Schlagwort: hamburger schule

  • Tocotronic im Interview: „Das Ergötzen am Hass passt einfach nicht mehr in die Zeit“

    Tocotronic im Interview: „Das Ergötzen am Hass passt einfach nicht mehr in die Zeit“

    Könnt ihr es fassen? Ehrlich gesagt bin ich immer noch platt. Wenn ich mir vor Augen führe, dass ich tatsächlich mit Tocotronic über ihre neue Platte sprechen konnte… Mit f*cking TOCOTRONIC!!! Zum Glück fiel es nicht zu sehr auf, wenn mir die Worte fehlten, weil mir mit Bassist Jan Müller ein sehr eloquenter und aufgeschlossener Gesprächspartner gegenüber saß. Naja, zumindest digital, im Videocall.

    Tocotronic, wahrscheinlich die einflussreichste deutschsprachige Band seit den 1990er Jahren, veröffentlicht morgen ihr neues Album „Nie wieder Krieg“. Und mir kommt es immer mehr so vor, als käme hier einfach das Beste aus fast 30 Jahren ihres Wirkens zusammen: Die ikonischen Texte von Dirk von Lowtzow machen betroffen, treffen aber auch mitten ins Herz. Die Band ist musikalisch perfekt eingespielt und scheint sich blind zu verstehen. Und die Entwicklung ihres Sounds wird auch nach dem 13. Album nicht gestoppt; immer mehr Facetten und Nuancen bilden sich heraus und machen dieses neue Werk einfach unheimlich spannend.

    Dass Dirk, Jan, Rick und Arne, trotz ihres verdienten Erfolgs, alles andere als abgehoben sind, merkte ich schon in den ersten paar Sätzen unseres gleich folgenden Interviews. Bevor ich die Audioaufzeichnung überhaupt starten konnte, teilte Jan Müller schon Erinnerungen an Gigs in heute längst geschlossenen Locations meiner Wahlheimat Trier mit mir. Weiterhin sprachen wir dann über die Entstehung des neuen Albums, den Hass in unserer Gesellschaft, seine Arbeit als Podcaster und Musikjournalist und die perfekte TK-Pizza. Ich wünsche euch viel Spaß!

    Jan Müller von Tocotronic im Interview

    Lukas: Lieber Jan, ich freue mich wirklich sehr, dich kennenzulernen. Und natürlich, dass du Zeit für ein kleines Interview mit untoldency hast. „Nie wieder Krieg“ ist euer 13. Studioalbum: Wie fühlt sich das an, mit diesem umfangreichen Œuvre im Rücken, ein neues Album zu machen?

    Jan: Gut! Sonst hätten wir es nicht gemacht! Es ist eigentlich ein ganz spannendes Oszillieren. Man sollte versuchen, sich als Musiker:in zumindest grundsätzlich zu hinterfragen: Hat man wirklich noch den Drive, neue Musik zu machen? Andererseits merkt man natürlich irgendwann, dass man als Band gut zusammen funktioniert, dass es Spaß macht, Musik zu machen. Da gerät man auch schnell in eine Routine rein. Bei diesem 13. Album war das vielleicht auch so ein Sonderfall, dadurch dass wir dieses eine Jahr extra hatten. Vor allem, nachdem das Meiste schon fertig war. Klar, da kamen dann noch so Sachen wie Artwork und Titelfindung, aber wir hatten eigentlich ein Jahr Zeit, zu reflektieren: Wo stehen wir als Band? Und wir sind im Nachhinein zu dem Ergebnis gekommen, dass es immer noch Menschen gibt, denen unsere Musik etwas sagt und gefällt. Und dass es uns auch noch Spaß macht.

    Generell versuchen wir aber, Routinen zu vermeiden, mit unterschiedlichen Techniken. In den ersten Jahren haben wir sehr schnell unsere Alben veröffentlicht, die haben wir sehr schnell rausgehauen. Und dann ging bei uns dieser Prozess los, bei dem wir uns gefragt haben: „Hat es noch Sinn, Musik zu machen?“. Dann kam so ein Album wie „K.O.O.K“., bei dem wir einiges anders gemacht haben. Was Texte betrifft und die Art und Weise, wie wir aufnehmen. Solche Brüche gab es immer wieder. Zwischendurch gerät man mal in einen Schaffensrausch, zum Beispiel, als wir mit Moses Schneider angefangen haben. Das letzte Album hatte dann so ein Oberthema, nämlich Dirks Biografie. Und von da aus konnten wir jetzt ganz befreit weitermachen. Im Moment arbeiten wir daran, wieder eine etwas einfachere Sprache zu finden. Eigentlich schon seit dem roten Album. Und so ist man immer in diesem Gedanken drin, wie macht man weiter. So dass man eigentlich nie zu dieser Frage kommt, was wir dann beim nächsten Album machen. Man ist einfach sehr in diesen Prozessen drin.

    Lukas: Wie können wir uns denn so einen Prozess vorstellen; habt ihr einen Proberaum, in dem ihr euch Freitagabends trefft? Eine Kiste Bier leerproben, Pizza bestellen und nach und nach entsteht dann das neue Album?

