Das Jahr beginnt für uns mit so vielen guten Nachrichten, die wir hier einfach so spreaden können, wir sind ganz aufgeregt. Die heutige super gute Nachricht, ohne viel Gelaber: Anoki und Kaltenkirchen gehen auf Tour. Und weil das alleine nur halb so schön ist, machen die beiden das gemeinsam und damit eine Doppelheadliner-Tour, die auf den Namen „Irgendwann“ hört und euch mehr als feierlich von untoldency präsentiert wird. Leider musste die Tour von April 2022 in den September 2022 verlegt werden. Aber wann ihr wo sein müsst, verraten wir euch jetzt.
Die Geschichte, die so schön mit dem gemeinsamen Song „PANIK“, der Jule im letzten Jahr extrem abgeholt hat (könnt ihr hier nachlesen) begonnen hat, wird 2022 weitergeschrieben. Im September 2022 gehen unser forever-artist-to-watch Anoki und Kaltenkirchen gemeinsam auf Tour. Ihr könnt euch denken, dass solche Tour-News ein paar Tage Vorlaufzeit benötigen. Es wundert also hoffentlich niemanden, dass wir seit einem Monat auf heißen Kohlen saßen, weil wir es nicht erwarten konnten, diese Info mit euch zu teilen.
Für all diejenigen unter euch, die trotz massiger Berichterstattung unsererseits noch nicht wissen, wer Anoki und Kaltenkirchen sind, sind die folgenden Abschnitte genau das Richtige:
Kaltenkirchen, Emotionsgranate aus Wien
Wir wollen niemanden bevorzugen, aber wenn sich jemand im Laufe der letzten drei Jahre (oh Gott, das sind schon drei Jahre?) in unsere Herzen musiziert hat, dann wohl Kaltenkirchen. Das Projekt, das aus Philip Maria Stoeckenius und Niklas Pichler besteht, hat sich in dieser Zeit musikalisch so extrem weiterentwickelt, wie es nur wenige geschafft haben. Vom Debütalbum „Im Namen der Liebe“ aus 2019 bis zu den im letzten Jahr erschienenen „PANIK“-EPs hat sich da wirklich eine Menge getan. Aber nicht nur in der Musik, auch in der Persönlichkeit. Schonungslos hat Kaltenkirchen in diesen EPs Erfahrungen, den Umgang und sämtliche Ups and Downs mit seinen Panikattacken geteilt. Und sich selbst, aber sicher auch vielen Zuhörer:innen damit eine wichtige Tür geöffnet.
Unsere Kaltenkirchen-Liebe ist unermüdlich eine wirklich große und wird seit offensichtlich wirklich schon drei Jahren (mind = blown) immer größer. Eine bedingungslose Anhör-Empfehlung für alle, die sich mit dem musikalischen Werdegang und dem Umgang mit Panikattacken auseinandersetzen können und wollen ist hiermit ausgesprochen.
Anoki, Textgewalt aus Berlin
Wir haben es oben schon erwähnt: Anoki ist unser forever-artist-to-watch, weil wir niemals keine Empfehlung für seine Musik aussprechen können. Bereits 2020 haben wir ihn in höchsten Tönen gelobt, nachdem Jule ihn in Berlin entdeckt und lieben gelernt hat. 2021 haben wir diese Liebeserklärung wiederholt, weil er bewiesen hat, was für ein krasser Musiker und vor allem Texter er ist. Und auch seine Geschichte ist auch äußerst spannend: In Utrecht geboren und in Schweinfurt aufgewachsen, landete Anoki nach mehreren Zwischenstopps letztlich in Berlin. In seiner Jugend von Indie und Punk umgeben, experimentiert der Rapper heute mit Hip Hop-Beats, der seine früheren Einflüsse aber keineswegs verschweigt (ja, da haben wir uns kurz bisschen selbst zitiert). Wer ganz aufmerksam ist, hat vielleicht auch schon mal entdeckt, dass er als Songwriter an vielen Songs in eurem Spotify Wrapped 2021 beteiligt ist.
Mit den Singles „Sie bauen eine Mall“ und zuletzt „Is Ok“ hat Anoki zu Recht aber auch endlich selbst die Aufmerksamkeit bekommen, die ihm unserer bescheidenen Meinung nach absolut zusteht. Wir wollen auch nicht unnötig spoilern, aber sich den Release seiner EP schon mal vorzumerken ist viel mehr als nur ein gut gemeinter Tipp unsererseits.
Finally: Die Tourdates
Nachdem wir euch jetzt also auf den Stand der Dinge gebracht haben, folgen hier jetzt die hard facts zur „Irgendwann“-Tour. In insgesamt 9 Städten in Deutschland und Österreich könnt ihr Anoki und Kaltenkirchen also schon bald live sehen. Welche das sind? Na die hier:
04.09.2022 | Rostock, M.A.U. Club 05.09.2022 | Hannover, Lux (verlegt vom 04.04.2022) 06.09.2022 | Köln, Yuca (verlegt vom 06.04.2022) 07.09.2022 | Berlin, Kantine am Berghain (verlegt vom 03.04.2022) 08.09.2022 | Hamburg, Häkken (verlegt vom 07.04.2022) 09.09.2022 | Oldenburg, umBAUbar 10.09.2022 | Erfurt, Engelsburg (verlegt vom 09.04.2022) 12.09.2022 | Wien (AT), B72 (verlegt vom 23.04.2022) 15.09.2022 | Stuttgart, Wizemann (verlegt vom 27.04.2022)
Wir wissen nicht, wie es euch geht, aber wir können den September 2022 kaum abwarten und freuen uns, jede*n Einzelne*n von euch dort zu sehen. Ihr solltet auf jeden Fall schon deshalb kommen, weil ihr dann unsere Liebe zu beiden Acts viel besser verstehen könnt. Klingt logisch, oder?
Bis dahin könnt ihr Anoki bei Instagram und auch Kaltenkirchen bei Instagramabchecken.
Und für die ganz Fleißigen unter euch, die noch fix alle wichtigen Songs auswendig lernen wollen, gibt’s hier noch zwei kleine Helferlein:
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Sie haben es versprochen und sie haben geliefert: Kaltenkirchen haben (ehrlicherweise schon vor einem Monat, upsi) die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP veröffentlicht. Sie ist die dritte von vier EPs, die in einem 7-wöchigen Rhythmus erscheinen und jeweils 3 bis 4 Songs beinhalten. Thematisch werden die Phasen, die Sänger Philip Maria Stoeckenius mit seiner Panik verbindet, und der Umgang damit behandelt. Die Review zum ersten Teil, der „PHASE 1: PANIK“-EP, könnt ihr hier nachlesen, zur Review der „PHASE 2: EISZEIT“-EP geht’s hier. Und auch, wenn wir die Veröffentlichung der finalen EP schon förmlich riechen können, möchte Jule eure Ohren doch nochmal um Aufmerksamkeit für die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP bitten. Es geht um Zukunftsängste und Selbstzweifel – aber vor allem um Hoffnung.
Erstmal ist es schön, dass wir uns wieder hier versammelt haben, um gemeinsam Musik von Kaltenkirchen zu genießen. So ein bisschen habe ich mich ja an die Regelmäßigkeit gewöhnt. Auch wenn meine Zeit, neuer Musik meine gewohnte Aufmerksamkeit zu schenken, gerade etwas eingeschränkt ist. Manchmal kommt einfach das Leben dazwischen, wir kennen es alle. So langsam fängt alles wieder an so zu werden, wie es 2019 war. Nur leider habe ich persönlich ein bisschen verlernt, wie ich 2019 war. Die Entschleunigung der letzten 1,5 Jahre hat mich irgendwie „lebensunfähig“ gemacht. Die einfachsten Sachen (wie eben entspannt neuer Musik zu lauschen) überfordern mich und mein Zeitmanagement. Das klingt wahrscheinlich dramatischer als ich es meine. Denn gefühlt geht es meinem kompletten Umfeld so. Ein Tag bräuchte gerade mindestens 60 Stunden, damit ich irgendwie hinterherkommen könnte. Das ist auch einfach der Hauptgrund, warum dieser Artikel zu Kaltenkirchens „neuer“ EP erst einen Monat nach Release erscheint. Aber gut, genug gejammert. Lasst uns jetzt mal gemeinsam in „PHASE 3: IMMER NOCH“ reinhören, denn – Spoiler – es lohnt sich mal wieder!
Euphorie vs. Frust
Der erste Song der EP ist auch gleichzeitig der namensgebende Track der EP: „IMMER NOCH“. Er beginnt mit einer für mich ganz bisschen überraschenden E-Gitarre, zu der sich im Verlauf dann fetzige Synthie-Beats gesellen. Textlich beschreiben Kaltenkirchen Zukunftsängste, Selbstzweifel und Leistungsdruck, die die Panikattacken mit sich bringen. Es geht aber auch darum, genau diesen Ängsten und Zweifeln den waffenlosen Kampf anzusagen. „Denn ich weiß immer noch nicht was ich machen muss, um mit mir klarzukommen. Doch ich erkenn‘ mich, auch wenn’s manchmal schwer ist“. Diese Zeilen beschreiben den Song und das Gefühl zu 100 % (well done!) – den Zwiespalt zwischen Euphorie und Frust. Man kehrt langsam zu sich zurück, geht zwei Schritte vorwärts in die richtige Richtung, aber fällt doch wieder einen zurück oder stagniert. Da geduldig und stark zu bleiben und weiter die Kraft zu haben, durchzuhalten, muss unfassbar zehrend sein. Aber die Zeile „Denn ich weiß, wohin ich mit mir will“ zeigt eben auch, dass Kaltenkirchen sein Ziel nie aus den Augen verliert. Vielleicht weiß er noch nicht wie, aber dafür umso mehr, dass er es schaffen wird. Das spiegelt sich auch im gesamten Sound von „IMMER NOCH“ wider: Der ist nämlich grundlegend positiv und beschwingt, hat aber auch seine ruhigen Momente, die den Inhalt des Songs absolut auf den Punkt bringen.
Zu „IMMER NOCH“ gibt es übrigens auch ein Musikvideo, das einige sehr geile Schmunzler versteckt hat. Könnt ihr euch hier anschauen, swoosh:
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Weiter geht es mit „LICHT“, den ich persönlich noch stärker finde als die Single-Auskopplung „IMMER NOCH“. Die Songs knüpfen thematisch aneinander an und ich find’s geil, dass die E-Gitarre hier auch wieder ihren Platz gefunden hat. Finde diese E-Gitarren auf jeden Fall ziemlich nice, steht dem Sound von Kaltenkirchen total gut, wenn ihr mich fragt. Im Verlaufe des Songs gibt’s dann auch noch ein Klavier – jawollo ey, das lieb ich doch. „LICHT“ klingt ein bisschen weicher und poppiger als der Song davor. Und die Melodie ist wieder so richtig ins Ohr fressend, den Refrain hatte ich tagelang im Kopf. Thematisch wird die Hoffnung, aber auch der oftmals schwere Weg zur Besserung, der aufgrund einer psychischen Erkrankung gegangen werden muss, beschrieben. Das lässt sich auch gut beim Gesang raushören, der was ganz Zerbrechliches und Liebliches hat. Das geht schon bisschen deeper in mein Herz, ich gebe es ja zu.
