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  • Philine Sonny im Interview: »Musik machen ist messy – und das sollte es auch sein«

    Philine Sonny im Interview: »Musik machen ist messy – und das sollte es auch sein«

    Musik macht und veröffentlicht Philine Sonny schon seit einigen Jahren. Auf ihr Debütalbum hat sie uns allerdings ziemlich warten lassen, doch jetzt können wir es endlich hören. „Virgin Lake“ ist eine Sammlung musikalischer Werke der Bochumer Künstlerin, die alles alleine produziert in ihrem Wohnzimmer. Mit viel Liebe zum Detail und vor allem einer stets großen Portion Ehrlichkeit kommen die 14 Songs auf dem Album daher.

    Philine Sonny spricht im Interview unter anderem darüber, wie Therapie, eine Beziehung und ein persönlicher Wendepunkt ihre Musik verändert haben. Es geht um Rückblicke, Kontrollverlust und den Versuch, sich selbst zu verstehen.

    Philine Sonny im Interview

    Hey, schön, dass du dir die Zeit genommen hast. Wie geht’s dir?

    Mir geht’s ganz gut. Ich bin im Moment ein bisschen im Handysumpf und das stört mich ein bisschen. Aber ich versuche, mit Stricken dagegen anzukämpfen.

    Das klingt nach einer sehr guten Ablenkung. Was ist dein aktuelles Strickprojekt?

    Ich fange gerade erst richtig an. Ich habe ein bisschen geübt und jetzt mache ich direkt einen Pulli. Ich dachte mir: Ich mache direkt etwas, das ich auch wirklich trage. Man macht sonst so oft Sachen, die man eh nicht anzieht oder nutzt.

    Fair. Ich habe letztes Jahr versucht, mit Häkeln anzufangen, und mein erster Topflappen war so schräg, dass mich das komplett demotiviert hat.

    Dann ist Stricken vielleicht einfach was für dich.

    Ich werd’s mal testen! In letzter Zeit ging ja dieser „2016“-Nostalgie-Trend rum. Erinnerst du dich noch an das Jahr?

    Ich habe tatsächlich schon nach Fotos gesucht, aber keine mehr gefunden auf meinem Handy. Aber es war das Jahr nach dem Tod meines Opas, zu dem ich sehr eng war. Deshalb war es eher schwierig für mich. Gleichzeitig war es aber auch das Jahr, in dem ich angefangen habe, mehr Musik zu machen. Ich war so 14 oder 15 Jahre alt und habe angefangen, Songs zu schreiben. Aber insgesamt war es eher ein schwieriges Jahr.

    Verständlich. Kommen wir lieber wieder zurück in die Gegenwart. Gibt es Artists, die dich gerade inspirieren?

    Das Album von Rosalía fand ich richtig krass. Es ist total anders als das, was ich sonst höre, aber gerade deshalb so spannend. Ihre Stimme und die Vocal Production – ich glaube, sie macht das auch selbst – finde ich extrem beeindruckend. Und sonst höre ich gerade Saya Grey. Die finde ich auch sehr cool.

    „Durch Therapie habe ich verstanden, dass es nicht nur um mich geht, sondern um ein größeres Ganzes“

    Lass uns über dein Album sprechen. Du hast es in vier Teile aufgeteilt, aber es erzählt trotzdem eine durchgehende Geschichte. Worum geht es?

    Für mich ist die Geschichte ein bisschen rückwärts aufgerollt. Das Album fängt eher laut und chaotisch an und wird dann ruhiger und vielleicht auch erwachsener. Chronologisch ist das aber eigentlich umgekehrt. Ein bestimmtes Event in meinem Leben war so eine Art Auslöser – eine Krise, ein Wake-up-Call. Darauf ist vieles hinausgelaufen. Und von diesem Punkt aus habe ich angefangen zurückzuschauen: Was ist eigentlich passiert? Wo kommt das alles her? Wie bin ich geworden, wer ich bin? Wie sind die Menschen um mich herum zu dem geworden, was sie sind? Am Anfang geht es viel um meine eigenen Gefühle, um Frust und Traurigkeit. Aber durch Therapie habe ich irgendwann verstanden, dass es nicht nur um mich geht, sondern um ein größeres Ganzes. Gegen Ende kommt mehr Verständnis dazu, mehr Perspektive auf das Gesamte. Es ist ein bisschen kompliziert, aber im Kern geht es um dieses Zurückblicken und Verstehen.

    Wenn du jetzt auf deine erste EP zurückblickst – wie fühlt sich das für dich an?

    Es ist krass zu sehen, wie viel sich soundmäßig verändert hat. Ich habe ja alles selbst produziert, und deshalb bin ich besonders stolz darauf, wie ich mich entwickelt habe. Der Sound kommt jetzt viel näher an das ran, was ich mir damals schon vorgestellt habe. Ich bin aber auch stolz auf mein jüngeres Ich, das einfach gesagt hat: „Ich mache das jetzt.“ Und ich bin sehr dankbar für die Leute um mich herum, die mich darin bestärkt haben, das alleine zu machen.

    Du hast mal  – ich glaube in einem Video – gesagt, dass du durch Therapie erst lernen musstest, wütend zu sein. Gibt es Gefühle, die dir immer noch schwerfallen?

    Ja, auf jeden Fall. Ich bin jetzt mit 24 zum ersten Mal in einer Beziehung, und dadurch merke ich Dinge, die vorher gar nicht hochgekommen sind. Ich dachte immer, ich wäre sehr offen mit meinen Gefühlen. Aber jetzt merke ich, dass es mir gar nicht so leicht fällt, mich wirklich verletzlich zu zeigen oder nicht perfekt zu sein. Mit Freund*innen ist das einfacher, weil sich die Gefühle weniger intensiv anfühlen. In einer Beziehung ist das nochmal eine ganz andere Ebene.

    „Positive Songs sind oft schwerer, weil sie schnell oberflächlich wirken“

    Gab es auch Songs auf dem Album, die besonders schwierig waren?

    „Dog Bite“ war extrem schwierig. Mein Manager meinte: „Schreib doch mal einen fröhlichen Song.“ Das war für mich eine totale Herausforderung. Ich habe bestimmt ein Dreivierteljahr daran gearbeitet. Positive Songs sind oft schwerer, weil sie schnell oberflächlich wirken. Wenn es einem gut geht, analysiert man Dinge nicht so sehr. Bei traurigen Songs gibt es mehr Konflikt, mehr Perspektiven. Außerdem sind in dem Song viele doppeldeutige Referenzen versteckt, die sich auf andere Songs beziehen. Deshalb hat das so lange gedauert.

    Wie lange hast du insgesamt am Album gearbeitet?

    Der älteste Song ist von 2021. Richtig bewusst angefangen habe ich am 22. Juni 2024, da habe ich mir gesagt: Jetzt mache ich das Album fertig. Zu dem Zeitpunkt waren vielleicht 60 % der Songs schon in irgendeiner Form da. Ich arbeite nicht klassisch mit Demos – vieles fließt direkt in die finale Produktion ein. Insgesamt waren es also schon ein paar Jahre.

    Du hast auch einen Song mit Shelter Boy und Brockhoff gemacht. Hast du Lust auf mehr Kollaborationen?

    Ja, aber ich bin nicht so gut darin. (lacht) Ich finde es schwierig, mich mit jemandem hinzusetzen und gemeinsam etwas zu schreiben. Es war noch eine Kollab geplant, die dann zeitlich nicht geklappt hat. Aber grundsätzlich habe ich Lust, das mehr auszuprobieren.

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    Dein Album hat auch einen sieben Minuten langen Song – das sieht man eher selten. Setzen dich Trends wie kurze Songs oder Social Media unter Druck?

    Social Media stresst mich extrem. TikTok, Instagram, YouTube Shorts – jede Plattform funktioniert anders. Und gerade in der Release-Phase vor dem Album habe ich kaum Zeit, Musik zu machen, weil ich ständig Content produzieren soll. Das zerstört für mich den kreativen Prozess. Musik machen ist messy – und das sollte es auch sein. Aber sobald eine Kamera läuft, wird alles künstlich. Was Songlängen angeht, bin ich entspannter. Da lasse ich mir nicht reinreden.

    Worauf freust du dich dieses Jahr – außerhalb des Albums?

    Ich freue mich darauf, wieder neue Musik zu machen. Das Album ist sehr autobiografisch, und jetzt habe ich Lust, mal anders zu arbeiten – mich von Bildern oder Gedichten inspirieren zu lassen.

    Das klingt schön, da bin ich schon gespannt. Zum Abschluss: Deine „Untold Story“ – etwas, das du noch nie erzählt hast?

