann: „Ah ja, krass“. Vielleicht auch dann manchmal ein bisschen unangenehm. Aber es ist für mich auch die einzige Art, das zu machen. Deswegen werde ich es auch nicht ändern, also kann ich es nicht ändern. Das ist eigentlich auch, was der Album-Titel sagt. Das ist alles mein Shit, den ich rauslasse und das tut mir gut, das zu machen. Aber es tut mir auch leid, wenn manchmal Leute dann da drin vorkommen oder damit dealen müssen. Und die können vielleicht keinen Song da drüber schreiben oder die werden nicht so richtig gefragt.
Anton: Genau die müssten jetzt alles schlucken. Deine Eltern können zu „33 Prozent“ keinen Response-Song schreiben, um das alles wieder loszuwerden.
Bennet: Weiß auch gar nicht, ob die da so ein Bedürfnisse haben.
Anton: Ja, aber zum Beispiel bei dem Song ist es wahrscheinlich wirklich krass für die Leute, den zu hören und um die es persönlich geht. Also zumindest war das mein Eindruck.
„Aus Angst, süchtig zu werden“
Evelin: Und gibt es einen Song, neben „33 Prozent“ der euch beiden besonders am Herzen liegt?
Bennet: Ich find eigentlich „Overdose“ einen, der mir besonders am Herzen liegt, weil es um Sucht geht. Und das war wirklich ein Thema, bei dem ich gedacht habe, darüber würde ich wirklich gerne mal schreiben. Weil ich selber ein bisschen aus Angst, süchtig zu werden, ziemlich abstinent lebe und gar keine Drogen konsumiere usw. Deswegen wars auch sehr wichtig für mich, das mal zu beschreiben. Und dann auch in Korrelation zu „Adrenalin“, der so ein bisschen meine Online Sexsucht behandelt hat. Also weil ich glaube, dass ich aus Angst, schnell süchtig, abhängig zu sein, diese Sachen gar nicht erst anfange. Und ich habe das Gefühl, dass ich durch diese Online Sexsucht, die ich hatte, einen Beweis habe, dass ich dafür anfällig bin. Und das sind immer Themen, die bei mir auftauchen, weil alle Leute fragen einen immer: „Warum trinkst du nix? Oder warum rauchst du nicht und nimmst keine Drogen usw.“
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Evelin: Aber woher kommt die Angst davor, süchtig zu werden? Gab es da einen bestimmten Auslöser?
Bennet: Ja, das war sozusagen so ein bisschen mit der Online-Sex-Sucht und worum es in „Adrenalin“ geht. Das ist auch, glaube ich, ziemlich kryptisch in „Adrenalin“. Das sind Sachen, die unangenehm sind, darüber zu sprechen. Aber ich hatte da so eine Phase, wo ich auf Chat Roulette rumgecreept bin und probiert hab, mit irgendwelchen Leuten Online-Sex zu haben und davon echt nicht so richtig weggekommen bin. Es hat mich so richtig eingesaugt. Ich glaube, das hat auch so ein bisschen zu tun mit diesen Glücksspiel-Mechanismen, dass du immer weiterklickst, und weißt, das gibt es so eine Art Zufallsprinzip. Und ja, da seh ich tatsächlich so einen Zusammenhang, der sich über das Album da rausgeschält hat.
Evelin: Hilft dir das dann bei solchen Themen das durch das Schreiben zu verarbeiten und die Musik als Therapie zu nutzen? Merkst du davon Effekte, wenn du dir das so quasi von der Last schreibst?
Bennet: Ja, voll. Ich habe darüber auch noch nie mit irgendjemandem geredet. Und das war einfach irgendwann angenehm, Sachen immer so nicht alleine mit sich rumtragen zu müssen. Und wenn Leute davon wissen, dann ist das zwar unangenehm, aber auch ein bisschen ein reinigender Prozess. Es ist ja auch letztendlich nicht so schlimm, diese Sucht ist ja jetzt nicht so furchtbar. Du gehst ja daran nicht zugrunde. Aber ich will auch meine Zeit damit nicht verlieren und wenn du das dann so preisgegeben hast, ist das schon hilfreich.
