Deutscher Post-Punk im hamburger Schanzenpark! Am 24.6.2026 bringen Temmis alte und neue Musik auf die Bühne im Schanzenzelt.
Als Edwin Rosen 2020 den Song “leichter//kälter” veröffentlicht, tritt er mit seinem melancholischen Synth-Pop-Sound mehr oder weniger eigenhändig eine neue Welle in der deutschsprachigen Indie-Musik los. Bands und Künstler, die vom New Wave und Post-Punk der 80er inspiriert sind, die als ihre musikalischen Vorbilder The Smiths, The Cure aber auch DAF und Ideal angeben, sprießen wie Pilze aus dem Boden. Seither sind die Vertreter der sogenannten Neuen Neuen Deutschen Welle von keinem Indie-Festival-Lineup mehr wegzudenken.
Temmis sind seit ihrer ersten Single “Wenn du da bist” und der gleichnamigen EP beim NDW-Revival ganz vorne mit dabei. Die Newcomer aus Tübingen kreuzen den tanzbaren Clubsound von damals mit modernen DIY-Produktionsmöglichkeiten, addieren düstere Vocals sowie technoide Arrangements, die unmittelbar in die Beine gehen und runden das Ganze mit cleverer Selbstironie ab. Ein Spaßprojekt, das sich anschickt, der Generation Z einen Coming-Of-Age-Soundtrack zu schenken.
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Nach anderthalb Jahren Pause sind Temmis jetzt mit ihrer neuesten Single “Eulenspiegel” zurück und die verspricht trotz altbekannter Elemente ein neues Kapitel für die Band zu sein. Über analoge Synths und Drumcomputer singt Sänger Roman darauf fast schon theatralisch von unerwiderter Liebe:
“Ich fürchte mich im Dunkeln und ich fürchte mich vor dir Ich fürchte ich befürchte, dass aus uns nie mehr was wird.”
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BROCKHOFF ist nicht, wie das erste Google-Ergebnis befürchten lässt, der „größte lokale Gewerbemakler in Deutschland“, sondern empowernder Indie-Garage-Rock der Hamburgerin Lina Brockhoff. Ihre Debüt-EP “Sharks“ hat 2022 schon für großen Wirbel in der deutschen Indie-Rock-Szene gesorgt. Seit 2024 war es etwas ruhiger um die Musikerin – aber nicht ohne Grund. Jetzt versorgt BROCKHOFF uns mit ihrem Debütalbum „Easy Peeler“ und mit einer Menge neuer Indie-Rock-Hymnen.
Eigentlich wollte BROCKHOFF ihr Debütalbum schon im vergangenen Jahr veröffentlichen. Warum sich die Sängerin aus Hamburg dann aber doch länger Zeit gelassen hat und froh darüber ist, das verrät sie im Interview.
BROCKHOFF im Interview
Welche Musik hat dich durch das Jahr 2025 gebracht?
Bei mir war auf jeden Fall das neue Album von Momma ganz hoch im Kurs, das im April rausgekommen ist. Ansonsten höre ich gerade auch sehr viel das Album „Adult Romantix“ von Winter – das ist auch sehr so 90s Grunge Musik. Das sind auf jeden Fall zwei Favourites. Ansonsten hatte ich auf jeden Fall eine krasse Alanis Morissette und Avril Lavigne Phase im Sommer. Da hatte ich so eine komplette 90s/early 2000er Nostalgie Phase.
Jetzt war es sehr lange etwas ruhiger um dich und deine Musik. Vor der ersten Album-Single „The Carpet Song“ kam eineinhalb Jahre erstmal nichts. Magst du uns einmal aufklären, warum so eine lange Pause war?
Ich habe mir einfach sehr viel Zeit genommen, um das Album fertig zu stellen. Ich glaube das war auch die richtige Entscheidung. Ich hatte das Album auch schon einmal grob angekündigt Anfang letzten Jahres und dann haben wir den Release noch mal verschoben. Am Ende haben ein paar letzte kreative Prozesse im Mixing und Mastering länger gedauert als geplant. Aber auch ein paar Fragen rund um „wie will ich das Album releasen“ waren noch unklar. Grundsätzlich fand ich es super wichtig, mir Zeit zu nehmen mit dem Album. Ich habe mich auch entschieden, das Album mit meiner Live-Band einzuspielen und dementsprechend war der Prozess vielschichtig. Erstmal habe ich Songs geschrieben, Demos gesammelt, dann haben wir die als Live-Band entsprechend geprobt. Das war alles noch ein großer Vorproduktionsschritt. Dann sind wir ins Studio gefahren, haben dort das Album aufgenommen und dann habe ich es wiederum hier in Hamburg im Studio zusammen mit Christian Hartung ausproduziert.
Rückblickend: Findest du, es hat sich gelohnt die Zeit zu nehmen?
Auf jeden Fall! Es war schon immer mein größtes Ziel und mein größter Traum, ein eigenes Album zu releasen. Das ist einfach so ein Gesamtwerk, vor allem mit Band zusammen aufzunehmen im Studio. Für diesen ganzen Prozess wollte ich auch einfach voll und ganz dabei sein und nicht zwischendurch schon anfangen, Sachen zu releasen. Deswegen war es auf Social Media bei mir sehr ruhig – das tat aber auch gut.
Kommen wir zum Album: Wann sind die ersten Songs vom Album entstanden?
Es gab nicht den einen Zeitpunkt, wo ich gesagt habe: Ich schreibe jetzt fürs Album. Bei mir entstehen regelmäßig Songs. Deswegen hatte ich einen Pool an Songs und Demos in meinem Kopf oder auf meiner Festplatte gesammelt. Auf dem Album gibt es also auch Songs, die sind schon 2020 entstanden – also schon fünf Jahre alt. Die meisten anderen sind eher so zwei, drei Jahre alt. Manche kommen auch aus 2024. Einige Songs haben wir auch live schon länger gespielt.
Würdest du sagen, das Album klingt – auch wenn einige Songs schon älter sind – ein bisschen anders oder vielleicht sogar erwachsener als die Musik, die du vorher releast hast?
Ich würde es nicht unbedingt als erwachsener betiteln. Es war eher eine andere Art von Arbeit. Ich habe mir für das Album die Zeit genommen, einen roten Faden durch das Gesamtwerk zu ziehen: Wie sollte der Sound des Albums sein, welche Gedanken bringe ich ins Album? Aber es ist auf jeden Fall etwas mutiger.
„Es geht um Beziehungskrisen, zwischenmenschliche Herausforderungen“+
Was würdest du so sagen, hat dich thematisch zu den Songs auf dem Album gebracht?
Es gibt auf jeden Fall immer wieder krasse Umbrüche im Leben. Bei meinen ersten Songs, die rausgekommen sind, hat mich sehr viel der Umzug nach Hamburg und das Ankommen dort beschäftigt. Auch jetzt erinnere ich mich in Teilen oft noch an die Zeit. Es gibt auch ein, zwei Songs auf dem Album, die noch aus dieser Zeit stammen. Da war ich trotzdem überrascht, wie aktuell diese Gefühle immer noch für mich sind. Ich hätte die Songs auch nicht auf das Album gepackt, wenn ich mich nicht mehr mit ihnen identifizieren könnte. Dadurch, dass die Songs innerhalb von fünf Jahren entstanden sind, sind es alles eher einzelne, abgeschlossene Stories in sich und kein Konzeptalbum.
Es geht um Beziehungskrisen und um die Herausforderungen jegliche Art von zwischenmenschlichen Beziehungen zu pflegen, wenn man so viel unterwegs ist, wie ich es die letzten zwei Jahre war, um den Traum von einer musikalischen Karriere zu verfolgen. Das sind die Dinge, die mich vor allem die letzten drei Jahre beschäftigt haben, seitdem ich Musik veröffentliche.
