Schlagwort: Electro-pop

  • Eves Jahresrückblick: back to the dark side

    Eves Jahresrückblick: back to the dark side

    Und schon wieder ist ein weiteres Jahr vorüber. Ich will jetzt nicht zu sehr in die Melancholie verfallen, aber etwas anderes geht mit diesem Artikel auch zu Ende: Meine Zeit bei untoldency. Schweren Herzens muss ich unserem Magazin zum Abschied winken. Denn schon seit einiger Zeit finde ich einfach keinen Platz mehr, um mich dem Schreiben in dem Maße zu widmen, wie ich mir und das Team es sich wünschen würde. Aber so ist es nun mal, der Alltag wird immer stressiger und man kommt seinen eigenen Hobbys gar nicht mehr hinterher. Hiermit also… meine letzten Worte (vorerst):

    So chaotisch wie das letzte Jahr und das zuvor, so geht es auch weiter. Viele neue Erfahrungen, aber auch viele unerwartete Veränderungen. Dieses Jahr ist so schnell an mir vorbeigezogen, dass es mir richtig schwergefallen ist, alles, was passiert ist, zu rekonstruieren. Auch mein musikalisches Jahr war von vielem Neuen gezeichnet. Jeden Freitag pack’ ich mir alle erdenklichen Releases in meine Playlist und haste mich diese bis zum folgenden Release Friday durchzuarbeiten. Aber trotzdem haben sich so einige Stammgäste in mein Spotify Wrapped eingeschlichen…


    Back to the dark side

    Ich hatte ja schon angeteasert, dass das Jahr von vielen Veränderungen geprägt war. Die einen positiv, die anderen eher weniger. Und weil mich Veränderungen extrem überfordern, verliere ich mich lieber in Erinnerungen an so wie es mal war. Auch musikalisch hat es mich somit in die Vergangenheit katapultiert. Hier spielten alle meine geliebten Hardcore Bands von vor 10 Jahren (wow ich klinge hier wirklich alt) die Hauptrolle. Jetzt wo alle um einen herum heiraten und Kinder kriegen, spiel’ ich dann lieber wieder 16 sein und höre Bands wie Movements, Bring Me The Horizon, Seahaven und Citizen. Mein absolutes Highlight dieses Jahr: Meine allerliebste Band in dem Genre Balance and Composure hat nach 6 Jahren wieder eine Single veröffentlicht. Andere honorable mentions wären hier cleopatrick und Sperling.

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    Eine neue Ära

    Neben den alten Bekannten aus meiner Hardcore-Zeit hab ich dieses Jahr eine Riesen-Neuentdeckung gemacht. Dank geht raus an Josy. Sehr late to the party, aber veliebt hab ich mich 2023 in Sleep Token. Beschreiben kann ich die Musik sehr schlecht, denn die Band, die völlig anonym auftritt, kombiniert gefühlt jedes erdenkliche Genre so gekonnt miteinander, dass jeder einzelne Song für unendliche Überraschungen sorgt. Man nehme bloß „The Summoning“ …mein absoluter Favourite.

    Ich weiß noch genau, wie ich reagiert hab, als ich den Song zum ersten Mal gehört hab. Auf Empfehlung einer Freundin hab ich frühs auf dem Weg zur Arbeit im Zug auf Play gedrückt und mich erstmal richtig erschrocken. Auf den Metal-achtigen Start hab ich mich überhaupt nicht vorbereitet. Ich muss sagen, dass ich von den ersten Sekunden etwas abgetan war, den aus der Zeit, wo ich das gehört hab, bin ich schon lange raus. Doch in den 6:35 Minuten wird man auf eine völlig verrückte Reise mitgenommen. Von Metal, zu leisen Klängen, über Rap bis hin zu Erotik – es ist alles dabei. Hört selbst rein!

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    Neue neue (deutsche) Welle

    Obwohl mein Leben hier in Belgien sich beinahe ausschließlich in Englisch abspielt, bleib’ ich meinem Heimatland musikalisch treu. Meine Lieblingsentdeckung hier war TYM – ein Mix aus Elektro, New Wave, Pop und ordentlich Experimentierfreude. Neben TYM brachten mich auch SERPENTIN, Saiya Tiaw, NILS KEPPEL, SKUPPIN, TEMMIS und GAST an regnerischen Tagen zum Nachdenken (Weiterer Gedanke: Wieso schreiben sich eigentlich so viele New Wave Artists mit Großbuchstaben?)

    International konnten distraction4ever, Death Bells, King Krule und The Drums mein New Wave-Herz erobern.

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    Leichte Kost

    Aber es war nicht alles so schwer verdaulich… Auch ein paar leichte Klänge haben sich in meiner Listening History zurückgefunden. Ein Wiederholungstäter hat sich dieses Jahr natürlich wieder einen Platz unter meinen Lieblingskünstler:innen gesichert: The amazing Gus Dapperton. Kleine Empfehlung hier: Wenn ihr die Chance habt ihn und seine Band live zu sehen, kauft euch ein Ticket. Es war eine der most wholesome Shows, die ich dieses Jahr besuchen durfte 🙂


    Und eine weitere Neuentdeckung darf hier natürlich auch nicht fehlen: die Girls von The Beaches. Ich hatte das Glück die Power-Ladies live zu sehen und bei der Souveränität und Coolness prompt den Wunsch gehabt, selbst eine Girlband zu gründen.


    Ich bin raus

    Und das war’s auch schon! Mit diesem Artikel, mit diesem Jahr und leider auch mit meiner Zeit bei untoldency. Ich möchte mich bei Jule und Anna für die schöne Zeit bedanken und die Möglichkeit, meine chaotischen Gedanken halbwegs verständlich runterzuschreiben und das Wort „melancholisch“ viel zu oft zu tippen. Aber auch für den Mut, dieses Magazin auf die Beine zu stellen und es gemeinsam mit dem tollen Team zu dem gemacht zu haben, was es jetzt ist: ein Safespace für alle Musikliebhaber:innen.

    Danke für die schöne Zeit und auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen!

    Jetzt bleibt mir noch ein wenig Eigenwerbung für die dazugehörige Playlist zu machen: Hört rein!


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  • The Haunted Youth im Interview: »Great music first needs to be therapy for the writer in order to become therapy for anybody else«

    The Haunted Youth im Interview: »Great music first needs to be therapy for the writer in order to become therapy for anybody else«

    Seit geraumer Zeit hat es mich weg aus Deutschland ins Nachbarland Belgien verschlagen. Das soll jetzt aber kein Ratgeber fürs Leben als Expat werden. Nein, es geht natürlich um Musik. Belgien hat neben den Niederlanden und Luxemburg musikalisch viel Spannendes zu bieten. Wer sich ein Bild machen möchte, dem empfehle ich unsere „indie export – the sound of benelux“ Playlist (die hat übrigens kürzlich ein frisches Update erhalten).

    In den kunterbunten Mix leitet einer ein: The Haunted Youth. Seit der Single „Teen Rebel“ und dem im November letzten Jahres erschienen Debütalbum „Dawn Of The Freak“ haben sich Sänger Joachim Liebens zusammen mit seiner Live-Band zu den Indie-Lieblingen schlechthin gemausert. Mit einem Mix aus Shoegaze und Dream Pop schaffen die verträumten Gitarren einen Sound für eine ganze Generation, gezeichnet von tiefer Traurigkeit und unendlicher Freiheit zugleich.

    Ich habe mit dem Sänger hinter der gequälten Jugend gesprochen.


    The Haunted Youth im Interview

    Evelin: Hey Joachim, thanks for joining! First thing’s first: I myself have been living in Belgium for a few years now and heard a lot about you already. But for the people who might not know you: Who are you and how would you describe your music?

    Hey! Well I would describe my music as coming from a place that’s internal. It’s very introspective, makes you think but also forget. And I made it in a way to exorcise my own demons, and with that sometimes I exorcise someone else’s demons, at least while the song is playing. That’s how i would love it to be (laughs).

    Evelin: In what creative mindset do we find you at the moment?

    The Haunted Youth - by Robin Todde 026 (1)

    It’s kind of a trip, sometimes I feel like my life or my music is going nowhere in the studio, and the next day I feel inspired and focused. When it comes to playing shows, that’s always nice, I think it’s being on the road for a while now that makes me face new ways of going about creating music. And sometimes that’s hard, but I love going through it, it always ends up somewhere exciting!

    Evelin: Your artist name is very carefully chosen. How much does your youth still affect you to this day? Does it still haunt you?

    Well, our youth kinda shapes us in ways, and as we grow older we unconsciously try to make up for things, when this childhood was missing something. In ways, I feel like pursuing this dream was a way for me to be able to unconditionally live as a child, and free something that was imprisoned in me because of my past. While also growing up in other ways, like making a living and sharing a house with my girlfriend. 


    „There’s always traces that follow you around

    Evelin: Your debut album „Dawn of The Freak looks back on a very specific time in your life and in previous interviews you almost sound a bit bitter about your past. Can you explain what the album means to you and what state you were in mentally while writing the album?

    Well, growing up where I did, in the social environment that I did, I just felt isolated. Like I was different, and something was missing. I found something in skateboarding, I found something in punk rock, and when I really started to discover my own world, it was censored and controlled and judged by the people who should be there for me.

    After the divorce of my parents and years of depressing vibes between them, lies they would tell us about each other, to extreme levels, I decided to not see them anymore as soon as I had the chance. So I tried to fight things I felt about it in songs and that became the album. Because even though I left and my worst days seem to be behind me, there’s always traces that follow you around, and haunt you.

    I was sick of feeling like shit because of this and decided music was always my best way to fight it, besides skateboarding, or smoking weed, doing drugs, etc. I wanted to also give back this message to the community like: „Hey this music has been there for me. I made something in return, which I hope will do the same for someone out there.“

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    „I’m not trying to evoke anything in anyone

    Evelin: The main messages in your album revolve around the struggle of finding your place in life. Do you think you found that now? If so, what does that look like for you?

    I feel like I found at least a big picture of it (laughs). I’m pretty happy with my life now. I seem to have it pretty much under control, it just seems to flow, you know. A lot of old passions came back on me, like I just started skating again, and that feeling combined with being on the road with the band.

