Schlagwort: indie

  • BROCKHOFF im Interview: »Ich habe gelernt, dass Sensibilität keine Schwäche ist, sondern meine Stärke«

    BROCKHOFF im Interview: »Ich habe gelernt, dass Sensibilität keine Schwäche ist, sondern meine Stärke«

    BROCKHOFF ist nicht, wie das erste Google-Ergebnis befürchten lässt, der „größte lokale Gewerbemakler in Deutschland“, sondern empowernder Indie-Garage-Rock der Hamburgerin Lina Brockhoff. Ihre Debüt-EP “Sharks“ hat 2022 schon für großen Wirbel in der deutschen Indie-Rock-Szene gesorgt. Seit 2024 war es etwas ruhiger um die Musikerin – aber nicht ohne Grund. Jetzt versorgt BROCKHOFF uns mit ihrem Debütalbum „Easy Peeler“ und mit einer Menge neuer Indie-Rock-Hymnen.

    Eigentlich wollte BROCKHOFF ihr Debütalbum schon im vergangenen Jahr veröffentlichen. Warum sich die Sängerin aus Hamburg dann aber doch länger Zeit gelassen hat und froh darüber ist, das verrät sie im Interview.

    BROCKHOFF im Interview

    Welche Musik hat dich durch das Jahr 2025 gebracht?

    Bei mir war auf jeden Fall das neue Album von Momma ganz hoch im Kurs, das im April rausgekommen ist. Ansonsten höre ich gerade auch sehr viel das Album „Adult Romantix“ von Winter – das ist auch sehr so 90s Grunge Musik. Das sind auf jeden Fall zwei Favourites. Ansonsten hatte ich auf jeden Fall eine krasse Alanis Morissette und Avril Lavigne Phase im Sommer. Da hatte ich so eine komplette 90s/early 2000er Nostalgie Phase.

    Jetzt war es sehr lange etwas ruhiger um dich und deine Musik. Vor der ersten Album-Single „The Carpet Song“ kam eineinhalb Jahre erstmal nichts. Magst du uns einmal aufklären, warum so eine lange Pause war?

    Ich habe mir einfach sehr viel Zeit genommen, um das Album fertig zu stellen. Ich glaube das war auch die richtige Entscheidung. Ich hatte das Album auch schon einmal grob angekündigt Anfang letzten Jahres und dann haben wir den Release noch mal verschoben. Am Ende haben ein paar letzte kreative Prozesse im Mixing und Mastering länger gedauert als geplant. Aber auch ein paar Fragen rund um „wie will ich das Album releasen“ waren noch unklar. Grundsätzlich fand ich es super wichtig, mir Zeit zu nehmen mit dem Album. Ich habe mich auch entschieden, das Album mit meiner Live-Band einzuspielen und dementsprechend war der Prozess vielschichtig. Erstmal habe ich Songs geschrieben, Demos gesammelt, dann haben wir die als Live-Band entsprechend geprobt. Das war alles noch ein großer Vorproduktionsschritt. Dann sind wir ins Studio gefahren, haben dort das Album aufgenommen und dann habe ich es wiederum hier in Hamburg im Studio zusammen mit Christian Hartung ausproduziert.

    Rückblickend: Findest du, es hat sich gelohnt die Zeit zu nehmen?

    Auf jeden Fall! Es war schon immer mein größtes Ziel und mein größter Traum, ein eigenes Album zu releasen. Das ist einfach so ein Gesamtwerk, vor allem mit Band zusammen aufzunehmen im Studio. Für diesen ganzen Prozess wollte ich auch einfach voll und ganz dabei sein und nicht zwischendurch schon anfangen, Sachen zu releasen. Deswegen war es auf Social Media bei mir sehr ruhig – das tat aber auch gut.

    Kommen wir zum Album: Wann sind die ersten Songs vom Album entstanden?

    Es gab nicht den einen Zeitpunkt, wo ich gesagt habe: Ich schreibe jetzt fürs Album. Bei mir entstehen regelmäßig Songs. Deswegen hatte ich einen Pool an Songs und Demos in meinem Kopf oder auf meiner Festplatte gesammelt. Auf dem Album gibt es also auch Songs, die sind schon 2020 entstanden – also schon fünf Jahre alt. Die meisten anderen sind eher so zwei, drei Jahre alt. Manche kommen auch aus 2024. Einige Songs haben wir auch live schon länger gespielt.

    Würdest du sagen, das Album klingt – auch wenn einige Songs schon älter sind – ein bisschen anders oder vielleicht sogar erwachsener als die Musik, die du vorher releast hast?

    Ich würde es nicht unbedingt als erwachsener betiteln. Es war eher eine andere Art von Arbeit. Ich habe mir für das Album die Zeit genommen, einen roten Faden durch das Gesamtwerk zu ziehen: Wie sollte der Sound des Albums sein, welche Gedanken bringe ich ins Album? Aber es ist auf jeden Fall etwas mutiger.

    „Es geht um Beziehungskrisen, zwischenmenschliche Herausforderungen“+

    Was würdest du so sagen, hat dich thematisch zu den Songs auf dem Album gebracht?

    Es gibt auf jeden Fall immer wieder krasse Umbrüche im Leben. Bei meinen ersten Songs, die rausgekommen sind, hat mich sehr viel der Umzug nach Hamburg und das Ankommen dort beschäftigt. Auch jetzt erinnere ich mich in Teilen oft noch an die Zeit. Es gibt auch ein, zwei Songs auf dem Album, die noch aus dieser Zeit stammen. Da war ich trotzdem überrascht, wie aktuell diese Gefühle immer noch für mich sind. Ich hätte die Songs auch nicht auf das Album gepackt, wenn ich mich nicht mehr mit ihnen identifizieren könnte. Dadurch, dass die Songs innerhalb von fünf Jahren entstanden sind, sind es alles eher einzelne, abgeschlossene Stories in sich und kein Konzeptalbum.

    Es geht um Beziehungskrisen und um die Herausforderungen jegliche Art von zwischenmenschlichen Beziehungen zu pflegen, wenn man so viel unterwegs ist, wie ich es die letzten zwei Jahre war, um den Traum von einer musikalischen Karriere zu verfolgen. Das sind die Dinge, die mich vor allem die letzten drei Jahre beschäftigt haben, seitdem ich Musik veröffentliche.

    Gibt es vielleicht trotzdem einen Unterschied in dem Fokus der Themen?

    Es geht auf dem Album auch viel um meine Rolle als Musikerin in der Musikwelt. Ich bin ja jetzt seit gut drei, vier Jahren in der Branche. Zwischenzeitlich ging es mir da nicht so gut. Auf dem Album reflektiere ich das und mich selbst mehr. Vor allem der Song „Easy Peeler“, dessen Titel ja auch das Album trägt, zeigt das. Zu Beginn meiner Musikkarriere war noch alles super frisch und aufregend. Aber so nach zwei, drei Jahren kam dann immer mehr Stress und Druck. Da fiel es mir schwer, meinen Weg dort durchzufinden. Diesen Leistungsdruck verarbeite ich auf dem Album in gewisser Weise.

    Magst du beschreiben, warum du dich so unwohl gefühlt hast?

    Da war auf einmal so ein Druck von außen, dem ab einem gewissen Punkt nicht mehr so gut standhalten konnte. Dazu kamen noch die eigenen Erwartungen, die dann immer höher wurden.

    „Ich hatte oft das Gefühl, dass Sensibilität und Emotionalität im Weg stehen“

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Du hast gerade schon gesagt, dass der Albumtitel „Easy Peeler“ das gut zusammenfasst. Magst du einmal erklären, was ein „Easy Peeler“ ist?

    Der Begriff „Easy Peeler“ hat mich schon beim ersten Hören fasziniert. Ich bin darauf in dem Song „Better Than Blue“ der Band Flyte gestoßen, und dieses Bild – etwas, das sich leicht schälen lässt, wie eine Clementine – hat sofort etwas in mir ausgelöst. Für mich stand das sinnbildlich für Sensibilität, für das Sich-Häuten, das Offenlegen der eigenen Schichten. Genau so habe ich mich in der Zeit gefühlt, als ich an meinem Album gearbeitet habe – sehr verletzlich, sehr emotional.Lange dachte ich, das seien eher Schwächen, besonders in der Musikbranche. Ich hatte oft das Gefühl, dass Sensibilität und Emotionalität einem im Weg stehen, dass man härter im Nehmen sein müsste. Aber ich habe gemerkt, dass gerade diese Eigenschaften meine größte Stärke sind. Ohne sie könnte ich gar nicht so schreiben, wie ich schreibe. Mein Bauchgefühl, meine Entscheidungen, meine Texte – all das hängt mit dieser Feinfühligkeit zusammen.

    Dadurch wurde „Easy Peeler“ für mich zum Symbol: dafür, dass es keine Schwäche ist, offen zu sein, sondern eine Form von Mut. Ich habe gelernt, dass man sensibel und gleichzeitig stark sein kann – entschlossen, selbstbewusst und trotzdem emotional. In unserer Gesellschaft wird das oft gegeneinander ausgespielt, besonders bei Frauen. Aber ich finde, man darf beides sein. Und ehrlich gesagt: Ich finde es schön, wenn Menschen ihre Emotionen zeigen – das bedeutet doch, dass sie sich sicher genug fühlen, sie zuzulassen.

    Wie zum Ende jedes unserer Interviews die Frage: Was ist dein untold secret? Dein Geheimnis, eine Geschichte, die bisher noch niemand kannte?

    Meine erste Band hieß Lina & Nina. Die hatte ich mit 11 Jahren. Da habe ich teilweise gerappt. Diese Aufnahmen bleiben wohl für immer ein secret.  