Gibt es vielleicht trotzdem einen Unterschied in dem Fokus der Themen?
Es geht auf dem Album auch viel um meine Rolle als Musikerin in der Musikwelt. Ich bin ja jetzt seit gut drei, vier Jahren in der Branche. Zwischenzeitlich ging es mir da nicht so gut. Auf dem Album reflektiere ich das und mich selbst mehr. Vor allem der Song „Easy Peeler“, dessen Titel ja auch das Album trägt, zeigt das. Zu Beginn meiner Musikkarriere war noch alles super frisch und aufregend. Aber so nach zwei, drei Jahren kam dann immer mehr Stress und Druck. Da fiel es mir schwer, meinen Weg dort durchzufinden. Diesen Leistungsdruck verarbeite ich auf dem Album in gewisser Weise.
Magst du beschreiben, warum du dich so unwohl gefühlt hast?
Da war auf einmal so ein Druck von außen, dem ab einem gewissen Punkt nicht mehr so gut standhalten konnte. Dazu kamen noch die eigenen Erwartungen, die dann immer höher wurden.
„Ich hatte oft das Gefühl, dass Sensibilität und Emotionalität im Weg stehen“
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Du hast gerade schon gesagt, dass der Albumtitel „Easy Peeler“ das gut zusammenfasst. Magst du einmal erklären, was ein „Easy Peeler“ ist?
Der Begriff „Easy Peeler“ hat mich schon beim ersten Hören fasziniert. Ich bin darauf in dem Song „Better Than Blue“ der Band Flyte gestoßen, und dieses Bild – etwas, das sich leicht schälen lässt, wie eine Clementine – hat sofort etwas in mir ausgelöst. Für mich stand das sinnbildlich für Sensibilität, für das Sich-Häuten, das Offenlegen der eigenen Schichten. Genau so habe ich mich in der Zeit gefühlt, als ich an meinem Album gearbeitet habe – sehr verletzlich, sehr emotional.Lange dachte ich, das seien eher Schwächen, besonders in der Musikbranche. Ich hatte oft das Gefühl, dass Sensibilität und Emotionalität einem im Weg stehen, dass man härter im Nehmen sein müsste. Aber ich habe gemerkt, dass gerade diese Eigenschaften meine größte Stärke sind. Ohne sie könnte ich gar nicht so schreiben, wie ich schreibe. Mein Bauchgefühl, meine Entscheidungen, meine Texte – all das hängt mit dieser Feinfühligkeit zusammen.
Dadurch wurde „Easy Peeler“ für mich zum Symbol: dafür, dass es keine Schwäche ist, offen zu sein, sondern eine Form von Mut. Ich habe gelernt, dass man sensibel und gleichzeitig stark sein kann – entschlossen, selbstbewusst und trotzdem emotional. In unserer Gesellschaft wird das oft gegeneinander ausgespielt, besonders bei Frauen. Aber ich finde, man darf beides sein. Und ehrlich gesagt: Ich finde es schön, wenn Menschen ihre Emotionen zeigen – das bedeutet doch, dass sie sich sicher genug fühlen, sie zuzulassen.
Wie zum Ende jedes unserer Interviews die Frage: Was ist dein untold secret? Dein Geheimnis, eine Geschichte, die bisher noch niemand kannte?
Meine erste Band hieß Lina & Nina. Die hatte ich mit 11 Jahren. Da habe ich teilweise gerappt. Diese Aufnahmen bleiben wohl für immer ein secret.
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Punk-Energy, beißender Humor und feministische Texte. Mit „GOOD GIRL“ liefert die Berliner Band Remote Bondage ein Debüt, dass die stark männlich dominierte, deutsche Indie-Szene ein wenig aufrütteln dürfte.
Es geht um Liebe, Chaos und Wut, während Opern- und Musical-Elemente mit Moshpit-Beats verschmelzen. Der gitarrenlastige Indie-Sound und die Selbstverständlichkeit mit der feministische oder sozialkritische Themen in authentische Texte eingewoben werden erinnert an Artists wie Blond oder Paula Carolina, ohne diese schlicht zu kopieren. Zwischen Schutt und Glitzer hinterfragen Remote Bondage in ihren Texten gesellschaftliche Strukturen, immer mit einem Augenzwinkern.
Goodbye „good girl“
Im Fokustrack “GOOD GIRL (go to hell)” wird direkt mit konservativen Vorstellungen von Weiblichkeit aufgeräumt und dem Bild des titelgebenden “good girl” abgeschworen. Dem vermeintlichen Ideal wird eine progressive Vision gegenübergestellt, die FLINTA*-Personen erlaubt “nein” zu sagen und Raum einzunehmen.
“Sie schreit nicht mehr in ihr Kissen Sie will sich nicht mehr vermissen Denn schon immer war sie gut genug”
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In “Alle leben schneller” hinterfragen die fünf MusikerInnen, ob der kapitalistische Wahnsinn denn wirklich wichtiger ist, als die Mario Kart-Platzierung. Es geht um das Vergleichen mit anderen, um das Gefühl hinterher zuhängen und am Ende doch nie genug zu sein. Und da wir es in diesen schnellen Zeiten viel zu selten klarstellen, verlautbaren Remote Bondage im dritten Track des Albums galoppierend: „ich hab dich so lieb“! Mit Zeilen, wie
„Du bist mein Hobbyhorse Ich reit‘ auf dir durch’s Dorf“
oder
„Vielleicht nein oder ja schreib ich auf ein Blatt und hoffe sehr wir sind am Ende nackt“
wird dabei selbst bewusst und ungehemmt sexuelles Verlangen vertont.
Menstruation, Weltschmerz und Nostalgie
Was in einem feministischen Album wie diesem natürlich nicht fehlen darf: die Thematisierung der Menstruation. So widmen Remote Bondage dieser eine ganze „Ode an die Periode“ – inklusive Orgel-Interlude („Maria durch den Zyklus ging“) – die so manch eine:n an die Schmerzen erinnern könnte, die wohl auch Maria im Dornwald erlitt. Der opern-esque Gesang reißt dabei in klassischer Punk-Manier alle Genre-Grenzen ein.
Düstere Gitarre, tiefe Drums und monotoner Gesang leiten dann den wohl sozialkritischsten Song des Albums, “So kann’s nicht bleiben” ein. Remote Bondage zeichnen darin ein finsteres Bild der Welt, dass sich doch allzu real anfühlt.
“kein Baum wirft mehr Schatten Wir versinken im Dreck Hände halten sich nicht mehr Sondern stoßen sich weg
Tiefe Risse im Fundament Sie sind nicht zu glätten Faschos im Parlament Werden niemanden retten“
Der Song drückt eine Sehnsucht nach Veränderung, Widerstand und Gemeinschaft aus – ein Statement gegen endlose Debatten in vermeintlich linken Bubbles und für gemeinsames Verbünden.
“FCK ALLES UND NICHTS” bekommt in diesem Zusammenhang eine ganze neue Ebene. Entgegen des nihilistischen Titels, verhandelt der Song allerdings die Komplexität des sexuellen Heranwachsens. Über eine extrem markante Bassline philosophieren die Sängerinnen übers Wollen und Nicht-Wollen.
“Nintendo DS </3” liefert dann bittersüße Nostalgie und vertont die Gefühle die der allererste Heartbreak mit sich bringt. Mit herzzerreißender Melancholie wir dabei der Verlust des Kindheit selbst betrauert.