    They’re my carefully chosen family of freaks and my queen freak, Ammu. She’s my girl and I’m so in love with her. We really come from the same place traumatically speaking, even though she has her own story, but we bond on that deeply. We both make music together, like really hardcore punk shit, you know.

    And I don’t know, things just feel like they fell into place by making this album and everything that came along with it. And there’s been a lot of struggles to get here, but it makes me enjoy it more as it’s happening.

    The Haunted Youth - by Robin Todde


    Evelin: Your upbringing is characterized with contrasts, and it shows in your music. Whereas the melodies are often quite soft and dreamy, the lyrics can get rather dark. What do you hope to evoke in people with that?

    I’m not trying to evoke anything in anyone. I follow what evokes something in me, and weirdly, that’s how I end up making other people feel things with music. By first chasing that feeling for myself, and have me be the judge. Because I am the hardest to please, other people might like something I might not feel. So why do that. I think great music first needs to be therapy for the writer in order to become therapy for anybody else in such a profound way. Not always though, but mostly.


    „Just go until the gas runs out

    Evelin: You write and produce your music basically all on your own and sort of thrive in isolation. Now you released a song together with one of your bandmate’s projects King Victor. How did that more collaborative process work out for you?

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    Well, Tommy (Tom, Teil von King Victor und Gitarrist bei The Haunted Youth) is the only one I share a certain musical connection with. The therapy part, and the way this therapy sounds to us, is something very particular. I think this kind of connection is really rare, but that’s why he got in the band in the first place.

    And one day he had this song, and sent me the demo, and I hated his vocals on it, but loved the song and proposed to sing on it. I still did it alone, 4 am, high as fuck, and a little depressed. I did a few takes, and sent it to him. He loved it and we decided to go with it.



    Our label manager later decided to make it a collaboration thing with the feature, so his song would get the attention it deserved. We later ended up putting it in this year’s live set.

    Evelin: You released your debut album last year in November, after touring and the upcoming festival summer. What is next for The Haunted Youth?

    Just feeling the vibe, riding the waves and rocking in the free world, making lots more music, just go until the gas runs out, and we run out!

    Evelin: At the end of each interview, we always ask for an untold story. This could be a random fact about you, an anecdote, something funny that happened during recording, touring etc. Anything that you haven’t shared with the world yet, but want to now. 😊

    Well, me and my girl have a dog, a Tervuren shepherd. She’s called Kensy, and she’s our little wolf. Every so often we sit with her and we howl together, as a wolfpack. It’s said to strengthen the bond between you and the dog. It’s as if we’re singing a song together! (laughs)


    The Haunted Youth auf Tour

    Wer sich genauso wie Joachim von Traumata und Sorgen mithilfe der Musik loslösen möchte, dem spreche ich eine warme Empfehlung für das Debütalbum „Dawn Of The Freak“ aus.

    Nach bereits vergangenen Shows und Festivals um und in Deutschland gehen The Haunted Youth außerdem im November wieder auf Tour. Unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Heißt, ihr könnt euch auch noch von euren Dämonen frei tanzen. Holt euch hier eure Tickets!


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    Fotocredits: Robin Todde

  • AB Syndrom im Interview: »Das Album ist die Kollektion aller unterbewussten Prozesse der letzten zwei Jahre«

    AB Syndrom im Interview: »Das Album ist die Kollektion aller unterbewussten Prozesse der letzten zwei Jahre«

    Wer meinen Jahresrückblick gelesen hat, weiß wie sehr ich AB Syndrom in mein Herz geschlossen hab.

    Polarisierend und gleichzeitig so nahbar machen sich die beiden auf ihrem neusten Album „Tut mir gut Tut mir leid“ buchstäblich nackig. So brutal selbstreflektierend katapultieren die beiden mich mit ihrer auf den Punkt gebrachten musikalischen Umsetzung direkt in ihre Gedankenwelt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden auch nächstes Jahr mein Spotify Wrapped anführen werden, denn der Bass dröhnt sowohl in meinen Kopfhörern als auch aus meinem Plattenspieler immer noch non-stop.

    Es war mir eine riesen Freude mit den lieben Jungs über ihre anstehenden Konzerte diese Woche (hier gibts noch Tickets!), ihren Musikschaffensprozess, Süchte und zwischenmenschliche Beziehungen zu sprechen.


    AB Syndrom im Interview

    Anton: So jetzt müssen wir nur unser Video anmachen hier. Wo ist der Knopf? Höre ich schon was?

    Anton und Bennet: Hallo, Evelin!

    Evelin: Hallo!

    Bennet: Wir haben übrigens Antons gute Tageslichtlampe hier hingestellt.


    *Überspringen wir hier kleinen Schwenker über meine aktuell nicht vorhandenen Lichtquellen in meiner Wohnung*


    Evelin: Jetzt erstmal herzlich willkommen. Wie war eure Woche so bisher? Wie geht es euch?

    Bennet: Voll gut! Die Woche war eigentlich ziemlich cool, weil wir noch spontan einen Radioauftritt bei Radio 1 reingekriegt haben, den wir heute noch machen. Und wir sind am Vorbereiten auf die Nachholtermine. Das ist jetzt quasi unser Probekonzert bei Radio 1 (beide lachen).

    Anton: Das Livekonzert im Radio ist unser Probekonzert für die eigene Show am nächsten Tag. Aber war ganz schön, weil als die Tour eigentlich im November stattfinden sollte, war alles relativ gedrängt. Weil wir noch unsere eigene Licht-Show aufgebaut haben, alles gemappt und so. Man kriegt alles gerade so fertig und jetzt war es ganz schön, weil wir jetzt noch mehr Zeit gehabt haben um an ein paar Sachen zu feilen.

    Bennet: Eigentlich noch ein bisschen zu proben (lacht).


    „Das war schon ein ziemliches Desaster“

    Evelin: Ich war ja auch bei dem Tour-Start in Köln dabei und ich fand die Show total toll und war richtig begeistert. Und umso mehr leid tat es mir dann, dass Bennets Gesundheit für die Shows danach einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Wie war das Ganze so für euch, als ihr die Termine absagen und Nachholtermine finden musste?

    Anton: Das war schon ein ziemliches Desaster. Im Nachhinein sind das so lustige psychologische Dinge, die da ablaufen. Ich weiß noch genau wie wir am Morgen nach Köln, wo wir dann eigentlich in Bochum am gleichen Tag spielen sollten, aufgestanden sind. Bennet hatte so offensichtlich überhaupt gar keine Stimme zum Sprechen. Aber wir waren trotzdem noch so: „Lass mal gucken, wie es so läuft“.

    Bennet: Bis dahin ist sie bestimmt wieder da (beide lachen).

    Anton: Irgendwann musste man sich der Realität beugen und sagen: „Okay, wir können das Konzert nicht spielen.“ Wenn du dann auf den Morgen zurückschaust und denkst: „In welchem Mindset warst du, wenn du glaubst, dass du morgens aufsteht und es ist keine Stimme zum Sprechen da?“. Die Sachen sind sehr schwierig zu singen, laut und hoch und pipapo. Wie man geglaubt hat, dass es eventuell noch funktionieren könnte. Wie man so Stück für Stück erst realisiert, dass es wirklich nicht gehen wird. Das fand ich irgendwie interessant.

    Bennet: Voll und so hat es sich ja auch weitergezogen von Tag zu Tag. Wir haben immer gesagt: „Das passt und übermorgen ist sie wieder da, das geht, das können wir machen.“ Und dann haben wir immer am Tag des Gigs erst richtig abgesagt. War krass, dass alle das so mitgemacht haben, unsere Booking Agentur und die Clubs. Die sind irgendwie gerade sehr darauf ausgerichtet, flexibel Sachen rumzushiften.

    Anton: Ja, und auch den Gig, den wir dann für die anderthalb Wochen später in München verschoben haben. Ich glaube, der war  auch irgendwie vorher frei geworden von Leuten, die da was weggeschoben haben.

    Bennet: Ja, ich glaube auch, die konnten Sachen einfach machen, weil andere Bands auch verschieben mussten. Bei dem Club in München, da sollten wir in der Woche spielen, Mele und Trille. Beides Leute, die wir persönlich kennen, die alle in dem gleichen Club spielen sollten innerhalb von diesem ganz kurzen Zeitraum und keiner hat da gespielt.

    Anton: Alle mussten krankheitsbedingt absagen, alle wegen der gleichen Sachen.

    Evelin: Aber mega gut, dass ihr das so schnell organisiert bekommen habt!


    Anton: Ja, das war gut, dass wir so schnell neue Termine gefunden haben. Aber ich glaube, die Venues sind diese Konzertverschiebungen jetzt alle gewöhnt sind, und dass wir halt auch nur drei Leute sind. Bei uns ist es noch relativ leicht. Wenn du mit einer zehnköpfigen Crew unterwegs bist und alle müssen dabei sein. Na, dann funktioniert das nicht, irgendwelche Sachen auf vier Wochen später zu verschieben.

    Bennet: Aber bei solchen Crews hast du dann eher die Möglichkeit, jemanden zu ersetzen. Und bei jedem, der bei uns ausfällt, ist das so ein Riesending.

    Anton: Von den drei Leuten kann man jetzt nicht nur einen ersetzen. Das stimmt, das funktioniert nicht.

    Bennet: Aber zum Beispiel Basti, unser Support, ist dann noch ein bisschen länger krank geblieben und konnte bei den zwei Shows, die wir dann noch gemacht haben auch nicht dabei sein. Das war auch natürlich schade.

    Anton: Aber der ist ab jetzt ab wieder dabei!


    „Wir müssen wirklich alles immer sehr verinnerlichen“

    Evelin: Mega, in voller Besatzung also! Ich finde, man merkt richtig krass, – besonders weil ihr so eine kleine Besetzung habt – wie viel Arbeit ihr in die Shows steckt. Was sind Herausforderungen, auf die ihr live tretet?