    Ohja, da gibt es etwas. Meine allererste Tour mit Band waren damals vier Dates, verteilt auf zwei Wochenenden. Und ich habe zu der Zeit gerade erst angefangen, Alkohol für mich zu entdecken – ich habe bis ich 21 war eigentlich gar nichts getrunken. Irgendwer hat dann aus Spaß auf unseren Rider einfach Gin Tonic geschrieben. Und ich habe das komplett unterschätzt. Es war auf jeden Fall keine gute Idee. Ich trinke seitdem auch nicht mehr, wenn ich spiele. Nach der letzten Show kam jemand zu mir und wollte, dass ich ihr ein Tattoo zeichne. Ich war wirklich ziemlich betrunken und habe noch gesagt: „Bist du dir sicher? Das ist keine gute Idee.“ Aber sie wollte unbedingt. Ich habe dann versucht, einen Briefumschlag zu zeichnen – der sah schon echt schlecht aus. Dann noch einen zweiten, der auch nicht besser war. Am Ende meinte sie: „Schreib einfach den Titel.“ Also habe ich „Postcards For Mom And Her Friends“ aufgeschrieben… allerdings mit einem Rechtschreibfehler. Ein halbes Jahr später hat sie mir ein Foto geschickt: Sie hat sich das tätowieren lassen. So relativ groß auf den Bauch. Mit den hässlichen Umschlägen – und mit dem Fehler im Wort.

    Oh no.

    Ja, das tat mir wirklich leid.

    Für’s nächste Mal bist du dann ja vorbereitet.

    Mir ist das auch nochmal passiert, dass Leute nach einem Tattoo-Motiv gefragt haben. Aber dann habe ich das Albumcover zu „Virgin Lake“ gezeichnet, da kann nichts falsch laufen.

    Das klingt nach der sicheren Variante. Trotzdem danke dir, dass du diese Geschichte mit uns geteilt hast und bis bald!

    Danke, Anna, das war schön.

    Hier könnt ihr „Virgin Lake“ von Philine Sonny hören:

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    Fotos: Emil Gentes

  • „Helgoland“ – zwischen Großstadt Expressionismus und Space Oddity

    „Helgoland“ – zwischen Großstadt Expressionismus und Space Oddity

    Das Gefühl der Entfremdung

    Einsamkeit, Anonymität, ein Eremit sein – „Helgoland“ zeigt was der Individualismus, das Leistungsstreben unserer Zeit auch bedeuten kann. „Eremit“ ein Wort, dass ich erst seit der Recherche zu Trixi Linden kenne, denn die Band hat bereits drei äußerst empfehlenswerte Songs auf Youtube geteilt. Die Videocollagen zu den Songs sollte man auf jeden Fall anschauen.

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    Helgoland„- ein Indie Album, dessen mechanische und sanfte Songs eine tranceartige Wirkung haben. Die Band erreicht das durch viele Wiederholungen und den Minimalismus ihrer Instrumentals.

    Wer ist Trixi Linden? Wozu haben ihre Eltern geknutscht?

    Trixi Linden – die Band – stehen für deutschsprachigen Indie-Synthie-Gitarrenpop mit analoger Wärme, elektronischer Klarheit und einer unaufgeregten Stimme. Trixis Eltern tanzten zu „New Order“ und knutschten zu „Human League„. Spielt die Band live, übersetzen sie ihre Songs in Versionen, zu denen man gut dancen kann. Trixi Lindens ist auch begründet durch die vielen Begegnungen in dem Bandgeflecht Hannovers. Sie endet damit, dass Sandra und Mathias eine Indieband namens Phono gründeten. Nils remixte dann einen Ihrer Songs und wumm das war dann quasi – wie Djo sagen würde- the End of Beginning . Und a better love story than – ihr wisst schon…

    Ausflug in das innere eines Computers

    Videostar“ klingt nach einem Ausflug in den Computer. Vor meinen Augen entstehen grüne Ziffern, die über den Bildschirm rasen, während ich zuhöre. Beendet man das Autoplay nach dem Song, hallt immer noch nach:

    „Dann erkennt man dich auf den Monitor, sie erkennen dich“ – Videostar, Trixi Linden

    David Bowies Space Oddity“ auf Deutsch: Welten, der zweite Track des Albums, lässt uns schwerelos im Raum irren.

    Leichtigkeit versprüht der Song „was ich will„. Er erzählt von der Freiheit, die man sich im erwachsenem Leben gewünscht hat, und auch von den Alltagslasten, die man tragen muss. Den Titel könnte man quasi als Abkürzung von „ich mach alles, was ich will, und dann noch das, was ich muss“ verstehen.

    Der Wunsch nach Ruhe und Stillstand

    Helgoland„, der titelgebende Track des Albums, grenzt sich klanglich stark von Stücken wie „Welten„, „Dimensionen“ oder „GPT“ ab. Die Gitarre und der Beat rutschen im Laufe des Songs in die Ferne. Zusammen mit der halligen Stimme fühlt sich die Ruhe, der Stillstand, der auf „Helgoland“ herrscht, nur wie ein Traum an. Es gibt einen Kontrast zwischen dem Großstadtleben, das stark durch Technik und dem Gefühl von Entfremdung geprägt ist, und der Entschleunigung auf Helgoland.

    Schwerelos im Loop

    In „Dimensionen“ wirren wir schwerelos in einem Loop. Die Sehnsucht nach Navigation ist spürbar, aber wir sind nach Trixi Linden nicht in der Entscheidungsposition, sondern auf „Autopilot im treibendem Raum“ und „noch so weit entfernt“ – „wir haben verlernt zu sehen“. Vielleicht kann euch ja „Helgoland“ kurz die Sonnenbrille aus “ They live!“ aufsetzen.

    Mehr von Trixi Linden..

    Live sehen und genießen kann man Trixi Linden am…:

    17.04. Coverfestival Bei Chez Heinz, Hannover

    20.06. Spandau Projekt, Hannover

    14./15.08. Obernair

    und direkt von Zuhause hören kann man sie hier.

  • Zwischen Stroboskop, Energie und Dopamin pur: So war Wet Leg am 09.11.2025 in Berlin

    Zwischen Stroboskop, Energie und Dopamin pur: So war Wet Leg am 09.11.2025 in Berlin

    Nika und Noée, Schülerinnen der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, waren am 09.11.2025 auf dem Konzert von Wet Leg in der Columbiahalle in Berlin und berichten von ihrem Erlebnis.

    Columbia Halle ausverkauft

    Am 09. November 25 spielt Wet Leg im Rahmen ihrer fast vollständig ausverkauften Europa Tour nun auch in Berlin. Das britische Indie Rock Duo, bestehend aus Rhian Teasdale (Gitarre, Gesang) und Hester Chambers (Gitarre und backing Vocals), hat im Juli das zweite Studioalbum “moisturizer” veröffentlicht und bringt dies nun gemeinsam mit ihrer Band auf die Bühne. Mit beeindruckender Power und mitreißender Stagepresence schaffen die beiden es, ihr Publikum zu begeistern und ziehen die volle Columbiahalle in ihren Bann. Damit zeigen sie, dass Wet Leg deutlich mehr Wert sind als der anfängliche Socialmedia-Hype, den sie 2021 mit ihren ersten zwei Singles “Chaise Longue” und “Wet Dream” erzielten.

    Power Posing und Action von Sekunde 1

    Die Show startet gegen 21 Uhr nach der Vorband faux real, einem französisch amerikanischen Art Pop Duo, das theatrical Performance mit Hyper Pop kombiniert, und einer kurzen Pause gleich richtig durch. Die Spannung im Publikum ist deutlich zu spüren, die Erwartungen sind groß. Und wir werden nicht enttäuscht. Als Teasdale, begleitet von Stroboskop-Licht aus einer dichten Nebelwand an den Bühnenrand tritt und zu flexen beginnt, schreit die Menge vor Begeisterung. Als Opener werden wir mit “catch these fists”, der zweiten Single des aktuellen Albums, direkt gefesselt. Die fetzigen Gitarrenriffs und harten Schlagzeugbeats zusammen mit der rohen Energie bringen die Crowd sofort in Stimmung und setten den Tone für den restlichen Abend.

    Kompaktes Set – auch für kurze Aufmerksamkeitsspanne

    Die Setlist ist ein ausgewogener Mix aus Staples des ersten Albums, Fan-Favorites und neuen Hits. Nachdem das Konzert mit “catch these fists” und “wet dream” mit zwei der bekanntesten Songs beginnt, nimmt die Stimmung auch im Laufe des Abends nicht ab. Es folgt ein kompaktes Set mit kaum Unterbrechungen. Die Songs gehen nahtlos ineinander über, so wird die unglaublich ansteckende Energie sowohl auf der Bühne als auch im Publikum durch die ganze Show aufrechterhalten. Fast zum Ende des Sets kommt mit “Chaise Longue” wieder ein absoluter Banger. Der Song, mit dem alles begonnen hatte, hittet nochmal anders. Die Power im Raum scheint geradezu greifbar, als Fans Wort für Wort lauthals mitsingen.