„Aber das ist ja totaler Quatsch“
Evelin: Um noch mal zu einem anderen Song zu kommen. Worum geht es in „Guck ich dich immer an“ und was war die Idee hinter dem Musikvideo? Das sah nach sehr viel Spaß aus.
Bennet: Witzig, gute Frage! Wir werden eigentlich voll selten zu den Musikvideos gefragt, obwohl wir ganz viele machen (lacht).
Anton: Stimmt!
Bennet: Die Idee war, eine Beziehung darzustellen und dass es einen Song gibt, der die verschiedenen Stadien oder Erinnerungen an die Beziehung wieder hervorruft. Und das war die Idee, dass wir eine Beziehung darstellen und verschiedene Szenen daraus, an die sich dann jeweils erinnert wird.
Anton: So gibt es eben verschiedenen Parts für die verschiedenen Phasen der Beziehung.
Bennet: Und dann bei „Bei der einen Stelle im Song“ wird es dann immer emotional und das ist das, was der Song erzählt. Auch lustig, weil so verstehen wir es halt, aber manchmal ist es glaube ich, gar nicht so offensichtlich. Für mich ist es einfach so: „Okay, wir haben halt das gemacht, was der Song sagt.“ Aber das ist ja totaler Quatsch. Du kannst es natürlich nicht so sehen, wenn man nicht so den Einblick in unsere Köpfe hat. Und das war aber wirklich ein sehr, sehr lustiger Dreh, aber auch echt anstrengend. Wir mussten alles relativ kurzfristig machen, mal wieder.
Anton: Und die kompletten Pläne geändert ein paar Tage vorher.
Bennet: Ja, wir wollten eigentlich auch Darstellende dafür bekommen.
Anton: Und dann keine gefunden und mussten es selber machen (beide lachen).
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Evelin: Dann komme jetzt schon zu meiner letzten Frage, weil ich sehe, dass mein Gratis Zoom Abo die Zeit schon runterzählt. Unsere altbewährte Abschlussfrage: Habt ihr eine untold story für mich?
Bennet: Oh, Moment.
Evelin: Ja, so on the spot manchmal ein bisschen schwierig.
Bennet: Ja, eigentlich gut, man hätte so was einfach parat. Wir hatten das einmal, dass uns dieser Stein durchs Dachfenster geflogen ist. Das haben wir aber bestimmt einmal irgendwo erzählt.
Anton: Nee, das glaub ich nicht. Das ist schon sehr, sehr lange her. Wir sind von einem Gig nach Hause gefahren, aus Mannheim oder so zurück nach Berlin. Da waren wir noch zu viert und auf der Autobahn und auf einmal *insert Sound-Effects* zerplatzt das Dachfenster.
Bennet: Ja, so ein kleines Schiebeding. Das war auch nur so ein kleiner PKW, in dem wir gefahren sind und da gab es so ein Dach. Und ich habe das wirklich bis jetzt noch vor Augen, wie das aussieht. Mein Bruder war noch in der Band. Ich glaube, ihr saßt vorne und ich war hinten. Und ich habe auf einmal gesehen von hinten, wie die beiden (Anton und Aljoscha) vorne sitzen und von oben kommt es so runter (gestikuliert wild).
Manchmal macht es die Wahrnehmung ja so, dass sich alles in Slow-Mo abspielt und sich die Bilder auch so reinfressen. Das sah aus wie Wasser und das ist in tausend Teile zersplittert. Ein Glück ist Aljoscha einfach weiter gefahren, aber hat total den Schock bekommen. Dann sind wir raus und wir haben es auch überhaupt nicht verstanden. Du hattest da drin keinen Stein oder so, das war kein crazy Gewitter oder Hagel, es gab nichts. Keiner ist vor uns gefahren und es gab keine Brücke.
Anton: Was hat die Polizei gesagt? Es war wahrscheinlich irgendein Ast.
