Vom 27. bis zum 30.08.2025 präsentieren die OFFDAYS ein mehr als beeindruckendes Line Up in Berlin und Hamburg. Wir waren letztes Jahr schon dabei und können sagen: das ist schon ein qualitativ kuratiertes Mini-Festival, das sich lohnt! Nelly Furtado, Saint Levaint, 070 Shake,.. Wer sich Ende August noch einmal nach dem Festival Feeling sehnt, kann hier definitiv was mitnehmen.
27.08. Hamburg, Stadtpark Open Air
mit Nelly Furtado, Yseult
Hamburg Peeps, aufgepasst! Niemand anderes als Queen Nelly Furtado kommt zu euch! Ob „I’m Like a Bird”, „Maneater“ oder „Say It Right“ – ihr werdet all das tief aus eurer Seele singen und fühlen. Nach mehreren Jahren Bühnenabstinenz meldet sich die Sängerin nun zurück, mit ihrem neuen Album 7 mit dabei. In Deutschland ist dies eins der wenigen Möglichkeiten sie dieses Jahr live zu erleben – die Pause war lang genug. Seid ihr bereit für die 2000er-Nostalgie?
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Yseult wird das Line Up in Hamburg vervollständigen. Die französische Sänger Songwriterin mischt schon seit mehreren Jahren in der frankophonen Musikwelt mit. Mit ihrem aktuellen Album Mental hat sie die alternative Popszene so sehr aufgemischt, dass sie sogar die Olympischen Spiele in Paris 2024 abgeschlossen hat. So nah kommt man wahrscheinlich nicht nochmal an die Energie ran, die den Abschluss eines so riesen Events feiert.
Nicht nur Hamburg Peeps haben die Möglichkeit, die Stimmengewalt und Aura von sowohl Nelly Furtado als auch Yseult mitzubekommen, sondern auch unsere Berliner Mäuse! In der Zitadelle Spandau, eine der schönsten Berliner Outdoor Venues, wird es diese besondere Kombination am 29.08. geben. Abgerundet wird das Line-Up von dem Vocalensemble A Song For You, das über 50 Künstler:innen aus der ganzen Welt vereint. Mitbegründet von Noah Slee ist A Song For You ein wahnsinnig spannendes Projekt, das sich in keine Schublade stecken lässt und sich klanglich irgendwo zwischen Neo Soul, RnB und Gospel bewegt. Es zelebriert gleichzeitig die Vielfalt der Berliner Musikszene und bietet eine Plattform für unterrepräsentierte Stimmen – beides könnten wir nicht mehr lieben.
Am Samstag geht es in Berlin dann richtig zur Sache. Vielleicht der Tag, auf den wir uns am meisten freuen, denn nicht nur sehen wir 070 Shake zum ersten Mal live, sondern können endlich wieder an der Live-Energie zehren, die Saint Levant mit seiner Band auf die Bühne bringt.
070 Shake sollte kein Fremdbegriff für euch sein. Die US-Sängerin, Rapperin und Songerwriterin begeistert mit ihrem Mix aus Hip-Hop, Alternative und elektronischen Klängen nicht nur uns. Düster, kraftvoll und immer ein wenig im Spagat der Genres, hat 070 Shake etwas ganz einzigartiges an sich, das instinktiv in den Bann zieht.
Saint Levant, was sollen wir sagen. Ihr müsst euch nicht nur die Live-Energie des palästinensisch-französisch-algerischen Musiker geben, sondern auch offen für seine berührende und ehrlichen Poesie sein. Auf englisch, französisch und arabisch bringt er Hits wie Daira oder KALAMANTINA auf die Bühne und reißt alles mit – in vollster Solidarität.
Abgerundet wird der Abend von Bakar – einer unserer UK-Crushes, der endlich wieder nach Berlin kommt. Zwischen Rap und Pop und Alternative zeigt der Wärme und Wortspiele und wird nach seinem Auftritt nicht nur uns mit einem Crush zurücklassen.
