Schlagwort: Indie Rock

  • Urbannino im Interview: »Angekommen? Ja. – Für immer da bleiben wollen? Nein.«

    Urbannino im Interview: »Angekommen? Ja. – Für immer da bleiben wollen? Nein.«

    Im November veröffentlichte Urbannino sein Debütalbum noch Zehn gute Jahre. Die, passenderweise zehn, Tracks unterscheiden sich massiv von seinen musikalischen Anfängen und erinnern stattdessen freundlich an 2000er Indie à la The Strokes und Bloc Party, jedoch auf Deutsch. Live steht er aktuell mit ausgefallenem Anzug, Krawatte und eigener Band auf der Bühne, mit der er vor kurzem auf seiner ersten Tour das Album klassisch der Reihenfolge nach präsentierte. Nachdem er sich musikalisch bereits viel ausprobierte, scheint er nun den ernsteren Themen des Lebens in die Augen zu blicken, ohne jedoch den Spaß an der Musik dabei zu vernachlässigen. Vielleicht haben wir ihn vorher alle ein wenig unterschätzt – Nun ist das Album da und zeigt, was Urbannino sein und noch werden kann.

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    Im November, ein paar Tage vor dem Releasedate, traf ich mich mit dem Musiker online für ein Gespräch. „Ist gerade einfach ein bisschen viel auf ein mal, aber das schaff ich alles„, erzählt er mir zu Beginn locker. Auf die Frage, wie der Albumtitel entstand, erklärt Urbannino, dass er auf eine Geschichte vor zwei Jahren zurückgeht: „Ich war mit Freund*innen am See und wir haben darüber geredet, dass die Welt gerade irgendwie vor die Hunde geht. Ein Freund von mir meinte dann, dass wenn nichts bleibt, wir dann noch zehn gute Jahre haben. Dieser Satz ist seit dem bei mir hängen geblieben. Aber ich überlass den Leuten auch gerne ihre eigene Interpretation dafür.“ Der Gedanke scheint hoffnungsvoll und nihilistisch angehaucht zugleich. „Hast du eine Vorstellung davon, wie dein Leben in zehn Jahren sein wird?“, frage ich. „Ne, aber das will ich auch gar nicht wissen.

    Als nächstes frage ich nach den Themen, die sich durch die Tracks durchziehen. „Zum Einen geht es um eine Person, die sich durch ihre 20er hangelt und sein oder ihr Umfeld richtig kennenlernt und auch die Liebe aus den Händen rutscht. Andererseits geht es zum ersten mal auch konkret um mein Leben und meine Familie„, erklärt Urbannino. Quasi ein Balanceakt zwischen Anekdotenartiger Geschichtenerzählung und dem Entblößen der eigenen Lebensrealität. Es sei ihm nicht besonders schwer gefallen, sich im Schreibprozess zu öffnen, da Produzent FFAK und er die Studiotage als freundschaftliche Gespräche gestalteten. Auch die ernsteren Punkte seien im Gesprächsfluss natürlich aufgekommen: „Wenn man solche Themen auf Krampf aufbringt, merkt man auch in den Songs, dass es nicht echt ist.“ Bei der Veröffentlichung sei das Gefühl aber weniger locker: „Bei dem Singlerelease von Zum Glück habe ich das schon gemerkt, dass es echt nicht leicht ist, so etwas persönliches in’s Internet zu stellen und vor allem auch zu bewerben. Mental Health zu kommerzialisieren fühlt sich seltsam an, da muss man schon aufpassen.“ Die Single schreckt nicht davor zurück sensible und persönlich treffende Themen wie Suizidgedanken und Selbstverletzung zu behandeln.

    „Hast du selbst einen Lieblingstrack auf dem Album?“, frage ich neugierig. „Ich glaube das ist abhängig vom Moment. Gerade ist es Ponyhof, weil ich Shitney Beers liebe und das Feature wie ein Ritterschlag für mich war. Ansonsten denke ich, dass Kleiner Engel der wichtigste und vielleicht sogar beste Track auf dem Album ist. Der packt das ganze Album in einen Kontext und schließt das so vollkommen ab. Gleichzeitig gibt der vielleicht auch einen Ausblick auf das, was noch kommt.“ Auch ich finde, dass das Album sich auf den ruhigen, intimen Track im Finale hin aufbaut. Gleichzeitig kam der Song beim ersten Hören doch sehr unerwartet. Doch Urbannino hat schon eine Erklärung für mich parat: „Fun Fact, wieso der unerwartet klingt ist, weil es ihn eigentlich nicht gegeben hätte. Wir hatten schon zehn Songs, der letzte hieß eigentlich ‚Aus Aus und Vorbei‘. Beim Überarbeiten dachten FFAK und ich aber, dass er doch nicht gut genug ist. In der letzten Nacht haben wir gequatscht, geraucht und ein bisschen auf der Gitarre rumgespielt und dabei ist der entstanden. Also auf den aller letzten Metern um vier Uhr morgens. Kleiner Engel ist ein Zufallsprodukt, aber ohne ihn wäre das Album nicht so geworden, wie es jetzt ist.

    Endlich kommen wir auch zu dem Thema von Urbanninos neu angetretenen Indie-Rock Ära, das für mich persönlich sehr spannend ist. Davon, dass er vorher er sich vorher eher in der Ecke von New Wave und Rap aufhielt, ist nichts mehr davon zu hören. Von direkten Referenzen wie The Drums Lyrics in Sieben Leben, hin zum eingängigen Gitarrensound, der nostalgisch werden lässt und doch aktuell wirkt – Alles lässig und ungezwungen. Manche Parts klingen so bekannt und fast schon heimisch, dass man beim Hören versucht zu verstehen, an welchen Track einer großen internationalen Indie-Rock Band sie erinnern. Ich finde, genau das hat uns auf Deutsch momentan gefehlt. Scheint so, als hätte Urbannino bewaffnet mit starken Referenzen eine Nische für sich gefunden, in der er musikalisch aufgehen kann.

    Wie es zu dem Genrewechsel kam, kann er selbst nicht genau sagen. „Ich glaube es gibt andere Artists, die es super gut hinkriegen, von Anfang an eine Linie zu fahren. Ich stelle mir aber ständig die Frage ‚Was will ich eigentlich sein?‘. Ich glaube was sich verändert ist, dass ich eben erwachsener werde. Mein Hörverhalten, mein Umfeld und wie ich Dinge verarbeite, verändern sich und sind auch ausschlaggebend dafür. Das Soundbild ist aber auch dem geschuldet, dass FFAK krasser Multiinstrumentalist ist und es sich durch die Zusammenarbeit im Studio automatisch in Richtung Band entwickelt hat.“ Ich denke nicht, dass unbedingt gut ist, dass manche Artists musikalisch immer auf der selben Schiene bleiben, weil sie vielleicht Angst vor Brüchen haben. „Ich glaube das ist auch ein Ding von Social Media und Vermarktung. Man hat eine Identity und will sich dann ja auch weiter in dieser einen Nische verkaufen. Zum Geld Verdienen ist es schon besser, wenn man 20 Tracks macht, die klingen wie der erste, der bekannter wurde. Das ist total nachvollziehbar, es ist halt kommerziell lukrativ„, so Urbannino. Er merke auch im Vergleich der Streamingzahlen deutlich, dass die Leute nicht bereit für den Schritt zu seinem neuen Albumsound seien. „Das ist auch okay„, fügt er hinzu.