    Jan: (Lacht) Ne, Kiste Bier leer auf gar keinen Fall! Allenfalls wird mal eine Flasche Wasser getrunken. (lacht) Der Proberaum kommt eigentlich später erst ins Spiel tatsächlich. Wenn wir noch auf der Tour des vorherigen Albums sind, fängt Dirk meistens schon wieder an, erste Stücke zu schreiben. Er macht dann Skizzen am Smartphone, ganz einfach aufgenommen. Wir reden über die Musik, auch viel über die Texte. Dann kommen immer mehr Lieder dazu und irgendwann schält sich heraus, was die Grundidee des Albums sein könnte, das Konzept. Das passiert eigentlich, bevor wir überhaupt im Proberaum waren.

    Für das rote Album und „Die Unendlichkeit“ waren wir gar nicht im Proberaum. Diesmal war das anders, weil wir einen Teil der Lieder live aufgenommen haben, im Hansa Studio. Früher war es tatsächlich so mit der Kiste Bier, aber das hat sich sehr geändert. Meist proben wir tagsüber. Das ist dann schon eine sehr konzentrierte Atmosphäre. Es wird auch sehr viel geredet, fällt mir gerade ein. Als Rick dazu kam, hat er sich sehr gewundert, wie viel wir reden und wie wenig wir eigentlich musizieren. (lacht) Und das hat sich eigentlich kaum geändert.

    „Ich finde, man sollte es sich auch nicht zu bequem machen“

    Lukas: Vermisst du die alten Zeiten oder bist du auch so zufrieden, wie es jetzt läuft?

    Jan: Nee, ich bin sehr zufrieden. Ich finds aber auch super, wie es damals lief. Das ist für mich nach wie vor eine ganz tolle Art, seine Zeit zu verbringen. Mit Freunden zusammen laute Musik zu machen, in einem möglichst unansehnlichen Raum. Damals hatten wir einen Bunker, heute proben wir übrigens auch noch in einem Keller. Ich finde, man sollte es sich auch nicht zu bequem machen.
    Wir waren auch alle Sporthasser, als wir uns gefunden haben. Die Sportstunde war damals auch schon unser Austauschraum. Das war nicht mal eine freiwillige Verweigerung, ich hatte schlicht nie eine Ader dafür. Viel später habe ich erst bemerkt, dass es auch gut tun kann, sich zu bewegen. Aber im Mannschaftszusammenhang ist das bei mir so geblieben, dass ich eine Abneigung gegen Wettkämpfe habe. Deswegen finde ich auch die Musik so toll, weil der Wettkampf da eine geringe Rolle spielt. Wenn man sich diese komischen Formate im Fernsehen anschaut — das finde ich einen völlig perversen Gedanken, dass man Talent durch einen Wettbewerb herausfinden will. Entschuldigung, ich schweife ab…

    Lukas: Nein, nein, das ist ja die perfekte Überleitung zum Titel des neuen Albums: „Nie wieder Krieg“. Denn ein Krieg ist ja im weitesten Sinne auch ein Wettkampf, wenn auch ein sehr drastischer. Wenn man jetzt so in die Welt schaut, muss man eigentlich gar nicht lange suchen, um Kriege jeglicher Art zu finden. Ob es jetzt die Ukraine ist, oder Syrien oder Mali. Der Titel steht da natürlich erstmal in einem krassen Kontrast, weil es offensichtlich keine Ist-Beschreibung darstellt. Was hat der Titel für euch zu bedeuten?

    Jan: Es gab immer Kriege, seit ich lebe. Und außerdem ist ein Bewusstsein hinsichtlich des zweiten Weltkriegs und des Faschismus präsent. Kriege kommen jetzt wieder näher, zumindest die Kriegsgefahr. Das schwingt natürlich mit, das wollen wir auch nicht verleugnen, wenn wir „Nie wieder Krieg“ zitieren. Der Slogan geht auf ein Plakat von Käthe Kollwitz und einen Aufsatz von Kurt Tucholsky zurück. Das ist natürlich auch eine Verbeugung vor diesen beiden Menschen und überhaupt vor dem Antimilitarismus. Aber unsere Intention geht ein bisschen weiter: Wo entsteht da eigentlich der Krieg? Eine Betrachtung nach Innen, das ist die Idee. Wir haben viel über diesen Titel diskutiert, ob er nicht auch missverständlich sein könnte.

    In jenen Tagen begannen auch die Aktivitäten der rechtsoffenen bis rechtsextremen Coronaleugnerszene. Es ist geradezu grenzenlos und völlig frei von Scham, was sich dort angeeignet wird. Wir kamen zu der Überzeugung, dass der Titel „Nie wieder Krieg“ auch ein Statement ist, dass man den antiaufklärerischen Kreisen nicht die Begriffe und das Feld überlässt. Und davon unabhängig finde ich es interessant, hinter einer altbekannten Parole, einen für den Zusammenhang überraschenden Text zu haben.

    YouTube

    Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
    Mehr erfahren

    Video laden

    „Das Ergötzen am Hass passt einfach nicht mehr in die Zeit“

    Lukas: Also wolltet ihr euren Hörer:innen eine bestimmte Botschaft mit auf den Weg geben?