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Fotocredit: Charlotte Krusche

  • Noah Kahan bringt uns mit „The Great Divide“ vertrauten Folk aus Nordamerika

    Noah Kahan bringt uns mit „The Great Divide“ vertrauten Folk aus Nordamerika

    Nach dem Erfolg von „Stick Season“ ist Noah Kahan zurück mit einem neuen Album und bleibt seinem Folk-Sound bemerkenswert treu. Mit „The Great Divide“ liefert er einen Wiedererkennungswert, statt größer oder lauter zu werden und verarbeitet darin den Bruch zwischen Herkunft, Erfolg und Beziehungen – so ehrlich wie immer. 

    The Great Divide – in der erweiterten Version The Last of the Bugs inklusive der vier Bonustracks „Lighthouse“, „Orbiter“, „Staying Still“ und „A Few Of Your Own“ – fühlt sich weniger wie ein Neustart an, sondern eher wie eine Weiterentwicklung dessen, was Noah Kahan ohnehin schon außergewöhnlich gut kann: Geschichten erzählen, die sich einerseits sehr spezifisch und persönlich, andererseits aber auch universell und sehr relatable anfühlen. Die Mischung scheint genau richtig zu sein und hat seit dem Release unfassbar viele Menschen erreicht.

    In der Ruhe liegt die Kraft

    Was direkt auffällt: Dieses Album nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Gerade einmal vier der insgesamt 21 Songs bleiben unter vier Minuten und die Tracks wirken durch ihre Länge wie Gespräche, Erinnerungen oder Gedanken, die sich langsam entfalten dürfen, statt schnell vorbeizuziehen, wodurch das Album etwas Tagebuchartiges mitführt.

    Klanglich bleibt Noah Kahan klar in seiner Komfortzone (die ebenfalls auch meine ist, aka Folk) und das ist natürlich keineswegs negativ gemeint! Eine gute Mischung aus Singer-Songwriter-Melancholie und folkigen Gitarrenklängen machen das Album sofort als typisch Noah Kahan erkennbar. Wer Stick Season mochte, wird sich hier direkt zuhause fühlen. Gleichzeitig hört man aber, dass The Great Divide größer gedacht ist. Produziert von Gabe Simon und Aaron Dessner wirken manche Songs cineastischer, weiter und emotional aufgeladener, wobei der Sound reduziert genug bleibt, um Kahans Storytelling den Raum zu geben, den es verdient hat.

    Home Sweet Home

    Auch thematisch bleibt Noah Kahan dort, wo er am stärksten ist: zu Hause. Oder genauer gesagt: bei der komplizierten Beziehung zu dem Ort, aus dem man kommt. Vermont ist auch auf The Great Divide allgegenwärtig – nicht nur geografisch, sondern emotional. Wetter, Jahreszeiten und Natur werden wie auch auf dem vergangenen Album hier erneut zu Metaphern für mentale Zustände, Beziehungen und Veränderung und gerade diese Bildsprache macht Kahans Musik so besonders. Der Übergang vom Sommer in den Herbst (oder auch in die Stick Season) wird bei ihm nie nur meteorologisch erzählt, sondern steht fast immer für emotionale Verschiebungen, die auf dem Album erzählt werden.

    When The Seasons Change

    Besonders eindrücklich gelingt das direkt im Opener „End of August“. Der Titel sagt schon alles. Der Song fühlt sich an wie die letzten warmen Tage vor einem emotionalen Absturz und beschreibt eine seltsame Mischung aus Nostalgie, Lebendigkeit und unterschwelliger Angst vor dem, was kommt. Die Zeile „The minute that September hits, I’m goin’ off my medicine“ knüpft dabei direkt an Kahans wiederkehrende Auseinandersetzung mit mentaler Gesundheit an. Wie schon auf Stick Season wird der Wechsel der Jahreszeiten zu etwas Beängstigendem und der Übergang in die dunklen Monate wird zum Sinnbild für Isolation, Depression und das Gefühl, sich selbst zu verlieren.

    Relatable Stories To Tell

    Das emotionale Zentrum des Albums bleibt jedoch der Titeltrack „The Great Divide“. Hier verarbeitet Kahan die Distanz zu einem ehemaligen Freund und reflektiert darüber, wie sich Beziehungen über Jahre verändern können, bis irgendwann kaum mehr übrig bleibt als gemeinsame Erinnerungen, die einen verbinden. Besonders schmerzhaft wirkt dabei die Erkenntnis, dass Verbindungen manchmal nicht an einem großen Streit zerbrechen, sondern an kleinen Verschiebungen, Schweigen und Entfremdung. Der Song greift das Gefühl auf, dass man eigentlich nie so richtig weiß, wann Freundschaften vorbei sind, wann ein letztes Mal ein letztes Mal ist und man sich langsam voneinander entfernt und entfremdet. Es ist genau diese Art von emotionaler Ehrlichkeit, die Kahan so stark macht: Er schreibt nie über Schmerz, als hätte er Antworten darauf, sondern lässt seinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf.

    Auch „Downfall“ gehört zu den sehr starken Momenten des Albums. Der Song beschreibt die widersprüchliche Erfahrung, jemanden gehen zu lassen, gleichzeitig aber insgeheim zu hoffen, dass diese Person scheitert und zurückkommt. Dieses unangenehme Gefühl von Liebe, Besitzanspruch und Unsicherheit formuliert Kahan unangenehm ehrlich. Statt romantischer Selbstlosigkeit zeigt er vor allem die weniger schönen Seiten emotionaler Bindung.

    Through Other Peoples‘ Eyes

    The Great Divide lebt von Perspektivwechseln. „Porch Light“, geschrieben aus der Perspektive seiner Mutter, gehört zu den emotionalsten Songs der Platte, wobei er hier reflektiert, wie sich Ruhm und Distanz auf die Familie auswirken. Das Porch Light symbolisiert hier den Hoffnungsschimmer, dass Noah zurückkehrt – seine Mutter ist für ihn da und signalisiert, er hat immer einen Platz zuhause.

    „Oh, when my weight left the room, did you take a deep breath?

    Mit Songs wie „23“ oder „Willing and Able“ bewegt sich Kahan erneut zwischen Nähe und Distanz, Sucht, emotionaler Abhängigkeit und Selbstzweifeln. Immer wieder kreist das Album um dieselbe Kernfrage: Wie hält man Beziehungen aufrecht, wenn sich Menschen verändern oder wenn man selbst nicht mehr genau weiß, wer man geworden ist?

    4/21

    Die vier Bonustracks von The Last of the Bugs fühlen sich dabei keineswegs wie Resteverwertung an. Besonders „Lighthouse“ fügt sich thematisch nahtlos in Kahans Blick auf Heimat und Veränderung ein, während „Orbiter“ eine Liebeserklärungen auf dem Album liefert. „Staying Still“ bringt dagegen eine fast ironische Leichtigkeit hinein, obwohl auch hier Verlustangst und Distanz mitschwingen.

    Noah Kahan Halbportrait

    Das Album ist unterm Strich emotional vielseitig, einige Themen (Heimat, Weggehen, emotionale Entfremdung) wiederholen sich jedoch, stehen aber auch für das Markenzeichen Kahans. Wer also auf eine komplette Neuerfindung nach Stick Season gehofft hat, wird hier nicht auf seine Kosten kommen.

    Aber vielleicht ist genau das der Punkt: The Great Divide will keine musikalische Revolution sein. Stattdessen ist es ein Album über Zwischenräume: zwischen Zuhause und Aufbruch, Vergangenheit und Gegenwart, Nähe und Distanz. Noah Kahan bleibt der Erzähler kleiner, zutiefst menschlicher Gefühle und beweist erneut, dass gerade das Persönliche oft am universellsten wirkt. The Great Divide klingt wie eine lange Autofahrt zurück in eine Heimat, die sich verändert hat – oder vielleicht nur man selbst.


    Fotos: Patrick McCormack

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

  • Luca Fogale im Interview: »We’re all nudging this world in a direction«

    Luca Fogale im Interview: »We’re all nudging this world in a direction«

    Nachdem wir uns bereits im Januar intensiv mit der Welt vom Album Challenger beschäftigt haben, ist Luca Fogale mit seinem neuen Material nun auch live in Europa zu erleben. Während seiner aktuellen Tour hat er sich Zeit genommen, um über die Reise hinter dem Album zu sprechen und darüber, wie sich seine Songs auf der Bühne zu einem großen Ganzen zusammensetzen.

    Im Gespräch wird deutlich, wie eng Kunst und Identität bei ihm miteinander verwoben sind und dass Musik für ihn vor allem eines bleibt: ein Ausdruck von Dankbarkeit und ehrlicher Auseinandersetzung mit sich selbst.

    Luca Fogale im Interview

    Thank you so much for coming.

    My pleasure.

    First of all, how are you? How has Europe treated you so far?

    It’s been great, always great. It was my first time in Scandinavia. We had three shows in Scandinavia, and I’ve always wanted to go there. But to be back here in Germany feels really familiar, so I’m having a great time.

    That’s great to hear! So, who have you been listening to a lot lately on the road?

    The record I’ve been listening to the most lately is, it’s an old record, Donny Hathaway Live At The Bitter End. It’s a live set from the early 70s. And the other album I’ve been listening to is Rosalía’s album Lux. It’s creative beyond belief.

    Do you feel inspired by these albums? Or is there anything else you’re currently inspired by, musically or beyond?

    I’m mostly in awe of these albums. When I listen to music, I’m usually just a fan. So I don’t listen to a lot of music in my genre. The music I make sort of just feels like it – it doesn’t really get influenced by anything, it’s sort of just my music in a strange way, if that makes sense.

    Yes, it does.

    People are always surprised by what music I listen to because I don’t listen to, you know, I get called indie-folk or contemporary, and I don’t listen to that kind of music (laughs).

    Any particular reason why you don’t listen to this kind of music?

    I don’t think so (laughs).

    Luca Fogale. Foto: Brandon Artis.

    Speaking of music, you released some new music at the beginning of this year. Congratulations, first of all, it’s a very beautiful collection of songs. The title track Challenger had been with you for about five years – what made it take so long to release? And at what point did you feel the song was finally finished and that this album was the right place for it?