„Ich weiß nicht wie weit es ist Bis alles wieder beim Alten ist Vielleicht fallen wir weich, oder auch nicht“
Man hört diesen beiden Songs auf jeden Fall an, dass Kaltenkirchen seinem persönlichen (Behandlungs-)Ziel näher zu kommen scheint. Es läuft nicht immer alles nach Plan, es gibt Rückschläge und Unsicherheiten. Aber davon lässt sich Philip sowohl in „IMMER NOCH“ als auch in „LICHT“ nicht unterkriegen. Beide Songs strotzen nur so vor positiver Hoffnung. Und können wir mal festhalten, wie geil bei beiden Songs getextet wurde? Die Wortwahl ist immer ein bisschen unverblümt „Auf die Fresse“, lässt aber gleichzeitig super viel Interpretations-Spielraum. Hach, Kalti <3
Das ganz große Glück
Der letzte Song der EP heißt „ZWEI“ und ist ungefähr das süßeste, was ich 2021 gehört habe. Die Füchse unter euch werden wohl gecheckt haben, dass das nicht Sänger Philip ist, der uns hier engelsgleich ein paar Takte vorträllert. Vielmehr handelt es sich hier um die ersten Gesangsversuche eines Kleinkindes, das sogar einen Schluckauf zum Besten gibt, i’m melting. Verpackt in einen psychedelischen Sound und Kaltenkirchen-likem AutoTune klingt es durch die Doppelungen ein bisschen als würde ein Duett gesungen werden. Dass es sich bei der süßen Stimme um die von Philip’s kleiner Tochter Luka handelt (die fairerweise auch als Autorin des Songs erwähnt wird, der erste Schritt in Richtung Musikkarriere), hat er kürzlich via Instagram verraten. Ich möchte an dieser Stelle auch ausnahmsweise mal rein gar nichts interpretieren. Lasst uns einfach nur glücklich für Philip und seine kleine Familie sein und die Freude darüber spüren, dass er uns ein kleines Stück daran teilhaben lässt. Denn so wie Luka für ihn in schwierigen Momenten das (im Song davor besungene) helle Licht sein wird, kann sie es mit diesem Song vielleicht auch für dich und mich sein. Schön, dass du da bist, Luka!
Und mit dieser Emotion entlasse ich euch nun in die musikalische Welt. Denn bevor dann schon bald die vierte Phase erscheinen wird, könnt ihr euch die „PHASE 3: IMMER NOCH“-EP von Kaltenkirchen nämlich hier anhören:
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Und weiter geht’s: Kaltenkirchen aus Wien haben letzten Freitag die „PHASE 2: EISZEIT“-EP veröffentlicht. Sie ist die zweite von vier EPs, die in einem 7-wöchigen Rhythmus erscheinen und jeweils 3 bis 4 Songs beinhalten werden. Thematisch werden die Phasen, die Sänger Philip Maria Stoeckenius mit seiner Panik verbindet, und der Umgang damit behandelt. Die Review zum ersten Teil, der „PHASE 1: PANIK“-EP, könnt ihr hier nachlesen. Und wie es sich für einen guten Mehrteiler gehört, hat sich Jule natürlich auch den zweiten Streich ganz genau angehört. Um welche Phase es sich hier handelt und wie die EP klingt, lest ihr jetzt.
Erstmal wieder ein kurzer Situationscheck. Ich bin ja nicht nur Redakteurin, ich bin an erster Stelle auch einfach Fan (bekanntlich auch besonders von Kaltenkirchen). Nur, dass ich den absolut geilen Vorteil habe, schon vor allen anderen die neuesten Songs hören zu dürfen. Das erlaubt es mir, die Mittagspause meines ungefähr 673. Tages im Homeoffice mit neues Musik von Kaltenkirchen zu verbringen. Also let’s go, ich habe Bock!
Von 0 auf Dramatik in gerade einmal 1:29 min.
Der erste Song der EP heißt „EISZEIT (INTRO)“ und ist genau das, was er verspricht: ein Intro. Allerdings ist es wohl das gehaltvollste Intro, das textlich nur aus einem Satz besteht, das ihr je gehört habt. Beginnen tut das Intro mit einem sanften Klavier, zu dem sich dann ein ebenfalls sanfter und fast schon flüsternder Gesang gesellt. „Und wir fahren auf der Autobahn direkt in die Eiszeit hinein“. Das Intro baut sich immer weiter auf, das Klavier erhält Unterstützung von Synthies und Drums und der Gesang wird energischer. Zum Ende taucht dann noch eine derbe E-Gitarre auf, die den Aufbau des Songs vollendet. Kaltenkirchen schaffen hier mit gut gesetzten Sounds genau die Dramatik, der sich wohl auch Sänger Philip beim Tauziehen mit seinen Panikattacken ausgesetzt gefühlt haben muss.
Der oben zitierte, mit den verschiedensten Emotionen gesungene Satz lässt dabei so viel Platz zur Interpretation, dass mir fast schwindlig wird. Einige werden es vielleicht schon mal erlebt haben: Das metaphorische Wegrennen, ob aus Verzweiflung, Angst oder Überforderung. Man rennt immer weiter, ohne zu wissen, wo man am Ende ankommt. Oder ob man überhaupt irgendwo ankommt. Und ob dieser Ort dann nicht eine dunkle und kühle Eiszeit ist, auch das weiß man nicht. Sinnbildlich könnte das für die erste Auseinandersetzung mit der Panik und sich selbst stehen.
Mut steht am Anfang des Handelns
Weiter geht’s mit „NEUE WEGE“ – und damit in genau die Richtung, die wir gerade eingeschlagen haben. Der Song beginnt mit Kaltenkirchen-typischen Synthies, die ziemlich fix erneut von einem Klavier verdrängt werden. Das Klavier scheint auf dieser EP eine größere Rolle zu spielen, was ich akustisch in Kombination mit Synthies, starken Drums und E-Gitarren sehr ansprechend finde. Als ich die Strophe des Songs das erste Mal höre, bin ich begeistert von der Art, wie Philip diese singt. Das habe ich so von ihm bisher noch nicht gehört. Er singt sehr weich und lieblich, die Töne faden sanft aus. Das finde ich wirklich schön. Der Song hat einen aber einen hörbar positiven Vibe. Philip scheint zu sich selbst zu sprechen und sich ermutigen zu wollen, aus seinem persönlichen Teufelskreis auszubrechen. Oder wenigstens den ersten Schritt in Richtung Ausbruch zu machen. Dass auch hier unsicher ist, wo er landen wird, ist nochmal ein schöner Aufgriff des Intros.
„Komm wir gehen neue Wege Dreh dich mit mir um und lauf Wir wissen beide nicht, wo’s hingeht Hauptsache irgendwo raus“
Ich bin noch am überlegen, ob „NEUE WEGE“ neben „PANIK“ vielleicht einer der allerbesten Kaltenkirchen-Songs ist. Die Melodie hat einen schlimmen (also gut-schlimmen, ihr wisst schon) Ohrwurm-Charakter, dazu gefühlvoller Gesang und kräftige Instrumente, die mich durchfahren. Das‘ schon ziemlich geil einfach. Während ich versuche, mir darüber klar zu werden, gibts hier erstmal das Musikvideo zu „NEUE WEGE“, das ihr euch auf jeden Fall mal anschauen solltet!
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Der letzte Hit der EP heißt „ATARI“ – genau, wie die Unterhaltungselektronik. Und dieser Song wirft er uns direkt in eine sehr bildliche Situation: Philip sitzt auf dem Beifahrersitz. Bereit, um sich mit Hilfe von jemandem auf den Weg zu machen. Auf den Weg an einen Ort, wo hoffentlich alles wieder gut werden kann. Atari.Kaltenkirchen geben zu verstehen, wie wichtig der Halt und die Hilfe von Menschen ist. Die den Weg, den man vielleicht selbst noch gar nicht sieht und alleine vielleicht auch nicht schaffen würde, mit einem gehen. Die währenddessen unterstützen, zuhören, auffangen. Das lässt sich auch im Sound raushören, der geht nämlich sehr nach vorne und hat so eine richtige „Trau dich, tu es!“-Attitüde. Gewidmet ist der Song all denjenigen, die während seiner Panikattacken und Depression für Philip da waren und bei denen er sich zurücklehnen konnte. Das lässt „ATARI“ für mich noch einmal in einem anderen Licht leuchten, weil mich das schon sehr berührt.
Ob er sein Atari erreichen wird und wie der Prozess seiner Panik weitergeht, werden wir in ein paar Wochen erfahren, wenn die dritte PHASE-EP erscheint. Kaltenkirchen schaffen es auf jeden Fall auch mit der „PHASE 2: EISZEIT“, mir das Thema Panikattacken und vor allen Dingen ihre persönlichen Erfahrungen damit näher zu bringen. Das Thema der EP, nämlich die Auseinandersetzung mit vor allen Dingen sich selbst, ist wunderbar in Musik umgewandelt worden. Selbst die, die nur so mittelgut interpretieren können, dürften klar verstehen, worum es geht. Und das alles ist mal wieder verbunden mit einem einzigartigen Sound von Kaltenkirchen, der sich zwar weiterentwickelt, aber trotzdem ein einziges Alleinstellungsmerkmal ist. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Geschichte weitergeht.
Hier könnt ihr euch die „PHASE 2: EISZEIT“-EP von Kaltenkirchen anhören:
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Kaltenkirchen aus Wien haben letzten Freitag eine neue EP veröffentlicht. Sie ist die erste von insgesamt vier EPs (!), die in einem 7-wöchigen Rhythmus (!) erscheinen und jeweils 3 bis 4 Songs beinhalten werden. Thematisch werden die Phasen, die Sänger Philip mit seiner Panik verbindet, und der Umgang damit behandelt. Den Grundstein für dieses Konzept legten Kaltenkirchen schon mit der im letzten Herbst erschienene Single „Trocken“. Den Anfang des EP-Quartetts macht nun aber erst einmal „PHASE 1: PANIK“, deren drei Songs sich Jule seeehr aufmerksam angehört hat (und dabei nicht wenig überrascht wurde).
Bevor wir aber mit der EP starten, gibt’s noch etwas, was ich unbedingt noch loswerden möchte: Kaltenkirchen ist keine Onemanshow – sondern ein musikalisches Duo. Neben Sänger und Songwriter Philip Maria Stoeckenius gibt es da nämlich auch noch Produzent Niklas Pichler. Ohne den einen funktioniert das andere nicht, versteht ihr? Das geht leider manchmal etwas unter, deshalb: Niklas, I see you!
Jetzt geht’s aber wirklich los: Es ist Freitagabend vor zwei Wochen, als ich mir „Phase 1: PANIK“ das erste Mal anhöre. Ich habe einen völlig (und damit meine ich: völlig) beschissenen Tag hinter mir. Mir geht’s schlecht und ich habe eine Stunde lang geheult, peace. Da ich aber weiß, dass mich eigentlich immer alles, was mit Kaltenkirchen zu tun hat, aufmuntert, beschließe ich, mich mit der EP auf andere Gedanken zu bringen.
Nur noch 5mm.. bis meine Kinnlade den Boden erreicht
Der erste Song heißt „5MM“ und klingt in den ersten Sekunden nach dem mir vertrauten Kaltenkirchen-Sound. Sanfter, elektronischer Beat, leichter Hall auf der Stimme, lieb ich. Aber dann der Refrain… Ich glaube, in diesem Moment in der Küche gestanden zu haben, als ich kurz ziemlich perplex bin. Das ist nicht unbedingt mein musikalisches Fachgebiet, aber ich lausche gerade astreinen Rap-Vibes? Ich kann mich im ersten Moment gar nicht auf die Lyrics konzentrieren, weil ich das erstmal verarbeiten muss. Es ist anders, wirklich komplett anders als alles, was Kaltenkirchen bisher war. Ich bin ehrlich, ich muss „5MM“ repeaten, um mich auch den Lyrics widmen zu können.
„Noch 5mm, bis der Faden reißt Nur noch 5mm, bis zum Knochen im Fleisch“
Was man dem Text sofort anhört: Er kommt aus einer ganz anderen Stelle des Herzens als beispielsweise die Texte des Debütalbums „Im Namen der Liebe“. Es ist nicht das Verarbeiten von Situationen, die man passiv miterlebt. Es ist vielmehr das Verarbeiten höchstpersönlicher Gefühle. Man hört aus den Strophen die Verzweiflung und Machtlosigkeit sprechen. Warum schaut ihr nur zu? Warum helft ihr nicht? Warum kann ich mir gerade selbst nicht helfen? Ich würde hier am liebsten sämtliche Zeilen zitieren, weil sie mehr sagen als ich es je könnte. Das ist auf jeden Fall ein soundmäßig komplett überraschender und äußerst berührender Opener. Ich bin all in, weiter geht’s.