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    Super Vibes und Community Feeling

    Die Atmosphäre schwebt irgendwo zwischen Power, Enthusiasmus und andächtiger Hingabe. Das Publikum, das sowohl in Alter als auch in Gender überraschend durchmischt ist, singt bei allen Songs laut und voller Begeisterung mit. Alle scheinen voll im Moment zu sein. Es wird mehr getanzt als gefilmt. Eine faszinierende Mischung aus Energie und Intimität entsteht durch eine Art von Gemeinschaftsgefühl, angetrieben durch eine geteilte Passion für Musik. Auffällt, dass es kaum Interaktionen zwischen Wet Leg und der Crowd gibt. Es werden kaum Ansagen gemacht, kein Kontext, nur Musik. Trotzdem herrscht eine vertraute Stimmung – auch ohne langes Reden.

    Sichtweite: 5 Meter max.

    Die Bühne ist die ganze Show über in einen dichten Nebel gehüllt, zerrissen von harten Strobo-Effekten in Weiß und Orange. Da der hintere Teil der Bühne nur schemenhaft zu sehen ist, liegt der Fokus fast ausschließlich auf Rhian Teasdale, welche uns mit ihrer Präsenz und Power-Performance alle flashed. Die Outfits der Band sind farblich schlicht in schwarz-weiß gehalten, wodurch Teasdales neongrüne Gitarre und pinke Haare spannende Kontraste in das sonst relativ minimalistische Bühnenbild bringen.

    Perücken und Seifenblasen

    Für ein paar Songs kommt ein Special Guest auf die Bühne. Die Band stellt ihn nur kurz als “Tamburine Guy” vor. Da er im hinteren Teil der Bühne kaum zu sehen ist, fällt nur seine enorme, zottelige Perücke auf, die fragwürdig macht, inwiefern er überhaupt etwas sehen kann. Nichtsdestotrotz hindert dies den mysteriösen Unbekannten scheinbar nicht am Musizieren. Ein weiteres Highlight: Gegen Ende kommen plötzlich Seifenblasen von der Seite, die die Bühne und alles drum herum in nebelige Bubbles hüllen und eine mystische, düstere Atmosphäre über den Raum legen. Die Securities vorne an der Absperrung haben sichtlich Spaß dabei, die Blasen platzen zu lassen – wofür Teile des Publikums applaudieren und so für einen denkwürdigen Moment sorgen – eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Publikum und Sicherheitsdienst.

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    Wie in Trance

    Nach 75 sehr intensen Minuten endet das Konzert mit “mange tout” so plötzlich, wie es begonnen hat. Keine Verabschiedung, keine Zugabe. Die Band verschwindet wieder im Nebel und lässt das Publikum sprachlos und verschwitzt, aber glücklich zurück. Völlig außer Atem müssen wir erst einmal realisieren, was gerade passiert ist. Das grelle Raumlicht bringt uns unsanft zurück in die Realität, während wir uns von der Masse in Richtung Garderobe schieben lassen.

    Alles eine Frage der Einstellung

    Als wir uns nach dem Konzert zusammensetzen, merken wir ziemlich schnell, dass wir die ganze Experience sehr unterschiedlich wahrgenommen haben. Auf Nika wirkte die Show etwas oberflächlich. Da sie bisher vor bei allem Pop-Konzerten war, hat sie sich von der Band nicht wirklich abgeholt gefühlt und hätte sich mehr Connection und direktere Interaktionen mit dem Publikum gewünscht.

    Ich hingegen war begeistert von dem Konzert. Wirkliche Erwartungen hatte ich vor dem Abend nicht und so hat mich Teasdales krasse Ausstrahlung und die energetische Dynamik der Band sofort in ihren Bann gezogen. Mir hat das gezeigt, dass Musik nicht unbedingt viele Worte braucht, um in Perspektive gesetzt zu werden, um zu bewegen. Ich fand es überraschend befreiend, während der Show mit meinen Gedanken allein gelassen zu werden und konnte mich so ganz in den Songs verlieren.

    Insgesamt kann man sagen, dass es einfach sehr darauf ankommt, was man sich unter einem guten Konzert vorstellt. Wer also eine klassische Pop-Performance erwartet und von den Künstler*innen an die Hand genommen und durch einen Abend voller persönlicher Anekdoten geführt werden will, kommt bei der wet leg Tour nicht unbedingt auf seine/ihre/* Kosten. Wer aber eine einfach unglaublich powervolle Show erleben möchte, die einen komplett in ihren Bann ziehen kann und für einen unvergesslichen Abend sorgt, ist bei Wet Leg gerade richtig.

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  • „Be the Challenger“ – Luca Fogale fordert im vierten Studioalbum sein eigenes Selbst heraus

    „Be the Challenger“ – Luca Fogale fordert im vierten Studioalbum sein eigenes Selbst heraus

    Neues Jahr, neuer Folk aus Kanada: Luca Fogale legt mit Challenger einen eindrucksvollen Start in 2026 hin und liefert eine intime Kollektion von Songs, die berühren und uns ein Stück weit Einblicke in die Persönlichkeit des Singer-Songwriters gewähren. Ganz nach seinem Prinzip „every word matters to me” wirkt jede Zeile bewusst geschrieben, jede Pause bedacht gesetzt. Fogale veröffentlicht Songs nur dann, wenn sie für ihn einen Mehrwert für die Welt haben – und dies merkt man dem Album an. 

    Nach dem Motto „in der Ruhe liegt die Kraft” ist Challenger eher leise als laut gestaltet und Fogale bleibt somit seinem bisherigen Sound treu. Er schrieb die Songs in ruhigen Zwischenmomenten des Tourlebens, oft zurückgezogen in einer kleinen Hütte in British Columbia. Diese Abgeschiedenheit hört man der Platte an: Sie wirkt wie ein emotionaler Rückzugsort. Neben sanften Worten findet sich auf dem Album gleichzeitig ein Drang zur Konfrontation und Selbstreflexion. Challenger ist eine Sammlung, deren Funktion es nicht ist, ein Statement zu setzen, sondern Raum für Fragen und Auseinandersetzungen zu bieten. Es geht um Gedanken zur eigenen Vergangenheit, erlernte Muster und die Frage, wer man eigentlich werden möchte.

     „I will not give up, I do not fear death”

    Im Opener „Everything“ spricht sich Fogale selbst Mut und eine gewisse Verpflichtung zum Wachsen zu. Mit Zeilen wie „all of the light that you never could see, it flows in your veins” und „I know what it’s like, feeling everything, feeling nothing” wird der Reflexionsprozess, dem das Album folgt, eröffnet.

    „Could I begin? / Could we begin?”

    Los geht es mit der Frage des Neuanfangs. Wie kann man sich neu entfalten, sich neu entwerfen und was passiert, wenn alles Bekannte einen verlässt? Als erste Single vom Album findet sich „Begin„– ein Song, der sich diesen Gedanken aussetzt. Sanfte Gitarren tragen eine existenzielle Selbstbefragung, die im Refrain von einem „I“ zu einem kollektiven „We“ kippt und seine Nächsten miteinbezieht. Im Zentrum stehen der Wunsch nach Erneuerung und die sehnsüchtige Flucht aus Gleichgültigkeit. 

    „hold on for all that lasts”

    Auch im nächsten Song schwanken zwei Perspektiven hin und her: der Drang, alles bewahren zu wollen und die Erkenntnis, dass nichts bleibt. „For“ ist gleichzeitig eine Reflexion über Zeit und Vergänglichkeit als auch eine Erinnerung an Dinge, die wichtig sind und an denen man festhalten sollte. Kleine Chöre im Hintergrund verleihen dem Song etwas Hymnisches übers Menschsein, während sich die Lyrics zwischen Ehrgeiz und Demut bewegen.

    „cause too often these days, I can’t see the use, I lose track of the road, I lose sight of the truth, oh I’d be lost, I’d be lost without you”

    Was jedoch immer währt, ist Liebe. Der nächste Track, „Lost Without You”, ist ein zarter, klaviergetragener Liebessong über das Angenommenensein, und darüber, wie schwer es ist, Liebe zu akzeptieren, wenn man sich selbst noch nicht vollständig annehmen kann. Liebe, die ihm entgegengebracht wird, bietet Luca hier Schutz und Spiegel zugleich. Der Song beinhaltet die Zeilen „But you see me for all I am“  und „I’m trying to do my part, oh I’m trying with all my heart” und spendet somit Hoffnung, sich durch Augen anderer selbst klarer sehen zu können, auch wenn man es im Moment vielleicht noch nicht schafft. 

    „can you forget all that you know and find some truth and release control to reconcile all that we are”

    Von Akzeptanz handelt auch der nächste Song. „Hymn” ist ein Track über das Loslassen. Was passiert, wenn man Kontrolle abgibt? Bei diesem fast schwebenden Song steht Fogales Stimme im Vordergrund, begleitet von spärlichen Gitarrenklängen. Die Lyrics kreisen um die Schönheit der Stille und das Finden von Sinn im Kontrollverlust und bieten eine meditative Pause innerhalb des Albums. 

    „Some things can change without warning, others get taken away. It’s hard to feel strong in these moments, it’s hard to know what we can take. Some times you carry on hoping, others your spirit can break.”