    The older I get, the closer I got to what the idea represented for me, which was someone who is deconstructing themself, sort of taking a step back from who they are and wondering what it was that made them that way, you know, wondering what shapes us into the people that we are. And thinking about what we want to leave behind and what we want to carry forward.

    And so, the older I get, the more I think about how I show up in this world, what I contribute to it, and how much influence I can have over that, how much care I can have over that. I feel like we’re all nudging this world in a direction, every one of us has their own little tiny influence on it and so I am thinking a lot about my place in this world. I think it’s just a symptom of getting older and wanting not to get caught in patterns that aren’t serving myself or anyone else.

    So with getting older, this realization came and you felt like the track found its place?

    Yeah, absolutely.

    „It feels purposeful“

    Talking about finding your place, finding who you are – you seem like a very calm and grounded person in conversation. Do you think that translates into your songs? Or would you say your artistic expression is different from how you come across as a person?

    Well, I think that music occupies a large part of my life and also a large part of my identity. Obviously, I am a person outside of my music, but I’ve noticed the longer I spend in this career, the more fused my identity is with my music.

    So, when I think of myself – what do I think of when I think of myself? I think about music, mostly. But of course I have my bad days. I think I am becoming more one thing with this project in an interesting way. I’ve heard it recommended a few times that being a professional in the arts – you want to separate yourself from your art so that no matter how another person feels about what you do, it doesn’t have to represent everything that you are, it doesn’t have to impact your identity.

    Not on purpose, but I’ve gone the other direction, and I’ve gotten so close to who I am in a song, who I am on stage. And getting closer to that, it does feel a little bit vulnerable. There is less room for error, I think.

    So I think that the way I am in life and the way I am in music are quite close in that sense. It’s a product of spending so much time thinking about all these songs and about these shows. And also recognizing the gift I am given by having people’s attention, which is so special and so sacred. So I am wanting to honor that by paying really close attention. There is a lot to think about, obviously, but it feels good, it feels purposeful.

    I can see how it’s difficult to keep these two apart, but I think it’s important that you’re not one hundred percent the same because that is impossible.

    Your whole life would be a performance, yes.

    Besides the calmness – are there other states or emotions that you bring into your songs or that you find yourself returning to in your songwriting?

    I think I am trying to reflect gratitude and hope more lately. It also feels real and honest to represent anger and hurt and frustration, kind of the full spectrum of who we are as people. I am trying to lean further into – and I talk about this in the show – sort of the brighter emotions in life. I don’t see myself ever making an album of songs that feel purely positive because I don’t expect, but I also don’t want my life to be that way. I feel like the spectrum is getting a bit more dynamic.

    „It’s so beautiful to share something with people“

    That is sort of where my next question comes in…

    These are excellent questions, by the way!

    Thank you so much. So, comparing Challenger and Run Where The Light Calls, what would you say has changed or evolved in your sound or perspective? Does that have to do with what you just said – the spectrum getting broader?

    Yeah, I think so. RWTLC felt or feels a bit more lost, a bit more desperate.

    I feel like I am slowly becoming more confident in expressing the ideas that I have. I’ve spent a lot of my writing expressing questions. There are a lot of open-ended questions in my music that I don’t think ever conclude, but I am finding more answers in songs now, which in some ways are answers to the questions I used to have, too.

    Challenger feels more of a complete thought, a bit of a closed loop. When I finished writing it, I had the lyrics in my notebook, and when I looked at all of them, it felt like it made sense as a story. And that was really special. So I think that’s where they’re different. RWTLC feels a lot more open-ended. Challenger is a loop that’s closed, it’s circular.

    That’s what it felt like to me too when I listened to it. So now you’re performing the album live for the first time, and yesterday was the first show with a band. Is there a reason why you’re bringing a band now? How does touring and being on stage with a band differ from performing solo for you?

    They are very, very different. So I’ve fallen in love with touring with these guys and the band. It’s so much more restorative and energizing to be able to share everything with other people, in the same way as friendships, family, and relationships. It’s so beautiful to share something with people. And that’s what we do here, too. 

    There is always gonna be a part of me that wants to tour solo because it’s such a different experience. Being one with an audience – that’s all that the show is. It’s sort of one dialogue. Having these shows in Scandinavia solo reminded me of that. We did some small album listening shows in Vancouver, and it was really cool, really emotional, and very special.

    In the most simple way, it feels like a one-on-one conversation with an audience. Everyone is an individual in the audience. For me, here with the band show, it feels like we are all in the same room together. It feels like a collective experience versus the individual experience. This I could do forever with the band. I could go all year. There is a certain amount of solo touring that I can do before I get a bit too far into myself, I sort of start to collapse. Because I am not just alone on the stage, I’ll be alone in the hotel, on the drives. So it’s a big shift to have company – the best company – here.

    So in the most simple sense, it’s an individual experience versus a collective experience, which is why this can feel so sustainable.I love traveling the world with these guys, it’s so amazing.

    Luca Fogale. Foto: Raunie Baker

    Also, when you’re on stage with a band, your songs are closer to what they are on the album than when you perform solo. So far, we heard an alternate version of “Horizon” – can we expect more alternate or acoustic versions of your songs from Challenger in the future?

    Yes. Thanks for asking.

    Do you think your relationship to performing live has changed over time with the albums or in general?

    It must have. That is a great question.

    I think so. I feel like singer-songwriter music is inherently honest because it’s just one person singing. Nothing to hide behind. I think the music is the music, and that’s one thing. I play the songs that I’ve written, and I feel more and more comfortable playing them.

    But I think the dialogue has changed a lot – what I say in between songs. I think about that just as much as I think about the songs because I want it to feel like a holistic experience.

    Like I really love film, I love theater. And mostly what I love about that is that there is typically an unbroken line of a story. I think what I used to do at shows was try to lighten things up in between songs, lighten the mood and take the tension off if I thought I was falling too deep into the melancholy of the songs.

    Whereas now, because of my catalogue changing a bit, I don’t ever want someone to be pulled out of the experience of the music. So when I think about the show now, I think about how far can we go together? I think it’s important to be expressing oneself to an audience in between the songs, I think it’s a very important part. But my fear is that I don’t want to lose anybody.

    Let’s say someone drops a bottle, the audience gets pulled out of the show. What I want is – well, you have to be in the film. Like you’re really watching it and you never feel as though the line gets broken. So in a perfect world, there’d be staging and more lighting; sort of what we do in North America with bigger shows. Obviously, we have to take a smaller version here. But to give the audience that unbroken experience of one story. That is what I am trying to build. I am trying to take care of the songs and the dialogue in a way that it feels as though they are one piece.

    Because musicians are always storytellers, right?

    For sure.

    Where would you want to tell your story then? Is there a venue or festival you would particularly love to play at one day?

    I don’t think so. I am happy about everything. I love it all.

    And the last question – if you weren’t making music today, what do you think you would be doing instead?

    I think about that a lot. First of all, if I wasn’t playing music, I would find another way to express the same ideas. I always thought of writing as very pure. Any kind of authorship, writing a novel or something. But if I wasn’t working in music, I think I would want a job that was outside. I fantasize about being an arborist. Yes, something outdoors. I think I am understanding how special it is to be outside a lot. So I am trying to do that more regularly, but I spend a lot of time indoors with music. In the studios, writing at home, touring – you’re in a van, you’re in a hotel, or in a theater. Always inside. And I think the opposite is attractive to me.

    Well, thank you so much for taking the time.

    These were wonderful questions.

    Thank you again. Very kind. I am super excited for the show, and it was lovely to meet you.

    Hier könnt ihr „Challenger“ von Luca Fogale hören:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Fotos: Raunie Baker, Brandon Artis

  • Philine Sonny im Interview: »Musik machen ist messy – und das sollte es auch sein«

    Philine Sonny im Interview: »Musik machen ist messy – und das sollte es auch sein«

    Musik macht und veröffentlicht Philine Sonny schon seit einigen Jahren. Auf ihr Debütalbum hat sie uns allerdings ziemlich warten lassen, doch jetzt können wir es endlich hören. „Virgin Lake“ ist eine Sammlung musikalischer Werke der Bochumer Künstlerin, die alles alleine produziert in ihrem Wohnzimmer. Mit viel Liebe zum Detail und vor allem einer stets großen Portion Ehrlichkeit kommen die 14 Songs auf dem Album daher.

    Philine Sonny spricht im Interview unter anderem darüber, wie Therapie, eine Beziehung und ein persönlicher Wendepunkt ihre Musik verändert haben. Es geht um Rückblicke, Kontrollverlust und den Versuch, sich selbst zu verstehen.

    Philine Sonny im Interview

    Hey, schön, dass du dir die Zeit genommen hast. Wie geht’s dir?

    Mir geht’s ganz gut. Ich bin im Moment ein bisschen im Handysumpf und das stört mich ein bisschen. Aber ich versuche, mit Stricken dagegen anzukämpfen.

    Das klingt nach einer sehr guten Ablenkung. Was ist dein aktuelles Strickprojekt?

    Ich fange gerade erst richtig an. Ich habe ein bisschen geübt und jetzt mache ich direkt einen Pulli. Ich dachte mir: Ich mache direkt etwas, das ich auch wirklich trage. Man macht sonst so oft Sachen, die man eh nicht anzieht oder nutzt.

    Fair. Ich habe letztes Jahr versucht, mit Häkeln anzufangen, und mein erster Topflappen war so schräg, dass mich das komplett demotiviert hat.

    Dann ist Stricken vielleicht einfach was für dich.

    Ich werd’s mal testen! In letzter Zeit ging ja dieser „2016“-Nostalgie-Trend rum. Erinnerst du dich noch an das Jahr?