    Jan: Auf den Weg geben… Da kann ich nicht so viel mit anfangen. Das sind ja irgendwie immer Angebote. Ich finde, das Schöne an Musik ist ja, man kann damit machen, was man will. Man muss ja nicht einmal die Sprache verstehen. Ich zum Beispiel höre sehr textinteressiert Musik, anderen Leuten ist das vielleicht gar nicht so wichtig. Naturgemäß ist das bei uns vielleicht eher so, dass unsere Stücke die textaffinen Hörer:innen anzieht.

    Lukas: Ich bin auf den Gedanken gekommen, weil sich „Nie wieder Krieg“ ja auch als Appell verstehen lässt, also als Aufforderung. Ihr beschreibt das Album selbst unter anderem als „Lieder über allgemeine Verwundbarkeit, Einsamkeit und Angst“. Wenn ich mir aber die Titelliste anschaue und mich quer durchhöre, bemerke ich Songtitel wie: „Nie wieder Krieg“, „Komm mit in meine freie Welt“, „Hoffnung“, „Liebe“. Das sind ja alles sehr friedliche, man könnte schon fast sagen, pazifistische Motive. Ich dachte, vielleicht war es daher Teil eurer Intention, eine Art Empowerment zum Ausdruck zu bringen…

    Jan: Achso ja, ich verstehe, was du meinst! Musik kann Trost spenden. Und wenn unser Album das irgendwie schafft, dann würde mir das schon vollkommen reichen. Die erste Zeile auf unserem ersten Album „Digital ist besser“ lautet: „Ich weiß nicht, warum ich euch so hasse, Fahrradfahrer dieser Stadt“. Wir haben viel Zeit damit verbracht, unserem Hass auf die bizarrsten Dinge freien Lauf zu lassen. Jetzt, wo aber der Hass etwas so Gegenwärtiges ist, in den Diskursen, die stattfinden… Und so viel antidemokratisches Potential freisetzt, haben wir einfach kein großes Bedürfnis mehr danach. Es gibt zwar noch ein Lied auf dem Album mit dem Titel „Ich hasse es hier“, aber das ist ja eher ein ungewollter Hass auf einen Ort, der aus einer gescheiterten Liebe resultiert. Das Ergötzen am Hass passt einfach nicht mehr in die Zeit, finde ich.

    Lukas: Als die Single „Jugend ohne Gott gegen Faschismus“ erschien, dachte ich, wie viele andere wahrscheinlich, an meinen Deutsch-LK zurück und natürlich direkt an den Roman „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth. Ein Roman über Wahrheit, Gewissen und Moral. Ist das ein Zufall? Wie stehen Song und Roman im Zusammenhang?

    Jan: In keinem so konkreten. Ich kenne den Roman und finde ihn ganz toll, ich weiß aber von Dirk, dass er ihn gar nicht gelesen hat. Ihm ist dieser Titel über den Weg gelaufen und er war interessiert an der Zusammensetzung der Parolen „Jugend ohne Gott“ und „Youth against fascism“, dem Song von Sonic Youth. Als er mir den Titel vorstellte, ergab sich bei mir auch erstmal so ein Moment der Irritation. Diese Verzahnung von „ohne“ und „gegen“ hat ja etwas Merkwürdiges. Ich fand es aber im nächsten Moment sehr interessant, weil es in Bezug auf die Sprache etwas Spielerisches hat. Der Bezug zu Horváth ist gar nicht so groß. Sag ich jetzt einfach mal. Außer, wenn Dirk das neuerdings anders sieht. (lacht)

    YouTube

    Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
    Mehr erfahren

    Video laden

    „Grundsätzlich versuchen wir schon sehr stark, Wiederholungen zu vermeiden“

    Lukas: Ich habe euch letztes Jahr live sehen können und auf eurer Tour „Let there be Tocotronic – The Hamburg Years“ habt ihr ausschließlich Songs der ganz frühen Alben gespielt. Ihr schreibt auch im Pressetext zum Album, dass ihr vieles wieder so gemacht habt, wie in den 90ern. Zum Beispiel die Songs nicht einzeln, sondern als Band gemeinsam in einem Raum aufzunehmen. Sogar mit live vocals. Bringt das das Alter mit sich, oder warum werdet ihr jetzt nostalgisch?

    Jan: (Lacht) Nostalgisch bin ich nicht! Aber ich glaube, ich bin sehr sentimental, um ein noch negativeres Wort zu benutzen. Das war ich aber auch schon in frühester Jugend. Eigentlich war das nur so eine schrullige Idee, die Konzerte sollten auch ursprünglich nur einmal stattfinden. Also in Hamburg sollte das „The Hamburg Years“– Konzert und in Potsdam, also bei Berlin, das „The Berlin Years“-Konzert stattfinden. Coronabedingt war das aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so durchführbar. Da aufgrund der Pandemie die Festivalsituation sehr kompliziert war, hatten wir dann die Idee, unser Hamburg-Years-Konzept auszuweiten.