    „Meinst du, du bist mit deinem Projekt jetzt angekommen, wo du sein willst?“, frage ich und erhalte ein lachendes: „Das zu wissen wäre ultra geil“ zurück. „Zu der konzeptionellen und der visuellen Welt, die wir zum Album aufgebaut haben, würde ich sagen, ja. Ich würde gerne immer mit so viel Effort an meine Sachen rangehen. Musikalisch fühle ich mich in dieser Indie-Ecke schon ganz wohl, möchte dort aber noch mehr experimentieren. Angekommen: Ja – Für immer da bleiben wollen: Nein.“ Zum Album erschienen auch aufwendige Musikvideos, die dem ganzen einen ansprechenden visuellen Rahmen schenken:

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    Ich spreche nochmal konkret auf die erweckende Indie Sleaze Nostalgie des Sounds an. „Ich finde einer der besten Songs ist Let’s Go Surfing von The Drums. Der funktioniert einfach von vorne bis hinten. Ich dachte immer, es wäre ultra nice so eine Art von Song zu machen,“ erinnert er sich zurück. Und das ist ihm gelungen. Wir sind uns beide einig, dass eine Band, die das in Deutschland schon seit einer Weile ebenfalls geschickt hinkriegt, EASY EASY ist. „Aus dieser Indie Rock Ära um 2010 herum gibt es so viele Timeless Classics, die gefühlt immer nur noch besser altern. Ich bin jetzt nicht der aller größte allwissende Fan von The Drums oder allgemein diesem Genre, aber ich finde man checkt sehr schnell den Vibe und wie das funktioniert.“ Dafür nehm ja ich die Rolle des Superfans ein. Ich erzähle, dass ich ein paar mal beim Hören des Albums einen kleinen The Strokes-Moment fühlte, was ich hoch anrechne, da es sich um eine meiner absoluten Lieblingsbands handelt. „Ach wie schön, wir haben uns auch wirklich was von The Strokes abgeschaut„, bringt er mir entgegen. Generell sei es die beste Entscheidung in seinem Musikerdasein gewesen, sich eine eigene Band dazu zu holen. „Ohne scheiß, das hat mein Leben verbessert„, sagt er sofort in hörbarer Begeisterung. Er schwärmt mit Lächeln in der Stimme von seinen Bandmitgliedern und dem Spaß, den sie gemeinsam haben. Zuvor trat der Musiker alleine live auf, doch das unschlagbare Upgrade und neugewonnene Energielevel sieht man ihm bei den Liveshows direkt an. „Jetzt sehe ich richtig wohin ich mit der Musik noch kommen kann und finde, meine Musik entfaltet mit der Band ihr Potential. Ich find’s aber auch mega wichtig, dass sich Artists zu Beginn nicht stressen lassen und auch alleine mit Laptop ihr Ding machen. Das ist ein guter Weg um etwas Geld zu verdienen und überhaupt irgendwo anzukommen.

    Meine letzte Frage ist wie immer eine untold Story, also eine Geschichte oder ein Geheimnis, das noch nicht öffentlich erzählt wurde. Ohne zu zögern fällt Urbannino auch schon was ein: „Die vorherige EP hieß Wenn nichts bleibt, dann… und das Album danach noch Zehn gute Jahre, das soll ein ganzer Satz sein. Ich hab mir das schon vor zwei Jahren ausgedacht und so darauf hin gefiebert, dass die Leute das checken. Aber es hat bisher einfach noch niemand gecheckt. Wann sagt endlich jemand was dazu?„, fragt er lachend. Eine ungewollte untold Story quasi.

    Foto Credits: @/Paul.Pokes

  • untoldency proudly presents: ENGIN „Mesafeler“-Tour 2024

    untoldency proudly presents: ENGIN „Mesafeler“-Tour 2024

    Seid ihr bereit, den Winter endlich abzuschütteln und den Frühling mit all seiner Lebensfreude zu begrüßen? Natürlich seid ihr bereit, was für eine rhetorische Frage. Aber wisst ihr auch schon, wie ihr das machen werdet? Falls nicht, haben wir die perfekte Empfehlung für euch! Indie-Rock Phänomen ENGIN sind im April und Mai auf großer Tour und kommen ziemlich sicher auch in eine Stadt in eurer Nähe! Und wenn es eins ist, was ENGIN können, dann beim Winter Abschütteln helfen und einen Haufen Endorphine wieder zurück in eure Systeme zu leiten. Wann, wieso und vor allem wo, erfahrt ihr hier – denn wir dürfen die Mesafeler-Tour mitpräsentieren!


    Einmal deutsch-türkischer Indie-Rock zum Mitnehmen, bitte.

    Wir haben euch ENGIN schon als einer unseren artists to watch 2024 vorgestellt und nachdem im Februar ihr neues Album Mesafeler erschien, würden wir hier gerne nochmal drei Ausrufezeichen mehr hinter setzen. ENGIN kombinieren deutschsprachigen Indie-Rock so gekannt mit türkischen Einflüssen wie es noch keine andere deutsche Band vor ihnen gemacht, dass wir nicht im Entferntesten überrascht sind, wie gut das funktioniert. Im Interview haben wir die drei sympathischen Jungs aus Mannheim Details zum neuen Album Mesafeler ausgequetscht, bald erfahrt ihr hier also mehr interessante Einblicke hinter die Eigeninterpretationen türkischer Anadolu-Rock Klassiker. Live klingt das dann so:

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    Als Vorband bereits für Von Wegen Lisbeth getourt und mehrfach ausverkaufte Konzerte in der Türkei gespielt, sind ENGIN jetzt endlich auf eigener großer Headline-Tour! Hier könnt ihr sie erwischen:

    25.04.2024 – München, Ampere
    26.04.2024 – Wien (AT), B73
    30.04.2024 – Münster, Pension Schmidt
    01.05.2024 – Hannover, Faus
    02.05.2024 – Köln, JAKI
    03.05.2024 – Erlangen, E-Werk
    04.05.2024 – Berlin, Gretchen
    08.05.2024 – Ulm, Roxy
    09.05.2024 – Regensburg, Underground (Alte Mälzerei)
    13.05.2024 – Leipzig, Naumanns

    14.05.2024 – Dresden, Ostpol
    17.05.2024 – Reutlingen, franz.K
    18.05.2024 – Frankfurt, Brotfabrik
    19.04.2024 – Fulda, KUZ Kreuz
    21.05.2024 – Bielefeld, Nr. z.P.
    22.05.2024 – Hamburg, Nachtspeicher
    23.05.2024 – Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus
    24.05.2024 – Essen, Zeche Carls
    25.05.2024 – Mannheim, Alte Feuerwache
    31.05.2024 – Baden (CH), Werkk

    Da ist doch bestimmt eine Stadt in eurer Nähe dabei, oder? Falls ja, schnappt euch eure Freund*innen und kommt vorbei! Es wird getanzt, gefeiert und geschwitzt und am Ende könnt ihr sagen „krass, die werden mal ganz groß und ich hab sie jetzt schon live gesehen.“

    Hier verlosen wir 1×2 Tickets, schaut einfach mal vorbei und mit etwas Glück, könnt ihr sie gewinnen!

    Ansonsten legen wir euch hier einfach mal ENGINs komplette Diskografie ans Herz, da lässt sich der Winter nämlich vorab schon ganz gut im eigenen Zimmer abschütteln.

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  • Francis of Delirium über ihr „Lighthouse“

    Francis of Delirium über ihr „Lighthouse“

    Denkt ihr euch auch manchmal „was soll das eigentlich alles hier?“ Wenn es euch wie uns geht, dann ja. Und dabei ist die Frage auch ganz bewusst so offen und unkonkret gestellt, denn die meisten Gefühle, die wir zumindestens in unseren Mitte-Zwanzigern fühle, sind offen und unkonkret. Und sie fragen sich „was soll das eigentlich alles hier?“. Francis of Delirium fragt sich das auch. Die 22-Jährige aus Luxemburg, die bereits mit Künstler*innen wie Soccer Mommy, Wolf Alice oder The 1975 auf Tour war, verarbeitet in ihrem heute erschienenen Debütalbum Lighthouse Ängste und Unsicherheiten, aber auch Hoffnung und Liebe. Es ist ein Wechsel zwischen Licht und Dunkel, verpackt in einen Sound, der, und da sind wir uns sicher, in ein paar Jahren die großen Bühnen erobern wird. Doch noch vor diesen großen Bühnen haben wir Francis of Delirium gebeten, ihre Gedanken zu ihrem Debütalbum in Kontext zu setzen und zu visualisieren.