Panik und Ausgelassenheit – der Twist macht’s
Auf den zweiten Song der EP bin ich persönlich sehr gespannt. Denn „PANIK“ ist ein Feature mit Anoki, den ich euch auch schon als heißen Tipp bei unseren artists to watch 2021 ans Herz gelegt habe. Der Song startet mit überraschend fröhlichen Upbeats, die Stimmung ist eine völlig andere als noch eben bei „5MM“. Ich, immer noch in meiner Küche stehend, kann mir ein kleines Tänzchen jetzt absolut nicht verkneifen. Und dann folgt diese Textzeile: „Du bist Panik, ich bin Philip / aber irgendwann ist Schluss“. Also wer hier nicht wenigstens mal kurz zusammenzuckt, ist wirklich frei von sämtlichen Gefühlen. Ich unterbreche mein Rumgezappel und werde mir kurz, aber intensiv, wieder der Realität bewusst. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Philips lieblicher Stimme, Anokis erstem Mal, sich musikalisch mit seinen Panikattacken auseinanderzusetzen, und dieser geilen Melodie.
„Ich bin eins mit meiner Panik Ich hab Angst sie zu verlieren Bin allein auch wenn sie da ist Was wär ich nur ohne sie?“
Mit „PANIK“ haben Kaltenkirchen und Anoki einfach abgeliefert. Dieser Twist aus Panik fühlen und sich darauf einlassen, sie ja eigentlich sogar zu feiern – ich brülle. Der Vibe könnte gegensätzlicher fast nicht sein und ergibt dennoch so eine harmonische Symbiose. Dieser Song macht einfach völlig Sinn. Ich erwische mich dabei, dass ich ihn noch drei bis siebzehn Mal höre, bevor ich mich dem letzten Track widmen kann. „PANIK“ hat mich völlig in seinen Bann gezogen. An dieser Stelle auch einfach ehrlich ein heftiges shout out an Niklas. Dieser Mann ist einfach ein Hits produzierendes Genie, ich kann’s nicht anders sagen.
Gib‘ uns einfach noch mehr Risiko
Der letzte Song der EP heißt „RISIKO“ und kratzt wieder etwas mehr an den früheren Sounds von Kaltenkirchen. Wobei das geschulte Ohr auch dezente Kummer-Vibes raushören kann. Textlich hebt sich dieser Song total von den beiden davor ab – er verfällt nämlich dem von mir immer noch sehr geliebten Muster, Interpretationsspielraum zu lassen. Der Song thematisiert das Spielen mit den Extremen, um von der Panik loszukommen. Die Leichtigkeit von eben weicht einem Adrenalinstoß, der dich einfach nur ausbrechen lassen will.
„Komm wir springen jetzt hier rein Vergessen Raum, vergessen Zeit Spürst du auch dass du so leicht bist? Spürst du auch, dass du soweit bist?
Nicht, dass es bei „5MM“ und „PANIK“ nicht so wäre, aber ich kann mir „RISIKO“ einfach so richtig geil in live vorstellen. Die Melodien und der Refrain laden förmlich dazu ein, laut mitzugröhlen und zum Beat durch einen stickigen Club zu springen. Ich kann’s jedenfalls kaum abwarten, bis das endlich so weit sein wird. Und dann will ich euch alle sehen und hören. Das wird wunderschön.
Fazit
Also wer diesen Artikel aufmerksam gelesen hat, dem ist mehr als bewusst, wie begeistert ich mal wieder von Kaltenkirchen bin. Der Sound hat sich verändert, so wie auch die Menschen dahinter sich verändert haben. Eigentlich tu ich mich mit Veränderungen immer etwas schwer, aber hier hat sie mich einfach nur von den Socken gehauen. Mir ging es beschissen, bevor ich die Songs gehört habe. Aber danach war alles einfach nur noch halb so schlimm.
Mein absoluter Favorit der EP ist obviously „PANIK“, weil er durch seine Gegensätzlichkeit ganz spielerisch und wie von allein Freud und Leid miteinander verbindet. Er zeigt ganz wunderbar, dass man dem Leid auch immer etwas Positives abgewinnen kann, auch wenn’s schwer fällt. Und weil er einfach ein absoluter Hit ist, ich Anoki total feier und dieses Feature mich einfach nur glücklich macht. Nicht mehr und nicht weniger.
Die Intention hinter allem, nämlich den offenen Umgang mit dem Thema Panikattacken bzw. mental health im Allgemeinen zu fördern und den Diskurs voranbringen, kann für uns alle, ob betroffen oder nicht, nur förderlich sein. Und ich bin mir sicher, dass Kaltenkirchen mit „PHASE 1“ wieder ein paar mehr Menschen an die Hand genommen hat. Mich allemal.
Und übrigens, noch eine kleine Bitte: Ihr könnt aktuell beim österreichischen Radiosender FM4 die Neuvorstellungen für die FM4 Charts wählen. Und nu ratet mal, für welches tolle Feature ihr da abstimmen könnt? Exakt. Einfach hier klicken und etwas Gutes tun. Danke!
Wer jetzt die „PHASE 1: PANIK“-EP von Kaltenkirchen hören möchte, der kann das hier tun:
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Unser Lieblings-Antischlager Kaltenkirchen hat seine neue Single „Trocken“ veröffentlicht, mit der er auf das auch ihn betreffende Thema Panikattacken aufmerksam macht. Die hard facts zum Song erfahrt ihr jetzt vom Kaltenkirchen-Fan der ersten Stunde, Jule.
Es gibt so Nachrichten, über die freut man sich einfach mehr als über andere. „Hey Jule, am 16.10. erscheint eine neue Kaltenkirchen-Single“ gehört eindeutig dazu. Auch wenn das Thema des Songs, ihn quälende Panikattacken, nicht das Erfreulichste ist, ist es doch umso schöner, dass Kaltenkirchen mit seiner Musik darauf aufmerksam machen will. Um den offenen Umgang damit und mit psychischen Erkrankungen im Allgemeinen zu fördern und Betroffenen zu sagen: „Du bist nicht allein“.
Hoffentlich bald wieder trocken, runter von dem Scheiß
Schon mit der ersten Sekunde des Songs, der mit panischem, schwerem Atmen von Kaltenkirchen beginnt, wird mir ein bisschen anders. Ich muss dazu sagen, dass ich riesengroßes Glück habe und von psychischen Erkrankungen bisher verschont wurde. Ich kann diese Gefühle daher nicht nachvollziehen, versuche aber bestmöglich, sie zu verstehen. Der einsetzende und sich durch den Song ziehende Beat, der wie ein heftiger Herzschlag klingt, gibt mir irgendwie ein beklemmendes Gefühl. Ich kann das, was Kaltenkirchen mir im Interview zu seiner letzten Single „Gehst Du Davon“ über seine Panikattacken erzählt hat, plötzlich irgendwie spüren. In „Trocken“ behandelt er aber nicht nur die Panikattacken selbst. Sondern auch das auf Psychopharmaka angewiesen sein. Von den Medikamenten, die ihm helfen, diese Phasen zu überstehen. Von denen er aber dennoch lieber gestern als heute wieder loskommen möchte. Um sein Leben wieder selbstbestimmt und bestenfalls ohne Panikattacken zu leben.
„Ich wach’ auf, schweißgebadet, sehe Dinge, die nicht da sind. Das Szenario, ein Betrug. Bin auf kaltem Entzug.„
Auch soundtechnisch hört man Kaltenkirchen an, dass er sich gerade in einer neuen Phase seines Lebens befindet. Oder in einer, in der er sich schon lange befindet, es jetzt aber erst akut bemerkt. Im oben schon angesprochenen Interview hat er erwähnt, in letzter Zeit viel Kummer gehört zu haben. Yes, diese Inspiration kann man gut raushören. Die von ihm gern genutzten und von Produzent Niklas Pichler mal wieder vorzüglich in Szene gesetzten Synthies erzeugen inzwischen aber eine andere, weniger liebliche Atmosphäre. Selbst ohne Gesang hört man dem Sound sehr Schwermütigkeit an.
Psychische Erkrankungen, die tausend Gesichter haben können, werden heutzutage noch immer gerne totgeschwiegen. Ich zitiere Kaltenkirchen einmal, weil den Nagel bereits selbst auf den Kopf getroffen hat: „Bei Problemen mit der Leber oder einem gebrochenen Bein geht man ja auch zum Arzt, aber scheut sich davor, sich bei psychischen Problemen behandeln zu lassen. Dabei ist das völlig normal und sollte auch viel transparenter besprochen werden“. Mit genau dieser Attitüde sollten wir alle durch’s Leben gehen. Haltet die Augen offen. Achtet auf eure Mitmenschen. Und vor allen Dingen: Achtet auf euch selbst und auf die Zeichen, die euer Körper euch gibt. Schämt euch nicht, wenn es euch nicht gut geht. Schämt euch für nichts. Denn dieses Thema darfnicht länger ein Tabu sein. Und Kaltenkirchen hat mit Trocken vielleicht einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Enttabuisierung gemacht. Danke.
Hier könnt ihr euch auch gerne noch das Musikvideo zu „Trocken“ anschauen, viel Spaß:
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Am 27.12.2019 veröffentlichte Kaltenkirchen das Debüt-Album „Im Namen der Liebe„. In 11 Songs werden wir mitgenommen auf eine Reise in die 80er, voll von Liebeskummer und Verlusten, am Ende aber irgendwie auch Zuversicht. Die komplette Albumreview von Jule lest ihr hier.
Ich war 2019 wohl auf kein Debüt mehr gespannt als auf das von Kaltenkirchen, formally known as Philip Maria Stoeckenius. Vollständigerweise möchte ich hier aber auch Niklas Pichler, der sowohl Ein-Mann-Liveband als auch Produzent ist, erwähnen. Denn die beiden sind gemeinsam Kaltenkirchen.
Mit „Liebe auf dem Klavier“ starten wir die Platte. Der Song handelt von einer leidenschaftlichen Romanze, die zu einer tiefen Verbindung verschmelzen zu scheint. Bis man merkt, dass die andere Person es irgendwie doch nicht so ernst meint. Kaltenkirchen singt mit solch einer Dramatik, dass ich das Gefühl habe, dass er diese Geschichte nicht nacherzählt, sondern genau in diesem Moment erlebt. Mit all der Liebe und all dem Schmerz. Das nicht weniger dramatische Instrumental da sein Übriges.
Weiter geht’s mit „Die Lichter„. Und da passiert es: Ich frage mich ernsthaft, ob Kaltenkirchen uns eigentlich alle verschaukeln will. Ich bin mir während „Die Lichter“ sicher, dass er eigentlich bereits 50 Jahre alt ist und nun die Hits, die er als Jugendlicher 1986 geschrieben hat, unters Volk bringt. So authentisch 80er klingt der Sound für mich – und als im Jahr 1992 Geborene weiß ich genau, wovon ich spreche. Zweiter Song des Albums und ich bin überaus positiv überrascht. So kann es weitergehen.
Vorsorglich schon einmal tief durchatmen…
„Du und Ich (1990)“ ist wahrscheinlich der Song, vor dem ich am meisten Respekt hatte. Via Instagram hat Kaltenkirchen erzählt, dass es um seine Eltern geht, die 1990 die Fehlgeburt des dritten Geschwisterkindes zu verkraften hatten. Schluck. Schwere Kost. Und da Kaltenkirchen mir seine Songs bisher mit 300 % Leidenschaft vorgesungen hat, befürchte ich hier gleich einen mental breakdown.
„Du trägst die Frucht unserer Zweisamkeit in deinem Bauch. Die Engel nehmen sie dir weg. Du nimmst es wahr wie im Rausch. Du versucht es dir zu erklären, warum das Kind in dir starb. Ich nehme dich bei der Hand, bis dort wo nochniemand war.„
Ich lasse diese Zeilen einfach mal so stehen. Höchst aufgewühlt bin ich, dieses Lied ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Ich hoffe wirklich, dass der nächste Song mich wieder bisschen runterholt.