    Schlussendlich wurden daraus pandemiegerechte Konzerte und einiges mussten wir leider auch absagen, als klar wurde, dass es bestuhlte Konzerte sein werden. Da dachten wir zunächst, dass das ja sehr dialektisch sei, diese schnellen Lieder von damals vor bestuhlten Reihen zu spielen. Wir sind dann auch mit geringen Erwartungen gestartet, haben dann aber gemerkt, dass es eigentlich ganz toll ist. Für mich waren diese Shows durch die chronologische Setlist viel mehr, als eine Nostalgieshow. Weil wir auf der Bühne die Entwicklung, die wir mit der Band von 1993 bis ins Jahre 2002 vollzogen haben, erleben konnten.

    Lukas: Und was die Produktion der Platte angeht?

    Jan: Liveaufnahmen haben wir tatsächlich auch in späteren Jahren noch häufiger gemacht. Das ist im Grunde das Markenzeichen unseres Produzenten Moses Schneider, mit dem wir seit dem Jahr 2004 zusammenarbeiten. Für die live aufgenommenen Songs von „Nie wieder Krieg“ hatte er nun allerdings Dirk den Vorschlag gemacht, sogar den Gesang bei den Live-Sessions gleich mit aufzunehmen. Das ist eine ziemliche ungewöhnliche Methode. Das hat sich schon sehr angefühlt wie bei „Digital ist besser“, weil wir das damals auch so gemacht haben.

    Ein paar Lieder haben bei mir auch ein ähnliches Gefühl ausgelöst, wie manche Songs des ersten Albums. „Nachtflug“ zum Beispiel. Das könnte jetzt so natürlich nicht auf „Digital ist besser“ sein, auch textlich ist das in einer anderen Welt angesiedelt, aber wenn wir das zusammen spielen, setzen sich bei mir zumindest ähnliche Emotionen frei. Grundsätzlich versuchen wir schon sehr stark, Wiederholungen zu vermeiden. Das wäre ja schlicht langweilig. Aber irgendwie scheint da manchmal etwas in uns zu ruhen, was dann wieder hervorkommt.

    Lukas: So viel also zum „blast from the past“. Zu Anfang hast du ja schon erwähnt, dass ihr auch an eurem letzten Album gut anknüpfen konntet. Was sind denn deiner Meinung nach die größten Unterschiede zu „Die Unendlichkeit?“

    Jan: Hmm… Vielleicht eine eher technische Sache, die ich aber dennoch wichtig finde: Der Schlagzeugsound ist ganz anders. Das ist ein großer Unterschied, jetzt rein musikalisch. Ansonsten geht der Blick, was Dirks Texte betrifft, ein bisschen von ihm selbst weg. Das Stück „Nie wieder Krieg“ zum Beispiel ist fast wie eine Kurzgeschichte mit verschiedenen Protagonisten. Es geht zwar um das Innere dieser Menschen, aber eben auch weg aus dem eigenen Ich.

    Tocotronic, nie wieder krieg, hamburger schule, rock, indierock, interview, jan müller, reflektor, untoldency, untold stories, moses schneider, deutschsprachig, german rock band, Credit Gloria Endres de Oliveira
    „Irgendwann hatte ich tatsächlich Sorge, dass der Musikgenuss in meinem Leben zu kurz kommt“

    Lukas: Da ich ja jetzt das Vergnügen habe, mit dir zu sprechen, möchte ich ein bisschen auf deine Person eingehen. Denn du bist ja nicht nur Bassist, sondern inzwischen auch ein renommierter Podcaster und Musikjournalist…

    Jan: (Lacht) Danke, ja, danke, dass du das so einordnest!

    Lukas: Ja, auf jeden Fall! Ich bin großer Fan von Reflektor, ich höre dich oft zum Einschlafen! (lacht) Natürlich nicht, weil es langweilig ist! Ich habe mich gefragt, inwiefern hat dich diese Arbeit als Interviewer in deiner bzw. eurer eigenen Musik beeinflusst? Also gibt es konkrete Beispiele, Bands oder Musiker:innen, die dich beim neuen Album stark inspiriert haben?

    Jan: (Überlegt) Das glaube ich nicht, ehrlich gesagt. Weil ja dann doch jede:r ganz eigene Sachen macht. Das finde ich auch das Tolle an Bands, dass man mit anderen zusammen eine kleine Zelle bildet, mit einer ganz eigenen Ästhetik. Natürlich auch mit vielen Einflüssen, aber das funktioniert irgendwie indirekter, glaube ich. Das war auch einer der Gründe, warum ich mich entschlossen habe, Reflektor zu machen. Weil wir als Band so lange über Distinktion und Abgrenzung funktioniert haben. Das hat mich dann irgendwann ermüdet und ich dachte mir, guckst du doch mal woanders hin.

    Einerseits mache ich natürlich Interviews als Fan, gerade die Sachen aus dem Punk. Wenn ich jetzt Frank Z von Abwärts, oder Annette Benjamin von Hans-A-Plast interviewe, dann mache ich das, weil ich einfach Fan dieser Musik bin. Aber ich suche mir auch Sachen, bei denen ich nicht so den Zugang habe. Zum Beispiel aus dem Hip Hop, oder bei Bands mit einer eher mainstreamigen Auffassung von Punk. Oder bei Musik, die an den Schlager grenzt. Um dann einfach mal herauszufinden, warum Menschen die Musik machen, die sie machen.