    Describe your very own “Lighthouse” in terms of visualising music.

    francis of delirium, lighthouse, pop up records, untold music, untoldency, music magazine, indie, alternative rock, wolf alice, 1975,
    Rank the things that annoy you about growing up
    • mildy annoying : sweatier hands and armpits
    • quite annoying: having to call people on the phone yourself (especially doctors and dentists)
    • very annoying: non-creative tasks that can only be done on the computer/spending too much time on the computer

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    Make a playlist, what songs influenced your process of this album/get you through tough times?

    I’ve done a mix of roughly 33% of songs in the playlist are slow and sad that you can wallow in, 33% songs that I will dance/sing along to get you out of a funk and then 33% songs that I think influenced me, but I won’t say which is which. There is a lot going on in this playlist.

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    What would you do if it wasn’t music?

    I think I would still need some kind of creative activity to structure my life around. Making music is sort of like a spiritual practice for me, I do it almost daily. Iit gives me purpose and way to relieve pressure and things building up inside me. If I didn’t do music I think I would look something like this (blind contour self portrait).

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    Wenn euch jetzt entweder die Drawings, ihre Playlist oder einfach Francis of Delirium selbst überzeugt haben, dann hört in das Album rein! Es ist wirklich wahnsinnig gut, wir haben es bereits öfter für euch vor-gehört. Ihr könnt Francis of Delirium außerdem im April live auf Tour erwischen, schaut mal hier vorbei.

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  • Daschas Jahresrückblick: Schäbig und nostalgisch

    Daschas Jahresrückblick: Schäbig und nostalgisch

    Mein Jahresrückblick aus dem letzten Jahr liegt mir auch immer noch sehr am Herzen, wenn ich bedenke welche Probleme auch 2023 mit sich forttrug. (Hier: https://untoldency.de/daschas-jahresrueckblick-ich-habe-keine-lust-mehr/) Ein bisschen Besserung schien vorhanden, bis zur deutlichen Änderung steht noch vieles aus. Wie ironisch es ist, dass ich von Fortschritt träume, aber mich musikalisch in diesem Jahr nur nach einer früheren Zeit sehnte, ist mir bewusst.

    Ich ertappte mich dieses Jahr oft dabei genervt von aktueller Musik zu sein. Die Festival Line Ups sahen fast alle identisch aus, die neuen Releases erkämpften sich zielstrebig die Aufmerksamkeit der Algorithmen und Playlistplatzierungen. Obwohl ich nicht immer mit Hater-Attitüde darauf schauen will und auch ich gelegentlich Domiziana und Ski Aggu pumpe, begehrte ich wohl in meinem Inneren eine andere Zeit und diese zog mich immer weiter in sich hinein: Die Indie Sleaze Ära. Da ich hoffe, dass diese Zeit niemals in Vergessenheit gerät, teile ich gerne wie viel Platz dieses Thema in meinem Gehirn einnimmt. Das wird jetzt quasi kein Jahresrückblick von 2023, sondern eher 2007.

    Kurz gefasst: Die gesamte Ästhetik um die UK und US Indie Musik- und Partyszene der Zeit zwischen 2006 bis 2012 lag schon immer in meinem Interesse, begann aber dieses Jahr meine vollkommene Obsession zu werden. Alles in mir wünschte sich mehr Intensität, aber irgendwie mehr Ranzigkeit. Sleaze, zu deutsch „schäbig“, “schmutzig” beschreibt das ganze auf den Punkt. Bandmember die aussehen als würden sie ein Mal im Monat duschen, bunte Strumpfhosen mit Shorts, schlechte Digicam Fotos mit viel zu grellem Blitzlicht, exzessive, schwitzige Partys und eine große Menge aufkommender neuer Bands, die für immer ihre Spuren hinterließen. 

    Whatever People Say I Am…

    Als erstes muss ich unbedingt erwähnen, dass Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not, das 2006 erschienene Debütalbum der Arctic Monkeys, meiner Meinung nach das beste Indie Album aller Zeiten ist. Genau darin befindet sich auch die Kernessenz und der Beginn der Indie Sleaze Ära. Auf 13 unvergesslichen Songs nehmen die damals 20 jährigen die ganze Welt auf einen nächtlichen Trip durch das Partyleben von Sheffield mit. Alex Turner fungiert als Beobachter und Geschichtenerzähler: Betrunkene junge Menschen auf der Suche nach etwas Nähe, sinnloses Drama, dreckige Dancefloors und unangenehmes Erwachen am Morgen danach. Hier scheint alles egal, denn der Rausch ist die treibende Kraft der Szenerie des Albums, das eine akkurate Zeitkapsel seines Moments darstellt, jedoch keineswegs schlecht gealtert ist. Es sind keine großen Emotionen und abstrakten Lyrics, sondern banale zwischenmenschliche Situationen, die betrunkene junge Menschen nunmal durchleben. Es scheint so, als ob genau das rohe, scheinbar simple, hässliche den Nerv der Zeit traf und das große Aufsehen quasi über Nacht auslöste. Die große Geschichte des Abends besteht eben oftmals daraus das beliebteste Mädchen der Stadt auf der Tanzfläche mit einem betrunkenen Witz nicht wie erhofft zum Lachen zu bringen. Und genau diese Geschichte dann doch so mitreißend und dramatisch zu erzählen, als sei der Rest der Welt in dem Moment ein Stück weit weniger wichtig geworden, ist die Kunst des Albums. Denn sind wir ehrlich, genau diese Fokus-Verschiebung ist es, was eine Partynacht ausmacht. Man trifft durch die Tracks auf fremde Alltags-Charaktere, von denen man doch das schwammige Gefühl bekommt, ihnen selbst schon mal begegnet zu sein.

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    Die vier Musiker aus Sheffield sahen während dieser Zeit zugegebenermaßen ziemlich ranzig aus: Keine Ahnung von Fashion, nur verwuschelte Haare, laute Gitarren und Alex Turners geliebter Sheffield-Akzent. Sie wurden in Rekordzeit nach einem Hit-Single Release zu Cover Stars und Indie Ikonen. Oft denke ich an Alex Turner, der ab 2007 mit Model und Moderatorin Alexa Chung für einige Jahre das legendäre, beliebte Indie Sleaze-Paar abgab. Die Medien liebten sie und Alex Turner’ berühmter Liebesbrief an Alexa kursiert bis heute im Internet. „My mouth hasn’t shut up about you since you kissed it. The idea that you may kiss it again is stuck in my brain, which hasn’t stopped thinking about you since, well, before any kiss(…)“, ja ich kann ihn auswendig. Der Mythos besagt, Alexa hätte den Notizzettel in einer Bar vergessen, doch das Internet und ich vergaßen ihn nie. 

    Bei einem der bis dahin am häufigsten, schnellsten verkauften Debütalben Englands ist auch der Einfluss, den das Album auf kommende Indie-Rock Bands hatte, ist nicht wegzudenken. Wer einen weiteren Tiefgang in das legendäre Album machen möchte, sollte unbedingt den in diesem Jahr erschienen BBC UK Podcast „Believe the Hype“ von Kate Nash anhören, der alles rund um den Release und die Anfänge der Arctic Monkeys behandelt. Ich bin Fan: https://www.bbc.co.uk/sounds/play/m001hlds

    Selbstverständlich sind Arctic Monkeys nicht die einzige einflussreiche Band dieser Zeit gewesen. Es gibt eine Menge Bands, die genau in diese Ästhetik – ich würde es sogar eher als Phänomen bezeichnen – reinpassen. Da wären beispielsweise The Strokes, Bloc Party, Yeah Yeah Yeahs, Crystal Castles, The White Stripes, CSS, Gossip, Franz Ferdinand, Metric nur um ein Paar zu nennen. Um auf alle davon einzugehen, müsste ich wahrscheinlich ein ganzes Buch statt einem Artikel schreiben. Von knallendem Indie-Rock zu absurdem Elektro-Pop: Es ist schwierig, ihre Musik in Worten zu einer gemeinsamen Kategorie zu fassen, aber ein Gefühl verbindet sie. Ein Gefühl, dass es schafft sich beim Hören bis heute weiterzuvermitteln. Mein liebster Instagram Account ist @indiesleaze, der genau diese Party- und Musikszene, ihren Style und ihre Persönlichkeiten dokumentiert und nicht vergessen lässt. In diesem Jahr habe ich viel Zeit damit verbracht die Posts zu durchstöbern, um mir ein kleines Stückchen dieser Ära abzugreifen. 