Bennet: Es war mit Sicherheit einfach…ne Art Bestimmung.
Anton: Wir mussten rausfahren, dass irgendwas anderes nicht passiert wäre.
Bennet: Wahrscheinlich.
Anton: Auf der Autobahn zu fahren ist natürlich schon ein großer Anteil des Alltages, wenn man auf Tour ist, ne? Wir haben einige krasse Sachen erlebt. Zum Beispiel auch, wo wir 6 Stunden lang auf dieser Vollsperrung mit Eis und Schnee festsaßen und dann eingeschlafen und wieder aufgemacht sind und wir standen immer noch in der Vollsperrung (beide lachen). Na ja, also so ist es. Das sind so unsere Geschichten.
Evelin: Gute Geschichten auf jeden Fall. Ich bin froh, dass niemandem was passiert ist.
Bennet: Aber ja, wir brainstormen da nochmal. Wenn uns noch was einfällt, schreiben wir dir nochmal.
Evelin: Ja genau, kleiner Nachtrag von der Redaktion. Habt ihr noch irgendwas, was ihr loswerden möchtet zum Schluss?
Anton: Wir laden alle Leute herzlich zu den verbleibenden Shows der Tour zu kommen. Weil es das für uns das Album komplettiert. Das bringt diesen Zyklus erst zu Ende und wir freuen uns über alle, die nach Bochum, Oldenburg und Hamburg kommen. Natürlich auch Berlin, aber da gibt es keine Karten mehr (lacht).
Evelin: Dann danke für das tolle Gespräch und viel Spaß bei den Shows und ich freu mich ungemein, was noch alles von euch kommt.
Anton: Danke dir für das nette Interview!
Bennet: Vielen Dank! War voll schön, dich wiederzusehen.
Gehen Sie auf die Tour, sie ist sehr gut
Dann bleibt mir auch nur noch zu sagen, besucht auf jeden Fall eine der anstehenden Show, denn es ist es wirklich mehr als wert! Die beiden machen das mit so viel Fleiß und Liebe und das Ergebnis überzeugt von hinten bis vorne! Unten könnt ihr schon mal eure Textsicherheit für die neuen Songs trainieren 😉
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65.481 – so viele Minuten habe ich in diesem Jahr auf Spotify Musik gehört. Das sind 45 Tage oder besser gesagt 1 1/2 Monate. Wenn der Streamingdienst nicht schon am 31. Oktober aufhören würde die Daten zu sammeln oder auf wundersame Weise noch die Minuten meines CD-Players on top rechnen könnte, wären es wahrscheinlich noch ein paar mehr. Aber eigentlich tut das auch nichts zur Sache und wundert mich wenig, denn das mit auch in 2022 wieder eine Menge Musik begleitet hat, wusste ich eigentlich auch ohne die Spotify-Statistik.
Gute Vorsätze für das Jahr wurden eingehalten
Was steckte also drin in dieser vollgepackten Wundertüte, die sich meinen Musik-Konsum tauft? Klären wir die wichtigsten Fakten gleich einmal zu Beginn.
Song des Jahres:Sharks – BROCKHOFF meistgehörte Künstlerin:BROCKHOFF EP des Jahres: Sharks –BROCKHOFF
Ok, zugegeben, ich liebe die Musik von BROCKHOFF sehr. Ermahnenderweise hat mir Spotify mir in meinem Jahresrückblick dargelegt, dass ich „Sharks“ ganze 171 Mal gehört habe. Das sind ca. 500 Minuten, beziehungsweise 8 1/2 Stunden – was im Vergleich zum Rest gar nicht so viel wirkt.
Ja, ich kann den Song im Schlaf mitsingen und ich bin schäme mich dafür nicht. Nein, ich bin sogar stolz drauf. Denn im vergangenen Jahr habe ich mir in meinem Jahresrückblick eine selbsternannte Frauenquote verschrieben. Siehe da: In diesem Jahr ist eine Frau an der Spitze meines Jahresrückblicks. Da kann man schonmal stolz drauf sein.