    Ich habe tatsächlich schon nach Fotos gesucht, aber keine mehr gefunden auf meinem Handy. Aber es war das Jahr nach dem Tod meines Opas, zu dem ich sehr eng war. Deshalb war es eher schwierig für mich. Gleichzeitig war es aber auch das Jahr, in dem ich angefangen habe, mehr Musik zu machen. Ich war so 14 oder 15 Jahre alt und habe angefangen, Songs zu schreiben. Aber insgesamt war es eher ein schwieriges Jahr.

    Verständlich. Kommen wir lieber wieder zurück in die Gegenwart. Gibt es Artists, die dich gerade inspirieren?

    Das Album von Rosalía fand ich richtig krass. Es ist total anders als das, was ich sonst höre, aber gerade deshalb so spannend. Ihre Stimme und die Vocal Production – ich glaube, sie macht das auch selbst – finde ich extrem beeindruckend. Und sonst höre ich gerade Saya Grey. Die finde ich auch sehr cool.

    „Durch Therapie habe ich verstanden, dass es nicht nur um mich geht, sondern um ein größeres Ganzes“

    Lass uns über dein Album sprechen. Du hast es in vier Teile aufgeteilt, aber es erzählt trotzdem eine durchgehende Geschichte. Worum geht es?

    Für mich ist die Geschichte ein bisschen rückwärts aufgerollt. Das Album fängt eher laut und chaotisch an und wird dann ruhiger und vielleicht auch erwachsener. Chronologisch ist das aber eigentlich umgekehrt. Ein bestimmtes Event in meinem Leben war so eine Art Auslöser – eine Krise, ein Wake-up-Call. Darauf ist vieles hinausgelaufen. Und von diesem Punkt aus habe ich angefangen zurückzuschauen: Was ist eigentlich passiert? Wo kommt das alles her? Wie bin ich geworden, wer ich bin? Wie sind die Menschen um mich herum zu dem geworden, was sie sind? Am Anfang geht es viel um meine eigenen Gefühle, um Frust und Traurigkeit. Aber durch Therapie habe ich irgendwann verstanden, dass es nicht nur um mich geht, sondern um ein größeres Ganzes. Gegen Ende kommt mehr Verständnis dazu, mehr Perspektive auf das Gesamte. Es ist ein bisschen kompliziert, aber im Kern geht es um dieses Zurückblicken und Verstehen.

    Wenn du jetzt auf deine erste EP zurückblickst – wie fühlt sich das für dich an?

    Es ist krass zu sehen, wie viel sich soundmäßig verändert hat. Ich habe ja alles selbst produziert, und deshalb bin ich besonders stolz darauf, wie ich mich entwickelt habe. Der Sound kommt jetzt viel näher an das ran, was ich mir damals schon vorgestellt habe. Ich bin aber auch stolz auf mein jüngeres Ich, das einfach gesagt hat: „Ich mache das jetzt.“ Und ich bin sehr dankbar für die Leute um mich herum, die mich darin bestärkt haben, das alleine zu machen.

    Du hast mal  – ich glaube in einem Video – gesagt, dass du durch Therapie erst lernen musstest, wütend zu sein. Gibt es Gefühle, die dir immer noch schwerfallen?

    Ja, auf jeden Fall. Ich bin jetzt mit 24 zum ersten Mal in einer Beziehung, und dadurch merke ich Dinge, die vorher gar nicht hochgekommen sind. Ich dachte immer, ich wäre sehr offen mit meinen Gefühlen. Aber jetzt merke ich, dass es mir gar nicht so leicht fällt, mich wirklich verletzlich zu zeigen oder nicht perfekt zu sein. Mit Freund*innen ist das einfacher, weil sich die Gefühle weniger intensiv anfühlen. In einer Beziehung ist das nochmal eine ganz andere Ebene.

    „Positive Songs sind oft schwerer, weil sie schnell oberflächlich wirken“

    Gab es auch Songs auf dem Album, die besonders schwierig waren?

    „Dog Bite“ war extrem schwierig. Mein Manager meinte: „Schreib doch mal einen fröhlichen Song.“ Das war für mich eine totale Herausforderung. Ich habe bestimmt ein Dreivierteljahr daran gearbeitet. Positive Songs sind oft schwerer, weil sie schnell oberflächlich wirken. Wenn es einem gut geht, analysiert man Dinge nicht so sehr. Bei traurigen Songs gibt es mehr Konflikt, mehr Perspektiven. Außerdem sind in dem Song viele doppeldeutige Referenzen versteckt, die sich auf andere Songs beziehen. Deshalb hat das so lange gedauert.

    Wie lange hast du insgesamt am Album gearbeitet?

    Der älteste Song ist von 2021. Richtig bewusst angefangen habe ich am 22. Juni 2024, da habe ich mir gesagt: Jetzt mache ich das Album fertig. Zu dem Zeitpunkt waren vielleicht 60 % der Songs schon in irgendeiner Form da. Ich arbeite nicht klassisch mit Demos – vieles fließt direkt in die finale Produktion ein. Insgesamt waren es also schon ein paar Jahre.

    Du hast auch einen Song mit Shelter Boy und Brockhoff gemacht. Hast du Lust auf mehr Kollaborationen?

    Ja, aber ich bin nicht so gut darin. (lacht) Ich finde es schwierig, mich mit jemandem hinzusetzen und gemeinsam etwas zu schreiben. Es war noch eine Kollab geplant, die dann zeitlich nicht geklappt hat. Aber grundsätzlich habe ich Lust, das mehr auszuprobieren.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Dein Album hat auch einen sieben Minuten langen Song – das sieht man eher selten. Setzen dich Trends wie kurze Songs oder Social Media unter Druck?

    Social Media stresst mich extrem. TikTok, Instagram, YouTube Shorts – jede Plattform funktioniert anders. Und gerade in der Release-Phase vor dem Album habe ich kaum Zeit, Musik zu machen, weil ich ständig Content produzieren soll. Das zerstört für mich den kreativen Prozess. Musik machen ist messy – und das sollte es auch sein. Aber sobald eine Kamera läuft, wird alles künstlich. Was Songlängen angeht, bin ich entspannter. Da lasse ich mir nicht reinreden.

    Worauf freust du dich dieses Jahr – außerhalb des Albums?

    Ich freue mich darauf, wieder neue Musik zu machen. Das Album ist sehr autobiografisch, und jetzt habe ich Lust, mal anders zu arbeiten – mich von Bildern oder Gedichten inspirieren zu lassen.

    Das klingt schön, da bin ich schon gespannt. Zum Abschluss: Deine „Untold Story“ – etwas, das du noch nie erzählt hast?

    Ohja, da gibt es etwas. Meine allererste Tour mit Band waren damals vier Dates, verteilt auf zwei Wochenenden. Und ich habe zu der Zeit gerade erst angefangen, Alkohol für mich zu entdecken – ich habe bis ich 21 war eigentlich gar nichts getrunken. Irgendwer hat dann aus Spaß auf unseren Rider einfach Gin Tonic geschrieben. Und ich habe das komplett unterschätzt. Es war auf jeden Fall keine gute Idee. Ich trinke seitdem auch nicht mehr, wenn ich spiele. Nach der letzten Show kam jemand zu mir und wollte, dass ich ihr ein Tattoo zeichne. Ich war wirklich ziemlich betrunken und habe noch gesagt: „Bist du dir sicher? Das ist keine gute Idee.“ Aber sie wollte unbedingt. Ich habe dann versucht, einen Briefumschlag zu zeichnen – der sah schon echt schlecht aus. Dann noch einen zweiten, der auch nicht besser war. Am Ende meinte sie: „Schreib einfach den Titel.“ Also habe ich „Postcards For Mom And Her Friends“ aufgeschrieben… allerdings mit einem Rechtschreibfehler. Ein halbes Jahr später hat sie mir ein Foto geschickt: Sie hat sich das tätowieren lassen. So relativ groß auf den Bauch. Mit den hässlichen Umschlägen – und mit dem Fehler im Wort.

    Oh no.

    Ja, das tat mir wirklich leid.

    Für’s nächste Mal bist du dann ja vorbereitet.

    Mir ist das auch nochmal passiert, dass Leute nach einem Tattoo-Motiv gefragt haben. Aber dann habe ich das Albumcover zu „Virgin Lake“ gezeichnet, da kann nichts falsch laufen.

    Das klingt nach der sicheren Variante. Trotzdem danke dir, dass du diese Geschichte mit uns geteilt hast und bis bald!

    Danke, Anna, das war schön.

    Hier könnt ihr „Virgin Lake“ von Philine Sonny hören:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Fotos: Emil Gentes

  • „Helgoland“ – zwischen Großstadt Expressionismus und Space Oddity

    „Helgoland“ – zwischen Großstadt Expressionismus und Space Oddity

    Das Gefühl der Entfremdung

    Einsamkeit, Anonymität, ein Eremit sein – „Helgoland“ zeigt was der Individualismus, das Leistungsstreben unserer Zeit auch bedeuten kann. „Eremit“ ein Wort, dass ich erst seit der Recherche zu Trixi Linden kenne, denn die Band hat bereits drei äußerst empfehlenswerte Songs auf Youtube geteilt. Die Videocollagen zu den Songs sollte man auf jeden Fall anschauen.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Helgoland„- ein Indie Album, dessen mechanische und sanfte Songs eine tranceartige Wirkung haben. Die Band erreicht das durch viele Wiederholungen und den Minimalismus ihrer Instrumentals.

    Wer ist Trixi Linden? Wozu haben ihre Eltern geknutscht?