Die schwere hebt sich dann in “WG”, wo leichtfüßig alle Horrorszenarien, die das WG-Leben so mit sich bringen kann durchlaufen werden. Von Sackhaaren im Sieb über viel zu dünne Wände bis hin zu Maden und Motten ist alles dabei.
„Wer hat gesagt es kann nur eine geben?“
Auf dem Feature-Track “Madonna vs. Britney” wird dann gemeinsam mit Nikra vollste Punk-Attitüde und Riot-Grrl Energy rausgelassen. Der Song kritisiert von den Medien hochgepushte weibliche Rivalitäten und ruft zur Solidarität unter FLINTA*-Personen auf. Mit dem Narrativ von “Es kann nur eine geben” wird aufgeräumt und Germany’s Next Topmodel outgecalled.
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Das Album schließt mit einer positiven Note. Am Ende bleibt nur, sich vorzustellen “als wäre es egal” wen du liebst. So verabschieden sich Remote Bondage hoffnungsvoll, diesen Konjunktiv eines Tages in Gegenwart zu verwandeln, aus ihrem Debüt.
Es ist ein kalter Dezemberabend, einer der letzten in 2024. Die Hamburger Markthalle ist bis in die letzte Ecke gefüllt und von der Kälte draußen ist absolut gar nichts mehr zu spüren. Kurz vor Weihnachten kommen Nada Surf mit ihrer Welttournee nach Deutschland. Das amerikanische Indierock-Urgestein hat zuvor im September ihr aktuelles Album mit dem Titel „Moon Mirror“ veröffentlicht. Die langersehnte Veröffentlichung ist das erste Nada Surf Album seit vier Jahren und markiert das 30-jährige Jubiläum ihrer Debütsingle. Auf dem Konzert wurden neue Songs und alte Klassiker der Band zum Besten gegeben.
Beginn mit einem Klassiker
Wer an Nada Surf denkt, bekommt vermutlich ganz unfreiwillig einen Ohrwurm ihres größten Erfolges „Inside of Love“. Klar, dass dieser Song dann in der Setlist nicht fehlen darf. Zunächst war es allerdings überraschend, dass der Abend mit diesem eigentlichen Höhepunkt eröffnet wurde. Wer jetzt glaubt, das Pulver sei damit direkt verschossen gewesen: weit gefehlt. Der Fokus sollte damit im weiteren Verlauf auf den neuen Songs liegen.
„Moon Mirror“zeigt vor allen Dingen eines. Die Band ist sich und ihrem Klang treu geblieben. Nada Surf schaffen es einerseits ein vertrautes Klangbild zu schaffen, das aussagt: „Wir sind immer noch die Indierock-Helden, die ihr kennt und liebt“. Andererseits klingen sie damit nicht redundant oder eintönig. Dieses Album dürfte also Neuentdecker sowie Fans der ersten Stunde gut gefallen.
Der Song auf „Moon Mirror“, der den Spagat zwischen neuem Stoff und familiärer Gewohnheit am besten abbildet, ist „New Propeller“. Sanft und träumerisch startend nimmt der Song nach einer Minute Fahrt auf und klingt durch Einsetzen der gesamten Besetzung wie das Gefühl der Freiheit, wenn man an einem lauen Sommerabend durch ein Kornfeld spaziert. Zeitweise ist auch genau das im Musikvideo zu sehen. Stark an den eingangs genannten Hit „Inside of Love“ erinnernd, reiht sich „New Propeller“ perfekt in die nach optimistischer Melancholie klingenden Diskographie der Band ein.
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Sänger und Songwriter Matthew Caws ist bekannt dafür, Philosophien des Lebens in seinen Songs zu verarbeiten. Dabei strebt er kontinuierlich nach mehr, sucht Lösungen und spricht in einer die Natur und Umwelt darstellenden Bildsprache. Auch im Titelsong „Moon Mirror“ hält er sich auf diese Art den Spiegel vor und begibt sich auf die Suche nach einem Freund – oder zumindest nach etwas Vertrautem. Dieses findet er im Spiegel des Mondes und gibt uns nicht nur mit dem Song, sondern mit dem ganzen Album unseren eigenen „Moon Mirror“.
„Come down, help me make it clearer I’ve been waiting for you, moon mirror“
Zurück in Hamburg wurde das Set für einen kurzen Moment unterbrochen. Matthew steht allein vorne am Mikro, holt einen gefalteten Zettel aus seiner Hosentasche und liest ihn vor. Auf Deutsch. Mit sympathischer und humorvoller Weise kündigt er den nächsten Song an: „In Front of Me Now“. Der etwas kräftigere Popsong hat dabei eine Botschaft, die nach einem guten Vorsatz für das neue Jahr klingt. Konzentriere Dich auf das, was vor Dir liegt und fokussiere Dich auf die eine wesentliche Sache.
„Moon Mirror“ ist schon jetzt ein neuer Klassiker der New Yorker Indierockband Nada Surf. Reinhören ist in jedem Fall lohnenswert, darum ist untenstehend das Album verlinkt!
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Das letzte Zwölftel des Jahres 2024 ist angebrochen und mit ihm kommt die kalte dunkle Jahreszeit. Eine Jahreszeit, die zuhause gemütlicher macht, Besinnlichkeit und Beisammensein verspricht und für viele Menschen Tradition bedeutet. So ist es etwa bei untoldency Tradition, in dieser Zeit das musikalische Jahr in einem Jahresrückblick Revue passieren zu lassen.
Denke ich an 2024 zurück, wird mir bewusst, dass es ein Jahr war, in dem ich vor allem eines noch weniger hatte als je zuvor: Zeit. Wer kennt es nicht? Einen geraumen Anteil der Zeit frisst die Arbeit oder die Uni, das Lernen und Sachen, die einfach gemacht werden müssen. Das, was wohl die meisten nachvollziehen können, hat mich persönlich in diesem Jahr stark eingeholt. Der Wert der Zeit, die ich ganz ohne Verpflichtungen und nur für mich hatte, stieg in diesem Jahr ins Unermessliche. Da ist sie wieder, die Inflation.
Deshalb ist es auch hier in den letzten Monaten ziemlich ruhig um mich geworden. Aber anstatt über ein Problem zu lamentieren, welches ohnehin fast alle haben, komme ich nun auf meine besonderen musikalischen Highlights von 2024 zu schreiben. Viel Spaß mit meinem Jahresrückblick!
Mein Album des Jahres
Anfang des Jahres – ich habe hier darüber geschrieben – kam das Debütalbum „Prelude to Ecstasy„ von The Last Dinner Party und hat meine Welt ein wenig aus den Fugen gerissen. Die kraftvollen Lyrics, der pulsierende Pop aber vor allem der Klassik- und Renaissancebezug im Instrumental und in der Gesamtästhetik haben es mir sehr angetan. So sehr, dass die Songs „Sinner“, „Nothing Matters“ und „On Your Side“ allesamt in meinen Go-To Playlists gelandet sind und (zumindest außerhalb der Weihnachtszeit) bis heute täglich von mir gehört werden. Von der Band konnte ich 2024 gar nicht genug bekommen und hoffe, dass 2025 die Sehnsucht nach mehr stillt.
Spulen wir vor zum Sommer. Zu einem Jahresrückblick gehören ja bekanntlich nicht nur Neuentdeckungen, sondern auch Bekanntes, Liebgewonnenes oder Wiederentdecktes. Außerdem sind es doch am Ende die Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben. Deshalb möchte ich auch über die einzigartigen Konzerte schreiben, die Mitte 2024 besuchen konnte.
Was ist, wenn wir beide wie Hannover sind?