Track 4 des Albums ist (zum Glück) der Gassenhauer „Harry Haller„, den viele von uns wohl besonders nach dem Video mit Mia Morgan und Drangsal lange im Ohr hatten. Ihr wisst schon, „zwei Seelen kämpfen in meiner Brust“. Gute Texte brauchen nicht immer eigenen Hirnschmalz. Manchmal ist es auch schön, die Lyrik eines anderen zu verwenden. Die von Goethe zum Beispiel. Den hat Kaltenkirchen hier nämlich zitiert. „Harry Haller“ ist wahrscheinlich sein Signature Song, der (hoffentlich) vielen Leuten Bock auf seine Musik gemacht hat. Ich jedenfalls singe jetzt für die nächsten Tage wieder leise „zweiiiisaaaam ist besser als einsam“ vor mich hin.
Kaltenkirchen, we’re going down…
Der nächDer nächste Song heißt Phase Null und ist wohl der seelische Tiefpunkt dieses Albums. Es geht um jemanden, der offensichtlich gerade nicht so ‘ne geile Zeit hat. Ob Philip hier von sich selbst erzählt? Er hat schon öfter erzählt, dass Kaltenkirchen das Ventil für seine eben kalte und depressive Seite ist. Trotz des schweren Themas ist der Synthie-Sound in Phase Null (wie bei allen Songs bisher) sehr melodisch und energiegeladen. Ich habe im Moment eine ziemlich gute Zeit. Vielleicht konzentriert sich mein Kopf deshalb auch eher auf den Beat, als auf den Text, der aber auch wieder unschlagbar ist:
„Und die Zynik lässt dich immer tiefer fallen und vernebelt den Verstand. Denn du hast dich im Verharren und im Trinken in der Nichtigkeit verrannt.„
Ob Philip hier von sich selbst erzählt? Er hat schon öfter erzählt, dass Kaltenkirchen das Ventil für seine eben kalte und depressive Seite ist. Wenn das so sein sollte, dann hoffe ich jetzt einfach mal, dass aus Phase Null inzwischen Phase Hundert geworden ist.
In „Die Wolke“ werden sich wahrscheinlich sehr viele Leute wiedererkennen (und es nicht zugeben). Wir, die wir in einer Gesellschaft leben, in der uns unser Look auf Social Media oft wichtiger ist, als das Wohlergehen unseres Gegenübers in der realen Welt. Kaltenkirchen kritisiert hier lautstark unsere gesellschaftliche Entwicklung. Diese Kritik wird eingehüllt vom einem heftigen 80er-Pop-Sound, der super innovativ klingt. Ich möchte dieses Lied einfach ganz doll umarmen!
Ich bin voll und ganz begeistert
Im ersten Moment hat mich „Gib mir Deine Hand“ geschockt. Kaltenkirchen haucht mir hier im feinsten ASMR-Style ins Ohr. Gänsehaut. Aber nicht die gute, sondern die komische. Ich gewöhne mich aber zum Glück schnell daran. Der Song baut sich auf zu einem melodischen Meisterwerk. Textlich wieder ziemlich dunkel, aber für mich ist „Gib mir Deine Hand und lass dich von mir ziehen“ einfach einer der aufmunternsten Sätze, die man einem anderen sagen kann. Der prägnanten E-Gitarren-Riff in diesem Song gefällt mir auch richtig gut. In Kombination mit der Chipmunk-Stimme (das nennt man seit 2005 nicht mehr so, oder?) ist das ein Song, der etwas vereint, was meine Ohren so noch nie gehört haben.
Von Song zu Song werde ich betrübter, weil ich mich langsam dem Ende nähere. Und auch „Testosteron“ enttäuscht mich nicht. Die Synthies in diesem Song gefallen mir bisher am besten von allen. Hier fällt mir zum wiederholten Male auf, dass ich die Wortwahl in den Texten von Kaltenkirchen wirklich unfassbar bewundere. Ich fühle die Hin- und Hergerissenheit mit jeder Sekunde des Songs mehr.
In „Wir sind das Volk“ geht es um den oftmals schwierigen Grat von Toleranz zu Akzeptanz. Das Gefühl, alles umkrempeln und ändern zu wollen, aber nicht bei sich selbst anzufangen. Textlich ist dieses Lied einfach ein Hinhörer für alle New-Wave-Lover. Undd auch hier triggert er mich wieder mit den Emotionen in seine Stimme – ich möchte einfach mit ihm auf den Tisch hauen.
Kommen wir zum Titelsong der Platte, der an vorletzter Position des Albums gelandet ist: „Im Namen der Liebe„. Viele von uns kennen das. Man liebt, obwohl man weiß, dass es keine Zukunft haben wird. Trennen wir uns aber dann? Nö, oftmals nicht. Anders hier: Es wird bemerkt, dass man nicht mehr so begehrt wird, wie es einmal war.
„Im Namen der Liebe verlasse ich dich. Nicht weil ich das so möchte, es ist die Pflicht die aus mir spricht.„
Auch bei diesem Song fällt mir wieder auf, wie sehr ich Freud und Leid in Kaltenkirchens Stimme hören kann. Er catcht mich damit wie kaum ein anderer.
Kommen wir zum letzten Song: „Demonstration“. Dieser ist ein reines Instrumental. Ich kenne mich in der elektronischen Musik nicht so gut aus, aber sind das Technobeats? Wie auch immer. Ich feier es irgendwie. Guter Song für mich, um nach dem emotionalen Auf und Ab wieder runterzukommen.
Fazit
Ich war super gespannt und hatte daher irgendwie aus Versehen auch ziemlich hohe Ansprüche. Ich mag Philip als Typen total gerne und meine zu wissen, was für ein kreativer und schlauer Kopf er ist. Und was soll ich sagen: Ich bin absolut hyped mit diesem Album. „Im Namen der Liebe“ ist für mich eines der besten Debütalben ever. Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal auf Niklas Pichler zurückkommen, der als Produzent unfassbar gut abgeliefert hat.
Alle Songs erzählen auf wunderschön lyrische Art und Weise die bittersüßen Aspekte der Liebe, des Lebens und des Seins. Ohne mich jedoch mit einem schlechten Gefühl in den Tag zu entlassen. Ganz im Gegenteil. Durch die dynamischen Beats und den vielen unterschiedlichen Synthie-Sounds verkauft Kaltenkirchen geschickt seine durchaus kritischen und kompromisslosen Texte. Irgendwie hat er etwas erschaffen, was (jedenfalls in meiner Bubble) bisher noch nicht dagewesen ist.
Und wer es bisher nicht getan hat und textsicher werden möchte, der kann sich hier das komplette Album anhören:
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Was sich musikalisch manchmal wie ein wirrer Fiebertraum anfühlt, folgt einem klaren Konzept und einer wahren Geschichte. Im Oktober veröffentlichte SERPENTIN ihre EP Sturm & Drang. Auf fünf außergewöhnlichen und eindrucksvollen Tracks fesselt die Musikerin ihre Hörer*innen und zeigt ihnen eine sehr persönliche Gefühlswelt. Hier häufen sich angestaute Emotionen an und werden hinaus in die Welt getragen. Und das macht SERPENTIN auf eine sehr eigene Art und Weise, die für mich mindestens im deutschsprachigem Raum keinen Vergleich findet. Elektro trifft auf Indie und tiefe Worte. Mal dunkel und zerrend, mal befreiend und ergreifend. Hinter dem gedanklichen Nebel, der durch die Songs erzeugt wird, steckt wahnsinnig viel Feingefühl für Ausdruck. Textzeilen, bei denen ich jedes Mal das Gefühl habe, ich müsste nun die Luft anhalten. Die Songs scheinen vor aufgeladener Energie in alle Richtungen überzulaufen, aber werden nie zu viel.
Zwar gehörte dieser nicht zum Konzept der EP, jedoch veröffentlichte die Musikerin aus Hannover mit Alles Scheisse dieses Jahr einen Sommerhit mit Antihaltung. Damit bewies sie, dass sie trotz aller Dramaturgie und Ernsthaftigkeit auch ihre selbstironische Seite in Songs verarbeiten kann. Auch die Single Blaugrau, die vor Kurzem zusammen mit Toni Vice und Fleggo veröffentlicht wurde, ist mindestens genauso gut wie die darauf folgende EP. Irgendwas an SERPENTINs Musik fasziniert mich einfach. Ihre besondere Art zu singen kombiniert mit schiebenden Beats? Oder dass ihre Texte nie gänzlich preisgeben und festlegen, was geschieht und dennoch voller Persönlichkeit sind? Ihre Livepräsenz aus der man spürt, wie viel Kraft in der Musik steckt? Es ist wahrscheinlich genau das Zusammenspiel aus all dem.
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Dascha: Hi, magst du dich mal vorstellen für Leute, die dich vielleicht noch nicht kennen?
SERPENTIN: Ich bin SERPENTIN, ich bin 26 Jahre alt und bin Indie-Elektro Solo-Künstlerin mit deutschen Texten. Ich mache eigentlich schon mein Leben lang Musik. Ich mach einfach das, was ich fühle. Das ist manchmal sehr dramatisch und manchmal eher selbstironisch. Jetzt gerade passiert ganz viel bei mir.
Dascha: Ja genau. Passend dazu: Du hast vor kurzem deine EP Sturm & Drang veröffentlicht. Wie geht es dir damit sie mit der Welt geteilt zu haben?
SERPENTIN: Wahnsinnig gut. Es ist eine extreme Erleichterung. Im Dezember 2020 habe ich angefangen diese EP zu planen zusammen mit meiner besten Freundin und Productionmanagerin Fiona. Zwischendrin hab ich nicht geglaubt, dass ich es durchziehen werde, deshalb bin ich übelst happy damit, dass ich es jetzt geschafft habe. Ich bin auch erleichtert, dass ich dieses Kapitel jetzt abschließen kann und weiter machen kann. Da bin ich sehr stolz darauf.
Dascha: Zurecht! Was waren für dich die größten Herausforderungen und was war nur schön?
SERPENTIN: Die größte Herausforderung kann man in zwei Dinge aufteilen. Das erste, ohne Erfahrung, ohne jemals eine EP gemacht zu haben. Diese ganze Produktion, das alles zu planen. Das alles beisammen zu halten und durch zu ziehen war eine riesige Herausforderung. Und die zweite große war das Kapitel in meinem Leben, worüber ich geschrieben habe, zu thematisieren. Sturm & Drang ist ja eine Konzept-EP, die von Anfang bis Ende erzählt was ich in einer Spanne von vier bis sechs Jahren erlebt habe. Es war eine wahnsinnige Herausforderung diese Gefühle und diese Erlebnisse so zu verarbeiten, dass sie in Songform verpackt werden konnten. Es war natürlich wahnsinnig schön, aber ich fand es auch schwer diese Dinge so ehrlich auf den Punkt zu bringen. Das aller schönste daran war aber gleichzeitig diese Sachen so aus mir raus zu holen und alles nach meinen Vorstellungen zu verpacken. Ich habe in dem Prozess so viel über mich gelernt und an Selbstbewusstsein gewonnen. Und das EP Releasekonzert. Das war echt eins der geilsten Dinge daran, es war einfach ein perfekter Abend. Das hat uns auch noch mehr Stolz, Zusammenhalt und Selbstbewusstsein innerhalb des Teams gegeben.
Dascha: Wie schön! Und wie ist das Konzept der EP entstanden? Hast du die Songs auch so chronologisch geschrieben?