    Anton: Die größte Herausforderung ist, dass es ja elektronische Musik ist, die wir machen: sehr viele Synthesizer, elektronische Sounds und Samples usw. Und dass wir uns aber trotzdem den Anspruch gesetzt haben, das alles live zu spielen. Das heißt, alle Sounds, die man hört, die werden auch von uns abgefeuert und es gibt keinen Backing Track. Wenn man das zu zweit versucht umzusetzen, heißt das, damit wir neue Songs auf der Bühne spielen können, wir jedes Mal gucken müssen, wie wir das auf die verschiedenen Pads, die ich dort habe, legen können. Was können wir mit was zusammenspielen und wie können wir das runter kondensieren, dass wir das noch genauso live spielen können? Das ist, glaube ich, für mich die große Herausforderung.

    Bennet: Ja stimmt, das ist auch vor allem bei dir natürlich. Ich schieb immer mehr Sachen zu Anton rüber, was eigentlich ganz gut ist für mich, damit ich mich mehr aufs Singen konzentrieren kann. Aber er hat wirklich viel zu tun. Also manchmal macht ein Pad ein Sample, es verstimmt aber auch noch gleichzeitig die Bassdrum, macht einen Hall an und jetzt auch noch das Licht dann hinten auf Rot. Das muss dann halt auch im richtigen Moment gehauen werden. Ja, es ist schon sehr ausgefummelt.

    Anton: Ja, und das funktioniert bei mir eigentlich auch nur, weil die Sachen so richtig in mein Unterbewusstsein absinken müssen, damit ich dann zusätzlich noch Backing Vocals machen kann. Sonst funktioniert das nicht. Das heißt, neue Songs bei uns zu arrangieren ist meistens eine ziemlich langwierige Geschichte.

    Bennet: Ja, und wir müssen es wirklich auch alles immer sehr verinnerlichen, wie du sagst. Es gibt, glaube ich, Leute, die Sachen ein bisschen mehr aus dem Ärmel schütteln können, weil es ähnliche Sachen sind. Aber bei uns sind die Beats immer was ganz anderes, da musst du ganz andere Abläufe reintun. Aber vor allem vielen Dank für die Frage. Das ist schön, dass du das so wahrgenommen hast.


    „Dass Leute für uns da sind, das kennen wir eigentlich noch gar nicht so richtig“

    Evelin: Ich fand es auch total schockierend, als ihr meinte, dass es eure erste richtige Tour ist.

    Anton: Naja, erste Tour ist auch relativ zu sehen.

    Bennet: Bisschen misleading haha.

    Anton: Unsere erste eigene Headliner-Tour in Deutschland, dann stimmt es 100 %.

    Bennet: Support Touren haben wir quasi schon gemacht. Das ist wirklich was anderes finde ich. Und dann haben wir diese Tour in Südostasien gemacht. Die war auch wirklich was ganz anderes. Aber bei allen Sachen kriegt man stellenweise eine Routine rein.

    Anton: Aber den Aspekt, den man nicht hat, den wir jetzt bei einer Solo-Tour natürlich haben, ist diese ganze Verantwortung, dass das unsere Konzerte sind. Dass wir dafür verantwortlich sind, dass genügend Leute kommen, dass es an dem Abend läuft, dass wir am Ende auch den Merch verkaufen (lacht). Das Einzige, was fehlt, ist eigentlich, dass wir den Leuten Getränke zu bereiten. Das ist die einzige Verantwortung, die wir an dem Abend (in Köln) nicht übernommen haben.

    Bennet: Ey, ganz ehrlich, ich habe mich so gefreut, als wir in Köln waren und dann habe ich gesagt: „Oh geil, da ist ja jetzt jemand, der die Tickets abreißt. Voll gut, dass die daran gedacht haben.“

    Evelin: Sonst hättet ihr das auch gemacht (alle lachen).

    Bennet: Das war jetzt schon auch das erste Mal für uns, dass wir den Teil daran so komplett auskosten konnten, der so rewarding ist auch beim Konzert. Dass Leute für uns da sind, das kennen wir eigentlich noch gar nicht so richtig. Und das war teilweise wirklich echt überwältigend, dass die Leute die Sachen mitsingen konnten.

    Anton: Ja, erstaunlich textsicher. Das war von mir auch nicht so erwartet. Aber krass.


    „Ich mache das nie wieder“


    Evelin: Voll schön! Ihr habt das vorhin schon angesprochen. Aber ihr macht ja irgendwie alles mehr oder weniger selbst. Von Videoschnitt, Grafik, Merch verkaufen, etc. Woher kommt das und was gibt euch das?

    Anton: Es stimmt so, wir machen alles selber. Aber es ist nicht das gleiche, wie wir machen alles alleine. Es gibt natürlich Leute, mit denen wir viel zusammenarbeiten, zum Beispiel Anne, mit der wir ganz viel zusammenarbeiten für die ganzen Fotos. Oder auch bei den Videos, die wir gemacht haben, wirklich teilweise große Crews aus unserem Zirkel sind, die bei den Videos mithelfen. Wir drehen natürlich keines dieser Videos zu zweit, sondern es sind immer viele Leute aus dem Netzwerk, das wir aufgebaut haben, am Start.

    Bennet: Also ich glaube, für uns ist es, wie das Songschreiben auch ein Teil der Kunst und so ein therapeutischer Prozess. Ich merke das auch bei den Videos, so: „Ah ja, eigentlich habe ich das auch noch ein bisschen gebraucht, um zu raffen, worum es im Song geht“. Trotzdem denke ich manchmal, das ist dann so viel, was man sich auferlegt und gerade in dieser ganzen Releasephase. Dann haben wir am Freitag den Release, es muss alles aber noch gegradet werden, der der Schnitt muss noch fertig gemacht werden, dann in After Effects die ganzen Seile rausretuschiert und dann spitzt sich das alles so zu, dass man irgendwann denkt: „Okay, ich mache das nie wieder. Das kann jemand anders machen.“ Aber ja, ist auch trotzdem irgendwie wichtig für uns oder dieses Videoding nochmal ein bisschen mehr wichtig für mich eigentlich.

    Anton: Ich bin immer der, der versucht zu sagen: „Können wir nicht ein bisschen weniger aufwendiges Video machen?“ Und er sagt „Ach ja, das geht ganz schnell…“

    Bennet: Es nervt ihn richtig (lacht).

    Anton: „… wir müssen nur kurz die Seile hier rausretuschieren und am Ende sitzen da 10 Leute die ganzen Nächte, nicht 10, aber fünf Leute daran, diese Seile rauszuretuschieren.

    Bennet: Zu acht waren wir glaub ich.

    Anton: Na dann wars ja gar nicht übertrieben. Also ich reg mich auch deswegen auf, weil ich natürlich nicht geholfen habe, irgendwelche Seile rauszuretuschieren, weil ich kann mit After Effects nicht umgehen. Was soll ich machen? (lacht)

    Bennet: Aber das ist natürlich auch so ein bisschen das Ding. Es geht, weil wir in diesem Raum hier irgendwie unterwegs sind, dass wir ein paar Leute kennengelernt haben, die Filme machen. Und es sind auch Freunde von uns. Sonst wird es auch nicht gehen.

    Evelin: Sonst müsste Anton After Effects lernen.

    Anton: Wo ichs gesagt habe, habe ich gerade drüber nachgedacht, dass ich natürlich schon mal für so ein Video von uns Sachen gemacht habe. Da hab ich was animiert.


    „Es ist ein sehr unterbewusster Prozess“

    Evelin: Um so ein bisschen mehr aufs Album zu sprechen zu kommen: Es ist ja jetzt seit gut drei Monaten draußen und bei mir auf jeden Fall noch immer in Dauerschleife. Was macht die Veröffentlichung von diesem Album so besonders?

    Bennet: Das habe ich jetzt gemerkt bei dem Album. Ich finde, dass sich wirklich jedes Album immer anfühlt wie so ein ganz neues Ding. Ich habe nie das Gefühl: „Ah okay, jetzt passiert das, jetzt passiert das, …“ Und wir haben diese Abläufe und spulen die ab, sondern es ist immer anders. Und es ist mir jetzt erst klar geworden, dass das eigentlich auch ganz schön crazy ist und irgendwie auch Teil des Hustles ausmacht. Aber ja, was jetzt eigentlich gar nicht so interessant für euch ist, wahrscheinlich nur für mich (lacht).

    Evelin: Passiert das unbewusst oder setzt ihr euch dahin: „Okay, mit diesem Album, machen wir was anderes“?

    Anton: Das wollt ich auch gerade schon sagen. Ich glaube, dazu ist wichtig zu verstehen, wie bei uns überhaupt der Songschreib-Prozess funktioniert und wie sich die Themen zu den Songs überhaupt entwickeln. Es ist schon ein sehr unterbewusster Prozess. Wirklich interessant finde ich, dass wie die Songs entstehen und wenn Bennet dazu die Texte schreibt und sich Stück für Stück so ein Song herauskristallisiert, dass wir uns oftmals zusammen den Song anhören und man gemeinsam im Prinzip entdeckt, worum es in dem Song eigentlich geht.

    „Man erkennt gemeinsam, worum es in dem Song eigentlich geht.“


    Es gibt nie oder fast nie, einen Plan dazu, einen Song zu schreiben. Sondern ein Song entsteht irgendwie und man muss auch selber dechiffrieren, worum es in dem Song eigentlich geht und was das eigentliche Thema des Songs ist, welche unterbewussten Prozesse sich da an die Oberfläche geboxt haben. Und das Album ist quasi die Kollektion der unterbewussten Prozesse der letzten zwei Jahre. Dementsprechend ist das, was uns oder was die Texte angeht natürlich vor allem Bennet jetzt in dem Moment am nächsten ist, weil da sind die aktuellen Themen drauf. Über unseren Prozess, ist ein neues Album immer das, was am krassesten ist, weil es das ist, was an der jetzigen Version von dir selbst oder von uns am nächsten dran ist.


    „Mit dem großen Plan der Außenwirkung sind die Songs nicht geschrieben“

    Evelin: Weil das Album ja so persönlich ist, was erhofft ihr euch, was eure Hörer*innen daraus mitnehmen?

    Bennet: Diese Gedanken gibt es immer beim Songschreiben nicht so richtig. Ich lass da Sachen raus und ich finds dann immer total verrückt zu sehen, dass Leute auch mit diesen Sachen, die quasi ganz persönliche, ganz private Geschichten von mir sind, bei denen ich manchmal das Gefühl habe, damit kann eigentlich kein Mensch außer mir was anfangen, connecten und daraus Sachen für sich ziehen. Dass das funktioniert, finde ich einfach schon total den Mind Fuck.