Eines davon war das Seventyfive Festival in meiner Heimat, die Grafschaft Bentheim (ja, auch da können gute Konzerte stattfinden). Im Charme eines Speditionsgeländes hat mich vor allem ein Künstler wieder in den Bann gezogen: Thees Uhlmann. Schon seit Jahren, taucht er hier und da immer mal wieder in meinen Hörgewohnheiten auf, allerdings vergaß ich ihn in der letzten Zeit ein wenig. Die fast erloschene Glut wurde an jenem Tag folglich zu einem lodernden Feuer entfacht. Auch, wenn ich für gewöhnlich kaum deutschsprachige Musik höre, vermag mich die von Thees Uhlmann mittlerweile so tief emotional zu berühren, wie keine andere.
Ein Beispiel. Die Stadt Hannover – dort, wo ich wohne – hat in diesem Jahr eines seiner berühmtesten Wahrzeichen „verloren“. Der sogenannte Telemoritz ist ein in Stadtzentrumsnähe stehender Fernsehturm, der verziert mit drei großen Volkswagenlogos über die Häuser Hannover wachte. Er war mit seiner VW-Werbe-Charakteristik nicht von der Skyline wegzudenken. In dem Song „Was wird aus Hannover“ besingt Thees Uhlmann diesen Turm mit folgenden Worten:
„Am Bahnhof steht ein Turm, der für Nutzfahrzeuge wirbt Du warst wie ein Sturm, den niemand hört und spürt“
Vom mittlerweile baufälligen Turm, der seit 2004 unter Denkmalschutz steht, wurden im Juli dieses Jahres die Werbeschilder abgehangen. Der triste Anblick dessen und die Emotionalität, die der Uhlmannsche Soundtrack in mir erweckt, haben mich zu jener Zeit möglicherweise ganz kurz zum Weinen gebracht. So viel zu meiner persönlichen Bauwerktristesse von 2024.
Ins Wasser gefallen
Eigentlich wollte ich über das erwähnte Festival bei untoldency berichten. Neben Thees Uhlmann hätte auch einer seiner norddeutschen Kollegen spielen sollen, dem ich einige Tage vorher in seiner Heimatstadt Braunschweig lauschen durfte: Axel Bosse. Nach einer unfassbar tollen Darbietung auf der Volksbank BraWo Bühne, habe ich der Show vom sympathischen Headliner Bosse auf dem Seventyfive Festival voller Vorfreude entgegengefiebert. Dazu kam es allerdings nicht, denn das Konzertgelände musste schon frühabends aufgrund von Unwetterwarnungen und straken Regenfällen geräumt werden. Mitten im Sommer fiel Norddeutschland sich selbst zum Opfer.
Mein absolutes und unangefochtenes Highlight des Jahres hingegen, ist eine Show der Superlative, die seines gleichen sucht. Gemeint ist Coldplay, die ihre „Music Of The Spheres World Tour“ in diesem Jahr nach Deutschland gebracht haben. Auch dort hat es Anfangs durch das offene Stadion wie aus Badewannen gegossen. Die Bühne wurde über eine Stunde lang im Sekundentakt von der Crew mit Wischern abgezogen und von enormen Wassermassen befreit, was natürlich innerhalb von Augenblicken wieder hinfällig war. Diese Show fiel aber nicht ins Wasser – ganz im Gegenteil. Der Regen wurde von der Band atmosphärisch genutzt und auch die Energie der Fans konnte dem schlechten Wetter trotzen. Er schien einfach dazuzugehören, hat das Erlebnis eindrücklicher und die Band trotz Weltruhm noch sympathischer und nahbarer gemacht. Alle tanzten gemeinsam im Regen.
And It Was All Yellow
Kurz zusammengefasst war das Konzert knappe 3 Stunden lang ein Hit nach dem anderen, nur Banger aneinandergereiht. Niemals ging die Energie verloren. Die Chance, sich auszuruhen nahm man sich gern selbst. Die phänomenale Lichtshow gab der umwerfenden Kulisse den Rest. Jeder Mensch aus dem Publikum hat für das Konzert ein ferngesteuertes Leuchtarmband bekommen, das nonstop choreographiert in verschiedenen Farben zum Leuchten und Blinken gebracht wurde. So war zum Beispiel die gesamte Arena beim Song „Yellow“ in einem leuchtenden gelb getaucht. Kein Wunder, dass dieses Konzert für lange Zeit unübertrefflich für mich bleibt.
Das Musikjahr 2024 schließe ich ab mit einer meiner alltime favourites Alternative Band aus den frühen 2000ern. Nada Surf brachten in diesem Jahr ihr neues „Album Moon Mirror“ heraus. Eine Demonstration der neuen Songs habe ich mir im Dezember auf einem ihrer Konzerte in Hamburg geben lassen. Aber darauf werde ich im neuen Jahr zu schreiben kommen. Es sei an der Stelle vorerst nur Folgendes erwähnt: Sie sind sich treu geblieben. Es geht doch nichts über einen Cliffhanger am Ende. Hört Euch das Album bis dahin am besten schonmal an.
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Am Ende des Jahresrückblickes bleibt nur noch zu sagen: Ich wünsche Euch allen von Herzen besinnliche Festtage, egal was und wie ihr feiert und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2025. Nehmt Euch die eingangs beschriebene, kostbare Zeit, die Euch die Tage zwischen den Jahren geben. Man liest sich!
Alljährlich werden wir im Dezember mit diversen Jahresrückblicken berieselt, die einem so oft auch mal einen Kloß im Hals verpassen. Hinter meinem musikalischen Jahresrückblick verbirgt sich zum Glück nur Freude über die großartigen Künstler*innen, die mich 2024 so fleißig begleitet haben. – Eine Reihe musikalischer Neuentdeckungen auf Dauerschleife, gute Konzerte und viel Altbewährtes mit meinen Top-Songs und -Alben aus diesem Jahr.
MEINE TOP SONGS AUS 2024
In diesem Jahr war ich mir zum ersten Mal ziemlich sicher, welcher Song es auf Platz 1 meiner meist gehörten Songs schaffen wird – laut Statistik. Keinen Song habe ich 2024 so dermaßen auf Dauerschleife gehört wie „Messy“ von Lola Young. Ein – für mich – sehr feministischer Song, in dem Lola Young beschreibt, wie man es nie irgendjemandem recht machen kann. Sie reflektiert dabei vor allem auch sich selbst. Ein Ohrwurm, den ich bis heute nicht loswerde (und auch nicht möchte).
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Neben Lola Young hat mich auch Olivia Dean wieder in den Bann gezogen, diesmal mit ihrem Song „Time“. An zwei Orten gleichzeitig sein, jeder Person im Leben alles geben zu können und dabei auch Zeit zu für sich selbst zu haben? Der Song klingt so wunderschön leicht und hin- und hergerissen zu gleich. Ich halte ihre Stimme einfach für perfekt. Nach ihrem Debütalbum bekomme ich nicht genug von ihr und ihrem Songwriting.
Nun, was wäre dieser Jahresrückblick ohne die Nennung der australischen Neuentdeckung Royal Otis? Um ehrlich zu sein, könnte hier vermutlich jeglicher Song der Band stehen, denn ihre ganze Diskographie hat mich in diesem Jahr ununterbrochen begleitet. Mit „Foam“ habe ich den letzten meiner Top-3 Songs gekürt, der den Vibe der Band ziemlich gut widerspiegelt – locker, schwungvoll, mit dem perfekten Bass. Ein Muster lässt sich bisher auf jeden Fall erkennen: Neuentdeckungen machen sich gut auf Dauerschleife.
Da 2024 noch viele andere gute Songs rausgekommen sind, die man gehört haben muss, folgt eine Sneak Peak aus meiner Jahresrückblick-Playlist: „Lullaby for the Lost“ von Current Joys, „Flowers“ von Jordan Rakei, „Son“ von Palace, „Flicker of Light“ von Lola Young, „Sundowner“ von Fontaines D.C., „Me And the Dog“ von Sam Fender, „Showtime“ von Catfish and the Bottlemen.