SERPENTIN: Die Songs habe ich tatsächlich in der Reihenfolge geschrieben, in der sie jetzt auf der EP sind. Weil ich habe jeden Song in der Situation, in der ich sie erlebt habe, geschrieben. Bei der Geschichte handelt es sich um eine toxische Beziehung, in der ich mich befunden habe, daraus und wieder zurück zu mir. Diese Beziehung steht eigentlich symbolisch nur für den Höhepunkt, der sich über Jahre in meinem Leben angebahnt hat. Ein dunkler Ort, an dem ich mich dann befunden habe, nachdem ich mein Leben lang schon mit ganz vielen Dingen gestruggled habe. Zu dieser Zeit hat sich alles zugespitzt. Ich habe Sintflut als aller erstes geschrieben, Anfang 2018 als ich in dieser Beziehung war. 16mm als diese Beziehung immer schlimmer wurde. Adrenalin verarbeitet noch einen anderen Aspekt der Beziehung, der mich sehr geprägt und traumatisiert hat. Danach kam ich eben raus aus dieser Beziehung und habe mich mit der Außenwelt mehr konfrontiert gesehen. Ich habe realisiert, dass andere Beziehungen zu anderen Menschen danach auch ganz anders funktionieren. Da hab ich Sie mich an geschrieben.
Am Ende kommt eben Kreise, wo ich dann 2019 an so einem Punkt war, an dem ich mich befreit habe von all dem. Die Songs existierten also schon vor der EP, ich habe sie auch schon unter meinem alten Künstlerinnenamen live gespielt. Ich habe mich eigentlich schon lange mit dem Gedanken auseinander gesetzt, dass das alles zusammen gehört und ich das zusammen halten möchte. Dann hab ich mich mit Fiona hingesetzt, ihr diese Songs gezeigt und dazu erzählt, was ich in dieser Zeit erlebt hab. Und was das für mich bedeutet. Damit haben wir eben beschlossen, dass das eine EP werden muss und wir diese Geschichte so erzählen, wie es passiert ist. Mit den Singles haben wir ja am Ende angefangen. Das Konzept war, Kreise kommt als erstes raus. Der Befreiungsschlag ist also das erste, was man davon mitbekommt und dann gehen wir immer tiefer rein zurück in das Rabbithole. So war es ja für mich auch, dass ich mich im nachhinein wieder damit auseinandersetzen musste und zurückgehen musste an den Anfang. Das war sehr sehr spannend. Ich muss sagen, es war emotional sehr anstrengend, aber wahnsinnig heilsam. Ich hab nach diesen Erfahrungen sehr lange an meinem Selbstwert gestruggled. Es hat mir sehr geholfen, das jetzt darin zu verarbeiten und in meinem Kopf in Einklang zu bringen. Einfach damit loszulassen.
Dascha: Ist es dir denn schwer gefallen während so einer schwierigen Zeit kreativ zu sein?
SERPENTIN: Mittlerweile ist mir aufgefallen, dass es mir leichter fällt über Dinge zu schreiben bei denen es mir schlecht geht, wenn es mir wieder besser geht. Ich habe das Schreiben damals als Überlebensstrategie genutzt. In einer Situation, in der du dich ständig mit einer Gefahr oder Bedrohung konfrontiert siehst, findet jeder Mensch Strategien sich über Wasser zu halten. Ich denke jeder Mensch, der mal in einer toxischen Beziehung war, wird das Gefühl kennen, dass man eigentlich die ganze Zeit im survival mode ist. Über diese Situation zu schreiben war meine Strategie das irgendwie auszuhalten. 16mm, Sintflut und Adrenalin habe ich geschrieben um meinen Gefühlen einen Platz zu geben. Und auch, um etwas zu haben, woran ich mich festhalten kann. Sieh mich an und Kreise sind dann als Verarbeitungsstrategie. Nach dieser Beziehung habe ich realisiert „Okay, es gibt eine Welt da draußen. Und die ist anders als dieses Vakuum, in dem ich gelebt habe.“
Bei der Aufarbeitung für die EP habe ich zum Beispiel Adrenalin und 16mm nochmal überarbeitet. Weil ich gemerkt habe, dass ich in der Zeit, in der sie entstanden sind, noch nicht zu 100 Prozent ehrlich zu mir sein konnte. Das war mir wichtig, aber das fand ich wahnsinnig schwer. Vor allem 16mm hat mich extrem gefordert. Ich hab mich vor dem Studiotermin eine Woche in meinem Zimmer eingeschlossen. Kein Scheiß, ich hab mich in den Tagen morgens an den Laptop gesetzt und mich bis ich schlafen gegangen bin damit auseinandergesetzt. Ich hab quasi mit meinen Dämonen gekämpft. Das war aber auch notwendig. Ich hab seitenweise runtergeschrieben, meine Erinnerungen aufgeschrieben, Konversationen mit meinem damaligen Ich aufgeschrieben. Ich bin stolz, dass ich mich da durchgekämpft habe und Sachen aufgeholt habe, die auf dem Weg liegen geblieben sind.
Dascha: Aber wie toll, dass daraus dann so etwas schönes entstehen kann.
SERPENTIN: Ja, voll. Ich glaube man hört den Heilungsprozess, den ich ganz bewusst durchgemacht habe, in der EP sehr gut.
Dascha:Ja, das stimmt. Und was erhoffst du dir, was die EP in Hörer*innen auslösen wird? Ist ja schließlich ein schwieriges und sehr persönliches Thema.
SERPENTIN: Spannende Frage. Mein Umgang mit der Veröffentlichung von Musik besteht daraus, dass ich die Musik release, die mir viel bedeutet, aber was andere damit machen geht mich nichts mehr an. Ich lasse gerne die Freiheit eigene Gefühle in meine Musik hinein zu projizieren. Aber ich wünsche mir natürlich, dass Menschen, die ähnliche Erfahrungen haben oder sich noch in so einer Situation befinden, dadurch hören, dass es möglich ist wieder zu sich zurück zu kommen. Und dass man, egal wie verloren man sich fühlt, man selbst nie zu 100 Prozent verloren ist. Man findet sich immer wieder. Auf einer weniger traumatischen und tieferen Ebene wünsch ich mir einfach, dass die Songs Menschen begleiten. Dass sie eine Connection dazu aufbauen und die Songs sie begleiten und bewegen.
Dascha: Wie war deine musikalische Reise seit dem Release von Kreise Anfang 2021? Was war die schönste Entwicklung für dich?
SERPENTIN: Die Reise war extrem wild. Ich hab viel gewünscht und gehofft, aber es ist trotzdem ganz anders gekommen. Aber trotzdem genauso schön! Und das aller Schönste war… ich könnte jetzt sagen, die ganze Aufmerksamkeit, die ich durch Alles Scheisse bekommen habe. Aber ich glaube das aller Schönste ist mein entwickeltes Selbstwertgefühl. Denn ich habe viele Prozesse durchgemacht, in denen ich mich selbst hinterfragen und neu anordnen musste. Ich hab das Gefühl ich weiß jetzt wer ich bin und was ich machen möchte. Und ich habe zu schätzen gelernt, wozu ich fähig bin und dass ich sehr stolz auf meine Künstlerinnenseele bin und da dahinter stehe. Jetzt kann ich zurückblicken und weiß, ich hab für mich alles richtig gemacht. Und was auch eine sehr schöne Entwicklung ist, ist dass ich so eine Fanbase gewonnen habe. Dass die Leute wirklich Lust darauf haben mich zu supporten und sich mit mir zu connecten. Ich kriege so viele schöne und persönliche Nachrichten. Das ist so eine wahnsinnig schöne Sache, dass es nicht nur Leute gibt, die vorbeikommen und kurz gucken, sondern auch bleiben.
Dascha: Das ist echt schön! Jetzt wo du Alles Scheisse erwähnt hast: Magst du nochmal erzählen, wie der Song entstanden ist und wie er released wurde?
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SERPENTIN: Sehr gerne. Also ich schreibe ja zwischendrin immer Mucke in meinem Home Setup hier. Immer, wenn irgendwas raus muss. Alles Scheisse ist an einem Tag entstanden, an dem ich extrem PMS hatte. Ich hab dieses Jahr sehr viel mit PMS gestruggled und hab mich sehr viel mit Emotionsregulation auseinandergesetzt. Dabei habe ich auch gemerkt, dass ich von meinen Gefühlen oft sehr stark überwältigt bin. Ich saß hier genau in diesem Sessel und war extrem abgefuckt. Ich dachte nur „Das kann doch nicht wahr sein, dass ich so scheiße gelaunt bin?“ Das war der Modus, dass ich alles hasse und es hasse, dass ich alles hasse. Das kennen bestimmt mega viele FLINTA-Personen, die starkes PMS haben. Es ist so nervig, weil man einfach nichts daran ändern kann, dass man sich so fühlt. Dann hab ich hie ganz wütend diese Songskizze in meinen Laptop gekloppt. „Das reicht jetzt, ich hab keinen Bock mehr nur zu schmollen“, so war das. Dann habe ich ein paar Tage später das Reel dazu gemacht. Das habe ich einfach nur gemacht, weil ich’s witzig fand und mich beschäftigen wollte. Beim aufnehmen und schneiden hab ich mich so kaputt gelacht. Das hat mir dann etwas Freude zurückgegeben. Nach dem Posten ist das plötzlich eskaliert und hatte so 30.000 Aufrufe, das ist mir noch nie passiert.
Mir haben täglich Leute dazu geschrieben, dass ich den Song releasen soll und mich richtig gepushed. Noch an dem Tag, an dem ich das Reel gepostet habe, hab ich den Song fertig produziert. Ich hab mich so motiviert von den Leuten gefühlt. Danach hatte ich die Skizze rumliegen und dachte okay, das wird jetzt noch so lange dauern, bis ich ins Studio gehe und alles endgültig fertig wird. Ich war mit Leuten aus meinem Umfeld, Toni Vice und Crystal F im Studio. Sie waren total begeistert und Crystal F meinte, den kann ich genau so rausbringen. Ich dachte, da muss safe noch drüberproduziert werden. Aber nein, er meinte der Song wäre perfekt, so wie er ist. Ich war total überrascht. Das hab ich dann genau so einfach so schnell es geht rausgebracht. Es war super spontan und ich hab meinen Perfektionismus dafür abgelegt. Und jetzt ist das mein erfolgreichster Song bisher. Dadurch habe ich zum ersten Mal gemerkt: ich bin eine gute Produzentin. Ich habe dadurch gelernt, dass Perfektionismus nicht immer der richtige Weg ist. Manchmal muss man einfach machen.
Dascha: Richtig gute Mischung, PMS und die Kraft von Social Media, haha. Einige meiner Freund*innen, die den Song auch gefeiert haben, meinten das sei der Sommerhit 2022. Obwohl es ja eigentlich alles andere als ein happy Sommerhit ist. Aber ich liebe diesen Kontrast!
SERPENTIN: Eben, das find ich auch geil an dem Song. Man bringt einen Song raus und die Leute machen dann mit dem Song, was sie wollen. Ich find’s mega cool, dass das so ein Sommer-Banger geworden ist, obwohl es der schlechtgelaunteste Song ever ist. Aber das passt zu mir, weil ich immer so viele Gleichzeitigkeiten aushalte. Es ist alles scheiße, aber scheiß drauf, ich feier es, dass alles scheiße ist.
Dascha: Voll! Ich glaube das ist deswegen auch sehr relatable für viele Leute. Generell ist deine Musik ja sehr elektronisch. Hörst du selbst viel elektronische Musik?
SERPENTIN: Ja, absolut. Meine absolute Lieblingsband und meine größten Vorbilder sind Moderat. Ich hatte auch das große Glück sie dieses Jahr in Berlin live zu sehen, das war eine spiritual Experience. Ich hör Kaltenkirchen und Thom Yorke viel. Boy Harsher, STOCKMANN. Ich hör zwischendrin aber auch viele random einzelne Songs. Zum Beispiel photosynthese von Dilla feier ich gerade. Es ist viel Elektronik dabei, zwischendrin auch Bandmäßiges. Auch rockiges, ich komm musikalisch ja eigentlich aus dem Metal. Ich hab lange in einer Metalband gesungen. Deswegen schlägt mein Herz auch für sowas. Mit 15-16 hatte ich meine erste Band. Nothing but Thieves ist eine meiner Lieblingsbands. Aber am liebsten hör ich trotzdem elektronische Musik, ich finde das ist so ein diverses Genre.