    Trixi Linden – die Band – stehen für deutschsprachigen Indie-Synthie-Gitarrenpop mit analoger Wärme, elektronischer Klarheit und einer unaufgeregten Stimme. Trixis Eltern tanzten zu „New Order“ und knutschten zu „Human League„. Spielt die Band live, übersetzen sie ihre Songs in Versionen, zu denen man gut dancen kann. Trixi Lindens ist auch begründet durch die vielen Begegnungen in dem Bandgeflecht Hannovers. Sie endet damit, dass Sandra und Mathias eine Indieband namens Phono gründeten. Nils remixte dann einen Ihrer Songs und wumm das war dann quasi – wie Djo sagen würde- the End of Beginning . Und a better love story than – ihr wisst schon…

    Ausflug in das innere eines Computers

    Videostar“ klingt nach einem Ausflug in den Computer. Vor meinen Augen entstehen grüne Ziffern, die über den Bildschirm rasen, während ich zuhöre. Beendet man das Autoplay nach dem Song, hallt immer noch nach:

    „Dann erkennt man dich auf den Monitor, sie erkennen dich“ – Videostar, Trixi Linden

    David Bowies Space Oddity“ auf Deutsch: Welten, der zweite Track des Albums, lässt uns schwerelos im Raum irren.

    Leichtigkeit versprüht der Song „was ich will„. Er erzählt von der Freiheit, die man sich im erwachsenem Leben gewünscht hat, und auch von den Alltagslasten, die man tragen muss. Den Titel könnte man quasi als Abkürzung von „ich mach alles, was ich will, und dann noch das, was ich muss“ verstehen.

    Der Wunsch nach Ruhe und Stillstand

    Helgoland„, der titelgebende Track des Albums, grenzt sich klanglich stark von Stücken wie „Welten„, „Dimensionen“ oder „GPT“ ab. Die Gitarre und der Beat rutschen im Laufe des Songs in die Ferne. Zusammen mit der halligen Stimme fühlt sich die Ruhe, der Stillstand, der auf „Helgoland“ herrscht, nur wie ein Traum an. Es gibt einen Kontrast zwischen dem Großstadtleben, das stark durch Technik und dem Gefühl von Entfremdung geprägt ist, und der Entschleunigung auf Helgoland.

    Schwerelos im Loop

    In „Dimensionen“ wirren wir schwerelos in einem Loop. Die Sehnsucht nach Navigation ist spürbar, aber wir sind nach Trixi Linden nicht in der Entscheidungsposition, sondern auf „Autopilot im treibendem Raum“ und „noch so weit entfernt“ – „wir haben verlernt zu sehen“. Vielleicht kann euch ja „Helgoland“ kurz die Sonnenbrille aus “ They live!“ aufsetzen.

    Mehr von Trixi Linden..

    Live sehen und genießen kann man Trixi Linden am…:

    17.04. Coverfestival Bei Chez Heinz, Hannover

    20.06. Spandau Projekt, Hannover

    14./15.08. Obernair

    und direkt von Zuhause hören kann man sie hier.

  • Zwischen Stroboskop, Energie und Dopamin pur: So war Wet Leg am 09.11.2025 in Berlin

    Zwischen Stroboskop, Energie und Dopamin pur: So war Wet Leg am 09.11.2025 in Berlin

    Nika und Noée, Schülerinnen der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, waren am 09.11.2025 auf dem Konzert von Wet Leg in der Columbiahalle in Berlin und berichten von ihrem Erlebnis.

    Columbia Halle ausverkauft

    Am 09. November 25 spielt Wet Leg im Rahmen ihrer fast vollständig ausverkauften Europa Tour nun auch in Berlin. Das britische Indie Rock Duo, bestehend aus Rhian Teasdale (Gitarre, Gesang) und Hester Chambers (Gitarre und backing Vocals), hat im Juli das zweite Studioalbum “moisturizer” veröffentlicht und bringt dies nun gemeinsam mit ihrer Band auf die Bühne. Mit beeindruckender Power und mitreißender Stagepresence schaffen die beiden es, ihr Publikum zu begeistern und ziehen die volle Columbiahalle in ihren Bann. Damit zeigen sie, dass Wet Leg deutlich mehr Wert sind als der anfängliche Socialmedia-Hype, den sie 2021 mit ihren ersten zwei Singles “Chaise Longue” und “Wet Dream” erzielten.

    Power Posing und Action von Sekunde 1

    Die Show startet gegen 21 Uhr nach der Vorband faux real, einem französisch amerikanischen Art Pop Duo, das theatrical Performance mit Hyper Pop kombiniert, und einer kurzen Pause gleich richtig durch. Die Spannung im Publikum ist deutlich zu spüren, die Erwartungen sind groß. Und wir werden nicht enttäuscht. Als Teasdale, begleitet von Stroboskop-Licht aus einer dichten Nebelwand an den Bühnenrand tritt und zu flexen beginnt, schreit die Menge vor Begeisterung. Als Opener werden wir mit “catch these fists”, der zweiten Single des aktuellen Albums, direkt gefesselt. Die fetzigen Gitarrenriffs und harten Schlagzeugbeats zusammen mit der rohen Energie bringen die Crowd sofort in Stimmung und setten den Tone für den restlichen Abend.

    Kompaktes Set – auch für kurze Aufmerksamkeitsspanne

    Die Setlist ist ein ausgewogener Mix aus Staples des ersten Albums, Fan-Favorites und neuen Hits. Nachdem das Konzert mit “catch these fists” und “wet dream” mit zwei der bekanntesten Songs beginnt, nimmt die Stimmung auch im Laufe des Abends nicht ab. Es folgt ein kompaktes Set mit kaum Unterbrechungen. Die Songs gehen nahtlos ineinander über, so wird die unglaublich ansteckende Energie sowohl auf der Bühne als auch im Publikum durch die ganze Show aufrechterhalten. Fast zum Ende des Sets kommt mit “Chaise Longue” wieder ein absoluter Banger. Der Song, mit dem alles begonnen hatte, hittet nochmal anders. Die Power im Raum scheint geradezu greifbar, als Fans Wort für Wort lauthals mitsingen.

    wetleg, concert, music, berlin, columbiahalle, untoldency, review, live

    Super Vibes und Community Feeling

    Die Atmosphäre schwebt irgendwo zwischen Power, Enthusiasmus und andächtiger Hingabe. Das Publikum, das sowohl in Alter als auch in Gender überraschend durchmischt ist, singt bei allen Songs laut und voller Begeisterung mit. Alle scheinen voll im Moment zu sein. Es wird mehr getanzt als gefilmt. Eine faszinierende Mischung aus Energie und Intimität entsteht durch eine Art von Gemeinschaftsgefühl, angetrieben durch eine geteilte Passion für Musik. Auffällt, dass es kaum Interaktionen zwischen Wet Leg und der Crowd gibt. Es werden kaum Ansagen gemacht, kein Kontext, nur Musik. Trotzdem herrscht eine vertraute Stimmung – auch ohne langes Reden.

    Sichtweite: 5 Meter max.

    Die Bühne ist die ganze Show über in einen dichten Nebel gehüllt, zerrissen von harten Strobo-Effekten in Weiß und Orange. Da der hintere Teil der Bühne nur schemenhaft zu sehen ist, liegt der Fokus fast ausschließlich auf Rhian Teasdale, welche uns mit ihrer Präsenz und Power-Performance alle flashed. Die Outfits der Band sind farblich schlicht in schwarz-weiß gehalten, wodurch Teasdales neongrüne Gitarre und pinke Haare spannende Kontraste in das sonst relativ minimalistische Bühnenbild bringen.

    Perücken und Seifenblasen

    Für ein paar Songs kommt ein Special Guest auf die Bühne. Die Band stellt ihn nur kurz als “Tamburine Guy” vor. Da er im hinteren Teil der Bühne kaum zu sehen ist, fällt nur seine enorme, zottelige Perücke auf, die fragwürdig macht, inwiefern er überhaupt etwas sehen kann. Nichtsdestotrotz hindert dies den mysteriösen Unbekannten scheinbar nicht am Musizieren. Ein weiteres Highlight: Gegen Ende kommen plötzlich Seifenblasen von der Seite, die die Bühne und alles drum herum in nebelige Bubbles hüllen und eine mystische, düstere Atmosphäre über den Raum legen. Die Securities vorne an der Absperrung haben sichtlich Spaß dabei, die Blasen platzen zu lassen – wofür Teile des Publikums applaudieren und so für einen denkwürdigen Moment sorgen – eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Publikum und Sicherheitsdienst.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Wie in Trance

    Nach 75 sehr intensen Minuten endet das Konzert mit “mange tout” so plötzlich, wie es begonnen hat. Keine Verabschiedung, keine Zugabe. Die Band verschwindet wieder im Nebel und lässt das Publikum sprachlos und verschwitzt, aber glücklich zurück. Völlig außer Atem müssen wir erst einmal realisieren, was gerade passiert ist. Das grelle Raumlicht bringt uns unsanft zurück in die Realität, während wir uns von der Masse in Richtung Garderobe schieben lassen.

    Alles eine Frage der Einstellung

    Als wir uns nach dem Konzert zusammensetzen, merken wir ziemlich schnell, dass wir die ganze Experience sehr unterschiedlich wahrgenommen haben. Auf Nika wirkte die Show etwas oberflächlich. Da sie bisher vor bei allem Pop-Konzerten war, hat sie sich von der Band nicht wirklich abgeholt gefühlt und hätte sich mehr Connection und direktere Interaktionen mit dem Publikum gewünscht.

    Ich hingegen war begeistert von dem Konzert. Wirkliche Erwartungen hatte ich vor dem Abend nicht und so hat mich Teasdales krasse Ausstrahlung und die energetische Dynamik der Band sofort in ihren Bann gezogen. Mir hat das gezeigt, dass Musik nicht unbedingt viele Worte braucht, um in Perspektive gesetzt zu werden, um zu bewegen. Ich fand es überraschend befreiend, während der Show mit meinen Gedanken allein gelassen zu werden und konnte mich so ganz in den Songs verlieren.