    Durch Reflektor höre ich wieder sehr viel mehr und sehr gezielt Musik. Als junger Mensch habe ich immer Musik um mich gehabt, beim Arbeiten, beim Essen, eigentlich bei jeder Tätigkeit. Irgendwann hatte ich tatsächlich Sorge, dass der Musikgenuss in meinem Leben zu kurz kommt. Das vorbereitende Hören ist für mich jetzt eine neue Art, mir Musik sehr gezielt zu erarbeiten. Ich bereite mich recht intensiv auf meine Reflektor-Interviews vor. In dieser Zeit höre ich wirklich nur diese eine Band oder die ein:e Künstler:in. Ich finde das total schön, da so einzutauchen. Und zum Schluss kommt dann eben dieses Gespräch und man sieht, ob sich diese ganzen Ideen, die man zu dieser Person hatte, bestätigen. Oder eben nicht.

    „Erstens Mu-Err Pilze, zweitens Gummibärchen“

    Lukas: Du hattest auch vorhin schon den Song „Ich hasse es hier“ angesprochen. Als ich mir das Album das erste Mal angehört habe, kam „Ich hasse es hier“ und ich musste so lachen über die Zeilen mit der Pizza! Mir ist dann aufgefallen, dass ich solche Momente eigentlich auf jedem Tocotronic-Album habe. Das ist euch schon wichtig, dass es neben aller Ernsthaftigkeit auch mal etwas zum Schmunzeln gibt, oder?

    Jan: Ja, auf jeden Fall! Uns umgibt immer so ein ganz ernsthafter, theoretischer Nimbus und wir versuchen das schon deutlich zu machen, dass das eben nicht ganz den Tatsachen entspricht. Das ist ja keine akademische Tätigkeit, der wir hier nachgehen. Keiner von uns hat eine Ausbildung für das, was wir tun. Das ist irgendwie alles selbst angeeignet und für uns gefühlt immer nahe der Hochstapelei. (lacht) Da tut so ein bisschen Humor auch ganz gut, finde ich. Im Endeffekt sind wir ja Gaukler. Und es verunsichert mich manchmal, wie weihevoll man wahrgenommen wird. Das ehrt uns natürlich einerseits, allerdings sollte die unseriöse Seite, die wir ins uns tragen, nicht zu kurz kommen. (schmunzelt)

    Lukas: In diesem Song haben wir dann also gelernt, dass Kräuter der Provence und Dosenchampignons nicht die richtigen Mittel sind, um eine Tiefkühlpizza aufzupeppen. Wenn es so nicht geht, wie geht es dann? Was ist dein heißer Tipp?

    Jan: Ok, warte mal… Lass mich mal überlegen. Also erstens Mu-Err Pilze, zweitens Gummibärchen, natürlich. Das ist ja eh klar. Ehm, vier Knollen Knoblauch. Und… Gurken. Gewürzgurken. Cornichons. Und zum Schluss mit Cola ablöschen.

    (Beide lachen)

    Lukas: Das klingt köstlich, das werd ich gleich mal ausprobieren! Danke für dieses schöne Interview, viel Erfolg mit der Platte und bis bald!

    Fotocredit: Gloria Endres de Oliveira

  • Dreimalumalpha im Interview: „Der Rest ist… Kunst“

    Dreimalumalpha aus Innsbruck in Tirol haben im Dezember 2020 das in meinen Augen beste deutschsprachige Rockalbum des Jahres herausgebracht. Jugend ans Geld verloren kam aus dem Nichts und begeisterte nicht nur mich, sondern auch viele Magazine, Radiosender und Kritikerinnen. Mit einem klaren und zielstrebigen Rocksound, den ich in dieser Form lange nicht mehr gehört habe, schafft die dreiköpfige Band brutale Ohrwürmer, die noch tagelang hängen bleiben. Die absolut treffsicheren Texte runden dieses erstaunliche Debüt ab. Eine große Coming-Of-Age-Geschichte, zu der ich wieder, wie als Teenager, kopfüber im Bett liege und mit meinen dreckigen Socken gegen die weiße Dachschräge im Takt der Musik mitstampfe.

    Ich konnte mit Dreimalumalpha vor ihrer Probe per Videochat sprechen. Zu Wort kamen alle Bandmitglieder, nämlich Simon (Gesang, Gitarre), Thomas (Bass, Backingvocals) und Hannes (Drums). Ich war leider nicht in der Lage den ganz zauberhaften und liebenswürdigen Akzent zu verschriftlichen, aber bitte stellt ihn euch vor:


    Dreimalumalpha im Interview


    Lukas: Hallo ihr drei, schön, dass das geklappt hat mit uns. Sagt mal, wie habt ihr euch kennengelernt und wie lange macht ihr Musik zusammen?