Dascha: Kannst du auch screamen?
SERPENTIN: Ja, eher schlecht aber, ja. (lacht) Ich hab es immer versucht, aber es nie geschafft das gesund zu machen. Das kann ja auch wahnsinnig gefährlich sein, wenn man das unprofessionell anstellt. Aber ja, eigentlich kann ich es schon, auf meinen Konzerten schrei ich auch oft ein bisschen rum. Ich hab dann ein paar Jahre in dieser Hobby Metal Band gesungen. Aber als es sich herauskristallisiert hat, dass ich das beruflich machen will, sind die Kapazitäten und Wege auseinander gegangen. Das war aber parallel, weil ich produzier elektronische Musik auch schon seit ich 14 bin. Ich hatte früher aber nie das Selbstbewusstsein zu denken, dass ich das richtig kann.
Dascha: Sehr cool! Was für Träume und Ziele hast du für deine musikalische Laufbahn noch?
SERPENTIN: Meine oberste Priorität ist, dass ich immer glücklich und zufrieden bin mit dem, was ich mache. Ich weiß, das klingt ein bisschen Wandtattoo-mäßig. Ich will, dass ich immer erfüllt bin von dem, was ich tue. Andere Ziele sind ein Album rauszubringen und Vinyls und CDs zu veröffentlichen. Oder auch eine eigene Tour zu spielen. Das sind Meilensteine, die ich mir gesetzt habe. Das sind meine Träume und ich glaube, dass ich auf dem Weg dorthin bin.
Dascha: Safe, ich glaube auch. Dann kommen wir zur letzten Frage. Das ist bei uns eine untold story, also ein kleines Geheimnis oder eine Geschichte, die du noch nicht öffentlich erzählt hast.
SERPENTIN: Ich glaube, was viele Leute nicht über mich wissen ist, dass ich 10 Jahre Akkordeon Unterricht genommen habe. Ich besitze auch selbst zwei Akkordeons. Das ist ein Teil meiner Persönlichkeit, der leider ganz wenig Platz bekommt.
Dascha: Geil, dann hast du ja alle gefühlt alle Genre abgedeckt: Elektro, Metal, Volksmusik.
SERPENTIN: Ja, voll. (lacht) Meistens habe ich russische, französische und bulgarische Lieder darauf gespielt. Tatsächlich bin ich in die Musikhochschule reingekommen, weil ich in der Aufnahmeprüfung Akkordeon gespielt habe.
Dascha: Mega cool! Danke für’s Teilen und für deine Zeit!
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Es ist wohl nicht mal mehr ein offenes Geheimnis, dass wir große Fans von Anoki sind. Nicht umsonst hat er es zwei Jahre in Folge in unsere artists to watch geschafft. Im April 2022 hat er nun seine EP „Irgendwann wird alles leichter“ veröffentlicht. Jule hat sich dazu Ende Mai mit ihm zum Brunchen getroffen, um über die zentralen Themen der EP – Rassismus, mentale Gesundheit und eine bessere Welt – zu sprechen. Das, und warum ihr Anoki in seiner freien Zeit zukünftig nur noch zu Wasser antreffen werdet, erfahrt ihr jetzt. Viel Spaß.
Anoki im Interview
Jule: Hey Anoki. Erst einmal freue ich mich stark, dass das heute geklappt hat. Wie geht’s dir?
Anoki: Mir geht es heute ausgesprochen gut, weil ich sitze jetzt hier mit dir, bei einem Kaffee und einem Croissant und das ist sehr schön. Mir geht’s wirklich gut. Wir sind gerade viel im Studio und machen eine neue Single für den Sommer fertig. Und der Sommer wird auch richtig gut, wir spielen viele Konzerte. Deswegen geht’s mir gerade… heute ist ein echt guter Tag, ja.
Jule: Das freut mich zu hören. Es ist jetzt knapp zwei Monate her, seit deine Platte „Irgendwann wird alles leichter“ erschienen ist. Ist für dich seitdem schon etwas leichter geworden?
Anoki: Ey, tatsächlich, also: Das Große und Ganze ist natürlich immer noch schwer. Aber diese Platte rauszubringen war für mich schon ein Schritt dahin, dass es leichter für mich ist, zu sagen: „Das ist, was ich mache, das ist die Musik, die ich mache,dafür stehe ich“. Das ist für mich auf jeden Fall immer ein großes Ding gewesen, zu Sachen richtig stehen zu können und in dem ganzen Wahnsinn, den wir jeden Tag zu tun haben, so eine Sache zu finden, die MEIN Ding ist. Ich habe in meinem Leben schon in super vielen unterschiedlichen Jobs gearbeitet. Aber das ist für mich eine so große Sache, dass es mir jetzt leicht fällt zu sagen, dass ich Musiker bin, das ist meine Musik, das ist mein Baby, da bin ich sehr stolz darauf – das ist schön.
Jule: Das war vorher anders?
Anoki: Ja, auf jeden Fall. Also jetzt nicht unbedingt, was den Musik-Anteil betrifft. Aber es ist ja trotzdem immer so, „Musik ist ja kein Job“. Bestes Beispiel: Stell dir vor, du bist auf einem Klassentreffen. Der eine sitzt im Autohaus, die andere arbeitet bei der Sparkasse. Dann gibt es vielleicht welche im Studium oder so, aber alle können handfest erzählen, was sie in ihrem Job machen, wie viel sie im Monat verdienen, dass sie sich irgendwo ein tolles Haus hingestellt haben. Und dann saß ich dabei und dachte mir „Ja keine Ahnung, ich mache halt Musik“. Da kommen dann natürlich die immer gleichen Fragen. Ich hatte da oft nicht die Energie, alles immer wieder zu argumentieren und zu rechtfertigen, es kommt trotzdem immer wieder dieses „Ah, und kann man davon leben? Ah, und wie lange willst du das noch machen? Und wie ist das? Und ist der und die, sind die nett?“. Dann habe ich halt sowas wie „Aber ich studiere ja auch“ oder „ich arbeite da und da“ gesagt, obwohl das dann vielleicht gar nicht stimmte, aber ich hatte meine Ruhe. Das hat sich auf jeden Fall geändert, ich kann jetzt freier sagen „Hey, das ist meine Musik, da kannst du sie hören, viel Spaß“.
Jule: Ist das echt immer noch so, dass man so oft gefragt wird, ob man damit Geld verdienen kann?
Anoki:(lacht) Ja, aber man ist ja auch so ein bisschen in einer Bubble. Wir arbeiten in dieser Branche, für uns sind die Strukturen klarer. Aber ich vergesse oft, dass es immer noch ein Außen gibt, eine Welt, die damit gar keine Berührungspunkte hat. Und das ist dann so die Schwelle, da gibt es sehr viele offene Fragen. Ich kann mir vorstellen, was man macht, wenn man in der Sparkasse arbeitet. Aber viele können sich nicht vorstellen, wie das ist, einen Song zu machen oder sowas. Du machst ja als Musiker*in erstmal alles: Du fährst auf Konzerte, kümmerst dich um den ganzen Ablauf. Das fängt schon bei Bus-Miete an, bei der Kalkulation, kannst du das mit der Gage überhaupt fahren? Du hast eine Band, die musst du bezahlen. Dann musst du gucken, macht das strategisch Sinn, wenn ich jetzt dreimal hintereinander in Hamburg spiele? Und währenddessen solltest du auch noch neue Songs schreiben. Nicht zu vergessen, Social Media: wäre schon cool, wenn du noch bisschen mehr auf TikTok machst. Es ist halt ultra kleinteilig und die Aufgaben und ihre Gewichtung verändern sich ständig, je nach Jahreszeit. Wir merken gerade beide, es gibt da einfach viel zu erzählen und dementsprechend auch viele offene Fragen.
„Das alles kann Rap sein, das macht Spaß, es gibt Möglichkeiten“
Jule: Apropos nicht wissen, wie man einen Song macht. Lass uns doch ein bisschen über die Entstehung deiner Platte quatschen. Wie ist „Irgendwann wird alles leichter“ zu dem geworden, was es heute ist?
Anoki: Also, ich wollte schon sehr, sehr lange eine EP machen, das war der große Plan, für viele Jahre. Ich habe super viele Songs geschrieben und nichts davon rausgebracht, weil ich, wenn ich ehrlich bin, nie zufrieden war mit dem, was da entstanden ist. Irgendwas klang immer ein bisschen zu sehr nach dem oder die Inspiration war nicht weit genug von dem entfernt. Und dann kam 2020, Lockdown, Stillstand. Alles war leer, es gab keine Events, keine Produktionen mehr, es war alles auf Null. Im April 2020 war dann die erste Session für diese Platte und wir haben „Sie bauen eine Mall“ geschrieben. Wir haben Instrumente in die Hand genommen, wir haben das alles eingespielt und das war für mich so – das alles kann Rap sein, das macht Spaß, es gibt Möglichkeiten. Und das war so der zündende Funke für mich, die Blaupause, wie ich das machen möchte. Und dann habe ich das mit Tim Tautorat und Dennis Borger möglich gemacht. Wir haben uns fast jeden Tag im Studio getroffen und an den Songs gearbeitet. Der Bremshebel war umgelegt, es hat sich ganz intuitiv einfach alles zusammengefügt. Wir sind dann 5 Tage und Nächte in die Freudenhaus Studios gegangen, haben tonnenweise Equipment im Studio aufgebaut und aufgenommen. Irgendwann war das auf einmal alles da. Nach diesem jahrelangen Prozess war es einfach da.
Jule: Aber warum nennst du die Platte EP und nicht Album, es sind ja immerhin 9 Songs drauf.
Anoki:(lacht) Das fragen sich einige. Ich bin einfach mit dem festen Wunsch rangegangen, dass es eine EP wird. Weil das Thema „Album“, ich finde das sehr holy irgendwie. Und ich weiß, dass „Irgendwann wird alles leichter“ einfach eine EP ist. Auch wenn sie einen roten Faden hat, auch wenn sie soundästhetisch zusammenpasst, auch wenn die Geschichte zusammenpasst, der Titel das alles zusammenfasst. Ich weiß, dass wenn ich das Album mache, dass das nochmal anders wird und ich weiß, dass es nochmal ein Schritt mehr wird. Ich wollte hier einfach auch ein paar Sachen ausprobieren so, weißt du? Bei einem Album möchte ich mir aber sicher sein, mit allem, was ich tue. Bei der EP bin ich mir im Nachgang auch sicher, aber der Weg dahin war super viel trial and error. Und jetzt weiß ich genau, wie ich möchte, dass das Album funktioniert.
Jule: Du hast gerade die zusammenpassenden Geschichten angesprochen. Deine Texte sind ja auch sehr intim, tun an den wichtigen Stellen weh, machen aber zum richtigen Zeitpunkt noch die Biege, sodass man gerade so nicht anfängt zu heulen. War es dir wichtig, dass die Platte diesen Funken Hoffnung behält? Sie ist ja schon sehr schwer, das muss man zugeben.
Anoki: Das hast du voll schön zusammengefasst, danke. Also der Titel alleine ist ja schon eine Kernessenz: Wir machen gerade so viel Scheiß mit, beißen uns irgendwie durch, weil wir alle davon ausgehen, dass es leichter wird. Sonst würden ganz viele Sachen auch gar nicht funktionieren. Ganz viele Leute könnten ihre schweren Jobs nicht machen und durch ihre schweren Tage kommen, wenn diese Hoffnung nicht da wäre. Und diese Perspektive zu haben, das ist der rote Faden der Platte. Ich habe genau das gesagt, was in mir vorgeht. Das sind oft sehr dunkle Sachen, aber wir haben die so in Instrumental-Gewänder eingebettet, dass es trotzdem irgendwie eine Leichtigkeit mitgibt. Es war eine krasse Challenge, aber ich finde, die Balance ist gut durchgekommen. Deswegen: Ja, war es mir sehr wichtig, dass diese Perspektive, das Leichte, auf jeden Fall fühlbar und erlebbar ist.