In „Sharks“ geht es um eine Hausparty, auf der die Sängerin Lina sich einfach nicht verstanden fühlte, wie sie mir im Sommer im Interview erzählt hat. Lines wie „the peer pressure is bringing me down“ oder „they’re playing shark games while they laughed at me for the sad song“ lassen mitfühlen und versetzen direkt in die Situation, die BROCKHOFF beschreibend besingt.
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Weitere tolle Frauen, deren Musik mich durch’s Jahr gebracht hat: Blush Always, Matilda Mann, Nina Chuba, Snail Mail, Soccer Mommy, Power Plush, Gwen Dolyn, THALA, NewDad, Mia Berg, SERPENTIN, Holly Humberstone, nothhingspecial und Yowlandi
Anscheinend sind die Songs von Brocki genau das, was mein verlorenes Indie-Rock-Herz in diesem Jahr brauchte, um zu kompensieren, dass es nichts Neues von The Neighbourhood gab. Denn meine eigentliche große Liebe hat in diesem Jahr zum ersten Mal keinen Platz im Jahresrückblick gefunden. Abgelöst wurde die amerikanische Band stattdessen auf der Position meiner „comfort music“ von Edwin Rosen. Seine Musik ist für mich: Ganz viel fühlen, lauthals mitschreien und dabei nervös auf und ab hüpfen – egal ob aufm Konzert oder mit Kopfhörern im Ohr beim Wäsche aufhängen.
Von der Neuen Neuen Deutschen Welle an Land gespült
Edwin Rosen hat für mich die Tür in die Welt der Neuen Neuen Deutschen Welle geöffnet. Ein Genre, in dass ich mich 2022 Hals über Kopf verliebt habe. Anscheinend ging das nicht nur mir so, denn unsere „new wave universe“ Playlist hat irgendwie einen Nerv getroffen und befindet sich nun in der Spotify-Bibliothek von 107 tollen Menschen. Auch das macht mich ein bisschen stolz.
Besonders geliebt habe ich vor allem „222“ von Nils Keppel und „Wenn du da bist“ von TEMMIS. Beide Acts durfte ich auch schon persönlich kennenlernen und live sehen. Vor allem TEMMIS-Sänger Roman hat eine Energie auf der Bühne, die einfach krass ist. Anders kann ich das gar nicht beschreiben. Ich bin sehr gespannt, was aus der new wave bubble 2023 noch so kommt!
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Neben ganz vielen Neuentdeckungen gab es aber natürlich auch eine Konstante und die kommt natürlich wieder (wie könnte es auch anders sein) aus dem Indie-Rock. Mit „Everything You Will Ever Need“ haben sich die Jungs Razz mal wieder direkt in mein Herz gesungen. Das Album hat seine Höhen und Tiefen, ist emotional und zugleich tanzbar. Meine Favoriten sind definitiv „Lost in the woods“ und „Talking for hours“ – beide haben etwas dramatisch, mystisches mit einem unerwartetem Hoffnungsschimmer in sich.
Alben, die ich ebenfall sehr gefeiert habe: „Universum regelt“ von Schmyt, „Gelb ist das Feld“ von Bilderbuch
Komme ich zu meiner letzten Kategorie für heute: Livemusik! Ich brauche wahrscheinlich nicht betonen wie absolut schön es war, dass dieses Jahr wieder so viele Konzerte und Festivals stattgefunden haben. Ich hab’s sehr geliebt. Hier also meine Highlights.
Ganz oben auf meiner Liste der Highlights: Das Sziget Festival in Budapest. Als eines der größten Festivals in Europa konnte sich das Line-Up auf jeden Fall sehen lassen. Ich versuche mal kurz Ordnung reinzubringen, auch wenn mein Gehirn immer noch nicht realisiert, dass ich diese krassen Künstler*innen live gesehen habe:
Arctic Monkeys Tame Impala Holly Humberstone
Und natürlich noch super viele mehr. Aber diese drei Shows haben sich ziemlich in meine Erinnerung gebrannt. Fangen wir mit Holly Humberstone an: Die 23-jährige Britin kommt auf die Bühne und stimmt direkt „Overkill“ an. Man stelle sich eine vor Fangirl-Gefühlen nicht klarkommende Anna vor, wie sie versucht im Graben noch ein paar gute Fotos zu schießen. Ich habe mein Bestes gegeben, aber die Tränen haben mich überkommen. Alles andere als journalistische Professionalität, aber einer der schönsten Momente.