    Anton: Ich finde es echt krass, was uns da für persönliche Geschichten von Leuten erreichen. Was diese Songs mit denen gemacht haben. Was war nochmal dieses Beispiel mit „Tut mir gut, tut mir leid“ und den Geschwistern? Ich versuche, mich zu erinnern. 

    Bennet: Achso ja, stimmt! Da hat sich die eine Person immer so ein bisschen im Zugzwang gefühlt, zu antworten. Dieses ganze Kommunikationsthema, das dann über den Song ziemlich auf den Punkt gebracht worden ist, anscheinend.

    Anton: Und dann hat es da auch geholfen, das zu artikulieren und diesen Konflikt ein bisschen aufzulösen. Wenn ichs richtig in Erinnerung habe, ist schon ein bisschen her. Aber das zeigt, dass obwohl die Songs so ultra persönlich sind und eigentlich die ganz persönlichen Geschichten von Bennet, dass es offensichtlich genug Leute gibt, die damit connecten können. Entweder dadurch, dass sie vielleicht doch nicht so explizit sind und ein bisschen Interpretationsspielraum lassen. Oder einfach auch, weil natürlich viele Leute trotzdem selbst was Ähnliches erleben.

    Bennet: Ja, voll! Ich denk dann da auch ja immer nicht so richtig dran. Aber es gibt natürlich immer viele Leute, die ähnliche Sachen erleben wie man selbst. Nur checkt man es halt nicht. Es gibt diesen einen Song, „33 Prozent“ über meine Kopfverletzung. Das war wirklich sehr, sehr knapp war und sehr so mit Leben und Tod, alles ziemlich haarscharf. Eigentlich haben so gut wie alle Menschen so eine Situation erlebt in ihrem nahen Umkreis. Und das habe ich echt einfach nicht auf dem Schirm. Da haben sich ganz viele Leute dazu gemeldet, dass es was mit denen gemacht hat und so was ist krass. Das haben wir uns aber nie erhofft vorher.

    Anton: Genau mit dem großen Plan der Außenwirkung sind die Dinger nicht geschrieben, sondern halt immer irgendwie Sachen rauslassen.

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    „Das ist alles mein Shit, den ich rauslasse und das tut mir gut“

    Evelin: Aber ist ja schön, wenn man selbst in seiner Blase lebt. Aber dann doch sieht, dass wir alle ziemlich gleich sind. Ihr – oder Bennet eher spricht sehr selbst-reflektierende Themen an, die vielleicht etwas unkonventionell sind oder worüber viele sich nicht trauen, zu sprechen. Kostet sowas Überwindung? Oder ist das wirklich so eine Art Stream of Consciousness und denkst du gar nicht darüber nach, dass so viele Leute das zu hören?

    Bennet: Ja, es ist so, wie du es sagst (lacht). Ich mache mir keine Gedanken darüber beim Schreiben. Und das ist auch dann das, was ein bisschen einholt beim Release-Prozess oder wenn ich die Sachen dann jemandem zeige. Dann merke ich irgendwann: „Ah ja, krass“. Vielleicht auch dann manchmal ein bisschen unangenehm. Aber es ist für mich auch die einzige Art, das zu machen. Deswegen werde ich es auch nicht ändern, also kann ich es nicht ändern. Das ist eigentlich auch, was der Album-Titel sagt. Das ist alles mein Shit, den ich rauslasse und das tut mir gut, das zu machen. Aber es tut mir auch leid, wenn manchmal Leute dann da drin vorkommen oder damit dealen müssen. Und die können vielleicht keinen Song da drüber schreiben oder die werden nicht so richtig gefragt.

    Anton: Genau die müssten jetzt alles schlucken. Deine Eltern können zu „33 Prozent“ keinen Response-Song schreiben, um das alles wieder loszuwerden.

    Bennet: Weiß auch gar nicht, ob die da so ein Bedürfnisse haben.

    Anton: Ja, aber zum Beispiel bei dem Song ist es wahrscheinlich wirklich krass für die Leute, den zu hören und um die es persönlich geht. Also zumindest war das mein Eindruck.


    „Aus Angst, süchtig zu werden“

    Evelin: Und gibt es einen Song, neben „33 Prozent“ der euch beiden besonders am Herzen liegt?

    Bennet: Ich find eigentlich „Overdose“ einen, der mir besonders am Herzen liegt, weil es um Sucht geht. Und das war wirklich ein Thema, bei dem ich gedacht habe, darüber würde ich wirklich gerne mal schreiben. Weil ich selber ein bisschen aus Angst, süchtig zu werden, ziemlich abstinent lebe und gar keine Drogen konsumiere usw. Deswegen wars auch sehr wichtig für mich, das mal zu beschreiben. Und dann auch in Korrelation zu „Adrenalin“, der so ein bisschen meine Online Sexsucht behandelt hat. Also weil ich glaube, dass ich aus Angst, schnell süchtig, abhängig zu sein, diese Sachen gar nicht erst anfange. Und ich habe das Gefühl, dass ich durch diese Online Sexsucht, die ich hatte, einen Beweis habe, dass ich dafür anfällig bin. Und das sind immer Themen, die bei mir auftauchen, weil alle Leute fragen einen immer: „Warum trinkst du nix? Oder warum rauchst du nicht und nimmst keine Drogen usw.“

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    Evelin: Aber woher kommt die Angst davor, süchtig zu werden? Gab es da einen bestimmten Auslöser?

    Bennet: Ja, das war sozusagen so ein bisschen mit der Online-Sex-Sucht und worum es in „Adrenalin“ geht. Das ist auch, glaube ich, ziemlich kryptisch in „Adrenalin“. Das sind Sachen, die unangenehm sind, darüber zu sprechen. Aber ich hatte da so eine Phase, wo ich auf Chat Roulette rumgecreept bin und probiert hab, mit irgendwelchen Leuten Online-Sex zu haben und davon echt nicht so richtig weggekommen bin. Es hat mich so richtig eingesaugt. Ich glaube, das hat auch so ein bisschen zu tun mit diesen Glücksspiel-Mechanismen, dass du immer weiterklickst, und weißt, das gibt es so eine Art Zufallsprinzip. Und ja, da seh ich tatsächlich so einen Zusammenhang, der sich über das Album da rausgeschält hat.

    Evelin: Hilft dir das dann bei solchen Themen das durch das Schreiben zu verarbeiten und die Musik als Therapie zu nutzen? Merkst du davon Effekte, wenn du dir das so quasi von der Last schreibst?

    Bennet: Ja, voll. Ich habe darüber auch noch nie mit irgendjemandem geredet. Und das war einfach irgendwann angenehm, Sachen immer so nicht alleine mit sich rumtragen zu müssen. Und wenn Leute davon wissen, dann ist das zwar unangenehm, aber auch ein bisschen ein reinigender Prozess. Es ist ja auch letztendlich nicht so schlimm, diese Sucht ist ja jetzt nicht so furchtbar. Du gehst ja daran nicht zugrunde. Aber ich will auch meine Zeit damit nicht verlieren und wenn du das dann so preisgegeben hast, ist das schon hilfreich.


    „Aber das ist ja totaler Quatsch“

    Evelin: Um noch mal zu einem anderen Song zu kommen. Worum geht es in „Guck ich dich immer an“ und was war die Idee hinter dem Musikvideo? Das sah nach sehr viel Spaß aus.

    Bennet: Witzig, gute Frage! Wir werden eigentlich voll selten zu den Musikvideos gefragt, obwohl wir ganz viele machen (lacht).

    Anton: Stimmt!

    Bennet: Die Idee war, eine Beziehung darzustellen und dass es einen Song gibt, der die verschiedenen Stadien oder Erinnerungen an die Beziehung wieder hervorruft. Und das war die Idee, dass wir eine Beziehung darstellen und verschiedene Szenen daraus, an die sich dann jeweils erinnert wird.

    Anton: So gibt es eben verschiedenen Parts für die verschiedenen Phasen der Beziehung.

    Bennet: Und dann bei „Bei der einen Stelle im Song“ wird es dann immer emotional und das ist das, was der Song erzählt. Auch lustig, weil so verstehen wir es halt, aber manchmal ist es glaube ich, gar nicht so offensichtlich. Für mich ist es einfach so: „Okay, wir haben halt das gemacht, was der Song sagt.“ Aber das ist ja totaler Quatsch. Du kannst es natürlich nicht so sehen, wenn man nicht so den Einblick in unsere Köpfe hat. Und das war aber wirklich ein sehr, sehr lustiger Dreh, aber auch echt anstrengend. Wir mussten alles relativ kurzfristig machen, mal wieder.

    Anton: Und die kompletten Pläne geändert ein paar Tage vorher.

    Bennet: Ja, wir wollten eigentlich auch Darstellende dafür bekommen.

    Anton: Und dann keine gefunden und mussten es selber machen (beide lachen).

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    „Das ist in tausend Teile zersplittert“

    Evelin: Dann komme jetzt schon zu meiner letzten Frage, weil ich sehe, dass mein Gratis Zoom Abo die Zeit schon runterzählt. Unsere altbewährte Abschlussfrage: Habt ihr eine untold story für mich?

    Bennet: Oh, Moment.

    Evelin: Ja, so on the spot manchmal ein bisschen schwierig.

    Bennet: Ja, eigentlich gut, man hätte so was einfach parat. Wir hatten das einmal, dass uns dieser Stein durchs Dachfenster geflogen ist. Das haben wir aber bestimmt einmal irgendwo erzählt.

    Anton: Nee, das glaub ich nicht. Das ist schon sehr, sehr lange her. Wir sind von einem Gig nach Hause gefahren, aus Mannheim oder so zurück nach Berlin. Da waren wir noch zu viert und auf der Autobahn und auf einmal *insert Sound-Effects* zerplatzt das  Dachfenster.

    Bennet: Ja, so ein kleines Schiebeding. Das war auch nur so ein kleiner PKW, in dem wir gefahren sind und da gab es so ein Dach. Und ich habe das wirklich bis jetzt noch vor Augen, wie das aussieht. Mein Bruder war noch in der Band. Ich glaube, ihr saßt vorne und ich war hinten. Und ich habe auf einmal gesehen von hinten, wie die beiden (Anton und Aljoscha) vorne sitzen und von oben kommt es so runter (gestikuliert wild).