Als angehender Pädagoge ist mir eines bei diesem Jahresrückblick besonders wichtig: Alle potenziellen Lesenden entsprechend ihrer Bedürfnisse abzuholen und zufriedenzustellen. Daher bietet diese Rückschau unterschiedliche Stufen des Konzentrationsspektrums. Von ADHS slash TikTok type of Aufmerksamkeitsspanne bis zu Musik Hedonist*in für den oder die Zeit keine relevante Größe ist, ist alles möglich. Ob in 8 Sekunden über den Artikel scrollen oder die nächsten vier Tage damit verbringen jeden Song, jede EP, jedes Album und jedes Musikvideo anzuschauen, um eine detaillierte Persönlichkeitsanalyse zu entwickeln: alles ist erlaubt!
Damit letzteres nicht tatsächlich eintritt, nehme ich es bereits vorweg: Meine Hörgewohnheiten sind die eines verrückten Dinosauriers. Denn erstens, ich höre noch gesamte Alben. Zweitens, ich höre die meisten Alben nur ein Mal „aus Interesse“. Drittens, ich höre keine Playlists außer die New Music Friday Playlist und erstelle auch keine eigenen und viertens, ich höre noch gesamte Alben!!.
Wer jetzt noch nicht aufgegeben hat: enjoy the show, but I warned you! Zur mentalen Einstellung auf was folgt, kommen hier die blanken Zahlen: 33 neue Lieblingssongs, 23 besuchte Konzerte, 7 neue Lieblingsalben, 6 geschriebene Reviews, 3 Lieblings-EPs und 1 eigener Auftritt. Welche Aussagekraft diese Zahlen haben und was sie von mir preisgeben, ich habe keine Ahnung.
On a sidenote: alle Socials, Songs und Musikvideos sind verlinkt, wenn ihr auf die Artists bzw. Songtitel klickt, außer Rachmaninow und Schostakowitsch. Die sind schon tot.
Musik Moment des Jahres
📈 23. September eigener Auftritt 📈 im Badehaus, naja im Backstage … vom Badehaus …
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⚥ 070 Shake – You Can’t Kill Me ⚥ Sound of the Youth & malnourished Cruuuuuush!
♱ Ami Warning – kurz vorm Ende der Welt ♱ Musik kurz vorm Ende der Welt
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🜲 Levin Liam 🜲 klingt wie wenn die Zunge langsam taub wird vom Hustensaft aber das Kribbeln ist eigentlich ganz angenehm
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❆ Black Eyed Peas, Shakira, David Guetta – DON’T YOU WORRY ❆ hass
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Aus dem New Yorker Künstler*innen-Kollektiv 070 über den Dunstkreis von Kanye West direkt in unsere identitätssuchenden Herzen: 070 Shakeführt auf ihren beiden Alben Modus Vivendi (2020) und You Can’t Kill Me(2022) die künstlerische Vision eines Kanye West auf YEEZUS (2013) und ye (2018) fort (in a good way though) und prägt dabei einen neuen Generationensound, der einzigartig ist und trotz allem bodenständig bleibt. Liebe, Identität, Sexualität: 070 Shake erfindet die Themen auf ihrem zuletzt erschienenen Album nicht neu, doch sie verleiht ihnen eine besondere Authentizität und Bedeutung. Jedes Wort aus ihrem Mund wirkt unabhängig der vermeintlichen Banalität so ausgesprochen glaubhaft. Sollte 070 Shake jemals ihre eigene Sekte gründen, werde ich ernsthaft darüber nachdenken müssen, ihr beizutreten.