    Dabei bin ich auch auf eine geniale Fotoreihe des britischen Fotografen James Mollison gestoßen, der Fans von Bands in diesen Jahren vor ihren Konzerten fotografierte:

    Arctic Monkeys Fans, London 2006
    Gossip Fans, Birmingham 2007
    Klaxons Fans, London 2007

    Neben Style und Musik gibt es auch Filme und Serien, die eng mit der Ästhetik in Verbindung stehen. Dabei stehen Submarine, für den Alex Turner übrigens den Soundtrack schrieb, Mysterious Skin und Scott Pilgrim vs. the World ganz oben. Michael Cera, der immer so schrecklich nachvollziehbar awkward auf Fotos aussieht, steht passend als einer der Symbolbilder der Indie Sleaze Ära ein. Die Filme sind seltsam, die Charaktere nicht den begehrenswerten Star-Standards entsprechend. Sie sind keine klassischen Meisterwerke, man könnte sagen „trashy“, aber vollkommen liebenswert.

    Skins – Hautnah

    Bleiben wir bei Symbolbildern: Erinnert ihr euch noch an Effy Stonem? Ich habe sie definitiv nie vergessen. Die coolste britische Teenager-Figur prägte eine gesamte Generation von Teenagern und wurde zum Vorbild einer neuen Ästhetik, auch wenn die dabei geschehene Romantisierung von psychischen Problemen selbstverständlich kritisch zu betrachten ist. Die Rede ist natürlich von Skins UK, 2007-2013. Mit genau dieser Serie bin ich aufgewachsen und ich könnte niemals nachzählen, wie oft ich sie bis heute gesehen habe. Skins ist quasi das Epitom des Indie Sleaze Begriffs: Es zeigt junge verlorene Menschen, die nicht in die breite Gesellschaft zu passen scheinen und die lieber feiern und Drogen nehmen statt auf andere zu hören. Die Serie und der damalige Hype um sie zeigt die Blase einer gewissen Zeit, rohe Gefühle, keine makellosen Schauspiel-Stars, sondern eine Clique ranzig aussehender Teenies, die wahrscheinlich ausschließlich nach Kippen und Bier riechen. Aber vor allem auch viel gute Musik. Ich bin froh, dass ich nicht an einem Punkt bin, dass ich Skins als cringe und überholt ansehe, sondern es immer mehr als einzigartigen Moment zu schätzen weiß.

    Effy Stonem (Kaya Scodelario), Skins UK

    Es gibt einige Musikmomente in der Serie, die immer wieder etwas in mir auslösen: Wie Main Character Effy Stonem selbstbewusst zu Shove It von Santigold feat. Spank Rock den Schulflur entlang schlendert, die Charaktere der ersten Serien-Generation einen Breakdown auf einem Crystal Castles Konzert erleben, die Skins Surprise Party auf einem Foals Konzert zu Hummer, der erste Trailer, dessen wilde Party mit Standing In The Way of Control von Gossip unterlegt war und, obwohl musikalisch nicht aus der Zeit, das große Staffelfinale mit Gesangseinlage zu Cat StevensWild World. Einen besonderen Platz in meinem Herzen hat für immer auch Don’t Preach To Me von The Skallywags, den Hauptcharakter Cooks singt, wenn er die Straße entlang läuft und er vermittelt, dass alles auf der Welt im Kern egal sei. Nichts daran ist schön oder scheint künstlich, eher schäbig und manchmal brutal. Wahrscheinlich ist diese furcht- und schamlose Nahbarkeit auch das, was die Serie so anziehend macht. Es wirkt fast so, als ob ein Teil dieser Ästhetik eben genau daraus bestand zu wissen, dass das nicht ewig anhält. 

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    Zurück zur Realität

    Dabei handelt es sich um ein dargestelltes, ungreifbares Gefühl, das ich nur noch aus der Ferne betrachten kann und nach dem ich mich sehne, obwohl ich es nie richtig kannte. Irgendwie nicht fremd, aber keine reale Erinnerung. Zwar hab ich die Zeit miterlebt, war aber definitiv zu jung, um mich in Clubs aufzuhalten. Vielleicht romantisiere ich eine selektiv dokumentierte Ästhetik zu sehr, vielleicht brauche ich diese unstillbare Sehnsucht aber auch, weil mich zur aktuellen Zeit nichts besonders reizt. Damals war gewiss nicht alles besser, jedoch strebt ein Teil von mir nach genau diesem unperfektem Chaos, von dem ich meine Augen und Ohren nicht abwenden kann. Vielleicht auch nur, weil ich das eben mit einem Sicherheitsabstand tue. Während mir momentan vieles in der Musikszene zu glatt und poliert erscheint, zog mich das Schäbige immer weiter zu sich hinein.

    Wenn man nach dem Begriff ‚Indie Sleaze’ im Internet sucht, wird man als erstes von Modeseiten darauf hingewiesen, dass das Fashion-Revival in den Startlöchern stünde. Klar, das macht Sinn, die frühen 2000er sind bereits wieder im Trend und der Kreis dreht sich bekanntlich weiter. Allerdings erhoffe ich mir, dass wir wenigstens ein bisschen mehr aus der Ära abgreifen können, als nur gestreifte T-Shirts, Skinny Jeans und hässliche Schals und die positiven Aspekte in die Gegenwart integrieren. Schließlich besteht so ein Phänomen in seiner Gänze nicht nur aus seinen Outfits. Neue Bands wie TEMMIS haben beispielweise vorsichtig, aber offensichtlich, in ihrem Musikvideo zu Arterien und auf ihrer Tour dieses Jahr auf die Ästhetik zurück gegriffen. Auch cumgirl8 aus NYC habe ich dieses Jahr live gesehen und mir unmittelbar in einem kleinen schwitzigen New Yorker Club in 2010 vorgestellt. Zwar habe ich mein Jahr mental anscheinend nicht in 2023 verbracht, während ich mir Fotos der IT-Girls Sky Ferreira und Alexa Chung angeschaut habe, jedoch haben es die verwaschenen Spuren des Indie Sleaze trotzdem  geschafft mich einzuholen. Sei es mit Hugh Harris von The Kooks zu quatschen, bei Interpol im Fotograben zu stehen, mit The Subways in einem Backstage zu sitzen, Midnight City von M83 oder zwei Songs von Whatever People Say I Am live zu erleben, es hat mich in sanfter Form auch in der Realität begleitet. Die Hits sind Hits geblieben, alles herum hat sich verändert. Ich weiß nicht genau, ob die Menschen heute insgesamt einfach langweiliger, vorsichtiger und bequemer geworden sind. Schätzungsweise wird kein versuchtes Revival das Phänomen wohl wieder in gänzlicher Kraft zurückbringen. Vielleicht ist das besser so, damit ich auch in 2024 nostalgisch in fremde verpixelte Partyaufnahmen fliehen kann.

    Zuletzt findet ihr hier meine in diesem Jahr entstandene Indie Sleaze Playlist. Sie ist mit Liebe kuratiert, sie ist lang und rückt definitiv die besten Juwelen dieser Zeit in’s (Blitz-)Licht:

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  • Playlist: indie export – the sound of benelux

    Playlist: indie export – the sound of benelux

    Waffeln, Fritten, belegte Sandwiches auf viel zu weißem Brot und das am besten nochmal alles in die Fritteuse. Das waren mit die ersten Sachen, die ich mit Belgien verbunden habe als ich hier vor plus minus 3 Jahren hergezogen bin. Neben den belgischen Eigenheiten und den viel zu teuren Drogerieartikeln ist es hier aber doch eigentlich richtig schön. Wenn man so durch die kleinen Straßen läuft und die wunderschönen verschnörkelten Gebäude sieht, strahlt das Land eine ganz besondere gemütliche und irgendwie ungenierte Gelassenheit aus. Und ja, das Bier hier ist wirklich 1A.