„Ich lege mich in die Sonne, lese ein Buch oder male irgendeinen Quatsch“
Jule: Du sprichst auch schon länger offen über Panik, Angst, Depression. Wie schaffst du es, dich selbst aus einem Loch rauszuholen? Ist das für dich auch die Musik oder gibt es auch andere Sachen, die dir helfen?
Anoki: Ich habe für mich rausgefunden, dass es mehr gibt als Arbeit. Guck mal, ich liebe ja, was ich tue und das macht mich immer happy. Das ist immer geil, aber es ist trotzdem alles Arbeit. Und rauszufinden, dass es auch andere Dinge gibt, die mich erfüllen können, die nicht Arbeit sind, also Sachen, die keinen verwertbaren Output haben: Ich lege mich in die Sonne, lese ein Buch oder male irgendeinen Quatsch. Das hat mir geholfen, nicht mehr in eine Panik reinzurutschen. Panik kommt bei mir immer mit einer ganz krassen Überforderung zusammen, wenn alles ballert und von allen Seiten über lange Zeit die Belastung hoch ist. Aber natürlich war das auch zwei Jahre Therapie. Das ist auf jeden Fall ein heißer Tipp für ganz viele Leute, auch wenn der Weg dahin super schwer ist – auch, sich das selbst einzugestehen. Es ist nicht normal, morgens aufzuwachen und müde zu sein oder abends im Bett zu liegen und Angst zu haben, dass es zu Ende geht. Nur mit einem guten Mindset und zu sagen „Ich mach Pausen und nur schöne Sachen“ ist eine Panikstörung oder Depression einfach nicht zu behandeln. Es ist einfach ein normales Krankheitsbild. Wenn du Rückenschmerzen hast, gehst du auch zum Arzt, das ist ganz normal. Aber eine Therapie nicht? Bestes Beispiel: Berufsunfähigkeitsversicherung. Kriege ich nicht, weil ich eine Therapie gemacht habe. Was zur Hölle ist das? Ich meine, ich gehe doch zur Therapie, damit ich noch ein bisschen mehr vom Leben habe und eventuell auch länger dabei bin. Aber für solche Versicherungen ist das einfach ein Ausschlusskriterium, da bist du einfach raus. Das ist doch nicht normal. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der das normal ist, ich möchte darüber offen sprechen können und nicht dafür bewertet und absolut nicht institutionell bewertet werden. Das finde ich ganz, ganz furchtbar.
Jule: Auch ein großes Thema der EP ist Rassismus, dem du selbst ausgesetzt warst und bist, dem andere ausgesetzt sind. In „Schüsse“ geht es um den Anschlag in Hanau am 19.02.2020 – einer von vielen, das muss man ja leider auch einfach mal sagen. Begleitet und beeinflusst dich sowas in deinem täglichen Leben?
Anoki: Auf jeden Fall, ja, klar. Das ist aber auch super vielschichtig. Ich komme ja aus einer Kleinstadt, bin in Bayern aufgewachsen und da habe ich das tagtäglich, physisch und psychisch, erlebt. Ob Polizei, Lehrkräfte, Mitschüler*innen, das war Gang und Gebe. Es gibt einfach hierarchische Strukturen, die sich aufbauen und oben stehen einfach selten Leute, die Migrationserfahrung haben. Kennst du diese Racial Stress Theorie? Durch das Aufwachsen in diesen Strukturen ist dein Stresslevel grundlegend einfach höher, weil du immer eine Bedrohungssituation siehst. Du bist einmal am „falschen Ort“ und bekommst die Fresse poliert. Das passiert dir ein-, zweimal. Dann siehst du eine Person, die sieht aus wie die, die dir das angetan hat. Das könnte jetzt also wieder eine Gefahrensituation sein. Damit ist dein Stresslevel ist die ganze Zeit angespannt. Ich war dann immer so, ich bin jetzt extra nett zu Leuten, ich spreche extra gut Deutsch mit ihnen, damit die sehen, okay, der ist gut integriert, bla bla bla. Das lässt sich auch direkt zusammenführen mit dem Thema Depression und Angststörung – was ich eben ja schon erzählt habe. Es gibt tagtäglich solche Situationen, das ist ein großes Thema.
„Ich würde mir wünschen, dass es gerechter zugehen würde“
Jule: Wie würde eine bessere Welt für dich aussehen?
Anoki: Also ich würde erst einmal ganz viel umverteilen und viele Leute enteignen (lacht). Das war jetzt ein bisschen plakativ gesagt, aber Fakt ist: Vieles ist einfach super ungerecht. Viele unserer Sorgen, Ängste, Nöte und Krankheiten basieren darauf, dass jeder Tag ein Struggle ist. Wie zahle ich die Miete? Wie bringe ich meine Familie durch? Will ich diesen Job? Das fußt alles darauf, dass für viele Leute jeder Tag ein Kampf ist. Es gibt Menschen, die sind über 50 und müssen drei Jobs machen, um zu überleben, das ist doch geisteskrank. Man redet immer so über diese Leistungsgerechtigkeit – das ist ja so ein geiles Wort von neoliberal argumentierenden Leuten. Wenn du viel leistest, verdienst du viel. Ja, haben wir in den letzten Jahren ja gesehen. Wenn du im Krankenhaus auf der Intensiv arbeitest, dann leistest du anscheinend sehr wenig, weil du verdienst ja auch sehr wenig. Ich würde mir wünschen, dass es gerechter zugehen würde. Wir hätten ein viel längeres Leben, wenn Armut nicht tabuisiert wird, sondern normalisiert wird und wenn Programme greifen und nicht stigmatisiert werden. Ich glaube, das wäre eine gute Welt. Im Song „Irgendwann wird alles leichter“ habe diesen Ort in meinem Kopf gebaut. Wo es egal ist, welche Schuhe wir tragen. Wo es egal ist, wo wir herkommen.
Jule: Auch ein zentraler Punkt auf deiner EP ist das Fragen und Hinterfragen. Und du traust dich aber auch, manche Fragen unbeantwortet zu lassen, weil du sie gerade einfach nicht beantworten kannst. Bei mir ist beim Hören angekommen, dass du dir über sehr viele Sachen Gedanken zu machen scheinst. Bist du ein nachdenklicher Mensch?
Anoki: Ich glaube, das ist Teil dieses Abwägens von Situationen: Ist die Situation gerade gut oder schlecht für mich, ist sie gefährlich oder nicht gefährlich. Meine Freund*innen nennen das „Grübeln“ und fragen mich oft „Grübelst du gerade wieder?“(lacht). Ich merke das ja auch, ich mache das sehr viel und ich merke auch, dass ich das ein bisschen weniger machen muss, weil mir damit auch echt auch viel Energie und Freude flöten geht. Aber ich kann sehr schwer abschalten irgendwie. Das wird ein bisschen besser gerade, was aber auch damit zu tun hat, dass ich mich wohler fühle. Aber ja, ich denke ein bisschen zu viel nach und wünsche mir oft, das einfach mal ausmachen zu können und einen Moment einfach so geil zu finden. Das ist mein Projekt für den Festival-Sommer. Wir spielen so viele Shows, meine wunderbare Band und ich haben da so lange drauf hingearbeitet. Ich weiß nicht, wie lange wir das noch machen können, deshalb will ich es einfach nur genießen.
Jule: Du überzeugst ja nicht nur mit genre-übergreifenden Sounds, darauf war ich vorbereitet.Aber auf die Wortgewandtheit und Texte, darauf war ich nicht so ganz vorbereitet. Und die hat mir beim ersten Hören der EP ein bisschen den Boden unter den Füßen weggezogen. Weißt du eigentlich, wie gut du mit Worten bist?
Anoki: Wow Jule ey, danke (lacht). Also ich schreibe ja schon sehr lange Texte. Ich habe immer Musik gemacht, habe aber nie ein Instrument gelernt – mit Zettel und Stift konnte ich aber trotzdem immer an einer Band teilnehmen. Das habe ich schon immer gemacht und deshalb auch Linguistik studiert, weil ich das super geil finde. Ich schreibe ja auch für viele andere Künstler*innen, weil ich Sprache liebe. Ich meine schon, dass ich ein gutes Gespür habe für Wortästhetik und so.
Jule: Das meine ich auch!
Anoki: … das freut mich wirklich sehr, weil mir Texte super wichtig sind. Ich habe jetzt diesen einen Schritt gemacht. Früher habe ich immer eine Grenze gezogen, dass ich Texte nicht zu nah werden lasse. Ich wollte immer noch so eine Mauer haben zwischen dem, was in meinem Inneren abgeht und dem, was ich sage. Und das habe ich jetzt einfach mal versucht einzureißen. Ich habe diese Worte, dann kann ich sie doch auch benutzen. Warum versperre ich mich dagegen, die Dinge zu sagen, die tatsächlich in mir vorgehen? Deshalb finde ich es sehr schön, wenn Leute diese Texte gut finden und mit diesen Aussagen etwas anfangen können. Wir haben auf der Platte auch komplett auf den Aufbau von typischen Popsongs geschissen. Und diese Texte stehen irgendwie trotzdem so im Vordergrund und die Songs bauen sich so um diese Texte rum auf, das war ein cooler Step irgendwie.
„Auf der eigenen Tour zu zocken, das wird ultra geil“
Jule: Ein nächster cooler Step ist auch, dass du im September gemeinsam mit Kaltenkirchen auf Tour gehst. Wie sind deine Gefühle dazu?
Anoki: Jetzt richtig gut. Wir haben ja gerade OK KID auf ihrer „Kleiner Drei“-Tour supportet, durch kleine Clubs. Und das sind fast die gleichen Clubs, in denen wir auch im September auf unserer Tour spielen. Ist natürlich geil, dass ich den Leuten halt schon vorab meine Musik präsentieren konnte (lacht). Ich merke auch, die Leute kaufen wieder Konzertkarten. Das war direkt nach Corona natürlich sau schwer, weil alle halt noch 1.000 Karten am Kühlschrank hängen hatten. Aber ja, im September touren wir dann und ich hoffe, dass das alles funktioniert. Ich habe sooo Bock. Natürlich habe ich auch Bock auf diese 40 Konzerte im Sommer aber dann nochmal im September auf der eigenen Tour zu zocken, das wird ultra geil. Ich kann es wirklich nicht erwarten. Es juckt so sehr, also kommt alle dahin, wir sind auch in eurer Nähe (lacht).
Jule: Dann kommen wir auch schon zu letzten Frage, die traditionell bei uns die nach einer untold story ist. Etwas, dass du noch nie in einem Interview erzählt hast.
Anoki: Okay, also, das hat aber gar nix mit Musik zu tun. Ich habe letztes Jahr, es war Corona, ein bisschen zu viel Zeit im Internet verbracht, wie ungefähr alle. Ich habe damals noch studiert und an meiner Uni kommt man relativ cheap in so Segelkurse rein, also habe ich einen Segelkurs gemacht. Dann bin ich immer so 4 Stunden auf dem Wannsee gesegelt und danach ins Studio gefahren, um Mucke zu machen – wie geil isses? Dann bin ich aber leider in so ein rabbit hole gefallen und habe auf eBay Kleinanzeigen ein altes Segelboot gefunden, das in einer Scheune in Sachsen-Anhalt stand. Das Ding war eine richtige Ruine, kannst du dir nicht vorstellen. Aber ich bin hingefahren und das war alles suuuuper dubios (lacht). Da ist so ein freilaufender Pitbull mit Nietenhalsband rumgelaufen, der an der Pfote geblutet hat und der Besitzer meinte nur so: „Das ist ganz normal, wenn der gestresst ist, beißt der sich immer“ – und das beschreibt eigentlich den ganzen Vibe (lacht). Und naja, dann habe ich dieses Boot halt gekauft.