    Loslassen ist auch Thema des sechsten Songs. „Ashes” thematisiert die Erlaubnis, loszulassen und zu fühlen. Luca Fogale zeigt sich verletzlich und bricht mit den Texten starre Männlichkeitsbilder auf. „Love carries all of us home” sind die Backgroundvocals, die sich zwischen den Strophen und in der Bridge befinden und zentral für diesen Song. „Ashes” handelt von Verlust und Trauer, wobei Liebe das ist, was zusammenhält und Zeit alle Wunden heilt. Es ist einer dieser Tracks, die mitten im Album stehen und sich als emotionaler Mittelpunkt herauskristallisieren.

    „leave the past in the past, it doesn’t have to be your truth, it doesn’t define you”

    Der nächste Song zieht das Tempo leicht an. „Define You“ ist ein empowerndes Stück über Identität und Selbstdefinition. Es dient als Erinnerung, dass Schmerz und Vergangenheit nicht definieren müssen, wer man ist. Der Song ist eine Hymne für einen Freund, dem man eine Orientierung mit auf den Weg gibt, die er einst verloren hat. „I know that you see yourself in the way I see you now, I have always known deep in your heart, there is a light that won’t ever burn out”. Der Song dient als Ermutigung, nach vorn zu schauen und sich nicht von den Sachen definieren zu lassen, die man sich nicht im Leben ausgesucht hat.

    „when everything is cold and I cannot find my way and the light is dying, oh, you are my horizon”

    Das Tempo wird auch im Song „Horizon” gehalten. Schlagzeug und Gitarre treiben den Track voran und der Refrain öffnet sich in helle Klangflächen. „Wherever I am, a vision of you makes the darkness fall away in all the times I’ve reached toward a hiding place, you never let me go, no and through your eyes I watch myself become who I’m supposed to be” – Fogale beschreibt Liebe hier als Orientierungspunkt, wobei der Song eine Liebeserklärung an seine:n Partner:in und an das Leben, das diese Liebe ermöglicht hat, darstellt.

    „you are right where you’re meant to be”

    Nach dem instrumentalen „Relief“ folgt „Daniel’s Theme“, der kürzeste Track des Albums. Der Song ist ein Porträt eines archetypischen Mannes, der trotz Narben mit Güte und Stärke durchs Leben geht, und gleichzeitig eine Erinnerung daran, dass unser eigener Schmerz nicht bestimmen muss, wie wir anderen begegnen.

    „you are not what came before, you are an unending form”

    Der Titeltrack „Challenger“ startet mit einem Gitarrenintro und ist ein ganz besonderer Song, da der Sänger ihn seit fast fünf Jahren mit sich trägt. Fogale ruft im Track dazu auf, transgenerationalen Schmerz abzulegen und erlernte Zyklen zu durchbrechen, um sein Potenzial auszuschöpfen und vollständig in sich hinein oder sogar über sich hinaus zu wachsen: „Hold them close and break the chain, kill the rage and kill the shame”. Identität wird als etwas Veränderbares beschrieben, das man herausfordern kann und der Song fasst das Album thematisch in sich zusammen.

    „may you find what you’re looking for, may this world be an open door and may your love lead you on, now and evermore”

    Der finale Song des Albums ist „Yours.“ Der Track schließt das Kapitel als Ehrung unserer Anstrengungen und mit der Schönheit, menschlich zu sein. Er reduziert sich zum Ende auf ein leises Klavier mit den Lyrics: „This life is yours. So for all your worth, be the challenger”. Ein Kreis schließt sich – vom inneren Zweifel des Openers zur Selbstermächtigung am Ende.

    Insgesamt dient Challenger als Auseinandersetzung mit dem, was nicht mehr dient, und mit dem Mut, loszulassen. Das Album wirkt wie ein zusammenhängender Gedankengang, in dem sich Selbstreflexion, Wachstum und ein leiser Kampf gegen das Stagnieren gegenseitig ergänzen. Luca Fogale hat eine Kollektion geschaffen, die sich anfühlt wie ein stiller Dialog mit sich selbst, und in dem sich viele Menschen wiederfinden können.

    Im April geht Luca Fogale mit Band auf Tour und macht auch in Berlin, Hamburg, München und Köln Halt. Für unter 30 Euro bekommt man nicht nur neue Songs, sondern einen Querschnitt durch vier Alben voller feinfühliger Lyrics. Kurz gesagt: unbedingt hingehen!


    Fotos: Brandon Artis / Nettwerk Music Group

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  • Folk first, Party later

    Folk first, Party later

    Zwischen meinen (laut Spotify) rund 3000 gehörten Künstler:innen in diesem Jahr gab es doch einige, die besonders herausgestochen sind und darunter auch ein paar richtig starke Alben und EPs, die bei mir rauf und runter liefen. Auch 2025 habe ich mich größtenteils in meiner Comfort-Zone namens Folk bewegt. Wie ihr am Titel allerdings erkennen könnt, hat sich auch etwas mit ein bisschen mehr bpm in mein musikalisches Jahr geschlichen. 

    Ich weiß noch genau, wie ich mir für meinen untoldency-Steckbrief ein Album für eine einsame Insel aussuchen musste. Keine fünf Sekunden später war klar: Hoax. Kevin Garretts Debütalbum begleitet mich nun schon seit sechs Jahren und auch 2025 ist es nicht verschwunden. Zurecht. Dieser Mann hat eine unglaubliche stimmliche Range und ist meiner Meinung nach immer noch ziemlich underrated.

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    Weitere vertraute Stimmen, die mich dieses Jahr konstant begleitet haben, sind Luca Fogale, Hazlett, Amble und Bon Iver. Bevor ich zu ihnen komme, kurz eine kleine Einordnung: Ich nenne diese Alben hier wirklich nur ganz knapp. Wenn ich anfangen würde, über meine Lieblingssongs zu schreiben und darüber, was an diesen Platten jeweils so besonders ist, wäre dieser Artikel vermutlich tausend Zeilen lang.

    Hazlett hat mit „last night you said you missed me“ ein wunderschönes Album veröffentlicht, und über Bon IversSABLE, fABLE“ müssen wir, glaube ich, auch gar nicht groß reden. Ich war wirklich sehr happy, dass diese Legenden mal wieder neue Musik gedroppt haben, und tja, was soll ich sagen: genauso fantastisch wie eh und je! Apropos fantastisch -das war ebenfalls Ambles Album „Reverie”.

    Luca Fogale wiederum hat ein neues Album („Challenger”) in Aussicht, das im Januar erscheinen wird. Ich durfte bereits reinhören und kann sagen: Auch das ist wieder wahnsinnig gut gelungen. Deshalb gehört es für mich irgendwie schon jetzt in diesen Jahresrückblick, aber mehr dazu dann im neuen Jahr. Über das Jahr verteilt hat er außerdem vorweg einzelne Songs des kommenden Albums released, mein Favorit davon ist „Ashes“, ein Song über „rest, love, and moving through loss, even if just for a moment“, wie Luca selbst schreibt.

    Neben all den englischsprachigen Künstler:innen hat es dieses Jahr auch ein französischer Musiker in meinen Rückblick geschafft. Der Newcomer Heroe hat zwar bereits englische Songs veröffentlicht, sich 2025 aber vorrangig für Musik in seiner Muttersprache entschieden und dadurch mit der EP „failles“ etwas wirklich Wundervolles geschaffen.

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    Ist euch bis hierher schon etwas aufgefallen? Ich muss zugeben: Meine Frauenquote ist jedes Jahr leider erschreckend niedrig bis nicht existent (shame on me, I know). Dieses Jahr kann ich aber mit gutem Gewissen sagen, dass es definitiv eine Künstlerin gab, die herausgestochen ist. Und was für eine. „At the Beach, in Every Life“, das Debütalbum von Gigi Perez, hat mich über einen Großteil des Jahres begleitet. Auf die Newcomerin bin ich ca. im Februar aufmerksam geworden, weil sie im April beim Zermatt Unplugged Festival gespielt hat. Dort konnte ich sie mir zwar nicht live anschauen, aber war trotzdem neugierig geworden. Kurz darauf erschien ihr Debütalbum, und wow: Irgendwie haben mich alle Songs sofort gepackt. Umso stolzer bin ich auf mich selbst, dass mit Gigi dieses Jahr endlich etwas Frauenpower in meinem Rückblick vertreten ist!

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    Weiter geht’s mit der nächsten Überraschung: „Sunflowers and Leather“ von Jonah Kagen. Ein Album, von dem ich wirklich nicht erwartet hätte, dass es mich so überzeugt. Seine Musik tauchte zwar schon früher immer mal wieder in meinen Playlists auf, aber dieses Album hat mich sowohl textlich als auch musikalisch sehr abgeholt. Es erschien erst im September und ich vermute, bei einem früheren Release hätte es kaum noch Platz für viel anderes gegeben.

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    Wofür allerdings das ganze Jahr über Platz war, sind meine irischen Lieblinge Kingfishr. Ich durfte die Band 2025 ganze vier Mal live sehen, und jedes Konzert war besser als das vorherige. Mit „Halcyon“ haben sie dieses Jahr außerdem ihr Debütalbum veröffentlicht und auch das lief bei mir rauf und runter.