Next one: Tame Impala. Ein Künstler, den ich eigentlich dachte, in meiner Lebenszeit nicht mehr live zu erleben. Kennt ihr diese Acts, von denen ihr immer denkt es wäre ja sowieso total utopisch, sie auf einem Konzert zu erleben? Das ist Tame Impala für mich. Ich stehe also wieder im Fotograben vor der Bühne und knipse so vor mich hin. Als ich nach den ersten drei Songs wieder in die Masse geschickt werde, fange ich an zu realisieren: Das ist wirklich Kevin Parker da vorne auf der Bühne. Die Show rauscht an mir vorbei. Es fühlt sich irgendwie trippy an. War das wirklich real? Das einzige, was mir versichert, dass ich nicht geträumt habe, sind die Fotos auf meiner Kamera und das eine Video, was ich geistesabwesend gedreht habe.
Die Nummer 1 gehört aber unangefochten den Arctic Monkeys. Alex Turner, zwei gigantische Leinwände und „505“ läuft. Mehr schreibe ich dazu nicht – ihr seht’s im Video.
Weitere verdammt tolle Festivals, auf denen ich 2022 war: Pop Salon, Apple Tree Garden, KiezKultur
Shows, für die ich keine Worte finde: nand auf dem Apple Tree & Flawless Issues auf dem KiezKultur
Was gibt’s sonst noch zu sagen?
Wer im letzten Jahr schon dabei war und meinen Rückblick gelesen hat, der tut mir leid, der fragt sich jetzt bestimmt: Wo bleibt der schwedische Indie Pop? Keine Sorge, das habe ich natürlich nicht vergessen. Mein schwedischer Lieblingssong des Jahres war „En midsommarnattsdröm“ von Håkan Hellström. Der „Mittsommernachtstraum“ erinnert mich an genau das: Mittsommer in Schweden. Nachts um 3 Uhr, wenn es vom Dämmern wieder hell wird, spazieren gehen und Blumen sammeln. Das Leben ist leicht und riecht wie frischgemähtes Gras. Ich habe gerade ganz starkes Fernweh als ich diese Zeilen schreibe. (Das Foto ist um 03.53 Uhr entstanden)
„Alte“ Songs, die ich wiederentdeckt habe: „Der Kommissar“ – Falco, „Von hier an blind“ – Wir sind Helden, „Mountain Sound“ – Of Monsters And Men
So, jetzt bin ich gefühlt alles und nichts losgeworden von meinem musikalischen 2022. Falls es noch nicht deutlich geworden ist: Es war ein tolles musikalisches Jahr! Hier noch die obligatorische Playlist für’s ultimative Verwirren eurer Trommelfelle:
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Szene: Ich sitze im Zug Richtung Paris und habe Schwierigkeiten mich zu konzentrieren, denn genug Schlaf habe ich diese Woche mal wieder nicht bekommen. Dieses Setting beschreibt mein 2022 eigentlich ganz gut. Es war geprägt von ständigem Hin und Her, Chaos und Rastlosigkeit, größtenteils aber im positiven Sinne.
Queue das erste Quartal des Jahres: Stuck in einem unfassbar langweiligen und null erfüllenden Job hat mir das Universum eine Hand raus aus meiner Apathie gereicht. Fast forward zu heute: Ein halbes Jahr später hab ich zwar weniger Zeit, insbesondere für unser nicht mehr so kleines Musikmagazin (gerade durch meine Artikel geblättert, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass ich seit Juli nichts mehr geschrieben hab), dafür ist meine zweite Leidenschaft Teil meines Berufs geworden: das Reisen.