    Manchmal macht es die Wahrnehmung ja so, dass sich alles in Slow-Mo abspielt und sich die Bilder auch so reinfressen. Das sah aus wie Wasser und das ist in tausend Teile zersplittert. Ein Glück ist Aljoscha einfach weiter gefahren, aber hat total den Schock bekommen. Dann sind wir raus und wir haben es auch überhaupt nicht verstanden. Du hattest da drin keinen Stein oder so, das war kein crazy Gewitter oder Hagel, es gab nichts. Keiner ist vor uns gefahren und es gab keine Brücke.

    Anton: Was hat die Polizei gesagt? Es war wahrscheinlich irgendein Ast.

    Bennet: Es war mit Sicherheit einfach…ne Art Bestimmung.

    Anton: Wir mussten rausfahren, dass irgendwas anderes nicht passiert wäre.

    Bennet: Wahrscheinlich.

    Anton: Auf der Autobahn zu fahren ist natürlich schon ein großer Anteil des Alltages, wenn man auf Tour ist, ne? Wir haben einige krasse Sachen erlebt. Zum Beispiel auch, wo wir 6 Stunden lang auf dieser Vollsperrung mit Eis und Schnee festsaßen und dann eingeschlafen und wieder aufgemacht sind und wir standen immer noch in der Vollsperrung (beide lachen). Na ja, also so ist es. Das sind so unsere Geschichten.

    Evelin: Gute Geschichten auf jeden Fall. Ich bin froh, dass niemandem was passiert ist.

    Bennet: Aber ja, wir brainstormen da nochmal. Wenn uns noch was einfällt, schreiben wir dir nochmal.

    Evelin: Ja genau, kleiner Nachtrag von der Redaktion. Habt ihr noch irgendwas, was ihr loswerden möchtet zum Schluss?

    Anton: Wir laden alle Leute herzlich zu den verbleibenden Shows der Tour zu kommen. Weil es das für uns das Album komplettiert. Das bringt diesen Zyklus erst zu Ende und wir freuen uns über alle, die nach Bochum, Oldenburg und Hamburg kommen. Natürlich auch Berlin, aber da gibt es keine Karten mehr (lacht).

    Bennet: Und überall sonst gibts noch Tickets!

    Evelin: Dann danke für das tolle Gespräch und viel Spaß bei den Shows und ich freu mich ungemein, was noch alles von euch kommt.

    Anton: Danke dir für das nette Interview!

    Bennet: Vielen Dank! War voll schön, dich wiederzusehen.


    Gehen Sie auf die Tour, sie ist sehr gut

    Dann bleibt mir auch nur noch zu sagen, besucht auf jeden Fall eine der anstehenden Show, denn es ist es wirklich mehr als wert! Die beiden machen das mit so viel Fleiß und Liebe und das Ergebnis überzeugt von hinten bis vorne! Unten könnt ihr schon mal eure Textsicherheit für die neuen Songs trainieren 😉


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    Fotocredits: Anne Ludwig

  • Eves Jahresrückblick: Innovation trifft Tradition

    Eves Jahresrückblick: Innovation trifft Tradition

    Szene: Ich sitze im Zug Richtung Paris und habe Schwierigkeiten mich zu konzentrieren, denn genug Schlaf habe ich diese Woche mal wieder nicht bekommen. Dieses Setting beschreibt mein 2022 eigentlich ganz gut. Es war geprägt von ständigem Hin und Her, Chaos und Rastlosigkeit, größtenteils aber im positiven Sinne.

    Queue das erste Quartal des Jahres: Stuck in einem unfassbar langweiligen und null erfüllenden Job hat mir das Universum eine Hand raus aus meiner Apathie gereicht. Fast forward zu heute: Ein halbes Jahr später hab ich zwar weniger Zeit, insbesondere für unser nicht mehr so kleines Musikmagazin (gerade durch meine Artikel geblättert, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass ich seit Juli nichts mehr geschrieben hab), dafür ist meine zweite Leidenschaft Teil meines Berufs geworden: das Reisen.


    Willkommenes Durcheinander

    Diese Woche kommerzielle Weihnachtsluft in Paris schnuppern und nächste Woche wahres Wintermärchen in Lappland erleben. Und so unterschiedlich und chaotisch war meine diesjährige musikalische Reise: Von unerschlossenen Gebieten zurück zu Orten, die sich schon fast wie Heimat anfühlen.

    Ich muss ehrlich sagen, der Speicherplatz in meinem Gedächtnis wird immer noch nicht optimal genutzt und deshalb fällt es mir unglaublich schwer, mich an die erste Hälfte des Jahres zu erinnern. Vielleicht liegt das auch daran, dass mir mein Handy in dem Zeitraum gestohlen wurde und ich ohne meine Fotogalerie nichts in meinem Kopf behalten kann. Deshalb starten wir irgendwo bei 35 Grad plus in einer Wohnung ohne Klimaanlage.


    I was wrong I admit it

    Hier beginnt meine kleine Liebesaffäre, die sich mittlerweile in eine mehr oder wenige stabile Beziehung entwickelt hat. So einige, die mich kennen, werden sich denken, ich befinde mich in einer Quarter-Life-Crisis. Denn ich war mit die Erste, die Menschen, die Elektro feiern und auf Raves gehen, eher mit Unverständnis begegnet ist.

    Gut, letzteres ist immer noch nichts für mich und von wirklich hartem Elektro oder Techno werde ich mich auch in Zukunft erstmal fernhalten. Aber so einiger Elektro und House hat mich dann doch rumgekriegt. Und verantwortlich dafür ist genau eine Person.

    Die einstige Neugierde hat sich innerhalb von nur 20 Min. seines Sets auf einem Festival zu einer Obsession à la 2014 Tumblr-Ära gemausert (dazu auch später noch mehr). Man wird es sich wahrscheinlich schon denken können, aber es handelt sich um Fred Again..



    Ich kann nicht genau beschreiben, was seine Musik mit mir macht, aber sie katapultiert mich in eine Ecke meines Gehirns, wo ich nur die Sounds des Launchpads hör und nichts anderes mehr wichtig ist. Melancholie mit Elektro, House und Pop gepaart ergibt eine Mischung, die so einzigartig ist, bei der ich ohne Bedenken sagen kann, dass das Ergebnis mich für immer begleiten wird.


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    Andere wundervolle Artists in dieser Sparte, die mich ähnlich begeistert haben, sind: Saint Jude, Godford, 49th & Main, PaulWetz, TSHA und ein kleines Easter Egg, was ich diese Woche erst entdeckt hab, mich aber sofort umgehauen hat: Skin Care von Search Yiu (dieses Intro schon uff).


    Kurzer Liebesbrief an AB Syndrom

    Das Theme meiner Musik-Historie 2022 ist der Sprung in experimentellere und das Sehnen nach familiären Sounds. Und das vereinen die Jungs von AB Syndrom für mich: Meine altbewährte Liebe für deutschen Indie und meine neue Leidenschaft für mehr elektronische Klänge. Ach, wie ich mich gefreut habe, auf dem Tour-Start in Köln dabeizusein.

    Public Service Announcement: Ich würde euch allen dringlichst anraten, einen der Termine im Januar zu besuchen. Neben der Tatsache, dass die Musik einfach Extraklasse ist, merkt man wie viel Herzblut, Leidenschaft und Arbeit in diese Shows fließt. Ich war völlig aus den Socken, so wie der Rest des Publikums und den Erfolg verdienen die zwei allemal. Die Tour wurde übrigens auch von uns präsentiert und in ein paar Wochen könnt ihr euch auf ein Interview mit den zwei und mir freuen.

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    In diesem Atemzug auch worth to mention: Wezn (Shoutout geht raus an Anna B.), EASY EASY, Borninmay, Figure Beach und Marie Bothmer.


    Back to the roots

    Ich hatte ja ganz nebenbei erwähnt, dass Fred Again.. sich in meine Kult-Artists eingereiht hat und diese Leidenschaft der von 2014 ähnelt. (Ich weine innerlich immer noch, weil ich es nicht zum Konzert in Brüssel geschafft hab, naja).

    Jedenfalls reiht sich der werte Herr zu Favourites der geschädigten Jugend wie The 1975, Arctic Monkeys, The NBHD, Lorde, MARINA, Florence and so on ein. Dazu zähle ich auch mich. Und wie einige andere aus dem Team und meiner TikTok-Bubble, habe ich mich auch dabei erwischt, wie ich „tumblr era“, „tumblr phase“ und „tumblr 2014“ in die Spotify Suche eingegeben hat. Und fix begann das Suhlen in Selbstmitleid wieder. Nein, Spaß. Eigentlich war es mega schön, ein wenig in Nostalgie zu versinken. Und dieser Sound lebt seitdem auch mietfrei in meinem Ohr:


    https://www.tiktok.com/@lyricdiffusion/video/7171387998146252037?is_from_webapp=1&sender_device=pc&web_id=7118394760477967878

    Fehlt nur noch die passende Playlist

    Und so schließe ich also gähnend meinen Laptop sowie meinen Jahresrückblick und den Rest des Jahres ab und freue ich mich auf eine wohlverdiente Auszeit. Während dieser wird sicher auch meine passende Playlist rauf und runter laufen 😉 Meiner Meinung nach besser als jeder kitschiger Weihnachtsfilm-Soundtrack genau wie der Rückblick von 2021, aber ihr könnt selbst stillschweigend judgen.


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  • LAUREL im Interview: »This EP represents me growing into a woman«

    LAUREL im Interview: »This EP represents me growing into a woman«

    Throwback 2014: Ich bin wieder bereit die nächste Vampire Diaries Folge zu schauen (don‘t judge, es war eine weirde Zeit). Plötzlich ertönt ein Song im Hintergrund. Sofort checke ich das Lied: Fire Breather von LAUREL. Und so begann meine Liebe für die britische Sängerin. Damals noch etwas finsterer unterwegs, assoziiert man die britische Sängerin heute mit plüschigem Synth-Pop. Ihr Debütalbum DOGVIOLET war gezeichnet von leichter Melancholie, dagegen klingt Limbo Cherry viel leichter und träumerischer. Irgendwie retro und futuristisch im selben Ton. Zusammen mit der 80’s-Pop-Princess haben wir kurz vor dem Release über ihre neue EP Limbo Cherry (mittlerweile schon draußen), Frauen im Musikbusiness und ein Glas, das zum Verhängnis wurde, gesprochen.