    Insgesamt kann man sagen, dass es einfach sehr darauf ankommt, was man sich unter einem guten Konzert vorstellt. Wer also eine klassische Pop-Performance erwartet und von den Künstler*innen an die Hand genommen und durch einen Abend voller persönlicher Anekdoten geführt werden will, kommt bei der wet leg Tour nicht unbedingt auf seine/ihre/* Kosten. Wer aber eine einfach unglaublich powervolle Show erleben möchte, die einen komplett in ihren Bann ziehen kann und für einen unvergesslichen Abend sorgt, ist bei Wet Leg gerade richtig.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

  • „Be the Challenger“ – Luca Fogale fordert im vierten Studioalbum sein eigenes Selbst heraus

    „Be the Challenger“ – Luca Fogale fordert im vierten Studioalbum sein eigenes Selbst heraus

    Neues Jahr, neuer Folk aus Kanada: Luca Fogale legt mit Challenger einen eindrucksvollen Start in 2026 hin und liefert eine intime Kollektion von Songs, die berühren und uns ein Stück weit Einblicke in die Persönlichkeit des Singer-Songwriters gewähren. Ganz nach seinem Prinzip „every word matters to me” wirkt jede Zeile bewusst geschrieben, jede Pause bedacht gesetzt. Fogale veröffentlicht Songs nur dann, wenn sie für ihn einen Mehrwert für die Welt haben – und dies merkt man dem Album an. 

    Nach dem Motto „in der Ruhe liegt die Kraft” ist Challenger eher leise als laut gestaltet und Fogale bleibt somit seinem bisherigen Sound treu. Er schrieb die Songs in ruhigen Zwischenmomenten des Tourlebens, oft zurückgezogen in einer kleinen Hütte in British Columbia. Diese Abgeschiedenheit hört man der Platte an: Sie wirkt wie ein emotionaler Rückzugsort. Neben sanften Worten findet sich auf dem Album gleichzeitig ein Drang zur Konfrontation und Selbstreflexion. Challenger ist eine Sammlung, deren Funktion es nicht ist, ein Statement zu setzen, sondern Raum für Fragen und Auseinandersetzungen zu bieten. Es geht um Gedanken zur eigenen Vergangenheit, erlernte Muster und die Frage, wer man eigentlich werden möchte.

     „I will not give up, I do not fear death”

    Im Opener „Everything“ spricht sich Fogale selbst Mut und eine gewisse Verpflichtung zum Wachsen zu. Mit Zeilen wie „all of the light that you never could see, it flows in your veins” und „I know what it’s like, feeling everything, feeling nothing” wird der Reflexionsprozess, dem das Album folgt, eröffnet.

    „Could I begin? / Could we begin?”

    Los geht es mit der Frage des Neuanfangs. Wie kann man sich neu entfalten, sich neu entwerfen und was passiert, wenn alles Bekannte einen verlässt? Als erste Single vom Album findet sich „Begin„– ein Song, der sich diesen Gedanken aussetzt. Sanfte Gitarren tragen eine existenzielle Selbstbefragung, die im Refrain von einem „I“ zu einem kollektiven „We“ kippt und seine Nächsten miteinbezieht. Im Zentrum stehen der Wunsch nach Erneuerung und die sehnsüchtige Flucht aus Gleichgültigkeit. 

    „hold on for all that lasts”

    Auch im nächsten Song schwanken zwei Perspektiven hin und her: der Drang, alles bewahren zu wollen und die Erkenntnis, dass nichts bleibt. „For“ ist gleichzeitig eine Reflexion über Zeit und Vergänglichkeit als auch eine Erinnerung an Dinge, die wichtig sind und an denen man festhalten sollte. Kleine Chöre im Hintergrund verleihen dem Song etwas Hymnisches übers Menschsein, während sich die Lyrics zwischen Ehrgeiz und Demut bewegen.

    „cause too often these days, I can’t see the use, I lose track of the road, I lose sight of the truth, oh I’d be lost, I’d be lost without you”

    Was jedoch immer währt, ist Liebe. Der nächste Track, „Lost Without You”, ist ein zarter, klaviergetragener Liebessong über das Angenommenensein, und darüber, wie schwer es ist, Liebe zu akzeptieren, wenn man sich selbst noch nicht vollständig annehmen kann. Liebe, die ihm entgegengebracht wird, bietet Luca hier Schutz und Spiegel zugleich. Der Song beinhaltet die Zeilen „But you see me for all I am“  und „I’m trying to do my part, oh I’m trying with all my heart” und spendet somit Hoffnung, sich durch Augen anderer selbst klarer sehen zu können, auch wenn man es im Moment vielleicht noch nicht schafft. 

    „can you forget all that you know and find some truth and release control to reconcile all that we are”

    Von Akzeptanz handelt auch der nächste Song. „Hymn” ist ein Track über das Loslassen. Was passiert, wenn man Kontrolle abgibt? Bei diesem fast schwebenden Song steht Fogales Stimme im Vordergrund, begleitet von spärlichen Gitarrenklängen. Die Lyrics kreisen um die Schönheit der Stille und das Finden von Sinn im Kontrollverlust und bieten eine meditative Pause innerhalb des Albums. 

    „Some things can change without warning, others get taken away. It’s hard to feel strong in these moments, it’s hard to know what we can take. Some times you carry on hoping, others your spirit can break.”

    Loslassen ist auch Thema des sechsten Songs. „Ashes” thematisiert die Erlaubnis, loszulassen und zu fühlen. Luca Fogale zeigt sich verletzlich und bricht mit den Texten starre Männlichkeitsbilder auf. „Love carries all of us home” sind die Backgroundvocals, die sich zwischen den Strophen und in der Bridge befinden und zentral für diesen Song. „Ashes” handelt von Verlust und Trauer, wobei Liebe das ist, was zusammenhält und Zeit alle Wunden heilt. Es ist einer dieser Tracks, die mitten im Album stehen und sich als emotionaler Mittelpunkt herauskristallisieren.

    „leave the past in the past, it doesn’t have to be your truth, it doesn’t define you”

    Der nächste Song zieht das Tempo leicht an. „Define You“ ist ein empowerndes Stück über Identität und Selbstdefinition. Es dient als Erinnerung, dass Schmerz und Vergangenheit nicht definieren müssen, wer man ist. Der Song ist eine Hymne für einen Freund, dem man eine Orientierung mit auf den Weg gibt, die er einst verloren hat. „I know that you see yourself in the way I see you now, I have always known deep in your heart, there is a light that won’t ever burn out”. Der Song dient als Ermutigung, nach vorn zu schauen und sich nicht von den Sachen definieren zu lassen, die man sich nicht im Leben ausgesucht hat.

    „when everything is cold and I cannot find my way and the light is dying, oh, you are my horizon”

    Das Tempo wird auch im Song „Horizon” gehalten. Schlagzeug und Gitarre treiben den Track voran und der Refrain öffnet sich in helle Klangflächen. „Wherever I am, a vision of you makes the darkness fall away in all the times I’ve reached toward a hiding place, you never let me go, no and through your eyes I watch myself become who I’m supposed to be” – Fogale beschreibt Liebe hier als Orientierungspunkt, wobei der Song eine Liebeserklärung an seine:n Partner:in und an das Leben, das diese Liebe ermöglicht hat, darstellt.

    „you are right where you’re meant to be”

    Nach dem instrumentalen „Relief“ folgt „Daniel’s Theme“, der kürzeste Track des Albums. Der Song ist ein Porträt eines archetypischen Mannes, der trotz Narben mit Güte und Stärke durchs Leben geht, und gleichzeitig eine Erinnerung daran, dass unser eigener Schmerz nicht bestimmen muss, wie wir anderen begegnen.

    „you are not what came before, you are an unending form”

    Der Titeltrack „Challenger“ startet mit einem Gitarrenintro und ist ein ganz besonderer Song, da der Sänger ihn seit fast fünf Jahren mit sich trägt. Fogale ruft im Track dazu auf, transgenerationalen Schmerz abzulegen und erlernte Zyklen zu durchbrechen, um sein Potenzial auszuschöpfen und vollständig in sich hinein oder sogar über sich hinaus zu wachsen: „Hold them close and break the chain, kill the rage and kill the shame”. Identität wird als etwas Veränderbares beschrieben, das man herausfordern kann und der Song fasst das Album thematisch in sich zusammen.

    „may you find what you’re looking for, may this world be an open door and may your love lead you on, now and evermore”

    Der finale Song des Albums ist „Yours.“ Der Track schließt das Kapitel als Ehrung unserer Anstrengungen und mit der Schönheit, menschlich zu sein. Er reduziert sich zum Ende auf ein leises Klavier mit den Lyrics: „This life is yours. So for all your worth, be the challenger”. Ein Kreis schließt sich – vom inneren Zweifel des Openers zur Selbstermächtigung am Ende.

    Luca Fogale. Foto: Brandon Artis

    Insgesamt dient Challenger als Auseinandersetzung mit dem, was nicht mehr dient, und mit dem Mut, loszulassen. Das Album wirkt wie ein zusammenhängender Gedankengang, in dem sich Selbstreflexion, Wachstum und ein leiser Kampf gegen das Stagnieren gegenseitig ergänzen. Luca Fogale hat eine Kollektion geschaffen, die sich anfühlt wie ein stiller Dialog mit sich selbst, und in dem sich viele Menschen wiederfinden können.

    Im April geht Luca Fogale mit Band auf Tour und macht auch in Berlin, Hamburg, München und Köln Halt. Für unter 30 Euro bekommt man nicht nur neue Songs, sondern einen Querschnitt durch vier Alben voller feinfühliger Lyrics. Kurz gesagt: unbedingt hingehen!


    Fotos: Brandon Artis / Nettwerk Music Group

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

  • Folk first, Party later

    Folk first, Party later

    Zwischen meinen (laut Spotify) rund 3000 gehörten Künstler:innen in diesem Jahr gab es doch einige, die besonders herausgestochen sind und darunter auch ein paar richtig starke Alben und EPs, die bei mir rauf und runter liefen. Auch 2025 habe ich mich größtenteils in meiner Comfort-Zone namens Folk bewegt. Wie ihr am Titel allerdings erkennen könnt, hat sich auch etwas mit ein bisschen mehr bpm in mein musikalisches Jahr geschlichen. 