MEINE TOP ALBEN AUS 2024
Hach, wer hätte das gedacht. Royal Otis landen mit ihrem Debütalbum „Pratts & Pain“ zum zweiten Mal in diesem Jahresrückblick. Anders ginge das auch nicht, denn kein Album habe ich mehr verschlungen. Von Songs wie „Merry Mary Marry Me“, „Always Always“ oder „Till The Morning“ habe ich mich bis heute nicht erholt. Es passiert zwar nicht allzu selten, aber auf diesem Album gibt es einfach keine Flops. Nun durfte ich Royal Otis dieses Jahr zwei Mal live erleben und kann überzeugt behaupten, dass das Duo auch live und in Farbe Herzrasen bei mir verursacht hat. Gleichzeitig ist das relativ amüsant, denn beide erinnern mich mit ihrer gleichgültigen und lässigen Attitude auf der Bühne an Liam und Noel Gallagher von Oasis.
Über das folgende Album habe ich im vergangenen Februar bereits eine Review geschrieben und darf hier natürlich nicht fehlen. Declan McKenna ist keine Neuentdeckung für mich, sondern gehört eher zum Standard-Inventar meines Hörverhaltens. Mit „What Happened to the Beach?“ hat der Brite eine Platte geschrieben, die mich immer an den Frühling erinnert und mir gute Laune bringt, wenn sie dringend benötigt wird.
IT’S MUCH BETTER LIVE
Auch in diesem Jahr habe ich wieder viele gute Konzerte erlebt. Neben Royel Otis und Declan McKenna, die ich live sehr empfehlen kann, war ich noch auf einigen anderen Konzerten, die mir in Erinnerung geblieben sind. Zum einen kann ich sagen, dass Coldplay Konzerte wirklich so gut sind, wie alle immer sagen, vielleicht noch besser. Im Februar war ich bei Charlie Cunningham, der mich live fast zum Weinen gebracht hätte (natürlich im Positiven) und die langersehnten Gigs von Nothing But Thieves und Holly Humberstone zählen auch zu meinen diesjährigen Highlights.
Hier könnt ihr meinen Jahresrückblick nachhören:
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Versetzt euch einmal in folgende Situation: Es ist Wochenende, ihr seid mit euren Freund*innen unterwegs in einem coolen Szene-Club. Es ist dunkel, der Bass hämmert, ihr habt eine gute Zeit. Trotzdem kreisen viele Gedanken durch euren Kopf. Euer Bewusstsein wechselt zwischen „im Moment leben“ und „jedes kleinste Detail zerdenken“. Den perfekten Soundtrack für diese Situation liefert die Indie-Rock-Band Kabinett mit ihrer EP „Blackout“. Dazu sagt die Band selbst: „Nachdem wir mit unserer „Not About Us„-EP zunächst ein sehr weites Feld an unterschiedlichen Sounds und Genres erkundet haben, wollten wir uns mit „Blackout“ mehr auf eine Stimmung und eine musikalische Idee fokussieren.“
Kabinett – wer ist das eigentlich? Fünf Jungs aus Mannheim, die Indie-Rock mit immer neuen Facetten auf die Bühne bringen. Die Band wurde Ende 2019 ins Leben gerufen. Ihre Debüt-EP „Not About Us“ erschien 2023. Mit der aktuellen EP „Blackout“ wird es düsterer und rockiger. Ein Sinneswandel? Wohl eher nicht, aber dafür eine Reise, auf die wir mitgenommen werden.
Erwachsenwerden in vier Songs
„Es klingt deutlich weniger nach Pop, eventuell auch weniger experimentell, dafür aber erwachsener und in gewisser Weise auch bestimmter. Es ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Songs, die zufälligerweise auf einer EP landen, sondern eine emotionale Reise. Das war uns bei dieser Produktion besonders wichtig, denn wir wollten in erster Linie ein emotionales Werk schaffen. Inhaltlich ist es daher auch deutlich persönlicher als zuvor – die Geschichten haben teils autobiografische Inhalte“, erklärt Manuel Freund, der Mann hinter dem Synthesizer.
Der erste Track ist der namensgebende Song „Blackout“. Der Beat gibt das Tempo vor und bleibt garantiert hängen. Denn „Blackout“ zieht seine Hörer*innen direkt mit sich und entlässt sie nur schwer aus seinen Fängen. Das könnte dran liegen, dass die beschriebene Situation so authentisch ist, dass sich jede*r hineinversetzen kann. Der Song fängt eine belanglose Clubszene ein und wird dabei von einem durchgehenden Synth-Riff getrieben, liefert mit fetten Drums und Bass eine düstere Grundstimmung und wird vom rauchigen Gesang des Sängers vollendet wie eine Symphonie.
„Moonrise“: Die Partynacht ist vorbei. Der zweite Titel der EP von Kabinett baut eine Brücke zurück in die Realität. Sanfte Synthesizer und Gitarren-Sounds klingen wie das Aufwachen aus einem Fiebertraum. Gesang? Fehlanzeige, denn „Moonrise“ kommt komplett ohne Vocals aus. Eine Minute und 33 Sekunden gibt uns die Band, um für den Wechsel.
Weiter geht’s mit „Ama Wave“ und einem dunklen, melancholischen Song. Ich fühle mich, wie am Morgen danach: Leicht verkatert, Laune mies, alles zerdenkend. Soundlich bleibt hier alles sehr minimalistisch. Auch die Stimme des Sängers bleibt leicht gedämpft und spielt der Melancholie in die Karten. Ich kann gar nicht anders, als mich in meinen Gedanken zu verlieren. Schlagzeug und Gitarre treten immer mehr in den Vordergrund und lassen auf ein dramatisches finale des Songs deuten – das bleibt allerdings aus. Stattdessen gibt’s ein ruhiges Ende, fokusiert auf die Stimme.
Ein musicalreifer Abschluss mit „Pablo“
„Pablo“ erinnert an den Soundtrack eines Musicals. Durch den noch immer düsteren Sound und die verspielten Keys stelle ich mir eine Horde Vampire vor, wie sie auf den Streifzug zu ihrer nächsten Mahlzeit durch die dunklen Gassen einer amerikanischen Großstadt tanzen. Ein sehr spezifisches Bild, aber genau das löst „Pablo“ bei mir aus. Dabei ist der Song total persönlich. Eindringlich ruft der Sänger Sätze wie „What is wrong?“ in das Mikrofon und singt sich gegen Ende immer mehr in Rage. Im Hintergrund wird irgendetwas Unverständliches geflüstert. „Pablo, calm down“ – doch das schafft auch der Song erst in den letzten Sekunden und hinterlässt ein aufgewühltes Gefühl und offene Fragen.
Für Kabinett ist es der erste so richtig persönliche Release. Das kann erst einmal gruselig sein, aber: „Der Release fühlt sich einfach nach dem richtigen nächsten Schritt an. Auch ein bisschen wie Erwachsenwerden. Wir haben uns für unsere Verhältnisse ganz schön geöffnet und angreifbar gemacht, aber wir stehen hinter jedem Track und freuen uns, sie mit der Welt zu teilen“, so lautet das Resümee der Band.