    LAUREL im Interview

    Evelin: Hey Laurel! How are you?

    Laurel: Yeah, good! Record comes out tomorrow, so things are quite busy.

    Evelin: How do you feel a day before your release? Do you still get nervous since releasing has kind of become a routine for you?

    Laurel: No, I don’t really get nervous. It’s funny, I get really excited a few weeks before and then the actual few days before, I don’t even think about it. You just get into a shock almost and don’t think about it. You’re just kind of on ‘go, go, go’-mode, so you’re not really thinking. But I am really excited! I am a little bit nervous for people to get the notes. There’s always that, you know.

    „This side is the water emotion“

    Evelin: I really enjoy the EP and have my own interpretation of it. Can you explain the meaning behind Limbo Cherry in more detail?

    Laurel: It’s the second part of my previous EP Petrol Bloom, which was much more fiery and passionate and a lot of adrenaline in the emotions. This side is the water emotion, the opposite end of the spectrum for me. And this EP really represents me growing into a woman. I’m in my mid-twenties and in this limbo state of being a child, a teenager, to being a woman. And I think the emotions that you can feel in between. The Limbo Cherry is what it represents. Growing into a woman but finding yourself stuck in this limbo state in love, with the world but also coming to realize what the world really is.

    Evelin: Would you say that the two EPs are two parts of your personality or that you’ve grown more into ‘Limbo Cherry Laurel’ or are you still feeling like you are in this limbo state?

    Laurel: I think they’re both me. I think there’s two sides to everyone. Tracks like Scream Drive Faster on Petrol Bloom, that’s very much me as well when I’m full-charging, ready to go, full of life and just wanting to party. And then the other side of me, which is Limbo Cherry, much more innocent and naïve and maybe reflective of emotions. I wrote Limbo Cherry during the pandemic and the lockdown when I had time to be on my own and be reflective. So, I think that side of me came out more in this EP. I had a bit of space, and I think that’s probably why I wrote this vibe.

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    „I’m not sure what me as a woman is yet“

    Evelin: You said that the theme of the EP revolves around you becoming a woman, stepping into these female emotions. How do you define your womanhood?

    Laurel: Uh that’s hard (laughs). It’s definitely something I’m going through right now. Before now I never had any thought about my gender at all. I just was me, and I guess there’s a lot of talk in the air right now about gender and different gender roles. It’s definitely made me think about my own. Whether I identify with my own gender. And I’m not sure, to be honest. I think I’m very much exploring all of that. I’m not sure what me as a woman is yet. I think I’m growing into it. It makes me feel a bit uncomfortable actually, if anything. Figuring it all out, I’m not quite blossomed (laughs).

    Evelin: That’s definitely happening to a lot of us at the moment. There’s both female and male energies in us. But I don’t know if you really have to find an answer to that, if you have to decide on something.

    Laurel: I think that defining things sometimes makes it harder to understand. People always try to understand things and put them into words and thought. Whereas a lot of these things are actually just feelings, and they don’t need to be ever defined. So, I quite like living in this space where I don’t need to ever define certain things, and that’s kind of where I’m at now. It feels good.

    Evelin: I think sometimes when you define things, you can feel restricted or stuck. There might not be room for exploration.

    Laurel: I guess for some people, defining themselves in roles of gender is very important and really understanding that as well. I guess because I was born into being a woman and I do feel somewhat like a woman, I feel there’s more room in me to explore those feelings. Rather than having to decide anything, because it’s kind of decided for me.

    „I fought to prove that I was more than something to look at“

    Evelin: So, there’s definitely not enough recognition for female artists and producers. Since you have produced most of your work completely on your own, did you ever feel pressure to DIY everything, because you felt like you had to prove yourself as a woman in the industry? And how did that change now, with you collaborating with Chrome Sparks on both EPs?

    Laurel: There probably was a part of me which felt pressured to prove myself. I definitely experienced a lot of people saying “you’re attractive”. I also have a big interest in fashion, I do a lot of photoshoots and there’s a whole other side to me. Which I think some people don’t think is always compatible with being intelligent, being skilled or having your own mind. And I think I definitely fought to prove that I was more than something to look at, which is a shame because I don’t think you have to do that with men, actually.

    I think there was a part of me that was doing that, and another part of me which is just very, very stubborn and strong-minded. I just knew exactly what I wanted and I wasn’t finding it with anybody else. So, I just decided to take it on myself. I was very open to working with people at some point, but I just never found the right collaborator. And that made me realize that I was meant to do the record on my own. And so, I did.

    Now working with Chrome Sparks there probably is a part of me that has grown up, matured a bit and realized I don’t need to do everything on my own. My art is as valuable and as credible with the help of people. And I was open to collaborate on this record, that was my intention. Jeremy (Chrome Sparks) being a friend, we were sitting around one day, and it really clicked. I got quite lucky there. It was a bit by accident, but I feel very liberated by working with other people now. Before, I was very closed-off to it.

    „It really shows my true personality“

    Evelin: My personal favourite is Obsessed. Especially because initially, it came from a very negative perspective, and you switched to a more positive one. What is one song that means the most to you and for what reason?

    Laurel: Obsessed is my favourite track on the record, because it’s so fun. The one that means the most to me is Drown in Sunlight, the last track. I tried so hard to write a happy song with this one and I really felt happy at the time and like I needed to write something very different. But these lyrics kept coming to my head, they were unchangeable. I tried so many times to rewrite the lyrics, but they just worked so perfectly. In the end, I gave up and came back to it about a year later. These lyrics are so true to me and everything I’ve been through. It’s funny, I was revisiting them so much, trying to write something happy. But they mean the most to me. It really shows my true personality in the way that the lyrics are written, it really feels like me.

    Evelin: Drown in Sunlight is very interesting to me as well. I can relate to a lot of the things you say, but I can’t really pinpoint the exact meaning of the song. Can you explain it in more detail?

    Laurel: For me there’s two sides. The first is, being in a long-term relationship. There’s these waves that you get, where there’s times of relation and there’s times of doubt. For me, I’m on the other side of the world from my boyfriend. The song is about love, blind love. That no matter what, you’re so in love with somebody. All you can see is that you love them. But there’s so much going on around you, and this is in on these phases of doubt.

    Where you’re really not sure where you’re at with somebody at all. But no matter how unsure you are of the logical situation; you know your true feelings. So, I think this song is about meeting somebody in the middle and finding out where you both are and also being realistic. A lot of songs – especially some of mine – are very romantic and like “oh, we’re so toxic but so in love, it’s amazing”. But this one’s really like “let’s be real about where we are as humans” and at the moment I’m doubting. You always get those waves. It’s never just one thing, it’s always changing.

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    „I don’t want to be in limbo forever“

    Evelin: Over the whole EP, but especially in the song You’re the One you explore this ambivalence of emotions, this teenage state of mind. Are these emotions that we feel in lust, in ecstasy, while we drink more genuine and truer because we don’t overthink them? Or are they rather deceiving?

    Laurel: I think they’re very deceiving. They’re feelings more in the ego than the heart. But that’s not a bad thing, because sometimes that’s where you’re at, and you just want something that is lighter because you can’t always handle that. It’s not that they’re bad or good. But I would say they’re not totally true. We’re talking about the more addictive side of personality where you want something, but your brain is like “no, you shouldn’t have that” but you want it so much. And that for me is very much based on our egos. It’s fun but it’s not lasting.

    Evelin: You’ve grown a lot, in the past year and that’s amazing. Do you feel the pressure to achieve substantial growth with every release? That it has to show something different, something new and bigger?

    Laurel: 100%. I’m always going to make what I make, that’s just what happens. I’m not thinking about what other people are going to think when I’m writing a song. But at some point, when you’re about to release something, you get nervous, because you know what they say: “You’re only as good as your last song, book or painting”. Everybody wants to grow. We never want to stay the same, that’s boring. I don’t want to be in limbo forever. Of course, every record, I want to do better than my last. And every record feels more like me. Of course you want that version of you to be liked as much as every other version, because it’d be like rejecting yourself. You can’t get too attached, but there’s no way you’re not. It’s your art, it’s who you are. So, I hope you like it. No pressure (laughs).

    Evelin: (laughs) I do, I really enjoy it.

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    „My life needs to replicate a holiday“

    Evelin: When you do feel that pressure, what do you do to reconnect with yourself?

    Laurel: For me, I have to get off my phone. Every Sunday I have a tech-sabbath. I don’t use technology on Sunday and it’s life changing. Monday I’m so renewed, I feel like a different person. It forces you to do a lot of things where you can’t use your phone. It’s also not that easy to suddenly meet up with a friend on Sunday. I’m spending a lot of time reading. I love reading, it’s my big thing. I like doing arts and crafts and play music. Getting out of the city is a big one for me also. The city (London) is a major overload with all the senses, they build up on top. You need to bring that down again. So, I have to leave the city as much as I can. I can’t always do it. And when I can’t do it, I take my tech-sabbath.

    Evelin: I get you, this hustle culture is very toxic, with people working on weekends next to their actual work for example.

    Laurel: Yeah, I’m not like that. I’m the opposite. My life needs to replicate a holiday, otherwise I’m not having a good time. So, I’m more for working less.

    „If it doesn’t come quite instant, I drop it“

    Evelin: Do you tend to overthink your songs and sit on some details more than you maybe should?

    Laurel: I’m not a detailed person, I’m a really quick worker. I don’t work for a long time, I probably have a bit of ADHD to be honest. I just can’t do details, I write pretty quickly, and then maybe I’ll come back and have a look at it again and I’ll try and rework something. But if it doesn’t come quite instant, then I drop it. My attention span is not good for that. But that’s why I like working with Jeremy (Malvin, Chrome Sparks), because he’s the opposite. He has all the attention in the world for the details. We’re balancing out.