    Simon: Dreimalumalpha gibt es schon seit ein paar Jahren. Die Band war zuerst personell anders besetzt, aber da hat sich kaum was ergeben für die Öffentlichkeit. Erst im April 2017 habe ich Hannes kennengelernt und dann sofort mit ihm ein Konzert gespielt. Hannes und ich kannten uns vorher auch nicht. Ein Freund rief mich an und sagte: „Du, neben mir sitzt der Hannes, der spielt Schlagzeug, das wär doch was für dich?“ Dann haben wir telefoniert, Hannes war berauscht, und gleich ausgemacht, dass wir das machen mit der Band.

    Thomas: Ich hatte euch in der alten Besetzung ja zwei mal schon gebucht für die Venue, wo ich arbeite. Und als ihr am nächsten Morgen euren Stuff abgeholt habt, habt ihr mich gefragt, ob ich dabei bin.

    Simon: Genau, Thomas arbeitet bei der Talstation in Innsbruck und wir waren gerade auf der Suche nach einem neuen Bassisten. Und so hat sich Dreimalumalpha geformt.

    Lukas: Warum gerade Innsbruck? Ist das eure Wahlheimat oder eher eine Zwangsheimat?

    Hannes: Wahlheimat, ganz klar.
    (allgemeine Zustimmung)

    Simon: Kommt drauf an, wenn einen die Lebensumstände gezwungen haben, dann ist es auch eine Zwangsheimat. Wie viel Wahl hat man, wie viel Freiheit? Ich bin auch geflüchtet irgendwie, so eine Mischung.

    Thomas: Gewählt nach Innsbruck, genau. Ich wollte zwar auch mal weg, aber dann habe ich doch etwas gefunden, was mich hier hält.

    Lukas: Wie sieht denn ein typischer Tag in Innsbruck aus (Pre-Corona)?

    Hannes: Innsbruck ist definitiv eine Sportlerinnen-Stadt.

    Lukas: Ah, dann wahrscheinlich viel Wintersport, oder?

    Hannes: Sommersport, Wintersport, Herbstsport und Frühlingssport. (lacht)

    Simon: Ja, schon auch viel Bier trinken und so. Kulturelle Veranstaltungen besuchen… Auf der Bogenmeile, das sind die Viaduktbögen in Innsbruck, da fährt auch die Bahn drüber… Dort befinden sich viele Lokale. Das sind bestimmt 15-20 Lokale, die sich da erstrecken. Und dort trifft man sich halt Sonntags. Das ist eigentlich der Treffpunkt.


    „Wir verfolgen nicht den Plan, konzeptmäßig da rein zu passen“


    Lukas: Gibt es denn eine Musik- bzw. Indieszene in Innsbruck, der ihr euch zugehörig fühlt?

    Hannes: Eine Indieszene gibt es kaum. Unser Genre ist nicht so sehr vertreten.

    Simon: Ich glaub so Funpunk und politischer Punk ist ziemlich in gerade. Metal… vielleicht eher in den Proberäumen. Auf der Bühne ist es eher der Punk.

    Hannes: Konservatoriums-Jazz…

    Simon: Aber auch nicht ausgiebig und blumig und schwanger… So ganz verschiedene Jazzclubs nach dem Motto: „In welchen Jazz-Club gehma heute?“ sind hier aufgrund der Größe nicht anzutreffen.

    Lukas: Seid ihr also vielleicht der Beginn einer „Tiroler Schule“ als Pendant zur „Hamburger Schule“ der 90er Jahre?

    Hannes: Ich glaube das coole für viele Bands in Österreich ist, dass sie hier umher fahren können und dadurch der Ort vielleicht nicht die größte Rolle spielt.

    Simon: Ich denke auch. Die Journalisten nehmen, um die Spalten zu füllen, gerne dieses geografische Thema auf.

    Lukas: Sind die Bands der „Hamburger Schule“ denn überhaupt persönliche Vorbilder oder ist das eher ein Zufall, dass euch viele Rezensentinnen mit diesem Subgenre vergleichen?

    Simon: Ich als Songwriter habe mich nicht quer durch die Hamburger Schule gehört. Ich habe schon recht viel von Tocotronic gehört, vor längerer Zeit. Ich kenne bissl was von Tomte, vielleicht vier Lieder. Und von den Sternen vielleicht auch vier, fünf Lieder. Und sonst kenne ich eigentlich nicht viel. (lacht) Aber natürlich habe ich auch das ein oder andere Stilmittel gut gefunden und das spiegelt sich sicher auch in unseren Songs wider.

    dreimalumalpha, rockband, hamburger schule, indierock, indiepop, rock, interview, jugend ans geld verloren, innsbruck, review, untoldency, untold, ohne theorie keine revolution, newcomer, austropop

    Lukas: Es schwingt leicht mit, dass euch die Vergleiche zu dieser hanseatischen Rockepoche langsam nerven…

    Simon: Also mich noch nicht. Noch nicht. Aber es ist halt so eine absehbare Geschichte.

    Hannes: Ich glaube der Punkt ist, dass wir nicht den Plan verfolgen, konzeptmäßig da rein zu passen. Es gibt tausend andere Bands und Genres, die genau so großartig sind.