    Aus diesem Anlass möchte ich euch heute meine aktuelle Wahlheimat musikalisch vorstellen. Aber weil es in der Ecke noch viel mehr zu entdecken gibt, stehen die unmittelbaren Nachbarn auch auf dem Programm. In der Playlist indie export – the sound of benelux findet ihr meine beste Song-Auswahl aus Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. Also, grab your waffle and your Gouda and let’s go.


    1. Halt: Das Land, in dem Belgisch gesprochen wird und das nur aus Brüssel besteht.

    Wie oft mir Leute unterkommen, die denken, Brüssel wäre ein Land und hier würde Belgisch gesprochen werden. Kurze Geschichtsstunde. Belgien ist in 4 Provinzen unterteilt: Flandern, Wallonien, Brüssel und der deutsche Teil und es wird niederländisch/flämisch, Französisch und Deutsch gesprochen. Ja, unglaublich undurchsichtig und da ist Kommunikation oft schwer. Deshalb no hard feelings, wenn man etwas verwirrt ist, I’ve been there.

    Als ich so meine Recherche für die Playlist angegangen bin, war ich oft total erstaunt, als ich immerzu rausgefunden habe, dass einige meiner Lieblingskünstler*innen aus Belgien stammen. Besonders Brüssel hat eine richtig spannende Musikszene, aber alles auch irgendwie unterm Radar. Folgend gibt’s ein paar mehr und ein paar weniger bekannte Tipps.

    Starten wir mit einem meiner Lieblinge: Tamino. Weil ich ihn so doll lieb, gibt es direkt zwei Songs in der Playlist, konnte mich nicht entscheiden. Der aus Antwerpen stammende Sänger hat u.a. libanesische und ägyptische Wurzeln und macht atmosphärische Musik mit einem unverwechselbaren orientalischen Touch. Kann mich jedes Mal von Neuem drin verlieren.

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    Die meisten, die ich für Tipps gefragt hab, haben Balthazar genannt. Und ich glaube, das ist auch die einzige Band, die Leute, die nicht so vertraut mit der Musikszene hier sind, noch am ehesten kennen. Aber neben der (wirklich tollen, don’t get me wrong) Band, möchte ich auch einen Shoutout an all die Solo-Projects der Mitglieder geben: Warhaus, J. Bernardt und Jasper Maekelberg, der unter Faces on TV bekannt ist, aber auch viel Einfluss auf die eben genannten Künstler sowie Bazart genommen hat. Und überall schwingt dieser unverwechselbare Balthazar-Charme mit. Daneben kennen die meisten mit Sicherheit Stromae als den Star Belgiens und zu Recht. Wie gut ist bitte sein neues Album Multitude” ??? 

    Abschließend zu diesem Stopp auf der Expedition, ein paar Geheimtipps meiner Seite: träumerische Sommerklänge von Danny Blue and the Old Socks, empowering Soul von K.ZIA, Elektropunk, der gut abgeht von Compact Disk Dummies und Gänsehaut-garantierender Bedroom-Indie von Kids with Buns.


    2. Halt: Da wo nur Clogs getragen werden und alle dauerhaft stoned sind.

    Natürlich nicht… aber, damit geht’s weiter gen Norden und mit der unfassbaren RIMON in die Niederlande. Die Amsterdam-based Sängerin hat sich schon vor Jahren mit ihrer BBYGIRL FOCU$” EP zu meinen favourite R&B-Künstler*innen gereiht. Allgemein hat die Niederlande wirklich soliden R&B und Soul auf der Matte: Latanya Alberto, Gaidaa, Elijah Waters und Joya Mooi sind nur einige davon.

    Wer Fan von experimentierfreudiger Musik ist, ist in den Benelux-Ländern gut bedient. Insbesondere in den Niederlanden wird viel mit neuen Musikrichtungen gespielt. Hier gibt es außerdem eine aufstrebende New Wave Szene, die u.a. von De Ambassade angeführt wird. Auch nicht zu vergessen: meine persönliche Königin des Avant-Garde-Pops: Die iranisch-niederländische Sängerin Sevdaliza fasziniert regelmäßig mit neuen, futuristischen Sounds wie Visuals.

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    Aber auch klassischer Indie von Feng Suave, EUT oder Iguana Death Cult (erinnert mich übrigens SEHR an Bloc Party) ist nie verkehrt. Mein Geheimtipp: Bombay. Hier muss ich kurz ein für fellow Indiemäuse peinliches Geständnis ablegen. Den Song “Slow Motion” kenne ich seit er 2015 rausgekommen ist und dachte ewig, dass das ein Song von Bombay Bicycle Club ist. Bis ich während meiner Recherche-Arbeiten rausgefunden hab, dass es sich um eine noch unbekannte Band aus Amsterdam handelt, die leider gar nicht mehr aktiv ist. Diese Entdeckung war wirklich enttäuschend, der Song ist aber immer noch 10/10.

    Weitere nennenswerte Künstler*innen: Waltzburg, The Max Meser Group, The Vices, Indian Askin.


    3. Halt: Warte, Luxemburg ist ein eigenes Land und keine Stadt in Deutschland?

    Klein aber oho! Mit nur etwa 650.000 Einwohner*innen kann das kleine Land gerade mit einigen aufstrebenden Talenten protzen. Dazu gehören Bartleby Delicate, Seed to Tree, CHAILD und Francis of Delirium. Wer noch mehr Empfehlungen aus Luxemburg für mich hat, kann gerne auf mich zukommen 😉

    Denn zugegeben, mit Luxemburg bin ich am wenigsten vertraut und deshalb macht das leider den kleinsten Teil der Playlist aus. Das soll aber nicht heißen, dass die Künstler*innen nicht weniger nennenswert sind, ganz im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass die Luxemburger*innen noch einen Schritt mehr wagen, wenn es um experimentelle und futuristische Sounds geht. Man gucke einmal auf C’est Karma und Say Yes Dog.

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    Ich weiß nicht, wie es euch geht oder gehen wird, wenn ihr durch die Playlist hört. Aber mich hat die Benelux-Musikszene wirklich überrascht. Insgesamt sehr experimentell, viel Underground, aber auch große Pop-Stars stehen hier Seite an Seite. Durch die Bank weg haben die drei Länder musikalisch extrem viel Diversität zu bieten und auch eine Menge unentdeckter Schätze. Das ist doch mal erfrischend!

    Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr in die Playlist reinhört und unseren Nachbar*innen ein offenes Ohr schenkt 🤗

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  • Über Selbstzweifel und Frustration: Sam Fender spricht sich in „Seventeen Going Under“ alles von der Seele

    Über Selbstzweifel und Frustration: Sam Fender spricht sich in „Seventeen Going Under“ alles von der Seele

    Zwei Jahre nach seinem Debüt-Album ist Sam Fender zurück mit seinem zweiten Album „Seventeen Going Under“, das sich definitiv als ein würdiger Nachfolger herausstellt. Es ist ein sehr persönliches und verletzliches Album mit vielen Emotionen und autobiografischen Texten. Wie bereits auf seinem Debüt „Hypersonic Missiles“, verarbeitet er auf dem neuen Album seine Kindheit („Getting Started“, „Spit Of You“), mentale Probleme („Paradigms“) und Selbstzweifel („Last To Make It Home“). Auch politische Themen wie Klassismus und die Kluft zwischen Links und Rechts („Aye“) beschäftigen den 27-Jährigen in seinen Songs. Es ist ein Album über Unsicherheiten und das Erwachsenwerden, aber vor allem auch über Selbstfindung. Evelin und Julia haben reingehört und teilen hier nun gemeinsam ihre Gedanken um diese starke LP! 

    TRIGGERWARNUNG!

    In diesem Text werden selbstzerstörerische und suizidale Gedanken sowie Mobbing und mentale Probleme thematisiert. Diese Themen können einige Leser:innen beunruhigen. Wenn es dir mit diesen Themen nicht gut geht, bitten wir dich, genau abzuwägen, ob du den Text wirklich lesen möchtest. Auch möchten wir auf die Nummer der Telefonseelsorge hinweisen: 0800 1110111, 0800 1110222.