    Evelin: I know that you love poetry and you write it yourself. Is there any collection you can recommend? Something you’ve read recently or one of your all-time favourites?

    Laurel: I haven’t read a lot of poetry recently. I’m about to read a poetry book. My favourite poem ever is The Love Song of J. Alfred Prufrock by T.S. Eliot, which is just the best poem in the world.

    Evelin: Next to the EP, is there something else that you’re excited about? A new book, a craft that you took up?

    Laurel: I’m writing another book. I’m just trying to finish it right now. I’m not sure when we will put that out, but I’d hope not too far away, because I’ve been writing it for a while now. So yeah, I want to release another book and I’m starting to write for my next album, That’s the next big project on the horizon.

    The exclusive on the broken tooth

    Evelin: That’s a good project to have! We always ask for an untold story at the end, is there anything that comes to mind?

    Laurel: I don’t know if this is even relevant at all, but it just happened. I think I’ve broken my tooth, I promise I haven’t told anyone. But I hit my glass with water, a really thick glass, on my tooth. And I looked in the mirror before this interview and it’s got a crack down there. So, I’m quite upset. I don’t know whether it’s going to fall off or not. You might see me looking quite different after this interview.

    Evelin: Oh my god, I didn’t expect that.

    Laurel: I didn’t expect it either, and I really like my teeth. So, I’d be really upset if this actually happens. I couldn’t tell and then I looked and was like “omg, it’s terrible“. So yeah, that’s my untold story. Because I’ll tell you what: I tell everyone everything. So, I’m pretty sure that’s probably the only thing that’s worth talking about that hasn’t been told to someone. Because I talk a lot. So you got the exclusive on my broken tooth.

    Evelin: That’s going to be the headline: “Singer Laurel lost her tooth!” Though it didn’t happen doing something cool, it was just a glass of water.

    Laurel: No, I know! It’s so annoying. It was just a glass of water. It was a really thick glass. So, I’m not going to use that glass again, that’s for sure.

    Evelin: I guess you have to call your dentist now, but thank you and good luck with everything. I had a wonderful time!

    Laurel: Yeah, me too! Thank you so much for chatting, see ya!

    Packt Limbo Cherry auf jeden Fall in eure Warteschlange und setzt eure Retro-Brille auf. Im Idealfall habt ihr einen DeLorean in der Garage stehen und fahrt dem Sonnenuntergang entgegen.


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    Fotocredits: Lewis Vorn

  • Zimmer90 im Interview: „Das ist auch das Ziel dahinter, dass jeder seine eigene freie Vorstellung haben kann“

    Zimmer90 im Interview: „Das ist auch das Ziel dahinter, dass jeder seine eigene freie Vorstellung haben kann“

    Am 16.04 veröffentlichten Zimmer90 ihre Debüt EP Fall Back mit einem erstklassigen Mix aus Indie und Electro-Pop. Hier finden sich entspannte Vibes, tiefe Emotionen und einprägsame Melodien verpackt in fünf Songs von drei Jungs aus Stuttgart. Sowohl ihre Sounds, als auch die Stimme von Sänger Joscha haben hohen Wiedererkennungswert und können schon nach diesem ersten Release zweifellos bei den großen Bands mithalten. Obwohl viele Alben und EPs dieser musikalischen Ecke oft dazu tendieren sehr ähnliche und beim ersten Hören kaum unterscheidbare Songs zu enthalten, zeigen die Songs auf Fall Back Vielfältigkeit und ergeben trotzdem ein stimmiges Ganzes. Sie greifen ziemlich gelungen in einander und ich bin mir sicher, dass Zimmer90 damit viele neue Hörer:innen für sich gewinnen werden. Durch die besondere Atmosphäre, die Zimmer90 hiermit kreiert haben, hat sich Fall Back jetzt schon einen festen Platz in der Liste meiner Lieblingsreleases 2021 verdient.

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    Zimmer90 im Interview

    Dascha: Hey, schön, dass das geklappt hat! Seid ihr aufgeregt über den Release eurer EP?

    Joscha: Also ich schon, ziemlich. Wir haben ja noch nie etwas released, was wirklich so ein ganzes Ding ist und komplett zusammenhängt. Das ist schon ziemlich aufregend für mich und ich glaube für die anderen beiden auch.

    Michi: Ja, absolut.

    Dascha: Könnt ihr euch mal vorstellen für die, die euch noch nicht kennen?

    Finn: Wir sind Zimmer90 aus Stuttgart. Wir sind Joscha, Michi und Finn, kommen auch alle aus Stuttgart und haben uns über verschiedene Wege in Stuttgart kennengelernt. Michi und ich haben uns schon etwas länger davor gekannt und Musik gemacht. Dann haben wir Joscha kennengelernt und zu dritt ein bisschen gejammed. Und so sind wir auf einen ganz coolen Sound und Vibe gekommen. Dann hatten wir richtig Bock daraus was zu machen.

    Dascha: Und seit wann macht ihr zusammen Musik?

    Michi: Seit vier Jahren inzwischen, seit 2017.

    Joscha: Wir haben halt davor immer einfach gejammed, aber so richtig real ist es für uns seit einem Jahr geworden. Wo wir gesagt haben okay, wir stellen jetzt was in’s Internet und erscheinen sozusagen auf der Bildfläche.

    Dascha: Wie würdet ihr eure Musik in nur drei Wörtern beschreiben?

    Michi: Ist jetzt nicht nur ein Wort, aber ich würde sagen, dass man ziemlich schnell in den Vibe reinkommt. Relativ leichte feel-good-Vibes, so ein bisschen dancy.

    Joscha: Also wäre dein Wort feel-good?

    Michi: Eher so der Vibe. So vibey.

    Joscha: Also mein Wort ist, weil bei der EP die Songs schon relativ unterschiedlich sind, aber trotzdem alles matched, divers.

    Finn: Ich wollte auch kontrastreich sagen. Oder energetic oder soft, aber dann ist es auch ein Widerspruch. Ne, ich hab ein Wort: intuitiv.

    Michi: Also divers, intuitiv, vibey.

    Dascha: Wer oder was inspiriert euch musikalisch am meisten?

    Finn: Es ist hart das so runterzureduzieren, weil wir beim Musik machen versuchen offen ranzugehen und, wie gesagt, auch ziemlich intuitiv. Irgendwie auch viel aus dem Moment heraus zu finden, was uns gefällt. Wir hatten selten mal Songs nach einem bestimmten Vorbild grundlegen ausgelegt, sondern wir versuchen es wirklich aus uns raus zu holen. Ich glaube, dass man die Inspiration dann aus tausend verschieden Eindrücken und Ecken nimmt. Und dadurch, dass wir uns in verschiedene Richtungen, an dem was wir musikalisch mögen, bewegen, ist es sehr schwer das runter zu brechen.

    Joscha: Ich glaube man kann aber sagen, dass wir drei relativ offen für alles sind. Auch ein Chart-Song kann mega geil sein, wenn der gut gemacht ist und das muss nicht verteufelt werden. Wir sind da alle so, dass wir eher Songs hören, die uns taugen und nicht dieses eine Genre fixiert haben.

    Michi: Elektronische Musik, Indie, Pop Musik, Alternative, da ist von allem ein bisschen mit dabei. Und das kommt immer darauf an in welchem Vibe wir gerade sind, wenn wir zusammen jammen und was dann dabei rauskommt. Es war noch nie so, dass wir sagen: „Hör mal die Band und lass mal so einen Song machen“, sondern eher so, wenn der Song fertig war: „Ah, witzig, das erinnert daran“.

    Dascha: Um jetzt konkret zur EP zu kommen- Wie war eure Erfahrung mit dem Entstehungsprozess? Was hat euch besonders Spaß gemacht und wo gab es vielleicht mal Schwierigkeiten?

    Joscha: Ich glaube, der Tunnel in dem wir waren, war für uns alle was neues. Wir sind ins Studio gegangen mit unserem Produzenten, den wir erst seit der EP haben. Das war der erste große Step, dass wir sagen, wir gehen jetzt in ein richtiges Studio und nehmen nicht von zu Hause auf. Wir wussten, wir haben zwei Wochen Zeit und dann sind wir dahin gegangen mit Zeug im Gepäck, weil wir die ganze Zeit, wenn wir Ideen hatten, das schon Demo-mäßig aufgenommen hatten. Da haben wir dann am ersten Tag alles durchgehört und geschaut, was uns am meisten anspricht und uns da einfach einen Song rausgepickt, Now or Never war das. Der war schon relativ weit und wir haben einfach angefangen drauf los zu arbeiten und waren 14 Tage wie in einem Film.

    Man macht weiter, dann kommt da wieder was neues, dann muss man wieder zurück gehen. Es war schon auch ein bisschen Teambuilding, weil natürlich ist auch mal einer unzufrieden und man sich dann in einander verhakt. Wenn man irgendeine coole Idee hat und in seinem Kopf eine Vision wie „Boah, ich hab gerade das krasseste entdeckt“ und dann hört man von drei Leuten „Brudi, das ist übel kacke“. Jeder von uns hatte glaube ich mal diese Situation. Es ist aber trotzdem voll schön am Ende zu wissen, da ist was rausgekommen, mit dem wir zu dritt zufrieden sind und was von jedem von uns etwas beinhaltet.

    Dascha: Hat euch irgendein bestimmtes Konzept durch die EP geleitet?

    Finn: Das Konzept war ein bisschen, dass es kein Konzept gibt. (lacht) Und dass wir uns nicht so viele Gedanken darüber gemacht haben, wie die EP aufgebaut ist und wie wir da genau heran gehen wollen. Ich würde sagen, das, was sich durchzieht und irgendwie schon ein Konzept ist, sind die Sounds, die wir verwendet haben. Dass wir versucht haben, dass es am Ende doch Verbindungen untereinander gibt über den Sound.

    Joscha: Die Songtexte verbinden die Songs aber auch, würde ich sagen. Wie Finn auch schon sagte, es war unser Plan dahin zu gehen und eben keinen Plan zu haben, um uns davon nicht einzuschränken und nur diesem Plan nachzurennen. Es war uns wichtig, dass wir einfach hingehen und schauen, was passiert, auch wenn wir am Ende nur einen oder zwei Songs in der Hand haben. Wir sind hingegangen und dann ist das passiert. Und jetzt kommt’s raus.