    Lukas: Welche Art von Musik wäre das dann? Auf was könnt ihr euch z.B. im Tourbus einigen?

    Hannes: Wir überzeugen uns gerne gegenseitig mit fremdem Material. (lachen)

    Simon: Ich hör’ zum Beispiel gerne ghanesischen Funk aus den 70er Jahren…

    Thomas: Hör ich auch sehr gern…

    Simon: Echt jetzt? (lacht) Dann wissen wir ja schon, was wir bei der nächsten Tour im Auto hören. Aber das ist wirklich weitreichend… Von alten Klassikern aus dem Indierock bis hin zu amerikanischen Songwritern aus den 60er Jahren…

    Thomas: Ich höre viel 70s Soul und auch härtere Musik aus den 70ern… Aber auch viel Modern Jazz und Neo Soul, sowas.

    Hannes: Bei mir viel deutschsprachige Musik und das, was jetzt unter „moderner Punkrock“ fällt. Da bin ich eigentlich immer dabei und höre ich mich gerne durch.

    Lukas: Und deutschsprachige Rockmusik? Ist Gitarrenmusik tot?

    Hannes: Ich glaube es wird alles gerade poliert, überproduziert und glattgebügelt, oder wie sagt man? Immer weniger so handgemachte Live-Musik.


    „Man muss es auch ein bissl so hinnehmen“


    Lukas: Euer Debüt „Jugend ans Geld verloren“ ist ungefähr vor einem Monat digital erschienen und bleibt der Gitarrenmusik auf jeden Fall treu. Ein Album zu produzieren ist allerdings heutzutage ja schon fast altmodisch – was hat euch dazu bewegt?

    Thomas: Es war ja nicht immer so der Plan, dass wir das so veröffentlichen…

    Hannes: Es gab verschiedene Pläne und Diskussionen. Und wir haben uns nach vielem Hin und Her dazu entschieden, es so zu veröffentlichen.

    Simon: Wir haben vorher auch viele Singles rausgehauen eigentlich. Über ein Drittel des Albums als Single- und Videoveröffentlichung. Aber irgendwie ist das auch so unser Mindset, dass man ein Album rausbringt.

    Hannes: Für uns hat es einfach einen Wert ein Album rauszubringen, was in sich stimmig ist und auch zusammengehört, von der Musik und von der Zeit her. Und das Format Schallplatte ist eben auch interessant.

    Lukas: Das Album hat ja auch wahnsinnig gute Kritiken bekommen. War euch das vorher klar bzw. ist es beim Produzieren deutlich geworden, dass das ein Erfolg wird?

    Thomas: Weil ich neu dazugekommen bin und die Musik schon relativ fertig war, war mir von Anfang an klar, dass diese Musik nicht dafür gemacht ist, nur in Innsbruck gespielt zu werden. Da ist Potenzial dahinter. So bin ich in die Band eingestiegen.

    Hannes: Kalkuliert quasi, eiskalt kalkuliert… (lachen)

    Simon: Natürlich gefällt einem das sehr gut, was man selbst macht. Das ist ja eine Identifikationsplattform für einen selbst. Ich habe auch gespürt, dass es ein Potenzial hat und auch für andere Leute geschrieben wurde. Also wie es gemacht ist, ist ja nicht nur rein für uns. Ich wusste, dass werde ich ja irgendwann auch jemandem vorspielen wollen. Jedenfalls war es der große Wunsch und insgeheim auch irgendwie das Wissen, dass es für viele Menschen hörbar werden könnte.

    Lukas: Auch Andreas Müller, ein Moderator im Deutschlandfunk Kultur, hat ja im Interview mit euch gesagt, „Am Karussell von Ingo Blaumann“ sei der beste Song, den er je gehört habe…

    Simon: Ja, stimmt… Ich habe mich da am Anfang gar nicht getraut, das noch mal zu erwähnen, weil ich nicht wusste, ob das jetzt wirklich sein kann. Aber es ist wahr anscheinend. (lacht)

    Lukas: Der Titel „Jugend ans Geld verloren“ ist allein schon ein richtiger Eyecatcher und stiftet viele Assoziationen. Warum dieser Titel?

    Hannes: Der Titel stammt von Simon, ich kann nur sagen wie ich ihn finde. Ich finde es beschreibt einfach eine Phase in der eigenen Biografie, die zwangsläufig stattfindet. Es ist gar nicht die Frage, ob es passiert, sondern dass es passiert und wie man damit umgeht und diesen Prozess reflektiert. Die Frage kam oft: habt ihr eure Jugend ans Geld verloren? Ich würde sagen, es passiert mehr oder weniger den meisten Menschen.