    Seventeen Going Under

    Evelin: „Seventeen Going Under“ fühlt sich an wie der perfekte Start in dieses Album, deswegen sicher auch der Albumtitel 😀 Schon, wenn ich die ersten Klänge höre, setzt die Nostalgie sofort ein. Sam schafft es irgendwie, dass man sich, selbst wenn man im tiefsten Deutschland aufgewachsen ist nach der britischen Jugend sehnt. Der Song blickt aber keineswegs mit rosaroter Brille der Teenager-Zeit nach, sondern befasst sich auch mit der toxischen Seite von Kindheitserinnerungen.

    Julia: Genau das. Der Song gibt mir ein richtiges Nostaligiegefühl und sobald das Schlagzeug einsetzt, kann ich nicht mehr aufhören mitzuwippen. Textlich wie auch musikalisch ist dieser Song einfach perfekt als Einleitung und kündigt bereits die Zerbrechlichkeit und Emotionalität des Albums an. Und dieses Saxophon…


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    Getting Started

    Evelin: Einer meiner Favourites und auch ein sehr persönlicher Song, was eigentlich sehr untypisch für Sam Fender ist. Normalerweise dreht es sich um die Geschichten anderer, nicht um seine. Er selbst sagt:


    “I find it easier to write about other people because I can be completely honest about them. I can’t be honest about myself, because everyone would think I’m a miserable c*nt.”


    Aber diese Ehrlichkeit steht ihm gut. Familie ist selten einfach und in „Getting Started“ schafft Sam es, aus einer mehr als schlechten Ausgangslage auszubrechen. Er zeigt, dass man sich manchmal voranstellen muss, um nicht durch die eigene Verantwortung runtergezogen zu werden. Ich fühl den Song und den Inhalt echt mit jeder Pore.

    Julia: Dieses Album ist so persönlich und man hat das Gefühl, man lernt Sam Fender ein bisschen besser kennen, was toll ist. „Getting Started“ ist einer der ersten Songs, die er geschrieben hat und vermittelt anhand seiner Dynamik eben auch, dass man nicht aufgeben sollte. Dieses sich selbst auch mal voranstellen, darüber sollte echt gesprochen werden. I like it. 


    Aye

    Evelin: Schon mit den ersten Gitarrenklängen fühlt man Sams Rage. Der Song gibt mir richtige Punk Vibes. Weniger Melodie, dafür sehr viel politische Kritik. Man kann die Frustration geradezu greifen. Der Song pulsiert durch Gefluche und Geschrei vor Energie und Emotion. Ich finde, er spiegelt unsere Verzweiflung mit der Welt momentan 1:1 wider. Genau wie viele von uns, fühlt Fender sich auf missverstanden und nicht von der jetzigen Politik gesehen.

    Julia: Das habe ich mir auch direkt gedacht. Der Rage-Mode kommt musikalisch einfach sehr gut rüber. „Aye“ ist quasi der Nachfolger von “Hypersonic Missiles” und “Play God” und behandelt zudem Klassismus aus der Sicht der Arbeiterklasse. Der Refrain verdeutlicht Sams Emotionen mit seiner Eintönigkeit in Sachen Melodie sowie auch Text. Es könnten Protestschreie sein: «Poor, hate the poor, hate the poor, hate the poor […]». „Aye“ ist ein Protestsong, ganz klar.


    Get You Down

    Evelin: „Get You Down“ lässt mich irgendwie zwiegespalten zurück. Nicht weil ich den Song nicht mag, ganz im Gegenteil! Die Melodie hat im Vergleich zu der aus dem letzten Song einen viel positiveren Touch. Dabei ist das Thema Selbsthass ein ganz und gar nicht Positives. Finde das Thema einfach sehr schwierig und delikat. Zusammen mit den Streichern klingt diese Selbstverachtung schon fast majestätisch, wenn er singt:


    “I catch myself in the mirror

    See a pathetic little boy”


    Julia: Der Song klingt positiver als er ist, da gebe ich dir recht. Die Streicher geben mir Gänsehaut, vor allem in Hinblick auf das Thema. Es geht um Unsicherheiten und Selbstzweifel, die sehr nah und greifbar sind. Ich finde es wichtig, solche Themen und Gefühle musikalisch darzustellen. Viele können sich damit identifizieren. 


    Long Way Off

    Evelin: Ich glaube, ich habe diesen Song schon gefühlt 3485 Mal hintereinander gehört. Ich bleibe jedes Mal bei „Long Way Off“ hängen und dann wird nur das in Dauerschleife gespielt. Das ist ohne jegliche Zweifel, mein Lieblingssong auf der Platte, wenn nicht sogar in der ganzen Diskografie Fenders. Ich finde hier merkt man richtig extrem, wie gut Sam Fenders Songwriting nach „Hypersonic Missiles“ geworden ist. Der Song ist richtig rund und gibt mir jedes Mal aufs Neue pure Gänsehaut. Mehr will ich auch gar nicht dazu sagen, hört euch den Banger einfach selbst an!

    Julia: „Long Way Off“ ist definitiv auch einer meiner liebsten Songs auf diesem Album. Das Intro holt mich schon richtig ab und ich freu mich einfach jedes Mal auf den Song. Die Lyrics von Sam sind grundsätzlich einfach unfassbar gut und sicherlich ein wichtiger Grund für meine Liebe für seine Musik. 


    Spit Of You

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    Evelin: So entspannt dieser Song klingt, zeigt sich Sam Fender hier unfassbar verletzlich. Es geht um seinen Vater, der ihn damals aus seinem Haus geschmissen hat. Die Vergangenheit und auch die Gegenwart schmerzt ihn, aber gleichzeitig weiß er, dass er seinen Vater nie einfach so loslassen kann. Ein traurig schöner Song über das Verhältnis von Vater zu Sohn, der melodisch sehr viel entspannter klingt als die Beziehung selbst.

    Julia: Ich finde „Spit Of You“ einfach musikalisch unglaublich schön. Auch das Thema des Songs berührt mich jedes mal so krass, bekomme immer Gänsehaut bei dem Song. (Und das Saxophon wieder, uff). Es geht zudem darum, dass sich Sam selbst sehr in seinem Vater wiedererkennt und damit auch die fehlende Fähigkeit zu kommunizieren oder Emotionen zu zeigen, meint. Sam bezeichnet den Song übrigens als Liebeserklärung an seinen Vater. 


    Last To Make It Home

    Evelin: Ach was sind Balladen nicht schön. Ich seh’ schon Tausende von Menschen mit Feuerzeugen zu „Last To Make It Home“ das Stadion erleuchten lassen. Ich kann mich nicht so recht einigen, was die Message des Songs genau ist. Ist es Kritik am Glauben, Kritik an oder Zynismus gegenüber der eigenen Existenz oder alles zugleich? Ich weiß nicht so recht, aber umso schöner macht das den Song. Also Augen zu und genießen.

    Julia: Hier bekomme ich auch immer Gänsehaut, vielleicht kann ich das einfach bei jedem Song hinzufügen. In „Last To Make It Home“ geht es um Frustration und den Gedanken, nicht gut genug zu sein. Der Song klingt sehr sehnsüchtig, vor allem mit den Streichern im Hintergrund. 


    The Leveller

    Evelin: Okay, nach der Ballade ist jetzt wieder Zeit für ein bisschen Action. „The Leveller“ verzeiht musikalisch wie lyrisch nichts. Fender lässt kein Blatt vor dem Mund, macht er sowieso nie. Und der Song trifft die Emotionen der Jugend, besonders der in der UK auf den Punkt.


    As little England rips itself to pieces

    Buried my grandma along with her world

    And this twisted mutation is where I reside”


    Sag ich ja, kein Blatt vorm Mund. Auch musikalisch wird die Message durch den extrem starken Refrain unterstützt (erinnert mich leicht an Songs von The Pale White). In der ganzen Wut gibt Sam aber Hoffnung und ermutigt, das hier als Wendepunkt hin zu besseren Zeiten zu sehen.