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    Zwischen all den Singer-Songwriter:innen und Folkstimmen durfte als Ausgleich natürlich auch etwas Upbeat-Mukke nicht fehlen. Aus den letzten Jahren halten konnte sich bei mir BAYNK. Als DJ und Sänger (und live absoluter Saxophon-Gott) hat es das australische Talent vollkommen zurecht wieder in meine Playlists geschafft. Seine Musik macht einfach gute Laune, und ich lege wirklich allen ans Herz, mal auf eines seiner Konzerte zu gehen. Neben BAYNK hab ich aber auch sonst wie auch schon in den Jahren zuvor einiges an EDM und Dance gehört. Das sind die Genres, die mein zwölfjähriges Ich entdeckt hat und die Gegenwarts-Jori bisher irgendwie nie wieder losgelassen hat. Said the Sky hat im November ein tolles neues Album veröffentlicht, und auch The Chainsmokers haben im Oktober eine EP namens „Breathe” gedroppt, die bei mir immer mal wieder lief. Allein der Opener-Track, (der leider nur eine Minute lang ist), hat mir sofort gute Laune gemacht und mich fühlen lassen, als stünde ich gleich im Publikum einer Show und The Chainsmokers würden jeden Moment auf die Bühne kommen. Im Sommer konnte ich sie live bei der N-Joy Starshow in Hannover sehen, und die Tracks versetzten mich direkt zurück in diese Stimmung. Insgesamt fand ich die EP auch musikalisch sehr abwechslungsreich, mit einer guten Mischung an Collabs und einigen echten Banger-Momenten.

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    Eine weitere starke EP war „TO YOU, BY US“ von Tobiahs. Er hatte zuvor bereits viele der Tracks in seinen DJ-Sets angeteasert und im Sommer schließlich alles gebündelt veröffentlicht. Und tja, zu guter Letzt, wie könnte es anders sein: Obwohl ich kein TikTok besitze, bin ich Disco Lines ein wenig verfallen. Neben „No Broke Boys“ haben es auch Tracks wie „shine“, „RWEOK?“ und „Another Chance“ in meine Playlists geschafft.

    Abgesehen davon habe ich übers Jahr verteilt immer wieder einzelne Songs verschiedenster Künstler:innen mit richtig guten Drops entdeckt, die sich dann ihren Platz in meiner Playlist erkämpft haben. Generell sind viele verschiedene Neuentdeckungen in meiner 2k25-Playlist gelandet (die hier auch wieder aus Platzgründen nicht alle einzeln genannt werden können), aber genau das mag ich daran eigentlich am liebsten!

    Zum Abschluss habe ich bei meinem musikalischen Rückblick festgestellt, dass dies eines der wenigen Jahre war, in denen ich nicht alle meine Top-Künstler:innen live gesehen habe. 2026 schreit also ganz klar nach noch mehr Konzerten und ich freue mich jetzt schon drauf.

  • „Hello Darkness, my old friend“ – Alte Bekannte und Wiener Schmäh

    „Hello Darkness, my old friend“ – Alte Bekannte und Wiener Schmäh

    Normalerweise sind Jahresanfänge ja eher öde. Die Musikbranche wirkt, als befände sie sich noch kollektiv im Feiertagsmodus. Umso überraschender trifft mich Anfang Februar ein Album, das mich vom ersten Moment an packt: TUA veröffentlicht F60.8

    Der Titel ist mehr als ein kryptischer Code – er bezeichnet eine medizinische Diagnose für „sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen“. TUA hat auf seinem Album also allerhand zu verarbeiten. Die treibenden Breakbeats, die sich durch große Teile des Albums ziehen, tragen mich förmlich durch die Tracks. „Dachterasse“ läuft bei mir seitdem in Dauerrotation und gehört ohne Frage zu meinen meistgehörten Songs des Jahres.

    Nur zwei Wochen später sehe ich TUA im Festsaal Kreuzberg live. Mit einem Fotopass in der Hand und einer Menge Vorfreude wird dieser Abend für mich zu einem frühen Highlight des Jahres.


    Twenty One Pilots und das neue Wiener Dreigestirn

    Im April gönne ich mir einen spontanen Kurztrip nach Hamburg. Twenty One Pilots spielen in der Barclays Arena – und wie außergewöhnlich intensiv diese Band live performt, hat sich längst herumgesprochen. Für mich fühlt sich das Konzert wie eine erste, wohlverdiente Einstimmung auf das neue Album an, das im September erscheinen soll.

    Dann ist er plötzlich da: der Frühling. Oder wie man in Wien sagen würde, der „Frühlingsdo“. Es ist Mai, und fiio aus Österreich taucht unerwartet auf meinem Radar auf. Ich weiß noch kaum etwas über ihn, stehe aber kurze Zeit später in seinem Konzert – und seitdem ist er fester Bestandteil meiner Playlist. Sein Song „Alice“ wird zum täglichen Weckruf. Das Album Athena, das im November erscheint, schafft es ohne Umwege in meine Top 5 des Jahres. Mozart, Falco, fiio. Das neue Wiener Dreigestirn.

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    Der Sommer zieht vorbei, begleitet von den üblichen Festival-Playlists, die vor allem eines leisten: Timetableplanung. Wirklich neue musikalische Impulse haben in dieser Zeit allerdings keinen dauerhaften Eindruck bei mir hinterlassen.

    Im September folgt dann der Moment, auf den viele – mich eingeschlossen – gewartet haben: Breach, das achte Studioalbum von Twenty One Pilots, erscheint und sorgt weltweit für Rekordzahlen. Die Band liefert ein Werk ab, das gleichermaßen experimentell wie zugänglich ist. Garbage und Cottonwood markieren für mich die stärksten Punkte des Albums. Es ist eines dieser seltenen Releases, das sich ohne Zögern zum persönlichen Album des Jahres küren lässt.


    Rap trifft den schwachen Nerv

    Hello darkness, my old friend. Im November meldet sich dann ein alter Bekannter zurück. NF veröffentlicht seine EP Fear. Auf sechs Tracks demonstriert er die ganze Bandbreite seines Könnens – von präziser Rap-Technik bis hin zu ungewohnt melodischen Gesangspassagen. Unterstützt wird er unter anderem von James Arthur und Machine Gun Kelly, was der EP zusätzliche Facetten verleiht. Für mich ist Fear ein unglaublich atmosphärisches Werk, das zeigt, warum NF seit Jahren zu meinen favorisierten Rappern zählt.

    Mit Rap geht es auch noch weiter. Vega lieferte mit „WSSNMB“ schon letztes Jahr meinen persönlichen Lieblingssong, auch dieses Jahr legt er mit einem neuen Album zum Jahresende nach. Schon die erste Single „Überlebt “ trifft bei mir sofort einen Nerv: reduzierte Pianolinien, seine unverwechselbar ruhige Art zu rappen und ein kraftvoll eingesetzter Chor – genau die Mischung, die mich jedes Mal abholt. Es überrascht daher kaum, dass sein Album König ohne Krone sich mühelos in meine Top drei des Jahres schiebt.

    Und sonst so? Ein bisschen Kraftklub war da auch noch. Ihr neues Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ holt mich allerdings nicht so sehr ab, wie ihre Alben davor. Auch mit K.I.Z. habe ich einige Zeit überbrückt. Ihr Album „Görlitzer Park“ kann man sich ohne zu skippen komplett von Anfang bis Ende geben. Dann war da auch noch ein bisschen Berq, der mich auch live total überzeugen konnte.

    Es war für mich kein Jahr der musikalischen Neuentdeckungen, dennoch musikalisch ein gutes Jahr.

  • Irgendwo zwischen KI-Falle und Comfort Zone

    Irgendwo zwischen KI-Falle und Comfort Zone

    Ich muss gestehen: Ich bin Opfer der Spotify-KI geworden. Jetzt denkt ihr vielleicht: Obviously, wenn du die App nutzt. Nur ist mir das für mich größte Problem dieser KI in diesem Jahr erst so richtig klar geworden. Ich lasse jetzt mal die schlechte Bezahlung kleiner Künstler*innen und die problematischen Finanzierungen des Unternehmens außen vor und bin ganz egoistisch. Mein Problem mit Spotify: Ich höre immer die gleiche Musik.

    Bei der Vielzahl der Playlists, die der Algorithmus speziell für mich erstellt, hat mich die Bequemlichkeit überkommen. Ein Klick und es läuft Musik, die ich mag – ohne, dass ich überhaupt wusste, was ich gerade hören möchte. Entscheiden kann ich mich sowieso schon eher schlecht, da nehme ich doch gerne jede Option, mir eine Entscheidung abnehmen zu lassen.

    Deswegen starte ich den Jahresrückblick direkt mit einem guten Vorsatz für das kommende: Wieder bewusster Musik hören und mir nicht so einfach vorgeben lassen, was ich höre. Zum Glück habe ich trotzdem eine Menge Musik gehört, die ich auch wirklich gut fand und auch nicht nur von der KI vorgegeben bekommen hab. Also gehen wir rein.