    Ich weiß noch genau, wie ich mir für meinen untoldency-Steckbrief ein Album für eine einsame Insel aussuchen musste. Keine fünf Sekunden später war klar: Hoax. Kevin Garretts Debütalbum begleitet mich nun schon seit sechs Jahren und auch 2025 ist es nicht verschwunden. Zurecht. Dieser Mann hat eine unglaubliche stimmliche Range und ist meiner Meinung nach immer noch ziemlich underrated.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Weitere vertraute Stimmen, die mich dieses Jahr konstant begleitet haben, sind Luca Fogale, Hazlett, Amble und Bon Iver. Bevor ich zu ihnen komme, kurz eine kleine Einordnung: Ich nenne diese Alben hier wirklich nur ganz knapp. Wenn ich anfangen würde, über meine Lieblingssongs zu schreiben und darüber, was an diesen Platten jeweils so besonders ist, wäre dieser Artikel vermutlich tausend Zeilen lang.

    Hazlett hat mit „last night you said you missed me“ ein wunderschönes Album veröffentlicht, und über Bon IversSABLE, fABLE“ müssen wir, glaube ich, auch gar nicht groß reden. Ich war wirklich sehr happy, dass diese Legenden mal wieder neue Musik gedroppt haben, und tja, was soll ich sagen: genauso fantastisch wie eh und je! Apropos fantastisch -das war ebenfalls Ambles Album „Reverie”.

    Luca Fogale wiederum hat ein neues Album („Challenger”) in Aussicht, das im Januar erscheinen wird. Ich durfte bereits reinhören und kann sagen: Auch das ist wieder wahnsinnig gut gelungen. Deshalb gehört es für mich irgendwie schon jetzt in diesen Jahresrückblick, aber mehr dazu dann im neuen Jahr. Über das Jahr verteilt hat er außerdem vorweg einzelne Songs des kommenden Albums released, mein Favorit davon ist „Ashes“, ein Song über „rest, love, and moving through loss, even if just for a moment“, wie Luca selbst schreibt.

    Neben all den englischsprachigen Künstler:innen hat es dieses Jahr auch ein französischer Musiker in meinen Rückblick geschafft. Der Newcomer Heroe hat zwar bereits englische Songs veröffentlicht, sich 2025 aber vorrangig für Musik in seiner Muttersprache entschieden und dadurch mit der EP „failles“ etwas wirklich Wundervolles geschaffen.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Ist euch bis hierher schon etwas aufgefallen? Ich muss zugeben: Meine Frauenquote ist jedes Jahr leider erschreckend niedrig bis nicht existent (shame on me, I know). Dieses Jahr kann ich aber mit gutem Gewissen sagen, dass es definitiv eine Künstlerin gab, die herausgestochen ist. Und was für eine. „At the Beach, in Every Life“, das Debütalbum von Gigi Perez, hat mich über einen Großteil des Jahres begleitet. Auf die Newcomerin bin ich ca. im Februar aufmerksam geworden, weil sie im April beim Zermatt Unplugged Festival gespielt hat. Dort konnte ich sie mir zwar nicht live anschauen, aber war trotzdem neugierig geworden. Kurz darauf erschien ihr Debütalbum, und wow: Irgendwie haben mich alle Songs sofort gepackt. Umso stolzer bin ich auf mich selbst, dass mit Gigi dieses Jahr endlich etwas Frauenpower in meinem Rückblick vertreten ist!

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Weiter geht’s mit der nächsten Überraschung: „Sunflowers and Leather“ von Jonah Kagen. Ein Album, von dem ich wirklich nicht erwartet hätte, dass es mich so überzeugt. Seine Musik tauchte zwar schon früher immer mal wieder in meinen Playlists auf, aber dieses Album hat mich sowohl textlich als auch musikalisch sehr abgeholt. Es erschien erst im September und ich vermute, bei einem früheren Release hätte es kaum noch Platz für viel anderes gegeben.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Wofür allerdings das ganze Jahr über Platz war, sind meine irischen Lieblinge Kingfishr. Ich durfte die Band 2025 ganze vier Mal live sehen, und jedes Konzert war besser als das vorherige. Mit „Halcyon“ haben sie dieses Jahr außerdem ihr Debütalbum veröffentlicht und auch das lief bei mir rauf und runter.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Zwischen all den Singer-Songwriter:innen und Folkstimmen durfte als Ausgleich natürlich auch etwas Upbeat-Mukke nicht fehlen. Aus den letzten Jahren halten konnte sich bei mir BAYNK. Als DJ und Sänger (und live absoluter Saxophon-Gott) hat es das australische Talent vollkommen zurecht wieder in meine Playlists geschafft. Seine Musik macht einfach gute Laune, und ich lege wirklich allen ans Herz, mal auf eines seiner Konzerte zu gehen. Neben BAYNK hab ich aber auch sonst wie auch schon in den Jahren zuvor einiges an EDM und Dance gehört. Das sind die Genres, die mein zwölfjähriges Ich entdeckt hat und die Gegenwarts-Jori bisher irgendwie nie wieder losgelassen hat. Said the Sky hat im November ein tolles neues Album veröffentlicht, und auch The Chainsmokers haben im Oktober eine EP namens „Breathe” gedroppt, die bei mir immer mal wieder lief. Allein der Opener-Track, (der leider nur eine Minute lang ist), hat mir sofort gute Laune gemacht und mich fühlen lassen, als stünde ich gleich im Publikum einer Show und The Chainsmokers würden jeden Moment auf die Bühne kommen. Im Sommer konnte ich sie live bei der N-Joy Starshow in Hannover sehen, und die Tracks versetzten mich direkt zurück in diese Stimmung. Insgesamt fand ich die EP auch musikalisch sehr abwechslungsreich, mit einer guten Mischung an Collabs und einigen echten Banger-Momenten.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Eine weitere starke EP war „TO YOU, BY US“ von Tobiahs. Er hatte zuvor bereits viele der Tracks in seinen DJ-Sets angeteasert und im Sommer schließlich alles gebündelt veröffentlicht. Und tja, zu guter Letzt, wie könnte es anders sein: Obwohl ich kein TikTok besitze, bin ich Disco Lines ein wenig verfallen. Neben „No Broke Boys“ haben es auch Tracks wie „shine“, „RWEOK?“ und „Another Chance“ in meine Playlists geschafft.

    Abgesehen davon habe ich übers Jahr verteilt immer wieder einzelne Songs verschiedenster Künstler:innen mit richtig guten Drops entdeckt, die sich dann ihren Platz in meiner Playlist erkämpft haben. Generell sind viele verschiedene Neuentdeckungen in meiner 2k25-Playlist gelandet (die hier auch wieder aus Platzgründen nicht alle einzeln genannt werden können), aber genau das mag ich daran eigentlich am liebsten!

    Zum Abschluss habe ich bei meinem musikalischen Rückblick festgestellt, dass dies eines der wenigen Jahre war, in denen ich nicht alle meine Top-Künstler:innen live gesehen habe. 2026 schreit also ganz klar nach noch mehr Konzerten und ich freue mich jetzt schon drauf.

  • „Hello Darkness, my old friend“ – Alte Bekannte und Wiener Schmäh

    „Hello Darkness, my old friend“ – Alte Bekannte und Wiener Schmäh

    Normalerweise sind Jahresanfänge ja eher öde. Die Musikbranche wirkt, als befände sie sich noch kollektiv im Feiertagsmodus. Umso überraschender trifft mich Anfang Februar ein Album, das mich vom ersten Moment an packt: TUA veröffentlicht F60.8

    Der Titel ist mehr als ein kryptischer Code – er bezeichnet eine medizinische Diagnose für „sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen“. TUA hat auf seinem Album also allerhand zu verarbeiten. Die treibenden Breakbeats, die sich durch große Teile des Albums ziehen, tragen mich förmlich durch die Tracks. „Dachterasse“ läuft bei mir seitdem in Dauerrotation und gehört ohne Frage zu meinen meistgehörten Songs des Jahres.

    Nur zwei Wochen später sehe ich TUA im Festsaal Kreuzberg live. Mit einem Fotopass in der Hand und einer Menge Vorfreude wird dieser Abend für mich zu einem frühen Highlight des Jahres.


    Twenty One Pilots und das neue Wiener Dreigestirn

    Im April gönne ich mir einen spontanen Kurztrip nach Hamburg. Twenty One Pilots spielen in der Barclays Arena – und wie außergewöhnlich intensiv diese Band live performt, hat sich längst herumgesprochen. Für mich fühlt sich das Konzert wie eine erste, wohlverdiente Einstimmung auf das neue Album an, das im September erscheinen soll.

    Dann ist er plötzlich da: der Frühling. Oder wie man in Wien sagen würde, der „Frühlingsdo“. Es ist Mai, und fiio aus Österreich taucht unerwartet auf meinem Radar auf. Ich weiß noch kaum etwas über ihn, stehe aber kurze Zeit später in seinem Konzert – und seitdem ist er fester Bestandteil meiner Playlist. Sein Song „Alice“ wird zum täglichen Weckruf. Das Album Athena, das im November erscheint, schafft es ohne Umwege in meine Top 5 des Jahres. Mozart, Falco, fiio. Das neue Wiener Dreigestirn.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Der Sommer zieht vorbei, begleitet von den üblichen Festival-Playlists, die vor allem eines leisten: Timetableplanung. Wirklich neue musikalische Impulse haben in dieser Zeit allerdings keinen dauerhaften Eindruck bei mir hinterlassen.

    Im September folgt dann der Moment, auf den viele – mich eingeschlossen – gewartet haben: Breach, das achte Studioalbum von Twenty One Pilots, erscheint und sorgt weltweit für Rekordzahlen. Die Band liefert ein Werk ab, das gleichermaßen experimentell wie zugänglich ist. Garbage und Cottonwood markieren für mich die stärksten Punkte des Albums. Es ist eines dieser seltenen Releases, das sich ohne Zögern zum persönlichen Album des Jahres küren lässt.