    Julia: „The Leveller“ klingt wie eine Kampfansage. Die vorantreibenden Drums und die Gitarre bringen keine Ruhe in den Song. Es fühlt sich an, als würde man rennen und nicht zum stehen kommen. Als würde Sam nicht zum atmen kommen. Zum Ende hin hört sich die Gitarre sogar schmerzverzerrt an. Er klingt zwar wütend, gleichzeitig bringt der Song aber Ermutigung im Refrain mit sich. Mag ich.


    Mantra

    Evelin: Muss ehrlich sagen, dass der Song mich musikalisch nicht vom Hocker haut und eher ein Filler-Song für mich ist. Nichtsdestotrotz ist das Thema natürlich wieder mehr als relevant. Sam singt über den Struggle, den besonders junge Leute und auch er mit Selbstzweifel und dem Drang, anderen zu gefallen, haben. Aber das wir doch alle oft dasselbe durchmachen, es nicht einfach ist, aber wir es immer wieder von Neuem versuchen sollten. Und irgendwie passt die musikalische Aufmachung dann doch irgendwie. Wisst ihr, in dem Stil dieser manifestations auf TikTok…ja ich bin eindeutig in dem Astrology Loch auf TikTok gelandet.

    Julia: „Mantra“ ist tatsächlich einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Gerade die ersten Verse in der ersten Strophe finde ich ziemlich eindrücklich. 


    „Please stop tryin‘ to impress people who don’t care about you, I repeat as a mantra.


    Ich mag die Message des Songs sehr gerne. Das eigene Selbstwertgefühl sollte man nicht daran festmachen. Ich glaube, diesen Struggle kennen viele. Musikalisch lässt mich der Song immer ein bisschen runterkommen. Er klingt wie ein lauer Sommerabend. Und dann kommt zum Ende hin das lange musikalische Outro mit der Brass-Sektion, ich liebe es. 


    Paradigms

    Evelin: „Paradigms“ ist eine Art Erklärung zum Song davor. Der Song beantwortet die Frage, woher alle diese Selbstzweifel stammen. Als ich durch das Album gehört hab, mir die Lyrics durchgelesen hat, ist mir gerade an dieser Stelle aufgefallen, wie viel Trauer und Verzweiflung in diesem jungen Mann eigentlich steckt. Ich kam auch gar nicht drum rum, mir ernsthafte Sorgen zu machen. Es scheint, als würde Sam sich nicht nur mit seinen eigenen Problemen befassen, sondern er nimmt sich die Probleme eines jeden auf die eigene Kappe.

    Julia: Das ist er, mein liebster Song auf dem Album. Für Sam ist „Paradigms“ thematisch eine Zusammenfassung von “Seventeen Going Under”. Die Drums geben dem Song eine unfassbare Energie. Musikalisch wirkt er sehr positiv und stark. Achtet man auf die Lyrics, bekommt man zu Beginn eher das Gefühl von Verzweiflung. Der Chor am Ende gibt mir wirklich jedes Mal Gänsehaut, wenn in der Bridge gesungen wird: «No one should feel like this.» Der Song arbeitet quasi auf diesen einen Vers hin und findet in ihm seinen Höhepunkt. Mir ging es allerdings ähnlich wie Evelin. Es tat mir teilweise weh, dieses Album zu hören und den Schmerz und die Verzweiflung von Sam zu fühlen. 


    The Dying Light

    Evelin: Zum Ende des Albums hin fühl’ ich mich mittlerweile richtig down. Es wird viel Schweres in dem Album thematisiert, soziale wie persönliche Themen. Aber diese Themen müssen auch ihren Raum haben. Genauso wie der letzte reguläre Song auf dem Album. „The Dying Light“ wird dominiert durch Klavierklänge und führt durch die alten Straßen von North Shields. Alles wirkt genau wie immer, nichts hat sich verändert. Doch dann wird der Himmel etwas heller in der Heimatstadt von Sam Fender: musikalisch wie textlich. Sam erkennt, dass er das alles nicht alleine durchstehen muss, sondern nach Hilfe fragen kann und sollte. Eine wirklich wertvolle Message zum Ende eines genauso wertvollen und tollen Albums hin.

    Julia: Diese Klavier-Ballade am Ende des Albums ist ein schöner, aber auch schwerer Abschluss. „The Dying Light“ wirkt wie eine Weiterführung des Songs „Dead Boys“ von Sam, die sich allerdings viel mehr auf den Weg hin zur Hilfe und zur Therapie fokussiert. Ab der zweiten Strophe ist von der ruhigen Klavier-Ballade nicht mehr viel übrig. Gitarre und Drums kommen hinzu und bauen Spannung auf. Der Song schenkt Hoffnung und findet mit seinem Outro eine musikalische Krönung. Nach dem Hören musste ich erstmal tief durchatmen. „The Dying Light“ hat mich einfach berührt.


    Fazit

    Seventeen Going Under“ ist ein sehr persönliches, ehrliches, aber auch schmerzvolles Album. Sam Fender spricht über seine Kindheit, die politische Lage in England und die Auswirkungen von Selbstzweifeln, dem Erwachsenwerden und Depressionen. Man merkt, dass Sam sich auf diesem Album wortwörtlich alles von der Seele spricht. Musikalisch übertrifft er sich wieder aufs Neue. Neben dem Saxophon sind die Songs von Streichern und Sams typischen E-Gitarren Sound umgeben – beim Hören besteht konsequent Gänsehaut-Potenzial.


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    Fotocredits: Charlotte Patmore und Jack Whitefield

  • Surf Curse im Interview: „Music is such a huge part of being connected with humanity“

    Surf Curse im Interview: „Music is such a huge part of being connected with humanity“

    An Surf Curse kommt man schon lange nicht mehr vorbei. Und wenn doch, dann spätestens jetzt nicht mehr. Ihre Außenseiter-Teenie-HymneFreaks“ ging nun nämlich unglaubliche acht Jahre nach Veröffentlichung viral! Meiner Meinung nach kein Wunder – der Song verkörpert musikalisch ein Gefühl, das beim Hören in einen Coming of Age Film versetzt, irgendwo nachts, irgendwie ganz verloren, ein bisschen morbide. Nach diesem Gefühl sehnen sich junge Menschen heute genauso die damals. Ursprünglich 2013 auf ihrem Debüt-Album „Buds“ erschienen, wurde der Song in 2021 blitzschnell so erfolgreich wie keiner ihrer bisherigen. Das schließt ihn plötzlich unter anderem in die Top 80 der globalen Spotify-Charts und sogar in die Top 10 der Spotify-Viral-Charts in Deutschland und Österreich ein. Um diesen Erfolg zu zelebrieren veröffentlicht das Duo jetzt endlich ein, etwas verspätetes, Musikvideo zu Freaks.

    Kurz ein paar Fakten zur Band: Nick (Gesang, Drums) und Jacob (Gitarre), aus denen Surf Curse besteht, kommen aus den USA und machen seit 2013 in dieser Konstellation Musik, die mit einer Mischung aus Indie, Garage und Surf Rock eine einzigartig rohe, ehrliche, leicht düstere Stimmung erzeugt. Obwohl sie musikalisch wie eine kleine Underground-Band klingen, kommen sie nun doch im Mainstream an. Vor allem spielt dabei TikTok eine große Rolle, denn damit wurde Freaks auf fast 180 Millionen Spotify-Streams katapultiert und wurde zum Hit mit Identifikationspotential. Mit über 9 Millionen monatlichen Spotify-Hörer*innen sind aber nicht nur Surf Curse erfolgreich, sondern nebenbei auch Nicks Solo-Projekt Current Joys, das über 4 Millionen monatliche Hörer*innen mit ruhigeren, verträumten und melancholischen Songs versorgt.