    Nostalgie der Jugend

    Dass ich 2025 wenig aus meiner Wohlfühl-Bubble rausgekommen bin, habe ich teils auch selbst zu verantworten. Denn in diesem Jahr sind einige gute Alben rausgekommen von Artists, die ich schon seit einigen Jahren nicht aus meinem Kopf bekomme. Ganz vorne mit dabei: Lorde.

    Songs wie „Buzzcut Season“ oder „Perfect Places” haben mich durch meine Jugend begleitet. Und genau diese Energie aus den Alben „Pure Heroine“ und „Melodrama“ hat Lorde in „Virgin“ wieder aufleben lassen. Dieser Mix aus schnellen und tiefen gefühligen Liedern hat mich direkt gecatcht – aber vor allem die Texte. Lorde singt klar und deutlich übers Erwachsenwerden, alle Höhen und Tiefen, die es mit sich bringt. Und dabei passt sie nicht in das glattgebügelte Pop-Girly-Bild à la Taylor Swift oder Sabrina Carpenter. Lorde ist die Pop-Ikone für die weirden Girls. Unsere Queen B hat uns dieses Jahr mal wieder gezeigt, wie sch*** egal es ist, was andere denken. Genau den Spirit sollten wir uns beibehalten.

    Als nächstes in meiner Wohlfühl-Bubble: Royel Otis. Die beiden Indie-Boys aus Australien haben schon im vergangenen Jahr meine Playlist bestimmt. Deswegen halte ich mich dieses Mal etwas kürzer. Aber mit dem neuen Album „hickey“ habe ich mich noch einmal mehr in die Musik von Royel Otis verliebt – und das hat gedauert. Denn als ich das Album zum ersten Mal beim Pre-Listening im Plattenladen meines Vertrauens (Green Hell Records in Münster) gehört habe, da war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht.

    Beim ersten Hören ist mir erstmal kein Song herausgestochen (außer die Singles, die vorab released wurden). Ein klassischer Fall von „trust the process“. Ein paar Tage später lief das Album rauf und runter und mein Favorit wechselte quasi wöchentlich. „who’s your boyfriend“ und „say something“ sind mir am meisten hängen geblieben.

    Am liebsten schreibe ich immer über meine Neuentdeckungen des Jahres. In diesem Jahr möchte ich euch deshalb Chloe Slater ans Herz legen. Die 22-jährige habe ich recht zufällig auf dem Appletree Garden Festival in diesem Jahr gehört, eigentlich nur, weil mich die anderen Bühnen gerade nicht überzeugt haben. Dabei habe ich Chloe Slater total unterschätzt. Sie hat mich und den Rest des Publikums von der ersten Sekunde des Gigs direkt in ihren Bann gezogen. Die Britin bringt eine unbeschreibbare Energie auf die Bühne, grölt sich ihr Herz aus der Seele und schafft es dann noch auf sympathische Weise, in fast jeden Song eine politische Botschaft zu verpacken.

    „I’m sick and tired of the state of this nation”

    Ein Song über ihren shitty landlord, der sie in London in einer eigentlich unbewohnbaren Wohnung hausen lässt („Death Trap“). Der nächste Song über die „War Crimes“ der britischen Regierung, gefolgt von „Nothing Shines On This Island“, das den Lifestyle der Reichen kritisiert und aufzeigt, wie es den unteren Schichten Großbritanniens immer schlechter geht.

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    Man könnte fast sagen, Chloe Slater verpackt ihre Gesellschaftskritik und politischen Analysen in Songs. So negativ das vielleicht klingen mag, umso schöner klingt es. Denn natürlich gehören zum Repertoire von Chloe Slater auch melancholische Liebeslieder. Und ich bin sehr gespannt, was von der vielversprechenden Indie-Rock-Sängerin als nächstes kommt.

    Meine zweite Neuentdeckung, die ich euch vorstellen möchte, kommt aus Österreich und heißt Jo The Man The Music. Hier wird es jetzt weniger politisch, dafür noch emotionaler. Die super zarte Stimmung von Sängerin Johanna hört sich so warm und vertraut an, dass ich mich von Sekunde 1 verliebt habe. Ihre erste Single „Skinny Dipping“ hat mich durch den Spätsommer begleitet. Ein Mix aus leichten Strophen und starkem Chorus, der den Song niemals langweilig werden lassen könnte.  Und auch die nächsten beiden Singles, die Künstlerin in diesem Jahr veröffentlichte, schlossen genau da an. Direkt im Januar erwartet uns eine EP von Jo The Man The Music – also merkt euch diesen Namen direkt mal, er wird im kommenden Jahr noch wichtig.

    Weitere Alben, die ich 2025 geliebt habe:

    Djo – The Crux (Deluxe): Wie könnte man sich auch nicht in die Stimme vom real-life Steve Harrington verlieben? Die klingt nämlich genauso gut wie die schauspielerischen Leistungen von Joe Kerry bei „Stranger Things“. Das zeigt sich darin, dass sich „The Crux“ wie eine Geschichte hört, die sich nur als ganzes Album richtig entfaltet.

    Orbit – Countless Feelings But So Few Words: In meinen Teenie-Jahren habe ich gerne den kitschigen Spruch „Musik an, Welt aus“ benutzt. Bei der Musik von orbit passt dieser Spruch aber so perfekt, dass der Kitsch einmal wieder ausgepackt wird. Was mir diese Musik bedeutet, darüber habe ich einen ausführlichen Artikel in unserem Print-Magazin geschrieben, schaut doch da mal rein und sichert euch ein Exemplar.

    Olivia Dean – The Art Of Loving: Einfach ein Meisterwerk. Alles, was diese Frau produziert, klingt unglaublich harmonisch und originell. Die Songs bleiben im Gedächtnis und verlassen es auch so schnell nicht wieder.

    Wet Leg – moisturizer: Diese Band bringt eine Energie auf die Bühne, die sie im Album ganz gut konserviert. Einfach mal kreischen in einem Song? Ja, gar kein Problem. Vor allem „CPR“ hat es mir angetan.

    The Neighbourhood – (((((ultraSOUND))))): DIE Band, die mich begleitet seitdem ich 12 bin. Absolute Comfort-Musik für mich. Da das Album aber erst im November rausgekommen ist, steht es im internen The Neighbourhood-Ranking noch recht weit hinten, ich bin aber zuverlässig, dass sich das noch ändern wird.

    Natürlich gibt’s noch eine ganze Menge mehr Songs, die mich durch mein Jahr begleitet haben, deswegen habe ich sie euch hier in einer Playlist zusammengestellt:

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  • Blair Davie erinnert uns, wie schön die Liebe klingt

    Blair Davie erinnert uns, wie schön die Liebe klingt

    Newcomer*in Blair Davie kehrt im Herbst 2025 mit First And Last zurück – einer gefühlvollen EP über die Liebe in all ihren Phasen. Am 8. Oktober erschienen, reiht sich ein herzerwärmender Song an den nächsten. In sechs wunderschönen Tracks erzählt Blair eine Story vom ersten Herzklopfen bis zum Für-immer-Gefühl. Mit First And Last hat das schottische Ausnahmetalent eine Sammlung geschaffen, die berührt und uns daran erinnert, wie Liebe sich anfühlt und wie sie klingt, wenn man sie wirklich zulässt.


    Wenn du vergessen hast, wie sich Liebe anfühlt – First And Last erinnert dich daran. 

    Blair Davie ist eines der wenigen Talente, bei dem man beim Hören der Songs direkt gute Laune bekommt. Man hört förmlich die Freude am Songwriting und Singen in jedem Wort, und diese positive Energie überträgt sich von der ersten Note an. So wirkt auch diese EP absolut authentisch. Der Opener setzt den Ton für die gesamte EP: verletzlich und ehrlich, träumerisch und sanft. Ganz ohne Filter. Bei „Coming Back Babe“ ist die rohe Power von Blairs Stimme sofort spürbar. Als kraftvollstes Instrument entsteht zwischen Sounds ähnlich Adele und Bruce Springsteen (wie Blair selbst sagt) ein intensiver Sound, gefüllt mit verliebten Textzeilen. 

    impulsiv, unvernünftig, wunderschön

    Blair singt vom Davonlaufen, von Freiheit und der Sehnsucht nach einem Für immer zu zweit.

    „you and me runnin‘, never coming back, babe“ 
    „two hearts in a black car and we drive away“ 

    Im Zentrum steht die Flucht ins Glück, weit weg von allem, fokussiert auf eine gemeinsame Zukunft, immer mit dem beflügelten Gefühl vom Verliebtsein, das mitschwingt. 

    Dass das größte aller Abenteuer in der Liebe liegt, wird auch im nächsten Song hörbar.  „Crashing The Car“ ist ein Track darüber, jemanden so intensiv zu lieben, dass alles andere nebensächlich wird – sogar das Leben selbst:

    „if we end up crashing the car, I’m happy we made it this far
    „darling, I know in my heart, it’s a beautiful way to go into the dark if I die wherever you are“  

    Der Song erzählt von Hingabe und der Bereitschaft, intensive Liebe zuzulassen, sodass sie dem Tod entgegensteht. Trotz der etwas düsteren Metapher ist dieser Song eine weitere poetische Liebeserklärung, wobei außerdem auch ein Gefühl von Hoffnung durch den optimistischen Gedanken auf ein Wiedersehen im nächsten Leben mitschwingt: „If you asked me, I’d leave the whole world behind. If we meet in another life, then it’s alright“.  