Auf der Suche nach Identität
Musikalisch hat für 070 Shake alles Mitte des letzten Jahrzehnts mit einem klassischen Trap-Sound als Teil des Musiker*innen-Kollektivs 070 in New Jersey angefangen. Auch wenn der damalige Hip Hop Sound dem Zeitgeist entsprach, klang er doch relativ austauschbar. Doch eins war schon damals besonders: die Stimme. Der hohe stimmliche Wiedererkennungswert von 070 Shake war Grund genug, um von Kanye West gesigned zu werden. Zu einem Zeitpunkt, als Kanye West zwarbereits kontrovers diskutiert wurde, aber noch immer den musikalischen Kanon mitprägte, schaffte die Sängerin es zudem als Mitwirkende bzw. Feature-Artist auf die Hälfte der Songs des Albums ye. Interessanterweise gestaltete sie dabei ein Album mit, dass auf dem Cover den Satz „I hate being Bi-Polar, its awesome“ zu stehen hat und sich intensiv mit der mentalen Gesundheit und der Suche nach der eigenen Identität beschäftigt. Egal welche irritierenden Philosophien Kanye West in den vergangenen Jahren verfolgt, für 070 Shake markiert ye den Anfang einer eigenen Klangästhetik.
Klangflächen & Mike Dean
Der letzte Song auf Kanye Wests Album ye klingt in der Retrospektive wie der erste 070 Shake Song, auf dem sie zu ihrem musikalischen Selbst gefunden hat. Auf „Violent Crimes“ schweben weiche, orgelartige und mit Gospelakkorden angereicherte Klangflächen seicht um die Ohren. Darüber hinweg fliegen die zahlreichen und zu einem Ganzen zusammenwachsenden Stimmen der Sängerin, federleicht und ohne Anstrengung. 070 Shake prägt mit ihrem eigenen Gospel-Chor die Klangästhetik dieses Songs nachhaltig ebenso wie ihren eigenen.
Ein Name, der die Klangwelten der beiden Artists verbindet, ist Mike Dean. Der renommierte Hip Hop Produzent ist bekannt für seine unverwechselbaren Synthesizer-Produktionen. Denkt man an die prägenden Synths auf Kanye WestsYEEZUS, denkt man insgeheim an Mike Dean. Mit Dean findet 070 Shake zu ihrer musikalischen Identität.
What is your favorite flower?
“What is your favourite flower? I wanna know” Mit diesen Zeilen verwandelt 070 Shake ihre eigene Stimme im Album-Intro zum Synth. Chorisch wiederholen sich die Worte, während sich eine zweite Stimme der Künstlerin sprechend auf den Chor legt. Die Klangwelt baut sich langsam durch einsetzende Synths auf und gewinnt zunehmend an Größe. Alles fließt gleichmäßig, motiviert ein sinnliches Eintauchen und nichts steht dabei im Wege. In diesen Klangraum wirft die Sängerin den Wunsch nach wahrer Intimität, dem Loslassen und dem ungeschützten sich Näherkommen. “What is your favourite flower? I wanna know”
Eine Einladung zu lieben
„Invited“ knüpft an diese Szenerie an. Viel Atmosphäre, viel Pathos und über aller Sinnlichkeit steht der gegenseitige Respekt vor dem sich aufeinander Einlassen: „Ooh, I’m invited. I’m in your world for the night, yeah. Don’t wanna fuck it up, let’s get it right”. Müsste ich eine vertrauensvollere Formulierung über den Umgang zweier Liebenden finden, ich würde aufgeben.
In der zweiten Hälfte des Songs trauen sich dann auch die ersten Percussion und Drum Sounds auf das Album und auf dem dritten Song „History“ ist es nur eine gute Minute bis die transzendente Klangwelt mit Drums angereichert wird. Aus dem Wunsch nach Intimität sowie der Bereitschaft zur sinnlichen Annäherung wächst eine Art Besessenheit nach Liebe. Spürbar wird das durch die zahlreichen Beat Changes. Aus dem strahlenden Intro von „History“ und dem Besingen von Eternity erwächst ein drastisches Verlangen nach der Liebe des Anderen in Form von treibenden Drums und bewegten Streichern bis alles wieder heruntergefahren wird. Disney-ähnliche Streicher begleiten die sich wiederholenden Zeilen der Stimme über Mike Deaneske Synths, ehe ein neuer Beat einsetzt. Die emotionale Aufgewühltheit ist kaum nachzuvollziehen. Wer kennt es nicht von der Liebe?