    Rap trifft den schwachen Nerv

    Hello darkness, my old friend. Im November meldet sich dann ein alter Bekannter zurück. NF veröffentlicht seine EP Fear. Auf sechs Tracks demonstriert er die ganze Bandbreite seines Könnens – von präziser Rap-Technik bis hin zu ungewohnt melodischen Gesangspassagen. Unterstützt wird er unter anderem von James Arthur und Machine Gun Kelly, was der EP zusätzliche Facetten verleiht. Für mich ist Fear ein unglaublich atmosphärisches Werk, das zeigt, warum NF seit Jahren zu meinen favorisierten Rappern zählt.

    Mit Rap geht es auch noch weiter. Vega lieferte mit „WSSNMB“ schon letztes Jahr meinen persönlichen Lieblingssong, auch dieses Jahr legt er mit einem neuen Album zum Jahresende nach. Schon die erste Single „Überlebt “ trifft bei mir sofort einen Nerv: reduzierte Pianolinien, seine unverwechselbar ruhige Art zu rappen und ein kraftvoll eingesetzter Chor – genau die Mischung, die mich jedes Mal abholt. Es überrascht daher kaum, dass sein Album König ohne Krone sich mühelos in meine Top drei des Jahres schiebt.

    Und sonst so? Ein bisschen Kraftklub war da auch noch. Ihr neues Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ holt mich allerdings nicht so sehr ab, wie ihre Alben davor. Auch mit K.I.Z. habe ich einige Zeit überbrückt. Ihr Album „Görlitzer Park“ kann man sich ohne zu skippen komplett von Anfang bis Ende geben. Dann war da auch noch ein bisschen Berq, der mich auch live total überzeugen konnte.

    Es war für mich kein Jahr der musikalischen Neuentdeckungen, dennoch musikalisch ein gutes Jahr.

  • Irgendwo zwischen KI-Falle und Comfort Zone

    Irgendwo zwischen KI-Falle und Comfort Zone

    Ich muss gestehen: Ich bin Opfer der Spotify-KI geworden. Jetzt denkt ihr vielleicht: Obviously, wenn du die App nutzt. Nur ist mir das für mich größte Problem dieser KI in diesem Jahr erst so richtig klar geworden. Ich lasse jetzt mal die schlechte Bezahlung kleiner Künstler*innen und die problematischen Finanzierungen des Unternehmens außen vor und bin ganz egoistisch. Mein Problem mit Spotify: Ich höre immer die gleiche Musik.

    Bei der Vielzahl der Playlists, die der Algorithmus speziell für mich erstellt, hat mich die Bequemlichkeit überkommen. Ein Klick und es läuft Musik, die ich mag – ohne, dass ich überhaupt wusste, was ich gerade hören möchte. Entscheiden kann ich mich sowieso schon eher schlecht, da nehme ich doch gerne jede Option, mir eine Entscheidung abnehmen zu lassen.

    Deswegen starte ich den Jahresrückblick direkt mit einem guten Vorsatz für das kommende: Wieder bewusster Musik hören und mir nicht so einfach vorgeben lassen, was ich höre. Zum Glück habe ich trotzdem eine Menge Musik gehört, die ich auch wirklich gut fand und auch nicht nur von der KI vorgegeben bekommen hab. Also gehen wir rein.

    Nostalgie der Jugend

    Dass ich 2025 wenig aus meiner Wohlfühl-Bubble rausgekommen bin, habe ich teils auch selbst zu verantworten. Denn in diesem Jahr sind einige gute Alben rausgekommen von Artists, die ich schon seit einigen Jahren nicht aus meinem Kopf bekomme. Ganz vorne mit dabei: Lorde.

    Songs wie „Buzzcut Season“ oder „Perfect Places” haben mich durch meine Jugend begleitet. Und genau diese Energie aus den Alben „Pure Heroine“ und „Melodrama“ hat Lorde in „Virgin“ wieder aufleben lassen. Dieser Mix aus schnellen und tiefen gefühligen Liedern hat mich direkt gecatcht – aber vor allem die Texte. Lorde singt klar und deutlich übers Erwachsenwerden, alle Höhen und Tiefen, die es mit sich bringt. Und dabei passt sie nicht in das glattgebügelte Pop-Girly-Bild à la Taylor Swift oder Sabrina Carpenter. Lorde ist die Pop-Ikone für die weirden Girls. Unsere Queen B hat uns dieses Jahr mal wieder gezeigt, wie sch*** egal es ist, was andere denken. Genau den Spirit sollten wir uns beibehalten.

    Als nächstes in meiner Wohlfühl-Bubble: Royel Otis. Die beiden Indie-Boys aus Australien haben schon im vergangenen Jahr meine Playlist bestimmt. Deswegen halte ich mich dieses Mal etwas kürzer. Aber mit dem neuen Album „hickey“ habe ich mich noch einmal mehr in die Musik von Royel Otis verliebt – und das hat gedauert. Denn als ich das Album zum ersten Mal beim Pre-Listening im Plattenladen meines Vertrauens (Green Hell Records in Münster) gehört habe, da war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht.

    Beim ersten Hören ist mir erstmal kein Song herausgestochen (außer die Singles, die vorab released wurden). Ein klassischer Fall von „trust the process“. Ein paar Tage später lief das Album rauf und runter und mein Favorit wechselte quasi wöchentlich. „who’s your boyfriend“ und „say something“ sind mir am meisten hängen geblieben.

    Am liebsten schreibe ich immer über meine Neuentdeckungen des Jahres. In diesem Jahr möchte ich euch deshalb Chloe Slater ans Herz legen. Die 22-jährige habe ich recht zufällig auf dem Appletree Garden Festival in diesem Jahr gehört, eigentlich nur, weil mich die anderen Bühnen gerade nicht überzeugt haben. Dabei habe ich Chloe Slater total unterschätzt. Sie hat mich und den Rest des Publikums von der ersten Sekunde des Gigs direkt in ihren Bann gezogen. Die Britin bringt eine unbeschreibbare Energie auf die Bühne, grölt sich ihr Herz aus der Seele und schafft es dann noch auf sympathische Weise, in fast jeden Song eine politische Botschaft zu verpacken.

    „I’m sick and tired of the state of this nation”

    Ein Song über ihren shitty landlord, der sie in London in einer eigentlich unbewohnbaren Wohnung hausen lässt („Death Trap“). Der nächste Song über die „War Crimes“ der britischen Regierung, gefolgt von „Nothing Shines On This Island“, das den Lifestyle der Reichen kritisiert und aufzeigt, wie es den unteren Schichten Großbritanniens immer schlechter geht.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Man könnte fast sagen, Chloe Slater verpackt ihre Gesellschaftskritik und politischen Analysen in Songs. So negativ das vielleicht klingen mag, umso schöner klingt es. Denn natürlich gehören zum Repertoire von Chloe Slater auch melancholische Liebeslieder. Und ich bin sehr gespannt, was von der vielversprechenden Indie-Rock-Sängerin als nächstes kommt.

    Meine zweite Neuentdeckung, die ich euch vorstellen möchte, kommt aus Österreich und heißt Jo The Man The Music. Hier wird es jetzt weniger politisch, dafür noch emotionaler. Die super zarte Stimmung von Sängerin Johanna hört sich so warm und vertraut an, dass ich mich von Sekunde 1 verliebt habe. Ihre erste Single „Skinny Dipping“ hat mich durch den Spätsommer begleitet. Ein Mix aus leichten Strophen und starkem Chorus, der den Song niemals langweilig werden lassen könnte.  Und auch die nächsten beiden Singles, die Künstlerin in diesem Jahr veröffentlichte, schlossen genau da an. Direkt im Januar erwartet uns eine EP von Jo The Man The Music – also merkt euch diesen Namen direkt mal, er wird im kommenden Jahr noch wichtig.

    Weitere Alben, die ich 2025 geliebt habe:

    Djo – The Crux (Deluxe): Wie könnte man sich auch nicht in die Stimme vom real-life Steve Harrington verlieben? Die klingt nämlich genauso gut wie die schauspielerischen Leistungen von Joe Kerry bei „Stranger Things“. Das zeigt sich darin, dass sich „The Crux“ wie eine Geschichte hört, die sich nur als ganzes Album richtig entfaltet.

    Orbit – Countless Feelings But So Few Words: In meinen Teenie-Jahren habe ich gerne den kitschigen Spruch „Musik an, Welt aus“ benutzt. Bei der Musik von orbit passt dieser Spruch aber so perfekt, dass der Kitsch einmal wieder ausgepackt wird. Was mir diese Musik bedeutet, darüber habe ich einen ausführlichen Artikel in unserem Print-Magazin geschrieben, schaut doch da mal rein und sichert euch ein Exemplar.

    Olivia Dean – The Art Of Loving: Einfach ein Meisterwerk. Alles, was diese Frau produziert, klingt unglaublich harmonisch und originell. Die Songs bleiben im Gedächtnis und verlassen es auch so schnell nicht wieder.

    Wet Leg – moisturizer: Diese Band bringt eine Energie auf die Bühne, die sie im Album ganz gut konserviert. Einfach mal kreischen in einem Song? Ja, gar kein Problem. Vor allem „CPR“ hat es mir angetan.

    The Neighbourhood – (((((ultraSOUND))))): DIE Band, die mich begleitet seitdem ich 12 bin. Absolute Comfort-Musik für mich. Da das Album aber erst im November rausgekommen ist, steht es im internen The Neighbourhood-Ranking noch recht weit hinten, ich bin aber zuverlässig, dass sich das noch ändern wird.

    Natürlich gibt’s noch eine ganze Menge mehr Songs, die mich durch mein Jahr begleitet haben, deswegen habe ich sie euch hier in einer Playlist zusammengestellt:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen