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  • ENGIN im Interview: »Es ist dieses miesepetrige Geschrei des Populismus, das uns wütend macht.«

    ENGIN im Interview: »Es ist dieses miesepetrige Geschrei des Populismus, das uns wütend macht.«

    ENGIN sind eine Dauer-Empfehlung aus der untoldency Redaktion. Mit ihrem charakterstarken Alternative-Rock, der zwischen deutschen und türkischen Lyrics und Einflüssen wechselt, haben sie uns schon vor Jahren als loyale Fans gewonnen. Mit „Sag Mir Almanya“ hat die Band aus Mannheim nun ihr neues Album draußen und wir haben Sänger Engin kurz vor Release im Interview dazu befragt!

    ENGIN im Interview

    Anna: Hey Engin, wie geht’s dir? Wie sieht ein normaler Tag gerade bei dir aus?

    Engin: Mir geht’s gut! Wir sind für das Albumrelease top vorbereitet und schreiben gerade schon wieder an neuen Sachen. Wir sind ja auf einer ausgedehnten Tour ab Ende März und dann noch auf Sommerfestivals und wollten als Ziel davor jetzt im Winter einfach schon mal anfangen, neues Material zu schreiben. Damit das alles ein bisschen gären kann. Dieses Album jetzt haben wir in der Zeit geschrieben, wo wir wirklich sehr viel unterwegs waren, das war alles ein wenig unter kreativem Druck. Das waren so anderthalb Jahre, die wir am Stück durchgeackert haben, und das war krass! Und cool, dass wir das gemacht und geschafft haben! Aber jetzt wollen wir schon früher anfangen, damit wir mehr Zeit haben.

    Ihr steht also auf jeden Fall noch voll auf Gas.

    Ja, wir drücken voll auf’s Gas! Da führt auch kein Weg dran vorbei. Also es ist wirklich gut, da dranzubleiben und in diesem Spirit immer weiter zu machen. Das hält einen bei der Stange und hilft auch so mit diesem Wahnsinn im Musikbusiness einfach. Wir sind die ganze Zeit produktiv und es kommt ständig neues Zeug zusammen. Das macht Spaß!

    “Das ist meine Geschichte.”

    Ihr seid auf der kommenden Tour auch sehr viel in der Türkei unterwegs! Wie fühlt sich das für dich an, mit eurer Musik da immer mehr Bühnen zu bespielen und Leute zu erreichen?

    Es ist immer wieder einfach ein schönes Gefühl! Mit dem letzten Album Mesafeler waren wir in Ankara und Istanbul, dieses Jahr spielen wir Konzerte in neun verschiedenen Städten. Das ist auf jeden Fall unsere größte Türkei-Tour bisher und wir sind sehr gespannt darauf. Vor allem mit dem neuen Album, das jetzt wirklich 50/50 deutsch-türkisch ist! Bis auf zwei eigene Interpretationen von existierenden Songs sind es alles Eigenwerke. Das dann auch live zu spüren und zu sehen, wie es ankommt, da bin ich sehr gespannt.

    Gehst du an Songs unterschiedlich ran, wenn du weißt, du möchtest auf deutsch oder türkisch schreiben?

    Wir jammen ja oft und dann existiert da ein Stück Musik, das eigentlich schon ein wenig sagt, was es wird. Da ist wie so ein innerer Kompass, der uns in die Richtung zeigt. Man kann da aber auch ein wenig spielerisch mit umgehen. Zum Beispiel bei den neuen Sachen, die wir jetzt gerade schreiben, können wir uns vorstellen, eine Version auf Deutsch und eine auf Türkisch zu schreiben und einfach beides in die Welt zu blasen und zu schauen, was passiert. Es ist wie ein weiteres Stilelement, was wir nutzen, das ist super schön.

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    Es ist auch das erste Mal, dass du auf Türkisch geschrieben hast!

    Ja! Das war auf jeden Fall eine große Herausforderung. Ich bin auch da echt stolz darauf.

    Die Songs sind auch wirklich sehr poetisch geworden.

    Danke! Es war auch sehr viel Arbeit und sehr viel Überwindung. Auch dieses “Klingt das jetzt zu deutsch? Kann ich das so sagen?”. Das abzuschütteln und zu sagen “Ich stehe dazu”. Das ist meine Geschichte. Ich bin sehr deutsch sozialisiert und hole mir auch darüber den Zugang zur Sprache. Und dann ist es auch etwas sehr Eigenes, was man daraus macht.
    Früher in den Sechzigern zum Beispiel, da kamen die französischen Sänger und Sängerinnen, und haben ihre Chansons dann auf Deutsch gesungen, um sie hier zu verkaufen, in einem ganz heavy französischen Akzent (lacht). Ich fand das immer sehr sympathisch.

    Es hat auch sehr viel Spaß gemacht, eure Social Media Kampagnen zu den Releases zu beobachten. Wie war die Experience für dich im Teppich eingerollt im Kofferraum rumgefahren zu werden?