    Im Kontrast dazu folgt im nächsten Song die Freude über das Leben zusammen. „What a Life“ erzählt vom Gefühl, jemanden zum ersten Mal in die eigene Welt mitzunehmen – ins Zuhause, in Erinnerungen, in das, was man liebt und wo man herkommt. 

    there ain’t no taste of home down the telephone, so welcome to my little slice of something called paradise“

    Zwischen den Zeilen klingt Blair Davies Herkunft aus Perth, Schottland an und es scheint fast so, als würde die Liebe die Heimat in neuem Licht erscheinen lassen.

    „all the streets sound like they’re singing now that I‘ve got you in it  – what a life“

    Die Zeilen erwecken den Eindruck, als würde Blair die Welt durch eine rosarote Brille sehen – aber eine, die ganz ehrlich getragen wird, ohne Kitsch, einfach aus purer Freude.  

    Mit Freude geht es auch in den nächsten Track. „Wouldn’t Be Right“ ist ein weiterer Feel-Good-Song über Zufriedenheit mit dem, was man hat, auch wenn nicht immer alles einfach ist. Es braucht nicht die neuesten und teuersten Sachen, solange man eins hat: die Liebe.

    „I know that it’s worth it all the days that you’re mine“
    „it might not be perfect all of the time, but with any other human, no it wouldn’t be right“

    Trompeten- und Gitarrenklänge ziehen sich durch den Song und geben dem Ganzen einen sehr glücklichen Folk-Vibe. Euphorisch und ehrlich singt Blair darüber, dass es am Ende nur darauf ankommt, jemanden zu haben, mit dem sich alles richtig anfühlt, egal, wie chaotisch das Leben gerade ist.

    Der Titeltrack verdichtet das zentrale Motiv der EP: ewige Liebe, die bleibt. Als Herzstück des Projekts fasst „First And Last“ vieles alles aus den vorangegangenen Songs zusammen. Blair macht deutlich, was es heißt, jemanden so sehr zu lieben, dass diese Person zur Hauptfigur im eigenen Leben wird. Nicht aus Selbstaufgabe, sondern aus Vertrauen und Nähe:

    „you’re the protagonist in my little life“

    Es geht um das Gefühl, jemanden gefunden zu haben, bei dem man ankommen darf. Für immer. 

    „from hellos to goodbyes, every morning, every good night – I’m all yours, you’re all mine, till the end of time“

    Der Song fühlt sich an wie eine musikalische Umarmung und transportiert Wärme, Hingabe und ein Versprechen für immer. Ähnlich weiter geht es im letzten Song, wobei es zum Abschluss nochmal kraftvoll wird: „Butterflies“ ist eine Ballade über Liebe, die nicht vergeht, über Schmetterlinge, die nicht wegfliegen. 

    „these butterflies don’t ever fly away“

    Blair singt von einer Liebe, bei der das Kribbeln im Bauch nicht verschwindet, sondern zu etwas Beständigem wird. Eine Liebe, die wächst, die reifer, tiefer, echter wird. Außerdem singt Blair von einer Liebe, die bedingungslos ist – davon, dass man sich für jemanden nicht verändern muss, weil man genau so geliebt wird, wie man ist. Diese Zeilen feiern Akzeptanz, Vertrauen und ermutigen zur Selbstannahme: „You can change but you don’t have to for me: I love you now matter what“. Butterflies bildet ein sanftes, aber kraftvolles Ende einer EP, wobei eine Mischung aus Klavier- und Gitarrenklängen Blairs unverwechselbare Stimme tragen. 


    Eine Ode an die Liebe

    First And Last ist kraftvoll, mutig und herzerwärmend. Zwischen Intimität und Euphorie zeigt Blair Davie eine beeindruckende Entwicklung, sowohl erzählerisch als auch emotional: „It’s a love story from first moment you meet that person, falling head over heels for them and then how that love grows and grows with everything you go through together“, so Blair selbst über das Projekt.
    Die EP lässt einen das Leben kurz vergessen und erinnert gleichzeitig daran, warum es so schön ist, zu fühlen, zu vertrauen, zu lieben. Sowohl musikalisch als auch persönlich hat Blair Davie bereits einen großen Entwicklungsprozess hinter sich und wir sind gespannt, wohin die Reise weitergeht.

    Fotos: MOTHER ARTISTS

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  • ENDE nehmen uns mit in ihr UTOPIA

    Mit ihrer neuen EP „UTOPIA“ surft das wiener Duo ENDE weiter auf der neuen neuen deutschen Welle. Fans des Genres könnten die beiden schon von Songs wie „cowboy1“ oder „räuber“ kennen. Seitdem haben sie einige Singles und nun ihre erste EP veröffentlicht. Sie handelt von Unsicherheiten, innerer Zerrissenheit und von Versuchen, die emotionale Mauer um sich herum in kleinen Schritten abzubauen. Über düsteren Gitarren und Synthies versuchen ENDE komplexe und widersprüchliche Gefühle in Worte zu fassen und malen dabei mit Lyrics wie „Schreib Anekdoten In der hässlichsten Schrift / Briefe an die Toten Falls man sich trifft“ sehr eindrückliche Bilder. Sie selbst beschreiben ihre Musik mit den Worten:

    „Mal ist es das Weglaufen vor sich selbst, mal das Suchen nach einem Ort, der sicher ist. Manchmal flieht man zu zweit, manchmal ganz allein. Aber egal wie, irgendwas treibt einen immer weiter“.

    Der erste Song „kopfverdrehen“ beginnt mit eingängigen und treibenden Drums und gibt eine Energie vor, die sich auch durch die folgenden Lieder zieht. Er handelt von Selbstzweifeln in einer Beziehung und von der Angst, die andere Person nicht zu verdienen. Es geht um die Ambivalenz, zwischen der Sicherheit, die die Beziehung gibt und der Angst davor sich emotional zu öffnen. Im Refrain kommt dann aber doch ein kleiner Hoffnungsschimmer auf. Die Zeile „Komm, ich lass‘ mich darauf ein / (Komm, ich lass‘ mich darauf ein) / Ab heute nie wieder zu zweit allein“ zeigt, dass es sich auch trotz Commitment Issues lohnen kann, wenn man sich seinen eigenen Gefühlen hingibt. Das ist ein Thema, das in aktueller Musik große Präsenz findet. Auch Artists wie Sombr, Paula Hartmann oder Berq haben damit zu kämpfen und schreiben Songs, mit denen viele unserer Generation relaten können.

    Zwischen Unsicherheiten und unerfüllten Sehnsüchten

    Der Anfang von „radar“ klingt wie ein Glitch oder als würde jemand auf den Skip Back Button klicken und verdeutlicht die Unsicherheit, die die ganze EP thematisch beeinflusst. Der Song ist geprägt von düsteren Synthie Sounds und vermittelt eine ambivalente Stimmung von Euphorie und Verlustangst. Er hat den Vibe einer durchzechten Nacht, die irgendwie magisch ist, in der man aber möglicherweise die eine oder andere Fehlentscheidung getroffen hat. Gleichzeitig schwingt die Realisation mit, dass nicht jeder Moment so utopisch sein kann wie dieser und das utopische Gefühl von Unendlichkeit nicht für immer bleibt.

    Wenn Eskapismus ein Lied wäre, wäre es „laufen“. Es beschreibt das Gefühl, das bestimmt alle kennen, wenn man manchmal einfach alles hinter sich lassen und ein neues Leben am anderen Ende der Welt aufbauen möchte. Worte wie „Nimm meine Beine in die Hand / Schleich mich in ein anderes Land“ oder „Hab nichts, nur den Wind im Rücken / Hinter mir, brennen alle Brücken“ verdeutlichen dieses Gefühl sehr gut und machen den Song zu meinem persönlichen Favoriten der EP. Die Rastlosigkeit und die leichte Misanthropie, die in „laufen“ herrschen werden im Outro abgelegt und ENDE geben zu, dass sie doch nicht ganz allein sein wollen:

    „Keinen Koffer, keinen Plan / Lass alles, alles, alles da / Alles, alles außer dich / Dich nehm ich mit“

    Widersprüchliche Gefühle und ein kleiner Hoffnungsschimmer

    Der nächste Song „sterne“ startet mit flirrenden Ravesynthies und wird wieder etwas ruhiger sobald der Gesang einsetzt. Die ganze EP zeichnet sich durch Gegensätze aus und das wird bei diesem Song mit Zeilen wie „Deine Worte wärmen Meine / Blicke bleiben kalt“ besonders deutlich. Er handelt von einer emotionalen Mauer, die man um sich herum aufbaut und dem Kontrollverlust über sich selbst, der schlussendlich zum Zusammenbruch führt.