Willkommenes Durcheinander
Diese Woche kommerzielle Weihnachtsluft in Paris schnuppern und nächste Woche wahres Wintermärchen in Lappland erleben. Und so unterschiedlich und chaotisch war meine diesjährige musikalische Reise: Von unerschlossenen Gebieten zurück zu Orten, die sich schon fast wie Heimat anfühlen.
Ich muss ehrlich sagen, der Speicherplatz in meinem Gedächtnis wird immer noch nicht optimal genutzt und deshalb fällt es mir unglaublich schwer, mich an die erste Hälfte des Jahres zu erinnern. Vielleicht liegt das auch daran, dass mir mein Handy in dem Zeitraum gestohlen wurde und ich ohne meine Fotogalerie nichts in meinem Kopf behalten kann. Deshalb starten wir irgendwo bei 35 Grad plus in einer Wohnung ohne Klimaanlage.
I was wrong I admit it
Hier beginnt meine kleine Liebesaffäre, die sich mittlerweile in eine mehr oder wenige stabile Beziehung entwickelt hat. So einige, die mich kennen, werden sich denken, ich befinde mich in einer Quarter-Life-Crisis. Denn ich war mit die Erste, die Menschen, die Elektro feiern und auf Raves gehen, eher mit Unverständnis begegnet ist.
Gut, letzteres ist immer noch nichts für mich und von wirklich hartem Elektro oder Techno werde ich mich auch in Zukunft erstmal fernhalten. Aber so einiger Elektro und House hat mich dann doch rumgekriegt. Und verantwortlich dafür ist genau eine Person.
Die einstige Neugierde hat sich innerhalb von nur 20 Min. seines Sets auf einem Festival zu einer Obsession à la 2014 Tumblr-Ära gemausert (dazu auch später noch mehr). Man wird es sich wahrscheinlich schon denken können, aber es handelt sich um Fred Again..
Ich kann nicht genau beschreiben, was seine Musik mit mir macht, aber sie katapultiert mich in eine Ecke meines Gehirns, wo ich nur die Sounds des Launchpads hör und nichts anderes mehr wichtig ist. Melancholie mit Elektro, House und Pop gepaart ergibt eine Mischung, die so einzigartig ist, bei der ich ohne Bedenken sagen kann, dass das Ergebnis mich für immer begleiten wird.
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Andere wundervolle Artists in dieser Sparte, die mich ähnlich begeistert haben, sind: Saint Jude, Godford, 49th & Main, PaulWetz, TSHA und ein kleines Easter Egg, was ich diese Woche erst entdeckt hab, mich aber sofort umgehauen hat: Skin Care von Search Yiu (dieses Intro schon uff).
Kurzer Liebesbrief an AB Syndrom
Das Theme meiner Musik-Historie 2022 ist der Sprung in experimentellere und das Sehnen nach familiären Sounds. Und das vereinen die Jungs von AB Syndromfür mich: Meine altbewährte Liebe für deutschen Indie und meine neue Leidenschaft für mehr elektronische Klänge. Ach, wie ich mich gefreut habe, auf dem Tour-Start in Köln dabeizusein.
Public Service Announcement: Ich würde euch allen dringlichst anraten, einen der Termine im Januar zu besuchen. Neben der Tatsache, dass die Musik einfach Extraklasse ist, merkt man wie viel Herzblut, Leidenschaft und Arbeit in diese Shows fließt. Ich war völlig aus den Socken, so wie der Rest des Publikums und den Erfolg verdienen die zwei allemal. Die Tour wurde übrigens auch von uns präsentiert und in ein paar Wochen könnt ihr euch auf ein Interview mit den zwei und mir freuen.
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Ich hatte ja ganz nebenbei erwähnt, dass Fred Again.. sich in meine Kult-Artists eingereiht hat und diese Leidenschaft der von 2014 ähnelt. (Ich weine innerlich immer noch, weil ich es nicht zum Konzert in Brüssel geschafft hab, naja).