Jule: Hahahaha!(Anm.: Ich weiß, dass sich ein „hahaha“ eher awkward liest, aber das war der einzige Weg, mein lautes Lachen zu verschriftlichen, verzeiht mir)
Anoki: Es wird noch besser. Ich habe das Boot dann an der Grenze zu Brandenburg ins Wasser gelassen. Dann habe ich es 4 Tage am Stück nach Berlin überführt. Durch sieben Schleusen. Das habe ich natürlich noch nie vorher gemacht. Ich war nervlich ein Wrack, wir waren zwar zu zweit, aber es war trotzdem die blanke Superhölle (lacht). Jetzt habe ich aber einen Stellplatz gefunden in einem wunderbaren Segelverein. Es ist so funny da, wie ein Kleingartenverein, aber mit Leuten, die gerne chillen und Bier trinken. Da konnten wir das Boot jedenfalls ordentlich reparieren, mit Freund*innen, die auch handwerklich Ahnung davon hatten. Uuuuuund, vor einer Woche waren wir endlich das erste Mal richtig damit segeln. Das war so geil, so geil. Ich werde also im Sommer, wenn ich in Berlin bin, nicht Zuhause sein, sondern die Zeit ausschließlich auf dem Segelboot chillen, den Anker auswerfen, Aperol saufen und mein Maul halten (lacht).
Jule: Und dabei wünsche ich dir den größten Spaß. Und Respekt, ich habe bei noch keiner untold story so viel gelacht, vielen Dank fürs Teilen. Und natürlich auch vielen Dank für deine Zeit!
Wenn ihr jetzt auf der Suche nach einem Soundtrack für eure nächste Segeltour seid oder jetzt einfach nur Bock habt, Anokis EP auf Repeat zu hören, dann könnt ihr das hier gerne tun:
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Die Musikwelt erwacht langsam aus ihrem Winterschlaf und beglückt uns endlich wieder regelmäßig mit neuen Songs, juhu! Einer dieser neuen Songs kommt vom Berliner Rapper und Songwriter Anoki. „Irgendwann wird alles leichter“ ist der dritte Vorbote seiner gleichnamigen, am 08.04.2022 erscheinenden EP. Und es ist uns eine wahre Freude, euch jetzt (als erste Videopremiere des Jahres) exklusiv das Musikvideo zu präsentieren. Jule verrät euch nachfolgend alles Wissenswerte zum Song und natürlich auch zum Video!
Wer „Anoki“ in die Suchmaschine des Vertrauens eingibt, wird schnell auf die Bedeutung des Vornamens, nämlich „Schauspieler“, stoßen. Wie gut das passt, werdet ihr erfahren, wenn ihr das Musikvideo seht. Aber eins nach dem anderen. Wer nämlich nach dem Treffer der Namensbedeutung weiterscrollt, findet dann auch gleichnamige Schulhefte, in denen ein süßer Junge beim Lernen hilft. Und auch das liegt hier gar nicht so fern, denn wer sich die Songs von unserem Anoki aufmerksam anhört, kann ebenfalls eine Menge lernen. Ja, das war schon sehr weit ausgeholt, um einen kleinen Bogen zu spannen.
Wer uns schon seit allerjüngster Zeit liest, kennt Anoki natürlich längst – gehört er doch eindeutig zu den Künstler:innen, bei denen wir einfach nicht müde werden, sie euch ans Herz zu legen. Ich habe letztens den aus dem Deutschrap stammenden Begriff „Rücken“ kennengelernt, der eigentlich aus der Zoologie stammt. Denn der Silberrücken eines Gorillas symbolisiert Stärke, aber auch Schutz. Und mit Gorillas legt man sich ja bekanntlich eher ungerne an. Dass der Gorilla in der Deutschrap-Übersetzung dann letztlich von Kriminellen dargestellt wird, ist eine Tatsache, die wir jetzt wegignorieren müssen, weil meine Erklärung sonst völlig ihren Sinn verfehlt. Also, was ich eigentlich sagen will: Anoki hat untoldency-Rücken – nur halt in sehr lieb und ohne Gewalt und so blödes Zeug. Aber halt … Rücken! … Ja … Lasst das jetzt einfach mal kurz sacken … Und? … Schon ist der Bogen von Namensbedeutung und Schulheft gar nicht mehr das Weirdeste, was ihr seit langem gelesen habt, ne?
In seiner neuen Single „Irgendwann wird alles leichter“ befasst sich Anoki mit dem ewig währenden Glücksversprechen, dass man nur lange genug warten muss, bis alles leichter wird. „Aller Anfang ist schwer“, „kommt Zeit kommt Rat“ und „die Zeit heilt alle Wunden“. Doch wann ist dieser Moment erreicht, an dem die Last abfällt? Kommt er überhaupt? Eine Sache verbindet den Großteil von uns in dieser Angelegenheit miteinander: Es ist völlig egal, wie unrealistisch der Zustand vollkommener Unbekümmertheit (gibt es die überhaupt?) auch sein mag, allein der Glaube daran treibt uns an. Und darauf kommt es doch am Ende auch irgendwie an, oder?
„Als ich noch ein Kind war habe ich immer gedacht, das alles kommt mit der Zeit, mit der Zeit Doch wie es aussieht, kommt es anders als gedacht: Ich fühl mich immer noch gleich“
In „Irgendwann wird alles leichter“ beschäftigt sich Anoki mit genau diesen Gedanken. Im Vergleich zu den vorangegangenen Singles „Sie bauen eine Mall“ und „Is Ok“ ist diese mehr in ein Rap-Gewand eingehüllt. Und wird umarmt von einem Vintage-Band-Sound, der am Ende überraschend ausufert. Wer wie ich großer Fan von Anokis Stimme und seinem Songwriting ist, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr abgeholt fühlen. Unterstrichen wird das dann aber vor allem durch das Musikvideo, das ich euch jetzt auch nicht länger vorenthalten möchte:
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Das Video zu „Irgendwann wird alles leichter“ wurde von Chris Schwarz gedreht und zeigt Anoki als Hilfsarbeiter in einer isländischen Hafenstadt. Das Video könnte ohne Zweifel einer Doku entstammen – das macht es irgendwie ungewöhnlich, ist im Zusammenspiel mit den Lyrics aber unfassbar passend. Das Eingesperrtsein der Figur in einem Leben, das noch so viel mehr zu bieten hat. Ein Hauch von Perspektivlosigkeit. Das Gefangensein in Strukturen, in die man gedrückt wurde und aus denen man sich nur schwer befreien kann. Ich kann euch sehr empfehlen, das Video mehrfach anzugucken. Denn mit jedem Mal wird die Bildsprache klarer, die Zerrissenheit greifbarer und die Hoffnung größer. Es müssen nicht immer explodierende Autos sein: Anoki und Chris Schwarz haben es mit diesem minimalistischen Video geschafft, auf eine sensible Art eine bedeutungsvolle Geschichte zu erzählen – denn das Leben ist immer wieder weitaus berührender als es Fiktion jemals sein könnte.
Wenn ihr nach dem Song und dem Musikvideo jetzt auch Fans von Anoki geworden seid (Fanclub-Mitgliedschaftsanträge bitte direkt zu mir), dann hier noch ein kleiner Reminder: Im April 2022 geht Anoki gemeinsam mit Kaltenkirchen auf „Irgendwann“-Doppelheadliner Tour. Alle Infos und natürlich auch Tickets bekommt ihr h i e r.
Und klar, ihr könnt euch „Irgendwann wird alles leichter“ auch hier anhören:
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Ich weiß, ihr seid sicherlich schon mal kompetenter informiert worden, aber: Es ist Sommer. Und was machen wir im Sommer gerne? Richtig. In der Sonne entspannen, mit den liebsten Freund:innen Eis essen und danach Richtung Sonnenuntergang dancen. Wenn dazu noch die passende Musik läuft, ist das doch einfach der perfekte Tag oder? Und da kommen Neue Deutsche Wahrheit ins Spiel. Letzten Freitag hat das Hamburger Duo eine wunderbar tanzbare Sommerhymne namens „Wenn Du Willst“ veröffentlicht. Und heute feiert das dazugehörige Musikvideo exklusiv Premiere bei untoldency. Wie der Song klingt und warum das Video euch umgehend in Sommerurlaub-Vibes versetzt, verrät euch Jule jetzt.
Bevor es losgeht, gibt’s zu Beginn wie gewohnt meinen kleinen Faktencheck. Ich verfolge Neue Deutsche Wahrheit schon eine ganze Weile. Der Hauptgrund dafür ist ungefähr der oberflächlichste, den man sich denken kann (sorry). Haltet euch fest: V und P sind in meinen Augen die ästhetischsten Personen, die die deutsche Popmusik-Welt gerade so zu bieten hat. Punkt. Sie sind bunt, sie sind laut und dabei unfassbar elegant – sie sind eigentlich all das, was ich gerne wäre, mich aber nicht traue. Jetzt ist es raus. Musikalisch bewegt sich das Drama Pop-Duo irgendwo zwischen Disco und Ballade, Kerzenlicht und Feuerwerk, einfach zwischen Tristesse und Exzess. Neue Deutsche Wahrheit schaffen mit ihrer Musik eine Welt, in der wir alle willkommen sind und so sein dürfen, wie wir wollen. Ich liebe ihren Vibe und ihre Ausstrahlung sehr und bin daher umso glücklicher, gerade diese Zeilen schreiben zu dürfen.
Ich hab so summer city vibes
Mit ihrer neuen Single „Wenn Du Willst“ haben die beiden Zuckermäuse nun einen astreinen Sommerhit veröffentlicht, der mich von der ersten Sekunde an komplett abgeholt und zurück in die 90er geschmissen hat. Neue Deutsche Wahrheit haben ihren ganz eigenen Stil, auch gesanglich, der sich schon in den ersten Sekunden wieder einmal offenbart. Während P liebliche Gesänge von sich lässt, steuert V königlichen Sprechgesang bei. Ich höre es total gerne, wie die beiden sich sowohl technisch als auch klanglich ergänzen. „Wenn Du Willst“ macht durch seine Energie direkt extrem gute Laune. Es geht um heiße Sommertage und den Traum, für immer mit dem neuen Herzblatt am Pool zu liegen und gemeinsam Gelato zu verputzen. Catchige Drums, fetzige Synthies – mehr brauche ich nicht für einen gelungenen Sommertag (na gut, vielleicht noch 2 Kilo Sonnencreme auf meiner Haut).
Ich hab diese Vision Wir am Pool, Meer, Strand Auf der Badewiese, Limo unter unsern Füßen Sand
Na, seid ihr jetzt auch so richtig scharf auf das Musikvideo? Fühl ich total. Ich will euch auch gar nicht länger auf die Folter spannen, hier könnt ihr jetzt das Video anschauen:
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Das Video beginnt mit V und P, die gemeinsam vor einem Wohnwagen sitzend ein beliebtes Kartenspiel mit drei Buchstaben spielen (UNO, Leute). Im Verlauf sehen wir die beiden, wie sie einfach einen perfekten Sommertag verbringen. Chillen am Strand, leckere Drinks und das allerbeste daran: Sie erleben das alles gemeinsam. Und wer genau hinschaut, der erkennt sofort, was ich vorhin mit der Ästhetik meinte. I mean, schaut doch mal, wie grazil die beiden sich bewegen, ich könnte ihnen stundenlang zusehen. Mit den eingebauten Selfie-Sequenzen geben Neue Deutsche Wahrheit dem Musikvideo dazu auch noch einen total persönlichen und nahbaren Vibe. Na, wer möchte jetzt sofort an den nächsten Strand flüchten? Geil, same.
Meine Highlights sind übrigens: V, wenn sie „kiss, kiss, kiss“ singt, die super süße Tanzeinlage im Sonnenuntergangen und natürlich die Fingernägel 💚 Und eins steht ja wohl mal fest: Ich möchte bitte bald einen Sommertag mit Neue Deutsche Wahrheit verbringen, geht da was?
Also los, wir packen unsere Sachen, schnappen uns unsere Liebsten und dann genießen wir jetzt alle einen wunderbaren Tag in der Sonne. Den perfekten Soundtrack dafür haben Neue Deutsche Wahrheit ja schon geliefert, jetzt liegt es an uns. Drückt hier einfach auf Play und dann kann‘s losgehen:
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