    Auch der letzte Song „überfall“ ist geprägt von Widersprüchen und beschreibt in der ersten Strophe ein Gefühl von einer lähmenden Ungewissheit, das in der zweiten Strophe zwar nicht ganz abgelegt, aber zumindest aus einer anderen Perspektive betrachtet werden kann. Besonders die Zeilen „Ich hab die Hände hinterm Rücken und die Finger gekreuzt / Ich hoffe, dass ich nichts bereu“ machen den Song zu einem passenden Outro für die EP, da sie viele Fragen unbeantwortet lassen und gleichzeitig Hoffnung für die Zukunft geben.
    All in all ist „UTOPIA“ eine Hommage ans Sich-verloren-fühlen und kann damit vielen aus der Seele sprechen, die auch nicht ganz wissen, wer sie sind und wer sie sein wollen. Die Songs haben den typisch rauen und treibenden NNDW-Post-Punk Sound, der zu den zerrissenen und nicht ganz eindeutigen Lyrics passt. Musikalisch und auch thematisch könnte die EP etwas für Fans von Steintor Herrenchor oder EASY EASY sein.

    ENDE EP UTOPIA

    Bei Konzerten stehen ENDE sogar zu viert auf der Bühne und wer Lust hat „UTOPIA“ live zu erleben, kann in diesen Städten vorbeischauen:

    04.10. Linz – Stadtwerkstatt 
    14.10. München – Unter Deck
    15.10. Köln – Jaki
    16.10. Berlin – Monarch
    17.10. Hamburg – Molotow
    18.10. Hannover – Kiezkultur Festival

    Fotos: Felix Kafka

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  • Nahbar, ehrlich, leise stark: philine über das Leben im Hier und Jetzt

    Nahbar, ehrlich, leise stark: philine über das Leben im Hier und Jetzt

    Mit der am 05. September 2025 erschienenen EP The Truth of Living in Reality gelingt philine eine Kollektion, die nicht nur ihre persönliche Geschichte erzählt, sondern die Gefühle einer ganzen Generation einfängt. Sie zeigt, dass man nicht immer alle Antworten braucht. Manchmal reicht es, ehrlich hinzuschauen, zu fühlen und im Moment zu sein. In sechs Songs widmet sie sich den großen und kleinen Fragen des Lebens in den 20ern: Beziehungen, Selbstfindung, Veränderung, Verletzlichkeit und der Akzeptanz des Hier und Jetzt. Mit rohen Emotionen, sanften Gitarrenklängen und kleinen Chören hier und da schafft sie ein Soundbild zwischen Melancholie und eindringlicher Intimität. Ihre Lyrics sind nahbar und ehrlich.


    The truth of living in reality – Fazit: It’s not always easy. 

    Selbst habe ich mich oft in den Songtexten wiedergefunden, weshalb mich die EP schon beim ersten Hören abgeholt hat. Die 20er sind die Zeit des Lebens, wo die meisten von uns viel Veränderung erfahren, sich (neu) entdecken, hinterfragen: Wer bin ich eigentlich und was will ich vom Leben? Philine verarbeitet diese Ambivalenz, das Schwanken zwischen Sicherheit und Unsicherheit, Wissen und Nichtwissen.

    Die EP überbringt die Botschaft, sich nicht mehr im Traum verlieren zu wollen, keine Scheu vor der Wahrheit, vor dem Leben im Moment zu haben. Manchmal muss man über seinen Schatten springen und der Realität ins Auge sehen, denn auch schwierige Momente lassen uns wachsen. 

    Den Anfang macht „waste a life“, in dem philine singt, wie sehr sie sich danach sehnt, nicht länger vor dem Moment davonzulaufen, sondern das Leben im Hier und Jetzt genießen zu wollen, statt es aus Angst vor der Zukunft zu verpassen.

    „I’ve already spent a few years crying over what I wanted, missing out on all the parts that were in front of me“

    Sie reflektiert den Gedanken, zu lernen, dass die Freude über Gutes größer sein kann als die Angst, es wieder zu verlieren. Sie erkennt: „I‘m always scared of losing“ und „I don’t wanna waste a life like this“. Im Song singt sie über ihre Vergangenheit, dass sie schon immer so war, sich vieles nicht getraut und Spaß verpasst hat, immer mit der Angst, zu versagen. 

    „If you think it’s gonna happen, then it’s what you get“

    Sie erkennt, sich und ihren Blick auf die Dinge ändern und nicht mehr auf Negatives fokussiert sein zu wollen, denn eine positive Einstellung bringt auch positive Dinge mit sich. Der Song vermittelt die Botschaft, nicht mehr allem hinterherrennen zu wollen, sondern im Moment zu leben und sich über das zu freuen, was da ist. Mit sanften Gitarrenklängen entfaltet der Song eine Wärme, die sich direkt überträgt.

    Auch ihr zweiter Song „ten years time“ vermittelt die Message: lebe im Moment. Sie singt zuerst über die Hin- und Hergerissenheit zwischen dem aktuellen Leben und zukünftigen Fragen, diesmal aus der Perspektive einer Beziehung. Der Song handelt von partnerschaftlicher Zukunft, Fragen nach Schwangerschaft, Liebe selbst. Philine findet keine Antworten auf diese Fragen im Song, denn auch hier ist das Fazit: Heute ist wichtiger als die Zukunft, wobei der Refrain als Plädoyer fürs Hier und Jetzt gilt: „right here in the moment’s where the magic is (…) forget about ten years time“.  


    Ein Storytelling, das im Stillen trifft

    Der dritte Song ist mein persönlicher Favorit und bildet meiner Meinung nach den Kern der EP, da er zwei Perspektiven gegenüberstellt und philines inneren Konflikt widerspiegelt. „The devil’s advocate“ erzählt auf der Suche nach Orientierung von einem Kampf zweier Seiten: „There’s one believing in a purpose, the other one is nihilistic“. Sie fragt im Song nach dem Sinn im Leben, nach der richtigen Perspektive und so trifft Reflexion auf innerliche Zerrissenheit: „to all that we know there’s an opposite“

    I can’t pick a side and just go with it

    Die Unsicherheit bleibt, beide Stimmen haben ihre Daseinsberechtigung. Wie weiß man, ob das Leben einen höheren Sinn hat oder unser Dasein zum reinen Zeitabsitzen dient? „I just can’t figure out what’s the narrative“ Die Frage nach Bedeutung vs. Sinnlosigkeit bleibt, immer mit der Rücksicht, dass jede:r die Welt auf eine eigene Weise sieht: „cause my reality is just what I perceive, so who am I to judge the things that you believe?“.

    Der nächste Song greift ebenfalls eine Zerrissenheit auf. „Heavy“ beschreibt die eigene Desorientierung in einer schwierigen Phase, nicht zu wissen, wohin mit sich und das Gefühl zu haben, für andere „zu viel“ zu sein. „Every word feels like rejection and I don’t wanna lie so I bore you with silence but believe me, I try to make sense of the sadness“. Philine äußert, selbst zu leiden und singt über innere Schwere und das Ringen um Leichtigkeit: „When did it get so heavy, and how do I get it light?“. Sie singt über ihre Gefühle in einer schweren Zeit und zeigt sich von einer sehr verletzlichen Seite. 

    Auch im folgenden Lied der EP, „josie“, spürt man pure Emotionen und eine Spur Verletzlichkeit. Sie reflektiert ihre letzte Beziehung und nutzt den Song, um Klarheit zu bekommen – etwas, das sie von ihrer Partnerin nie bekam: „I’d love to get closure but you’re not gonna give it, I know that“. Sie singt darüber, dass die Beziehung sie verändert hat und arbeitet die Fehler auf. Zusätzlich beschreibt sie den Wunsch, mehr gewollt zu haben, aber nicht viel entgegen gebracht bekommen zu haben. „When I told you, you were my first real love, then you asked for space and you broke that trust“. Sie zeigt sich sichtlich verletzt und versucht, ihre Wunden im Song zu verarbeiten. Sanfte Klänge treffen hier erneut auf unverblümte Ehrlichkeit.



    Zwischen Schmerz und Stärke

    Ein emotionaler Schmerz zieht sich ebenfalls durch die Lyrics des letzten Songs. „New year’s eve“ ist ein Track über den schmalen Grat zwischen Liebe und Verrat. „I used to trust you more than me, but everything changed since new year’s eve“. Philine singt von Veränderung, von einem Bruch von Nähe und Vertrautheit. Dabei hinterfragt sie auch ihr eigenes Verhalten. Hätte sie etwas vermeiden oder retten können? Hätte sie sich schützen können? „Maybe I should’ve been much clearer, I should’ve set more boundaries.“ Selbstzweifel machen den Song nahbar und ihre Offenheit berührt. 

    Musikalisch setzt philine auf fragile Klänge, die Raum für ihre Texte lassen. Passend zum Cover, das sie verschwommen im Sonnenuntergang zeigt, entfaltet sich zwischen melancholischer Sanftheit und catchy Indie-Melodien eine EP, die wie eine Momentaufnahme wirkt.

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