Und jetzt? „Bei uns passiert zurzeit aber einfach so viel, da bleibt leider keine Zeit, sich darauf auszuruhen oder so richtig abzuschließen mit einem Projekt – zumindest mental. Wir sind direkt an der Planung der nächsten Projekte und machen zumindest musikalisch und inhaltlich keinen Stopp auf unserer Reise.“
Alles klar, jetzt müsst ihr also nur noch die aktuelle EP „Blackout“ streamen bis neue Musik von Kabinett rauskommt. Auf geht’s:
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Die BAUM TOUR 2024 zum gleichnamigen Album von Sängerin Mine ist vor etwas mehr als einer Woche zu Ende gegangen. Untoldency hat diese Tour mitpräsentiert und Redakteur Leif hatte die Gelegenheit das Konzert in Hannover im Capitol zu besuchen und vorab ein Gespräch mit Mine zu führen.
Triggerwarnung/Content Note: Drogen, Drogenkonsum und Sucht In der letzten Frage dieses Interviews geht es um die Thematisierung von Drogen und Drogenkonsum. Bitte achtet auf euch selbst und eure Gesundheit.
Mine im Interview mit untoldency zu ihrem Album BAUM
Leif: Hallo Mine! Schön, dass du dir Zeit nimmst, ich freu mich richtig. Zum Warmwerden beginne ich mit einer Frage zu deiner Musik. Du hast deine eigene Musik schonmal als „Deutschsprachigen Folk mit Hip Hop-, Jazz- und elektronischen Elementen“ beschrieben. Würdest du das noch so unterschreiben?
Mine: Deutschsprachiger Folk? Ne, eigentlich nicht. Habe ich das mal gesagt? (lacht) Wenn man mich fragt, sage ich immer ganz grob Deutscher Indiepop mit verschiedenen Genreeinflüssen. Ich finde es voll schwierig mich da festzulegen, weil ich voll gerne mit verschieden Genres arbeite. Manchmal fühle ich mich mehr in die Richtung Dance, andermal eher in Richtung Chanson, manchmal wiederum Klassik. Deswegen überlasse ich das lieber anderen Menschen, meine Musik einzuordnen. Jeder hört es anders und nimmt es anders wahr.
Leif: Auf die Klassikeinflüsse kommen wir später noch zu sprechen, sie ist ja auch eine Charakteristik deines neuen Albums. Wobei das ja auch schon seit Februar draußen ist.
Mine: Das gilt noch als neu!
Leif: Und deshalb: Gratulation zu deinem Album BAUM! Bald ist es zehn Jahre her seit der Veröffentlichung deines Debütalbums Mine, ein Jubiläum also! Seitdem hat sich viel getan. Bist du rückblickend zufrieden und gibt es etwas, das dich bei mehr als zehn Jahren Musikmachen immer begleitet?
Mine: Es hat sich viel getan, aber hallo! Und ich bin mehr als zufrieden – zufrieden ist gar kein Ausdruck. Ehrlicherweise läuft alles viel viel besser, als ich es mir jemals erträumt habe. Ich hatte ja gar nicht vor, das beruflich zu machen und dachte, dass sich das gar nicht vereinen lässt. Also diese freie künstlerische Arbeit mit künstlerischer Musik als Beruf. Deswegen fühle ich mich gerade sehr privilegiert und dankbar dafür, dass ich das machen darf. Und was mich bis jetzt in den letzten zehn Jahren begleitet hat, ist auf jeden Fall meine Crew. Wir sind schon so lange unterwegs. Das ist ein sehr familiäres Gefühl.
Leif: Das ist ja richtig toll! Cool, dass ihr euch auch nach zehn Jahren dann noch „treu geblieben“ seid.
Mine: Voll, wir sind halt auch Freunde und arbeiten sehr gern zusammen. Es ist alles immer sehr harmonisch.
Über die freie Kunst und die Frage nach dem Besonderen
Leif: Du hast eben schon das Künstlerische in deinem Schaffen angesprochen. Deine Leidenschaft erstreckt sich auch auf Videodreh von zum Beispiel Musikvideos. Und auf Social Media hast du ein kleines Reel-Format namens SWEETE INSTRUMENTE, was ich persönlich ganz cool finde. Wie kam es denn dazu?
Mine: Ich weiß auch nicht, ich hatte einfach Bock. Ich bin so eine Instrumentensammlerin und interessiere mich für neue Klänge, die ich noch nicht kenne und wollte selbst ein wenig mehr über die Instrumente, die ich bereits habe, herausfinden. Da lag es nahe als Format kurze Instrumentenkunde zu machen. Aber wo genau das herkam, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich hatte einfach Bock drauf.
Leif: Es passt ja bei deiner Musik auch total ins Bild – und damit kommen wir auch schon zu deiner Musik und zum Album BAUM. Auf den ersten Blick fällt auf, dass es viele Intros und Reprisen gibt. Hört man rein, vernimmt man zum einen Pop, Hip Hop, Electro, Funk, viele außergewöhnliche Instrumente und starke Arrangements. Zum anderen sind viele Elemente aus der Klassik verbaut. Hast du als studierte Musikerin hohe Erwartungen an „das Besondere“ in deinen Songs?
Mine: Ne. (lacht) Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist.
Leif: Das ist eine sehr tolle Antwort!
Mine: Ich bin einfach ein sehr neugieriger Mensch und bin auch sehr schnell gelangweilt und hungrig. Aber das bezieht sich auf alles im Leben. Ich google alles, ich will alles wissen und ich lese mir alles durch. Wenn ich eine Künstlerin geil finde, schaue ich mir alle Videos und Interviews an. Und so geht’s mir eben auch bei der Musik, die ich selbst mache. Ich höre super viel Musik und wenn mich etwas catcht, überlege ich: Was ist da so drin und wieso klingt es so, wie es klingt? Dann versuche ich mich weiterzubilden, weil es mir Spaß macht Dinge zu machen, die ich vorher noch nie gemacht habe. Diese Euphorie im Musikmachen will ich dann nie verlieren. Das würde passieren, wenn ich immer das gleiche machen würde.
Leif: Also nicht stehen bleiben, sondern immer weiter. BAUM ist bisher dein chartmäßig größter Erfolg. Wie fühlt sich das an?
Mine: Stimmt, da habe ich gar nicht so viel Ahnung von. Ich wüsste auch gar nicht auf welchem Platz es war. (lacht)
Leif: Das kann ich dir sagen: Platz 7.
Mine: Ahh, sieben. Ich bin da gar nicht so interessiert, mein Management schon eher. (lacht) Für mich ist das immer so gewesen, dass ich von dem Job nicht abhängig bin. Ich wollte eigentlich als Musiklehrerin arbeiten, damit ich freie Kunst machen kann, ohne über des Geldverdienen nachzudenken. Mir ist es wichtig, dass ich nicht so einen Druck habe und meine Kunst frei bleibt. Deshalb können mir Zahlen auch egal sein. Diese Unabhängigkeit genieße ich sehr.
Leif: Dieses Privileg befreit deine Kunst bestimmt sehr.
Mine: Total. Für mich ist es auch die einzig richtige Herangehensweise. Unter Druck könnte ich gar keine freie Kunst machen. Das Musikmachen an sich ist ja das Schöne an dem Job. Und wenn das verloren geht, dann hätte ich gar keinen Bock mehr das zu machen.
Leif: Das verstehe ich sehr. Du kannst das am besten beurteilen: BAUM ist voll mit persönlich und biografisch wirkenden Songs. Wie viel Mine steckt in den Texten?
Mine: Es ist schon sehr persönlich, ich denke mir da nichts aus. Für mich ist das Musikschreiben immer Safe Space und Dinge aussprechen, die ich mir vor anderen Menschen so nicht traue. Deshalb ist das alles eigentlich privat. (lacht) Bei jedem Song geht es um eine gewisse Situation, die ich empfunden habe. Und den Dampf lasse ich dann in der Musik raus.
Leif: Es gibt ja auch Storytelling im Songwriting, aber du musst da schon einen persönlichen Bezug zur Handlung haben?