    Dascha: Auf der EP hat mich Sometimes total gecatched und berührt. Wollt ihr mal erklären, worum es in dem Song geht und was er euch bedeutet?

    Joscha: Ich hatte den Text schon davor geschrieben und hatte den eigentlich als Klavier-Ballade ausgelegt. Ich wollte voll lang Psychologie und Medizin studieren und hatte ein Praktikum in zwei Psychatrien. Ich hatte dort lange Gespräche mit einem Flüchtling, der eine posttraumatische Belastungsstörung hatte. Der Song greift eigentlich seine Gefühlswelt auf. Dass er nur für sich seine Gefühle zeigen kann und immer nur in seinem Zimmer ist. Diese Hoffnungslosigkeit wollte ich damit darstellen.

    Dascha: Krass, ich hätte nicht gedacht, dass dahinter so eine Geschichte steckt. Ich hab den Song letztens abends im Zug das erste Mal gehört, während des Sonnenuntergangs und ich dachte zu mir selbst nur: „Ey, don’t cry“. Schreibt ihr sonst lieber Songs über eure eigenen Gefühle und Erfahrungen oder findet ihr, das muss nicht sein?

    Michi: Momentan haben wir in unseren Texten sehr viel über unser Erleben von Dingen, Gefühlen, Nostalgie, Gedanken. Wenn wir die Texte dann wieder zusammen durcharbeiten, kommt es immer wieder zu so Punkten, dass wir manche Passagen, die wir z.B. nicht verstehen, durchsprechen und versuchen sie auf unser Leben zu beziehen. Damit sie sich immer schlüssig mit unserer Wahrnehmung und Erfahrung decken. Es ist ein Sammelsurium von unseren drei Wahrnehmungen, wie wir einfach alles erleben. Das ganze Leben und Verbindungen zu anderen Menschen.

    Joscha: Wir achten bei den Songs darauf, gerade bei der EP, dass wir das Thema nicht schon komplett vorschreiben und detailliert ausarbeiten, sondern, dass es bei jedem was anderes auslösen kann. So wie du meintest, du hättest das bei Sometimes nicht so gedacht. Für mich ist es das, aber für jemand anderen kann es etwas ganz anderes sein. Das ist auch das Ziel dahinter, dass jeder seine eigene freie Vorstellung haben kann.

    Michi: In der ganzen EP erwähnen wir wenig ganz konkrete Dinge, sondern eher so, dass man viel Interpretationsfreiraum hat.

    Dascha: Wie ist es für euch, dass ihr im Lockdown jetzt so richtig losgelegt habt mit eurem ersten großen Release? Denkt ihr, wenn die Umstände nicht so wären, liefe es anders?

    Finn: Wir hätten ein paar mehr Sachen organisiert, zum Beispiel eine fette Release-Party und wir hätten uns darum gekümmert, das wir auf so vielen Bühnen stehen, wie es nur geht.

    Michi: Tatsächlich ist aber auch viel dadurch möglich geworden. Finn studiert ja Architektur, Joscha Jazz und Pop-Gesang in Freiburg und ich mache eine Kochausbildung. Gerade bei mir ist es so, dass ich viel mehr Freizeit bekommen habe durch Corona. Davor wäre das gar nicht möglich gewesen. Es war da super schwer für uns drei Zeit zu finden. Dadurch ist viel Freiraum entstanden, ich hab ja auch kein Homeschooling oder so.

    Dascha: Na immerhin auch was positives! Ich hab euch natürlich auch vorher auf Instagram gestalked und bin auf euer wunderschönes Atelier gestoßen, das auch immer wieder von irgendwelchen Ästhethik-Accounts repostet wird. Was hat es mit dem Atelier auf sich, wo ist das?

    Joscha: Ich kann eine Sache sagen, das Atelier gehört meiner Großtante, aber leider muss ich die genaue Location geheim halten. Aber es ist in der Nähe von Stuttgart.

    Dascha: Es ist auf jeden Fall sehr sehr schön!

    Joscha: Ja, voll! Das ist ein Ort, wo wir immer richtig cool hingehen können, weil meine Großtante ist viel in Frankreich, sie ist Künstlerin. Es ist super dort zum Abschalten und Musik machen. Da gibt es kein Internet, kein WLAN, dann ist man einfach nur da.

    Finn: Wir waren auch um Silvester rum dort für ein paar Tage, das war auch crazy. Es ist schon ein ziemlich eigener Space. Das ist so die perfekte Voraussetzung, um irgendwie kreativ zu werden, weil man sich da mal stark abkapseln konnte. Die Umgebung engt auch nicht ein, sondern lässt eher den Raum für kreative Sachen.

    Joscha: Ja, wir waren da 10 Tage und da ist halt wirklich kaum Empfang, kein WLAN. Man ist so viel abgelenkt heutzutage von seinem scheiß Handy, was glaube ich jeden aufregt, aber was einfach so ist und auch nicht mehr wegzumachen ist. Ich würde behaupten, fast jeder ist irgendwie süchtig nach seinem Handy. Das war so angenehm, dass das Ding da einfach weggefallen ist und wir da den ganzen Tag nur Musik gemacht haben, gelesen, entspannt.

    Dascha: Ja, ich glaube, nach dieser Lockdown-Zeit schmeiße ich mein Handy einfach erstmal weg. (lacht) Welche Musiker und Musikerinnen feiert ihr selbst zur Zeit?

    Joscha: Was mir vor kurzem gezeigt worden ist, Golf, heißt die Band. Die hatte mal so ihren Hochpunkt und ist dann ein bisschen in den Hintergrund getreten. Die machen ganz coole Mucke! Benny Sings, Bilderbuch, es gibt viel, was ich cool finde.

    Michi: Ich hör momentan ganz wenig Alben, sondern ganz viele Playlisten. Elektronische Bands hab ich sehr viele sehr gerne.

    Finn: Ist glaube ich oft so, wenn man viele Playlisten hört, dass man sich eher einzelne Songs als ganze Artists rauspickt. Men I Trust z.B. find ich zur Zeit wieder richtig cool, eine meiner absoluten Lieblingsbands.

    Michi: Ich mag Billie Eilish zur Zeit ganz gerne und AURORA. Da hör ich tatsächlich die Künstlerinnen einfach durch. Irgendwie haben die mich beide super gehooked.

    Dascha: Cool! Auch wenn es durch Corona schwer ist, irgendwas zu planen, habt ihr trotzdem irgendwelche besonderen Pläne, auf die ihr euch freut dieses Jahr?

    Joscha: Ich würd das grad mal so anteasern, Release-technisch kommen da ziemlich lustige Sachen. Und auch ein crazy Feature, wozu ich jetzt noch nichts verraten darf und werde. Ansonsten wollen wir auf jeden Fall schauen, dass wir, sobald es irgendwie geht, ein paar Konzertchen am Start haben. Eine Sache die ich noch sagen kann, es kommt tatsächlich noch was deutsches von uns.

    Michi: Oh ja, ich war mir gerade nicht sicher, ob wir das schon verraten sollen. Wir haben auf Deutsch eigentlich angefangen. Unsere ersten Songs waren alle nur live, davon haben wir leider nicht mehr so viele Aufnahmen, aber viel auf Deutsch.

    Dascha: Wow, wie kommt es dann dazu, dass ihr doch zu Englisch gewechselt habt?

    Michi: Bei den Produktionen war dann ziemlich schnell klar, dass die englischen Songs super gut funktionieren zum Durchproduzieren. Und wir wollen auf jeden Fall auch international ansprechen.

    Joscha: Wir haben übel Bock auch in anderen Ländern irgendwann mal Konzerte zu spielen, weil es für uns auch dazugehört zu reisen und unterwegs zu sein. Nicht darauf zu beschränken, dass nur die wenigen Menschen, die Deutsch können, auf die Texte Zugang haben, sondern, dass jeder den Text verstehen kann.

    Michi: Es ist auch schwierig, dass man mit deutscher Musik, gerade wenn man Pop macht, schnell zu Schlager-Musik tendiert. Da sind wir noch nicht so sehr gehooked von, da kann ich für uns alle sprechen.

    Joscha: Ich finde es wird sehr schnell kitschig oder zu künstlerisch.

    Dascha: Dann bin ich mal sehr gespannt zu hören wie ihr auf Deutsch klingt! Und ich komme auch schon zur letzten Frage. Da frage ich immer nach einer Untold Story, also einem kleinen Geheimnis oder einer Geschichte, die ihr noch nicht öffentlich erzählt habt.

    Michi: Der eine Release wird auf jeden Fall überraschend.

    Joscha: Unser Feature oder nein, eher unser zusammenarbeitender-Gast, ist auf jeden Fall überraschend. Aber ich hab noch eine geile Story! Unzwar sind wir ganz gut befreundet mit Rikas und wir waren mit denen Boule spielen. Michi und ich waren in einem Team und es ging so richtig über drei, vier Stunden mit mehreren Runden und aufschreiben. Und dann bringt Michi einfach so einen Move.

    Michi: Es war ein wichtiger Wurf! Am Anfang lagen wir hinten, dann haben wir ziemlich schnell aufgeholt. Es war dann schon ein bisschen unangenehm noch weiter Punkte zu machen, aber das war der entscheidende Wurf für diese Runde und Joscha war so „Michi, mach jetzt irgendwas krasses!“

    Joscha: Michi kann halt ein Spagat, so komplett runter. Und dann macht er einfach aus dem nichts ein Spagat und wirft diesen Ball und gewinnt einfach.

    Michi: Die ganzen Leute saßen auf der Bank und guckten zu, hätte ich dann einen schlechten Wurf gemacht, wär das super peinlich. Aber alle sind aufgestanden und haben angefangen zu schreien. (lacht)

    Joscha: Da saßen dann auch einfach viele Leute und haben zugeschaut und getrunken. Das wäre so weird geworden, wenn du dieses krasse Spagat machst und dann den Ball einfach irgendwohin geworfen hättest. (lacht)

    Dascha: Eine gute Story mit einer guten Wendung, zum Glück!

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    Foto Credits: Jo Hannes Klingelhöfer, Mario Simic