Lyrische Blumen
Die Gefühlsstürme, die Auseinadersetzung mit der Liebe und dem Selbst ziehen sich durch das weitere Album. Dabei findet 070 Shake immer wieder wunderschöne lyrische Momente, um ihre Gefühlswelt zu beschreiben, beispielsweise auf „Skin and Bones“:
„And we spoke in past tense, reminisce ‚bout back when our spirits used to dance with each other”
„Treat me like I’m more than a pair of skin and bones And that really made a difference in my story”
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Vom Bordstein bis zur Skyline ist outdated, ab sofort heißt es von New Jersey ins Berghain. 070 Shake hat Mitte Oktober ihre zweite Show in Berlin gespielt und hätte dafür keinen besseren Ort auswählen können. Zu dem Mythos, den diesen Ort umgibt, trägt die Aura der Künstlerin bei. Von hinten mit großen Lichtern angestrahlt steht die Silhouette 070 Shakes schemenhaftim wild umherwehenden Nebel allein auf der Bühne und strahlt so viel Präsenz aus, dass jede weitere Person zu viel wäre. Der makellose Sound, die atmosphärische Lichtshow, die zu perfekten, improvisierten Autotune-Gesangseinlagen; alles fühlt sich ein wenig nach dem Glanz eines amerikanischen Popstars an. Dabei befinden wir uns nicht in einer ausverkauften Arena mit durchinszenierter Live-Show, sondern im düsteren Berghain, im Hier und Jetzt, ohne ein leuchtendes Handy-Display. Zum Beweis wie sehr sie das Handy-Verbot genießt, wirft sie ihr eigenes demonstrativ auf die Bühne.
Aus dem Traum in den Moshpit
Der Auftritt beginnt, Überraschung, mit ausschweifenden Synth-Flächen. Die Dramaturgie des Konzerts erlaubt ein langsames Hineinfühlen in die Songs, den Ort und die Atmosphäre bis der Song „Cocoon“ den Moshpit öffnet und die Energie pulsiert. Dabei dauert der Drop des Tracks so lange, dass der Moshpit nicht aufhört zu wachsen und die Spannung unaushaltbar drückend wird. Ab diesem Moment wechseln sich die Momente des träumerischen Genießens und ekstatischen Tanzens regelmäßig ab und egal welche Stimmung 070 Shake fordert, das Publikum zieht mit. Als die Sängerin einen alten Song aus ihren musikalischen Anfangsjahren rauskramt, betont sie wie sehr ihr der Song zum Halse raushängt. Sie spielt ihn trotzdem und schaut Wein trinkend gute zwei Minuten dem eskalierenden Publikum zu wie es jede Zeile mitsingt, ehe sie selbst das erste Wort singt.
Dieser Abend fühlte sich an, als wären Zuschauer*innen und Künstlerin in diesem Moment zu etwas ganz Besonderem zusammengewachsen. Egal wie pathetisch das klingen mag und wie oft sich die Stimmung auf den anderen Stationen der Tour womöglich genauso angefühlt haben mag, ich bin mir sicher, alle Besucher*innen behalten dieses Konzert als ein ganz Besonderes in Erinnerung.
Klingende Emotionen zum Entdecken
„You Can’t Kill Me“ ist mit Sicherheit kein Pop-Album, das die Mainstream-Charts erobert. Doch die sinnliche Tiefe ist so unfassbar schön, dass es sich lohnt, deren Erkundung Zeit zu geben. Denn sie entfaltet sich erst, wenn wir uns ohne Vorbehalte auf dieses Kunstwerk einlassen. 070 Shake fordert im Eingangstrack das befreite Eintauchen in die Intimität einer Beziehung und beschreibt damit zugleich den Umgang mit ihrem Album. Die Zugänglichkeit mag manchmal erschwerlich sein, aber die zu entdeckenden Schätze im Umgang mit dem Gegenüber sind unendlich.
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