Mine: Ich finde es fühlt sich dann so an, als würde man sich selbst covern. Es ist dann eher die Schauspielerei. Und ich finde das auch voll geil, wenn das Leute können. Die haben dann auch ein Alter Ego und schreiben dann Sachen, zu denen sie gar keine Gemeinsamkeiten haben. Aber so ist es bei mir nicht. Ich bin genau die gleiche Person wie hinter der Bühne. Zumindest fühle ich mich nicht anders.
Der BAUM zieht sich bei Mine als optisches und rhetorisches Mittel wie ein roter Faden durch Album und Bühnenbild.
Leif: „Werde geboren und werde dann groß, lerne zu leben und dann bin ich tot“ – Hören wir da Kritik an einem kapitalistischen Mittelmaß im Titelsong BAUM?
Mine: Ich liebe diese Interpretation, auch wenn sie nicht die Gedanken waren, als ich den Song geschrieben habe. (lacht) Aber ich kann sehr zu ihr relaten. Weil ich auch richtig abgef*ckt bin vom Kapitalismus. (lacht lauter) Ich finde es ganz schlimm, wie das Schulsystem kleine Arbeitssoldat*innen zusammenschustert, die, sobald sie außerhalb dieser Leistungsgesellschaft keinen Platz finden, durch das System fallen. Deshalb finde ich diese Interpretation super. Aber eigentlich hatte ich beim Schreiben eher an den Zyklus gedacht, den zwar jeder Mensch individuell durchlebt, der sich aber auch ganz unemotional ständig wiederholt. Das soll gar nicht so emotional aufgeladen sein. Es ist einfach Fakt, dass unsere Großeltern, Eltern und Kinder das Gleiche machen. Du wirst da reingeworfen, dann versuchst du klarzukommen, denn gehst du wieder und nach zwei Generationen kann sich keiner mehr an dich erinnern. Ich glaube, dass Menschen sich selbst prinzipiell ein bisschen zu wichtig nehmen. Manchmal ist es gut sich bewusst zu machen, dass das Allerwichtigste ist, dass man Menschen gut behandelt. Alles andere, wie „Ich hinterlasse Fußspuren“ finde ich etwas lächerlich.
Die BAUM TOUR 2024
Leif: Die nächsten Fragen zielen auf deine BAUM TOUR 2024 ab. Tourst du gern?
Mine: Ja, ich lieb‘s! Für mich ist das total Quality Time. Ich bin Mutter von Zwillingen und arbeite sehr viel. Daher habe ich nie so viel Zeit für mich selbst wie jetzt auf Tour. Das genieße ich sehr. Und auch, dass ich mein Team um mich herumhabe. Das sind alles meine Freunde und mit denen unterwegs zu sein fühlt sich an wie eine Klassenfahrt. Ich liebe es mit ihnen Musik zu machen. Aber die Tour ist generell so krass! Es läuft alles so gut und es ist sehr erfüllend.
Leif: Die ausverkauften Veranstaltungen und die hochgebuchten Konzerte machen es doch sicher noch besser, oder?
Mine: Ich habe ab dieser Größe hier nach unten alles gespielt. Jede Größe von 30 Leuten bis zu dem, was ich momentan spiele. Ich fand’s auch vorher cool. Was es natürlich mit sich bringt, wenn man mehr Zuschauer*innen hat, ist, dass man alle aus dem Team gut bezahlen kann. Für mich ist das sehr entspannend, wenn ich weiß, alle können davon leben. Denn man investiert super viel Zeit. Aber vom Publikum her ist es ganz egal, es ist immer ein geiles Gefühl. Diesbezüglich ist es bei uns auch nie schlechter geworden. Es kamen immer etwas mehr Leute dazu als vorher. Es gab da nie einen Sprung, sondern ging konstant weiter nach oben. Total angenehm, aber crazy, dass wir jetzt so groß unterwegs sind. Und total entspannt.
Leif: Entspannt?
Mine: Ja! Ey, früher sind wir noch hunderte Kilometer selbst auf der Autobahn gefahren mit einem Sprinter. Danach ist man anders müde.
Leif: Und dann muss noch performt werden!
Mine: Genau. Das war zwar auch cool, aber jetzt haben wir natürlich Luxus.
Leif: Was machst du denn beim Touring zwischen den Auftritten am liebsten?
Mine: Sport! Ich mache jeden Tag Sport. Und heute habe ich noch einen Beat produziert. Sonst geht der Tag ziemlich schnell rum. Wir fangen schon um 14 Uhr an, so viel Zeit ist dann gar nicht mehr. Sport, Duschen, Bühne vorbereiten, Einsingen, Essen und Interviews geben. (lacht und klopft mir auf die Schulter)
Leif: Du hast eben deine Zwillinge angesprochen. Was fehlt dir am meisten, wenn du unterwegs bist?
Mine: Auf jeden Fall meine Kinder. Meine Kinder, das Studio und das Alleinesein. Man hat immer Menschen um sich rum und Zurückziehen ist da eher rar. Und meine Freunde in Berlin fehlen mir auch sehr. Aber sonst vermisse ich ehrlich gesagt gar nicht so viel.
Leif: Das reicht ja auch! Selbst eine Sache zum Vermissen kann ja schon schwer wiegen.
Mine: Im Großen und Ganzen sind es auch eigentlich nur meine Kids. Alles andere ist nicht der Rede wert. Die sind so süß. (lacht)
An dieser Stelle sei erneut auf die anfängliche Triggerwarnung hingewiesen: Sollte euch die Auseinandersetzung mit den Themen Drogen und Drogenkonsum schwerfallen, lest diesen Artikel ab dieser Stelle bitte nicht weiter.
Leif: Bei uns endet ein Interview immer mit einer Anekdote oder etwas, was du noch nie über dich erzählt hast. Was ist deine untold story?
Mine: Eine Sache kann ich dir verraten. Was ich noch nie gesagt habe, weil ich das eigentlich nicht verherrlichen will, ist, dass es bei einem Song von mir um LSD geht. Ich habe das noch nie erzählt, denn ich bin nicht so ein Fan davon, über Drogen in der Öffentlichkeit zu reden. Ich denke, das Thema muss mit sehr großer Vorsicht betrachtet werden. Und ich rate Leuten prinzipiell erstmal davon ab, weil es sehr gefährlich ist für Leute mit psychischen Vorerkrankungen und man sehr aufpassen muss.
Leif: Der Titel des Songs bleibt daher an dieser Stelle lieber unerwähnt. Und damit endet unser Interview! Ich danke dir für deine Zeit, für das schöne Gespräch und freue mich auf’s Konzert!
Mine: Mich hat es auch gefreut! Wir geben heute alles!
Dass zum Beinahe-Tourende alles gegeben wurde, verspürte man in jeder Sekunde des Konzertes. Die kraftvolle und energiegeladene Performance zeichnete sich durch einen abwechslungsreichen Mix aus Mine-Klassikern und neuen Songs des Albums aus. Auch die Support Acts Shelly Phillips und ffortissibros heizten dem Saal ordentlich ein.
Am Ende wird hier die klare Empfehlung ausgesprochen, ein Mine-Konzert zu besuchen. Auch, wenn die Tour nun vorbei ist, stehe weitere Daten in der bald startenden Festivalsaison an.
Wer sich das Album BAUM bisher noch nicht angehört hat, sollte es schleunigst tun. Die Möglichkeit zum Reinhören gibt es hier.
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Prelude to Ecstacy heißt das Debütalbum der britischen Band The Last Dinner Party. Der Titel verspricht eine Flucht vor der Realität – hält das Album dieses Versprechen? 1815 war ganz Europa in Folge des größten Vulkanausbruches aller Zeiten unter einer Decke der Dunkelheit verborgen. In dieser apokalyptisch scheinenden Zeit schuf Mary Shelley eine der ersten gotischen Novellen, besser bekannt als Frankenstein. The Last Dinner Party tun es ihr auf zeitgenössischer Art und Weise gleich.
Das heutige apokalyptische Setting äußert sich im Sterben unseres Planeten und im Tod der Wahrheit. Im postfaktischen Zeitalter scheint nichts mehr real zu sein. Vielmehr besteht unsere Welt aus deep fakes, fake news und AI. The Last Dinner Party wirken dem entgegen mit etwas, was diese Dunkelheit durchbricht: Ehrlichkeit.
Inspiriert durch Romantik, Gotik und einen Hang zum Grotesken schaffen die fünf Musikerinnen mit Prelude to Ecstacy ihren eigenen Frankenstein. Dabei halten sie an der Ästhetik des Ursprungs fest. Auch die Musik bedient sich an Stilmitteln einer enormen Dramatik, Theatralik und eines Surrealismus aus vergangen Zeiten. Die Lyrics hingegen könnten aktueller nicht sein. In ebendieses Bild passend: Das Album wurde aufgenommen in einer umgebauten Kirche.
Der erste Akt
Schlägt man die Definition von Präludium nach, so stoßt man auf folgende Beschreibung: Ein oft frei improvisiertes musikalisches Vorspiel oder eine fantasieartige selbstständige Instrumentalkomposition. Mit einer solchen findet sich ein dramatischer Einstieg in das Bühnenwerk Prelude to Ecstacy. Erster Akt.
Die Atmosphäre des Anfangs geht in den darauffolgenden Songs keinesfalls verloren. Während Titel und Track von Burn Alive nur vor Spannung und Tiefe strotzen, wirkt Caesar on a TV Screen zuerst wie ein groteskes Trauerspiel, verwandelt sich aber nach gut einer halben Minute in ein kräftig theatralisches Stück Popmusik und kommt am Ende zu einer Art musikalischem Showdown.
The Feminin Urge trägt die Stimmung mittels James-Bond-Gedächtnis-Gitarre weiter. Mit On Your Side und Beautiful Boy findet die Dramaturgie des ersten Aktes in schmerzlich träumender, vor allem wunderschöner Manier sein Ende. Zum Einsatz kommen hier neben klassischer Bandbesetzung – wie im Intro von Prelude To Ecstacy – klassische Instrumente.
„I wish I could be a beautiful boy“
Der zweite Akt
Gehüllt in einem himmlischen Stimmennebel und begleitet von einer Kirchenorgel beginnt die zweite Hälfte des Albums mit dem choralähnlichen Gjuha. Der Übergang zum rockigen Popsong Sinner ist phänomenal und unterstreicht einmal mehr, wie sehr Prelude To Ecstasy als Gesamtwerk zu betrachten ist. My Lady of Mercy nimmt diese poppige Gelassenheit auf, wandelt sie jedoch im Laufe des Songs in sich aufbauende (und damit endlich wiederkehrende) Dramatik um.
Portrait of a Dead Girl verwirrt zuerst, indem das Klavier einen 6/8-Takt vorgaukelt. Beim Einsetzen des Schlagzeugs wird aber klar, dass es sich hier um einen 4/4-Takt und eine triolische Spielweise des Klaviers handelt (und damit wäre der Musiktheorie-Bildungsauftrag erfüllt). Spannend wird es auch beim darauffolgenden Song, der der Bekannteste des Albums sein dürfte.
„And I will fuck you like nothing matters“
Nothing Matters verbindet alles, wofür dieses Album, seine Dramaturgie und Ästhetik stehen. Das Künstlerische mit kleinen musikalischen Verweisen an klassische Musik (Orgel, Harfe) verbunden mit zeitgenössischem, kraftvollem Rock. Dazu feministische Perspektive und apokalyptische Endzeitthematik. Sogar ein Gitarrensolo hat dieser sehr, sehr gute Song und ist damit zumindest einer der Höhepunkte des Albums.
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Prelude To Ecstacy findet mit dem grandiosen Schauerspiel Mirrors ein bedrückendes Ende. Ist das Wort Dramatik schon viel zu oft in diesem Text gefallen, wird aber jene nun aus allen vorangegangenen Songs extrahiert und in einem großen Finale der Melancholie endgültig freigesetzt. Es verläuft sich allmählich in einer ekstatisch solierenden Gitarre über sinfonischen Streichern und verblasst langsam („I fade away“). Schließlich endet es, wie es anfing: mit orchestraler Instrumentalmusik.
Mit Prelude To Ecstacy schaffen The Last Dinner Party ein perfektes Debütalbum und kreieren durchdacht einen einzigartigen Stil, der die Urform von Kunst und Schönheit mit Spannung und Hyper-Realismus vereint. Die Kombination aus Vergangenheit und Gegenwart gelingt der britischen Band in ihrer Musik und ihren Texten hervorragend. Das Album ist zum Reinhören unter diesem Artikel verlinkt.
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Der Song wie ein einziger Rausch, ein Titel, der viel bedeuten kann und Musik, die einen von der Party nach Hause trägt: Die vierköpfige Hannoveraner Indie Band FLUKES veröffentlichen ihren neuen Song Blaues Licht.
Zu Beginn ein liegender Synthie, eine angedeutete Gitarre. Die Strophe setzt nach sehr kurzem Intro beinahe plötzlich mit klarem Gesang und prägnanten Drums ein. Fast gesprochen, steht der Gesang direkt im Vordergrund und findet sich perfekt in den vorerst atmosphärischen, trotzdem stark treibenden Refrain ein
„Einfach vor den Latz geknallt“
Kurzer Break, dann der Refrain. Die Synthies werden stärker, die Gitarre lebendiger, beide nehmen ein Lasso und ziehen dich auf die Tanzfläche. Die eintönige Melodie des Gesangs steigt gleich mit ein und pflanzt einen Ohrwurm, der sich zum Glück nicht so schnell entfernen lässt.
„Shalala die ganze Zeit verrinnt in deinen Händen,
Süchtig nach blauem Licht Shalala die ganze Nacht allein in dein‘ vier Wänden,
Süchtig nach blauem Licht“
In der zweiten Strophe will der Gesang mehr. Er wird intensiver, nuancierter und arbeitet sich steigernd bis zum nächsten Refrain heran. Unmittelbar danach bricht dann ein verzerrtes Gitarrensolo aus, was den Rausch im Song auf die Spitze treibt. Und dann kurz Ruhe. Blaues Licht beruhigt sich und lässt dich durchatmen, ehe es dich mit einem letzten Ohrwurmchorus und offenem Ende in die Nacht entlässt.
Irgendwo zwischen The Strokes und Von wegen Lisbeth
Und nun zur Band: FLUKES sind ein vierköpfiges Indie-Gespann und stammen aus Hannover. Die Bandmitglieder verbindet eine lange Freundschaft und sie fühlen sich bei Themen wie Jugendliebe oder Grow-Up-Struggles zuhause.
Ihre Musik beschreiben sie selbst als Zusammenspiel von melancholischen Gitarren-Lines, Wohlfühl-Synthies und treibenden Schlagzeug-Beats stets charakterisiert durch Nostalgie und gleichzeitigem Blick nach vorn. Genau das ist in „Blaues Licht“ gut zu hören. Zu ihren Inspirationen zählen The Strokes, Bilderbuch und Von wegen Liesbeth. In naher Zukunft dürfen wir uns über weitere neue Singles, eine EP und eine kleine Tour von FLUKES freuen. Reinhören und dabeibleiben lohnt sich also!
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