    Sehr befremdlich kurz. Aber nach dem fünften Reel war ich dann schon so “Hey, wo ist mein Teppich? Ich vermiss ihn!” (lacht). Das war auf jeden Fall viel über die eigene Komfortzone hinausgehen, aber hat auch super viel Spaß gemacht.

    “Das ist ein sehr wichtiges Album für uns.”

    Welcher der vorab veröffentlichten Songs ist dein Favorite?

    Also ich bin ganz stolz auf den Song Kırlangıçlar, weil das der erste selbstgeschriebene türkischsprachige Song ist. Und auch diese Psychedelic-Elemente und so, es hat auch so was Sehnsuchtsvolles. Ich find Şeker auch cool, weil sich das deutsch-türkische da so schön miteinander verwebt. Ich bin aber insgesamt auf dieses Album stolz, dass es überhaupt existiert unten den Umständen und in der Zeit, in der wir das gemacht haben. Wir haben etwas sehr Eigenständiges produziert, was sehr organisch nach uns live auch klingt, haben den Sound weiterentwickelt,.. Das ist ein sehr wichtiges Album für uns einfach und ich bin sehr froh, dass wir das gemacht haben.

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    Sag Mir Almanya ist eine Ansammlung offener Fragen an Deutschland. Welche Fragen sind das genau?

    Es sind Fragen wie: In welche Richtung geht es jetzt? Also wo wollen wir hin? Machen wir weiter auf dem Weg der Spaltung und des gegenseitig Fertigmachens, Niederbrüllens, Niederschimpfens? Oder gibt es da vielleicht einen besseren Weg, der weniger negativ ist? Der nach mehr Zusammenhalt schaut, nach Toleranz und gegenseitigem Respekt? Es ist dieses miesepetrige Geschrei des Populismus, das mich wütend macht. Deswegen ist es eigentlich auch mehr eine Aufforderung als eine Frage.

    Kannst du das Album in einem Satz zusammenfassen?

    Es ist ein psychedelischer, bunter Blumenstrauß.

    Das klingt mega.

    Ja, es ist sehr vielfältig! Es ist rockiger geworden, psychedelischer geworden. Auch ein bisschen krautig. Wir haben viel experimentiert, haben Anadolu-Rock reingebracht, Chansons, sehr geradlinigen Rock,.. Es ist sehr vielfältig und gitarrenlastig. Es macht Bock!

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    Habt ihr mal über Features nachgedacht?

    Ja! Bisher hatten wir das noch keine, aber wir sind gerade tatsächlich auch in Gesprächen für ein türkischsprachiges Feature, aber wir können da noch nichts zu verraten. Wir haben aber generell Lust, uns da weiter zu vernetzten mit Acts, die wir mögen und wo wir auch persönlich Bock drauf haben.

    Bewegung ist wichtiger als Perfektion.“

    Es ist ein vollgepacktes Jahr für euch. Was wird euer Highlight?

    Auf jeden Fall die Tour, die ist riesig. Wir spielen jetzt neun Termine in der Türkei, insgesamt haben wir 34 Tourstops, von Ende März bis Ende Mai, das ist auf jeden Fall viel. Und da liegt unser Fokus drauf. Parallel dann natürlich auch die Festivalsaison, in der Türkei und auch in Deutschland, da sieht man dann noch, wo genau wir da spielen. Und währenddessen halt immer weiter schreiben, produktiv sein. Da freuen wir uns riesig drauf.

    Macht ihr auch mal Urlaub zwischendurch?

    Wir machen auch mal Urlaub, eine Woche oder zwei, das geht schon so im Winter. David war jetzt drei Wochen in Thailand! Der hat genug Urlaub gemacht für dieses Jahr, da darf er jetzt von zehren (lacht).

    Aber wir gucken da schon drauf. Man muss sich bewusst Freiräume schaffen, um Musik zu machen, das erfordert viel Planung. Und da werden wir immer besser drin, die realistischen Zeitfenster dafür abzustecken. Es kommt eine Art Routine rein. Und wir merken, je früher wir anfangen, desto besser. Wenn man früh mit Sachen startet, kann man ihnen die Liebe und Aufmerksamkeit widmen, die sie brauchen.

    Müsst ihr manchmal aufpassen, dass ihr dann nicht zu perfektionistisch seid?

    Die Idee der Perfektion ist eigentlich schlecht, wenn man sich ständig denkt “ah, das kann man nicht rausbringen, das muss so und so sein”. Es geht um den Output. Man muss machen, machen, ausprobieren. Kreative Energie muss fließen und es muss Bewegung drin sein, das ist viel wichtiger als Perfektion.

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    Die untold story von ENGIN, die eine 12-Minütige Abwesenheit auf der Bühne beinhaltet, könnt ihr hier auf unserem Tik Tok-Kanal schauen!

    Und hier gibt es alle Infos & Tickets zur Sag Mir Almanya-Tour 2026! Wir können es wirklich ganz, ganz doll empfehlen.