    Zugegebenermaßen haftet an Surf Curse nun häufig ein schlechtes Image, da vor einiger Zeit Beschuldigungen, die Band habe jemanden auf einer Party sexuell belästigt, auf Instagram veröffentlicht wurden. Nach einem öffentlichen Aufschrei (was ich sehr befürworte, denn die Musik- und Konzertszene sollte immer ein sicherer Ort für alle sein) löschte die betroffene Person jedoch den besagten Instagram Post, zog die Anschuldigungen zurück und entschuldigte sich, da die geschilderten Ereignisse nicht wahr seien. Auch Nick und Jacob veröffentlichten jeweils ein Statement dazu, dass sie nicht rechtlich gegen die Person vorgegangen seien und sie den Post aus freier Entscheidung löschte. Auch, dass die Geschichte nicht wahr sei, sie nie auf der benannten Party waren und darüber, dass auch sie aktiv dazu beitragen wollen, dass die Szene ein sicherer Ort bleibe und dass man mutigen Sexual Assault Survivors im Normalfall glauben solle.

    Sowohl Surf Curse, als auch Current Joys begleiten mich mit ihrer Musik seit einigen Jahren und ich denke es gibt kaum bessere Alben, die man nachts oder – ehrlich gesagt – zum Heulen hören kann. Die traurigen, oft dunklen Texte „My head is filled with parasites / black holes cover up my eyes“ wie in Freaks untermalen den lässigen DIY-klingenden Garagen-Sound und treffen dabei genau den „Wieso-versteht-mich-denn-niemand“-Nerv. Passend zum heutigen (05.08) Release des Musikvideos habe ich Nick und Jacob ein paar Fragen zu dem späten Erfolg von Freaks gestellt.

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    Acht Jahre nach „Freaks“

    Dascha: Hey guys, I’m glad we could make this happen. How are you doing right now?

    Jacob: We’re doing great.

    Nick: We’re doing okay right now, yea.

    Jacob: You know, like losing our minds a little bit but also staying afloat.

    Dascha: You seemed to disappear for like a year, at least on social media. How did you spend that time?

    Nick: In reality, the cold, harsh real world.

    Jacob: I mean, Surf Curse wasn’t really doing anything during that time period because Nick was doing Current Joys stuff, I was working on my own stuff and the pandemic happened. And you know, it was really hard to just get together and do whatever. It wasn’t until things started popping off on the viral TikTok sensation that we could actually get back together and do Surf Curse stuff. The thing about Surf Curse is like, you know, we live our lives before we set everything around the band, like we’ve done that over time. There have been different times where we didn’t really get to work on stuff because we were off elsewhere; like sometimes I’d be living in Reno, sometimes Nick would be living in New York vice versa, same place, LA all over. So it’s always about living life, before everything is just always about the band.

    Dascha: Now, so many years after Freaks has been originally released, the song is going viral. Did you ever expect that to happen?

    Nick: Oh yes, we’ve been waiting on it.

    Jacob: Don’t you think that it was bound to happen?

    Nick: I don’t know if I said that but I think it actually was kind of surprising.

    Jacob: Yes.

    Nick: I mean it was less surprising because the Current Joys thing happened, like the [Current Joy’s] „New Flesh“ thing happened and then it happened with „Freaks“ and that I was like: Oh, this makes sense because „Freaks“ is kind of like Surf Curse’s New Flesh„.

    Jacob: Structurally they’re kind of like similar songs. It’s like a riff over the whole song that plays the whole time and then a chord change. So if you really want to break it down, how to write a hit TikTok single, that’s all you got to do.

    Dascha: And how are you feeling about that success? I mean, there are a lot of artists who don’t like their own old music anymore.

    Jacob: Well, we’ve always loved Freaks. I mean, I’ve been saying this a lot lately, but we’ve never taken it off our set list. There have been songs that we’ve taken off the back, you know, that are very popular. But Freaks has always been the one song that just has stayed on and we love it. But as Nick said before, it’s like it’s taken on a new meaning; playing it live after all these years has just been like a fun song to play. You know, it’s like, oh, that’s one of the classics but after hearing it now again, it does feel like there’s a resurgence in us that makes us like a lot more.

    Nick: Yes, I feel like I also fit in with the belief that so many artists don’t like their own music like I don’t really love my old music, I don’t love playing it, you know. Like there are songs of ours that we hate playing live, but people will scream.

    Jacob: Those are the most requested songs.

    Nick: Yes, the most requested songs are the ones that we don’t play and people get really bummed about it but we still won’t do it because we just don’t want to play them. But Freaks holds the test of time for us, which is good. Thankfully it wasn’t like… well I won’t say, I’d rather not say.

    Jacob: Could you put that as a mystery?

    Dascha: Do you think there’s a specific reason why Freaks became so popular right now?

    Nick: I think it’s just because TikTok is so hot right now, like Jacob said, yeah. TikTok is just such an interesting, weird way to experience the world and be connected with people. Like, if you go on it, you can just see some farmer in some random country doing like a back flip off of their house. You know, it’s like, this weirdly personal intimate thing that so many people needed during isolation and lockdown and everything because it was like this weird way to experience the world and feel connected with humanity. And our song just like slithered its way in there. So, music is such a huge part of being connected with humanity so I think it was like – right place, right time.

    Dascha: Can you tell me more about the time you wrote Freaks? What was the process and the thought behind the song?

    Nick: Well, I remember I was singing it wrong; we were playing it in my basement. Jacob showed me the song and it was like [singing] and I was singing it [singing], I’m just a freak. I’m just a freak, not actually like that. But Jacob was like; you don’t have to sing along with the riff, sing it separately. And then that was the golden ticket. And the song is about this graphic novel black hole which is about all these teenagers getting like an alien STD and feeling isolated from the world around them while also still trying to be loved, you know?

    Dascha: Would you do anything differently if you wrote and recorded Freaks for the first time in 2021?

    Jacob: No, I mean… the thing about it is it sounds so much of its time, I mean, we recorded the original version in the basement that we lived in, on Surf Curse Demos (Hier geht’s zur ersten Demo-Version), and then the Buds version we recorded in like a music venue in Los Angeles, a place called Smell. And I think people can pick up on the sense in time, and, you know, the low-fi, DIY energy of it, like that feels like more real than anything. That being said, we did re-record a version. That feels good, feels like it enhances everything. We had to record it for Atlantic. But, I think another reason why the people are picking up on it so much is because of the rawness and it kind of has like that hidden, humanistic and vulnerability of what the song is. There’s just an honesty to the recording and the lyrics and the vibe of the song.

    Dascha: What is your personal favorite Surf Curse song?

    Nick: My personal favorite is „Trust„. I feel like that song should go viral.

    Jacob: It is so beautiful sounding, like the structure of it and just the sound of everything like the backing, the recording. It’s such a beautiful fucking song I think. My second is „Midnight Cowboy„, I’m very proud of that song. Personally, I’m proud of doing this song, writing that song. But I mean I genuinely love so much of what we’ve done.

    Dascha: Midnight Cowboy is definitely one of my favorites! Can we expect new Surf Curse music soon?

    Nick: Yes, you can. Maybe not so soon, but hopefully soon.

    Jacob: Yes, we have half the songs written, so that’s good.

    Dascha: For the last question, we always ask for an „untold story„, a story you haven’t told in an interview yet or a random fact that most people don’t know about you. Do you have anything in mind?

    Nick: There’re too many: The Untold Story of Surf Curse. Well, we started the band because we got into a fight. We were living together and we got into a fight. And then we were like, we just need something to do together that’s productive. Like, we should just start this band now. And then Jacob moved out and we started the band.

    Jacob: Yes, we were living together and the tension was so high there because I was in a couple. And then he was like there, you know?

    Nick: And I didn’t do my dishes.

    Jacob: …And didn’t do the dishes. And I was like, we’ve got to move out, but as soon as we did that me and Nick became closer and wanted to do music and stuff. The funniest thing about the fight was that I was so mad at Nick and I was going to go and yell. It was for the dumbest thing in the world and I was going to walk over and talk to him. On my walk there I was like, this is stupid. Why am I mad at Nick? And so I just saw Nick and I was like, I’m sorry. I don’t want to be mad at you, the last thing I want to do is be mad at you.

    Hier geht es zum lang ersehnten Musikvideo zu Freaks, bei dem die beiden Regie geführt haben:

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    Foto Credits: Julien Sage