    Simon (ein neues Bier öffnend): Der Titel ist nicht unmittelbar mit den Songtexten verknüpft. Songs und Titel sind auch zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt entstanden. Das hat sich dann irgendwie als Abschluss, als Deckel… oder als Fassung dieser vielen einzelnen Nummern ergeben, dass es „Jugend ans Geld verloren“ heißen soll. Der Rest ist… Kunst. Es braucht auch eine gewisse Intimität zu diesem Kernthema, das man nicht klar aufschlüsseln kann. Es ist einfach eine Geschichte, eine große Geschichte. „Jugend ans Geld verloren“ ist halt der Titel. Es gibt sicher auch andere Titel, die gut gepasst hätten. Da ist kein definitiver Punkt auf dem Album, wo man sagt: deswegen heißt es „Jugend ans Geld verloren“. Es gibt so viele Bedeutungsebenen und Interpretationsmöglichkeiten. Man muss es auch ein bissl so hinnehmen. Man muss es so hinnehmen und das beste für sich draus machen.


    „Nicht immer nur »alles super, wir wollen danzn«“


    Lukas: Die Texte der Songs haben definitiv auch einen politischen Sound. Wollt ihr politisieren bzw. moralisieren?

    Thomas: Man kann es so hinnehmen und sehen, dass das irgendwie politisch ist. Aber man muss es auch nicht so verstehen, weil es irgendwie nie zu direkt oder offensiv politisch ist im Sinne von „mach das nicht“ oder „pass genau auf dies und jenes auf“. Wenn man selbst diese Themen schon mal reflektiert hat, wird man es klar so verstehen. Aber wenn nicht, dann… weiß ich nicht.

    Simon: Es ist sicher politisch. Weil ich auch Ohnmacht, Wut und Veränderungswillen verspürt habe in meinem Leben. Und zu dem Zeitpunkt, als ich gewisse Lieder geschrieben habe, ist das präsent gewesen und dann kommt es auch in den Liedern vor. Ich habe einfach mehr auf meinen intuitiven Schreibfluss gehorcht als jetzt gezielt politisch sein zu wollen. Denn man kann ja oft gar nicht sagen: genau dies oder jenes ist das Problem. Im Songwritingprozess ist es meistens weniger die Anklage alleine, es ist oft eine Mischung aus Anklage, einer gewissen Art von Trauer und der Ohnmacht gegenüber bestimmten Themen.

    Lukas: Auch das Stichwort Zeit und ein Coming-Of-Age Konzept habe ich oft in den Texten wiedergefunden.

    Simon: Die Zeit spielt für mich eine Rolle. Das hängt für mich auch sehr konkret mit dem Titel zusammen. Dieser fließende Übergang von „verliebt in die Idee und das Spiel“ und im nächsten Moment berechnend und professionell gegenüber dem Leben. Um produktiv zu sein, im wirtschaftlichen Sinne. Auch diese Spannen, wann fängt es an, wann hört das auf? Das ist natürlich ein Zeitthema.

    Lukas: In den letzten zwei, drei Jahren, vor allem 2020, kam immer mehr Musik mit politischen Inhalten raus. Ist es in diesen Zeiten überhaupt möglich, ein unpolitisches künstlerisches Werk zu schaffen?

    Thomas: Ich glaube es ist schon gut, dass es Musik gibt, die komplett unpolitisch ist. Es muss ja nicht immer zum Nachdenken anstiften. Musik ist auch mal ganz fein zum Entspannen. Oder mal zum Durchdrehen. Oder um alle möglichen Gefühlslagen zu durchleben. Es ist aber natürlich auch schön, wenn es irgendwo in der Musik auch ein bissl mehr Inhalt gibt und nicht immer nur „alles super, wir wollen danzn“.

    Lukas: Zum Tanzen regt eure Platte dennoch an vielen Stellen an. Es klingt alles sehr organisch und nicht konstruiert in der Produktion. Wie und wo ist das Album entstanden?

    Hannes: Ich glaube der Live-Charakter ist in jedem Song hörbar. Ich hoffe man hört, dass es menschengemachte Musik ist und das war auch die geplante Herangehensweise. Matthias Magerle, der Bassist vor Thomas, hat das Album mit uns in seinem Projektraum aufgenommen und produziert und es steckt auch ein großer Teil von ihm drin.

    Lukas: Nun hat Corona ja das Leben vieler Künstler im letzten Jahr stark beeinflusst. Könnt ihr vielleicht auch positive Schlüsse daraus ziehen?

    (Pause)
    Hannes: Irgendjemand hat zuletzt positiv angemerkt, dass wir trotz Corona das Album herausgebracht haben. Vielleicht gibt es auch mehr Leute die gerade sensibel für neue Musik sind. Corona hat aber dafür gesorgt, dass wir den Schwung der Albumveröffentlichung nicht direkt für Live-Konzerte nutzen können. Das ist mit Sicherheit ein Problem.

    Lukas: Was sind eure Wünsche und Aussichten für Dreimalumalpha im kommenden Jahr und für die Zeit nach der Pandemie?

    Simon: Wir sind guter Dinge im Februar eine Konzertreihe zu starten, beginnend zunächst in Österreich. Wir wollen natürlich viel live spielen. Am liebsten so jeden dritten Tag im Jahresschnitt. Und wir arbeiten weiter an unserer Musik.

    Lukas: Danke für eure Zeit und das nette Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!

    Die im Februar erscheinende Vinyl von Dreimalumalpha kann man hier vorbestellen.

    YouTube

    Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
    Mehr erfahren

    Video laden