Jedenfalls reiht sich der werte Herr zu Favourites der geschädigten Jugend wie The 1975, Arctic Monkeys, The NBHD, Lorde, MARINA, Florence and so on ein. Dazu zähle ich auch mich. Und wie einige andere aus dem Team und meiner TikTok-Bubble, habe ich mich auch dabei erwischt, wie ich „tumblr era“, „tumblr phase“ und „tumblr 2014“ in die Spotify Suche eingegeben hat. Und fix begann das Suhlen in Selbstmitleid wieder. Nein, Spaß. Eigentlich war es mega schön, ein wenig in Nostalgie zu versinken. Und dieser Sound lebt seitdem auch mietfrei in meinem Ohr:
Und so schließe ich also gähnend meinen Laptop sowie meinen Jahresrückblick und den Rest des Jahres ab und freue ich mich auf eine wohlverdiente Auszeit. Während dieser wird sicher auch meine passende Playlist rauf und runter laufen 😉 Meiner Meinung nach besser als jeder kitschiger Weihnachtsfilm-Soundtrack genau wie der Rückblick von 2021, aber ihr könnt selbst stillschweigend judgen.
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Gitarren-Indie vom feinsten – das gibt es mit Figure Beach. Damals noch zu dritt, durften wir die Band aus Nürnberg Anfang des Jahres schon zu ihrer ersten EP „No Drama“ interviewen (Hier gehts zum Interview). Figure Beach zeichnen sich durch einen retromodernen Sound und einprägenden Melodien aus. Heute beglücken die Jungs unsere herbstlich-melancholisch gestimmten Ohren mit ihrer neuen Single Everything I Built und halten mit dieser der Jahreszeit standhaft gegen. Umso schöner, dass wir erneut die Ehre haben, das Musikvideo zur passenden Single als exklusive Videopremiere bei uns vorstellen zu dürfen!
Auch Everything I Built hat den typisch catchigen Figure Beach Sound. Der Song beginnt mit vertrauten, hallenden Gitarrenchords, den Drums und einer immer wieder einprägenden Bassline. Richtig los geht es dann und der zweiten Gitarre und einem euphorischen „whoo“. Everything I Built klingt, als wäre der Sommer noch nicht vorbei, als würde doch noch etwas die Sonne scheinen.
I don’t know what it looks like, because I passed the twenty-five (…) But there’s a lot more, a lot more to enjoy
Man ist nie zu Alt
Auch textlich haben Figure Beach wieder einiges zu bieten. Denn die Moral von Everything I Built könnte sein, dass es nie zu spät ist, sich etwas aufzubauen. Man kennt wohl den Gedanken, dass man sich zu alt fühlt, um mit einer gewissen Sache anzufangen, das hätte einfach schon in jüngeren Jahren passieren müssen und jetzt lohne sich das nicht mehr. „Aber in der Regel ist das doch Quatsch“, sagen die vier Nürnberger. „Es ist nie zu spät für etwas, solange man am Leben ist und einigermaßen vital. Unser biologisches Alter ist nur eine Zahl, die einen doch viel zu oft von etwas abhält, was man tun möchte und auch sollte. Lernt ein Instrument, geht auf Reisen, baut ein Haus, findet eureSeelenverwandten!“
Im Musikvideo zeigt sich auch ein neues Gesicht von Figure Beach. Dieses hört auf den Namen Stefan und ist Schlagzeuger der Band. Das Musikvideo verdeutlicht nochmal, dass man es sich im Leben oft schwieriger macht als man muss und dass manche Situation garnicht so verstrickt sind, wie man oft denkt. Die Storyline ist auf jeden Fall sehenswert und ich verspreche, das jede Person die das Video sieht mindestens einmal Laut lachen muss.
Also, ich mach es kurz und knackig: hier findet ihr das Video! Schaut unbedingt rein, es lohnt sich.
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Und wenn ihr jetzt noch mehr Lust auf Figure Beach bekommen habt, hab ich hier auch nochmal ihr Spotify verlinkt. Viel Spaß beim Hören!
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